Offizielle Pressemitteilungen der Europa-Universität Flensburg (EUF)

Neue Schwimm-Lehr-App unterstützt passgenauen Unterricht

Abschlusssymposium des Forschungsprojekts EuViS zeigt Potenzial digitaler Diagnostik für die Schwimmförderung von Kindern

Jedes zweite Kind verlässt die Grundschule, ohne sicher schwimmen zu können. Gleichzeitig stehen Lehrkräfte im schulischen und außerschulischen Schwimmunterricht vor zunehmend heterogenen Lerngruppen und begrenzten Ressourcen. Wie Schwimmförderung künftig individueller und wirksamer gestaltet werden kann, zeigten Forschende der Deutschen Sporthochschule Köln und der Europa-Universität Flensburg beim Abschlusssymposium des Forschungsprojekts EuViS in Berlin.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Vorstellung einer neu entwickelten Schwimm-Lehr-App. Die Anwendung ermöglicht es Lehrkräften, Schwimmfähigkeit systematisch zu erfassen, individuelle Lernstände sichtbar zu machen und daraus passgenaue Lerninhalte abzuleiten. Die App basiert auf der wissenschaftlich entwickelten Lernstandsdiagnostik „Eulenblick“ und wurde in den vergangenen drei Jahren gemeinsam mit Schulen, Verbänden und weiteren Praxispartnern entwickelt und validiert. 

Bildungsinnovationen, die im Alltag handhabbar werden

Rund 90 geladene Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bildung, Politik, Verbänden und Sportpraxis nutzten das Symposium, um sich über aktuelle Herausforderungen der Schwimmvermittlung und mögliche Lösungsansätze auszutauschen. Zu den Gästen zählten unter anderem Vertreter*innen des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), das Robert Koch-Institut (RKI), der Kultusverwaltungen verschiedener Bundesländer, von Sportverbänden sowie Bildungseinrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

„Bildungsinnovationen entfalten ihren Wert nicht allein dadurch, dass sie theoretisch überzeugend sind, sondern dadurch, dass sie im Alltag tatsächlich handhabbar und anschlussfähig werden“, betonte Univ.-Prof. Dr. Tobias Vogt, Verbundleiter des Projekts EuViS und Leiter des Instituts für Vermittlungskompetenz in den Sportarten der Deutschen Sporthochschule Köln. 

Lehrkräfte erhalten mehr Sicherheit in der Einschätzung von Lernständen

Das Projekt EuViS steht beispielhaft für den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis. Von Beginn an arbeiteten Forschende eng mit Schulen, Lehrkräften, Verbänden und Bildungseinrichtungen zusammen. Die entwickelten Instrumente wurden nicht nur wissenschaftlich konzipiert, sondern unter realen Bedingungen erprobt und kontinuierlich weiterentwickelt.

„Die Erfahrungen aus Schleswig-Holstein zeigen, dass Lehrkräfte durch die Nutzung der App mehr Sicherheit in der Einschätzung von Lernständen gewinnen und Kinder passgenauer fördern können.“, erklärt Projektleiterin Dr. Nele Schlapkohl von der Europa-Universität Flensburg.

Praxisdemonstration zeigt, wie die App funktioniert

Ein Höhepunkt des Symposiums war die Praxisdemonstration mit einer Berliner Grundschulklasse. Die Teilnehmenden konnten dabei direkt beobachten, wie die Lernstandsdiagnostik im Wasser eingesetzt wird und wie die App Lehrkräfte bei der Beobachtung, Dokumentation und Förderung von Kindern unterstützt.

In seinem Grußwort ordnete Univ.-Prof. Dr. Ansgar Thiel, Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln, die Ergebnisse des Projekts in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang ein. „Schwimmen ist weit mehr als eine sportliche Fertigkeit. Als grundlegende Kulturtechnik eröffnet es Kindern Sicherheit, Selbstvertrauen und gesellschaftliche Teilhabe.“ Die Förderung von Schwimmkompetenz sei daher nicht nur eine sportpädagogische, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe.


Auch die abschließende Podiumsdiskussion machte deutlich, dass nachhaltige Verbesserungen in der Schwimmförderung nur im Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik, Verbänden und Praxis gelingen können. Diskutiert wurden unter anderem die Bedeutung evidenzbasierter Fördermaßnahmen, die Rolle datenbasierter Diagnostik sowie Wege, erfolgreiche Modellprojekte langfristig in bestehende Bildungsstrukturen zu überführen.

Das Projekt EUVIS

Das Forschungsprojekt „EuViS – Die App zur Diagnostik von Lernausgangslagen und der Gestaltung von passgenauem Schwimmunterricht“ wurde von der Deutschen Sporthochschule Köln gemeinsam mit der Europa-Universität Flensburg durchgeführt. Gefördert wurde das Vorhaben im Rahmen der Förderlinie VIP+ („Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung“) durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

„Die Ergebnisse des Projekts zeigen, dass datenbasierte Diagnostik einen wichtigen Beitrag leisten kann, um Schwimmunterricht gezielter zu gestalten und Kinder entsprechend ihrer individuellen Voraussetzungen zu fördern. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Verbesserung der Schwimmfähigkeit von Kindern und zur Stärkung ihrer Teilhabe an Bewegung, Sport und gesellschaftlichem Leben“, so die Projektleiterin Dr. Ilka Staub von der Deutschen Sporthochschule Köln. 

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