Neuigkeiten aus der Forschungsstelle

Studierende erinnern an das Fluchtlingslager Oksbøl im Kieler Landtag zum Volkstrauertag

Wie tun wir das, fast 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs? Für die meisten von uns wirkt diese Zeit weit entfernt. Und doch ist kaum etwas relevanter, als immer wieder an das Leid zu erinnern und es nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Wir brauchen Emotionen, Konfrontation und Trauer, um aus der Vergangenheit Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen.

Was bedeutet es eigentlich heute, um die Vergangenheit zu trauern?

Diese Fragen standen im Zentrum eines deutsch-dänischen Bildungsprojekts, dessen Ergebnisse wir, Leah Charlotte Wiebe und Ida Lotta Glau am Volkstrauertag 2025 im schleswig-holsteinischen Landtag vorgestellt haben. Am Beispiel des Flüchtlingslagers Oksbøl, in das 1945 Tausende deutsche Zivilist:innen vor der heranrückenden sowjetischen Armee flohen, wollten wir zeigen, wie vielschichtig und plural Geschichte ist, und warum Gedenken gerade heute von so großer Bedeutung bleibt.

Im Rahmen eines internationalen Projektseminars im Fach Geschichte mit Studierenden aus Dänemark und Deutschland haben wir zwischen September 2024 und Februar 2025 die Kriegsgräberstätte und das ehemalige Lager in Oksbøl in zwei Exkursionen intensiv kennengelernt. Das Seminar war Teil eines deutsch-dänischen Bildungsprojekts zur Entwicklung von Lernmaterialien, das vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. initiiert und gemeinsam mit dem Bürgerprojektfonds „Interreg“ sowie dem Leibniz-Forschungsverbund „Wert der Vergangenheit“ gefördert wurde. Das Projekt entstand in Kooperation zwischen dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., dem Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF), der Europa-Universität Flensburg, dem University College Syd in Esbjerg und Haderslev sowie dem University College Lillebælt in Jelling und Odense.  

Wir haben dabei nicht nur Aspekte der deutsch-dänischen Geschichte untersucht, sondern vor allem individuelle Biografien in den Blick genommen – persönliche Lebensgeschichten, die hinter den historischen Ereignissen stehen. Um diese Geschichte auch im Außenbereich und besonders auf dem Friedhof erfahrbar zu machen, entwickelten wir Audiowalks, Workshops und Online-Angebote, die künftig Schüler:innen einen sensiblen Zugang zu den Themen ermöglichen sollen. 

Die Ergebnisse werden voraussichtlich im Laufe des Jahres 2026 in den pädagogischen Materialien des Volksbunds veröffentlicht. 

Am 16.11.2025 durften wir unsere Gedanken zu diesem Projekt und zum Volkstrauertag im Landtag teilen. Anhand der Biografie von Manfred Lessner, der als Zweijähriger im Lager verstarb, anhand der historischen Verflechtungen zwischen Deutschland und Dänemark und anhand einer Gegenwart, die sich manchmal beunruhigend und überwältigend anfühlt.

Wir sind überzeugt: Gemeinsames Gedenken kann etwas bewirken. Je internationaler und generationenübergreifender der Austausch ist, desto wertvoller wird er. Deshalb möchten wir dazu ermutigen, nicht aufzuhören zu erinnern, sich weder von Geschichte noch vom aktuellen Weltgeschehen einschüchtern zu lassen, die Augen offen zu halten und immer wieder kritisch nachzufragen. Das ist unsere ganz persönliche Antwort auf die Frage, wie wir heute mit Vergangenheit umgehen sollten.

Text: Leah Charlotte Wiebe und Ida Lotta Glau

Das Kooperationsprojekt lief von September 2024 bis November 2025. 

Projektpartner waren der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF), die Europa-Universität Flensburg, das University College Syd in Esbjerg und Haderslev und das University College Lillebælt in Jelling und Odense. Gefördert wurde das Projekt aus dem Bürgerprojektfonds „Interreg“ und dem Leibniz-Forschungsverbund "Wert der Vergangenheit". Weitere Informationen finden sie beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge,  sowie beim Zentrum für Zeithistorische Forschungen