News der Fakultät III
Der englische Landschaftsgarten postkolonial - Veranstaltung in Hamburg am 7.9.2025
Am 7. September 2025 fand im Jenischpark in Hamburg das traditionelle Sommerfest statt – diesmal auch mit Flensburger Beteiligung und postkolonialen Themen! Die Podiumsdiskussion „Der englische Landschaftsgarten postkolonial“ im historischen Weißen Saal des Jenischhauses thematisierte die globalen und lokalen Macht- und Ungleichheitsverhältnisse, die zur Gestaltung, spezifischen Nutzung und zum Erhalt des Jenischparks in Hamburg und des Christiansenparks in Flensburg beigetragen haben. Die Sprecherinnen Hannimari Jokinen (AK Hamburg Postkolonial) und Dr. Inken Carstensen-Egwuom (Europa-Universität Flensburg) gingen unter der Moderation von Tanja Bah (Altonaer Museum, 360° Kuratorin) den Verbindungen der beiden Parks zum europäischen Kolonialismus nach.
Die Entstehung von Parks – und insbesondere die Entstehung von englischen Landschaftsgärten in Norddeutschland zum Ende des 18. Und zu Beginn des 19. Jahrhunderts – ist eng mit kolonialen Verhältnissen verbunden: Die Gestaltungsideen, Idealvorstellungen von Natur und die finanziellen Ressourcen für die Errichtung dieser Anlagen wurden von einem aufstrebenden Bürgertum geprägt, das durch Geschäfte innerhalb der Plantagenwirtschaft, Schiffsfinanzierung oder die Gründung und Führung von Banken reich wurde. Bürgerliche Gestaltungsideen einer freien Natur – mit den geschwungenen Wegen und Baumgruppen in einem englischen Landschaftspark – gingen einher mit extremer Ausbeutung und Versklavung von Menschen sowie der Zurichtung von Natur durch Abholzung und Monokulturen in der Plantagenökonomie. Dabei war Landschaftsarchitektur einer der dynamischsten Wirtschaftszweige im Europa des 18. Jahrhunderts. Zu diesem gehörten Baumschulen, genauso wie Pflanzenhandel und -verschiffung sowie die Suche nach immer neuen bislang unbekannten Pflanzen. Hinzu kamen auch der Entwurf, die Umsetzung und die Pflege der Gärten – inklusive der dafür notwendigen Technologien, zum Beispiel beim Wassermanagement. Insgesamt basierte die Landschaftsarchitektur ebenso wie andere Wirtschaftszweige auf der Extraktion von Ressourcen aus den Kolonien sowie auf lokalen Ideologien und Strukturen der Ungleichwertigkeit.
Beide Landschaftsparks in Hamburg und Flensburg muten idyllisch an, gut erkennbar sind die für englische Landschaftsgärten typischen geschwungenen Wege und Baumgruppen. Bei der Podiumsdiskussion ging es vor allem darum, was in den Parks unsichtbargemacht wird: Ihre Verbindung zum europäischen Kolonialismus.
Durch die Thematisierung von europäischem Kolonialismus und die globale historische Einordnung der Parks in Hamburg und Flensburg verdeutlichten die Sprecherinnen und die Moderatorin, dass diese Grünflächen nicht nur abgegrenzte und vernachlässigbare, nur an einzelnen Orten auffindbare „Spuren“ des Kolonialismus sind. Sie sind vielmehr wichtige, kolonial geprägte Infrastrukturen. Heutzutage bilden historische Parks und Grünflächen einen wichtigen Aspekt der Lebensqualität und der Naherholung. Wenn sich europäische Städte allerdings nun mit ihren attraktiven Grünflächen brüsten und auf andere Städte herabschauen, die solche Grünräume nicht haben, dann fügt sich diese Haltung in ein koloniales Überlegenheitsdenken ein. Die Relativierung und Entinnerung der Gewaltverhältnisse, in denen die Parks entstanden sind, ist ein Schlüssel dafür, dieses Überlegenheitsdenken aufrechtzuerhalten.
Die Ausstellung „Parkomania“ im Jenischhaus bildete den Kontext für die Veranstaltung und zeigt noch bis zum 6. September 2026, wie der Jenischpark Teil einer europaweiten „Parkomanie“ war und in welche historischen Kontexte seine Entstehung und die weitere Entwicklung eingebettet war: In die Begeisterung für die ästhetische Gestaltung von Landschaftsparks und Gärten, die Organisation des (kolonialen) Zugriffs und die Aneignung von Natur, Versklavung und Widerstand, in die Faszination mit bestimmten Pflanzenarten (bspw. Orchideen), aber auch in nationalsozialistische Ideen von Bildung, die wiederum mit kolonialen Ideologien der Macht und Beherrschung der Welt einherging.