Neuigkeiten aus der Forschungsstelle
Gedenktagvorträge am Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus
Am 27.01.2026 erinnerten Dr. Sebastian Lotto-Kusche von der Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History (frzph) und Dr. Martin Müller, Kurator der Sonderausstellung im Flensburger Schifffahrtsmuseum, im Zuge der Ausstellung und Vortragsreihe zur Ausstellung über die Verfolgung im Oluf-Samson Gang in Flensburg an die Opfer des Nationalsozialismus. Dr. Sebastian Lotto-Kusche zeichnete das Schicksal der Sinti* und Roma* nach, die zur Zeit des Nationalsozialismus auch im Oluf lebten. Er griff dabei auf aktuelle Erkenntnisse aus der neuen Studie der frzph zur „Aufarbeitung der Geschichte der deutschen Sinti* und Roma* in Schleswig-Holstein“ zurück. Im Fokus des Vortrags von Dr. Martin Müller stand die Verfolgung und Stigmatisierung von Sexarbeiterinnen, die insbesondere während des Nationalsozialismus im Oluf lebten und arbeiteten.
Beide Wissenschaftler zeigten anhand von Einzelschicksalen, gesetzlichen Grundlagen und historischen Rahmenbedingungen wie marginalisierte Gruppen der Gesellschaft im Nationalsozialismus systematisch verfolgt, entrechtet und ermordet wurden. In der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde kamen Publikum und Referenten in den Austausch. Auch in seinen Begrüßungsworten betonte Fabian Geyer, Oberbürgermeister von Flensburg, wie zentral solche Veranstaltungen für die Sichtbarmachung von und Auseinandersetzung mit Verfolgung, Ausgrenzung und Diskriminierung im historischen und gegenwärtigen Kontext sind.
Zeitgleich trug Prof. Marc Buggeln unter dem Titel “Lokale Perspektiven auf Staatliche Gewalt: Polizei und Shoah in Schleswig-Holstein” im Kieler Rathaus vor. Die Polizei spielte eine zentrale Rolle bei der Durchsetzung staatlicher Gewalt im Nationalsozialismus – auch in Schleswig-Holstein. Der Blick zurück zeigt, dass Polizei und Shoah nicht nur durch zentrale Befehle, sondern maßgeblich durch lokales Handeln miteinander verknüpft waren. Bereits lange vor 1933 war die Polizei von einem militärischen Selbstverständnis, Ausgrenzungslogiken und einem „ordnenden Blick“ auf vermeintlich Abweichende geprägt. Im Nationalsozialismus radikalisierten sich diese Denkmuster: Polizei und Gestapo beteiligten sich aktiv an Verfolgung, Deportation und Massenmord an Juden, Sinti und Roma sowie an Gewaltverbrechen in den besetzten Gebieten Osteuropas