Tagung der DGfE Kommission "Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft"

Gegen|Bewegungen. Migrationsgesellschaftlichkeit und Rassismus in erziehungswissenschaftlicher Forschung

Jahrestagung der DGfE-Kommission Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft (KEBiM) der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft
09. bis 11. September 2026 Europa-Universität Flensburg

 

KEBiM Vorstand, WiQ Netzwerksprecher:innen und Organisationteam:
Soniya Alkis, Ela Ballin, Alexander Böttcher, Aysun Doğmuş, Magnus Frank, Elvira Hadžić, Jules Koltze, Julie A. Panagiotopoulou, Anna Plohmer, Nguyen Minh Salzmann-Hoang, Anja Steinbach 

Erweitertes lokales Organisationsteam: 
Kerstin Appel, Paula Marten, Martina Petersen, Mathea Sachse, Justine Witmer, Jan Wolter

Bei Fragen erreichen Sie uns unter kebim.tagung2026-TextEinschliesslichBindestricheBitteEntfernen-@uni-flensburg.de

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Zur Tagung

Bewegungen sind für pädagogische Kontexte und die Erziehungswissenschaft im Allgemeinen sowie für die erziehungswissenschaftliche Migrations- und Rassismusforschung im Spezifischen konstitutiv. Prozesse von Erziehung und Bildung sind grundlegend mit Transformation und Transformations-ansprüchen verbunden und zugleich aufgrund ihrer Verwobenheit mit gesellschaftlichen Ordnungen beständig in Bewegung. Diese Bewegungen sind vielschichtig, vielgestaltig und sowohl epistemisch als auch affektiv und politisch zu verstehen, etwa als Verschiebung, Resonanz, Widerstand, Beharren und Entzug.

Mit Blick auf die Vielschichtigkeit und Vielgestaltigkeit lässt sich Migration als Bewegung im pluralen Sinne begreifen: als räumliche, soziale und symbolische Praxis, die Zugehörigkeiten transformiert und zugleich geographische, materielle, symbolische und epistemische Grenzen sichtbar macht, infrage stellt und beständig neu verhandelt.

Bewegungen können dabei als soziale Bewegungen analysiert werden. Sie sind mit Bildungsprozessen verbunden und werden von kollektiven Kämpfen getragen, die Veränderungen und Transformationen gesellschaftlicher Ordnungen erst ermöglicht haben und ermöglichen. Bewegungen zeigen sich auch epistemisch, im Wandel von Diskursen und Wissensordnungen.

Sie bewegen die erziehungswissenschaftliche Migrations- und Rassismusforschung, etwa über die Weiterentwicklung theoretischer und methodologischer Zugänge, Aufmerksamkeiten und Begriffe.

Die Umbenennung der Kommission in 2023 von „Interkulturelle Bildung“ in „Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft“ kann als Ausdruck dieser Bewegungen, vielleicht auch als Gegenbewegung, verstanden werden.

In einem dekolonialen Verständnis lassen sich zudem Grenzen und Begrenzungen von Bewegungen in der Wissenschaft fokussieren und zugleich widerständige Praktiken deutlich und verstehbar machen – als Entgrenzung und Infragestellung hegemonialer und westlicher Wissensordnungen. Solche Bewegungen von Diskursen und Theoriebildung verweisen auf historische Kontinuitäten kolonialer und rassistischer Strukturen, in denen auch die Erziehungswissenschaft situiert ist.

Gegenwärtig scheinen in Bezug auf migrationsgesellschaftliche Ordnungen Dynamiken und Verschiebungen von Diskursen, Sagbarkeiten und konkreten Praktiken relevant, die zugleich auf Kontinuitäten und Brüche gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse verweisen und pädagogische Kontexte der Erziehung und Bildung bewegen. Das Erstarken autoritärer, rechter und rechtsextremer Kräfte, die Zunahme antisemitischer und rassistischer Übergriffe, die Normalisierung antidemokratischer und menschverachtender Positionen sowie deren Aushandlungen und Wirksamkeit in pädagogischen Feldern sind für die Erziehungswissenschaft bedeutsam und bewegen auch uns und unsere Forschung.

Vor diesem Hintergrund soll die KEBiM Tagung 2026 einen Raum für Diskussion, Austausch und gemeinsame Bewegungen schaffen.

Programm-Flyer

Programm

Die Räume werden allen Tagungsteilnehmer:innen kurz vor Beginn der Tagung bekannt gegeben.

 Di. 08.09. 2026  
ab 18.30Abendveranstaltung
Ankunft bei Fingerfood und Getränken
Kurzfilm-Screening und dann geselliges Beisammensein
Mi. 09.09.2026 
ab 9.30Netzwerk-Workshop
Ankommen bei Kaffee und Tee
10.00 - 12.00Treffen zur Stärkung nachhaltiger Netzwerkarbeit
mit Teresa Inclán
ab 12.00 Mensa & Pause
13.00 - 13.30Ankommen und Kaffee
13.30 - 14.00Tagungseröffnung
Aysun Doğmuş, Julie A. Panagiotopoulou, Anja Steinbach | KEBiM Vorstand
Grußwort: Marion Döll (Vizepräsidentin für Forschung und Wissenstransfer) | Europa-Universität Flensburg

14.00 - 15.00

Moderation: Aysun Doğmuş

Keynote: In Zeiten der Faschisierung. Bewegt sich die Erziehungswissenschaft? Wohin? Prof. Dr. Paul Mecheril | Universität Bielefeld

Wir befinden uns gesellschaftlich in einer Situation, in der der Ausdruck Migration politisch und medial sehr eng mit Themen wie Bedrohung, Illegitimität und Problemlagen assoziiert wird, so dass Migration fast zu einer Chiffre für das gesellschaftlich Unerwünschte geworden ist. Wir befinden uns in einer Zeit der Faschisierung gesellschaftlicher Verhältnisse, welche unter anderem mit der Verabsolutierung des Vorrangs einer partikularen sozialen Einheit („Volk“) einhergeht. In meinem Vortrag will ich erstens die Diagnose der Faschisierung gesellschaftlicher Verhältnisse erläutern und zweitens fragen, in welchem Verhältnis die deutschsprachige Erziehungswissenschaft dazu steht.
15.00 - 15.30Pause

15.30 - 17.00

Begleitung: Elvira Hadžić

Roundtable

  • Wissenschaft zwischen Karriere und Solidarität. Ein Roundtable zu Möglichkeiten, Begrenzungen und (widerständigen) Gegen-/Bewegungen in akademischen Berufslaufbahnen | René Breiwe (Bergische Universität Wuppertal), Isabel Dean (PH Freiburg), Georg Geber-Knop (Universität Siegen), Lisa Tölle (PH Freiburg), Esther van Lück (CAU Kiel)

15.30 - 17.00

Begleitung: Jules Koltze

Panel - Einzelbeiträge

15.30 - 17.00

Begleitung: Soniya Alkis

Panel - Einzelbeiträge

15.30 - 17.00

Begleitung: Alexander Böttcher

Workshop

17.00 - 17.30Pause

17.30 - 19.00

Begleitung: Julie A. Panagiotopoulou

Panel - Einzelbeiträge

17.30 - 19.00

Begleitung: Anna Plohmer

Panel - Einzelbeiträge

17.30 - 19.00

Begleitung: Jan Wolter

Symposium

17.30 - 19.00

Begleitung: Anja Steinbach

Panel - Einzelbeiträge

ab 19.00

Freie Abendgestaltung


Sie sind Sie herzlich eingeladen in der Zeit von 19.30-21.30 Uhr die Ausstellung Flensburger MEMORIAL zur kolonialen Vergangenheit im Flensburger Schifffahrtsmuseum zu besuchen. In der Zeit ermöglicht es das Flensburger Schifffahrtsmuseum für KEBiM-Tagungsteilnehmer:innen, die Ausstellung außerhalb der regulären Öffnungszeiten zu besuchen. Vielen Dank dafür!

Flensburger Schifffahrtsmuseum, Schiffbrücke 39, 24939 Flensburg

9.00 - 9.30Ankommen und Kaffee

9.30 - 10.30

Moderation: Julie A. Panagiotopoulou

Keynote: Zum Versagen von Bewegung| Prof.in Dr.in Natascha Khakpour, Pädagogische Hochschule Wien

In meinem Vortrag interessiere ich mich für Formen und Bedingungen des Versagens von Bewegung. Versagen wird dabei dreifach gewendet: als Scheitern, als Nicht-Gestattet-Werden und als Selbstentsagung. Mit diesem kleinen Fächer des Versagens möchte ich dem Verhältnis von konjunkturellen Verschiebungen und der Verschärfung rassistischer Ordnungen nachgehen und fragen, wie sich diese in die (Un)Möglichkeit politischer und subjektiver Bewegung einschreiben. Es geht mir zudem darum zu diskutieren, dass gesellschaftliche Krisen nicht nur Bewegungen hervorbringen, sondern ebenso Formen der Erschöpfung, des Rückzugs und der Unbeweglichkeit. Abschließend frage ich, wie solche Erfahrungen gesellschaftsanalytisch einbezogen werden können, ohne sie als bloße Niederlage zu lesen.
10.30 - 11.00Pause

11.00 - 13.00

Begleitung: Aysun Doğmuş

Panel - Einzelbeiträge

11.00 - 13.00

Begleitung: Jules Koltze

Workshop

11.00 - 13.00

Begleitung: Alexander Böttcher

Panel - Einzelbeiträge

11.00 - 13.00

Begleitung: Nguyen Ming Salzman-Hoang

Panel - Einzelbeiträge

13.00 - 14.30Mittagspause

14.30 - 16.30

Begleitung: Jan Wolter

Panel - Einzelbeiträge

14.30 - 16.30

Begleitung: Mathea Sachse

Panel - Einzelbeiträge

14.30 - 16.30

Begleitung: Elvira Hadžić

Panel - Einzelbeiträge

14.30 - 16.30

Begleitung: Anna Plohmer

Panel - Einzelbeiträge

16.30 - 17.00Pause

17.00 - 19.00

Moderation: 
Jules Klotze & Nguyen Ming Salzmann-Hoang

Podiumsdiskussion: How, where, through what and with whom do we move?
Die Tagung nimmt Bewegungen und Gegenbewegungen in migrationsgesellschaftlichen Verhältnissen in den Blick und fragt nach ihrer Bedeutung für pädagogische Felder sowie für die erziehungswissenschaftliche Migrations- und Rassismusforschung. In der Podiumsdiskussion kommen wir unter der Leitfrage ‌ „How, where, through what and with whom do we move?"‌ darüber ins Gespräch, welche Bedeutung widerständige | hegemoniale Bewegungen für die akademische Wissensproduktion haben und fokussieren die politische Dringlichkeit dieser Fragen.

Denise Bergold-Caldwell | Universität Innsbruck
Canê Çağlar | Europa-Universität Flensburg
Saraya Gomis | DeZIM
Vassilis Tsianos | HAW Kiel

ab 19.30

Gesellschaftsabend

Essen und Getränke (Selbstzahler*innen) 35 Euro für das Buffet + Getränke nach Verzehr
Die Kosten für das Buffet werden mit dem Tagungsbeitrag überwiesen.
Anschließend: Übergang in den Tanzabend

09.30 - 11.00

Begleitung: Soniya Alkis

Zukunftswerkstatt

09.30 - 11.00

Begleitung: Elvira Hadžić

Panel - Einzelbeiträge

09.30 - 11.00

Begleitung: Nguyen Minh Salzmann-Hoang

Panel - Einzelbeiträge

09.30 - 11.00

Begleitung: Julie A. Panagiotopoulou

Roundtable

11.00 - 12.30

Postersession (Eine Auswahl der Poster finden Sie direkt unter dem Tagungsprogramm)

Walk und Talk
Pause & Snacks

12.30 - 14.30

Moderation: Aysun Doğmuş & Anja Steinbach
 

Gespräch: In Bewegung bleiben - Wissensproduktion in feministisch-antirassistischen Kämpfen

Im Gespräch mit
Annita Kalpaka | HAW Hamburg
Efthimia Panagiotidis | HAW Hamburg

14.30Abschluss und Ende der Tagung
Aysun Doğmuş, Julie A. Panagiotopoulou, Anja Steinbach | KEBiM Vorstand
Abstracts
Wer bewegt sich? Zur Handlungsmacht Studierender mit Flucht*Migrationserfahrungen an deutschen Hochschulen.
Erinnern, Deuten, Positionieren –Jugendliche Perspektiven auf Kolonialgeschichte, Macht und Rassismus in der Migrationsgesellschaft.
Bewegt werden im Feld: Zur Entwicklung eines Erkenntnisinteresses im Schnittfeld Wohnungslosigkeit und Flucht*Migration. 
Gegenbewegungen im Integrationskursbereich? Eine qualitative Fallstudie zu Volkshochschulen zwischen migrationspolitischer Steuerung und pädagogischer Verantwortung.
Wissenschaftler*innen mit Fluchterfahrung in der deutschen Wissenschaft – die Universität als inklusiver Raum?
Gegen_Bewegungen kultureller Bildung: Empowermentpraxis in Migrant:innenorganisationen zwischen strategischer Anpassung und autonomer Opposition.
Ordnung in Bewegung: Schüler*innenperspektive auf Mikrointeraktionen der Klassenführung in der Migrationsgesellschaft.
Walking the archive: Urbane Räume als Archive von Gegenbewegungen.
„Türkisch als Ressource?“ – Bewegtheit im Sprachunterricht der postmigrantischen Gesellschaft.
Lehrer*innenbildung in Bewegung: Das Praxissemester im Ausland als Mittel pädagogischer Professionalisierung für die Migrationsgesellschaft?
Sprachscham und Selbstwert in der beruflichen Bildung. Eine Studie zur Sprachdiskriminierung und sozialer Teilhabe von Auszubildenden.
Rückkehr, Weiterbewegung, Gegen|Bewegung? Lernprozesse von Teilnehmenden mit Migrationsgeschickte in internationalen Freiwilligendiensten
Das ist Kunst. Kann nicht weg. Bildungsbiographien in der Lehrer*innenbildung – eine audiovisuelle Photovoice-Inszenierung im Kontext Migration und Geschlecht 

Awareness-Konzept

Awareness-Konzept KeBIM-Tagung

Soniya Alkis, Ela Ballin, Elvira Hadžić

Herzlich willkommen zur KEBiM-Tagung 2026 „Gegen|Bewegungen – Migrationsgesellschaftlichkeit und Rassismus in erziehungswissenschaftlicher Forschung“!

Wir freuen uns, dass du Teil dieser Tagung bist. Auf dieser Konferenz kommen Wissenschaftler*innen, Pädagog*innen, Aktivist*innen und weitere Interessierte zusammen, um sich zu Fragen von Migrationsgesellschaftlichkeit, Rassismus, Bildung und gesellschaftlichen Machtverhältnissen auszutauschen. Gemeinsam wollen wir Räume schaffen, in denen aktuelle gesellschaftliche, politische und wissenschaftliche Gegen|Bewegungen reflektiert, diskutiert und weitergedacht werden können.

Im Rahmen der Tagung bringen wir Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen, Positionierungen und Wissensbeständen zusammen. Dies verstehen wir als wichtige Grundlage für gemeinsames Lernen, kritische Reflexion und solidarischen Austausch. Zugleich bewegen wir uns nicht außerhalb gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Diskriminierungen, Ausschlüsse und Grenzverletzungen können insbesondere in wissenschaftlichen Räumen wirksam werden.

Deshalb ist es unser Anliegen, die Tagung als möglichst diskriminierungskritischen, respektvollen und unterstützenden Raum zu gestalten, in dem sich alle Teilnehmenden sicher und willkommen fühlen können. Dafür sind wir alle verantwortlich. 

Für uns bedeutet das:

  • eigene Grenzen wahrzunehmen und die Grenzen anderer zu respektieren,

  • diskriminierende, rassistische, antisemitische, ableistische, sexistische, queerfeindliche oder andere ausschließende Verhaltensweisen ernst zu nehmen, zu benennen und ihnen entgegenzutreten,

  • die eigene Positioniertheit sowie gesellschaftliche Privilegien und Machtverhältnisse kritisch zu reflektieren,

  • Betroffene von Diskriminierung und Rassismus zu unterstützen und solidarisch zu handeln

Im Vorfeld der Tagung haben wir ein Awareness-Konzept entwickelt, das Orientierung geben, Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und zu verantwortungsvollem Miteinander beitragen soll. Es dient dazu, Diskriminierungen und Grenzverletzungen vorzubeugen, konkrete Unterstützungsstrukturen sichtbar zu machen und einen Rahmen für einen respektvollen und achtsamen Umgang miteinander zu schaffen. 

Damit wir gemeinsam einen diskriminierungskritischen, respektvollen und unterstützenden Raum gestalten können, fragen wir individuelle Bedarfe ab und stellen u.a. Anfahrtsinformationen, räumliche Übersichtspläne sowie Angebote vor Ort (z.B. Ruheraum, Bewegungskonzept, etc.) bereit. 

Zur Dokumentation der Tagung und für die Öffentlichkeitsarbeit werden Fotoaufnahmen angefertigt. Dabei ist uns ein transparenter und respektvoller Umgang mit den Aufnahmen wichtig. Damit alle Teilnehmenden selbstbestimmt entscheiden können, ob sie auf Fotoaufnahmen zu sehen sein möchten, besteht bei Anmeldung vor Ort auch die Möglichkeit, einer Nutzung von Fotos zuzustimmen oder diese abzulehnen. Es werden keine Fotos von Personen veröffentlich, die nicht ihre explizite Zustimmung gegeben haben. Um die Privatsphäre und das Wohlbefinden aller Teilnehmenden zu respektieren, bitten wir darum, auf eigenständige Foto- und Videoaufnahmen zu verzichten.

Wir hoffen, dass dieses Konzept dazu beiträgt, die Tagung als einen Raum erleben zu können, in dem kritische Diskussionen, produktive Irritationen und gemeinsame Lernprozesse möglich sind. Gerade in Auseinandersetzungen mit Machtverhältnissen, Rassismus und gesellschaftlichen Ungleichheiten können Unsicherheiten, Irritationen oder Widersprüche entstehen. Diese verstehen wir nicht als Hindernis, sondern als möglichen Ausgangspunkt für Reflexion, Weiterentwicklung und solidarische Auseinandersetzung.

Wir laden alle Teilnehmenden dazu ein, offen für Kritik zu sein, eigene Perspektiven zu hinterfragen und Gespräche respektvoll zu führen. Hinweise auf diskriminierendes und rassistisches Verhalten verstehen wir als Möglichkeit, bestehende Verhältnisse besser zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam an gerechteren wissenschaftlichen und sozialen Räumen zu arbeiten.

Während der Tagung ist das Awareness-Team gut erkennbar und ansprechbar, bietet Unterstützung an und begleitet bei Grenzverletzungen oder diskriminierenden Vorfällen. Darüber hinaus wird eine räumliche Anlaufstelle eingerichtet. Informationen zu Kontaktmöglichkeiten, Unterstützungsangeboten und konkreten Handlungsoptionen werden zu Beginn der Tagung sowie fortlaufend vor Ort bereitgestellt.

Wir wünschen dir erkenntnisreiche, inspirierende und solidarische Tage mit vielfältigen Begegnungen, produktiven Diskussionen und neuen Perspektiven.

Achte auf dich selbst und auf andere – und suche Unterstützung, wenn du sie brauchst. Gemeinsam gestalten wir diese Tagung.

Euer Awareness-Team

Soniya, Ela und Elli


 

Awareness-Begriff und Selbstverständnis 

Was verstehen wir unter Awareness?

Awareness beschreibt einen bewussten, sensibilisierten, verantwortungsvollen Umgang mit den sozialen, politischen und zwischenmenschlichen Dynamiken, die auch wissenschaftliche Räume prägen. Im Zentrum steht die Anerkennung, dass Veranstaltung - in diesem Fall Tagungen und Konferenzen - nicht losgelöst von gesellschaftlichen Machtverhältnissen stattfinden, sondern bestehende Ungleichheiten, Ausschlüsse und Diskriminierungsformen sich auch hier reproduzieren können.

Awareness bedeutet daher, diese Verhältnisse nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern sie wahrnehmbar zu machen und ihnen aktiv entgegenzuwirken. Dabei verstehen wir Awareness sowohl als reflexive Haltung als auch konkretes Handeln.

Dies umfasst insbesondere:

  • Sensibilität für diskriminierende und rassistische Strukturen, Sprache und Verhaltensweisen,

  • die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Privilegien, Positionierungen und Verantwortlichkeiten,

  • respektvollen Umgang mit individuellen Grenzen und Bedürfnissen,

  • solidarische Unterstützung von Personen, die Diskriminierung oder Grenzverletzungen erfahren,

  • die Förderung von Räumen, in denen unterschiedliche Perspektiven möglichst gleichberechtigt sichtbar werden können

Awareness zielt nicht darauf ab, Konflikte oder Spannungen vollständig zu vermeiden. Vielmehr geht es darum, einen Umgang mit Differenzen, Kritik und Unsicherheiten zu ermöglichen, der von Respekt, Reflexion und Verantwortungsübernahme geprägt ist.

Gerade im Kontext einer Tagung, die sich mit Migrationsgesellschaftlichkeit, Rassismus und gesellschaftlichen Gegen|Bewegungen auseinandersetzt, verstehen wir Awareness auch als Teil wissenschaftlicher und politischer Verantwortung. Wissenschaftliche Auseinandersetzung geschieht nicht unabhängig von gesellschaftlichen Bedingungen, sondern ist selbst in Machtverhältnisse eingebunden. Awareness bedeutet daher auch, diese Verwobenheiten mitzudenken.

Das Awareness-Team übernimmt hierbei eine unterstützende, begleitende und parteiliche Funktion für Betroffene von Diskriminierung oder Grenzverletzungen. Gleichzeitig bleibt die Verantwortung für einen diskriminierungskritischen Raum eine gemeinsame Aufgabe aller Teilnehmenden.

Awareness verstehen wir somit als fortlaufenden Prozess kollektiver Reflexion, gegenseitiger Fürsorge und aktiver Verantwortungsübernahme. Ziel ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen Austausch, Forschung und Begegnung möglichst respektvoll, solidarisch und diskriminierungskritisch gestaltet werden können.

Prinzipien und Handlungsorientierung

Für die Gestaltung unserer Tagung orientieren wir uns an einigen grundlegenden Prinzipien, die einen respektvollen, diskriminierungskritischen und solidarischen Austausch unterstützen sollen.

Wissenschaftliche Räume sind von unterschiedlichen Erfahrungen, Perspektiven und Wissensbeständen geprägt. Gleichzeitig verfügen nicht alle Menschen über dieselben Möglichkeiten, sich einzubringen, gehört zu werden oder sich sicher zu fühlen. Wir möchten daher ein Tagungsklima fördern, das unterschiedliche Stimmen sichtbar macht und vielfältige Formen des Wissens und der Erfahrung anerkennt.

Dazu gehört die Bereitschaft, einander zuzuhören, die eigene Position zu reflektieren und unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen. Wir laden alle Teilnehmenden dazu ein, die eigenen Redeanteile bewusst wahrzunehmen und darauf zu achten, dass Diskussionen möglichst vielen Personen Raum zur Beteiligung eröffnen.

Wir bitten außerdem darum, Menschen nicht aufgrund zugeschriebener Merkmale oder gesellschaftlicher Positionierungen als Vertreter*innen bestimmter Gruppen anzusprechen. Niemand ist verpflichtet, persönliche Erfahrungen zu teilen, Diskriminierungserfahrungen offenzulegen oder stellvertretend für andere Personen zu sprechen.

Ein respektvoller Umgang bedeutet auch, die Selbstbezeichnungen anderer Menschen anzuerkennen und auf eine diskriminierungskritische Sprache zu achten. Sprache prägt Wahrnehmungen, Zugehörigkeiten und Ausschlüsse. Ein bewusster Umgang mit Sprache kann dazu beitragen, Begegnungen respektvoller und zugänglicher zu gestalten.

Awareness zeigt sich darüber hinaus darin, aufmerksam füreinander zu sein. Wenn Personen Ausgrenzung, Diskriminierung oder Grenzverletzungen erleben, verstehen wir es als gemeinsame Verantwortung, nicht wegzusehen, Unterstützung anzubieten und bei Bedarf Hilfe hinzuzuziehen. Dabei orientieren wir uns an den Bedürfnissen und Perspektiven der betroffenen Personen.

Wir nehmen die Erfahrungen, Perspektiven und Grenzen von Betroffenen ernst. Wenn diskriminierendes und rassistisches Verhalten auftritt, werden wir dieses ansprechen und intervenieren. Dafür behalten wir uns ausdrücklich vor, von unserem Hausrecht Gebrauch zu machen. Dies kann im Einzelfall auch den Ausschluss von Veranstaltungen oder den Verweis aus unseren Räumlichkeiten bedeuten.

Fehler, Missverständnisse und Unsicherheiten können auch in diskriminierungskritischen Räumen auftreten. Wir möchten daher zu einem Umgang ermutigen, der von Offenheit, Lernbereitschaft und gegenseitigem Respekt geprägt ist. Kritik verstehen wir als Möglichkeit zur Reflexion und Weiterentwicklung. Ein konstruktiver Umgang mit Fehlern setzt voraus, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und bereit zu sein, die Perspektiven anderer ernsthaft zu berücksichtigen.

Im Sinne des Tagungsthemas verstehen wir diese Haltung schließlich auch als eine Praxis des In-Bewegung-Bleibens: die Bereitschaft, eigene Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen, sich mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen und eigenen Verstrickungen darin auseinanderzusetzen und offen für Irritationen, Kritik und neue Perspektiven zu sein.