Erodierende Indklusionsnarrative: Jugend zwischen Zukunftsangst, Zugehörigkeit und Institutionalisierung

Das gesellschaftliche Inklusionsnarrativ, dass Institutionen wie Bildung, Arbeit, Demokratie und Rechtsstaat allen Menschen dauerhaften Zugang zu Teilhabe und Aufstieg ermöglichen, bildete in den letzten Jahrzehnten einen zentralen Orientierungsrahmen für die Lebensphase Jugend. Dieses Narrativ, eng verknüpft mit wachstumsbasierten Stabilitätslogiken und der Erwartung stetigen Fortschritts, ist im Angesicht aktueller Polykrisen (wie ökologische Krisen, ökonomische Stagnation, soziale Polarisierung, Delegitimierung von Demokratie, generationaler Wandel, digitale Transformationsprozesse, geopolitische Unsicherheiten) ins Wanken geraten. So entstehen neue Formen der Exklusion. Institutionen, die bislang Inklusion sicherstellten, sehen sich mit Legitimationsverlust konfrontiert.

Kurzübersicht

Stichworte
Sozialisation, Polykrisen, Inklusion, Exklusion, Instutionen, Spätmoderne, Verlustgesellschaft, Intersektionalität
Laufzeit
01.03.25 - laufend

Beschreibung

Das gesellschaftliche Inklusionsnarrativ, dass Institutionen wie Bildung, Arbeit, Demokratie und Rechtsstaat allen Menschen dauerhaften Zugang zu Teilhabe und Aufstieg ermöglichen, bildete in den letzten Jahrzehnten einen zentralen Orientierungsrahmen für die Lebensphase Jugend. Dieses Narrativ, eng verknüpft mit wachstumsbasierten Stabilitätslogiken und der Erwartung stetigen Fortschritts, ist im Angesicht aktueller Polykrisen (wie ökologische Krisen, ökonomische Stagnation, soziale Polarisierung, Delegitimierung von Demokratie, generationaler Wandel, digitale Transformationsprozesse, geopolitische Unsicherheiten) ins Wanken geraten. So entstehen neue Formen der Exklusion. Institutionen, die bislang Inklusion sicherstellten, sehen sich mit Legitimationsverlust konfrontiert. 

Jugendliche erleben diesen Wandel in einer biographischen Phase, die von Neuorientierung, Übergängen und der Suche nach Zugehörigkeit geprägt ist. Sie sind zugleich Adressat*innen symbolischer aber umkämpfter Zukunftshoffnungen und sie sind mit zunehmenden individuellen wie strukturellen Einschränkungen ihrer Gestaltungs- und Teilhabemöglichkeiten konfrontiert. Diese Ambivalenz erzeugt neue Formen der Zukunftsbearbeitung. Sie kann verstärkt in emotionale Belastungen und Krankheitsbilder, veränderte Zugehörigkeitspraktiken, anti-demokratische Tendenzen und transformierte Inklusions- und Exklusionslogiken münden. 

Vor diesem Hintergrund analysiert die geplante Forschungsgruppe explorativ die Erosionen gesellschaftlicher Inklusionsversprechen in der Verschränkung von Gesellschaft und Jugend. Sie fragt, wie sich Transformationen des Inklusionsnarrativs in zentralen Institutionen (wie Bildung, Arbeitsmarkt, Medien, Politik) vollziehen, wie Jugendliche dies erleben, welche Strategien der Zukunftsbearbeitung sie entwickeln und welche neuen Formen von Zugehörigkeit, Wertvorstellungen und Interventionsszenarien entstehen. Dazu wird ein mehrebenenanalytischer Ansatz gewählt, der Institutionen und deren Dynamiken, Interaktionen und die Bearbeitungsstrategien sowie Akteur*innen und deren Emotionen in den Blick nimmt (s. Abb.). Gerahmt wird dieser Ansatz durch eine quantitative Erforschung von gesellschaftlichen Wahrnehmungen von Jugendlichen sowie Rekonstruktionen von Transformationskonzepten und Werten. Das Projekt wird im Rahmen des Landesforschungsschwerpunktes Transformation umgesetzt und stärkt so den Wissenschaftsstandort Schleswig-Holstein. Ziel ist die Erstellung eines DFG-Antrags.

Verantwortlich

Projektmitarbeitende

Projektkoordination

Partnerinnen und Partner

Finanzierung

Ideenfonds des Landes Schleswig-Holstein

Für den geplanten Forschungsgruppenantrag hat sich eine interdisziplinäre Projektgruppe (Erziehungs-, Wirtschafts-, Medien- und Transformationswissenschaft sowie Romanistik, Geographie und Philosophie) von Forschenden unterschiedlicher Karrierestufen (Professor*innen, Postdoktorand*innen),von CAU und EUF formiert, die den Themenkomplex aus einer multidimensionalen Perspektive bearbeitet. Das Thema ist in die strategischen Forschungsschwerpunkte Bildung und Transformation der EUF sowie Gesellschaft, Umwelt, Kultur im Wandel (SECC) der CAU eingebettet. Die Kooperation ermöglicht Synergien zwischen den komplementären Profilen beider Universitäten und der beteiligten Forschenden in Bezug auf Interdisziplinarität und Methodenpluralität.