Bericht zur Athen-Exkursion des Faches Geschichte an der Europa-Universität, vom 22.-31.10.2023

Bericht zur Sizilien-Exkursion des Faches Geschichte an der Europa-Universität Flensburg vom 14. bis zum 24. Oktober 2022

Morgens früh am 14. Oktober machte sich die Gruppe von 27 Studierenden unter Führung von Prof. Dr. Krešimir Matijević, Dr. Nils Steffensen und Silvester Kreisel, MA, auf den Weg nach Sizilien. Mit dabei war auch Theo, noch nicht ganz zweijähriger Teilnehmer und Nachwuchshistoriker, der sich frohgemut in die Gruppe einreihte und den Italienerinnen und Italienern regelmäßig Ausrufe der Entzückung entlockte! Nach einem angenehmen Flug von Hamburg über München nach Catania wurden wir wie geplant von einem Bus am Flughafen abgeholt und zu unserem Hotel nach Sant’Alessio gebracht. Hier wurde der Rest des Tages genutzt zum Zimmer beziehen, Auspacken und Kennenlernen des kleinen Dorfes an der Nordostküste Siziliens.

Am kommenden Tag, dem 15. Oktober, besuchten wir als erstes den Ätna. Statt hier den Scharen der Touristen zu folgen und per Lift bzw. Geländebus den Aufstieg zu bewältigen, machte sich die Gruppe auf Schusters Rappen an die Aufgabe, den Vulkan zu bezwingen. Hierbei wurden von vielen Studierenden (auch von Theo!) bedeutende Teilerfolge verbucht, die vom Lift sicherlich mit Neid betrachtet worden sind. Der eingeplante halbe Tag reichte allerdings nicht dazu aus, den Ätna komplett zu ersteigen. Verstaubt, aber glücklich, machten wir uns dann auf den Weg nach Taormina, wo das in den Berg gehauene Theater viele Ahhhs und Ohhhs entlockte. Zu besichtigen waren hier ferner ein Odeion (ein antiker Versammlungsplatz für den Stadtrat) und ein römisches Bad, das wir länger suchten und dann schließlich auch fanden. Erschöpft, aber voll von ersten schönen Eindrücken der Antike, kurvten wir mit dem Bus entlang der Küste zurück zum Hotel, wo sich die Studierenden mittels Bad im Meer den Ätnastaub von Gesicht und Körper wuschen.

Der nächste Tag begann mit dem Besuch der Barockstadt Acireale. Hier wurden verschiedene Kirchen besichtigt, wobei besonders die Kathedrale beeindruckte. Bei Acitrezza konnten wir an der Küste die Felsen bewundern, die der Kyklop Polyphem angeblich dem griechischen Helden Odysseus hinterhergeworfen haben soll, nachdem er von diesem geblendet worden war. Im Anschluss wurde das normannische Kastell in Aci Castello besucht.

Am 17. fuhren wir als erstes zum malerisch gelegenen Pantalica. Hierbei handelt es sich um eine Nekropole aus der Bronzezeit in einem Tal im Landesinneren von Sizilien. Der Weg war komplizierter als gedacht, da unser Busfahrer Nino sich in der nahegelegenen Kleinstadt festfuhr, woran weniger er selbst als eine schlecht organisierte Baustelle Schuld trug. Gelöst wurde die Situation durch die Polizei, die kurzerhand die Straße hinter dem Bus von allem weiteren Verkehr räumte, so dass Nino eine längere Strecke rückwärts fahren konnte, um uns erneut Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Nach gelungener Aktion, vielen italienischen Flüchen und gefühlt mehreren Litern Schweiß bejubelten die Studierenden Nino, der stolz und grimmig den Bus aus dem Dorf herauslenkte. Der Tag stellte unseren Busfahrer aber vor weitere Herausforderungen. Die nächste Station, Megara Hyblaia, war nur über eine fast zugewachsene, staubige, enge Sandpiste mit einigen tiefen Schlaglöchern zu erreichen. Ein löchriges Schild wies allerdings unmissverständlich den Weg, so dass der Bus sich in aller Ruhe zu dem Freilichtmuseum durchkämpfte. Hier erwartete uns ein italienischer Museumswärter, der uns trotz anstehender Mittagspause den Einlass gestattete und aus Praktikabilitätsgründen gleich auf das Erheben von Eintrittsgeldern verzichtete. Erhalten haben sich von der griechischen Stadt umfangreiche und beeindruckende Befunde – trotz der Zerstörung durch die Römer in antiker Zeit. Im Anschluss besuchten wir noch Thapsus, wo sich bronzezeitliche Gräber befinden, die wir erst nach längerer Suche an der Felsküste finden konnten. Hier befanden sich zudem Flakstellungen aus dem 2. Weltkrieg. Nachdem wir an der Küste die in den steinigen Boden gehauenen Höhlen entdeckt hatten, taten sich in der Nachbarschaft immer mehr Löcher im Boden auf, die der Bestattung gedient hatten. Hie und da konnten wir die Höhlen betreten und uns einen Eindruck von den beeindruckenden Grabstätten verschaffen. Der Tag sollte mit einem Besuch von Palazzolo Acreide (dem antiken Akrai) abgerundet werden, doch war die Ausgrabungsstätte (ohne Angabe von Gründen) geschlossen.

Der folgende Tag war ausschließlich Syrakus gewidmet, wo sich ein Highlight ans nächste anschloss. Begonnen wurde mit einem Gang über die Halbinsel Ortygia. Hier besichtigten wir den Apollon-Tempel, den Athene-Tempel (im Dom baulich aufgegangen), die Arethusa-Quelle sowie anschließend den großen archäologischen Park mit seinen zahlreichen antiken Bauten. Abgerundet wurde der eindrückliche Tag mit dem Besuch des Archäologischen Museums, das zahlreiche interessante Funde birgt.

Für den nächsten Tag war eine längere Fahrt Richtung Westen geplant. Erste Station war die Piazza Armerina. Hier waren sich die Personen an der Museumskasse länger nicht im Klaren darüber, wie hoch der Eintrittspreis für unsere Gruppe ausfallen sollte. Als wir uns zu allseitiger Zufriedenheit geeinigt hatten, stürzten wir uns mit Begeisterung auf die berühmten Mosaike. Die Studierenden waren sich schnell einig, dass die so genannten ‚Bikini-Mädchen‘ zwar gut gelungen, längst aber nicht zu den schönsten Mosaiken zählten, die wir in dieser römischen Villa bewundern durften. Die dargestellten Wagenrennen oder das Odysseus-Polyphem-Bild begeisterten uns alle noch eindrücklicher. Im Anschluss besuchten wir das Tal der Tempel in Agrigentum (heute Agrigento). Zahlreiche rekonstruierte Tempel wurden besichtigt und viele Photos geschossen.

Am 20.10. besuchten wir als erstes Selinunt. Ein riesiger archäologischer Park mit eigenem Museum und zahlreichen Tempeln sorgte für Staunen. Der langgezogene Weg konnte uns nicht schrecken. Bei jedem Tempel motivierte der nächste sich in der Ferne abzeichnende Säulenbau für den weiteren Marsch. Auf dem Forum der griechischen Stadt angekommen trafen wir auf die Archäologin Sophie Helas, die bereits seit vielen Jahren vor Ort Ausgrabungen durchführt. Ihr Fachwissen und ihre Auskunftsfreudigkeit sorgten für wache Gesichter, trotz der hohen Temperaturen auf der Hochebene. Ein kühles Eis konnte im Anschluss die Motivation hochhalten, so dass die Exponate im Museum die ihnen gebührende Aufmerksamkeit erhielten. Der Erschöpfungsgrad war dann allerdings so groß, dass der Besuch des archäologischen Parks in Marsala (dem antiken Lilybaion) freiwillig war. Dennoch schlossen sich viele Studierende der Exkursionsleitung an. Im Anschluss wurden die Eindrücke bei einem kühlen Getränk in der Altstadt von Marsala rekapituliert.

Der folgende Tag begann mit einem Ausflug nach Erice, dem antiken Eryx. Der Bus quälte sich den Berg hoch und verschwand in den Nebelschwaden, die sich am Gipfel festgesetzt hatten. Hier suchten und fanden wir den Weg zum normannischen Kastell, liefen dann an der noch sehr gut erhaltenen Stadtmauer entlang zum Bus zurück und fuhren im Anschluss wieder hinunter in die sonnenbeschienene Ebene. Im Anschluss besuchten wir Motya, heute Mozia. Ein voll besetztes Boot (drei Studierende durften als Gallionsfiguren ganz vorne ‚Platz‘ nehmen) brachte uns zu der Insel, die in der Antike von den Phöniziern besiedelt worden war, einem Volk, das an der Küste des heutigen Syrien, Libanon und Israel beheimatet war. Nach dem Besuch des Museums liefen wir die verschiedenen archäologischen Hinterlassenschaften auf der Insel ab, wobei der Tophet, ein Ort, an dem (den antiken Quellen zufolge) Kinder geopfert worden waren, nachdenklich stimmte. Tatsächlich könnte es sich bei diesen angeblichen blutigen Riten durchaus auch um bewusst gestreute Gerüchte gehandelt haben – die Wissenschaft diskutiert seit vielen Jahrzehnten den Wahrheitsgehalt der Kinderopfer.

Der 22.10. war der Fahrt nach Palermo gewidmet. Auf dem Weg besuchten wir Segesta. Ein gewaltiger griechischer Tempel zog uns hier in seinen Bann. Der Bau hat sich seit der Antike erhalten, wurde also nicht, wie die meisten anderen Tempel auf Sizilien, rekonstruiert. Warum das Dach fehlt und offensichtlich auch in der Antike fehlte, gibt der Forschung Rätsel auf. Anschließend widmeten wir uns dem Aufstieg zum gewaltigen Theater (die touristische Busfahrt wurde verschmäht). Der Blick belohnte unsere Mühen in jeder Hinsicht. In Palermo angekommen besuchten wir das Archäologische Museum und wurden in dem wunderschönen Atriumbau von Schildkröten in einem Brunnen begrüßt. Leider war wegen Umbaus nur das untere Geschoss geöffnete, doch barg dieses zahlreiche Funde von den schon besuchten archäologischen Stätten in Selinunt und Agrigentum.

Der folgende Tag diente dem Besuch des nahe bei Palermo gelegenen Monreale. Hier beeindruckte der berühmte Kreuzgang mit seinen zahlreichen Steinreliefs. In die Kathedrale konnten wir wegen eines laufenden Gottesdienstes nur kurz hineinsehen. Den Rest des Tages erhielten die Studierenden zur freien Verfügung. Weitere berühmte Bauwerke (die Kathedrale mit den Grabmälern von Heinrich VI., Friedrich II. und Konstanze von Sizilien; das bischöfliche Museum) wurden besucht und Besorgungen (Geschenke für die daheim Verbliebenen) gemacht. Die Abreise erfolgte dann früh am nächsten Tag.

Zu loben ist das besondere Engagement der Studierenden, die nicht nur ihre freie Herbstwoche opferten, sondern auch Referate vor Ort hielten, immer gut gelaunt alle steinigen Wege auf sich nahmen und abends noch die Kraft für viele Partien "Werwolf" hatten. Der Zusammenhalt war durchgängig spürbar. Der kleine Theo (mit zweitem Vornahmen Hektor!) stellte eine besondere Bereicherung dar!

Ein besonderer Dank geht an das PROMOS-Programm und an die Fördergesellschaft der Europa-Universität Flensburg für die finanzielle Förderung der Studierenden!

                                                                                               Prof. Dr. Krešimir Matijević

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