Partizipation von Sinti*zze und Rom*nja

Das Vertrauen von Sinti*zze und Rom*nja in die Wissenschaft ist historisch tief erschüttert worden und wirkt bis in die Gegenwart nach. Noch Jahrzehnte nach dem Ende des Nationalsozialismus wurden an deutschen Universitäten Materialien weiterverwendet, die im Kontext rassistischer Verfolgung und des Völkermords entstanden waren. Diese Kontinuitäten haben dazu beigetragen, dass Wissenschaft von vielen Angehörigen der Minderheit als ambivalenter oder sogar bedrohlicher Raum wahrgenommen wird.

Vor diesem Hintergrund setzt sich die Forschungsgruppe zum Ziel, Zugänge zur Wissenschaft zu öffnen und bestehende Barrieren abzubauen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Unterstützung von Studierenden und Nachwuchswissenschaftler*innen der Minderheit, u.a. Mitgliedern des Studierendenverbands der Sinti*zze und Rom*nja, beim Übergang vom Studium zur Promotion. Ziel ist es, Sinti*zze und Rom*nja gezielt an akademische Laufbahnen heranzuführen und Vertrauen in wissenschaftliche Institutionen zu stärken.

Ein zentrales Element dieser Arbeit sind Empowerment-Workshops [61375], die im Vorfeld der Tagungen des Forschungsverbunds stattfinden. Sie schaffen geschützte Räume für Austausch, Orientierung und Vernetzung und ermöglichen im Anschluss die aktive Teilnahme an den wissenschaftlichen Veranstaltungen. Die Workshops werden von Teilprojektleiterinnen und Expertinnen – darunter auch Vertreter*innen der Minderheit – in enger Abstimmung mit dem Beirat der Forschungsgruppe konzipiert und durchgeführt.

Langfristig soll so ein Beitrag dazu geleistet werden, die Teilhabe von Sinti*zze und Rom*nja im Wissenschaftssystem zu erhöhen und sie als selbstverständlichen Bestandteil akademischer Strukturen zu verankern.

Mitglieder des Beirats der Forschungsgruppe

Francesco Arman

Francesco Arman ist ein deutscher Politiker und Aktivist für die Rechte der Sinti*zze und Rom*nja. Er studierte Sozialwissenschaften und engagiert sich insbesondere für die Förderung und Vernetzung studierender Sinti*zze und Rom*nja. Als Mitbegründer und Vorsitzender des Studierendenverbands der Sinti und Roma in Deutschland e.V. setzt er sich für deren Sichtbarkeit und Unterstützung im akademischen Kontext ein.


 

Radoslav Ganev

Radoslav Ganev ist Politikwissenschaftler mit Forschungsschwerpunkten in der Repräsentation ethnischer Minderheiten und der politischen Partizipation benachteiligter Gruppen. Er ist im Bereich Migration und Integration in München tätig und engagiert sich zivilgesellschaftlich, unter anderem als Vorstand der Lichterkette e.V. sowie als Gründer von Romanity e.V.

Dr. Maria Bogdan

Dr. Maria Bogdan ist Medienwissenschaftlerin und Kulturtheoretikerin mit einem Schwerpunkt auf dem Zusammenhang von Rassismus und Medien. Sie promovierte in Film-, Medien- und Kulturtheorie an der Eötvös Loránd Universität in Budapest und ist Fulbright-Alumna sowie Mitbegründerin und Herausgeberin der Zeitschrift Critical Romani Studies.

Mirjam Karoliy

Mirjam Karoliy ist Politikwissenschaftlerin und engagiert sich seit vielen Jahren für die Rechte und die gesellschaftliche Anerkennung von Rom*nja und Sinti*zze. Sie ist seit 1993 Mitglied des Volksgruppenbeirats für Roma in Österreich und setzt sich insbesondere für deren Integration und Sichtbarkeit im öffentlichen Leben ein.

Darüber hinaus ist sie in der internationalen Erinnerungsarbeit aktiv, unter anderem als Mitglied der International Holocaust Remembrance Alliance.

Silas Kropf

Silas Kropf ist Sozialarbeiter und engagiert sich als deutscher Sinto seit vielen Jahren für die Rechte und gesellschaftliche Teilhabe von Sinti und Roma in Deutschland. Er ist langjähriges Vorstandsmitglied von Amaro Drom sowie Mitbegründer der Kölner Queer Roma Initiative.

Sein Engagement umfasst insbesondere die Unterstützung und Weiterentwicklung zivilgesellschaftlicher Organisationen sowie die Sichtbarmachung der Lebensrealitäten von Sinti und Roma.

Dr. Joanna Talewicz-Kwiatkowska

Dr. Joanna Talewicz-Kwiatkowska ist Kulturanthropologin an der Jagiellonen-Universität in Krakau mit einem Forschungsschwerpunkt auf Roma, Minderheiten und Menschenrechten. Sie promovierte 2011 zu den Auswirkungen von EU-Förderprogrammen auf die Lebenssituation von Roma in Polen und ist in Forschung und Lehre in diesem Bereich tätig.

Zudem engagiert sie sich in zivilgesellschaftlichen Organisationen, ist Herausgeberin der Zeitschrift Dialog Pheniben und Mitglied der polnischen Delegation der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA).

Dr. Mirjam Wilhelm

Dr. Mirjam Wilhelm ist Kunsthistorikerin und seit 2021 Forschungsmitarbeiterin am Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI). Sie promovierte an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und war 2018 Visiting Assistant in Research an der Yale University.

Ihre Forschung und Publikationen bewegen sich an der Schnittstelle von Geschichts-, jüdischen, kultur- sowie kunst- und bildwissenschaftlichen Studien.

Dr. Mihai Surdu

Dr. Mihai Surdu ist Soziologe und Forscher im Bereich der Romani Studies mit einem Schwerpunkt auf Wissensproduktion und Klassifikationspraktiken. Er war unter anderem am Institute of Advanced Study der Central European University sowie am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte tätig und ist derzeit Gastwissenschaftler im Bereich Wissenschafts- und Technologiestudien.

Sein Buch Those Who Count. Expert Practices of Roma Classification (2016) analysiert die wissenschaftlichen Praktiken der Erfassung und Kategorisierung von Rom*nja sowie deren politische Implikationen.

Dr. Sunnie Rucker-Chang

Dr. Sunnie Rucker-Chang ist Kenneth E. Naylor Professorin für südslawische Kultur sowie Associate Professorin für slawische und osteuropäische Sprachen und Kulturen und derzeit kommissarische Leiterin der African and African American Studies an der Ohio State University.

Ihre Forschung beschäftigt sich mit der sozialen Konstruktion von „Race“ und Kultur im Kontext privilegierter und marginalisierter Gemeinschaften in Europa.