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Auftaktveranstaltung 22.02.2012

SchülerFilmStadt Flensburg

Ein kleines Hollywood im Norden

Die Flensburger Bewerbung sei etwas Besonderes gewesen, verriet Claudia Wenzel, die gemeinsam mit Burkhard Inhülsen das Projekt "Schülerfilmstadt" entwickelt hat. Warum? Weil sich in Flensburg vier Schulen gemeinsam mit der Hochschule beworben hätten. Dieses Konzept einer vorbildlichen regionalen Vernetzung von Wissen und Erfahrung hätte sie überzeugt. Und so hat Flensburg es geschafft, zur nördlichsten "Schülerfilmstadt" zu werden – Dreißig Städte hatten sich beworben, fünf wurden genommen: Aachen, Gera, Flensburg, Stralsund und Würzburg sind die SchülerFilmStädte 2011 bis 2013.

Bei der Auftaktveranstaltung am Mittwochabend im Audimax brachte der Filmtrailer, den der Offenen Kanal Flensburg eigens für die Veranstaltung produziert hatte, dieses Konzept so auf den Punkt: "Eine Uni – vier Schulen – neun Partner".

Die vier Schulen sind die Käthe-Lassen-Schule, die Goethe-Schule, die Fritjof-Nansen-Schule und das Förde-Gymnasium. Sie haben ihr Projekt am Mittwochabend im Audimax vor knapp 300 Gästen gemeinsam mit der Universität vorgestellt.

Um 17:30 ging es  los. Hausherr Manfred Blohm vom Institut für Ästhetisch-Kulturelle Bildung begrüßte die Gäste, die Schleswiger Filmproduktionsplanerin Kirsten Schultz stellte das Projekt vor und dann übernahmen die beiden Schüler Benedikt T. Brahm und Kim Leon Schön Amsgruber die Moderation. Souverän baten sie den ersten Ehrengast, Schirmherren und Stadtpräsidenten Christian Dewanger, auf die Bühne. Der verriet, dass er jetzt schon neugierig auf die Perspektive der Schüler von Flensburg auf die Stadt sei.

Filmparlamentsmitglied und Bundestagsabgeordneter Wolfgang Börnsen überbrachte Grüße von der Berlinale und malte die Vision eines kleinen Hollywoods des Nordens aus. Beeindruckend die erste musikalische Pause zwischen den zahlreichen Rednern. "Jar of the hearts" sangen und spielten die Mitglieder des Musikkurses der Fritjoff Nansen Schule unter Leitung von Sascha Görtz.

Burkhard Inhülsen, von den Moderatoren als "Erfinder der Filmstadt" angekündigt, erklärte, wie es zu diesem Projekt gekommen sei. 1982 habe er, zum ersten Mal, bundesweit ein Schülerfilmfestival organisiert und war von der Menge der Einsendungen und vom Erfolg des Festivals so überrascht, dass er es bis heute unter dem Titel "Up and coming" fortführt – allerdings nur alle zwei Jahre. Im Zusammenhang mit dieser Arbeit hat er die Idee zu der "SchülerFilmStadt" entwickelt, ein Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird. Die Zusammenarbeit mit der nördlichsten Stadt des Projekts habe ihm bisher unglaublich viel Spaß gemacht, ließ er wissen.

Wie diese Zusammenarbeit weitergeht,  das erklärte Medienpädagoge Helge Lamm anhand eines Schaubilds. Acht- bis Zwölftklässler werden in den nächsten die Möglichkeit haben, in verschiedenen Workshops von erfahrenen Filmschaffenden zu lernen, was ein Film so alles braucht: Der Musikproduzent Joszi Sorokowski  sorgt für den richtigen Sound, der Kameramann und Produzent Claus Oppermann lehrt Kameraführung, Tanja Zimmer, Leiterin des Offenen Kanals Flensburg, greift in die Trickkiste und die Produktionsplanerin Kirsten Schultz unterrichtet den steinigen Weg "Von der Idee zum Drehbuch". Danach kann sich das Gelernte drei Monate lang setzen. Im Juni schwirren dann die beteiligten Schülerinnen und Schüler durch die Stadt und drehen, schneiden, vertonen und bearbeiten ihren persönlichen Flensburg-Film. Am 18. Juni werden die "Postcards from Flensburg" im Kino zu sehen sein.

Warum die Lehrerinnen und Lehrer der vier beteiligten Schulen die zusätzliche Arbeit auf sich nehmen, was sie sich von diesem Projekt erwarten, das ist sehr unterschiedlich.

Sascha Görtz von der Fritjof-Nansen-Schule wünschte sich, dass die Schülerinnen und Schüler es lernen, der Überflutung durch Videoclips standzuhalten, indem sie wahre Filmkunst erlebten. Ragna Schepke von der Goethe-Schule stellte fest, dass die praktische Filmarbeit Kompetenzen auf allen Gebieten stärke und Susanne Schulz vom Förde-Gymnasium wünschte sich, dass noch viel mehr filmbegeisterte Studenten in die Schule kämen und sie inspirierten.

Renate Delfs,  Grande Dame der niederdeutschen Bühne und auch mit sechsundachtzig noch aktive Film- und Fernsehschauspielerin, richtete eine Bitte an die jungen Filmemacher: Bitte vergesst die Schauspielerei nicht!  Ob und wenn ja, wie die Schülerinnen und Schüler dieser Bitte nachgekommen sind, das wird man am 18. Juni erleben.

                                                  Text: Kathrin Fischer, Pressesprecherin der Universität Flensburg