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Warum Schüler*innen nicht zum Unterricht kommen

Erste Ergebnisse aus dem Projekt SANSCHO (Schulbesuch und Schulabbruch in Schleswig-Holstein) vorgestellt.

Wenn Schüler*innen lange Zeiten nicht zur Schule gehen, dann stehen ihre Chancen auf einen Abschluss schlecht. Acht Prozent der Schüler*innen der 9. Klassen an Schleswig-Holsteins Gemeinschaftsschulen versäumen mehr als 40 Tage im Schulhalbjahr. Auch wenn die Zahlen der Schüler*innen mit sehr hohen Fehlzeiten zurückgehen, sieht das Bildungsministerium in Schleswig-Holstein Handlungsbedarf.

Emotionale Gründe eine mögliche Ursache

Im Rahmen des vom Bildungsministerium beauftragten Projekts SANSCHO untersuchen Wissenschaftler*innen an der Europa-Universität Flensburg und der Universität Leipzig, warum junge Menschen in der Schule fehlen und entwickeln Ideen, wie dem entgegengewirkt werden kann. 

5.500 Schüler*innen und 500 Lehrkräfte an 54 Schulen wurden für die Studie befragt. „Bei der Befragung zeigt sich, dass Schüler*innen, die häufig fehlen, sich in der Schule oft unwohl und unsicher fühlen und emotionale und soziale Schwierigkeiten zeigen. Sie fühlen sich wenig zugehörig und sozial integriert“, erklärt Prof. Dr. Marie-Christine Vierbuchen, die die Studie an der Europa-Universität Flensburg begleitet. 

Jungen und Mädchen bleiben ähnlich oft dem Unterricht fern

Während Mädchen häufiger den Schulbesuch aus angstbedingten Gründen vermeiden, schwänzen Jungen häufiger die Schule, also bleiben dem Unterricht auch ohne das Wissen der Eltern fern. Probleme mit häufigen Fehlzeiten haben jedoch Jungen und Mädchen gleichermaßen. Bei Schüler*innen, die sich weder als männlich, noch als weiblich identifizieren, zeigt die Auswertung besonders hohe Fehlzeiten und damit in Zusammenhang niedrigere Werte im Kontext von schulischem Wohlbefinden.

Herausforderung Schulabsentismus betrifft verschiedene Schulformen unterschiedlich stark

Vor allem an Gemeinschafts- und Berufsbildenden Schulen (hier AVSH) haben Schüler*innen Probleme mit dem regelmäßigen Schulbesuch. Gymnasien sind weniger stark betroffen. „An Grundschulen sind die Zahlen verhältnismäßig gering. Jedoch kann sich hier schon anbahnen, dass Schüler*innen nicht zur Schule gehen wollen“, erklärt Vierbuchen, „Besonders wenn Kinder unter regelmäßigen Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit leiden, können das erste Anzeichen sein, dass sie sich in der Schule nicht wohlfühlen und stärkere Unterstützung benötigen, um zukünftigen Schulabsentismus vorzubeugen.“ 

Wohlbefinden für alle Schüler*innen steigern

Ein Handlungsansatz ist die Gestaltung eines Schulumfelds, in dem sich alle Schüler*innen wohlfühlen. Motivation für einen Schulbesuch sei nur selten ein toller späterer Beruf, so Vierbuchen. "Sicherheitsgefühl, Zugehörigkeitsgefühl, soziale Integration, das sind Aspekte, die den Schulbesuch verstärken", erklärt sie. Wichtig sei insgesamt, die Schüler*innen in ihrem Umfeld zu betrachten und eine passende Ansprache zu finden. Dabei seien nicht nur die Lehrkräfte, sondern auch die Eltern gefragt. Manchmal könne auch Unterstützung beim Aufstehen oder auf dem Weg zur Schule bis zum Betreten der Schule helfen. 

Vom Bildungsministerium SH gefördert

Das Projekt SANSCHO (Schulbesuch und Schulabbruch in Schleswig-Holstein) wird vom Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur Schleswig-Holstein mit rund 691.000 Euro gefördert. Neben einer Erhebung mit Fragebögen mit rund 5.500 Schüler*innen und 500 Lehrkräften werden Interviews mit allen an Schule tätigen Personen, Schüler*innen und Eltern geführt, sowie Einzelfälle analysiert und an exemplarischen Schulen ein gemeinsamer Schulentwicklungsprozess umgesetzt. Das Projekt ist bundesweit einmalig und läuft noch bis Ende 2027. Es schafft eine Datengrundlage, um die Strukturen für eine noch wirksamere Unterstützung der betroffenen Schüler*innen sowie der Schulen weiterzuentwickeln. 

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