Bild einer Frau, die sich Notizen macht
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Hochschulweite News

Ehemaliger PH-Professor Nils Århammar gestorben

Nils Århammar galt als der weltweit größte Experte für die friesische Sprache.
Ein Nachruf von Helga Andresen und Nils Langer

Am 10. Januar 2022 verstarb Professor Nils Århammar im Alter von 90 Jahren.

1988 wurde Nils Århammar auf die neugeschaffene Professur für "Friesisch und seine Didaktik" an der Pädagogischen Hochschule Flensburg, der Vorgängerinstitution der heutigen Europa-Universität Flensburg, berufen. Damit verbunden war die Funktion eines Direktors am Nordfriisk Instituut in Bredstedt. Durch die Schaffung der Professur wurde es erstmals in Deutschland möglich, Lehrkräfte für den Friesischunterricht an Grundschulen auszubilden. Mit der Berufung von Århammar gelang es der PH Flensburg, einen hoch qualifizierten und renommierten Frisisten für diese innovative Aufgabe zu gewinnen.

Der gebürtige Schwede Nils Århammar studierte Germanistik an den Universitäten Uppsala, Münster und Marburg. Schon früh befasste er sich im Rahmen dieser Studien mit der friesischen Sprache und ihren Ausprägungen in zahlreichen Dialekten. Intensive Feldforschungen führte er bereits ab 1957 auf Amrum und Föhr durch und publizierte umfangreiche Bestandsbeschreibungen, die auch heute noch Grundlagentexte für Forschung und Lehre sind. Die dabei entstandenden, inzwischen digitalisierten Tonbandaufnahmen verbleiben als eine eindrucksvolle Dokumentation des damaligen Sprachgebrauchs und konservieren eine Reihe von sprachlichen Phänomenen, die in den heutigen Varietäten des Nordfriesischen nur noch selten, wenn überhaupt, angetroffen werden. 

Als Wissenschaftlicher Assistent an der Nordfriesischen Wörterbuchstelle der Universität Kiel widmete er seine Feldforschung in den 1960er Jahren auch den friesischen Varietäten des Festlandes. Nach seinem Wechsel an die Universität Marburg habilitierte Århammar sich 1974 für das Gebiet "Germanische Philologie mit besonderer Berücksichtigung des Friesischen und Niederdeutschen". Zwei Jahre später nahm er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Friesisch und Gotisch an der Rijksuniversiteit Groningen an, von dem aus der Wechsel nach Flensburg erfolgte.

Während der vielen Jahrzehnte seiner Forschungstätigkeit schuf Århammar ein reichhaltiges wissenschaftliches Werk, wobei ihm die Feldarbeit vor Ort ein besonderes Anliegen war. Über viele Jahrzehnte hinweg widmete er sich der Arbeit am Helgoländer Wörterbuch, die er nach seiner Emeritierung im Jahre 1996 gemeinsam mit seiner Ehefrau Ritva Århammar intensiv und zielstrebig fortsetzte.

Nach dem Wechsel an die damalige PH Flensburg erschloss Århammar sich die Didaktik des Friesischen als ein neues Arbeitsfeld. Mit großem Engagement förderte er didaktische Konzepte in Vorschule und Schule, was sich insbesondere in der Anregung und Betreuung von didaktisch und unterrichtspraktisch orientierten Examensarbeiten niederschlug. Nach seiner Emeritierung 1996 blieb er der friesischen Lehre und Forschung weiterhin fest und aktiv verbunden und gab noch Jahre später Lehre zu friesischer Literatur, Sprache und Linguistik an der Universität in Flensburg. Ebenso verhielt es sich mit seinen Publikationen: Nicht nur veröffentlichte er weiterhin Aufsätze in Fachzeitschriften, sondern er war auch immer bereit, Manuskripte seiner KollegInnen zu lesen und wissenschaftliche Fragen mit beeindruckender Kenntnis umfassend und präzise zu beantworten.

Als Kollegin, die gerade auch bei der gemeinsamen Betreuung von Examensarbeiten eng mit ihm zusammengearbeitet hat, und als Nachfolger, dem er bei zahlreichen Besuchen in Bredstedt und hilfreicher Korrespondenz zu Fachfragen den Einstieg in friesische Sprache und Landschaft erleichtert hat, haben wir Nils Århammar als klugen und feinsinnig-humorvollen Menschen kennen und schätzen gelernt.

Die Wissenschaft hat einen großen Kenner, die Europa-Universität einen verdienstvollen Kollegen verloren.

Prof. i. R. Dr. Helga Andresen, Germanistisches Seminar und Prof. Dr. Nils Langer, Friesisches Seminar