News des NEC
FAQ | Hafen-Ost an der Weggabelung
Zwei Medienbeiträge haben zuletzt die Debatte um die Zukunft von Hafen-Ost aufgegriffen. Darin kommen auch Forschende des Norbert Elias Centers zu Wort.
- Lesen: SHZ-Artikel mit Einschätzungen von David Petersen
- Lesen: RND-Artikel mit Einschätzungen von Matthias Schmelzer, Maike Böcker und David Petersen
Wir möchten die aktuelle Berichterstattung zum Anlass nehmen, einige Punkte aus unserer fachlichen Perspektive noch einmal genauer einzuordnen. Die Medienberichte greifen einige wichtige Aspekte auf. Hinter der aktuellen Richtungsfrage steckt jedoch noch deutlich mehr. Mit einem FAQ in neun Fragen und Antworten möchten wir auf zentrale Aspekte eingehen:
Hafen-Ost kann weiterhin zeigen, was suffizienzorientierte Stadtentwicklung auch unter erschwerten Bedingungen bedeuten kann: nicht mehr vom Gleichen, sondern ein Quartier, das Ressourcen schont, Teilhabe und nachhaltige Mobilität ermöglicht sowie bezahlbares und zukunftsfähiges Wohnen und Arbeiten schafft.
Zusammengefasst braucht es aus unserer Sicht konkret Folgendes:
- Eine transparente Grundlagenermittlung. Es sollte öffentlich nachvollziehbar geklärt werden, welche Restriktionen durch die neue Situation tatsächlich bestehen und unter welchen Bedingungen welche Nutzungen weiterhin möglich sind.
- Fortschreibung und integrierte Gesamtplanung statt Neustart auf weißem Blatt oder Stückwerk. Statt die erarbeiteten Qualitäten stillschweigend zu entwerten, sollte der Rahmen- und Gestaltungsplan unter den neuen Bedingungen weiterentwickelt werden. Hafen-Ost ist zu bedeutsam für Flensburg, um über isolierte Einzelentscheidungen entwickelt zu werden. Es braucht weiterhin ein integriertes Zielbild für den Gesamtraum – als Grundlage für abgestimmte Teilentwicklungen, Mobilität, Freiräume, soziale Infrastruktur und mögliche Etappierungen. Zudem sollte transparent gemacht werden, wie eine tragfähige Förder- und Finanzierungsgrundlage wiederhergestellt werden kann.
- Klare Kriterien für Gemeinwohlorientierung und Suffizienz. Dazu gehört die Konkretisierung von Qualitäten wie Bezahlbarkeit, soziale Mischung, öffentliche Zugänglichkeit, ökologische Kriterien, Freiräume, Nutzungsmischung, nachhaltige Mobilität und langfristige Steuerbarkeit. Zugleich sind Ansätze erforderlich, die auch dort Gestaltungsmöglichkeiten schaffen, wo Grundstücke nicht in städtischer Hand sind.
- Eine aktive Vorbereitung geeigneter Entwicklungsschritte und Entwicklungspartner. Wenn Hafen-Ost ein „Quartier für alle“ werden soll, sollte die Stadt gezielt nach Akteuren suchen, die zu dieser Ausrichtung passen und bereit sind, anders zu entwickeln als bei klassischen Wasserlagenprojekten. Zugleich kann die aktuelle Phase genutzt werden, um Zwischennutzungen, Pionierprojekte, Konzeptvergaben, innovative Erbbaurechtsmodelle, Fördermöglichkeiten und geeignete Teilentwicklungen vorzubereiten. Das wäre kein Stillstand, sondern Vorbereitung für späteres Tempo.
- Eine neue Transparenz- und Beteiligungsstrategie. Das kooperative Verfahren hat gezeigt, dass gute und breit getragene Ergebnisse möglich sind. Wenn Ziele und Qualitäten verändert werden sollen, ist eine nachvollziehbare Begründung erforderlich. Zudem braucht es einen klaren Fahrplan, wie Politik, Stadtgesellschaft und Fachöffentlichkeit wieder einbezogen werden können, um Orientierung und Verlässlichkeit wiederherzustellen.