Flensburger Literatur-Übersetzungsdozentur im Frühjahr 2026

Porträtfotos: Annette Kopetzki blickt mit lächelndem Gesicht direkt in die Kamera
Foto: © Ebba D. Drolshagen

Annette Kopetzki ist als Stipendiatin des Deutschen Übersetzerfonds (DÜF) im Rahmen der Literaturübersetzungsdozentur an der Europa-Universität Flensburg zu Gast.

Die Flensburger Literaturübersetzungsdozentur geht in die nächste Runde! Nach  Ilma Rakusa (2025), Angelica Ammar (2024), Patricia Klobusiczky (2023) und Matthias Strobel (2022) freuen wir uns, im Frühjahrsemester 2026 die mehrfach ausgezeichnete Übersetzerin und Literaturwissenschaftlerin Annette Kopetzki als Gastdozentin an der EUF begrüßen zu dürfen.

Annette Kopetzki studierte Germanistik, Philosophie und Pädagogik und promovierte an der Universität Hamburg mit einer Arbeit über sprachtheoretische und ästhetische Fragen der literarischen Übersetzung. Von 1980 bis 1992 lebte sie in Italien, wo sie vielfach tätig war: als Lektorin an der Università degli Studi „Gabriele d’Annunzio“ Chieti-Pescara und der Università La Sapienza di Roma, Journalistin für deutsche Zeitungen, Zeitschriften und Hörfunk sowie als Übersetzerin für verschiedene Einrichtungen. In Deutschland hat sie seit Ende der 1980 Jahre als Literaturübersetzerin maßgeblich dazu beigetragen, bedeutende Stimmen der italienischen Gegenwartsliteratur einem breiten deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Ihre Übersetzungen von u.a. Pier Paolo Pasolini, Andrea Camilleri, Roberto Saviano, Alessandro Baricco und Erri De Luca sind bei namhaften Verlagen wie Wagenbach, Rowohlt, Suhrkamp, Hanser, Piper, S. Fischer und Ullstein erschienen. Sie wurde dafür mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter dem Paul-Celan-Preis des Deutschen Literaturfonds für herausragende Literaturübersetzungen 2019 und dem Mazzucchetti-Gschwend-Übersetzungspreis 2024 des Ministeriums für Kultur und Medien und des Italienischen Kulturministeriums. 

Im Rahmen ihrer Gastdozentur an der Europa-Universität Flensburg wird sie im Frühjahrssemester verschiedene Veranstaltungen anbieten, zu denen alle Interessierten herzlich eingeladen sind:

Poetikvorlesung: „Fremdheit in der Übersetzung“ 

Donnerstag, 23. April 2026, 16-18 Uhr (c.t.), OSL 243

In der Geschichte des Übersetzens galt die Fremdheit anderer Sprachen und Kulturen lange nicht als eine Bereicherung der eigenen Literatur, sondern als Verständnisproblem, das durch „einbürgernde“ Übersetzung beseitigt wurde. Man durfte der Übersetzung nicht anmerken, dass sie eine war. Eine zählebige Tradition, die sich noch bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts hielt. Wie sehr sich das geändert hat, zeigt u.a. die postkoloniale Übersetzungstheorie, die ihr Konzept der Unübersetzbarkeit als Schutz kultureller Besonderheit begreift. Übersetzer*innen sprechen nun lieber von „verfremdender Übersetzung“. Neben einer Vorstellung dieser unterschiedlichen Konzepte und Strategien kommt auch die befremdliche Herausforderung durch übersetzende Maschinen zur Sprache. 

Anschließend laden wir Sie zu einem Empfang ein!

Workshops mit Studierenden: „Literaturübersetzen und Wandel der Übersetzungspraxis“ 

Drei Workshops für Studierende, die allen Interessierten offen stehen. Sie können auch einzeln besucht werden:

  • „Kulturelle und individuelle Unterschiede in der Übersetzung“ – Freitag, 24. April 2026, 14-18 Uhr (s.t), Raum HEL 162
  • „Historische Verschiedenheit der Übersetzungsstrategien“ – Freitag, 8. Mai 2026, 14-18 Uhr (s.t), Raum TRO 101
  • „Wandel der Übersetzungspraxis und politische Korrektheit“ – Freitag, 19. Juni 2026, 14-18 Uhr (s.t), Raum HEL 162

Wie viele mögliche Übersetzungen stecken in einem literarischen Text? Anhand häufig übersetzter Werke der ‚Weltliteratur‘ vergleicht der Workshop verschiedene Versionen eines Originals und zeigt, wie sich Übersetzungsstrategien, kulturelle Perspektiven und das Sprachgefühl im Laufe der Zeit verändern. In eigenen Übersetzungsversuchen erkunden die Teilnehmenden selbst die kreative, künstlerische Seite literarischer Übersetzung. 

Arbeitssprache: Deutsch. Behandelt werden Beispiele aus dem Englischen, Französischen, Spanischen und Italienischen. Zur Teilnahme genügt es, eine dieser Sprachen (passiv) zu beherrschen.

Lesung zu Ginevra Lambertis Roman Das Wasser wiegt schwerer als die Zeit

Donnerstag, 18. Juni 2026, 19 Uhr, Carl- von-Ossietzky-Buchhandlung, Flensburg

Eine Welt ohne Wasser, eine italienische Dystopie. In Ginevra Lambertis neuem, eindringlichem Roman Das Wasser wiegt schwerer als die Zeit (Piper 2026) erwacht die junge Dalia in einer aus den Fugen geratenen Welt. Auf der Suche nach einem Ort, an dem es auch nach dem Zusammenbruch der Zivilisation noch Menschlichkeit gibt, führt ihr Weg durch eine Landschaft aus Trockenheit, sintflutartigen Regenfällen, Erinnerung und Verlust – und zur Frage, was Gemeinschaft für das Überleben bedeutet. Anlässlich der deutschen Veröffentlichung des Romans gibt die Übersetzerin Annette Kopetzki im Rahmen einer Lesung Einblicke in die Herausforderungen, einen für die Rezeption der italienischen Literatur in Deutschland außergewöhnlichen und verstörenden Roman zu übertragen.

Die Übersetzungsdozentur im Frühjahrsemester 2026 wird ermöglicht durch ein Stipendium des Deutschen Übersetzerfonds. 

Organisation: Matteo Anastasio, Marco Thomas Bosshard, Jan Rhein.

(Bild: © Ebba D. Drolshagen)