SPREAD.SH: Modellbasierte Analyse von Strompreiszonen in Deutschland mit besonderem Fokus auf Schleswig-Holstein

SPREAD.SH untersucht mithilfe offener Netzmodelle die technischen und ökonomischen Auswirkungen unterschiedlicher Strompreiszonen in Deutschland. Im Fokus steht Schleswig-Holstein, eingebettet in das deutsche und europäische Stromsystem. Ziel ist eine fundierte Bewertung von Kosten, Netzbelastungen und Infrastrukturbedarfen als Entscheidungsgrundlage für Politik und Energiewende.

Kurzübersicht

Stichworte
Strompreiszonen, Deutschland, Modellierung, Open Science
Laufzeit
01.05.26 - 30.04.27
Institutionen der EUF
Zentrum für nachhaltige Energiesysteme (ZNES), Abteilung für Nachhaltige Energiewende (NEW)

Beschreibung

Strompreiszonen in Deutschland sind Gegenstand intensiver Debatten. In SPREAD.SH werden die technischen und ökonomischen Folgen unterschiedlicher Zonenkonfigurationen mithilfe modellbasierter Analysen untersucht. Im Mittelpunkt steht Schleswig-Holstein, zugleich werden das gesamte deutsche Stromnetz und seine Einbettung in das europäische Verbundsystem betrachtet. 

Als Grundlage dient das offene Netzberechnungstool eTraGo sowie das dazugehörige offene Datenmodell des sektorgekoppelten Stromnetzes auf Hoch- und Höchstspannungsebene in Deutschland. Es werden unterschiedliche Preiszonenkonfigurationen implementiert und entsprechende Netzberechnungen durchgeführt. Die Ergebnisauswertung umfasst detaillierte Analysen der Stromkosten, Redispatch-Bedarfe und Flexibilitätseinsätze mit besonderem Fokus auf Schleswig-Holstein sowie eine Betrachtung der deutschlandweiten Gesamtsystemkosten, Netzausbau- und Speicherbedarfe. Erwartet wird eine differenzierte Einschätzung der Auswirkungen alternativer Strompreiszonenkonzepte auf regionale und nationale Versorgungskosten, Netzbelastungen und Infrastrukturbedarfe. Das Projekt wird durch das Forschungsteam NeMo (Netzmodellierung) der Europa-Universität Flensburg und Hochschule Flensburg umgesetzt. 

Bedeutung für Schleswig-Holstein: 

Die Energiewende bringt neue Anforderungen an das Marktdesign mit sich. Da im Day-Ahead-Markt Netzrestriktionen innerhalb der deutsch-luxemburgischen Preiszone unberücksichtigt bleiben, kommt es zunehmend zu Redispatch-Eingriffen. Europäische Modellierungen im Rahmen des Bidding Zone Review zeigen, dass eine Aufteilung in zwei bis fünf Zonen Netzengpässe und Kosten verringern könnte. Kritisch diskutiert werden jedoch veraltete Daten, fehlende sozioökonomische Analysen und Unsicherheiten beim Netzausbau. Während die Bundesregierung offiziell am einheitlichen Strompreis festhält, mehren sich politische Stimmen – darunter Ministerpräsident Daniel Günther – für eine Neubewertung. Damit ist das Thema politisch wie wirtschaftlich hoch relevant. Schleswig-Holstein ist aufgrund des hohen Anteils erneuerbarer Energien von einer möglichen Aufteilung besonders betroffen. Eine norddeutsche Preiszone könnte sinkende Großhandelspreise bewirken, was Haushalte, Industrie und eine entstehende Wasserstoffwirtschaft entlasten würde. Gleichzeitig drohen für Betreiber von Windparks geringere Erlöse und damit Risiken für neue Offshore-Projekte – jüngst zeigte sich dies bei einer ergebnislosen Auktion. SPREAD.SH liefert wichtige Entscheidungsgrundlagen für Politik und stärkt die Position des Landes in der Energiewendedebatte. Durch Open-Source- und Open-Data-Ansätze sind die Ergebnisse breit nachnutzbar.

Verantwortlich