News aus der Arbeitsgruppe

Kreative Methoden für transformative Bildung

Im Interview erklären Stephanie Stiegel und Elisa Dettlof, wie das FALTER Lab Experimentierraum für Bildung für nachhaltige Entwicklung schafft

Mit dem FALTER Lab verbinden Prof. Dr. Stephanie Stiegel und Elisa Dettlof ihre natur- und kulturwissenschaftlichen Perspektiven und schaffen auf dem Campus einen Experimentierraum für transformative Bildung. Der Fokus liegt auf kreativen Lehr- und Lernmethoden, die Ansätze der Kulturellen Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) miteinander verbinden. Im Interview erzählen die beiden, was Studierende im FALTER Lab ausprobieren und entdecken können – und wie künftig Praxispartner*innen an der EUF eingebunden werden sollen.

Welche Möglichkeiten ergeben sich für Studierende im FALTER Lab?

Stephanie Stiegel: Mit dem FALTER Lab haben wir auf dem Campus einen Raum für Studierende geschaffen, in dem sie verschiedene Methoden und Materialien für die Konzeption von eigenen BNE-Projekten finden. Bei BNE geht es darum, sich lösungsorientiert mit Wissen, Fähigkeiten und Werten im Hinblick auf Herausforderungen wie Klimawandel, Biodiversität oder soziale Ungerechtigkeiten zu beschäftigen. Mit dem FALTER Lab finden die Studierenden, aber auch die Lehrenden an der EUF, dafür einen Raum, der anders aufgebaut ist als ein klassischer Vorlesungssaal oder Seminarraum. Wir bieten mit Arbeitsbereichen, einer Loungeecke und einer naturnahen Außenumgebung eine kreative Atmosphäre, in der mit projektunterstützenden Materialien und Methodenboxen gearbeitet werden kann.

Elisa Dettlof: Das Besondere daran – es bietet direkt ein eigenständiges Erleben von transformativen Methoden. Dabei ist es uns wichtig, fächerübergreifende Angebote zu schaffen. Wir möchten offen für alle Fächer sein und die jeweiligen BNE-Themen mit kulturwissenschaftlichen Ansätzen verknüpfen. Wir zeigen Studierenden, wie sie Kreativmethoden einsetzen können und welche Rolle künstlerische und soziale Aspekte in der BNE spielen. Dazu zählen etwa Methoden wie das Nature Journaling, das den Blick für die eigene Beziehung zur natürlichen Umwelt schärft, oder die Assoziationsübung aus dem Improtheater, die Lernende in eine erfahrungs- und emotionsbasierte Reflexion führt. Bei all diesen Methoden spielen das Experimentieren, Beobachten und Reflektieren eine große Rolle – alles wichtige transformative Kompetenzen.

Welche Rolle spielen fächerübergreifende Projekte im FALTER Lab?

Stephanie Stiegel: Für mich hat die Arbeit im FALTER Lab inspirierende neue Einblicke in die Zugänge durch die Kulturelle Bildung ermöglicht. Gerade ein fächerübergreifendes Denken ist uns im FALTER Lab sehr wichtig. Interessierte Studierende bekommen hier Unterstützung, wenn sie zum Beispiel ihre Projekt- oder Abschlussarbeiten fächerübergreifend schreiben wollen. Wir beraten bei der Themenfindung, vermitteln bei Bedarf betreuende Dozierende aus unserem Netzwerk und begleiten auch methodisch während des Prozesses.

Elisa Dettlof: In der Zukunft können wir uns sehr gut vorstellen weitere Praxispartner*innen für Abschlussarbeiten und Projekte zu gewinnen. Denn BNE bedeutet lebenslanges Lernen in allen Altersstufen. Ein guter Anfang dafür war das Netzwerktreffen der BNE-Agentur SH, das wir Mitte März 2026 als Gastgeberinnen an der EUF organisieren konnten.

Wenn das BNE-Netzwerk auf den Campus kommt, worüber wird dann gesprochen?

Stephanie Stiegel: So lernen wir Praxispartner*innen kennen, mit denen wir – aber auch Studierende – Praxisprojekte umsetzen können. Hier kommen Menschen zusammen, die sich mit BNE beschäftigen. Zum Beispiel an Lernorten wie dem Naturpark Schlei oder dem Lindhof, aber auch in Organisationen wie Bibliotheken oder der Abfallwirtschaft. Aber natürlich auch diejenigen, die in Kitas oder Schulen arbeiten. Wir konnten sie unsere Räume und Methoden erleben lassen und uns gegenseitig über transformative Bildung austauschen.

Elisa Dettlof: Dafür haben wir uns in einer Utopie-Werkstatt gemeinsam der Frage gewidmet, was wäre, wenn transformative Bildung in Schleswig-Holstein Realität wäre? Welche Rolle haben wir Bildungsakteur*innen dann? Wie sehen die Lernräume und -prozesse aus und was ändert sich strukturell dafür? Die Grenzen zwischen schulischer und außerschulischer Bildung sind dann aufgelöst und die Lernräume führen zu mehr sozialem Zusammenhalt. Es war spannend zu hören, welche Aspekte dieser Utopie es bereits in der aktuellen Bildungspraxis gibt – das motiviert, weiter daran zu arbeiten, sie Realität werden zu lassen.

Was ist transformative Bildung für euch?

Stephanie Stiegel: Sie hat verschiedene Facetten: Als Ökologin beschäftige ich mich mit den Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt und damit, wie unser Verhalten auch ökologische und gesellschaftliche Herausforderungen hervorbringt. Dabei interessiert mich besonders, wie Bildung Menschen dabei unterstützen kann, Umweltprobleme zu begreifen und ihre eigenen Bezüge dazu zu erkennen. Transformativ wird Bildung für mich dann, wenn sie Menschen motiviert, sich für eine zukunftsfähige und gerechte Weltgesellschaft zu engagieren.

Elisa Dettlof: Für mich sollte transformative Bildung Lernräume eröffnen, in denen Menschen ihre eigenen Perspektiven hinterfragen, Gewohntes verlernen und neue Sichtweisen ausprobieren können. Im ersten Schritt geht es dabei für mich darum, Fähigkeiten zu entwickeln, die überhaupt erst ermöglichen, sich eine nachhaltige und gerechtere Welt vorzustellen, die eigene Rolle darin zu reflektieren und gemeinsam neue Wege zu denken. Solche Prozesse brauchen Momente der Irritation, die eingefahrene Denkmuster ins Wanken bringen – und zugleich Räume der Sicherheit, in denen Menschen neue Perspektiven erproben und daraus Motivation entwickeln können, selbst Teil von Veränderung zu werden.

Wo finden Studierende und Lehrende weitere Infos?

Stephanie Stiegel: Ein Blick auf unsere Website des FALTER Labs lohnt sich. Dort kündigen wir aktuelle Veranstaltungen an und veröffentlichen Informationen und Material zu transformativer Bildung. In der Vorlesungszeit haben wir aber auch jeden zweiten und vierten Dienstag im Monat 11-15 Uhr allgemeine Öffnungszeiten zum Kennenlernen und Co-Worken. Die Termine sind auch über den EUF-Kalender und die Website sichtbar. Studierende und Lehrende können uns gerne direkt ansprechen oder uns eine Mail schreiben.

Webseite des Falter Labs