Studienprogramm

Das Studienprogramm folgt einem Dreischritt aus Gegenwarts-, Vergangenheits-und Zukunftsanalysen. Flankiert wird dies von einer profunden Methodenausbildung: Unterrichtet werden qualitative und quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung, sowie transdisziplinäre und partizipative Ansätze.

Der Studiengang ist als inter- und transdisziplinäres Programm konzipiert. Dies macht es notwendig, systematisch und kontinuierlich die Möglichkeiten, Herausforderungen und Grenzen inter- und transdisziplinärer Wissenschaft und Praxis zu reflektieren. Realisiert wird dies im Kolloquium Transformationsforschung, das alle vier Semester begleitet.

Studienverlaufsplan nach PStO 2022

Detaillierte Beschreibungen der Modulinhalte finden Sie im Folgenden:

Im Zentrum dieses Moduls stehen Gegenwartsdiagnosen. Die Studierenden lernen unterschiedliche disziplinäre Zugänge zu sozial-ökologischen Problemkonstellationen kennen. Ziel des Moduls ist es, verschiedene Positionen und Zugänge zum Gesellschaftsmodell der früh-industrialisierten Länder des globalen Nordens und dessen weltweiten Wirkungen zu diskutieren und miteinander in Beziehung zu setzen.

Das Modul besteht aus dem verpflichtenden Kolloquium Transformationsforschung sowie aus sechs Veranstaltungen, von denen vier belegt werden müssen:

Die Verfasstheit der Gesellschaften der Gegenwart ist Ergebnis umfassender Transformationsprozesse in der Vergangenheit. In diesem Modul werden deshalb vergangene Entwicklungen gesellschaftlichen Wandels rekonstruiert und analysiert. In den Blick genommen werden lokale, regionale und globale Wandlungsprozesse vor allem in den vergangenen rund 200 Jahren seit Beginn der Industrialisierung. Rekonstruiert werden soll – wiederum aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven – das Gewordensein des modernen Gesellschaftsmodells westlicher Prägung einschließlich seines Stoffwechsels mit der Natur.

Das Modul besteht aus dem verpflichtenden Kolloquium Transformationsforschung sowie aus sechs Veranstaltungen, von denen vier belegt werden müssen:

Das Modul thematisiert verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten in der Zukunft. Von technischen Lösungen über Dynamiken politischer Governance, nachhaltigem Konsumieren und Produzieren oder alternativen Wirtschaftsmodellen bis hin zu möglichen Veränderungen des Energieregimes sowie ihren gesellschaftlichen Voraussetzungen. Die im weltweiten Maßstab qualitativ und quantitativ zunehmenden sozial-ökologischen Krisen zeigen an, dass gesellschaftliche Transformationsprozesse gegenwärtig bereits stattfinden und auch in Zukunft zu erwarten sind. Offen ist jedoch, wie diese Veränderungsprozesse ablaufen, ob von den Verhältnissen erzwungen oder stärker politisch gestaltbar. Im Zentrum des Moduls steht die Frage, wie sich Errungenschaften moderner Gesellschaften unter den Bedingungen eines stark reduzierten Naturverbrauchs aufrechterhalten und weiterentwickelt lassen.

Das Modul besteht aus dem verpflichtenden Kolloquium Transformationsforschung sowie aus sechs Veranstaltungen, von denen vier belegt werden müssen:

Was und wie (viel) Menschen im Globalen Norden heute essen, wie sie wohnen und sich fortbewegen hat sich in den vergangenen 200 Jahren gewandelt. Dabei sind Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlichem Wachstum in kapitalistischen Gesellschaften und kulturellem Wandel nicht zu übersehen. Seit Beginn der Industrialisierung Mitte des 18. Jahrhunderts, mit der einerseits das Streben nach immer mehr Wachstum seinen Anfang nahm und die andererseits Grundlage für vielfältige Prozesse sozialen, politischen und kulturellen Wandels war, haben sich Ess-, Wohn- und Mobilitätskulturen fundamental geändert. Enorme Freiheitsgewinne einerseits und sozial-ökologische Krisen globalen Ausmaßes – Ernährung, Wohnen und Mobilität werden in der Forschung als die drei klimarelevanten Alltagspraktiken bezeichnet – anderseits sind Ergebnis dieser Wandlungsdynamiken.

Das Modul widmet sich der Erforschung verschiedener Aspekte vergangener und gegenwärtiger Prozesse kulturellen Wandels unter der Fragestellung, was Wandel hervorbringt, wie und von wem er gestaltet wird und welche Folgen sich beobachten lassen. In methodischer Hinsicht lernen die Studierenden die grundlegenden Unterschiede zwischen qualitativen und quantitativen Untersuchungen kennen und können beurteilen, welches Instrumentarium sich für welche Fragestellungen eignet. Ziel ist es, in eigenen Forschungsprojekten die Dynamiken, Handlungsbedingungen und -folgen, subjektiven Perspektiven der Akteur*innen und übergeordneten zeitlichen Abläufe nachzugehen. Die Studierenden führen eigene Forschungsprojekte zum Themenkomplex kulturelle Transformationen durch und durchlaufen dabei alle Phasen eines Forschungsprozesses: von der Problemdefinition, Entwicklung einer Fragestellung, Erarbeitung eines Forschungsstands, Erwerb von Kenntnissen qualitativer Sozialforschung, Entwicklung eines Forschungsdesigns bis zur Feldforschung und schließlich Analyse der Materialien.

Die Lehrforschung bietet darüber hinaus Raum und Gelegenheit, alle Schritte des Prozesses in Kleingruppen und im Plenum zu reflektieren.

Welchen Beitrag kann die Wissenschaft zu einer gesellschaftlichen Transformation in Richtung Nachhaltigkeit leisten? Wie wird zum Thema "Nachhaltigkeit" und "Transformation" geforscht? Welche Möglichkeiten gibt es, relevante Stakeholder*innen in Transformationsprozesse miteinzubeziehen? Wieso ist das überhaupt nötig und welche Hürden stellen sich hierbei? Was sind Reallabore und wie misst man die Wirksamkeit von Realexperimenten im Kontext der Nachhaltigkeit?

Das Modul beschäftigt sich mit Fragen wie diesen und führt grundlegend in das Feld der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung ein. Dabei wird nicht allein auf verschiedene Formate der transdisziplinären und partizipativen Forschung eingegangen, sondern ebenso auf ihre wissenschaftstheoretischen Grundlagen, Kritik, historische Vorläufer sowie Möglichkeiten der Evaluation.

Die Transformation des jetzt dominanten Wirtschafts-, Gesellschafts- und Kulturmodells geschieht unausweichlich. Offen ist, ob sie eher auf Basis von zivilisatorischen Errungenschaften wie Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, sozialer Gleichheit und Solidarität gestaltet werden kann, oder ob sie stärker von den Verhältnissen erzwungen wird. Erkenntnisleitende Frage dieses Moduls ist die danach, wie sich die in der kapitalistischen Moderne erreichten zivilisatorischen Errungenschaften aufrechterhalten lassen – und zwar unter den Bedingungen eines drastisch reduzierten Material- und Energieverbrauchs. Diskutiert werden sollen Wege in eine Gesellschaft, die sich von der Suche nach einem 'guten Leben' und sozialer Gerechtigkeit leiten lässt. Transformationsdesign definiert keine gestalterische Aufgabe, die sich an die Neugestaltung von immer weiteren Produkten richtet, sondern auf die Umgestaltung des Sozialen unter der Maßgabe eines deutlich geringeren Naturverbrauchs. Dafür ist es notwendig, sich mit dem kulturellen und sozialen Gebrauch von Energie, Stoffen und Produkten zu beschäftigen, mithin unter anderem mit Kommunikation und Konsum oder Ernährung und Mobilitätsinfrastruktur.

In diesem Modul setzen die Studierenden bis dahin erlangte theoretische Kenntnisse in die Praxis um, indem sie ein Projekt mit sozial-ökologischem Transformationspotenzial entwickeln und planen. Das Seminar lehrt und nutzt dafür kreative Methoden der Ideenfindung und -entwicklung sowie Instrumente der Projektplanung und -finanzierung. Am Ende des Moduls haben die Studierenden ein ausführliches Projektkonzept erstellt und dabei mögliche Hürden und Bewältigungsstrategien intensiv reflektiert. Ziel des Moduls ist es also, ein grundlegendes Verständnis über das Erdenken und Planen eigener Projekte mit Augenmerk auf den besonderen Herausforderungen von Themen des sozial-ökologischen Wandels zu vermitteln. Die Entwicklung der Projekte erfolgt in Kooperation mit externen Partner*innen und kann durch Beratung/Coaching weiter unterstützt werden.

Das Modul Transformationspraxis beinhaltet wahlweise ein Praktikum (PRA) oder ein Projekt (PRO).

Das Praktikum besteht aus einem vierwöchigen Vollzeitpraktikum oder einem zeitlich entsprechenden Äquivalent, in dem die Studierenden praktische Erfahrungen in Institutionen oder Organisation erwerben, die mit sozial-ökologischen Transformationsprozessen befasst sind. Das können zum Beispiel sein: staatliche und nicht-staatliche Umweltorganisationen, Initiativen aus dem Bereich der Solidarischen Landwirtschaft oder Gemeinwohl-Ökonomie, Umwelt- und CSR-Abteilungen von Unternehmen oder Umweltdezernaten etc.

Im Projekt setzen die Studierenden – aufbauend auf dem Modul "Transformationsdesign" – einen im Gruppenprozess entwickelten Projektplan selbständig und mit begleitenden Beratungsangeboten in die Praxis um. Sie erhalten Einblicke in die praktische Umsetzung von Projekten mit transformativem Charakter und lernen dabei Handlungsspielräume und Limitationen von Projektarbeit kennen. Das Projektmodul findet in Kooperation mit dem yooweedoo-Programm an der Universität Kiel statt.

Eine dritte Möglichkeit, das Modul Transformationspraxis zu absolvieren, ist die Anerkennung der Teilnahme am Service Learning Projekt des [14143]. Hier bekommen Studierende praktische Einblicke in die Arbeitsweisen und Herausforderungen gemeinnütziger Organisationen durch eine direkte Mitarbeit an einer konkreten Fragestellung und dessen Lösungsumsetzung.

Die Studierenden verfassen eine 80- bis 100-seitige Masterarbeit, die die selbstständige Recherche, Analyse und das grundsätzlich wissenschaftlich angelegte Erarbeiten eines Themas aus dem Kernbereich der Lehr- und Forschungsinhalte des Studiums zum Ziel hat. Im begleitenden Masterkolloquium werden allgemeine (arbeitstechnische) Fragen behandelt. Darüber hinaus bietet das Kolloquium Möglichkeiten, eigene Arbeitsschritte vorzustellen und zeitnah Feedback von Betreuer*innen und Kommiliton*innen zu erhalten. Das Kolloquium zielt darauf ab, die Teilnehmer*innen inhaltlich und methodisch beim Verfassen ihrer Master-Thesis zu unterstützen.