Aktuelle Forschungsprojekte

SMiLE Revisited

Das Projekt „SMiLE Revisited“ liefert neue Analysen der nordfriesischen Daten, die ursprünglich im Rahmen des Projekts „Sustaining Minoritized Languages ​​in Europe“ (SMiLE) erhoben wurden, und betrachtet diese Daten (Transkripte von 87 Interviews) aus neuen Perspektiven. Die Re-Analysen konzentrieren sich auf drei wesentliche Aspekte:

  1. die zur Bezeichnung der Nordfriesen und ihrer Sprache verwendete Terminologie – ein Vergleich zwischen (Sprach-)gemeinschaft, Wissenschaft und politischen Entscheidungsträgern;
  2. Einstellungen gegenüber dem Nordfriesischen – eine korpusgestützte Diskursanalyse, die traditionelle, neue und Nicht-Sprecher:innen dieser Minderheitensprache vergleicht; und
  3. Wahrnehmungen des Nordfriesischen in der sprachlichen Landschaft.

Einen Bericht über das ursprüngliche SMiLE-Projekt – verfasst von Femmy Admiral, Lena Terhart und Nils Langer – finden Sie hier.

Die am Projekt „SMiLE Revisited“ beteiligten Forscherinnen sind Ruth Kircher (European Centre for Minority Issues), Samantha M. Litty (Europa-Universität Flensburg) und Lena Terhart (Nordfriisk Instituut).

  • Litty, Samantha M., Ruth Kircher, & Lena Terhart. 2026. Minderheitensprache, heritage language oder Familiensprache? Überlegungen zur Sprachbegrifflichkeit am Beispiel des Nordfriesischen. Sprachpolitik und Sprachenpolitik. 1. IDS-Verlag Mannheim. DOI: https://ids-pub.bsz-bw.de/frontdoor/index/index/docId/13633

Aktuelle Informationen zu diesem laufenden Projekt finden Sie auf unserer Projektseite beim Open Science Framework.

Sprachräume des Niedersorbischen

Im Rahmen der Revitalisierung des Niedersorbischen wird zunehmend die Frage relevant, unter welchen Bedingungen Sprachgebrauch ermöglicht und gestärkt werden kann und welche Räume für die Verwendung der Sprache von Bedeutung sind. Das Dissertationsprojekt von Julija Běrinkowa „Sprachräume des Niedersorbischen“ setzt an dieser Frage an und untersucht den gegenwärtigen Gebrauch des Niedersorbischen sowie die Faktoren, die ihn im Alltag beeinflussen.

Ausgehend von einem Verständnis von Sprache als lokaler und sozialer Praxis richtet sich der Blick dabei weniger auf die Sprache als abstraktes System als vielmehr auf die Menschen, die sie verwenden. Im Mittelpunkt stehen die individuellen Lebenswelten der Niedersorbisch-Nutzenden und ihre Erfahrungen mit der Sprache. Untersucht wird, wie sich der Sprachgebrauch in unterschiedlichen Alltagssituationen gestaltet, in welchen sozialen und räumlichen Zusammenhängen Niedersorbisch verwendet wird und welche Bedingungen die Entscheidung für oder gegen den Gebrauch der Sprache beeinflussen. Dabei soll auch sichtbar werden, wie Nutzer:innen selbst ihre sprachlichen Möglichkeiten und die ihnen zur Verfügung stehenden Sprachräume wahrnehmen und gestalten.

Die Untersuchung folgt einem qualitativen und explorativen Forschungsdesign. Ausgangspunkt ist eine umfassende Betrachtung der gegenwärtigen Situation des Niedersorbischen und seiner ethnolinguistischen Vitalität, die durch situative Beschreibungen und weitere empirische Zugänge ergänzt wird. Im Zentrum der qualitativen Untersuchung stehen Interviews mit Nutzer:innen des Niedersorbischen und/oder Akteur:innen aus dem sprachpolitischen Umfeld. Die Perspektiven der einzelnen Gesprächspartner:innen werden als Fälle betrachtet und in Form von Fallporträts nachvollzogen und vergleichend analysiert. Der Forschungsprozess ist dabei zyklisch angelegt, sodass Erkenntnisse aus den einzelnen Untersuchungsschritten in die weitere empirische und theoretische Auseinandersetzung einfließen können.

Auf diese Weise soll ein differenziertes Bild davon entstehen, wer Niedersorbisch nutzt, in welchen unterschiedlichen sprachlichen Räumen die Sprache gebraucht wird und welche Faktoren auf den Sprachgebrauch einwirken. Ziel ist es, Nutzer:innen, Sprachräume und Einflussfaktoren miteinander in Beziehung zu setzen und dadurch zu einem besseren Verständnis des alltäglichen Gebrauchs einer hochgradig gefährdeten Minderheitensprache beizutragen. Die Ergebnisse sollen zugleich neue Perspektiven auf die Frage eröffnen, wie Sprachgebrauch im Kontext der Revitalisierung des Niedersorbischen verstanden und langfristig gestärkt werden kann.

Das neurokognitive und verhaltensbezogene Zusammenspiel von sprachlichem Bewusstsein, metakognitiver Effizienz und Entscheidungsstrategien

Von besonderer Bedeutung ist, dass die Erfahrung mit mehreren Sprachen das metalinguistische Bewusstsein beeinflussen kann. Dieses steht in engem Zusammenhang mit der Grammatikalität (der individuellen Fähigkeit zu prüfen, ob eine Äußerung durch die internalisierte Grammatik generiert werden kann) und der Akzeptabilität (der Beurteilung, ob ein Ausdruck korrekt oder falsch ist – ein Urteil, das nicht nur von der Grammatikalität, sondern auch von soziokulturellen Faktoren geprägt wird). Das metalinguistische Bewusstsein kann die Einstellung gegenüber Sprechern anderer Sprachen, Einwanderern, Nicht-Muttersprachlern, Sprechern von Minderheitensprachen sowie Sprechern regionaler Akzente und Dialekte beeinflussen und auf diese Weise die Toleranz gegenüber unterschiedlichen Lebensstilen, Werten und Vorstellungen steuern. Das geplante Projekt soll einen Beitrag leisten, zu erklären, warum Menschen in verschiedenen Gemeinschaften unterschiedliche Entscheidungen treffen, selbst wenn ihnen dieselben Informationen vorliegen. Unser Ziel ist es, die „Tricks“ des Social Engineering aufzudecken – also aufzuzeigen, wie sich soziale Einstellungen und Verhaltensweisen durch sprachliche Manipulation gezielt in bestimmte Bahnen lenken lassen. Wir werden Strategien entwickeln, um individuelle Entscheidungen widerstandsfähig gegen solche Manipulationen zu machen, indem wir allgemeine Mechanismen der Metakognition und des metalinguistischen Bewusstseins nutzen.

Projektleitung: Prof. Nils Langer, mir Dr. Leona Polyanskaya und Dr. Mikhail Ordin

Förderung: VW-Stiftung (480.000 Euro)

Weiter Team Mitglieder: 2 x postdoctoral researchers , 1 PhD student

Stichworte: Metacognition, bilingualism, multilingualism, linguistics, psychology, medical imaging

Laufzeit: 01.03.2025 - 28.02.2028

Institutionen der EUF: Institut für Frisistik und Minderheitenforschung, Interdisziplinäres Europaforschungszentrum (ICES),

Sichtbarmachung historischer Mehrsprachigkeit in regionalen Alltagssprachen: Sprachideologie, Sprachpolitik und Sprachpraktiken

Visibilizing Normative Regional Historical Multilingualism (ViNoRHM): Ideology, Policy, and Practice

Das ViNoRHM-Projekt kombiniert Fallstudien auf Mikroebene zu Sprachideologie, -politik und -praxis unter Verwendung von Primärtexten aus offiziellen Aufzeichnungen und bisher wenig untersuchten Archivalien, um zu einer Darstellung der Machtdynamiken zu gelangen, die möglichst kohärenter und innovativer ist, als dies bisher versucht wurde.

 ViNoRHM setzt einen neuen Standard für Sprachgeschichtsschreibungen durch die drei Dimensionen dieses Projekts: Sprachideologie, Sprachpolitik und Sprachpraktiken. Indem die Sprachpraktiken von Einzelpersonen und Gemeinschaften die Grundlage von ViNoRHM bilden, werden sowohl zuvor unsichtbare oder unsichtbar gemachte Sprachen als auch Einzelpersonen (insbesondere Frauen und Un-/weniger Gebildete) in den Vordergrund gerückt.

Modernes Nordfriesisch – Eine Untersuchung zur Diskrepanz zwischen Sprachnorm und Sprachgebrauch

Ein häufig diskutiertes Thema in der Minderheitensprachenlinguistik sind Auswirkungen des Sprachkontakts mit der Mehrheitssprache. Dieser Kontakt wirkt sich, vor allem in der Minderheitensprache, zumeist durch eine Veränderung des Sprachsystems aus. Neuere Sprachkontakterscheinungen finden allerdings selten Eingang in kodifizierende Sprachbeschreibungen, da eine Normabweichung in den meisten Fällen negativ bewertet wird. Aus diesem Grund erwecken sprachliche Merkmale und Konstruktionen, die nicht im Kodex zu finden sind, den Anschein, nicht im Sprachgebrauch vorhanden zu sein, obwohl diese dort zum Teil schon fest etabliert sind.

Ziel der Dissertation von Meike Ohlsen ist es, die Diskrepanz zwischen dem, was im nordfriesischen Kodex als Norm dargestellt wird, und dem, was sich im sprachlichen Gebrauch tatsächlich belegen lässt, aufzuzeigen. Dazu werden aktuelle Sprachdachten des Nordfriesischen aus rund 50 Interviews erhoben. Außerdem wird diskutiert, wie Sprachkontaktphänomene von unterschiedlichen Interessengruppen wahrgenommen werden und welche Auswirkungen dies auf den Sprachgebrauch haben kann. Ein solcher Korpus stellt darüber hinaus aktuelle Sprachdaten für linguistische Beschreibungen des Nordfriesischen bereit, die bisher fehlten.

Historische Mehrsprachigkeit im 19. Jh. – das Ranzelberger Gästebuch

Das Gästebuch aus dem legendären Ochsenwegkrug "Petersburg", der einst zwischen Husum und Tondern auf dem Ranzelberg im heutigen Langenberger Forst lag, befindet sich seit 2018 im Archiv des Nordfriisk Instituuts (NFI) in Bredstedt. In einem Kooperationsprojekt mit der EUF, das durch die Stiftung für die Friesische Volksgruppe im Lande Schleswig-Holstein (Friesenstiftung/Friisk Stifting) gefördert wird, wird das Dokument jetzt wissenschaftlich transkribiert, unterstützt durch Forschungsgelder der Stiftung für die Friesische Volksgruppe im Lande Schleswig-Holstein (Friesenstiftung). Leiterin des Projekts ist Dr. Samantha Litty.

Zu Weihnachten 1834 hatten einige Seminaristen des Tonderner Lehrerseminars dem Wirt Peter Matthiesen das Gästebuch geschenkt. Generationen von Seminaristen, die sich selbst "Burschen" nannten – obwohl sie in Wahrheit keiner Burschenschaft angehörten –, verewigten sich in den darauffolgen Jahrzehnten in dem Buch und geben so auch heute noch Einblicke in ihr "Burschen"-Dasein von damals. Ob auf dem Weg zur Prüfung oder in die Ferien, ob heiter oder betrübt – oft bereicherten sie ihren Einträgen mit Liedern, Reimpaaren, Zitaten oder Trinksprüchen. Auch andere Durchreisende trugen sich in das Gästebuch ein. Oft handelte es sich dabei um Seeleute oder Viehhändler. Deren Eintragungen wurden von den Seminaristen nicht selten durchgestrichen, verbessert oder mit spitzer Feder kommentiert.

Bis 1888 kamen so mehr als 400 Seiten zusammen. Neben Einträgen auf Deutsch finden sich auch solche auf Dänisch und Friesisch, sowie lateinische, französische und niederdeutsche Einwürfe. Ziel des Projekts ist die Herausgabe einer wissenschaftlichen Textedition, die das Gästebuch in seinen historischen Entstehungszeitraum einbettet.

MitarbeiterInnen: Anna Sophie Blaue (2021-2022), Ilka Thomsen (2021-2023), Jan Momme Penning (2021-2024), Andre Hermann (2023-2025)