Nachruf Prof. Dr. Christine Thon

Mit großer Bestürzung haben wir vom viel zu frühen Tod unserer Kollegin Christine Thon im August 2026 erfahren. Christine Thon hatte seit 2010 die Professur für Geschlechterforschung am Institut für Erziehungswissenschaften inne, für das sie sich mit großem Engagement eingesetzt hat. Nach zweijähriger Krankheit schied sie bereits im Frühjahr 2025 aus dem Dienst aus.

Ihre präzise, kritische und engagierte Perspektive auf Schnittstellen zwischen Pädagogik, Politik, Gesellschaft und Geschlecht hat wichtige Impulse (nicht nur) für das Fach geliefert. Ihre biographieorientierte Forschung, später ergänzt durch diskurs- und hegemonieanalytische Ansätze, genießt bis heute breite Anerkennung in der Allgemeinen Erziehungswissenschaft wie in der erziehungswissenschaftlichen, interdisziplinären und intersektionalen Geschlechterforschung. Die Arbeiten und Impulse wirken weiterhin inspirierend für aktuelle wissenschaftliche Auseinandersetzungen. 

An der EUF hat sie sich mit großem Engagement in die Weiterentwicklung der Universität eingebracht. Im Herbst 2018 gründete sie mit einigen Kolleg*innen das Gender Netzwerk, ein interdisziplinäres Forum für wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Mitarbeiter*innen der EUF, die sich mit der Analyse und Gestaltung von Geschlechterverhältnissen befassen. Auch der Lehre hat sich Christine Thon mit großem Einsatz gewidmet. Für sie war Bildung mehr als Wissensvermittlung. Es war ihr ein großes Anliegen, Studierende mitzunehmen auf den Weg hin zu einer gerechten und kritischen Bildung. Hierbei spielten auch die Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte der Stadt Flensburg und der Region und die Kooperation mit Akteur*innen der Stadtgesellschaft eine zentrale Rolle.

Als Kollegin fehlt sie uns als kluge, wertschätzende und inspirierende Gesprächspartnerin. Ihre Arbeit hat den Raum für eine verantwortungsvolle, gesellschaftskritische Erziehungswissenschaft in Flensburg und darüber hinaus nachhaltig gestärkt. Wir Mitglieder des Instituts für Erziehungswissenschaften vermissen Christine Thon und wertschätzen ihre Verdienste insbesondere für die erziehungswissenschaftliche Geschlechterforschung, die, gerade angesichts aktueller politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen, einen Kernbereich der Erziehungswissenschaft in Flensburg und darüber hinaus ausmacht. Das Institut für Erziehungswissenschaften bewahrt die Erinnerung an sie und ihr Lebenswerk in Anerkennung und Dankbarkeit.