Offizielle Pressemitteilungen der Europa-Universität Flensburg (EUF)

Interdisziplinär und Praxisnah: Ein Jahrzehnt Bildungsforschung in Flensburg

Das Zentrum für Bildungs-, Unterrichts, Schul- und Sozialforschung (ZeBUSS) an der Europa-Universität Flensburg (EUF) wird 10 Jahre alt.

2016 wurde das ZeBUSS als erstes profilgebendes Zentrum an der EUF gegründet. Gefeiert wird in Flensburg mit einer Jubiläumsveranstaltung und der Fachtagung „Wohlbefinden und Gewaltverhältnisse“.  

Staatssekretär Guido Wendt: „Mit der Etablierung des ZeBUSS als erstes von drei Forschungszentren konnte an der EUF ein erfolgreicher Profilbildungsprozess gestartet werden. Mit seiner interdisziplinären Ausrichtung und intensiven Vernetzungen mit Schulen und weiteren Bildungseinrichtungen trägt das ZeBUSS wesentlich zur Stärkung der Bildungswissenschaften an der EUF bei. Mit einer erheblichen Steigerung der Drittmittelförderung am ZeBUSS unterstreicht die EUF ihr zukünftiges Potenzial als Forschungsstandort in Schleswig-Holstein.“

„Mit der Gründung des ZeBUSS vor zehn Jahren hat die EUF die Flensburger Bildungsforschung in einem interdisziplinären Zentrum gebündelt. Damit haben wir Zusammenarbeit über die unterschiedlichen Institute hinweg geschaffen und arbeiten gemeinsam zu drängenden Bildungsfragen. In den letzten zehn Jahren hat sich ein lebendiges Zentrum entwickelt, an dem wir nicht nur zu Fragestellungen der schleswig-holsteinische Bildungslandschaft forschen, sondern auch Themen und Perspektiven in den Blick nehmen, die weit darüber hinaus diskutiert werden.“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Budde, geschäftsführender Direktor des Forschungszentrums: „Im Rahmen unserer Jubiläumstagung diskutieren wir die Themenbereiche Wohlbefinden und Gewaltverhältnisse zusammen. Daran zeigt sich die innovative Stärke des ZeBUSS: immer wieder Forschungen aus neuen Blickwinkeln zu betrachten und interdisziplinär Expertise zusammenzubringen.“  Über 23,5 Millionen Forschungsdrittmittel konnten Wissenschaftler*innen des Zentrums in den vergangenen 10 Jahren einwerben. 

Die im Rahmen des Jubiläums stattfindende Fachtagung verknüpft mit den Themenbereichen „Wohlbefinden und Gewaltverhältnisse zwei aktuelle Handlungsfelder zunehmender Bedeutung und zeigt deren gegenseitige Wechselwirkungen in schulischen Kontexten auf. Durch die Beiträge der Wissenschaftler*innen unterschiedlichster Bereiche und die Verknüpfung der beiden Themengebiete zeigt sich die interdisziplinäre und innovative Arbeitsweise des Forschungszentrums ZeBUSS. 

Forschung in vier Schwerpunkten pädagogischer Handlungsfelder

In vier Forschungsschwerpunkten werden pädagogische Handlungsfelder am ZeBUSS in den Blick genommen. Dabei geht es nicht nur um die Erforschung von Theorien und Ansätzen, sondern immer auch um den Transfer in Praxis und Lehre. Schulen, Kitas und Bildungseinrichtungen erhalten Unterstützung bei der Umsetzung von Konzepten. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden direkt in die Lehre für angehende Lehrkräfte umgesetzt. Durch die interdisziplinäre Ausrichtung des Zentrums bietet sich eine große Vielfalt an Forschungsthemen und -projekten.

Im Bereich Differenz und Inklusion untersuchen die Forschenden Prozesse der Differenzsetzung und erarbeiten Ansätze zur Überwindung der Benachteiligung. Bildungseinrichtungen erhalten Unterstützung bei der Umsetzung inklusiver Konzepte und dem Umgang mit Vielfalt. Gleichzeitig fließen Ergebnisse in die Lehrkräftebildung für Inklusion und Diversitätssensibilität ein. Studierende lernen einen reflektierten Umgang mit Heterogenität und Ungleichheiten in pädagogischen Settings.

Im Projekt DaF-L entwickelten Wissenschaftler*innen beispielsweise einen digitalen Lesetest für inklusive Grundschulen, der Lehrkräfte direkt mit Fördermaterial unterstützt. Das Projekt „Bildung für inklusive Zugehörigkeitskonzepte in der deutsch-dänischen Grenzregion“ untersucht, wie Zugehörigkeit in deutschen und dänischen Schulen in der Grenzregion entsteht und verstanden wird. Die Nachwuchsforschungsgruppe „Gender 3.0 in der Schule” untersucht, welche Bedarfe und Möglichkeiten sich durch die Einführung des Personenstands „divers“ im Schulbereich ergeben, um die Inklusion und gleichberechtigte Bildungsteilhabe gender-diverser Schüler*innen zu gewährleisten.

Forschende im Schwerpunkt Gewalt und Diskriminierung analysieren Ursachen, Erscheinungsformen und Wirkungen von Diskriminierung und Gewalt. In der Praxis bedeutet dies die Unterstützung bei der Entwicklung von Präventionsstrategien und Fortbildungsangeboten für Fachkräfte im Bildungsbereich. Für angehende Lehrkräfte im Studium stehen durch diesen Forschung die Reflexion über diskriminierende Strukturen und Gewaltformen in Bildungskontexten auf dem Modulplan.

Im Rahmen der BMBFSFS-geförderten Nachwuchsforschungsgruppe  „Referenzperson für schulisches Handeln im Kontext sexuellen Kindesmissbrauchs (RPSKM)“ ist ein Ausbildungskurs für alle an Schule tätigen Personen entstanden. Die Nachwuchsforschungsgruppe „Kontinuitäten und Neuformierungen von institutionellem Rassismus in der Schule" untersucht Bedingungen, Mechanismen und Formen von Institutionellem Rassismus in der Schule.

Kompetenzförderung und Professionalisierung

Wesentlicher Bestandteil der Forschung ist die die Weiterentwicklung der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften. Im Fokus steht hier die Qualitätsentwicklung in Bildungseinrichtung und die Vermittlung einer wissenschaftlich fundierten Unterrichtsgestaltung, Diagnostik und pädagogischen Professionalität. 

Im Rahmen des Projekts „EuViS“ wurde eine Schwimm-Lehr-App entwickelt, die Lehrkräfte bei der Planung von individualisiertem Schwimmunterricht unterstützt.

Der Wandel durch digitale Medien, neue Lernformen und technologische Entwicklungen in Gesellschaft und Bildungsprozessen werden im Schwerpunkt Medialität und Digitalität untersucht. In der Praxis werden Bildungseinrichtungen bei der Entwicklung digitaler Bildungskonzepte unterstützt und digitale Lernangebote evaluiert. Studierende werden durch Vermittlung von Medienkompetenz und KI-Verständnis auf digitale Bildungsrealitäten vorbereitet. 

Im „AIEduLab“ geht es darum praxisorientiert KI-Medienbildung in den Lehramtsstudiengängen zu integrieren. Das Projekt „BIBEKI“ untersucht, inwiefern die vermehrte Nutzung von generativer künstlicher Intelligenz Benachteiligungen in Bildungsprozessen verringert oder verstärkt. 

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