Lia Polotzek
Kontakt
- Gebäude
- Gebäude Tallinn 1
- Raum
- TAL 307
- Straße
- Mitscherlich-Nielsen-Straße 1a
- PLZ / Stadt
- 24943 Flensburg
ORCID
Institutionen
- Name
- Norbert Elias Center für Transformationsdesign & -forschung (NEC)
- Funktion
- Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Veranstaltungen
| Nummer | Titel | Typ | Semester |
|---|---|---|---|
| 545010o | HR1 - Wandel gesellschaftlicher Naturverhältnisse | Seminar | FrSe 2026 |
Forschungsschwerpunkte
Gesellschaftliche Naturverhältnisse, Politische Ökologie, Umweltsoziologie, Kritische Theorie, Wasserproteste, Wassergovernance, Demokratische ökologische Planung, Soziale Reproduktion, Sozial-ökologische Transformation
Vita
Informationen zum Promotionsprojekt
Wasser entwickelt sich im Zuge der Klimakrise auch in Deutschland zunehmend zu einem gesellschaftlichen Konfliktfeld. Sinkende Grundwasserspiegel, Nutzungskonkurrenzen und die Verschärfung ökologischer Krisen werfen die Frage auf, wie Wasserressourcen zukünftig organisiert, verteilt und demokratisch gestaltet werden können. Das Promotionsprojekt untersucht vor diesem Hintergrund die widersprüchlichen gesellschaftlichen Naturverhältnisse, die insbesondere durch Wasserproteste sichtbar werden, sowie die Potenziale einer demokratischen ökologischen Planung der Wasserversorgung.
Ausgangspunkt der Arbeit ist die Annahme, dass Wasser nicht allein als natürliche Ressource verstanden werden kann, sondern als gesellschaftlich vermitteltes Verhältnis. Die Art und Weise, wie Wasser genutzt, verteilt und verwaltet wird, ist eng mit sozialen Machtverhältnissen, Eigentumsstrukturen, politischen Institutionen und ökonomischen Interessen verknüpft. Gleichzeitig bilden Wasserkreisläufe und ökologische Regenerationsprozesse materielle Voraussetzungen gesellschaftlicher Entwicklung. Die Wasserversorgung stellt damit einen zentralen Ort dar, an dem sich die Wechselwirkungen und Widersprüche gesellschaftlicher Naturverhältnisse beobachten lassen.
Theoretisch verbindet das Projekt Ansätze der Politischen Ökologie, der Theorie gesellschaftlicher Naturverhältnisse sowie der Social Reproduction Theory. Auf dieser Grundlage wird untersucht, wie Prozesse sozialer und ökologischer Reproduktion miteinander verschränkt sind und wie ökologische Krisen und soziale Ungleichheiten sich gegenseitig beeinflussen. Besonderes Interesse gilt dabei den Spannungen zwischen öffentlicher Daseinsvorsorge, kapitalistischer Ressourcennutzung und den ökologischen Voraussetzungen gesellschaftlicher Reproduktion.
Empirisch richtet sich der Fokus auf konkurrierende Nutzungsansprüche um Wasser, insbesondere durch die nicht-öffentliche Wasserversorgung. Wasserproteste werden dabei als Ausdruck widersprüchlicher gesellschaftlicher Naturverhältnisse verstanden. Sie machen sichtbar, wo bestehende Formen der Wasserbewirtschaftung an ökologische oder soziale Grenzen stoßen, politisieren Fragen von Eigentum, Zugang und Kontrolle und eröffnen Debatten über alternative Formen der gesellschaftlichen Organisation der Wasserversorgung. Gleichzeitig bieten sie die Möglichkeit zu untersuchen, wie ökologische Probleme gesellschaftlich wahrgenommen, verhandelt und bearbeitet werden und welche neuen Formen demokratischer Beteiligung und kollektiver Wissensproduktion daraus entstehen.
Aufbauend auf diesen Analysen fragt das Projekt nach den Möglichkeiten einer demokratischen ökologischen Planung der Wasserversorgung. Im Zentrum steht die Frage, wie Entscheidungen über die Nutzung und Verteilung von Wasser stärker an sozialen Bedürfnissen, ökologischen Grenzen und demokratischen Prinzipien ausgerichtet werden können. Dabei werden sowohl bestehende institutionelle Arrangements als auch alternative Ansätze kollektiver Entscheidungsfindung betrachtet. Ziel ist es, Beiträge zu aktuellen Debatten über demokratische Wirtschafts- und Ressourcenplanung zu leisten und Perspektiven für eine sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Organisation der Wasserversorgung unter den Bedingungen der Klimakrise zu entwickeln.
Insgesamt verbindet das Promotionsprojekt theoretische Grundlagenforschung mit empirischer Analyse und einer transformativen Perspektive auf gesellschaftlichen Wandel. Es trägt dazu bei, die sozialen und ökologischen Ursachen von Wasserkonflikten besser zu verstehen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Wasserversorgung demokratischer, gerechter und innerhalb ökologischer Grenzen gestaltet werden kann.