Fachtagung: Wohlbefinden und Gewaltverhältnisse

Die Arbeitstagung „Wohlbefinden und Gewaltverhältnisse“ am 25.06. & 26.06.2026 verknüpft zwei zentrale Themenfelder bildungswissenschaftlicher Forschung, die bislang kaum in Bezug auf ihre Relation untersucht wurden. 

Bereits seit längerem gewinnt das Konzept Wohlbefinden auch in schulischen Kontexten an Bedeutung. Wohlbefinden gilt einerseits als Voraussetzung für gelingendes Lernen und Teilhabe, andererseits wird Wohlbefinden im Sinne von Mental Health als pädagogische Zielkategorie diskutiert. Gleichzeitig lassen sich im Kontext Schule Formen struktureller und personaler Gewalt identifizieren, die Wohlbefinden (und damit sowohl schulischen Erfolg und Teilhabe als auch psychische Gesundheit) gefährden oder sogar verhindern.

Die Tagung findet in TAL 007 statt. Es fallen keine Tagungsgebühren an.

Programm

12.00 - 13.15

Begrüßung und Eröffnung, Grußworte

Keynote I (Agnieszka Czejkowska, Universität Graz)

"Gewalt, Gerechtigkeit, fragiles Wohlbefinden"

Der Beitrag thematisiert Gewaltformen von offener Aggression bis symbolischer Gewalt und deren Einfluss auf Wohlbefinden in der Schule als Lern- und Lebensraum. Kritisch hinterfragt wird das Konzept Wohlbefinden als oft individualisierter Indikator, der strukturelle Macht- und Gerechtigkeitsdefizite kaschiert. Theoretisch knüpft der Beitrag an Gerechtigkeitskonzepte, um Konflikte als Aushandlungen von Gerechtigkeit zu deuten. Empirisch stützt er sich auf Studien zu Schulklima, Gewaltprävention und qualitative Fallbeispiele aus Unterricht und Schulentwicklung. Wie können (Jung-)Lehrerinnen Wohlbefinden jenseits harmonisierender Narrative fördern?

TAL 007
13.30 - 15.15
  1. Workshop: Kindgerechte Onlinebefragungen in der Grundschule: Wohlbefinden und Diskriminierung sichtbar machen 
    (Ralf Schattschneider & Josefine Ley, Hamburg)
  2. Symposium: Schulbesuch zwischen Wohlbefinden und schulischen Gewaltverhältnissen 
    (Marie-Christine Vierbuchen, Chiara Enderle & Florian Koch, Flensburg)
  3. Diskurse zu Wohlbefinden im schulischen Setting (Einzelbeiträge)
    1. Zur (Re)Produktion sozialer Differenz- und Ungleichheitsordnungen durch Wohlbefinden in der Schule: Diskursanalytische Perspektiven 
      (Miriam Kost, Berlin)
    2. Wohlbefinden im Ausnahmezustand – Relationale Perspektiven auf kindliches Wohlbefinden in der Pandemie 
      (Jürgen Budde, Flensburg & Carolina Claus, Berlin)
    3. Wellbeing-Apps: Depolitisierung schulischer Gewalt 
      (Christian Filk, Flensburg)
HEL
15.15 - 15.45Kaffeepause 
15.45 - 17.30
  1. Diskussion: Wohlbefinden und seelische Gewalt im Kontext der Implementation von Kinderschutzkonzepten an Ganztagsschulen 
    (Sophia Richter, Vorarlberg & Anne Piezunka, Dresden)
  2. Schulische Zugehörigkeit: Beziehungen zwischen Schüler:innen und Lehrer:innen (EInzelbeiträge)
    1. Schulische Beziehungskonstellationen und ihre institutionellen Rahmenbedingungen 
      (Tanja Obex, Wien & Claudia Schreiner, Innsbruck)
    2. Schulisches Wohlbefinden, Schulentfremdung und aggressives Verhalten von Sekundarschüler:innen – eine Mixed-Methods-Studie
      (Berit Breins, Meike Wagner, Ann-Kathrin Quaida & Michaela Gläser-Zikuda, Erlangen-Nürnberg)
    3. Relationale Qualität und schulische Gewalt: Wie Jugendliche pädagogische Beziehungen erleben 
      (Gabriele Schauer, Sabine Gerhartz-Reiter & Sunet Grobler, Innsbruck)
  3. Heterogenität, Inklusion und Wohlbefinden (Einzelbeiträge)
    1. Perspektiven autistischer Schüler:innen auf Gewalterfahrungen als Ursache für Schulabsentismus 
      (Isabella Sasso, Halle-Wittenberg)
    2. Emotionsregulationsregime und widerständige Wut im Kontext von strukturellem Rassismus in der Primarstufe 
      (Susanne Leitner, Ludwigsburg; Florian Weitkämper, Freiburg & Stine Albers, Heidelberg)

    3. Lernstörung als Wohlstörung – eine Perspektive aus dem Lernenden selbst heraus 
      (Janina Simone Pekrun, Flensburg)

HEL
18.00 - 19.00

Keynote II (Christine Wiezorek, Uni Gießen)

Schulzeit – Jugendzeit?

Seit einigen Jahren wird die starke Schulbezogenheit der Jugendphase – die einst ja die Ausformung der modernen Jugend begründete – nicht mehr unter dem Aspekt des Bildungsmoratoriums verhandelt, sondern eher als Wandel „vom Bildungsprivileg zum Bildungszwang“ (Helsper 2012: 79) beschrieben: „Schule ist durch neue Zwänge gekennzeichnet und verändert sich von einem eher offenen Freiraum zu einem Ernstraum“ (ebd.). Im Beitrag wird diese Diagnose aufgegriffen und danach gefragt, inwiefern sich im Zuge gesellschaftlicher Wandlungsprozesse schulische Möglichkeitsräume für jugendliche Individuierung verändern und was das für Fragen adoleszenter Entwicklung, Wohlbefinden und Gewalt bedeutet.

TAL 007
Ab 19.00Conference Dinner 
09.00 - 10.00

Keynote III (Cornelie Dietrich, HU Berlin)

Abstract:  Forschung zum Wohlbefinden in der Schule. Eine lern- und sorgetheoretische Kommentierung

Die psychologisch orientierte Forschung zum Wohlbefinden von Kindern in der Schule agiert stark individuen- und situationsbezogen. Sie läuft damit Gefahr, die pädagogisch konstitutive Spannung zwischen situativ gegenwartsbezogenem Wohlbefinden und zukünftige Wohlbefindenserwartungen zu negieren. Aus einer lerntheoretischen Perspektive mahnt der Vortrag die Aufrechterhaltung dieser Spannung an, aus einer sorgetheoretischen Perspektive zeigt er Möglichkeiten eines produktiven Umgangs damit auf.

TAL 007
10.15 - 12.00
  1. Open Space: Verletzlichkeit, Widerstand, Zeug:innenschaft – Zum Unbehagen mit dem Wohlbefinden aus Perspektive rassismuskritischer Schulforschung
    (Soniya Alkis, Ela Ballin, Magnus Frank, Elvira Hadžić, Sarah El Hindi, Anja Steinbach & Justine Witmer, Flensburg)
  2. Interaktiver Workshop: Wohlbefinden als (Un-)Möglichkeit: Eine qualitative Befragung zu Vorstellungen des Wohlbefindens bei diskriminierungskritisch engagierten Lehrkräften mit und ohne eigener Diskriminierungserfahrung 
    (Ece Kaya, Ju Yun Park & Olga Zitzelsberger, Darmstadt)
  3. Macht und Wohlbefinden in der Schule (Einzelbeiträge)
    1. Strukturen des Schweigens: Schulische Machtverhältnisse im Kontext von Schutzkonzepten
      (Angelika Bengel, Berlin & Lea Schäfer, Schwäbisch Gmünd)
    2. Wohlbefinden, sexualisierte Gewalt und institutioneller Schutz in der Schule – empirische Befunde 
      (Regine Derr & Felicia Grieser, Hannover)

    3. „die schreien nicht immer so rum“ – Schüler:innenperspektiven auf pädagogische Beziehungen 
      (Marlene Doktor, Leipzig)
       

HEL
ab 12.00Farewell 

Anmeldung bis 11.06.2026

Informationen zu Unterkünften, Anfahrt & Awareness

Folgende Hotels empfehlen wir für eine Übernachtung in Flensburg:

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Weitere Informationen zu einem Aufenthalt an der Flensburger Förde finden Sie hier

Anreise per Bahn/ Bus:

Vom Bahnhof zum Campus fahren die Busse 5A und 8A. Um zum Tagungsort zu gelangen, kann man beide Ausweichhaltestellen benutzen: „Campus Munketoft“ (nicht: „Munketoft“!) und die Ersatzhaltestelle Höhe Campusallee; leider liegen sie recht weit entfernt, so dass man den gesamten Campus queren muss.

Aus der Stadt, aber nicht über den Bahnhof, fährt die Buslinie 4; diese hält auf dem Campus (in der Nähe des Campusbads) und somit relativ nah zum Tagungsort.

Zum Bahnhof bzw. in die Stadt gelangt man von der Haltestelle „Campus Munketoft“ und der Ersatzhaltestelle Höhe Campusallee mit den Bussen 5B und 8B
In die Stadt gelangt man zudem von der Ersatzhaltestelle beim Campusbad mit der Linie 4.

Anreise und Anfahrt zum Campus

Der Campus der Europa-Universität ist gut mit verschiedenen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Hier finden Sie die Möglichkeiten, um zu uns zu gelangen. link

(In Anlehnung an das Awareness-Konzept der Jahrestagung der Kommission Schulforschung und Didaktik „Erziehung in und durch Schule?! Theoretische Klärungen und empirische Sondierungen.“)

Die Organisierenden bemühen sich, eine barriere- und diskriminierungsarme und nachhaltige Tagung umzusetzen. Die folgenden Informationen sollen alle Teilnehmer*innen dabei unterstützen, diesen Anspruch mit umzusetzen. 

Alle Tagungsräume sind für rollstuhlfahrende oder anderweitig mobilitätseingeschränkte Personen erreich- und nutzbar. Im Erdgeschoss befindet sich eine rollstuhlgeeignete Toilette.

  • Im ersten Stockwerk des Gebäudes HELSINKI befindet sich ein Eltern-Kind-Bereich mit Stillmöglichkeit.
  • Eine aktuelle physische oder digitale Unterstützung zur Orientierung auf dem Gelände/ im Gebäude für seheingeschränkte Menschen besteht gegenwärtig leider nicht.
  • Im Tagungsgebäude befinden sich im ersten Stock All-Gender-Toiletten.
  • Aus Gründen der Nachhaltigkeit und des Tierwohls gibt es auf der Tagung ausschließlich vegetarische und vegane Verpflegung. 

Differenzsensible und barrierearme Dokumente 

  • Präsentationsfolien und Poster sollten kein diskriminierendes oder sexualisiertes Material enthalten. Wenn dieses Material angesichts des Themas nicht zu vermeiden ist, sollte das Vorhandensein dieses Materials bei Präsentationen zu Beginn des Vortrags angekündigt werden.
  • Wir haben uns bemüht, Dokumente barrierearm zu gestalten. Sollte es Schwierigkeiten in der Zugänglichkeit geben, melden Sie uns diese gerne.
  • Wir bitten Referent*innen Vortrag und Präsentation möglichst barrierearm zu gestalten.
  • Eine allgemeine Übersetzung in andere Sprachen oder Gebärdensprache ist nicht geplant. In verschiedenen Workshops ist es jedoch möglich, Rückfragen in anderen Sprachen zu stellen oder Arbeitsgruppenphasen in einer anderen Sprache zu machen. Dies weisen wir in den Beschreibungen der Veranstaltungen jeweils aus.  

Verhalten auf der Tagung 

Die Konferenz bringt Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Biographien zusammen. Wir sind bestrebt, allen Teilnehmern*innen des Tags der Lehre ein sicheres und einladendes Umfeld zu bieten, das frei von Belästigung und Diskriminierung aufgrund von Alter, ethnischer Zugehörigkeit, nationaler Herkunft, Glaubensrichtung, Sprache, sexueller Orientierung, Geschlecht und Identität, Behinderung, Gesundheit, Aussehen, Körpergröße, sozioökonomischem Status, Familienstand, häuslichem Status oder elterlichem Status ist. Belästigung und Diskriminierung untergraben die Grundsätze der Gleichheit und des Respekts, sind schwerwiegende Formen professionellen Fehlverhaltens und werden nicht toleriert. Unsere Grunderwartung ist, dass sich alle Teilnehmer*innen an folgende Grundsätze halten: 

  • Rücksichtsvolle Sprache und Handlungen und Respekt vor den Grenzen der anderen Teilnehmer*innen.
  • Befolgung von Normen des professionellen Respekts, die erforderlich sind, um Bedingungen für einen freien akademischen und beruflichen Austausch zu fördern.
  • Verhalten und Sprache, die dazu geeignet sind andere zu erniedrigen, zu diskriminieren oder zu belästigen, sind zu unterlassen
  • Seien Sie proaktiv und helfen Sie mit, Teilnehmer*innen vor Gefahren und Schaden durch andere zu bewahren. Belästigungen anderer werden nicht toleriert. Zu Belästigung zählen unter anderem Handlungen, die erniedrigend, missbräuchlich oder beleidigend sind oder in anderer Form ein feindliches professionelles Umfeld schaffen. Belästigung kann auch sexuelle Aufforderung, körperliche Annäherungen und verbale oder nonverbale Handlungen sexueller Natur umfassen. Ebenso zählen dazu drohende, einschüchternde oder feindliche Handlungen sowie die Verbreitung von schriftlichem oder grafischem Material, das eine Einzelperson oder Gruppe verunglimpft, anfeindet, beleidigt oder mit negativen Stereotypen basierend auf der Gruppenidentität belegt. Wenn Sie aufgefordert werden, das belästigende Verhalten zu beenden, sollten Sie sofort aufhören, auch wenn Ihr Verhalten freundlich oder ein Scherz sein sollte. Es wurde eindeutig nicht als solches verstanden und aus Respekt gegenüber den Teilnehmer*innen sollten Sie damit aufhören. Wenn Sie belästigt werden, feststellen, dass jemand anderes belästigt wird, oder andere Bedenken in Bezug auf Belästigung haben, wenden Sie sich bitte an die Organisator*innen. Wir werden alle Berichte über Belästigungen durch Teilnehmer*innen ernst nehmen. Wir werden Vertraulichkeitsanfragen zum Schutz der Missbrauchsopfer respektieren.