Fachtag Schulabsentismus am 15. Juli 2025

Der Fachtag Schulabsentismus fand am 15. Juli 2025 an der Europa-Universität Flensburg statt und verfolgte das Ziel, Wissenschaft, Bildungsmanagement und Praxis zusammenzubringen. Rund 110 Teilnehmende aus Schule, Schulaufsicht, Wissenschaft und Jugendhilfe nutzten die Veranstaltung für fachlichen Austausch und Vernetzung.

Im einführenden Vortrag stellten Prof. Dr. Heinrich Ricking und Prof. Dr. Marie-Christine Vierbuchen bewährtes Wissen sowie neue Forschungsergebnisse zu Schulabsentismus in Schleswig-Holstein vor. In den anschließenden Workshops konnten die Teilnehmenden aus verschiedenen Themenschwerpunkten wählen, darunter interdisziplinäre Kooperation, ressourcenorientierte Ansätze zur Förderung des Schulbesuchs sowie Young Carer und Schulbesuchsprobleme. Praxisbeispiele, ein regionaler Einblick aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde und interaktive Fallanalysen boten konkrete Impulse für den schulischen Alltag.

Programm
Vortrag
Prof. Dr. Heinrich Ricking, Universität Leipzig, und Prof. Dr. Marie-Christine Vierbuchen, Europa-Universität Flensburg
Schulabsentismus in Schleswig-Holstein – zwischen bewährtem Wissen und neuen Erkenntnissen

Workshops
Schulabsentismus & Kooperation – Gemeinsam Lösungen finden
Lara Stauvermann, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Im Workshop erhalten Teilnehmende die Möglichkeit, ein vertieftes Verständnis für die Rollen, Aufgaben und Perspektiven der verschiedenen Akteure zu entwickeln, die an Fällen schulabsenter Jugendlicher beteiligt sind. Dabei geht es darum, die Sichtweisen und Handlungsspielräume aller Beteiligten besser nachzuvollziehen, um die Zusammenarbeit gezielt zu stärken. Ein zentraler Bestandteil des Workshops ist die gemeinsame Arbeit an konkreten Fallbeispielen, die praxisnahe Einblicke und lösungsorientierte Ansätze ermöglichen.

Vom Problem zur Perspektive: Positive Wege zur Förderung des Schulbesuchs
Chiara Enderle, Europa-Universität Flensburg
Was bedeutet es, Schulabsentismus nicht zu pathologisieren und zu bestrafen? Warum lohnt sich der positive Blick auf förderliche Faktoren von Schulbesuch? Wie kann Schule das "Problem neu sehen"? Im Workshop erhalten die Teilnehmenden Einblicke in Strategien und Forschungsergebnisse, die auf Wohlbefinden, Zugehörigkeit und Ressourcen basieren. Anhand von Praxisbeispielen sollen konkrete Handlungsstrategien erarbeitet werden, die direkt in den schulischen Alltag integriert werden können. Ziel ist es, die Perspektive auf Schulbesuchsförderung zu erweitern und neue, nachhaltige Unterstützungswege für Schüler:innen zu identifizieren.

Neurodiversität und Perspektiven zur Schulbesuchsförderung – aufgezeigt am Beispiel Autismus
Isabella Sasso, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, und Melika Ahmetovic, Ludwig-Maximilians-Universität München
Das Bildungssystem ist in vielerlei Hinsicht noch nicht ausreichend auf neurodivergente Schüler:innen ausgerichtet. Insbesondere autistische Schüler:innen stoßen im Schulalltag auf Barrieren, die ihre Teilhabe erschweren. In diesem Workshop setzen sich Teilnehmende mit den Perspektiven autistischer Menschen auf Schulbesuch auseinander: Welche Faktoren führen aus der Sicht autistischer Schüler:innen dazu, dass der Schulbesuch belastend oder unmöglich wird? Welche Unterstützungsstrukturen und Rahmenbedingungen sind notwendig, um echte Teilhabe zu ermöglichen? Welche alltäglichen Anpassungen zum Abbau von Barrieren im Lernumfeld können umgesetzt werden, um eine neurodiversitätsbewusste Bildung zu ermöglichen? Dabei werden typische als herausfordernd erlebte Unterrichtssituationen beleuchtet, indem ein Perspektivwechsel ermöglicht und die Sichtweise autistischer Schüler:innen, vor dem Hintergrund von Wahrnehmung, Interaktion und Bedürfnissen, eingenommen wird.

Schulabsentismus bei Young Carers: Ursachen verstehen und Handlungsmöglichkeiten entwickeln
Dr. Anna-Maria Spittel, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, und Dr. Steffen Kaiser, Europa-Universität Flensburg
Young Carers – auch pflegende Kinder und Jugendliche genannt – sind Schüler:innen, die eine erhebliche Verantwortung in der Unterstützung und Pflege ihrer Familienangehörigen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen übernehmen. Ein auftretendes Phänomen in diesem Zusammenhang ist schulabsentes Verhalten, das sich in verschiedenen Formen manifestieren kann – von wiederholtem Zuspätkommen bis hin zum Schulabbruch. Ziel des Workshops ist es, zunächst ein tieferes Verständnis für die Situation schulabsenter Young Carers zu entwickeln und ihre besonderen Belastungen zu thematisieren. Im zweiten Teil des Workshops werden Rahmenbedingungen und Ansatzpunkte für eine Unterstützung in der Schule vorgestellt, um (schulabsente) Young Carers gezielt zu fördern. Dabei wird die Bedeutung der Berücksichtigung ihrer familiären Lebenssituation betont, um nachhaltige Lösungen zu finden.

Umgang mit Schulabsentismus im Kreis Rendsburg-Eckernförde
Dietmar Hannemann und Jantje Müller, Schulbeauftragte des Kreises Rendsburg-Eckernförde für den Bereich Absentismus
Ziel dieser Veranstaltung ist es, die Arbeit zum Thema Schulabsentismus im Kreis Rendsburg-Eckernförde exemplarisch vorzustellen. Die jährlich stattfindenden kreisweiten Absentismusabfragen werden anonymisiert vorgestellt und mit den Vorjahren verglichen. Darauf wird eine Phase der gemeinsamen Erarbeitung erfolgen, die den präventiven Fokus auf das Schulklima richtet. Darüber hinaus werden schulische Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Vernetzungssystemen wie dem Fallforum Schulabsentismus.

Tagesplanung 
ZeitPhase
ab 9 UhrAnmeldung
9.30 UhrBegrüßung
Grußworte aus dem Ministerium
9.45 - 11.00 UhrVortrag & Diskussion
Prof. Dr. Heinrich Ricking & Prof. Dr. Marie-Christine Vierbuchen
11.00 - 11.30 UhrKaffeepause
11.30 - 13.00 UhrWorkshopphase I
13.00 - 14.00 UhrMittagspause
14.00 - 15.35 UhrWorkshopphase II (inklusive Evaluation)
15.35 - 16.00 UhrGemeinsamer Abschluss


Organisationsteam: Prof. Dr. Marie-Christine Vierbuchen, Florian Koch

Danke für die wertvolle Unterstützung an das Zentrum für Bildungs-, Unterrichts-, Schul- und Sozialisationsforschung (ZeBUSS) und das Zentrum für Lehrerinnen und Lehrerbildung (ZfL)