Bericht der Exkursion nach Trier im Oktober 2025
Am frischen Morgen des 19. Oktober 2025 traf sich die elfköpfige Exkursionsgruppe, geleitet von Dr. Oliver Bräckel, um 6:10 Uhr am Flensburger Bahnhof. Nach anderthalbjähriger Abstinenz gab der ehemalige Stammgast Theo, mittlerweile fast fünf Jahre alt, sein Comeback und nahm gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester Mara (mit zweitem Namen Aurelia!) ebenfalls an der Exkursion teil. Trotz der Spötteleien einiger Teilnehmender über die übliche Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn trafen wir nach reibungslosen Umstiegen in Hamburg, Frankfurt am Main und Koblenz wider Erwarten pünktlich am Trierer Hauptbahnhof ein, von wo aus wir direkt zum Hotel gingen, um unsere Zimmer zu beziehen. Nach der langen Fahrt ließen wir den Abend im Cubiculum ausklingen, einer Kellerkneipe, die bei den Trierer Studierenden große Beliebtheit genießt.
Am folgenden Morgen machten wir uns zu Fuß in die Trierer Innenstadt, wobei sich Theo durch seine Überredungskünste auszeichnete, indem er einen Exkursionsteilnehmenden vom gemeinsamen Hoppserlauf überzeugte. Das erste Ziel war die Porta Nigra, das Wahrzeichen der Stadt und das größte römische Stadttor Deutschlands. Dort bestaunten wir den besonders guten Zustand des antiken Bauwerks, das ausschließlich aus Sandstein und ohne Mörtel errichtet worden war. Diesen Umstand verdankt das Tor seiner Umfunktionierung im Mittelalter als Kirche, deren Anbauten kein Geringerer als Napoleon Bonaparte im 19. Jahrhundert wieder entfernen ließ. Nach einer kurzen Pause, in der sich einige Teilnehmende wetterfest machten (Theos Regenschirm mit Einhornmotiv sorgte dabei für Erheiterung), steuerten wir die Barbarathermen unweit der Mosel an. Auf dem Weg dorthin passierten wir das Geburtshaus des berühmten Kapitalismus-Kritikers Karl Marx, das mittlerweile als Museum dient und somit ironischerweise eine touristische Einnahmequelle der Trierer Innenstadt darstellt. An den Thermen angekommen, begeisterte uns vor allem die noch sichtbare antike Fußbodenheizung, die sinnbildlich für die architektonische Raffinesse des Römischen Reichs steht. Einst waren die Trierer Barbarathermen die größte römische Badeanlage nördlich der Alpen und gehörten zu den vier größten Thermen des gesamten Imperiums. In unmittelbarer Nähe der Barbarathermen überspannt die Römerbrücke die Mosel. Diese Brücke ist die älteste in ganz Deutschland und beweist mit ihren neun erhaltenen antiken Pfeilern einmal mehr den architektonischen Scharfsinn und die Beständigkeit der römischen Bauweise – eine Bauweise, die der Dresdner Carolabrücke vermutlich zugutegekommen wäre. Anschließend ließ der Regen nach, doch der schlammige, aufgeweichte Boden, den er hinterließ, erschwerte unseren Weg bergauf zum Tempelbezirk in Tawern und zwang uns zur äußersten Vorsicht, um beim Bergaufgehen nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Am heiligen Kultort angelangt, wurden wir für den mühsamen Aufstieg, bei dem niemand zu Schaden kam, belohnt, indem wir entweder ebendiese rekonstruierte Kultstätte bewunderten oder die weite Aussicht auf die Ortsgemeinde Tawern genossen. Entkräftet kehrten wir zur Bushaltestelle zurück und gelangten anschließend in unsere Herberge. Abschließend feierten wir diesen erfolgreichen ersten Exkursionstag bei einem gemeinsamen Abendessen in einer Gaststätte.
Am zweiten Tag besuchten wir zunächst das Amphitheater, dessen einstige Kapazität von bis zu 20.000 Zuschauenden erahnen lässt, welch blutige Kämpfe und Tierhetzen hier stattfanden. Diesbezüglich stellte Herr Bräckel klar, dass längst nicht jeder Kampf tödlich endete. Der „sofort-sterbende-Gladiator“ ist somit größtenteils ein popkultureller Mythos. Die unterirdische Arena des Amphitheaters beeindruckte zwar durch ihren guten Erhaltungszustand, durch den sich die römische Bauweise abermals auszeichnete, jedoch trübte uns der Anblick des Unterbaus aufgrund der Verschmutzung durch gegenwärtige Besucher_innen. Nach einer kurzen Pause besuchten wir die Marc-Aurel-Ausstellung des Rheinischen Landesmuseums in Trier, um das geschichtsdidaktische Potenzial der Ausstellung auf Grundlage der Exponate und ihrer kuratorischen Gestaltung zu besprechen. Ganz im Sinne von Marc Aurels Tugendlehre konnten wir anschließend einer gegenwärtigen, überlebenswichtigen Tugend gerecht werden: der Kaffeepause. Gestärkt widmeten wir uns der Besichtigung der Kaiserthermen, deren trügerischer Name eine Badeeinrichtung suggeriert, obwohl die Anlage als Kaserne diente. Wer sich hier in die Bedienungsgänge wagt, sollte über einen ausgeprägten Orientierungssinn verfügen, da die verwinkelten Gänge fast labyrinthartig angelegt sind. Diesen Orientierungssinn benötigten wir beim Besuch des Katakombensystems der ehemaligen Benediktinerabtei St. Maximin glücklicherweise nicht, da wir eine Führung durch die unterirdische Grabanlage bekamen, die Zeugnis der frühchristlichen Bestattungskultur gibt. Als die zuständige Mitarbeiterin nach ihrer Führung fragte, ob es weitere Fragen gäbe, beendete Theo mit einem entschiedenen „Nein!“ die Fragerunde. Wir bedankten uns daraufhin für die Führung und machten uns auf den Weg zurück in die Stadt. Der letzte Programmpunkt war die Konstantinbasilika, die als Residenz Konstantin des Großen diente und heute als größtes erhaltenes säulenloses Bauwerk der Antike ein architektonisches Highlight darstellt. Obwohl die Konstantinbasilika heute als evangelische Kirche genutzt wird und ihr Name auf ein Kirchengebäude hinweist, ließ Konstantin der Große diese als „aula regia“ (königlicher Empfangssaal) errichten, wodurch dieses Bauwerk einst einen repräsentativen Zweck erfüllte. Nach der Besichtigung ließen wir auch diesen Abend mit einem gemeinsamen Essen in der „Kartoffelkiste“ ausklingen, bei der sich der Verfasser versehentlich drei große Ofenkartoffeln bestellte, die er wie Obelix im Nu verschlang.
Den dritten Tag verbrachten wir in Luxemburg. Auf unserem Hinweg legten wir einen Stopp in Igel ein, um die 23 Meter hohe Igeler Säule zu begutachten. Diese diente der Demonstration von Reichtum und Macht einer wohlhabenden Tuchhändlerfamilie und ist heute der größte und am besten erhaltene römische Grabpfeiler nördlich der Alpen. Nach unserem Zwischenstopp erreichten wir das luxemburgische Nationalmuseum, das uns einen weiten Einblick in die Geschichte des Großherzogtums bot, indem es die Landesgeschichte in der Form eines Längsschnitts, von den römischen Wurzeln bis in die Gegenwart, darstellte. Die anschließende lange Pause nutzten wir zur Bewunderung der herbstlichen Hauptstadt, ehe wir uns auf den Rückweg machten, um die Rekonstruktion eines römischen Handelsschiffes namens „Bissula“ auf uns wirken zu lassen. Als Vorlage für die Rekonstruktion diente das Wrack eines römischen Handelsseglers, der vermutlich am Ende des dritten Jahrhunderts nach Christus in der Bucht von Laurons (französische Mittelmeerküste) versank und vom Kiel bis zum Deck einseitig erhalten blieb. Mithilfe der Rekonstruktion zielen die Universität und Hochschule Trier im Rahmen eines Forschungsprojekts darauf ab, empirische Daten zur tatsächlichen Leistungsfähigkeit dieser Handelsschiffe zu erheben und dadurch Rückschlüsse auf die Intensität des antiken Seehandels zu ziehen. Am Ende unseres Besuchs war es uns sogar möglich, die Bissula zu besteigen. An dieser Stelle möchte ich mich im Namen der gesamten Exkursionsgruppe herzlich bei den Trierer Kolleg_innen bedanken, die uns den Besuch am Trierer Bauhafen ermöglichten. Für weitere Informationen zum Forschungsprojekt siehe: https://www.uni-trier.de/universitaet/fachbereiche-faecher/fachbereich-iii/faecher/geschichte/profil/fachgebiete/alte-geschichte-1/nachbauten-antiker-schiffe/roem-handelsschiff-bissula. Auch diesen Tag schlossen wir mit einem gemeinsamen Abendessen in einem italienischen Restaurant ab und tauschten Eindrücke und Erfahrungen aus.
Ausgerechnet am letzten Tag vor der Rückfahrt nach Flensburg erwartete uns das schlechteste Wetter der gesamten Reise. Als wir uns auf den Weg machten, um die Bauhalle zu erreichen, die verschiedenste antike Schiffsmodelle beherbergt, bekamen wir einen leichten Vorgeschmack von dem Regen und den Böen, die später in Trier wüteten. In der Bauhalle angekommen, erörterten wir ebenfalls das geschichtsdidaktische Potenzial des Forschungsprojekts: Wir stellten uns die Frage, wie ein solcher Besuch einer Rekonstruktion eines antiken Handelsschiffes problemorientiert in den Geschichtsunterricht integriert werden kann und inwiefern sich diesbezüglich Gegenwartsbezüge anbieten. Die gleichen Fragen stellten wir uns nach einem Rundgang in den Thermen am Viehmarkt, der den nächsten Programmpunkt darstellte. Das plötzlich trügerisch trockene Wetter nutzten wir für eine kleine „tugendhafte“ Stärkung (siehe Tag zwei), bevor wir zur Liebfrauenkirche und dem Dom bzw. dem dazugehörigen Museum schritten. Erstere beeindruckt durch ihren kreuzförmigen Grundriss, der sich erst aus der Vogelperspektive erkennen lässt. Letztere überrumpelte uns mit der Tatsache, dass diese stark überlaufen war, wodurch die gegenwärtige gesellschaftliche Relevanz des Doms deutlich wurde. Im dazugehörigen Museum wird dargestellt, wie die konstantinischen Deckenmalereien aufgrund ihrer fragmentarischen Erhaltung aufwendig rekonstruiert werden mussten, um ihre ursprüngliche farbliche Pracht wieder sichtbar zu machen. Der letzte Programmpunkt der Exkursion war der Besuch der Synagoge in Trier – als die angekündigten Böen wüteten und es in Strömen regnete. Bedauerlicherweise verwehrte uns der starke Regen den Spaziergang zum Friedhof der jüdischen Gemeinde in Trier, die die älteste Gemeinde in Deutschland ist und auf eine Geschichte zurückblickt, die bis in die spätrömische Zeit reicht. Daher begrüßte man uns herzlich im Gebäude der Synagoge, wo wir eine Einführung in die jüdische Religion genossen. In diesem Zusammenhang erfuhren wir von den bemerkenswerten und vorbildlichen interreligiösen Freundschaften, die die jüdische Gemeinde mit der christlichen und islamischen Gemeinde in Trier pflegt. Zum Abschluss der gelungenen Exkursion nach Trier und Luxemburg trafen wir uns, wie an den vorherigen Abenden, zu einem gemeinsamen Abendessen. In der „Wunderlampe“ führten wir uns dabei kulinarische Köstlichkeiten aus dem Nahen Osten zu Gemüte.
Nach dem gemeinsamen Check-out am folgenden Vormittag begann unsere Rückreise. Die DB bewies dabei doch noch, dass sie ihren Ruf zu Recht trägt: Spielende Kinder auf den Gleisen bescherten uns eine 13-stündige Odyssee, womit die Deutsche Bahn dem Klischee der Unpünktlichkeit vollkommen gerecht geworden war.
Im Namen der gesamten Exkursionsgruppe möchte ich mich bei Herrn Dr. Oliver Bräckel für die tolle Organisation und Durchführung (und angenehmen Gespräche) dieser Bildungsreise herzlich bedanken!
Für die Exkursionsgruppe schreibt
Mert Akyüz
Bericht der Exkursion nach Florenz, Pisa und Siena vom 19.10. bis 26.10.2024
Bericht zur Athen-Exkursion des Faches Geschichte an der Europa-Universität Flensburg, vom 22.-31.10.2023
Am Sonntag, den 22.10, sammelte sich unser Exkursionstrupp unter der Leitung von Prof. Dr. Krešimir Matijević und Dr. Nils Steffensen nachmittags um kurz vor drei am Flughafengate. Mit von der Partie war ebenfalls wieder das jüngste Exkursionsmitglied Theo, inzwischen fast drei Jahre alt. Nach einem sehr unspektakulären Flug über Frankfurt am Main nach Athen, reisten wir mittels Reisebus zu unserer Unterkunft mit dem klingenden Namen ‚Athens Hawks‘ mitten in das Herz der Stadt.
Früh am nächsten Morgen brachen wir zu Fuß auf in Richtung Stadtzentrum, wo uns der archäologische Park rund um die Agora erwartete. Erster Kontakt mit dem unebenen Gelände bescherte gleich mindestens ein angeschlagenes Knie. Die Sichtung einer Schildkröte löste Begeisterung aus, die im Laufe der Exkursion nicht abklingen sollte, trotz der Menge an gesichteten Exemplaren der gepanzerten Tiere. Als erstes ins Auge springt einem bereits von weitem das Hephaisteion, ein beeindruckender Start unserer Reise. Der gute Zustand des Tempels liegt unter anderem daran, dass er, wie viele antike Bauwerke, im Laufe der Geschichte umfunktioniert wurde. So diente er unter anderem lange Zeit als christliche Kirche. Anschließend begutachteten wir noch das alte und das neue Bouleuterion, in welchen der Rat Athens tagte. In der rekonstruierten Stoa des Attalos befindet sich heute das Agoramuseum, welches einige spannende Funde und Rekonstruktionen der antiken Agora beherbergt. Mit Erschrecken musste in der kurzen Mittagspause festgestellt werden, dass die Preise pro Kugel Eis in Deutschland lachhaft niedrig sind, verglichen mit den mindesten 2,50 Euro pro Kugel, die in Athen, auch abseits der touristenüberlaufenen Ecken, verlangt wurden. Nach der Erholung von diesem Schock traf sich die Reisegruppe an der römischen Agora und bewunderte dort unter anderem die Reliefs der verschiedenen Windgötter an dem sogenannten "Turm der Winde", einem achteckigen Turm, der als Wasseruhr fungierte. Von dort war es bis zur Hadriansbibliothek anschließend nur ein kurzer Fußweg. Trotz des Umstands, dass von dem Gebäude nur eine Fassade erhalten blieb, reichte diese doch aus, um uns einen Eindruck davon zu verschaffen, welche Unmengen an Wissen an diesem Ort einmal gelagert worden sein müssen. Wir beendeten den Tag mit einem Besuch in der archäologischen Stätte von Kerameikos, wo insbesondere die beeindruckend gestalteten Grabbezirke der Nekropole ins Auge sprangen.
Der dritte Tag begann chaotisch. Geplant war eine gemeinsame Abfahrt Richtung Piräus via. S-Bahn. Bereits in der Bahnstation zählte die Gruppe eine Person weniger. Die Pufferzeit zur Abfahrt der Fähre nach Ägina wurde von zwei weiteren Teilnehmern schlecht eingeschätzt, die dann (nach Abfahrt) vom obersten Deck beim Kauf einer weiteren Karte im Hafen beobachtet werden konnten. Das verlorene Mitglied der S-Bahn hingegen schaffte es, an der Fährfahrt teilzunehmen. Auf Ägina selbst riss die Pechsträhne nicht ab, da der archäologische Park unverhofft geschlossen hatte, sodass wir uns nicht an den Überresten des Apollon-Heiligtums erfreuen konnten. Nach einem weiteren spannenden Vortrag über die Geschichte der Insel und den verpassten Inhalten des Parks teilte sich die Reisegruppe auf. Einige Mitglieder sprangen direkt ins kühle Nass des Mittelmeeres, der Großteil der Reisetruppe quetschte sich in einige Taxen und genoss eine kurvenreiche Fahrt quer über die Insel hoch zum Aphaia-Tempel. Der brennenden Sonne trotzend bestaunten wir die Sicht über die Insel und das Meer sowie den beeindruckenden Bau. Anschließend blieb vor der (diesmal gemeinsamen) Abfahrt von der Insel noch genügend Zeit zum Bummeln, dem Erwerb von Pistazienprodukten, die eine Spezialität von Ägina sind, oder für einen Sprung ins Wasser. Das Abendprogramm bestand in der Regel an fast allen Tagen aus lebhaften Werwolf-Runden, bei denen es Herrn Steffensen gelang, an einem einzigen Abend sowohl Cicero, Seneca als auch Churchill in seinen Verteidigungsreden zu zitieren.
Der brüllenden Hitze trotzend wanderten wir am frühen Morgen des vierten Tages zum Benaki-Museum of Greek Culture in Athen. In einem nahegelegenen Park lauschten wir zunächst zwei Vorträgen über Athen in archaischer und klassischer Zeit, ehe wir uns zum Museum begaben. Eine beeindruckende Ausstellung über vier Stockwerke erwartete uns. Neben Statuen, Vasen und fein gearbeitetem Goldschmuck und Alltagsgegenständen bestaunten wir auch umfassende Exponate byzantinischer Kunst und eine Sammlung von Familienerbstücken ab dem 18. Jahrhundert. Nach einer Mittagspause fanden sich nach und nach alle Mitglieder auf dem Hügel der ehemaligen Pnyx wieder. Unter den versammelten Teilnehmenden fand sich auch ein Studierender aus Flensburg wieder, der in Athen auf Familienbesuch war und für den Tag dazustieß. Während des ersten Vortragsteils konnten wir bereits einen großartigen Ausblick auf die Akropolis genießen und Papageien und Schildkröten beobachten, sehr zur Freude des jüngsten Exkursionsteilnehmers. Anschließend bestiegen wir den Mouseion-Hügel, welcher vom beeindruckenden Philoppapos-Monument geziert wird. Neben der imposanten Höhe von 14 Metern ist vor allem die Lage des Familiengrabmals besonders, da es untypischerweise innerhalb der antiken Stadtmauern liegt. Dies sollte nicht der letzte Hügel sein, der an diesem Tag erklommen wurde, denn als nächstes bestiegen wir den Areopag und genossen von dort einen atemberaubenden Blick auf die angrenzende Agora sowie die in der Nähe befindliche Akropolis. Der anschließende Weg zu den Überresten des Demos Koilon führte uns vorbei an einer Höhle, bei welcher es sich mutmaßlich um jenes Gefängnis handeln soll, in welchem Sokrates gesessen hat. Ebenfalls passierten wir das Grab des Feldherren Kimon. Bei einer näheren Betrachtung stellten wir allerdings fest, dass es sich bei dem Grab nicht um das Grab des bekannten Politikers handelte, sondern vermutlich eher dessen Großvater dort begraben lag.
Am 26.10, dem fünften Tag unserer Exkursion, startete unser nächster Tagesausflug nach einem entspannten Frühstück pünktlich und vollzählig um 9 Uhr. Mit dem Bus verließen wir Athen und die Touristenhemisphäre und erkundeten den abgeschlagen gelegenen archäologischen Park von Rhamnous. Verwöhnt von den leicht begehbaren Wegen des Vortages kletterten und stolperten wir die ehemalige Verbindungsstraße zwischen Athen und Marathon entlang zum Heiligtum der Nemesis. Überreste von Häusern und Gebäuden mit landwirtschaftlichen Strukturen zeigen ein florierendes Leben rund um die Tempelanlagen für die Göttin der Rache bzw. Gerechtigkeit. Das ehemalige Kultbild der Nemesis fiel, gemeinsam mit einem Großteil der weiteren Statuen und baulichen Elemente des Heiligtums, der Zerstörung durch Christen zum Opfer, die den ‚heidnischen Kult‘ in Rhamnous 399 n.Chr. beendeten. Wir folgten der Gräberstraße, wobei die verbliebenen Überreste einiger Grabbezirke uns einen Eindruck davon gaben, wie beeindruckend die Straße im unbeschädigten Zustand für Durchreisende gewesen sein muss. Einen letzten Höhepunkt bot uns die Festungsanlage von Rhamnous. Neben der strategischen Bedeutung für die Verteidigung Attikas verfügte die Anlage ebenfalls über ein Theater und ein Gymnasium. Neben den Überresten der Bebauung, die einen guten Einblick in den ehemaligen Grundriss der Anlage boten, bestaunten wir ebenso den Blick auf den Golf von Euboia, bevor wir den steinigen Weg zurück zum Bus einschlugen.
An vielen Tagen bereits konnten wir sie aus der Ferne bestaunen, am Morgen des sechsten Exkursionstages war es dann soweit: Wir bestiegen die Akropolis und ihre Hänge. Nach einem kurzen Fußmarsch machten wir uns direkt an den Aufstieg. Flankiert von Touristengruppen aus aller Welt durchschritten wir die Propyläen und erkundeten zunächst eigenständig das Gebiet der ehemaligen Stadtfestung Athens. Anschließend begannen wir mit den ausführlichen Vorträgen zu den einzelnen Bauwerken und bewunderten gemeinsam den Parthenon, den Tempel der Athena Nike, das Erechtheion, den Tempel für Artemis Brauronia sowie den im Vergleich eher unscheinbaren Roma-Augustus-Tempel. Auch die Hänge der Akropolis waren dicht bebaut mit Heiligtümern wie beispielsweise dem Asklepieion sowie Bauwerken für kulturelle Veranstaltungen wie dem Odeion des Perikles, dem beeindruckenden Odeion des Herodes Atticus, welches noch heute für Veranstaltungen genutzt wird, oder einem dem Dionysos gewidmeten Theater am Südhang der Akropolis. Bauwerke wie die Stoa des Eumenes, ein überdachter Säulengang, der das Theater des Dionysos mit dem Odeion des Herodes Atticus verband, boten zudem den Besuchern Schutz vor etwaigen Wettereinflüssen. Am nördlichen Hang der Akropolis befinden sich mehrere Höhlen, die verschiedene Heiligtümer beherbergten, unteranderem für Pan und die Nymphen, Zeus Olympios sowie Apollon. Auch die wohl älteste Wasserquelle Athens, die Klepsydra-Quelle, lässt sich in der Nähe der genannten Heiligtümer finden. Leider blieb uns der Zugang zum nördlichen Hang und somit zu den genannten Heiligtümern verwehrt. Es gelang uns zumindest, während der Rückreise von unserem Tagesausflug am neunten Exkursionstag aus dem Busfenster heraus einen Blick darauf zu erhaschen. Nach einer erholsamen Mittagspause versammelte sich unsere Reisegruppe vor dem Akropolismuseum. Hier konnten wir viele der in den Vorträgen beschriebenen Kunstschätze aus nächster Nähe bestaunen. Zugleich offenbarte sich uns hier ebenfalls das Ausmaß der in den Vorträgen ebenfalls erwähnten Plünderungen und mutwilligen Zerstörungen an den Bauwerken der Akropolis.
Am siebten Tag unserer Exkursion begaben wir uns erneut nach Piräus, allerdings nicht, um eine weitere Fährfahrt anzutreten. Stattdessen widmeten wir uns der Hafenstadt selbst und versuchten einen Eindruck davon zu erhalten, welche Bedeutung die drei Häfen von Piräus für die attische Seemachtstellung eingenommen haben müssen. Wir betraten zunächst das archäologische Museum von Piräus, wo wir Funde von mykenischer Zeit an bis weit in die römische Zeit hinein bestaunten. Insbesondere das Grab des Metöken Nikeratos aus Istros beeindruckte mit seiner Höhe von mehr als acht Metern. Auch die Überreste des sogenannten neuen Theaters ließen sich im Innenhof des Museums bestaunen. Nach dem Museumsbesuch machten wir uns auf den Weg, um die Überreste des antiken Mauerwerks von Piräus zu finden und lauschten nach einer Mittagspause weiteren Vorträgen. Nach einem langen Fußmarsch zum nächstgelegenen Strand endete unser Tag für den Großteil der Exkursionsteilnehmer im kühlen Nass.
Der nächste Tag unserer Exkursion begann mit einem Besuch des archäologischen Nationalmuseums. Die zahlreichen Räume des Museums boten nicht nur einen umfangreichen Überblick über die Funde der griechischen Antike, sondern darüber hinaus noch Exponate ägyptischer Kunst sowie Funden aus der Spätantike und die weltweilt umfangreichste Skulpturensammlung ihrer Art. Durch die Fülle an Exponaten verweilten wir einige Stunden dort. Für interessierte Leser*innen des Reiseberichtes empfiehlt sich ein digitaler Rundgang durch das Museum, zu finden auf dessen offiziellen Website. Anschließend zogen einige Teilnehmende weiter in das angrenzende epigraphische Museum, während andere sich die traditionelle Wachablösung der Ervzonen vor dem Parlament ansahen. Wir versammelten uns nach einer Mittagspause am hadrianischen Stadttorbogen und begaben uns von dort aus weiter zum Olympieion. Die noch vorhandenen Überreste gaben uns einen eindrucksvollen Eindruck davon, warum man das ehemalige Heiligtum des Zeus als einen der größten Tempel im antiken Griechenland bezeichnet. Auch das Panathinaiko-Stadion, welches wir als nächstes besuchten, beeindruckte durch seine Größe. Durch bauliche Erneuerungen im 19. Jahrhundert ist allerdings nicht viel von den antiken Überresten des ehemaligen Austragungsortes der Spiele zu sehen gewesen, weshalb wir dort nicht allzu lang verweilten. Stattdessen besuchten wir die Ausgrabungsstätte des Lykeion. Die ehemalige Philosophenschule des Aristoteles befand sich auf dem Gelände des Gymnasiums, sodass junge Athener hier sowohl körperliche als auch geistige Übungen vollziehen konnten. Besonders gut erhalten geblieben waren die Überreste der Bäder, die dank ihrer auffälligen Struktur auch für Archäologie-Anfänger recht leicht zu erkennen waren.
Am neunten Exkursionstag bestiegen wir den Bus und begaben uns nach Eleusis. Die antike Stadt war Schauplatz eines der größten Mysterienkulte. Im Zentrum des Kultes stand der Mythos von der Entführung der Persephone durch den chthonischen Gott Hades. Gefeiert wurde dabei die jährliche Rückkehr von Persephone an die Erdoberfläche und damit das erneute Erblühen des Landes. Die Überreste im archäologischen Park von Eleusis ließen uns leicht Rückschlüsse auf den zugrundeliegenden Mythos ziehen. So lassen beispielsweise verschiedene Funde auf ein umfangreiches Heiligtum schließen, welches Persephones Mutter Demeter, der Göttin der Fruchtbarkeit und der Landwirtschaft, gewidmet war; so auch die Propylaia, ein großer Eingangsbogen aus römischer Zeit, welcher den Übergang in die spirituelle Welt des Mysterienkultes markierte. Besonders spannend an diesem Bauwerk ist, dass es verdeutlicht, dass der Kult eine Anziehungskraft weit in die römische Ära hinein aufwies. Viele namhafte Persönlichkeiten ließen sich in den Kult einweihen, so unter anderem Kaiser Augustus. Trotz der vielen Funde und der architektonischen Überreste sind die genauen Abläufe der Mysterien nicht bekannt. Nach einem Besuch im anliegenden Museum und einer Mittagspause bestiegen wir erneut den Bus und fuhren zur ehemaligen Festung Eleutherai. Auf dem Weg dorthin konnten wir einen Blick auf die verheerenden Auswirkungen der wiederkehrenden Waldbrände in der Region werfen. Um zur Festung zu gelangen, musste zunächst ein steiler, unbefestigter Hang erklommen werden, der für so manches Schuhwerk durchaus eine Herausforderung darstellte. Der Ausblick, der uns nach dem absolvierten Aufstieg geboten wurde, belohnte die Anstrengungen jedoch. Auch wenn heute auf eine Autobahn und nicht auf die antike Handelsroute geblickt wird, konnten wir dennoch die strategische Bedeutung der Festung anhand ihrer Lage leicht nachvollziehen. Der Abstieg erwies sich als nicht weniger herausfordernd als der Aufstieg und so konnten wir, erschöpft, aber zufrieden mit den sportlichen Leistungen des Tages, die Rückfahrt im Bus umso mehr genießen.
Nachdem alle Teilnehmenden aus ihren Zimmern ausgecheckt hatten, traten wir unseren letzten gemeinsamen Ausflug an. Nach einer malerischen Fahrt entlang der Westküste Attikas landeten wir am Kap Sounion, dem südlichsten Punkt der Halbinsel. Von dem ehemaligen Glaubenszentrum für Seefahrende blieben zwei sichtbare Heiligtümer und Überreste eines Forts erhalten. Der Poseidon-Tempel mit seiner szenischen Lage direkt an der Spitze des Kaps liefert Zeugnisse seiner eigenen Popularität bei Besuchern. Seit dem 1. Jh. n. Chr. hinterließen Besucher hier Graffiti, meist in Form des eigenen Namens. Der wohl bekannteste unter jenen, die sich dort verewigten, ist der englische Poet Lord Byron. Trotz der Absperrung, die nun zum Schutz des Gebäudes angebracht wurde, lassen sich die bisherigen Verewigungen gut erkennen. Weniger gut zu erkennen waren die Überreste des Athena gewidmeten Tempels, welcher sich auf einer kleinen Anhöhe in der Nähe befindet. Von der überlieferten "ungewöhnlichen" Bauweise des Tempels war leider nicht allzu viel zu sehen. Durch einen Fehler auf Seiten des Reiseunternehmens war es uns leider nicht mehr möglich, die Ausgrabungsstätten rund um das antike Bergbaugebiet in der Laureion-Region zu besuchen. Es gelang uns immerhin während der Fahrt aus dem Busfenster einen Blick auf das Theater von Thorikos zu werfen, bevor wir Griechenland den Rücken kehrten und den Heimflug antraten. Der Rückflug gestaltete sich spektakulärer als die Anreise, da wir einen hervorragenden Blick auf ein Gewitter erhaschen konnten, nachdem wir es durchflogen hatten! Nach einer pünktlichen Ankunft am Hamburger Flughafen machten sich alle Teilnehmenden erschöpft aber bereichert durch die vielen neuen Erfahrungen und Freundschaften auf den individuellen Heimweg.
Die Studierenden danken dem PROMOS-Programm und der Fördergesellschaft der Europa-Universität Flensburg für die finanzielle Unterstützung!
Für die Exkursionsgruppe
Ronja Kruse
Bericht zur Sizilien-Exkursion des Faches Geschichte an der Europa-Universität Flensburg, vom 14. bis zum 24. Oktober 2022
Morgens früh am 14. Oktober machte sich die Gruppe von 27 Studierenden unter Führung von Prof. Dr. Krešimir Matijević, Dr. Nils Steffensen und Silvester Kreisel, MA, auf den Weg nach Sizilien. Mit dabei war auch Theo, noch nicht ganz zweijähriger Teilnehmer und Nachwuchshistoriker, der sich frohgemut in die Gruppe einreihte und den Italienerinnen und Italienern regelmäßig Ausrufe der Entzückung entlockte! Nach einem angenehmen Flug von Hamburg über München nach Catania wurden wir wie geplant von einem Bus am Flughafen abgeholt und zu unserem Hotel nach Sant’Alessio gebracht. Hier wurde der Rest des Tages genutzt zum Zimmer beziehen, Auspacken und Kennenlernen des kleinen Dorfes an der Nordostküste Siziliens.
Am kommenden Tag, dem 15. Oktober, besuchten wir als erstes den Ätna. Statt hier den Scharen der Touristen zu folgen und per Lift bzw. Geländebus den Aufstieg zu bewältigen, machte sich die Gruppe auf Schusters Rappen an die Aufgabe, den Vulkan zu bezwingen. Hierbei wurden von vielen Studierenden (auch von Theo!) bedeutende Teilerfolge verbucht, die vom Lift sicherlich mit Neid betrachtet worden sind. Der eingeplante halbe Tag reichte allerdings nicht dazu aus, den Ätna komplett zu ersteigen. Verstaubt, aber glücklich, machten wir uns dann auf den Weg nach Taormina, wo das in den Berg gehauene Theater viele Ahhhs und Ohhhs entlockte. Zu besichtigen waren hier ferner ein Odeion (ein antiker Versammlungsplatz für den Stadtrat) und ein römisches Bad, das wir länger suchten und dann schließlich auch fanden. Erschöpft, aber voll von ersten schönen Eindrücken der Antike, kurvten wir mit dem Bus entlang der Küste zurück zum Hotel, wo sich die Studierenden mittels Bad im Meer den Ätnastaub von Gesicht und Körper wuschen.
Der nächste Tag begann mit dem Besuch der Barockstadt Acireale. Hier wurden verschiedene Kirchen besichtigt, wobei besonders die Kathedrale beeindruckte. Bei Acitrezza konnten wir an der Küste die Felsen bewundern, die der Kyklop Polyphem angeblich dem griechischen Helden Odysseus hinterhergeworfen haben soll, nachdem er von diesem geblendet worden war. Im Anschluss wurde das normannische Kastell in Aci Castello besucht.
Am 17. fuhren wir als erstes zum malerisch gelegenen Pantalica. Hierbei handelt es sich um eine Nekropole aus der Bronzezeit in einem Tal im Landesinneren von Sizilien. Der Weg war komplizierter als gedacht, da unser Busfahrer Nino sich in der nahegelegenen Kleinstadt festfuhr, woran weniger er selbst als eine schlecht organisierte Baustelle Schuld trug. Gelöst wurde die Situation durch die Polizei, die kurzerhand die Straße hinter dem Bus von allem weiteren Verkehr räumte, so dass Nino eine längere Strecke rückwärts fahren konnte, um uns erneut Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Nach gelungener Aktion, vielen italienischen Flüchen und gefühlt mehreren Litern Schweiß bejubelten die Studierenden Nino, der stolz und grimmig den Bus aus dem Dorf herauslenkte. Der Tag stellte unseren Busfahrer aber vor weitere Herausforderungen. Die nächste Station, Megara Hyblaia, war nur über eine fast zugewachsene, staubige, enge Sandpiste mit einigen tiefen Schlaglöchern zu erreichen. Ein löchriges Schild wies allerdings unmissverständlich den Weg, so dass der Bus sich in aller Ruhe zu dem Freilichtmuseum durchkämpfte. Hier erwartete uns ein italienischer Museumswärter, der uns trotz anstehender Mittagspause den Einlass gestattete und aus Praktikabilitätsgründen gleich auf das Erheben von Eintrittsgeldern verzichtete. Erhalten haben sich von der griechischen Stadt umfangreiche und beeindruckende Befunde – trotz der Zerstörung durch die Römer in antiker Zeit. Im Anschluss besuchten wir noch Thapsus, wo sich bronzezeitliche Gräber befinden, die wir erst nach längerer Suche an der Felsküste finden konnten. Hier befanden sich zudem Flakstellungen aus dem 2. Weltkrieg. Nachdem wir an der Küste die in den steinigen Boden gehauenen Höhlen entdeckt hatten, taten sich in der Nachbarschaft immer mehr Löcher im Boden auf, die der Bestattung gedient hatten. Hie und da konnten wir die Höhlen betreten und uns einen Eindruck von den beeindruckenden Grabstätten verschaffen. Der Tag sollte mit einem Besuch von Palazzolo Acreide (dem antiken Akrai) abgerundet werden, doch war die Ausgrabungsstätte (ohne Angabe von Gründen) geschlossen.
Der folgende Tag war ausschließlich Syrakus gewidmet, wo sich ein Highlight ans nächste anschloss. Begonnen wurde mit einem Gang über die Halbinsel Ortygia. Hier besichtigten wir den Apollon-Tempel, den Athene-Tempel (im Dom baulich aufgegangen), die Arethusa-Quelle sowie anschließend den großen archäologischen Park mit seinen zahlreichen antiken Bauten. Abgerundet wurde der eindrückliche Tag mit dem Besuch des Archäologischen Museums, das zahlreiche interessante Funde birgt.
Für den nächsten Tag war eine längere Fahrt Richtung Westen geplant. Erste Station war die Piazza Armerina. Hier waren sich die Personen an der Museumskasse länger nicht im Klaren darüber, wie hoch der Eintrittspreis für unsere Gruppe ausfallen sollte. Als wir uns zu allseitiger Zufriedenheit geeinigt hatten, stürzten wir uns mit Begeisterung auf die berühmten Mosaike. Die Studierenden waren sich schnell einig, dass die so genannten ‚Bikini-Mädchen‘ zwar gut gelungen, längst aber nicht zu den schönsten Mosaiken zählten, die wir in dieser römischen Villa bewundern durften. Die dargestellten Wagenrennen oder das Odysseus-Polyphem-Bild begeisterten uns alle noch eindrücklicher. Im Anschluss besuchten wir das Tal der Tempel in Agrigentum (heute Agrigento). Zahlreiche rekonstruierte Tempel wurden besichtigt und viele Photos geschossen.
Am 20.10. besuchten wir als erstes Selinunt. Ein riesiger archäologischer Park mit eigenem Museum und zahlreichen Tempeln sorgte für Staunen. Der langgezogene Weg konnte uns nicht schrecken. Bei jedem Tempel motivierte der nächste sich in der Ferne abzeichnende Säulenbau für den weiteren Marsch. Auf dem Forum der griechischen Stadt angekommen trafen wir auf die Archäologin Sophie Helas, die bereits seit vielen Jahren vor Ort Ausgrabungen durchführt. Ihr Fachwissen und ihre Auskunftsfreudigkeit sorgten für wache Gesichter, trotz der hohen Temperaturen auf der Hochebene. Ein kühles Eis konnte im Anschluss die Motivation hochhalten, so dass die Exponate im Museum die ihnen gebührende Aufmerksamkeit erhielten. Der Erschöpfungsgrad war dann allerdings so groß, dass der Besuch des archäologischen Parks in Marsala (dem antiken Lilybaion) freiwillig war. Dennoch schlossen sich viele Studierende der Exkursionsleitung an. Im Anschluss wurden die Eindrücke bei einem kühlen Getränk in der Altstadt von Marsala rekapituliert.
Der folgende Tag begann mit einem Ausflug nach Erice, dem antiken Eryx. Der Bus quälte sich den Berg hoch und verschwand in den Nebelschwaden, die sich am Gipfel festgesetzt hatten. Hier suchten und fanden wir den Weg zum normannischen Kastell, liefen dann an der noch sehr gut erhaltenen Stadtmauer entlang zum Bus zurück und fuhren im Anschluss wieder hinunter in die sonnenbeschienene Ebene. Im Anschluss besuchten wir Motya, heute Mozia. Ein voll besetztes Boot (drei Studierende durften als Gallionsfiguren ganz vorne ‚Platz‘ nehmen) brachte uns zu der Insel, die in der Antike von den Phöniziern besiedelt worden war, einem Volk, das an der Küste des heutigen Syrien, Libanon und Israel beheimatet war. Nach dem Besuch des Museums liefen wir die verschiedenen archäologischen Hinterlassenschaften auf der Insel ab, wobei der Tophet, ein Ort, an dem (den antiken Quellen zufolge) Kinder geopfert worden waren, nachdenklich stimmte. Tatsächlich könnte es sich bei diesen angeblichen blutigen Riten durchaus auch um bewusst gestreute Gerüchte gehandelt haben – die Wissenschaft diskutiert seit vielen Jahrzehnten den Wahrheitsgehalt der Kinderopfer.
Der 22.10. war der Fahrt nach Palermo gewidmet. Auf dem Weg besuchten wir Segesta. Ein gewaltiger griechischer Tempel zog uns hier in seinen Bann. Der Bau hat sich seit der Antike erhalten, wurde also nicht, wie die meisten anderen Tempel auf Sizilien, rekonstruiert. Warum das Dach fehlt und offensichtlich auch in der Antike fehlte, gibt der Forschung Rätsel auf. Anschließend widmeten wir uns dem Aufstieg zum gewaltigen Theater (die touristische Busfahrt wurde verschmäht). Der Blick belohnte unsere Mühen in jeder Hinsicht. In Palermo angekommen besuchten wir das Archäologische Museum und wurden in dem wunderschönen Atriumbau von Schildkröten in einem Brunnen begrüßt. Leider war wegen Umbaus nur das untere Geschoss geöffnete, doch barg dieses zahlreiche Funde von den schon besuchten archäologischen Stätten in Selinunt und Agrigentum.
Der folgende Tag diente dem Besuch des nahe bei Palermo gelegenen Monreale. Hier beeindruckte der berühmte Kreuzgang mit seinen zahlreichen Steinreliefs. In die Kathedrale konnten wir wegen eines laufenden Gottesdienstes nur kurz hineinsehen. Den Rest des Tages erhielten die Studierenden zur freien Verfügung. Weitere berühmte Bauwerke (die Kathedrale mit den Grabmälern von Heinrich VI., Friedrich II. und Konstanze von Sizilien; das bischöfliche Museum) wurden besucht und Besorgungen (Geschenke für die daheim Verbliebenen) gemacht. Die Abreise erfolgte dann früh am nächsten Tag.
Zu loben ist das besondere Engagement der Studierenden, die nicht nur ihre freie Herbstwoche opferten, sondern auch Referate vor Ort hielten, immer gut gelaunt alle steinigen Wege auf sich nahmen und abends noch die Kraft für viele Partien "Werwolf" hatten. Der Zusammenhalt war durchgängig spürbar. Der kleine Theo (mit zweitem Vornahmen Hektor!) stellte eine besondere Bereicherung dar!
Ein besonderer Dank geht an das PROMOS-Programm und an die Fördergesellschaft der Europa-Universität Flensburg für die finanzielle Förderung der Studierenden!
Prof. Dr. Krešimir Matijević