Geschwistersozialisation in Viel-Kind-Familien
Die spezifischen Sozialbeziehungen unter Geschwistern sind sozialisationstheoretisch von Interesse. Denn diese liegen generational auf der gleichen Ebene wie Peer-Beziehungen. Zugleich sind sie nicht frei gewählt, sondern vom Zufall der Geburt abhängig. Damit stellen Geschwisterrelationen einerseits einen sozialisatorischen Sonderfall dar und sind andererseits ein prägendes Element von Kindheit und Jugend.
- Stichworte
- Familienforschung, Kindheit, Erziehung, Sorge, Geschwister
- Laufzeit
- 01.03.23 - 31.12.24
- Institution der EUF
- Institut für Erziehungswissenschaften
Kurzübersicht
Beschreibung
Die spezifischen Sozialbeziehungen unter Geschwistern sind sozialisationstheoretisch von Interesse. Denn diese liegen generational auf der gleichen Ebene wie Peer-Beziehungen. Zugleich sind sie nicht frei gewählt, sondern vom Zufall der Geburt abhängig. Damit stellen Geschwisterrelationen einerseits einen sozialisatorischen Sonderfall dar und sind andererseits ein prägendes Element von Kindheit und Jugend.
Im medialen Diskurs taucht in der letzten Zeit bisweilen das Phänomen der Viel-Kinder-Familien entweder bei prominenten und kapitalienstarken Eltern auf. Oder Familien mit vielen Kindern werden als Armutsrisiko thematisiert sowie als Hinweis auf problematische Familienkonstellationen (Lareau 2011). Auch sozialisationstheoretisch spielen Geschwister eine zentrale Rolle (Lange & Xyländer 2011). In Viel-Kinder-Familien[1] vervielfältigen sich die innerfamiliären Beziehungen und die generationale Differenz konfiguriert sich mutmaßlich in spezifischer Weise.
In der erziehungswissenschaftlichen Forschung allerdings spielen Viel-Kind-Familien mit ihren spezifischen Generationalitäts- und Geschwisterkonstellationen keine Rolle. Die Familienforschung beschäftigt sich marginal mit der Relevanz von Kindern für Generationenverhältnisse, sondern erscheint vor allem als Elternforschung (Betz et al. 2017; Müller & Krinninger 2016). Wenn Kinder in den Blick der Familienforschung geraten, dann meist als singulärer Teil einer Eltern-Kind-Beziehung (Chamakalayil & Riegel 2019) oder aber als wenig differenzierte Gruppe von Kinder. In der Kindheitsforschung spielen die Generationalitäts- und Geschwisterkonstellationen selten eine Rolle, bei Gleichaltrigen stehen Peer-Beziehungen im Vordergrund.
Geraten also Kinder in ihrer spezifischen Rolle als Geschwister bereits kaum in den erziehungswissenschaftliche Blick, so gilt dies noch verstärkt für Viel-Kinder-Familien. Da aufgrund der Vervielfältigung von Beziehungen diese Familien aber besondere Generationalitäts- und Geschwisterkonstellationen hervorbringen, ist zu fragen, wie sich hier Sozialisation gestaltet? Dazu wurden in einer explorativen Studie insgesamt vier Gruppendiskussionen mit Geschwistern aus Viel-Kind-Familien geführt. Rekonstruiert und präsentiert werden erste theoretische Überlegungen und empirische Analysen zu Generationalitäts- und Geschwisterkonstellationen in ‚Viel-Kinder-Familien.
Publikationen:
- Budde, J. (2025). Sozialisationsprozesse in Viel-Kind-Familien. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 20(2), 167–181. https://doi.org/10.3224/diskurs.v20i2.04
- Budde, J; Schmolka, R. & Bossek, J. (2025). Geschwistersozialisation in Viel-Kind-Familien. Special Issue der Diskurs Kindheits- und Jugendforschung.
- Budde, J. & Hellberg, L (2026). Erziehungspraktiken zwischen Geschwistern in Viel-Kind-Familien. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 20 (4), S. 475–489
[1] Mit Viel-Kinder-Familien sind in Anlehnung an den Mikrozensus 2019 jene ca. 12% der Familien gemeint, die aus drei oder mehr Kindern bestehen.
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