Inklusiver Schulsport im Ganztag: Forschungsprojekt testet neue Lehrmethoden

Gemeinsam mit der Universität Oldenburg und der Universität Osnabrück untersuchen Forschende an der Europa-Universität Flensburg, wie Sportlehrkräfte und Fachkräfte im Ganztag durch videobasierte Fallarbeit besser auf Heterogenität vorbereitet werden können.

Im Rahmen des Forschungsprojekts *QiST* (Qualifizierung für inklusiven Schulsport und Transfer) wird eine Lehrmethode erprobt, die darauf abzielt, Lehrkräfte und Fachkräfte im schulischen Ganztag besser auf die Herausforderungen eines inklusiven Sportunterrichts vorzubereiten. Zentrales Element ist die kompetenzprofilbasierte videografische Fallarbeit: Ausgewählte Videosequenzen aus realen Sportstunden werden gemeinsam analysiert, um Situationen zu erkennen, in denen alle Schüler:innen mit unterschiedlichen Voraussetzungen mitmachen können.

Die Methode basiert auf sogenannten Kompetenzprofilen – detaillierten Beschreibungen dessen, was eine Lehrkraft in bestimmten Situationen tun sollte, um inklusiv zu unterrichten. Dabei geht es nicht um abstraktes Wissen, sondern um konkrete Fähigkeiten, wie zum Beispiel, wie man eine Gruppe motiviert, wenn jemand nicht mitmachen will, oder wie man eine Aufgabe so gestaltet, dass sie für alle machbar ist.

Übertragung auf die Ausbildung im Ganztag: Praxiserprobung in 24 Schulen

Besonders im Fokus steht die dritte Phase des Projekts: die Implementierung in der schulischen Praxis, insbesondere im Ganztag. In 24 Schulen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sollen die Methode nun bei der Weiterbildung der Mitarbeitenden für den Ganztag getestet werden. Dabei arbeiten Sportlehrkräfte, Übungsleiter:innen aus Vereinen und Ganztagskoordinator:innen gemeinsam mit Forschenden an der Umsetzung.

Die erstellten Materialien werden in der Weiterbildung genutzt und dabei in zwei Durchgängen erprobt – zunächst angepasst an die Bedürfnisse der Schulen, dann weiterentwickelt, basierend auf den Erfahrungen der Praxis. Dabei werden nicht nur die Inhalte, sondern auch die Art und Weise der Arbeit evaluiert: Wie gut funktioniert die Methode? Was ist hilfreich, was stört? Welche Unterstützung brauchen die Fachkräfte?

Forschung im Dialog: Was funktioniert, was nicht?

Die Evaluation erfolgt auf mehreren Ebenen. Qualitative Beobachtungen, Gespräche mit den Beteiligten und Dokumente aus den Sitzungen werden gesammelt. Gleichzeitig werden die Kompetenzen der Teilnehmenden vor und nach der Fortbildung mit speziellen Testaufgaben gemessen. Die Forschenden analysieren, welche Faktoren die Umsetzung erleichtern – etwa eine gute Zusammenarbeit mit Mentor:innen oder klare Anleitungen – und welche Hindernisse auftreten, wie zum Beispiel zu wenig Zeit oder fehlende Unterstützung durch die Schulleitung.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, wie die Methode in der Praxis ankommt. Wer nutzt sie? Wer fühlt sich angesprochen? Und wie wirkt sie sich auf die Arbeit im Ganztag aus? Die Ergebnisse fließen direkt in die Weiterentwicklung der Materialien und der Begleitung ein.

Ziel: Nachhaltige Verankerung in der Schule

Am Ende des Projekts soll nicht nur gezeigt werden, dass die Methode funktioniert – sondern auch wie sie nachhaltig in der Schule verankert werden kann. Die Forschenden arbeiten daran, die Inhalte barrierefrei, digital und nutzerfreundlich bereitzustellen. Ziel ist es, dass die Materialien später von anderen Schulen und Bildungsträgern genutzt werden können – auch außerhalb des Projekts.

Die Ergebnisse sollen ein Modell liefern, wie evidenzbasierte Lehrmethoden in die Praxis gelangen können – nicht nur im Sport, sondern auch in anderen Fächern und Kontexten. Denn: Inklusion gelingt nur, wenn die Fachkräfte dafür ausreichend qualifiziert sind – und das beginnt mit guter, praktikabler Fortbildung.

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