Anne Gärtner
Vita:
Anne Gärtner studierte von 2016-2020 'Deutsche Literatur und Sprache' mit Nebenfach 'Französisch' im Bachelor an der Universität Hamburg und von 2020-2023 'Kultur - Sprache - Medien' im Master an der Europa-Universität Flensburg. Zwei Jahre arbeitete sie in Lyon, Frankreich, erst als Lektorin der mobiklasse.de und dann als DaF-Dozentin an der École Normale Supérieure de Lyon.
Zu ihren Forschungsinteressen in den Kultur- und Literaturwissenschaften zählen literarische Erinnerungskulturen der Gegenwart, transgenerationale und diasporische Formen des Erinnerns, sowie deren politische, philosophische und gesellschaftliche Implikationen in deutsch- und französischsprachigen sprachigen Literaturen.
Projekt:
Die Dissertation von Anne Gärtner ist im Feld der literarischen Erinnerungskultur angesiedelt und untersucht Formen des Erinnerns in der Gegenwartsliteratur, deren gesellschaftliche Relevanz gegenwärtig besonders virulent ist.
Zentral sind dabei Texte wie Ruth Klügers Weiter leben, Dana Vowinckels Gewässer im Ziplock, Maya Lasker-Wallfischs Briefe nach Breslau, Anne Berests Die Postkarte etc. Im Fokus steht die Frage, wie Erinnerung literarisch über Generationen hinweg vermittelt wird und welche Rolle Transgenerationalität dabei spielt. Besonders interessiert sie das Erinnern der zweiten und dritten Generation, das unter Bedingungen zeitlicher Distanz neue narrative Formen und politische Lesarten hervorbringt.
Die Texte zeigen, dass Erinnern nichts rein Privates ist, sondern immer in aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzungen eingebettet bleibt. Vor dem Hintergrund von Erstarken nationalistischer Diskurse, Antisemitismus und erinnerungspolitischen Konflikten gewinnt die literarische Auseinandersetzung mit Vergangenheit neue Dringlichkeit.
Die Erfahrung von Diaspora fungiert dabei als zentrale Kategorie, die Zugehörigkeit, Sprache und Erinnerung politisch konturiert. Zugleich reflektiert die Arbeit die ethische Verantwortung literarischen Erinnerns jenseits unmittelbarer Zeugenschaft. Da Gärtners Korpus nicht ausschließlich deutschsprachige Literatur umfasst, ist die Arbeit auch im Feld der Komparatistik verortet und macht transnationale Dynamiken von Erinnerung sichtbar.