1 Evaluation im Rahmen des Kooperationsprojektes Spielebox „Aufgetischt!“ Heft 3 Kurzfassung August 2020 www.in-form.de Europa-Universität Flensburg, August 2020 Evaluation im Rahmen des Kooperationsprojektes Spielebox „Aufgetischt!“ – Kurzfassung – Ausführende Stelle: Europa-Universität Flensburg (EUF) Institut für Gesundheits-, Ernährungs- und Sportwissenschaften Abteilung Ernährung und Verbraucherbildung Abteilung Sportwissenschaft Auf dem Campus 1 24943 Flensburg www.uni-flensburg.de Prof. Dr. Ulrike Johannsen Dr. Nele Schlapkohl (im Rahmen des IN FORM Pro- jektes ALPHItEB) Katrin Lütjen Unter Mitarbeit von: Svenja Langemack Jule Timm In Kooperation mit: Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Dr. Barbara Kaiser Dr. Mareike Daum Annika Bilo Petra Daniels Gefördert und finanziert durch: Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) BKK Dachverband e. V. IKK e. V. KNAPPSCHAFT Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forst und Gartenbau (SVLFG) Laufzeit: 01.07.2017–15.11.2019 Die Kooperation entstand unter Vermitt- lung des Bundesministeriums für Ernäh- rung und Landwirtschaft (BMEL) und wurde durch diese fachlich begleitet. Berichtszeitraum: 01.07.2018–20.08.2019 Einleitung Inhalt 1 Einleitung ............................................................................................... 6 2 Hintergrund ........................................................................................... 6 3 Evaluation .............................................................................................. 7 4 Ergebnisse ........................................................................................... 10 5 Handlungsempfehlungen .................................................................... 17 6 Best-Practice-Beispiele ........................................................................ 20 6.1 DaZ-Unterrichtseinheit „Gesunde Ernährung“ an der Werner-von- Siemens-Realschule (Nordrhein-Westphalen) .................................... 21 6.2 „Jugendwerkstatt Rotenburg“ – Lebensraum Diakonie e.V. .............. 26 6.3 „Mama lernt Deutsch“ – Deutschkurs für Mütter vom ADS – Grenzfriedenverband e.V. (Schleswig-Holstein) ....................... 30 6.4 Gesprächsgruppen „Dialog in Deutsch“ in den Bücherhallen Hamburg .............................................................................................. 34 6.5 „Sprachtreff – für die Integration auf Land“ von der Büchereifachstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland ............... 39 7 Schlussfolgerung.................................................................................. 44 8 Ausblick ............................................................................................... 44 8.1 Poster-Präsentation der Evaluationsergebnisse ................................. 46 8.2 Posterpräsentation „Food Literacy durch Gamification“ .................... 47 9 Literaturverzeichnis ............................................................................. 48 II Abkürzungsverzeichnis ALPHItEB Alphabetisierung und Integration durch Ernährungsbildung und Bewegungsförderung BKK Betriebskrankenkasse BLE Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung BMEL Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft BMI Body-Mass-Index Bufdi Dienstleistende im Bundesfreiwilligendienst BZfE Bundeszentrum für Ernährung DaZ Deutsch als Zweitsprache EUF Europa-Universität Flensburg EVA I Teilevaluation I EVA II Teilevaluation II FIS Bildung Fachinformations-System Bildung IKK Innungskrankenkasse KiTa Kindertagesstätte MH Migrationshintergrund SuS Schülerinnen und Schüler SVLFG Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forst und Gartenbau TN Teilnehmerinnen und Teilnehmer vdek Verband der Ersatzkassen e. V. VHS Volkshochschule VK Vorschulklassen WHO World Health Organisation (=Weltgesundheitsorganisation) III Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Der Verbleib von 18.502 Spieleboxen in den Settings oder als Restbestand zum Zeitpunkt 30.06.2019. ................................... 10 Abbildung 2: Die Zufriedenheit der befragten Personen mit verschiedenen Aspekten der Spielebox („sehr zufrieden“ = 1, „zufrieden“ = 2, „weniger zufrieden“ = 3, „gar nicht zufrieden“ = 4). ................ 12 Abbildung 3: Wortwolke über die Impulse, die mithilfe der Spielebox angestoßen werden (Datenbasis: Online-Befragung; n = 205). 13 Abbildung 4: Übersicht der Best-Practice-Beispiele nach den Maßnahmen und Lerngruppen in den Settings Schule und Kommune (SuS = Schüler*innen; MH = Migrationshintergrund). ......................... 20 Abbildung 5: Wort- und Bild-Karten abgelegt durch die Schüler*innen. ...... 24 Abbildung 6: Eine Teilnehmerin beschriftet die abgebildeten Lebensmittel und malt sie farbig aus. ............................................................. 32 Abbildung 7: Zusätzliche Holzbausteine unterstützen die Visualisierung der Ernährungspyramide. ................................................................ 37 Abbildung 8: Zwei Teilnehmerinnen tauschen sich über die Ernährungspyramide aus. .......................................................... 37 Abbildung 9: Spielsituation „Ereignisrallye“ im Sprachtreff für Integration auf dem Land in Wülfrath ................................................................ 42 file:///C:/Users/katri/Desktop/Home-Office/Booklet/Heft%203/20200701_Heft%203_Spielebox.docx%23_Toc44512124 file:///C:/Users/katri/Desktop/Home-Office/Booklet/Heft%203/20200701_Heft%203_Spielebox.docx%23_Toc44512124 file:///C:/Users/katri/Desktop/Home-Office/Booklet/Heft%203/20200701_Heft%203_Spielebox.docx%23_Toc44512124 IV Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Zeit- und Arbeitsplan der Evaluation (EVA I und EVA II). ................. 9 Tabelle 2: Beispiele für inhaltliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten für die Spielebox „Aufgetischt!“ der befragten Mutiplikator*innen. ........ 15 5 6 1 Einleitung Im Rahmen des Kooperationsprojektes zur Spielebox „Aufgetischt! Spielend Deutsch lernen mit dem Thema Essen und Trinken“ entstand die vorliegende Kurzfassung über die wissenschaftliche Evaluation, um die wichtigsten Ergeb- nisse zu kommunizieren. Die Ergebnisse zeigen diverse Potenziale und Effekte mit entsprechenden Handlungsempfehlungen für neue Projekte und Lehr- und Lernmaterialien auf. Durch die zusätzlichen Best-Practice-Berichte wird beispielhaft demonstriert, wie das spielpädagogische Material die heteroge- nen Lernsituationen in unterschiedlichen Settings bei der sprachsensiblen Ge- sundheitsförderung unterstützen kann. 2 Hintergrund Die Spielebox „Aufgetischt! Spielend Deutsch lernen mit dem Thema Essen und Trinken“ ist ein Lernmedium, das für Menschen mit Migrationshinter- grund, welche Deutsch als Zweitsprache (DaZ) lernen, konzipiert wurde. Dabei verspricht sowohl der methodische Zugang über das Konzept Food Literacy wie auch der spielpädagogische Ansatz und die Ansprache der Ziel- und Lern- gruppe interessante präventionsbezogene Perspektiven. So soll neben dem Erwerb der deutschen Sprache eine implizite Gesundheitsförderung ermög- licht werden. Aus diesem Grund entstand 2017 unter Vermittlung des Bundes- ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eine Kooperation zwischen den Krankenkassen (vdek, BKK, IKK, KNAPPSCHAFT, SVLFG), dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und der Europa-Universität Flensburg (EUF). Durch das Kooperationsprojekt Spielebox „Aufgetischt!“ war es möglich, eine Stückzahl von 18.502 Spieleboxen in Settings (z. B. Schule, KiTa und Vorschule, Jugend- einrichtungen, Institutionen der Flüchtlingshilfe usw.) zu verteilen. Damit soll insbesondere sozialbedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen bei der Zielgruppe Menschen mit Migrationshintergrund reduziert werden. O1|Einleitung O2|Hintergrund 7 3 Evaluation Ziel der Evaluation ist es, aufzuzeigen, welche Potenziale die Spielebox „Auf- getischt!“ bei ihrem Einsatz in settingorientierten Maßnahmen im Rahmen der Gesundheitsförderung für Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund bietet. Ferner sollen Handlungsempfehlungen zur Qualitätssicherung abgelei- tet werden. Das empirische Vorgehen orientiert sich an den Evaluations-Stan- dards der Gesellschaft für Evaluation, wobei die Evaluation als Untersuchung des Nutzens der Spielebox „Aufgetischt!“ verstanden wird. Auf deren Basis sollen Schlussfolgerungen und Empfehlungen abgeleitet werden. Aus dieser Zielformulierung resultieren folgende Unterfragen: 1. Welche Verteilungswege durch a) die Krankenkassen und b) das BZfE können beschrieben werden? 2. Welche Maßnahmen können aufgezeigt werden, in denen die Spielebox eingesetzt wird? Praxisbeispiele mit dem Fokus auf: Einsatz der Spiele- box, Lerngruppen, Maßnahmen und Projekte, in denen die Spielebox eingesetzt wird, allgemeine Zufriedenheit und Zielerreichung sowie Im- pulse, Schwierigkeiten und hemmende Faktoren. 3. Welche Potenziale für zukünftige Projekte können, bezogen auf a) eine inhaltliche Weiterentwicklung, b) den spielpädagogischen und c) den lerngruppenübergreifenden Ansatz aufgezeigt werden? 4. Welche Möglichkeiten können beschrieben werden, um vulnerable Be- völkerungsgruppen im Kontext der Gesundheitsförderung besser zu er- reichen? 5. Welche Handlungsempfehlungen für Krankenkassen, Akteur*innen, Po- litik und Ministerien sowie sonstige Ebenen können abgeleitet werden? Für die Zielerreichung wurde ein Mixed-Methods-Ansatz mit quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden gewählt. Dabei sind die sechs allgemei- nen Gütekriterien qualitativer Forschung nach Mayring berücksichtigt wor- den. Beispielsweise konnte durch die detaillierte Dokumentation der Durchführung und Auswertung das Gütekriterium der Verfahrensdokumenta- tion erreicht werden. Insbesondere durch die Wahl des Mixed-Methods-An- satzes erreicht die Evaluation das Gütekriterium Triangulation. So wurden O3|Evaluation 8 qualitative und quantitative Methoden eingesetzt. Die erzielten Ergebnisse er- gänzen sich bestmöglich, um die Fragestellung der Evaluation zu beantworten. Die vorliegende Evaluation gliedert sich in die Teilevaluation I (EVA I) und die Teilevaluation II (EVA II; Tab. 1). Die Verteilungswege der Spieleboxen in die settingorientierten Maßnahmen wurden bei den Krankenkassen und dem BZfE tabellarisch abgefragt. Die Nutzer*innen (Multiplikator*innen) der Spie- lebox wurden mit einer Online-Befragung sowie in Interviews zum Einsatz der Spielebox befragt. Zusätzlich wurden ausgewählte Praxisbeispiele analysiert und aufgezeigt (Best-Practice-Beispiele). 9 Tabelle 1: Zeit- und Arbeits- plan der Evaluation (EVA I und EVA II). Teilevaluation I 2018 2019 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 1 2 3 4 Vorbereitung Evaluationsdesign Aufbau der Teilevaluationen Entwicklung der neuen Instrumente und Pretests Zugang zum Setting Kommune In Schleswig-Holstein Aufbau der Zugänge im Setting Schule Interventionsphase durch die Box im Rahmen der Teilevaluation I • Erfassung der Verteilungswege • Online-Befragung Auswertung der Teilevaluation I Berichterstattung (Zwischenbericht) Teilevaluation II 2018 2019 8 9 10 11 12 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Vorbereitung Evaluationsdesign Entwicklung der neuen Instrumente und Pretests: • Multiplikator*innen-Interviews • Best-Practice-Beispiele Zugänge zum Feld Interventionsphase durch die Box im Rahmen der Teilevaluation II: • Erfassung der Verteilungswege • Online-Befragung • Multiplikator*innen-Interviews • Best-Practice-Beispiele Auswertung der Teilevaluation II • Verteilungswege • Online-Befragung • Multiplikator*innen-Interviews • Best-Practice-Beispiele Berichterstattung (Abschlussbericht) 20.08.2019 14.12.2018 10 4 Ergebnisse Von den 18.502 Spieleboxen (1. Charge: 7.000 Stück; 2. Charge: 11.502 Stück) wurden ca. 70 % bis zum 30.06.2019 in Settings (25 % Setting Schule, 24 % Set- ting Kommune, 7 % Sonstiges und 12 % mit einem unbekannten Setting) ver- teilt (Abb. 1). Es wurden 313 Online-Befragungen, 20 Multiplikator*innen-Interviews und fünf Interviews (Einzel- bis Gruppeninterviews) mit 13 Multiplikator*innen der Best-Practice-Beispiele für die Auswertung zum Einsatz der Spielebox heran- gezogen. Die Spielebox wird überwiegend in einer beruflichen Funktion (92,3 %, n = 288) von den Multiplikator*innen eingesetzt. Die Auswertungen zeigen die zahlreichen und vielseitigen Möglichkeiten zum Einsatz der Spielebox „Aufge- tischt!“ auf. So kann das Medium in verschiedensten kommunalen und schu- lischen Settings Verwendung finden. Allein im kommunalen Setting wird die Spielebox in Institutionen der Flüchtlingshilfe, in KiTas sowie in VHS-Kursen für Abbildung 1: Der Verbleib von 18.502 Spieleboxen in den Settings oder als Restbestand zum Zeitpunkt 30.06.2019. Einsatz Setting "Sonstiges" 7% Setting Schule 25% Setting Kommune 24% Setting unbekannt 12% Nicht abgerufen 22% Restbestände 9% EUF Forschung 1% Verbleib der Spieleboxen (n = 18.502) O4|Ergebnisse 11 geflüchtete Personen oder Menschen, die Lesen und Schreiben lernen, einge- setzt. Im Setting Schule nutzen die befragten Multiplikator*innen die Spiele- box im Unterricht für DaZ, Ernährung und Soziales sowie in der Haushaltslehre. Darüber hinaus kann die Spielebox im Unterricht mit Schü- ler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf Anwendung finden. Die Er- gebnisse zeigen weiterhin, dass die Spielebox als didaktische Reserve spontan in anderen Maßnahmen, wie beispielsweise im Vertretungsunterricht, oder durch Kolleg*innen genutzt werden kann. Die Lerngruppen in den Settings sind recht heterogen, wobei die Mehrheit der Multiplikator*innen die Spielebox bei jüngeren Lernenden in KiTas, Vorschu- len und Grundschulen einsetzt. Darüber hinaus zeigt sich, dass die Zielgruppe Menschen mit Migrationshintergrund im schulischen, wie auch kommunalen Setting erreicht wird. Im Setting Schule arbeiten die Multiplikator*innen durchschnittlich mit 19 Schüler*innen (n = 177; Min = 1; Max = 300; Sd = 27,1), wovon ca. 11 Schüler*innen (n = 176; Min = 0; Max = 200, Sd = 16,7) einen Migrationshintergrund haben. Im kommunalen Setting wird die Spielebox durchschnittlich mit ca. 16 Personen (n = 140; Min = 1; Max = 120; Sd = 16,9) genutzt. Davon haben durchschnittlich 10 Personen (n = 144; Min = 0; Max = 60; Sd = 9,6) einen Migrationshintergrund. Die hohen Standardabwei- chungen im schulischen wie auch im kommunalen Setting weisen darauf hin, dass sowohl mit kleinen als auch mit großen Lerngruppen gearbeitet wird. Aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten kann die Spielebox die Vielsei- tigkeit bestehender Maßnahmen und Projekte im Setting unterstützen. Das Material kann weiterhin in neue Settingmaßnahmen und -projekte integriert werden, initiiert diese jedoch nicht. Zusätzlich kann die Spielebox einen Anlass bieten, institutsinterne Kooperationen und Vernetzungen, wie beispielsweise zwischen den Multiplikator*innen untereinander oder mit Akteur*innen der Schulmensa, zu unterstützen. Die allgemeine Zufriedenheit wird in der Online-Befragung von den Multipli- kator*innen zwischen „sehr zufrieden“ und „zufrieden“ bewertet (1,4 -1,7; Abb. 2). Lerngruppe Vielfallt und Vernetzung Zufriedenheit 12 Obwohl im Interview keine Leitfrage enthalten ist, die eine Zufriedenheit er- fasst, wird von der Hälfte der Befragten von sich aus eine generelle Zufrieden- heit angesprochen. Dies liegt im besonderen Maße an der einfachen Handhabung, der Vielseitigkeit im Einsatz und der zielgruppengerechten und ansprechenden Gestaltung des Materials. Zudem bereitet der Einsatz der Spielebox Freude am Lernen und an der jeweiligen settingorientierten Maß- nahme. Abbildung 2: Die Zufriedenheit der befragten Personen mit verschiedenen Aspekten der Spiele- box („sehr zufrieden“ = 1, „zufrieden“ = 2, „weniger zufrieden“ = 3, „gar nicht zufrieden“ = 4). Zufriedenheit… 5.1) … mit der Größe (A5-Format) der Spielebox n = 308 mw = 1,40 Sd = 0,54 5.2) … mit der Anzahl möglicher Spieler n = 310 mw = 1,61 Sd = 0,61 5.3) … mit den Hintergrundinformationen n = 308 mw = 1,63 Sd = 0,60 5.4) … mit der gesamten Gestaltung n = 311 mw = 1,51 Sd = 0,59 5.5) … mit den Spielanleitungen n = 310 mw = 1,58 Sd = 0,57 5.6) … mit den Kopiervorlagen n = 290 mw = 1,73 Sd = 0,62 5.7) … mit den Spielkarten n = 305 mw = 1,48 Sd = 0,60 5.8) … mit der Anzahl der Spiele und Spielmöglichkeiten n = 307 mw = 1,50 Sd = 0,60 5.9) … mit dem selbsterklärenden Ansatz n = 306 mw = 1,69 Sd = 0,62 5.10) … mit dem spielpädagogischen Prinzip n = 307 mw = 1,55 Sd = 0,59 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 1 2 3 4 13 Abbildung 3 stellt eine Wortwolke aus den Antworten der Befragten auf die Frage „Welche Impulse wurden mit Hilfe der Spielebox angestoßen?“ dar (n = 205). Diese Antwort kann von den Befragten offen formuliert werden. Da- bei werden die Begriffe „Ernährung“ (53-mal) und „Lebensmittel“ (37-mal) am häufigsten genannt. Bei der Auswertung aller genannten Effekte und Impulse, die durch den Ein- satz der Spielebox in den Maßnahmen entstehen, zeigt sich im Besonderen ein Wissenszuwachs bei den Lernenden in den Bereichen Ernährung und Gesund- heit sowie in der deutschen Sprache. Dabei wird von über der Hälfte der inter- viewten Multiplikator*innen ein positiver Effekt in der Fähigkeit der Bewertung von Alltagssituationen bei den Lernenden geschildert. Eine dem- entsprechende Handlung wird allerdings seltener genannt, eine Auseinander- setzung mit der Thematik wird als günstig von den Multiplikator*innen eingeschätzt. Durch die zahlreichen Sprachanlässe, welche durch die Spielebox und die le- bensnahe Thematik „Essen und Trinken“ initiiert werden, wird die Sprachkom- petenz der Lernenden verbessert: „Die Box animiert die Teilnehmer zu sprechen, zuerst über das vorgegebene Thema Lebensmittel und Ernährung, Abbildung 3: Wortwolke über die Impulse, die mithilfe der Spielebox ange- stoßen werden (Da- tenbasis: Online- Befragung; n = 205). Impulse Effekte Sprachkompetenz 14 dann auch über weitere Themen“ (FB 461). Weiterhin nehmen die Multiplika- tor*innen einen größeren Wortschatz der Lernenden sowie den richtigen Ein- satz von Artikeln wahr. Ein weiterer Effekt ist eine Verbesserung der zwischenmenschlichen Bezie- hungen in der Lerngruppe. Die Gespräche untereinander tragen dazu bei, dass sich die Lernenden miteinander auseinandersetzen. Durch das Spiel wird eine Integration bzw. eine Teambildung erkennbar, sodass die Spielebox auf diese Weise zu einer Förderung der Gruppenatmosphäre beiträgt. Darüber hinaus kann die Spielebox durch Bewegungsaspekte eine Auflocke- rung der Maßnahme bewirken und die Motivation der Lernenden steigern. Bezüglich der Schwierigkeiten beim Einsatz der Spielebox nennen die Multipli- kator*innen der Online-Befragung zahlreiche, meist einzelne als kritisch emp- fundene Aspekte. So sei die Spielanleitung nicht immer eindeutig, die Kopiervorlagen seien schwierig in der Handhabung und die vorhandene Zeit in der Maßnahme reiche für den Einsatz der Spielebox nicht immer aus. In den Interviews schildern die Multiplikator*innen, dass Schwierigkeiten oder hem- mende Faktoren zu Beginn auftreten können. Durch den geringen Wortschatz zum Thema „Essen und Trinken“ der Lernenden sind diese eventuell zunächst gehemmt, an der Maßnahme aktiv teilzunehmen. Des Weiteren bewerten die Befragten einige Bild- und Wort-Karten unterschiedlich. Lebensmittel wie Ki- chererbsen, Hummus oder Falafel sind in Lerngruppen mit Menschen ohne Migrationshintergrund meist unbekannt. Lehrende, welche mit Lernenden mit Migrationshintergrund arbeiten, wünschen sich hingegen mehr Wort-Bild- Karten mit Lebensmitteln aus den Herkunftsländern ihrer Lerngruppe. Die Ergebnisse der Evaluation über die Spielebox „Aufgetischt!“ zeigen weiter- hin Potenziale für zukünftige Projekte, Möglichkeiten für Weiterentwicklun- gen der Spielebox sowie für die Entwicklung neuer Lehr- und Lernmaterialien auf: 1 Die Fragebögen (FB) sind von 1 bis 349 durchnummeriert. Soziale Beziehungen Hemmende Faktoren Potenziale 15 Bezogen auf die inhaltliche Weiterentwicklung zeichnen sich insbesondere le- bensnahe Themen ab, die von den Multiplikator*innen gewünscht werden (vgl. Tab. 2). Themen Beispiele Essen und Trinken Küchengeräte, Kochen und Zubereitungsmethoden; Weitere Lebensmittel-Karten; Gesundheitsthemen Körper und Körperhygiene; Medikamente, Erste Hilfe und Ärzte; speziell Frauenärzte, Prophylaxe und Schwangerschaftsverhütungen; Kinderärzte und die dortigen Vorsorgeuntersuchungen; Zahnärzte; das Gesundheitssystem in Deutschland; Ernährung und Bewegung; Alltagsthemen Wohnen, Mülltrennung und Stromablesen; Umgang mit Geld; Tiere und Umwelt; Wegbeschreibungen; Thema Supermarkt (nach dem Preis fragen); Garten- arbeit; Führerschein mit dem damit verbundenen Seh- test; Zugang zum Internet; Fahrrad (fahren) und Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln; Versiche- rungen und Verträge; Nachhaltigkeit Klimawandel; Energiesparen; Ein- und Mehrweg-Sys- tem; Recycling sowie umweltschädliche Substanzen wie Putzmittel; So werden bei den Verbesserungsvorschlägen für die Spielebox in der Online- Befragung alltagsnahe oder gesundheitsbezogene Themen genannt. Außer- dem geben die Multiplikator*innen an, weitere Lebensmittel-Karten mit ein- zelnen Gerichten und Lebensmitteln aus Deutschland und aus den Ländern der Menschen mit Migrationshintergrund gebrauchen zu können, um das Thema Essen und Trinken zu intensivieren. Die Multiplikator*innen der Best- Practice-Beispiele wurden gezielt nach den Bedarfen ihrer Lerngruppe be- fragt. Die Ergebnisse bilden ebenfalls lebensnahe Themen ab. Von einzelnen Multiplikator*innen wird besonders betont, dass ein hoher Bedarf an gesund- heitsbezogenen Themen, wie „der eigene Körper“, bei den Lerngruppen Neue Inhalte Tabelle 2: Beispiele für inhaltli- che Weiterentwick- lungsmöglichkeiten für die Spielebox „Aufgetischt!“ der befragten Multiplika- tor*innen. 16 Frauen und Kinder bestehe. So sei das Gesundheitssystem den zugewander- ten Menschen unbekannt und das Verständnis für regelmäßige Vorsorgeun- tersuchungen, z. B. beim Kinder- oder Frauenarzt, fehle ihnen. „Also im Grunde, das Bewusstsein von Gesundheit ist, das ist ja schon Vorurteil von mir, bei einigen türkischen Frauen sehr unterentwickelt, weil sie sich ja nicht mal beim Arzt ausziehen. Also ‚dein Körper‘ ist ein großes Thema, der Körper müsste viel mehr eine Selbstverständlichkeit sein. […] Also für Kinder unbedingt und eigentlich auch für Frauen, […] die Frauen, also die werden manchmal von ihrem Mann begleitet zum Arzt und der Arzt […]: ‚Gehen Sie bitte raus.‘ – ‚Aber Sie sind doch ein Arzt, ein Mann. Sie dürfen die Frau nicht alleine sehen‘, da ist noch viel Bedarf.“ BP1 Position 872 Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse ein hohes Potenzial für den spielpäda- gogischen Ansatz als Lernform für den Spracherwerb. So wird die Methode Spiel von der Mehrheit der Multiplikator*innen in den Interviews als positiv und wichtig für ihre Settingmaßnahmen angesehen. Das Spiel wird beispiels- weise als automatischer Vorgang des Lernens oder als einzige Möglichkeit des Lernens, wenn noch keine Schreib- oder Sprachfähigkeiten in der Zielsprache Deutsch vorliegen, beschrieben. Durch diese Methode könnten auch lern- schwache und zurückhaltende Lernende zur Teilnahme an der Maßnahme motiviert werden. Weiterhin könne das soziale Miteinander der Lernenden verbessert werden und die Lernenden würden Freude am Lernen entwickeln. Die Potenziale des lerngruppenübergreifenden Ansatzes liegen zum einen im Austausch innerhalb der Lerngruppe. So können beispielsweise Lernende un- terschiedlicher Herkunft ihre Erfahrungen und Erinnerungen aus den Heimat- ländern mit der Gruppe teilen. Auf diese Weise wird das soziale Miteinander zusätzlich gestärkt und die Gruppenatmosphäre verbessert. 2 Die Transkripte der Best-Practice-Interviews wurden folgendermaßen anonymisiert: BP = befragte Person, Nr. 1–12; bei Zitaten werden die Positionen der MAXQDA-Datei ange- geben (= P). Spielpädagogik Lerngruppen- übergreifend 17 Möglichkeiten, vulnerable Bevölkerungsgruppen im Kontext der Gesundheits- förderung zu erreichen, können zum einen durch die Verteilungswege und den Einsatz der Spielebox beschrieben und zum anderen durch die Interviews mit den Multiplikator*innen der Best-Practice-Beispiele aufgezeigt werden. Die Auswertung der Verteilung durch die Krankenkassen und das BZfE zeigt, dass ca. 55 % der Spieleboxen (10.316 Stück) in bestehende und neue Setting- maßnahmen in Schulen und Kommunen verteilt werden konnten. Laut den Angaben der Befragten aus der Online-Befragung erreicht eine bzw. ein Mul- tiplikator*in im Setting Schule durchschnittlich 19 Schüler*innen mit einer Spielebox. Im Setting Kommune werden durchschnittlich 16 Lernende pro Spielebox und Multiplikator*in erreicht. Da die Spieleboxen fast zu gleichen Teilen auf die Settings Schule und Kommune verteilt wurden, kann rein rech- nerisch davon ausgegangen werden, dass ca. 98.002 Schüler*innen im schuli- schen Setting und weitere 82.528 Lernende im kommunalen Setting erreicht wurden. Dabei wurden insgesamt 108.318 Personen der Zielgruppe Men- schen mit Migrationshintergrund – also insbesondere vulnerable Personen – durch das Kooperationsprojekt Spielebox im Zeitraum Mai 2018 bis Juni 2019 erreicht. Darüber hinaus liegen weitere Potenziale in der Entwicklung von Lehr- und Lernmaterialien nach dem Prinzip der Spielebox sowie in der Öffentlichkeits- arbeit und in qualifizierten Vermittlungspersonen. Insbesondere das Zugehö- rigkeitsgefühl in der Lerngruppe, geschultes Personal sowie eine individuelle Anpassung des Angebots an die Lerngruppe können dazu beitragen, die Ler- nenden zur weiteren Teilnahme an der Maßnahme zu motivieren. 5 Handlungsempfehlungen Aus den Ergebnissen der Evaluation lassen sich Thesen und Handlungsemp- fehlungen, die beispielsweise Akteur*innen in der Politik und im Gesundheits- sowie Bildungswesen als Anregung für weitere settingbezogene Maßnahmen dienen können, ableiten. Auf diese Weise wird dem Mangel an evidenzbasier- ten Maßnahmen im Sinne des Präventionsgesetzes, Angebote im Rahmen der Vulnerable Personen Erreichung der Lernenden Perspektiven O5|Handlungsempfehlungen 18 Gesundheitsförderung an die Zielgruppen und ihre Bedarfe sowie die Zugangs- wege, Inhalte und Methodik der Leistungen anzupassen, entgegengewirkt. Die vorliegende Evaluation hat gezeigt, dass es nach wie vor eine Herausfor- derung ist, unter den strukturellen Rahmenbedingungen im Gesundheitswe- sen bzw. innerhalb der Gesundheitsförderung, Angebote und Maßnahmen zu entwickeln, die die Lernenden erreichen und deren Kompetenzen wirklich er- weitern. Die Spielebox „Aufgetischt!“ leistet einen Beitrag dazu, neue und be- stehende Angebote in ihrer Vielfalt zu unterstützen und Lernende in ihrer Heterogenität zu erreichen. Was gut funktioniert, sollte in diesem Kontext weiter aufrechterhalten werden. Unter Berücksichtigung der positiven Effekte und unterstützenden Impulse bezüglich des ernährungsbezogenen Wissens- und Spracherwerbs sowie des allgemeinen Integrationsprozesses ist es sinn- voll, die vorliegende Spielebox „Aufgetischt!“ weiter aufzulegen. Auch zur Entwicklung neuer Materialien und zur Initiierung neuer Projekte sol- len vorhandene Konzepte und Strukturen, die sich bewährt haben, genutzt werden. So zeigt sich im Hinblick auf den Spracherwerb, dass die Spielebox „Aufgetischt!“ einer linguistischen Überprüfung bezüglich des Leseerwerbs im Kontext einer Schülerschaft mit Beeinträchtigung standhält. Auch ist es mit dem Material der Spielebox möglich, sowohl die soziale als auch die gesund- heitliche Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund zu unterstützen. Durch den Setting-Ansatz werden alle Personen der Einzelmaßnahme gleich- ermaßen angesprochen, bedingt durch den spielpädagogischen Ansatz und die zahlreichen Gesprächsanlässe wird die Integration in die Lerngruppe ge- fördert. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, neben einer weiteren Auflage die Ent- wicklung neuer Spieleboxen oder Ergänzungssets zu alltagsnahen und gesund- heitsbezogenen Themen (Bewegung, Frauengesundheit, Kindergesundheit sowie das Gesundheitssystem allgemein mit Verordnungen und Rezepten vom Arzt) nach dem bewährten Konzept zu ermöglichen. Herausforderung Interdisziplinarität Erweiterung 19 Implementation Das Wichtigste auf einen Blick – Zusammenfassende Ergebnisse und Empfehlungen Zusammenfassung der Effekte und Impulse sowie von deren Ableitungen Bereiche Ergebnisse Empfehlung Thema Essen & Trinken Die Interkulturalität des Themas schafft Vertrauen untereinander, wodurch Fremdheit überwunden werden kann. Zusätzlich werden Pro- zesse der Ernährungsbildung und des Handelns über Kognition, Emotion und Motivation eingeleitet. 1. 2. Bei der Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund in den Settingmaßnahmen gilt es, die Themen Essen und Trinken weiterhin in die Maßnahmen einzubinden und zu erweitern. Vorhandene Food Literacy-Materialien wie „Häppchen- weise Deutsch“ und „Buchstäblich fit“ bieten sich gut als Ergänzung an. Lese-, Schreib- & Sprach- fähigkeit Durch die Spielebox erfolgt das Ler- nen implizit, auch bei Lernenden, die noch keine Schreib- oder Sprachfähi- gkeiten aufweisen. Lernschwache o- der zurückhaltende Lernende werden zur Teilnahme an den Maß- nahmen motiviert und beteiligen sich stärker. 3. Aufgrund dieser positiven Effekte lässt sich eine klare Empfehlung zum weiteren Einsatz der Spielebox „Aufge- tischt!“ aussprechen. Der methodisch-didaktische Ansatz erleichtert den Zugang zur Sprache für Sprachanfänger über das lebensnahe Thema, die Methodik Spiel sowie die zahlreichen Gesprächsanlässe. Spielpäda- gogischer Ansatz Der Austausch untereinander bezüg- lich der biografischen Herkunft wird gefördert. Durch die soziale Interak- tion des Spiels werden das Miteinan- der sowie die Atmosphäre in der Gruppe verbessert. 4. Die Entwicklung weiterer Materialien mit spielpädagogi- schem Ansatz für den Spracherwerb wird empfohlen. Neue Materialien sollten einfache und variable Spieli- deen nutzen, da diese gut akzeptiert werden und auf be- stehende Bedarfe und Gegebenheiten abgewandelt werden können. Erreichbar- keit der Zielgruppe & Gruppen- prozesse Es wurden insgesamt 108.318 Men- schen mit Migrationshintergrund durch das Kooperationsprojekt im Zeitraum Mai 2018 bis Juni 2019 er- reicht. In den Settings fungieren die Multi- plikator*innen nicht nur als Sprach- förderer, sondern insbesondere als Ansprechpartner für alltagsbezogene Lebenslagen. 5. 6. Die Zielgruppe wird durch das Projekt gut erreicht. Es wird empfohlen, die Umsetzung der Verteilung durch eine einzelne beteiligte Krankenkasse oder einen Koope- rationspartner durchzuführen. Es gilt, die Integrationsarbeit der Multiplikator*innen auf vielfältige Weise zu unterstützen, z. B. durch weitere In- formationsmaterialien zu Alltagsthemen. Multiplika- tor*innen-Schulungen sowie Programme mit qualifizierten Vertretern/Lotsen, welche die Settingmaß- nahmen vor Ort besuchen und (Fach-) Informationen niederschwellig weitergeben, werden empfohlen. Weiterent- wicklung & Öffentlich- keitsarbeit Bedarfe an Materialien bestehen zu Themen mit Lebensweltbezug: Bewegung, Frauengesundheit, Kin- dergesundheit, Gesundheit und Verordnungen bzw. Arztrezepte. Die Bewegungsaspekte im Spiel zei- gen positive Wirkungen auf die Motivation, die Gruppenzugehörig- keit und den Lernerfolg. 1. 2. 3. 4. Neue Inhalte von Spieleboxen oder Ergänzungsmaterial sollten sich an alltagsrelevanten Bedarfen der Lerngrup- pen orientieren. Es gilt, Weiterentwicklungen und Testungen wissen- schaftlich zu begleiten und partizipativ zu gestalten. Aufgrund der nachhaltigen Effekte werden mehr bewe- gungsbezogene Aufgaben für den Spracherwerb empfoh- len. Es bietet sich an, den integrativen Ansatz der Spielebox inkl. der Evaluation im Gesundheitsbereich als Best-Prac- tice-Beispiel in Fachjournalen zu veröffentlichen und auf Kongressen zu kommunizieren. 20 6 Best-Practice-Beispiele Die nachfolgenden Berichte beziehen sich auf Praxiseinsätze der Spielebox „Aufgetischt!“ in fünf verschiedenen Settings im schulischen und kommunalen Kontext. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Lerngruppen von Jung bis Alt mit Menschen mit und ohne Migrations- und Fluchthintergrund (Abb. 4). Die Best-Practice-Beispiele können als Inspiration für die Unterrichtsgestal- tung dienen und weisen auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Spiele- box hin. O6|Best-Practice-Beispiele Abbildung 4: Übersicht über die Best-Practice-Bei- spiele nach den Maßnahmen und Lerngruppen in den Settings Schule und Kommune (SuS = Schüler*innen; MH = Migrations- hintergrund). Best-Practice-Beispiele Setting Institution Maßnahme Lerngruppe Schule Realschule DaZ- Unterricht SuS mit MH Jugendwerk- statt berufsbildend Junge Menschen (14 bis 27 Jahre) Kommune KiTa und Familienzentrum Erwerb erster deutscher Sprachkenntnisse Mütter mit MH Büchereifach- stelle allgemeiner und berufsbezogener Spracherwerb 1. Geflüchtete 2. Ehrenamtliche 3. Multiplikatoren Bücherhalle Gesprächs- gruppen Menschen mit MH 21 6.1 DaZ-Unterrichtseinheit „Gesunde Ernährung“ an der Wer- ner-von-Siemens-Realschule (Nordrhein-Westphalen) Setting Schule Zielgruppe 14 Schüler*innen mit Migrationshintergrund der Werner-von-Siemens-Realschule, die am DaZ-Un- terricht teilnehmen. Kurzbeschreibung Die Unterrichtseinheit „Gesunde Ernährung“ im DaZ-Unterricht unterteilt sich in drei Einheiten: 1. das Grundlagenwissen, bei dem sich die Schü- ler*innen einen Grundwortschatz aneignen, 2. das Thema Frühstück und 3. die Erarbeitung und Dar- stellung eines Rezeptes. Zeitraum ca. 4 Wochen Schüler*innen mit DaZ der Werner-von-Siemens-Realschule erhalten in der Regel über zwei Jahre eine Erstförderung durch DaZ-Unterricht. Die Schü- ler*innen werden teilintegriert, sodass sie mindestens sieben Zeitstunden im DaZ-Unterricht und die restlichen Stunden in ihren Regelklassen unterrichtet werden. Die Unterrichtseinheit „Gesunde Ernährung“ wurde über eine Dauer von vier Wochen vor den Sommerferien 2019 durchgeführt. Während der Un- terrichtseinheit sollten die Schüler*innen ihren Wortschatz zum Thema Essen und Trinken erweitern. Darüber hinaus sollten sie sich Wissen über ein „ge- sundes“ Frühstück aneignen und zum Abschluss ein Rezept zu einem typischen Gericht aus Deutschland sowie aus ihrem Heimatland erstellen. In dem Kurs befanden sich 14 Schüler*innen, welche im Juli 2019 die Erstförderung been- deten. Insgesamt erhielten 28 Schüler*innen der Werner-von-Siemens-Real- schule DaZ-Unterricht. Die 14 Schüler*innen der Lerngruppe weisen vier verschiedene Sprachniveaus auf. So sind einige der Schüler*innen noch nicht alphabetisiert, ein*e Schü- ler*in ist alphabetisiert in der Muttersprache, spricht aber kein Deutsch oder Englisch, was die Kommunikation erschwert. Die anderen Schüler*innen sind Beschreibung Besonderheiten 22 gerade alphabetisiert oder bereits gut in der lateinischen Schrift alphabeti- siert. Aufgrund dieser Heterogenität innerhalb der Lerngruppe ist ein Frontal- unterricht selten möglich und die Lehrkraft bereitet für jedes Sprachniveau andere Übungsaufgaben vor. Damit sich alle Schüler*innen der Gruppe dazu- gehörig fühlen, ist die Transparenz wichtig. Die Lehrkraft erklärt den Schü- ler*innen regelmäßig, weshalb sie unterschiedliche Übungsaufgaben erhalten oder einige Minuten warten müssen, bis die Lehrkraft Zeit für sie hat. Ein Beispiel für Erfolge aus der Unterrichtseinheit „Gesunde Ernährung“ ist, dass sich auch ruhigere Schüler*innen mehr beteiligten, da sie etwas zum Un- terricht beitragen konnten, worin sie sich auskennen. Sie konnten über Erfah- rungen von zu Hause berichten und zeigen, was sie zum Thema Essen und Trinken bereits wissen. Die Ziele und Erfolge des DaZ-Unterrichts orientieren sich an den individuellen Sprachniveaus der Schüler*innen. Da einige Schüler*innen vor ihrem Aufent- halt in Deutschland noch nie zur Schule gegangen sind, ist es z. B. ein großer Erfolg, wenn die Schüler*innen nach den zwei Jahren DaZ-Unterricht in den Regelunterricht der Werner-von-Siemens-Realschule wechseln können und hier ihren Realschulabschluss mit Qualifikation erhalten. Durch die hohe Anzahl der Schüler*innen mit DaZ wird der DaZ-Unterricht weiterhin Bestandteil der Werner-von-Siemens-Realschule bleiben. Die Un- terrichtseinheit „Gesunde Ernährung“ weckt das Interesse der Schüler*innen und bereitet sie auf das gemeinsame Frühstück im Klassenverband vor. Aus diesem Grund wird das Thema auch im nächsten Jahr Bestandteil des Unter- richts sein und die Inhalte werden für die neue Schüler-Gruppe individuell an- gepasst. Ziele und Erfolge Verstetigung 23 Einsatz der Spielebox Insgesamt drei Spieleboxen „Aufgetischt!“ sind an der Werner-von-Siemens- Realschule im Einsatz. Zwei Spieleboxen werden von den Lehrkräften im Bio- logieunterricht z. B. für das Thema Ernährung in der 5. Klasse genutzt. Die an- dere Spielebox befindet sich im Repertoire der DaZ-Lehrkraft. Die Beschreibungen zur konkreten Anwendung der Spielebox im DaZ-Unterricht basieren auf einer Hospitation und Beobachtung am 24. Juni 2019 sowie auf Gesprächen und schriftlichen Informationen der DaZ-Lehrkraft. Im Unterrichtsraum der DaZ-Lehrkraft befinden sich Wörterbücher, Spiele, Bücher in einfacher Sprache und Arbeitshefte zum DaZ-Unterricht. Diese Ma- terialien sind für den Unterricht eine wichtige Ergänzung, um auf die verschie- denen Sprachniveaus der Schüler*innen eingehen zu können. Die Spielebox wird hauptsächlich zur Unterstützung der Wortschatzarbeit als Memory „Ich packe meinen Korb“ oder, wie während der Hospitation, für die Zuordnung der Bild- und Wort-Karten genutzt. • Alle 52 Bild-Karten der Spielebox lagen offen auf einem Tisch (Abb. 5). Die Schüler*innen standen um den Tisch herum und die Wort-Karten wurden an sie verteilt. Die Aufgabe bestand darin, die einzelnen Wort- Karten nacheinander laut vorzulesen und sie einer Bild-Karte zuzuord- nen. Falls ein*e Schüler*in das Wort nicht kannte, durften die Mitschü- ler*innen Hilfestellungen geben. Die Hilfestellungen mussten von der jeweiligen Schülerin bzw. dem jeweiligen Schüler in Form von Fragen, wie „Welche Farbe hat das Lebensmittel?“, „Ist es ein Gemüse?“ oder „Ist es auf einem Teller?“, erfragt werden. Sobald eine Wort-Karte ne- ben eine Bild-Karte abgelegt wurde (Abb. 5), blieb diese dort liegen. Eventuelle Fehler wurden während des Spiels durch neue Wort-Karten oder am Ende von der Lehrkraft korrigiert. Vorgehensweise Konkrete Anwendung 24 • Die Hausaufgabe der Schüler*innen bestand darin, einen Tag lang ein Ernährungstagebuch zu führen. In der Unterrichtsstunde sollten sie ih- ren Eintrag in der Zeitform des Perfekts vortragen, z. B. „Am Donners- tag habe ich zum Frühstück ein Brötchen mit Marmelade gegessen.“ Danach war es die Aufgabe einer Mitschülerin oder eines Mitschülers, auf die passenden Bild-Karten der genannten Lebensmittel zu zeigen. • Im Anschluss erklärte die Lehrkraft mithilfe einer Power-Point-Präsen- tation den Aufbau von Rezepten. In Partnerarbeit sollten die Schü- ler*innen in der restlichen Stunde sowie in der folgenden Unterrichtsstunde ein Rezept für ein typisches Gericht aus ihrer Hei- mat schreiben. Die Karten der Spielebox und verschiedene Wörterbü- cher standen den Schüler*innen als Übersetzungshilfe zur Verfügung. Durch kleine Hilfestellungen können auch Schüler*innen mit einem geringe- ren Sprachniveau an den Übungen, Hausaufgaben und Partnerarbeiten teil- nehmen. Der spielpädagogische Ansatz der Spielebox wird von den Schüler*innen angenommen und kann gut in den Unterricht eingebunden werden. Abbildung 5: Wort- und Bild-Kar- ten abgelegt durch die Schüler*innen. Teilnehmendenbezug 25 Der Einsatz der Spielebox im Unterricht bereitet den Schüler*innen Freude an der Wortschatzarbeit. Durch Aktivitäten mit Aufforderungscharakter, wie um den Tisch laufen oder Memory spielen, wird der Unterricht abwechslungsreich und die Schüler*innen erzielen gute Lernerfolge, da sie sich an die „außerge- wöhnliche“ Situation erinnern können. Durch das Thema „Gesunde Ernährung“ und die verschiedenen Übungen mit der Spielebox, das Ernährungstagebuch oder die Rezepte werden fachbezo- gene Sprechanlässe gefördert. Laut der Lehrkraft beteiligten sich zwei Schü- ler*innen bei der Besprechung der Rezeptvorlage „gefüllte Weinblätter“ häufiger als im gesamten Schulhalbjahr. Sie kannten die Vorgehensweise be- reits, da sie bei der Zubereitung schon regelmäßig zu Hause geholfen hatten, und waren motiviert, ihr Wissen im Unterricht einzubringen. Zusätzlich werden Zusammenhänge zwischen dem DaZ-Unterricht, dem Rege- lunterricht (gemeinsames Frühstück) und den Gewohnheiten zu Hause aufge- zeigt. Kontakt: Werner-von-Siemens-Realschule Kortestraße 10 45964 Gladbeck Homepage: www.wvs-gladbeck.de E-Mail: info@wvs-gladbeck.de Fazit 26 6.2 „Jugendwerkstatt Rotenburg“ – Lebensraum Diakonie e.V. Die Jugendwerkstatt Rotenburg entstand bereits in den 80er-Jahren. Mithilfe der Werkstatt sollte es Mädchen mit Migrationshintergrund ermöglicht wer- den, in das Berufsleben integriert zu werden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Maßnahme weiter für Jugendliche mit beruflichen Eingliederungs- hemmnissen und besonderen Förderbedarfen. Das Geschlecht sowie ein be- stehender oder nicht bestehender Migrationshintergrund sind nicht mehr Bestandteil der Aufnahmekriterien. Jugendliche, welche sich für das Angebot entscheiden, gehen mit der Jugendwerkstatt Rotenburg einen Vertrag für sechs Monate ein. Dieser Vertrag kann bei Bedarf verlängert oder auch wegen einer Arbeits- oder Ausbildungsaufnahme beendet werden, die maximale Ver- tragsdauer beläuft sich auf zwei Jahre. Zwei Dozent*innen bieten allgemein- bildenden Unterricht an. Zusätzlich wird durch drei berufspädagogische Anleiter*innen Fachpraxis und -theorie vermittelt. Die Bereiche der Fachpra- xis sind Kaufmännisches, Handwerk, Hauswirtschaft, Gastronomie sowie Ge- sundheit und Soziales. Hier können 18 Jugendliche theoretische und praktische Erfahrungen sammeln. Setting Kommune Zielgruppe Junge Menschen (14–27 Jahre) mit beruflichen Ein- gliederungshemmnissen und besonderem Förder- bedarf mit und ohne Fluchterfahrung. Kurzbeschreibung Berufsbildende Maßnahme für Jugendliche mit speziellem Eingliederungsförderbedarf. Hier findet allgemeinbildender Unterricht sowie Fachpraxis und Theorievermittlung statt. Zeitraum 6 Monate (mit der Möglichkeit zur Verlängerung; max. 2 Jahre) Beschreibung 27 Die Jugendwerkstatt Rotenburg begleitet alle teilnehmenden Jugendlichen in- dividuell. Die Maßnahmen finden in Kleingruppen statt, um den unterschied- lichen Bedarfen der Jugendlichen gerecht zu werden. Neben dem allgemeinbildenden Unterricht durch die Dozierenden erfolgt eine sozialpäda- gogische Begleitung. Den teilnehmenden jungen Erwachsenen soll ermöglicht werden, sich eine Alltagsstruktur aufzubauen. Hier lernen sie auch nieder- schwellig, was für den Lebensalltag von Bedeutung ist; sie erwerben alltags- nahe Kompetenzen, wie z. B. die Erledigung von Behördengängen oder die selbstständige Durchführung von Terminen und Telefonaten. Das vorrangige Ziel ist die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt. Weitere Ziele und Erfolge sind so unterschiedlich wie die jungen Menschen, welche das kostenfreie Angebot der Jugendwerkstatt Rotenburg annehmen. Positive Bei- spiele dafür sind die persönliche Stabilisierung, der Aufbau von Arbeits- und Ausbildungsfähigkeiten sowie die Vermittlung zu nötigen Hilfsangeboten, Schulen, Firmen und Universitäten. Darüber hinaus kann die Begleitung bei Arbeitsproben oder Praktika ebenfalls ein Ziel darstellen, damit die Teilneh- menden Berufserfahrungen sammeln. Für einzelne Teilnehmende kann auch die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen, sozialen Kompetenzen, sowie für Teilnehmende mit Fluchterfahrung die Vermittlung von Sprache oder Kul- tur in einem sicheren Umfeld ein Ziel sein. Der geschützte Rahmen ermöglicht es den Jugendlichen, Kontakt zu Gleichalt- rigen und Erwachsenen aufzunehmen. Die Jugendlichen werden in ihrer indi- viduellen Persönlichkeit wahrgenommen und sie können die anderen Anwesenden, Abläufe und Anforderungen überschauen. Ängstliche, trauma- tisierte oder desillusionierte Jugendliche bekommen hier die Möglichkeit, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit aufzubauen. Dies ist ein wichtiger Schritt, um in den ersten Arbeitsmarkt integriert zu werden. Das Angebot der Jugendwerkstatt wird weiterhin erforderlich sein, um Ju- gendliche, denen zwischen Schule und Beruf die selbstständige und selbstver- ständliche Integration in den Arbeitsmarkt nicht gelingt, zu unterstützen. Besonderheiten Ziele und Erfolge Verstetigung 28 Aufgrund des bestehenden Bedarfs und der Förderungen durch den Europäi- schen Sozialfond und das Jobcenter Rothenburg kann das Angebot weiterhin bestehen bleiben. Einsatz der Spielebox Der Jugendwerkstatt Rotenburg steht eine Spielebox „Aufgetischt!“ zur Verfü- gung. Die berufspädagogische Anleiterin nutzt die Spielebox bei der Vermitt- lung von Schlüsselqualifikationen im Bereich „Ernährung und Gesundheit“ sowie bei der Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache. Der Unterricht findet in kleinen Gruppen oder in Einzelbeschulungen statt. Die Beschreibungen in diesem Bericht basieren auf einem Telefon-Interview und dem schriftlichen Feedback der berufspädagogischen Anleiterin. • Bei der Zweitsprachvermittlung konnte das Memospiel zur Wortschat- zerweiterung bei jungen Menschen mit Fluchterfahrung eingesetzt werden. Hierzu legte die pädagogische Anleiterin alle Bild- und Wort- Karten verdeckt auf den Tisch. Ziel der Unterrichtseinheit war das Be- nennen der Lebensmittel mit dem dazugehörigen Artikel. Die Begriffe wurden zur Festigung in einem Vokabelheft notiert. • Im Unterrichtsraum hängt ein Plakat der Ernährungspyramide. Hiermit wurden den Jugendlichen die unterschiedlichen Lebensmittelgruppen visuell nähergebracht. Durch die Kopiervorlage „richtig einsortiert“ konnte nachfolgend eine Themenvertiefung erfolgen. Beim Eingrup- pieren von Lebensmitteln in die Kategorien „Milch und Milchprodukte“ sowie „Getreideprodukte“ erfragten die Teilnehmenden weitere Hin- tergrundinformationen zur Herkunft der eigentlichen Lebensmittel- rohstoffe. • In einer weiteren Sitzung konnten die Bild-Karten als Einstieg in das Thema genutzt werden. Dafür händigte die pädagogische Anleiterin je- dem teilnehmenden Jugendlichen Bild-Karten aus. Anschließend soll- ten die Teilnehmenden die Verwendungsmöglichkeiten aufzählen und der Gruppe die Möglichkeiten des Einsatzes ihrer abgebildeten Lebens- mittel im Speiseplan beschreiben. Vorgehensweise Konkrete Anwendung 29 • Eine weitere Einsatzmöglichkeit in der Jugendwerkstatt Rotenburg be- steht darin, dass die Jugendlichen in den Pausen selbstständig die Spiele, wie zum Beispiel das Lebensmittel-Domino, spielen können. Aufgrund der unterschiedlichen Bedarfe und Einstellungen der Teilnehmen- den wird die Spielebox sehr individuell und gezielt eingesetzt. So empfinden einige der Jugendlichen die Methode Spiel als unpassend oder „kindisch“ und verweigern es, mitzuspielen. Andere Jugendliche werden gerade durch das Spiel zum Lernen motiviert. Deshalb wird die Spielebox in der Jugendwerkstatt Rotenburg speziell für Einzelbeschulungen oder kleinere Gruppenmaßnah- men eingesetzt. Durch den Einsatz der Spielebox vergleichen die Teilnehmenden in der Ju- gendwerkstatt Rotenburg ihre Ernährungsgewohnheiten und Vorlieben mitei- nander. Während des Spiels entstehen ungezwungene Gespräche über die familiäre Arbeitsteilung, Kochgewohnheiten oder Vorlieben mit den anderen Teilnehmenden. Auch Unterschiede im Klima und in der Pflanzenvielfalt der Länder werden thematisiert. So berichtete ein Teilnehmer aus Syrien, dass in seinem Garten viele Feigen und Granatäpfel an Bäumen wachsen würden, als eine deutsche Teilnehmerin die Feigenfrucht auf den Bild-Karten nicht kannte. Dieser Erfahrungsaustausch aus den verschiedenen Kulturen und Lebenswel- ten ermöglicht ein individuelles, verbindendes Kennen- und Schätzenlernen innerhalb der Peergroup. Kontakt: Jugendwerkstatt Rotenburg Goethestraße 14 27356 Rotenburg/Wümme Homepage: https://lebensraum-diakonie.de/ jugendwerkstatt-rotenburg.html Teilnehmendenbezug Fazit 30 6.3 „Mama lernt Deutsch“ – Deutschkurs für Mütter vom ADS – Grenzfriedenverband e.V. (Schleswig-Holstein) Der Deutschkurs „Mama lernt Deutsch“ wurde 2008 vom ADS-Grenzfriedens- bund e.V. gegründet. Jeden Montag und Dienstag von 16 bis 17:30 Uhr haben zugewanderte Mütter die Möglichkeit, das kostenfreie Angebot im ADS-Kin- dergarten Schulgasse zu besuchen. Während dieser Zeit werden den Frauen erste deutsche Sprachkenntnisse vermittelt, zeitgleich können ihre Kinder be- treut werden. Zurzeit sind zwei Kursleiterinnen für den Sprachkurs sowie drei sozialpädagogische Assistent*innen für das Betreuungsangebot der Kinder zu- ständig. Weitere Merkmale sind, dass das Angebot „Mama lernt Deutsch“ frei- willig, niederschwellig und kostenlos ist. Eine Besonderheit des Angebots „Mama lernt Deutsch“ liegt in dessen Ziel- gruppe und dem Betreuungsangebot. Die Zielgruppe besteht aus Frauen, wel- che Mütter eines oder mehrerer Kinder sind. Diese Mütter kommen aus verschiedenen Kulturkreisen zusammen, um erste deutsche Sprachkenntnisse zu erwerben. Während des Angebots geben sie ihre Kinder in die Obhut von sozialpädagogischen Assistent*innen. Frauen mit Babys bzw. Kleinstkindern, welche noch nicht fremdbetreut werden können, dürfen auch mit ihrem Kind am Unterricht teilnehmen. Somit stellen Kinder kein Hindernis dar, an dem Angebot teilzunehmen. Eine weitere Besonderheit ist das Vertrauen, welches die Zielgruppe den durchführenden Personen entgegenbringt. Die Frauen geben während des Setting Kommune Zielgruppe Zugewanderte Frauen, die ein Kind haben und de- ren Muttersprache nicht Deutsch ist. Kurzbeschreibung Zugewanderte Mütter können in „Mama lernt Deutsch“ erste deutsche Sprachkenntnisse erwer- ben. Das Angebot sowie eine zeitgleiche Kinderbe- treuung finden kostenfrei statt. Zeitraum 01.01.2019–31.12.2019 Beschreibung Besonderheiten 31 Angebots ihre Kinder in die Betreuung, sie sprechen auch über privatere The- men wie „Frauengesundheit“ mit der Kursleiterin und bringen kleine, selbst zubereitete Speisen als Geste der Gastfreundschaft mit. „Mama lernt Deutsch“ möchte Müttern mit Migrationshintergrund den Zu- gang zu ersten deutschen Sprachkenntnissen bieten. So soll es den Müttern ermöglicht werden, trotz ihrer Kinder Grundkenntnisse in Deutsch für den All- tag zu erwerben, um sich beispielsweise beim Kinderarzt oder in der KiTa ver- ständigen zu können. Darüber hinaus bereitet dieser spezielle Deutschkurs die Mütter auf weiterführende Sprachkurse vor. Eine Kursleiterin berichtete von den Erfolgen einer damals schwangeren Teilnehmerin. Die Teilnehmerin, wel- che nie einen Deutschkurs besucht hatte, konnte durch die Hilfe und Unter- stützung von „Mama lernt Deutsch“ ihre Führerscheinprüfung bestehen. Aufgrund der hohen Nachfrage der Mütter mit Migrationshintergrund kann das Angebot jährlich verlängert und durch Fördergelder finanziert werden. Die Honorarkräfte für die Kinderbetreuung konnten von einer Kinderbetreuungs- kraft auf drei aufgestockt werden, um auch der hohen Nachfrage nach zeit- gleicher Kinderbetreuung gerecht zu werden. Einsatz der Spielebox Insgesamt drei Spieleboxen stehen dem „ADS-Kindergarten Schulgasse“ sowie dem „Familienzentrum KiEZ“ (Kinder-Eltern-Zentrum) zur Verfügung. Die In- halte des Deutschunterrichts werden durch die verschiedenen Kursleiter*in- nen je nach Anzahl der Teilnehmenden und dem Alpha-Level individuell angepasst. Die Beschreibung in diesem Bericht basiert auf einer Hospitation am 11. Juni 2019. Bevor der Kurs beginnt, treffen sich die Teilnehmenden und Kursleitenden vor dem ADS-Kindergarten Schulgasse. Hier werden die Kinder in die Betreuung gegeben und die Mütter in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe wird im Be- sprechungsraum des Familienzentrums unterrichtet, die andere Gruppe darf die Räumlichkeiten der angrenzenden Schule nutzen. Da einige Kinder noch sehr jung sind oder sich nicht von ihrer Mutter trennen möchten, dürfen sie dem Unterricht beiwohnen. Aus diesem Grund bringt die Kursleiterin neben Ziele und Erfolge Verstetigung Vorgehensweise 32 den Unterrichtsmaterialien für die jeweilige Stunde Spielzeug und eine Krab- beldecke für die Kinder mit. Die Bild-Karten der Spielebox „Aufgetischt!“ lagen auf den verschiedenen Ti- schen der Teilnehmerinnen aus, sodass vor jeder Person andere Bild-Karten zu sehen waren. Zusätzlich verteilte die Kursleiterin eine dreiseitige Schwarz- Weiß-Liste mit Lebensmittelbildern und -wörtern von „Deutsch.fit“ an die Teil- nehmerinnen. Deren Aufgabe bestand darin, das abgebildete Lebensmittel so- wie seine Farbe zu benennen und es in dieser Farbe auf der Liste auszumalen (vgl. Abb. 6). Die Bild-Karten aus der Spielebox konnten zur Visualisierung als Hilfe genutzt werden. So bildeten die Teilnehmerinnen einfache Sätze, wie „Die Gurke ist grün“. Da vor jeder Teilnehmerin andere Bild-Karten lagen, tauschten sich die Frauen untereinander aus und der Gesprächsbeitrag im Ple- num wechselte unter den Teilnehmerinnen ab. Nach dieser Übung konnte jede Teilnehmerin eine farbige Lebensmittelübersicht abheften. Zum Ab- schluss sollten die Teilnehmenden berichten, was sie am Abend essen. Ein Bei- spiel war: „Heute esse ich Brot mit Butter und Marmelade. Dazu trinke ich Tee.“ Für die nächste Unterrichtsstunde beabsichtigte die Kursleiterin, mithilfe der Kopiervorlage „Richtig einsortiert“ über die verschiedenen Lebensmittelgrup- pen zu sprechen. Konkrete Anwendung Abbildung 6: Eine Teilnehmerin beschriftet die abgebildeten Lebensmittel und malt sie farbig aus. 33 Aufgrund der hohen Anzahl von 12 teilnehmenden Frauen hatte sich die Kurs- leiterin dagegen entschieden, ein einzelnes Spiel der Spielebox zu spielen. Stattdessen hatte sie die Spielebox ihrem individuellen Bedarf angepasst und mit zusätzlichen Materialien erweitert. Mithilfe der Spielebox „Aufgetischt!“ können die Lerninhalte des freiwilligen Deutschunterrichts „Mama lernt Deutsch“ visuell und alltagsnah unterstützt werden. Durch die realistisch dargestellten Abbildungen fällt es den Teilneh- merinnen leicht, die Lebensmittel zu erkennen. Auf diese Weise können auch Sprachanfänger mit geringen Deutschkenntnissen dem Unterricht folgen. Dar- über hinaus entstehen einfache Gespräche über die verschiedenen Varianten der Lebensmittelzubereitung. Kontakt: ADS-Kindergarten Flensburg Schulgasse Schulgasse 6 24939 Flensburg Homepage: www.ads-flensburg.de E-Mail: adskigaschul@versanet.de Teilnehmendenbezug Fazit 34 6.4 Gesprächsgruppen „Dialog in Deutsch“ in den Bücherhal- len Hamburg Die Gesprächsgruppen „Dialog in Deutsch“ wurden 2009 von den Bücherhal- len Hamburg gegründet. Es werden heute 109 wöchentliche Gruppen in 33 Bücherhallen angeboten. Hier können zugewanderte Menschen, deren Mut- tersprache nicht Deutsch ist, in kleinen Runden das Sprechen üben und soziale Kontakte mit anderen Menschen knüpfen. Das Angebot ist kostenlos, zeitlich unbefristet und die Teilnehmer*innen können jederzeit ohne Anmeldung an den Gruppengesprächen teilnehmen. Insgesamt 270 geschulte Ehrenamtliche leiten und moderieren die verschiedenen Gesprächsgruppen. In den Gesprächsgruppen von „Dialog in Deutsch“ findet kein Sprachunter- richt im eigentlichen Sinne statt. Der Fokus liegt auf der Freude am Sprechen, wodurch die deutsche Sprache im Dialog trainiert wird. Neben den Gesprächs- gruppen für alle zugewanderten Menschen bestehen spezielle Gruppen für junge Erwachsene bis 28 Jahre, für Sprachanfänger*innen sowie für Frauen. Auf diese Weise können spezielle Gesprächsthemen, die für die jeweiligen Personengruppen interessant sind, ausgewählt werden. Eine Teilnehmerin aus dem Iran, die seit sechs Jahren an den Gesprächsgrup- pen teilnimmt, beschreibt „Dialog in Deutsch“ als besonders, da sie hier das Gelernte aus anderen Sprachkursen anwenden kann. Sie muss sich an Wörter erinnern und übt, diese auszusprechen, anstatt Wörter abzulesen und diese Setting Kommune Zielgruppe Zugewanderte Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist; seit 2015 vermehrt geflüchtete Personen Kurzbeschreibung Zugewanderte Menschen können in Gesprächs- gruppen das Deutschsprechen üben und andere Menschen kennenlernen. Im Fokus stehen die Freude am Sprechen sowie das Knüpfen von sozia- len Kontakten. Zeitraum Seit 2009 Beschreibung Besonderheiten 35 zu schreiben. Eine andere Teilnehmerin aus Italien kommt fast jeden Tag in die Gesprächsgruppen. Ihr fällt es leichter, bei „Dialog in Deutsch“ das Deutschsprechen zu üben, da die Teilnehmenden und die Gruppenleiter*in- nen langsamer sprechen als Menschen mit Deutsch als Muttersprache. „Dialog in Deutsch“ möchte die sprachliche und soziale Teilhabe von zugewan- derten Menschen fördern. Umgesetzt wird dieses Ziel durch das Sprechen der deutschen Sprache und das Kennenlernen anderer Menschen in den Ge- sprächsgruppen. Der Erfolg von „Dialog in Deutsch“ lässt sich u. a. an der ho- hen Beteiligung der Teilnehmenden an den Gesprächsgruppen erkennen. Einige Teilnehmer*innen nutzen das Angebot schon seit mehreren Jahren, an- dere kommen fast täglich in die Gesprächsgruppen. Darüber hinaus erhielt „Dialog in Deutsch“ den „Max-Brauer-Preis“ (2012) und gewann den Wettbe- werb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ (2013). Außerdem wurde „Dialog in Deutsch“ der Ehrenpreis beim Wettbewerb „Menschen verbinden – Zukunft stiften“ (2013) verliehen. Zur fortlaufenden Verstetigung wurden und werden den ehrenamtlichen Gruppenleitungen Fortbildungen angeboten, um die Gesprächsgruppen zu be- reichern. Ein wichtiges Element ist im Besonderen die „einfache Sprache“, welche von den Teilnehmenden geschätzt wird. Weitere Inhalte der Fortbil- dungen sind z. B. der Umgang mit Smartboard und Internet in den Gruppen, der Einsatz von Hilfsmaterialien und Spielen, die Themenfindung für Gesprä- che und vieles mehr. Ziele und Erfolge Verstetigung 36 Einsatz der Spielebox Insgesamt werden 50 Spieleboxen „Aufgetischt!“ bei „Dialog in Deutsch“ ein- gesetzt. Die Inhalte der Gesprächsgruppen werden durch die verschiedenen ehrenamtlichen Gruppenleitungen je nach Anzahl der Teilnehmer*innen indi- viduell angepasst. Die Beschreibung in diesem Bericht basiert auf einer Hospi- tation am 21. Mai 2019 in der Zentralbibliothek in Hamburg. Die Atmosphäre im Raum wurde durch Wasser, Tee und Gebäck auf dem Tisch aufgelockert. Damit die Teilnehmenden und die Gruppenleiterinnen sich im Dialog mit ihrem Namen ansprechen konnten, erhielt jede Person ein Na- mensschild. Zum Einstieg schrieben die Gruppenleiterinnen den Begriff „auf- getischt“ auf ein Whiteboard, mit dem sie das Gespräch einleiteten. Im weiteren Verlauf der Gesprächsgruppen verteilten die Gruppenleiterinnen Fragen und Abbildungen sowie einzelne Kärtchen der Spielebox an die Teil- nehmenden. Diese Elemente wurden als Anregung für Partnergespräche, aber auch für Gruppengespräche genutzt. • Die Pyramidenkarten wurden an die Teilnehmer*innen ausgeteilt, so- dass sich je zwei Teilnehmende die Rückseite der jeweiligen Karte mit dem Abbild der Pyramide anschauen konnten. Ziel war es, über das Gesehene zu sprechen. Es wurde außerdem darüber gesprochen, wel- che Lebensmittelgruppen existieren und was die Farben der Lebens- mittelgruppen bedeuten. Als visuelle Unterstützung hatten die Gruppenleiterinnen Holzbausteine, um eine Pyramide nachzubauen (vgl. Abb. 7 und 8), sowie drei leere Blätter in den Farben Rot, Grün und Gelb mit in die Gesprächsgruppe gebracht. Ergänzend wurde ein Zettel im DIN-A4-Format mit einer Lebensmittelpyramide und mit Be- schreibungen der verschiedenen Stufen verteilt. Zusätzlich hatten die Gruppenleiterinnen die Bildkarte „Gummibärchen“ vergrößert kopiert, um „Snacks“ visualisieren und im Gespräch näher thematisieren zu können. Vorgehensweise Konkrete Anwendung 37 • Die Gruppenleiterinnen teilten die Teilnehmenden in drei gleich große Gruppen ein und händigten ihnen vorsortierte Bildkarten aus. Aufgabe der Teilnehmer*innen war es, die ver- deckten Karten nach und nach aufzudecken und das abgebil- dete Lebensmittel zu benennen. Anschließend wurde darüber gesprochen, warum die Gruppenleiterinnen die Lebensmittel den entsprechenden Gruppen zugeordnet hatten. Abbildung 7: Zusätzliche Holzbau- steine unterstützen die Visualisierung der Ernährungspyramide. Abbildung 8: Zwei Teilnehmerin- nen tauschen sich über die Ernährungs- pyramide aus. 38 Aufgrund der Anzahl von 12 teilnehmenden Personen und der Tatsache, dass es sich bei diesen um Erwachsene handelte, hatten sich die Gruppenleiterin- nen dagegen entschieden, ein Spiel der Spielebox zu spielen. Stattdessen hat- ten sie die Spielebox ihrem individuellen Bedarf entsprechend angepasst und erweitert. In den Gesprächsgruppen entstehen verschiedene Gespräche zum Thema Es- sen und Trinken, wodurch ein Erfahrungsaustausch zwischen den anwesen- den Personen möglich wird. So berichtete ein Teilnehmer von einem Erlebnis in einem deutschen Supermarkt, in dem die Ampelfarben (Rot – Gelb – Grün) an den Regalen zu finden waren. Eine weitere Teilnehmerin aus Peru teilte ihre Erinnerungen aus der Kindheit mit der Gruppe. So erzählte sie, wie ihr Großvater durch Salzen frischen Fisch lange haltbar machen konnte. Weitere Gespräche drehten sich um verschiedene Zubereitungsmethoden, Instant- und Convenienceprodukte im Vergleich zu selbst gekochtem Essen oder um unbekannte Gemüsesorten wie beispielsweise „Okra“. Die Spielebox „Aufge- tischt!“ kann auf diese Weise als Impulsgeber dienen und die Teilnehmenden in ihrer Lebenswelt und ihren Erfahrungen sowie Erinnerungen abholen. Kontakt: Bücherhallen Medienprojekte gGmbH Projekt „Dialog in Deutsch“ Hühnerposten 1 20097 Hamburg Homepage: www.dialog-in-deutsch.de Teilnehmendenbezug Fazit 39 6.5 „Sprachtreff – für die Integration auf Land“ von der Büche- reifachstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland „Sprachtreff – für Integration auf dem Land“ entstand aus einem Angebot für Geflüchtete der Büchereifachstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland. An fünf Pilotstandorten wurden Sprachtreffs als Begegnungs-, Sprachlern- und In- formationsräume eingerichtet und mit Medien sowie einem Computerarbeits- platz ausgestattet. An diesen Orten treffen sich Ehrenamtliche mit Geflüchteten, um an deren Spracherwerb zu arbeiten und ihnen so den Ein- stieg in die Arbeitswelt sowie das Ankommen und Einleben in der Gemeinde zu erleichtern. „Sprachtreff – für Integration auf dem Land“ ist eine Ergänzung zu bestehenden Flüchtlingsangeboten vor Ort. Multiplikator*innen aus der lo- kalen Flüchtlingsarbeit können im Sprachtreff Informationsmaterial hinterle- gen oder Veranstaltungen durchführen. Setting Kommune Zielgruppe(n) Insgesamt handelt es sich um drei Zielgruppen: 1. Ehrenamtliche, die Geflüchtete beim allgemei- nen und berufsbezogenen Spracherwerb unter- stützen, 2. Geflüchtete, die ihre Sprachkenntnisse verbes- sern möchten und 3. Multiplikator*innen der Flüchtlingsarbeit, die sich vor Ort vernetzen. Kurzbeschreibung Das EU-geförderte Projekt „Sprachtreff – für In- tegration auf dem Land“ will Geflüchtete beim all- gemeinen und berufsbezogenen Spracherwerb unterstützen und die lokale Flüchtlingsarbeit stär- ken und bündeln. Zeitraum 01.07.2018 – 30.06.2020 Beschreibung 40 Das niederschwellige und kostenfreie Angebot ermöglicht ein individuelles und gezieltes Lernen. Mithilfe der zwanglosen Begegnungsorte wird den Ge- flüchteten die Scheu vor Fehlern beim Sprechen und Schreiben genommen. Die Herzlichkeit und das Engagement der Ehrenamtlichen ermutigen und mo- tivieren die Geflüchteten. Durch die Kontakte zu den Ehrenamtlichen erhalten die Geflüchteten neue Zugänge zu den Gemeinden. So werden in den Spracht- reffs auch Fragen und Probleme des Alltags, wie beispielsweise der Bezug von funktionierendem Internet in der eigenen Wohnung, der Erwerb eines fahr- tüchtigen Fahrrads sowie das Fahrradfahren selbst besprochen. Eine weitere Besonderheit des Sprachtreffs ist die geplante Zusammenarbeit der Flüchtlingsangebote vor Ort, wodurch Parallelstrukturen abgebaut wer- den und ein Miteinander gefördert werden soll. Die Einrichtung von Sprachtreffs als Begegnungs-, Lern- und Informations- raum, die Gewinnung von Ehrenamtlichen sowie der Aufbau einer lokalen Netzwerkarbeit zur Bündelung von Flüchtlingsarbeit vor Ort sind Hauptziele des Projektes. Weitere Ziele sind die Verbesserung des allgemeinen und be- rufsbezogenen Spracherwerbs von Geflüchteten, um ihnen den Berufseinstieg zu erleichtern. Außerdem soll die lokale Flüchtlingsarbeit durch die gemeinsa- men Angebote und die gegenseitige Unterstützung gestärkt werden. Ein Ehrenamtlicher nannte weiterhin ganz persönliche Erfolge, welche die Teil- nehmenden aus den Sprachtreffs mitnehmen würden. So motiviere es die Eh- renamtlichen, den Fortschritt im Spracherwerb bei den Geflüchteten mitzuerleben und ganz nebenbei etwas Neues aus anderen Ländern und Kul- turen zu erfahren. Derzeit wird „Sprachtreff – für Integration auf dem Land“ an Standorten in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland durchgeführt, wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Weitere Standorte sollen zum Ein- richten eines Sprachtreffs animiert werden und können durch Erfahrungen und Arbeitshilfen unterstützt werden. Besonderheiten Ziele und Erfolge Verstetigung 41 Einsatz der Spielebox In jedem Sprachtreff befindet sich mindestens eine Spielebox „Aufgetischt!“ im Medienangebot, welche vor Ort eingesetzt oder auch von den Teilnehmen- den nach Hause ausgeliehen werden kann. Die Beschreibungen zum Einsatz der Spielebox basieren auf einer Hospitation im Sprachtreff Wülfrath in der Kulturkirche am 24. Juni 2019. Der Sprachtreff Wülfrath findet dreimal wöchentlich statt. Montags bietet sich den Geflüchteten die Möglichkeit, den Sprachtreff im Anschluss an einen Sprachkurs, der in denselben Räumlichkeiten erfolgt, zu besuchen. Im Sprach- treff befinden sich vier Gruppentische mit farbenfrohen Tischdecken, einer ausreichenden Stuhlanzahl sowie eine Sofaecke. Den Teilnehmer*innen wer- den Wasser und Gebäck angeboten. Zusätzlich stehen Lernmaterialien sowie ein Laptop mit Internetzugang zur Nutzung bereit. Wenn die Spielebox zum Einsatz kommt, werden die Spiele häufig nach den Vorschlägen und Regeln aus dem beiliegenden Info-Heft gespielt. Eine ehrenamtliche Teilnehmerin schlug vor, das Spiel „Ereignisrallye“ zu spie- len, und begann, das Spielfeld vorzubereiten. Niemand der anwesenden Per- sonen hatte zuvor das Spiel gespielt oder kannte die genauen Spielregeln. Bei der Spielvorbereitung wurden allen Mitspieler*innen acht Bild-Karten zuge- teilt und einige Wort-Karten, die Ereignisfelder wurden zu einem Viereck auf dem Tisch ausgelegt. Reihum würfelte jeder bzw. jede Mitspieler*in und las das Wort des erreichten Feldes vor. Wenn er oder sie die zugehörige Bild-Karte besaß, konnte er oder sie außen an die Wort-Karte anlegen. Zusätzlich be- stand die Möglichkeit, auf ein Ereignisfeld zu gelangen. Spieler, die auf ein sol- ches Feld kamen, sollten die entsprechende Aktion durchführen (z. B. „Laufe einmal um den Tisch herum“) oder die jeweilige Frage (z. B. „Hat Blumenkohl Blüten?“) beantworten. Während des Spiels fiel den Mitspielern auf, dass gar nicht alle Wort-Karten auf dem Tisch auslagen, sodass nicht alle Bild-Karten der Spieler abgelegt werden konnten. Aus diesem Grund dauerte das Spiel länger als erwartet. Vorgehensweise Konkrete Anwendung 42 Durch die Kreativität der Mitspieler*innen wurde das Spielfeld mit neuen Kar- ten aus der Spielebox verändert und angepasst, damit es weiterhin spannend blieb und Freude bereitete. Da in den Sprachtreffs kein vorgegebener Unterricht durchgeführt wird, ori- entiert sich das Angebot immer an der Nachfrage der anwesenden Teilneh- menden. Die Spielebox wird somit ganz individuell in den Sprachtreffs eingesetzt. Die Spielebox „Aufgetischt!“ kann spontan ohne eine intensive Vorbereitung zum Spracherwerb eingesetzt werden. In Wülfrath amüsierten sich die Teil- nehmenden besonders über die Scherzfragen der „Ereignis plus“-Karten. Die Antwort auf die Frage, ob Blumenkohl Blüten habe, wurde mithilfe des Inter- nets überprüft. Es entstanden vielseitige Gespräche, wie z. B. über die aktuel- len Preise für Johannisbeeren zum Kochen von Marmelade, die Zusammensetzung von Ketchup oder das Haltbarmachen von Lebensmitteln durch Zucker. Eine Teilnehmerin aus Somalia nannte bei der Suche nach Le- bensmitteln, die während des Spiels noch nicht genannt worden waren, Cassava (Maniok). Aufgrund des großen Interesses der anderen Teilnehmen- den wurde das Spiel kurz unterbrochen, um zu erfahren, wie Cassava am bes- ten für den Verzehr zubereitet wird. Abbildung 9: Spielsituation „Ereig- nisrallye“ im Sprach- treff für Integration auf dem Land in Wülfrath (Aufnahme: Lütjen, EUF). Teilnehmendenbezug Fazit 43 Dieses Beispiel zeigt, dass die Spielebox neben dem Spracherwerb der geflüch- teten Teilnehmenden auch das Wissen aller Mitspieler*innen bereichert und neue ernährungs-bezogene Sprachanlässe ermöglicht. Kontakt: Büchereifachstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland Hans-Böckler-Straße 7 40476 Düsseldorf Homepage: www.sprachtreff.ekir.de Dieses Projekt wird mit Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds kofinanziert. 44 7 Schlussfolgerung Die Spielebox „Aufgetischt!“ bedient primär heterogene Einzelmaßnahmen auf kommunaler und schulischer Ebene, aber ergänzt und erweitert diese sinnvoll. Es zeigt sich, dass neben dem Wissens- und Spracherwerb die Ge- sundheitsförderung, der Spaß und die Motivation am Lernen in den Einzel- maßnahmen durch den Einsatz der Spielebox begünstigt und gefördert werden. Darüber hinaus hat die Spielebox das Potenzial, sozial zu verbinden sowie gesellschaftliche und gesundheitliche Teilhabe zu fördern, aber auch zu konfrontieren, z. B. mit dem eigenen Ess- und Einkaufsverhalten, und fordert dadurch auf unterschiedlichen Ebenen heraus. Auf diese Weise unterstützt sie den Vermittlungsprozess der Multiplikator*innen und lenkt ihr Interesse auf eine sprachsensible Ernährungsbildung. Die Akzeptanz und der Nutzen bei den Lernenden und Lehrenden sind hoch. Die Spielebox verbindet die Bereiche Wissen – Spiel – Sprache immer wieder neu miteinander und füllt die Inhalte mithilfe eines kreativen Prozesses. 8 Ausblick Die Evaluation hat gezeigt, dass es nach wie vor eine Herausforderung dar- stellt, unter den strukturellen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen bzw. innerhalb der Gesundheitsförderung Angebote und Maßnahmen zu ent- wickeln, die die Lernenden erreichen und deren Kompetenzen wirklich erwei- tern. Die Spielebox „Aufgetischt!“ leistet einen Beitrag dazu, neue und bestehende Angebote in ihrer Vielfalt zu unterstützen und die Lernenden in ihrer Heterogenität zu erreichen. Was gut funktioniert, sollte in diesem Kon- text weiter aufrechterhalten werden. Unter Berücksichtigung der positiven Ef- fekte und unterstützenden Impulse bezüglich des ernährungsbezogenen Wissens- und Spracherwerbs sowie des allgemeinen Integrationsprozesses ist O8| Ausblick O7|Schlussfolgerung 45 es sinnvoll, die vorliegende Spielebox „Aufgetischt!“ auch weiterhin aufzule- gen sowie die Ergebnisse öffentlich zu verbreiten. Seitens der EUF wurden bereits wissenschaftliche Vorträge über die Evalua- tion und die Spielebox „Aufgetischt!“ als Best-Practice-Beispiele auf Fachkon- gressen durchgeführt oder geplant: • Haushalt in Bildung & Forschung Jahrestagung (HaBiFo) 2020 „Essen und Trinken im Lern- und Lebensort Schule“ – HaBiFo e. V., • „57. Wissenschaftlicher Kongress“ – Deutsche Gesellschaft für Ernäh- rung (DGE; entfallen), • „World Congress 2020“ – International Federation for Home Econom- ics (verschoben auf 2022) und • Kongress Armut und Gesundheit 2021 – Gesundheit Berlin-Branden- burg e.V. Das nachstehende Poster, welches für die HaBiFo-Fachtagung 2020 gestaltet wurde, visualisiert das Vorgehen der Evaluation sowie die Ergebnisse (vgl. 8.1). Das zweite Poster „Durch Gamification gesellschaftliche Teilhabe fördern – Chancen für eine lerngruppenbezogene Ernährungsbildung“ (vgl. 8.2) wurde für den 57. DGE-Kongress erstellt. Thematisiert wird der Einsatz der Spielebox bei Lerngruppen mit geringer Literalität oder mit Migrationshintergrund zur Verbesserung der Food Literacy durch den spielpädagogischen Ansatz. Auf- grund der Corona-Pandemie konnte der DGE-Kongress nicht in gewohntem Rahmen stattfinden. Alle geplanten Vorträge und Posterbeiträge sind im Abstractband zum 57. Wissenschaftlichen Kongress („Proceedings of German Nutrition Society“) zusammengefasst (DGE 2020). 46 8.1 Poster-Präsentation der Evaluationsergebnisse Der Austausch untereinander bezüglich der biogra- fischen Herkunft wird gefördert. Es werden durch die soziale Interaktion des Spiels das Miteinander sowie die Atmosphäre in der Gruppe verbessert. Durch die Methode Spiel erfolgt das Lernen implizit, auch bei Lernenden, die noch keine Schreib- oder Sprachfähigkeiten aufweisen. Lernschwache, zurück- haltende Lernende werden zur Teilnahme an Maß- nahmen motiviert und beteiligen sich stärker. Ferner entwickeln die Lernenden Freude am Lernen. Hauptfragestellung: Welche Potenziale liefert die Spielebox „Aufgetischt!“ im Einsatz innerhalb evtl. bestehender settingorien- tierter Maßnahmen in Schule und Kommune im Rahmen der Gesundheitsförderung für Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund? Zusätzlich sollen Handlungsempfehlungen zur Qualitätssicherung für die Gesundheitsförderung herausgearbeitet werden. Fragestellung Hintergrund Erwerb der deutschen Sprache eine implizite Gesund- heitsförderung ermöglicht werden, um letztendlich so- zialbedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen zu reduzieren. Hierfür entstand 2017 unter Vermittlung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirt- schaft (BMEL) eine Kooperation zwischen den Kranken- kassen (vdek, BKK, IKK, KNAPPSCHAFT, SVLFG), dem Literatur Evaluation der Spielebox „Aufgetischt! Spielend Deutsch lernen mit dem Thema Essen und Trinken“ Katrin Lütjen, Ulrike Johannsen Die Spielebox „Aufgetischt!“ bedient primär heterogene Einzelmaßnahmen auf kommunaler und schulischer Ebene, ergänzt und erweitert diese jedoch sinnvoll. Die Möglichkeit, vulnerable Bevölkerungsgruppen im Kon- text einer sprachsensiblen Gesundheitsförderung zu erreichen, ist durch die Spielebox „Aufgetischt!“ ge- geben. Die Ergebnisse der Evaluation zeigen vielfältige Methodisches Vorgehen Qualitative und quantitative Forschungsmethoden (Mixed-Methods-Ansatz) • Befragung der Krankenkassen über die Verteilungs- wege der Spieleboxen, • Online-Befragung der Nutzer*innen (Multiplika- tor*innen) der Spieleboxen (n = 313), • 20 Multiplikator*innen-Interviews sowie • Beobachtungen und Interviews zum Einsatz der Spielebox in verschiedenen Maßnahmen mit 13 Multiplikator*innen im Rahmen von 5 Best-Practice- Beispielen. 1= Die Fragebögen (FB) sind von 1 bis 349 durchnummeriert. 2= Die Trans- kripte der Interviews wurden folgendermaßen anonymisiert: B = befragte Person, Nr. 1–20; bei Zitaten werden die Positionen der MAXQDA-Datei angegeben. II Sprach-, Lese- und Schreibfähigkeiten Potenziale für zukünftige Projekte, Möglichkeiten für Weiterentwicklungen der Spielebox sowie für die Ent- wicklung neuer Lehr- und Lernmaterialien auf. So hat die Spielebox das Potenzial, sozial zu verbinden sowie gesellschaftliche und gesundheitliche Teilhabe zu fördern, aber auch zu konfrontieren, z. B. mit dem eigenen Ess- und Einkaufsverhalten, und fordert dadurch Schlussfolgerung I Thema Essen und Trinken Die Interkulturalität des Themas schafft Vertrauen untereinander, wodurch Fremdheit überwunden werden kann. Zusätzlich werden Prozesse der Ernährungs- bildung und des Handelns über Kognition, Emotion und Motivation eingeleitet. Auf diese Weise wird die gesellschaftliche und gesundheitliche Teilhabe der Lernenden gefördert. III Spielpädagogischer Ansatz Das Spiel- und Lernmaterial ist für Menschen mit Mi- grationshintergrund, welche Deutsch als Zweitsprache (DaZ) lernen, konzipiert worden. Dabei versprechen sowohl der methodische Zugang über das Konzept Food Literacy wie auch der spielpädagogische Ansatz und die Ansprache der Ziel- und Lerngruppe interessante präventionsbezogene Perspektiven. So soll neben dem Ergebnisse Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) und der Europa- Universität Flensburg (EUF). Durch das Kooperations- projekt Spielebox „Aufgetischt!“ (Mai 2018 - August 2019) war es möglich, eine Stückzahl von 18.502 Spiele- boxen in settingorientierte Interventionsprojekte (z. B. Schule, KiTa und Institutionen der Flüchtlingshilfe usw.) primär durch Krankenkassen bundesweit zu verteilen. Aussagen aus der Praxis „[…] mittlerweile ist es auch oft so, dass die ihre Brotdosen aufmachen und zu mir kommen und sagen: ‚Das ist ein gesundes Frühstück, oder?‘“ (B31 Position 76) „Durch das Spiel habe ich Impulse für die Deutschstunde bekommen, vorher war Ernährung im- mer nur ein Thema für Sachkunde.“ (FB 57) „[…] lebhafte Gespräche zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern untereinander (und Dozenten) zum Thema Ernährung, Leben in den Heimatländern, Kochen, Sitten und Gebräuche […]“ (FB² 46) auf unterschiedlichen Ebenen heraus. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, neben einer weiteren Auflage die Entwicklung neuer Spieleboxen oder Ergänzungssets zu alltagsnahen und gesundheitsbezogenen Themen (Be- wegung, Frauengesundheit, Kindergesundheit u.v.m.) zu ermöglichen. Abbildung 1: Verteilung der Spieleboxen und die damit verbundene Erreichung der Zielgruppe (KK = Krankenkassen; BZfE = Bundes- zentrum für Ernährung). 1,96 2,05 1,64 1,70 1 2 ... die Ernährungs- und Gesundheitskompetenz der Lernenden zu stärken. ... Anstöße zu einer ausgewogenen Ernährung zu geben. ... die Themenbereiche Essen und Trinken zielgruppengerecht zu vermitteln. ... die Motivation und den spielerischen Umgang mit den enthaltenen Themen zu fördern. ... die Ernährungs- und Gesundheits- kompetenz der Lernenden zu stärken. ... Anstöße zu einer ausgewogenen Ernährung zu geben. ...die Themenbereiche Essen und Trinken zielgruppengerecht zu vermitteln. ... die Motivation und den spielerischen Um- gang mit den enthaltenen Themen zu fördern. Mit der Spielebox wird angestrebt, ... Abbildung 2: Ziele, die mit der Spielebox angestrebt wurden. Nach den Angaben der Befragten (1 = „sehr deutlicher Beitrag“; 2 = „erkennbarer Beitrag“; 3 = „kleiner Beitrag“; 4 = „kein Beitrag“). 1,50 1,69 1,55 1 2Zufriedenheit … … mit der Anzahl der Spiele und Spiele- möglichkeiten. … mit dem selbsterklärenden Ansatz. … mit dem spielpädagogischen Ansatz. Abbildung 3: Die Zufriedenheit der befragten Personen mit verschiedenen Aspekten der Spielebox (1 = „sehr zufrieden“, 2 = „zufrieden“, 3 = „weniger zufrieden“, 4 = „gar nicht zufrieden“). Der methodisch-didaktische Ansatz erleichtert den Zugang zur Sprache für Sprachanfänger über das lebensnahe Thema, die Methodik Spiel sowie die zahlreichen Gesprächsanlässe. So werden insbesondere Sprachanlässe gefördert, der Wortschatz zum Thema Essen und Trinken erweitert sowie der richtige Einsatz von Artikeln verbessert. © Michael Ebersoll, BLE 47 8.2 Posterpräsentation „Food Literacy durch Gamification“ H in te rg ru nd 1 2 5 6 7 8 Da s Sp ie l- un d Le rn m at er ia li st fü r M en sc he n m it M ig ra tio ns hi nt er gr un d ko nz ip ie rt w or de n. Da be iv er sp re ch en so w oh ld er m et ho di sc he Zu ga ng üb er da s Ko nz ep tF oo d Li te ra cy w ie au ch de r sp ie lp äd ag og is ch e An sa tz un d di e An sp ra ch e de r Zi el gr up pe in te re ss an te pr äv en tio ns - be zo ge ne Pe rs pe kt iv en .S o so ll ne be n de m Er w er b de rd eu ts ch en Sp ra ch e ei ne im pl iz ite G es un dh ei ts fö rd er un g er m ög lic ht w er de n, um le tz te nd lic h so zia lb ed in gt e U ng le ic hh ei tv on Ge su nd he its ch an ce n zu re du zie re n. Ei n Ko op er at io ns pr oj ek tz w isc he n de n Kr an ke nk as se n (v de k, BK K, IK K, KN AP PS CH AF T, SV LF G) ,d em Bu nd es ze nt ru m fü rE rn äh ru ng (B Zf E) in de rB un de sa ns ta lt fü rL an dw irt sc ha ft un d Er nä hr un g (B LE )u nt er Ve rm itt lu ng de sB un de sm in ist er iu m s fü rE rn äh ru ng un d La nd w irt sc ha ft (B M EL ). In sg es am t w ur de n 18 .5 02 Sp ie le bo xe n fü r s et tin go rie nt ie rt e In te rv en tio ns pr oj ek te (S ch ul e , K om m un e) b un de sw ei t au fg el eg t. Hi nt er gr un d M et ho de n 3 Fo od L ite ra cy du rc h G am ifi ca tio n Sp ie le nd D eu ts ch le rn en m it de m T he m a Es se n un d Tr in ke n Di e In te rk ul tu ra lit ät d es T he m as sc ha fft Ve rt ra ue n un te re in an de r, w od ur ch F re m dh ei t üb er w un de n w er de n ka nn . Z us ät zli ch w er de n Pr oz es se d er E rn äh ru ng sb ild un g un d de s H an de ln s üb er K og ni tio n, E m ot io n un d M ot iv at io n ei ng el ei te t. Fü r d ie A rb ei t m it M en sc he n m it M ig ra tio ns hi nt er gr un d in d en S et tin gm aß na hm en gi lt es , di e Th em en E ss en un d Tr in ke n w ei te rh in in d ie M aß na hm en ei nz us ch lie ße n un d zu e rw ei te rn . Th em a Es se n & T rin ke n Le se - un d Sc hr ei bf äh ig ke it Er re ic hb ar ke it W ei te re B ed ar fe Sp ie lp äd ag og is ch er A ns at z Du rc h di e Sp ie le bo x er fo lg td as Le rn en im pl izi t, au ch be iL er ne nd en ,d ie no ch ke in e Sc hr ei b- od er Sp ra ch fä hi gk ei te n au f- w ei se n. Le rn sc hw ac he ,z ur üc kh al te nd e Le rn en de w er de n zu rT ei ln ah m e an M aß - na hm en m ot iv ie rt un d be te ili ge n sic h st är ke r. Es w ur de n in sg es am t 1 08 T SN D M en sc he n m it M ig ra tio ns - hi nt er gr un d in ne rh al b 18 0 TS N D Le rn en de , 1 0 TS N D M ul itp lik at or *i nn en im Z ei tr au m 5 /2 01 8 -6 /2 01 9 er re ic ht . De rA us ta us ch un te re in an de rb ez üg lic h de rb io gr af isc he n He rk un ft w ird ge fö rd er t. Es w er de n du rc h di e so zia le In te ra kt io n de s Sp ie ls da s M ite in an de r so w ie di e At m os ph är e in de r Gr up pe ve rb es se rt . Fe rn er kö nn en M ot iv at io n un d Fr eu de am Le rn en zie lg ru pp en or ie nt ie rt ge st ei ge rt w er de n. Di e Er ge bn iss e ze ig en vi el fä lti ge P ot en zia le f ür P ro je kt e, M aß na hm en so w ie im pl izi te E ffe kt e du rc h de n sp ie lp äd ag og isc he n An sa tz : E in st ie g, d id ak tis ch e Re se rv e, A uf lo ck er un g, m ot iv at io ns fö rd er nd , W ie de rh ol un ge n, S pa ß u. F re ud e, p ar tiz ip at iv . De r m et ho di sc h- di da kt isc he An sa tz er le ic ht er t de n Zu ga ng zu r Sp ra ch e fü r Sp ra ch an fä ng er üb er da s le be ns - na he Th em a, di e M et ho di k Sp ie l so w ie di e za hl re ic he n Ge sp rä ch s- an lä ss e. N eu e Ga m ifi ca tio n- M at er ia lie n so llt en e in fa ch e un d va ria bl e Sp ie lid ee n nu tz en , d a di es e gu t a kz ep tie rt u nd a uf be st eh en de B ed ar fe u nd G eg eb en he ite n ab ge w an de lt w er de n. In de n Se tt in gs fu ng ie re n M ul tip lik at or *i nn en ni ch t nu r al s Sp ra ch fö rd er er , so nd er n au ch al s An sp re ch pa rt ne r fü r al lta gs be - zo ge ne Le be ns la ge n, so da ss Fr em dh ei t üb er w un de n w er de n ka nn . 4 Th em en m it Le be ns w el tb ez ug : Be w eg un g, Fr au en ge su nd he it, Ki nd er ge su nd he it, Ge su nd he it un d Ve r- or dn un ge n, Ar zt re ze pt e. Es gi lt, di e In te gr at io ns ar be it de rM ul tip lik at or *i nn en au f vi el fä lti ge W ei se zu un te rs tü tz en , z. B. du rc h w ei te re M at er ia lie n zu Al lta gs th em en . Jo ha nn se n, U . & L üt je n, K . M ul tip lik at or *i nn en -S ch ul un ge n so w ie Pr og ra m m e m it qu al ifi zie rt en Ve rt re te rn / Lo ts en au fb au en , w el ch e di e Se tt in gm aß na hm en vo r O rt be su ch en un d (F ac h- ) In fo rm at io ne n ni ed er sc hw el lig w ei te rg eb en . Di e W el t sit zt an ei ne m Ti sc h, hi er w ird „A uf ge tis ch t“ w or tw ör tli ch ge no m m en ,G eb rä uc he un d Tr ad iti on en de r He rk un fts lä nd er sp ie le n ei ne gr oß e Ro lle . Po te nz ia l, so zia lz u ve rb in de n, ge - su nd he itl ic he Te ilh ab e zu un te r- st üt ze n, ab er au ch m it de m ei ge ne n Es s- u. Ei nk au fs ve r- ha lte n zu ko nf ro nt ie re n. Em pf eh lu ng zu m w ei te re n Ei ns at z u . E rw ei te ru ng v on Ga m ifi ca tio n- Le rn m at er ia l im K on te xt v on Fo od L ite ra cy . Fr ag es te llu ng en : P ot en zia le d er S pi el eb ox „ Au fg et isc ht !“ in ne rh al b Sc hu le un d Ko m m un e im R ah m en d er G es un dh ei ts fö rd er un g fü r M en sc he n m it M ig ra tio ns -u nd F lu ch th in te rg ru nd ? Be sc hr ei bu ng v on H an dl un gs - em pf eh lu ng en zu r Q ua lit ät s- sic he ru ng . Vo rh an de ne F oo d Li te ra cy M at er ia lie n w ie „ Hä pp ch en - w ei se D eu ts ch “ un d „B uc hs tä bl ic h fit “ bi et en s ic h gu t a ls Er gä nz un g an . •2 0 M ul tip lik at or *i nn en -In te rv ie w s so w ie •B eo ba ch tu ng en u nd In te rv ie w s z um E in sa tz d er S pi el eb ox in v er sc hi e- de ne n M aß na hm en m it 13 M ul tip lik at or *i nn en im R ah m en v on 5 B es t- Pr ac tic e- Be isp ie le n. Q ua lit at iv e un d qu an tit at iv e Fo rs ch un gs m et ho de n / M ix ed -M et ho ds -A ns at z: •B ef ra gu ng d er K ra nk en ka ss en ü be r d ie Ve rt ei lu ng sw eg e de r S pi el eb ox en , •O nl in e- Be fr ag un g de r N ut ze r* in ne n (M ul tip lik at or *i nn en ) d er S pi el eb ox en (n = 3 13 ), 48 9 Literaturverzeichnis Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) (Hrsg.) (2018). Spiele- box Aufgetischt! Spielend Deutsch lernen mit dem Thema Essen und Trin- ken. Bonn: Bundeszentrum für Ernährung. DeGEval – Gesellschaft für Evaluation e. V. (2016). Standards für Evaluation. Erste Reversion 2016. 1. Auflage. Mainz. Verfügbar unter: https://www.degeval.org/fileadmin/Publikationen/DeGEval-Stan- dards_fuer_Evaluation.pdf. Zugriff am 10.01.2019. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (2020). Proceedings of the German Nutrition Society. Abstractband zum 57. Wissenschaftlichen Kon- gress. Volume 26. Verfügbar unter: https://www.dge.de/filead- min/public/doc/wk/2020/DGE-Proc-Germ-Nutr-Soc-Vol-26-2020.pdf. Zugriff am 01.07.2020 Mayring, P. (2016). Einführung in die qualitative Sozialforschung: Eine Anlei- tung zu qualitativem Denken. 6. überarbeitete Auflage. Weinheim, Basel: Belt. Über IN FORM: IN FORM ist Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und Bewegung. Sie wurde 2008 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und vom Bundes- ministerium für Gesundheit (BMG) initiiert und ist seitdem bundesweit mit Projektpartnern in allen Lebensbereichen aktiv. Ziel ist, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Menschen dauerhaft zu verbessern. Weitere Informationen unter: www.in-form.de Über die Spielebox „Aufgetischt!“: Die Spielebox „Aufgetischt!“ wurde mit Förderung des Bundes- ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) durch das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Kooperation mit der EUF im Rahmen des Nationalen Aktionsplans „In Form – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ entwickelt. Ziel der Spielebox „Aufgetischt!“ ist es, insbesondere jungen Migran- ten im Rahmen von schulischen und außerschulischen Maßnahmen mittels eines spielerischen Um- gangs Ernährungs- und Gesundheitskompetenzen zu vermitteln, damit diese Menschen befähigt werden, ihr Lebensumfeld und ihr Verhalten gesundheitsförderlich zu gestalten. Kooperationsprojekt mit: Europa-Universität Flensburg Institut für Gesundheits-, Ernährungs- und Sportwissenschaften Auf dem Campus 1 24943 Flensburg www.uni-flensburg.de Prof. Dr. Ulrike Johannsen Abt. Ernährung und Verbraucherbildung Dr. Nele Schlapkohl Abt. Sportwissenschaften (im Rahmen des IN FORM Projektes ALPHItEB) Katrin Lütjen Abt. Ernährung und Verbraucherbildung Leere Seite
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