Fachtagung Wohlbefinden und Gewaltverhältnisse (Tag 1)

Wir laden alle Interessierten und Forschenden aus der Erziehungs- und Bildungswissenschaft, dem Lehramt, der Psychologie, der Soziologie und angrenzenden Disziplinen zu unserer Fachtagung ein.

Programm - 25.06.2026

12.00 - 13.15

Begrüßung und Eröffnung, Grußworte

Keynote I (Agnieszka Czejkowska, Universität Graz)

"Gewalt, Gerechtigkeit, fragiles Wohlbefinden"

Der Beitrag thematisiert Gewaltformen von offener Aggression bis symbolischer Gewalt und deren Einfluss auf Wohlbefinden in der Schule als Lern- und Lebensraum. Kritisch hinterfragt wird das Konzept Wohlbefinden als oft individualisierter Indikator, der strukturelle Macht- und Gerechtigkeitsdefizite kaschiert. Theoretisch knüpft der Beitrag an Gerechtigkeitskonzepte, um Konflikte als Aushandlungen von Gerechtigkeit zu deuten. Empirisch stützt er sich auf Studien zu Schulklima, Gewaltprävention und qualitative Fallbeispiele aus Unterricht und Schulentwicklung. Wie können (Jung-)Lehrerinnen Wohlbefinden jenseits harmonisierender Narrative fördern?

13.30 - 15.15
  1. Workshop: Kindgerechte Onlinebefragungen in der Grundschule: Wohlbefinden und Diskriminierung sichtbar machen 
    (Ralf Schattschneider & Josefine Ley, Hamburg)
  2. Symposium: Schulbesuch zwischen Wohlbefinden und schulischen Gewaltverhältnissen 
    (Marie-Christine Vierbuchen, Chiara Enderle & Florian Koch, Flensburg)
  3. Diskurse zu Wohlbefinden im schulischen Setting (Einzelbeiträge)
    1. Zur (Re)Produktion sozialer Differenz- und Ungleichheitsordnungen durch Wohlbefinden in der Schule: Diskursanalytische Perspektiven 
      (Miriam Kost, Berlin)
    2. Wohlbefinden im Ausnahmezustand – Relationale Perspektiven auf kindliches Wohlbefinden in der Pandemie 
      (Jürgen Budde, Flensburg & Carolina Claus, Berlin)
    3. Wellbeing-Apps: Depolitisierung schulischer Gewalt 
      (Christian Filk, Flensburg)
15.15 - 15.45Kaffeepause
15.45 - 17.30
  1. Diskussion: Wohlbefinden und seelische Gewalt im Kontext der Implementation von Kinderschutzkonzepten an Ganztagsschulen 
    (Sophia Richter, Vorarlberg & Anne Piezunka, Dresden)
  2. Schulische Zugehörigkeit: Beziehungen zwischen Schüler:innen und Lehrer:innen (EInzelbeiträge)
    1. Schulische Beziehungskonstellationen und ihre institutionellen Rahmenbedingungen 
      (Tanja Obex, Wien & Claudia Schreiner, Innsbruck)
    2. Schulisches Wohlbefinden, Schulentfremdung und aggressives Verhalten von Sekundarschüler:innen – eine Mixed-Methods-Studie
      (Berit Breins, Meike Wagner, Ann-Kathrin Quaida & Michaela Gläser-Zikuda, Erlangen-Nürnberg)
    3. Relationale Qualität und schulische Gewalt: Wie Jugendliche pädagogische Beziehungen erleben 
      (Gabriele Schauer, Sabine Gerhartz-Reiter & Sunet Grobler, Innsbruck)
  3. Heterogenität, Inklusion und Wohlbefinden (Einzelbeiträge)
    1. Perspektiven autistischer Schüler:innen auf Gewalterfahrungen als Ursache für Schulabsentismus 
      (Isabella Sasso, Halle-Wittenberg)
    2. Emotionsregulationsregime und widerständige Wut im Kontext von strukturellem Rassismus in der Primarstufe 
      (Susanne Leitner, Ludwigsburg; Florian Weitkämper, Freiburg & Stine Albers, Heidelberg)

    3. Lernstörung als Wohlstörung – eine Perspektive aus dem Lernenden selbst heraus 
      (Janina Simone Pekrun, Flensburg)

18.00 - 19.00

Keynote II (Christine Wiezorek, Uni Gießen)

Schulzeit – Jugendzeit?

Seit einigen Jahren wird die starke Schulbezogenheit der Jugendphase – die einst ja die Ausformung der modernen Jugend begründete – nicht mehr unter dem Aspekt des Bildungsmoratoriums verhandelt, sondern eher als Wandel „vom Bildungsprivileg zum Bildungszwang“ (Helsper 2012: 79) beschrieben: „Schule ist durch neue Zwänge gekennzeichnet und verändert sich von einem eher offenen Freiraum zu einem Ernstraum“ (ebd.). Im Beitrag wird diese Diagnose aufgegriffen und danach gefragt, inwiefern sich im Zuge gesellschaftlicher Wandlungsprozesse schulische Möglichkeitsräume für jugendliche Individuierung verändern und was das für Fragen adoleszenter Entwicklung, Wohlbefinden und Gewalt bedeutet.

Ab 19.00Conference Dinner