Klimaschutzkonzept Flensburg Zentrum für nachhaltige Energiesysteme (ZNES) Centre for Sustainable Energy Systems (CSES) Der Kurs zur CO2-Neutralität 2050 Projektleiter: Prof. Dr. Olav Hohmeyer Erstellt von: Dipl.-Wi.-Ing. Helge Maas Dipl.-Wi.-Ing. Martin Beer Dipl.-Wi.-Ing. Emöke Kovač Unter Mitarbeit von: Dipl.-Wi.-Ing. Hannah Köster Dipl.-Wi.-Ing. Simon Laros M.Sc Christina Maas Dipl.-Wi.-Ing. Jens Brammann Dipl.-Wi.-Ing. Almut Burkowitz M.Eng. Hanna Fekete Universität Flensburg Zentrum für nachhaltige Energiesysteme (ZNES) Centre for Sustainable Energy Systems (CSES) Professur für Energie- und Ressourcenwirtschaft Internationales Institut für Management Munketoft 3b 24937 Flensburg Internet: www.iim.uni-flensburg.de/eum Erstellt im Auftrag der Stadt Flensburg Gefördert durch: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (aufgrund eines Be- schlusses des deutschen Bundestages) Stresemannstraße 128 – 130 10117 Berlin Internet: www.bmu.de Klimapakt Flensburg e.V. Mürwiker Straße 26 24943 Flensburg Internet: www.klimapakt-flensburg.de Diskussionsbeiträge 2 (Zentrum für Nachhaltige Energiesysteme. Internet) ISSN 2192-4597 http://www.iim.uni-flensburg.de/eum http://www.bmu.de/ http://www.klimapakt-flensburg.de/ Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Hinweise zum Aufbau des Dokuments: Das integrierte Klimaschutzkonzept Flensburg ist als Druck- und als Onlineversion erhältlich. Die Onlineversion enthält als Anhang Dokumentationen zu den durchgeführten Workshops und weiterführende Informationen wie z. B. detaillierte Maßnahmenkataloge. Diese Infor- mationen sind aufgrund des hohen Seitenumfanges nicht in der Druckversion enthalten. Beide Versionen beinhalten Querverweise auf die jeweiligen Anhänge, was ein schnelles Auffinden der Informationen ermöglicht. Sowohl die Druck- als auch die Onlineversion steht unter www.klimapakt-flensburg.de im Bereich „Klimaschutzkonzept“ unter Download zur Verfügung. Innerhalb des Berichts wird aus Gründen der Lesbarkeit darauf verzichtet, jeweils die femi- nine und maskuline Form von personenbezogenen Substantiven aufzuführen. Es sind im- mer weibliche und männliche Personen gemeint. http://www.klimapakt-flensburg.de/ Kurzzusammenfassung I Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG KURZZUSAMMENFASSUNG Das vorliegende integrierte Klimaschutzkonzept beschreibt für die Stadt Flensburg mit ihren knapp 90.000 Einwohnern, wie das selbstgesteckte Ziel der CO2-Neutralität bis zum Jahr 2050 verwirklicht werden kann. Hierzu wurden zusammen mit den Flensburger Bürgern und über 50 lokalen Organisationen, Unternehmen und Institutionen in einem Zeitraum von ei- nem Jahr 16 Workshops durchgeführt. Der Leitgedanke der CO2-Neutralität wird sowohl durch die Reduzierung des Energieverbrauches als auch durch den verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien erreicht. Eine wichtige Rolle bei der Senkung des Energieverbrau- ches spielen die energetische Gebäudesanierung, die Steigerung der Energieeffizienz, die Änderung der Verkehrsmittelwahl und die weitestgehende Elektrifizierung der Mobilität. Insgesamt lässt sich der Energiebedarf bis zum Jahr 2050 gegenüber 2010 um 39 % senken. Zur Erreichung der CO2-Neutralität spielt die Substitution der fossilen Energieträger, aktuell vorwiegend Steinkohle, bei den Stadtwerken Flensburg eine große Rolle. Die Stadtwerke Flensburg versorgen nahezu 98 % der Flensburger Haushalte mit Fernwärme und Strom aus dem Heizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung. Eine kontinuierliche Umstellung bei den Stadtwerken Flensburg auf erneuerbare Energieträger ermöglicht die einfache Umstellung der Haushalte hin zu einer CO2-neutralen Energieversorgung. Ebenso wichtig ist die Umstel- lung der Energieversorgung bzw. der Energieträger bei den Flensburger Unternehmen. Zu- sammen mit den ansässigen Industrieunternehmen wurden mögliche Lösungen zur Errei- chung der CO2-Neutralität erarbeitet. Schlussendlich lässt sich festhalten, dass der begonnene partizipative Prozess zur Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes in Flensburg sehr gut aufgenommen wurde und so- wohl die breite Unterstützung der Flensburger Bevölkerung als auch der Flensburger Unter- nehmen und Organisationen jederzeit gegeben waren. Zum Erreichen der CO2-Neutralität ist es nun wichtig, dass der eingeschlagene Weg künftig auch weitergeführt wird. Das Ziel muss sein, dass bis zum Jahr 2050 jeder Flensburger ein Klimaschützer ist! II Inhaltsübersicht Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG INHALTSÜBERSICHT DER KURS ZUR CO2-NEUTRALITÄT 2050 .......................................................................... I KURZZUSAMMENFASSUNG ............................................................................................. I INHALTSÜBERSICHT ........................................................................................................ II INHALTSVERZEICHNIS ...................................................................................................IV 1 ZUSAMMENFASSUNG ............................................................................................. 1 1.1 Handlungsbedarf .................................................................................................. 1 1.2 Die Flensburger Zielsetzung ................................................................................. 1 1.3 Vorgehensweise ................................................................................................... 2 1.4 Entwicklung des Endenergieverbrauches ........................................................ 3 1.5 Entwicklung der Emissionen ................................................................................. 5 1.6 Auflistung der wichtigsten Maßnahmen ........................................................... 5 1.7 Schlussfolgerungen ............................................................................................... 7 2 AUFBAU DES DOKUMENTS ...................................................................................... 8 3 METHODIK ............................................................................................................... 9 3.1 Datenerhebung .................................................................................................. 10 3.2 Systematik der Bilanzierung ............................................................................... 11 3.3 Definition CO2-Neutralität .................................................................................. 18 3.4 Bestandsaufnahme ............................................................................................ 19 3.5 Trendfortschreibung ........................................................................................... 19 3.6 Entwicklung des Weges zur CO2-Neutralität ................................................... 20 4 BESTANDSAUFNAHME UND TRENDFORTSCHREIBUNG ......................................... 25 4.1 Ausgangssituation: Status Quo in Flensburg ................................................... 25 4.2 Rahmenbedingungen für die Szenarien ......................................................... 28 4.3 Flensburg ohne zusätzlichen Klimaschutz ........................................................ 34 5 WORKSHOPS ANS ZENTRALES ELEMENT DER KONZEPTERSTELLUNG .................... 37 5.1 Workshopteilnehmer .......................................................................................... 37 5.2 Übersicht der Veranstaltungen ......................................................................... 38 6 KLIMASCHUTZKONZEPT: WORKSHOPERGEBNISSE ............................................... 40 6.1 Kick-off-Workshop mit den Klimapakt-Mitgliedern ......................................... 40 6.2 Haushalte ............................................................................................................. 42 6.3 Energieversorgung.............................................................................................. 44 6.4 Wohnungswirtschaft und Zukunft der Fernwärme ......................................... 49 6.5 Stadtentwicklung ................................................................................................ 54 6.6 Personenverkehr: Klimaverträgliche Mobilität als System ............................. 56 6.7 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) .................................................... 67 6.8 Industrie ................................................................................................................ 85 6.9 Finanzierung ........................................................................................................ 96 6.10 Bürger-Workshops ........................................................................................... 102 file:///C:/Users/Beer/Dropbox/Projektbericht%20Klimapakt/Integriertes%20Klimaschutzkonzept%20Flensburg_Titelblatt2.doc%23_Toc311800434 Inhaltsübersicht III Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 6.11 Umsetzungsstrategien .................................................................................... 105 6.12 Weitere Teilbereiche in Ergänzung zu den Workshops ............................. 115 7 KLIMASCHUTZKONZEPT: INTEGRATION DER TEILERGEBNISSE ............................ 122 7.1 Entwicklung des Energiebedarfs in Flensburg .............................................. 122 7.2 Deckung des Energiebedarfs ......................................................................... 125 7.3 Entwicklung der Emissionen ............................................................................. 130 7.4 Umsetzungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit ................................................. 131 7.5 Förderprogramme ............................................................................................ 136 7.6 Monitoring und Controlling ............................................................................. 138 7.7 Erwartete Auswirkungen des Konzepts .......................................................... 140 8 AUSBLICK ............................................................................................................ 142 9 ANHANG A: WORKSHOP DOKUMENTATIONEN................................................. 145 9.1 Wohnungswirtschaft ......................................................................................... 145 9.2 Energieversorgung............................................................................................ 167 9.3 Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) .................................................... 177 9.4 Industrie (I/II) ...................................................................................................... 187 9.5 Öffentliche Immobilien .................................................................................... 208 9.6 Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen .................................................. 226 9.7 Folgetreffen Finanzierung ................................................................................ 234 9.8 Stadtentwicklung .............................................................................................. 244 9.9 Individualverkehr............................................................................................... 254 9.10 Öffentlicher Workshop ................................................................................... 277 9.11 Zukunft der Fernwärme .................................................................................. 291 9.12 Stadtverkehr .................................................................................................... 309 9.13 Stadtteil ............................................................................................................ 320 9.14 Gewerbe, Handel und Dienstleistungen..................................................... 325 9.15 Industrie (II/II) ................................................................................................... 349 9.16 Umsetzungsstrategien .................................................................................... 381 9.17 Abschluss-Workshop....................................................................................... 392 10 ANHANG B ....................................................................................................... 396 10.1 Ergänzungen zu den Workshopergebnissen Verkehr ................................ 396 10.2 Maßnahmenkatalog GHD Unternehmen ................................................... 401 10.3 Bestandsaufnahme der Hochschul-Gebäude .......................................... 408 10.4 Krankenhäuser ................................................................................................ 448 10.5 Maßnahmenkatalog Industrie ...................................................................... 464 10.6 Abschlussbericht des B.A.U.M. Zukunftsfonds ............................................. 468 11 LITERATURVERZEICHNIS .................................................................................... 471 IV Inhaltsverzeichnis INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg INHALTSVERZEICHNIS DER KURS ZUR CO2-NEUTRALITÄT 2050 .......................................................................... I KURZZUSAMMENFASSUNG ............................................................................................. I INHALTSÜBERSICHT ........................................................................................................ II INHALTSVERZEICHNIS ...................................................................................................IV 1 ZUSAMMENFASSUNG ............................................................................................. 1 1.1 Handlungsbedarf .................................................................................................. 1 1.2 Die Flensburger Zielsetzung ................................................................................. 1 1.3 Vorgehensweise ................................................................................................... 2 1.4 Entwicklung des Endenergieverbrauches ........................................................ 3 1.5 Entwicklung der Emissionen ................................................................................. 5 1.6 Auflistung der wichtigsten Maßnahmen ........................................................... 5 1.7 Schlussfolgerungen ............................................................................................... 7 2 AUFBAU DES DOKUMENTS ...................................................................................... 8 3 METHODIK ............................................................................................................... 9 3.1 Datenerhebung .................................................................................................. 10 3.2 Systematik der Bilanzierung ............................................................................... 11 3.2.1 Systemgrenzen / Bilanzraum ........................................................................ 11 3.2.2 Zurechnungsprinzipien .................................................................................. 12 3.2.3 Betrachtete Treibhausgase .......................................................................... 15 3.2.4 Aufteilung der Sektoren ................................................................................ 16 3.2.5 Das Konzept des Endenergieverbrauchs ................................................... 17 3.3 Definition CO2-Neutralität .................................................................................. 18 3.4 Bestandsaufnahme ............................................................................................ 19 3.5 Trendfortschreibung ........................................................................................... 19 3.6 Entwicklung des Weges zur CO2-Neutralität ................................................... 20 3.6.1 Partizipativer Ansatz ....................................................................................... 20 3.6.2 Phasen der Konzeptentwicklung ................................................................. 21 3.6.3 Maßnahmenauswahl .................................................................................... 23 3.6.4 Integrativer Ansatz ......................................................................................... 24 4 BESTANDSAUFNAHME UND TRENDFORTSCHREIBUNG ......................................... 25 4.1 Ausgangssituation: Status Quo in Flensburg ................................................... 25 4.1.1 Ergebnisse der Bestandsaufnahme ............................................................. 25 4.2 Rahmenbedingungen für die Szenarien ......................................................... 28 4.2.1 Bevölkerungsentwicklung ............................................................................. 28 4.2.2 Entwicklung der Wohnfläche ....................................................................... 29 4.2.3 Entwicklung des Pkw-Bestands .................................................................... 30 4.2.4 Entwicklung der Bruttowertschöpfung ........................................................ 30 4.2.5 Energiepreisentwicklung ............................................................................... 31 4.3 Flensburg ohne zusätzlichen Klimaschutz ........................................................ 34 file:///C:/Users/Beer/Dropbox/Projektbericht%20Klimapakt/Integriertes%20Klimaschutzkonzept%20Flensburg_Titelblatt2.doc%23_Toc311800509 Inhaltsverzeichnis V Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 4.3.1 Entwicklung des Endenergieverbrauchs .................................................... 34 4.3.2 Entwicklung der Emissionen .......................................................................... 35 4.3.3 Schlussfolgerung ............................................................................................ 36 5 WORKSHOPS ANS ZENTRALES ELEMENT DER KONZEPTERSTELLUNG .................... 37 5.1 Workshopteilnehmer .......................................................................................... 37 5.2 Übersicht der Veranstaltungen ......................................................................... 38 6 KLIMASCHUTZKONZEPT: WORKSHOPERGEBNISSE ............................................... 40 6.1 Kick-off-Workshop mit den Klimapakt-Mitgliedern ......................................... 40 6.1.1 Bisherige Maßnahmen .................................................................................. 40 6.1.2 Identifizierte Herausforderungen und mögliche Lösungen ..................... 41 6.2 Haushalte ............................................................................................................. 42 6.2.1 Ausgangslage und Zielsetzung .................................................................... 42 6.2.2 Systematik der Betrachtung ......................................................................... 42 6.2.3 Besondere Hemmnisse .................................................................................. 43 6.2.4 Strategie für die Umsetzungsphase ............................................................. 43 6.2.5 Der Weg zur CO2-Neutralität ........................................................................ 43 6.3 Energieversorgung.............................................................................................. 44 6.3.1 Ausgangslage und Zielsetzung .................................................................... 44 6.3.2 Besondere Hemmnisse .................................................................................. 44 6.3.3 Strategie für die Umsetzungsphase ............................................................. 46 6.3.4 Der Weg zur CO2-Neutralität ........................................................................ 47 6.4 Wohnungswirtschaft und Zukunft der Fernwärme ......................................... 49 6.4.1 Ausgangslage und Zielsetzung .................................................................... 49 6.4.2 Grundlegendes .............................................................................................. 49 6.4.3 Besondere Hemmnisse .................................................................................. 49 6.4.4 Identifizierte Maßnahmen ............................................................................. 50 6.4.5 Strategie für die Umsetzungsphase ............................................................. 52 6.4.6 Der Weg zur Klimaneutralität ........................................................................ 53 6.5 Stadtentwicklung ................................................................................................ 54 6.5.1 Ausgangslage und Zielsetzung .................................................................... 54 6.5.2 Grundlegendes .............................................................................................. 55 6.5.3 Besondere Hemmnisse .................................................................................. 55 6.5.4 Identifizierte Maßnahmen ............................................................................. 55 6.5.5 Strategie für die Umsetzungsphase ............................................................. 56 6.6 Personenverkehr: Klimaverträgliche Mobilität als System ............................. 56 6.6.1 Ausgangslage und Zielsetzung .................................................................... 57 6.6.2 Systembedingungen für die Änderung des Modal Split .......................... 58 6.6.3 Besondere Hemmnisse .................................................................................. 59 6.6.4 ÖPNV ............................................................................................................... 60 6.6.5 Individualverkehr ............................................................................................ 63 6.7 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) .................................................... 67 6.7.1 GHD-Unternehmen ........................................................................................ 68 6.7.2 Ausgangslage und Zielsetzung .................................................................... 68 6.7.3 Grundlegendes .............................................................................................. 69 VI Inhaltsverzeichnis INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 6.7.4 Besondere Hemmnisse .................................................................................. 69 6.7.5 Maßnahmen ................................................................................................... 70 6.7.6 Der Weg zur CO2-Neutralität ........................................................................ 73 6.7.7 Strategie für die Umsetzungsphase ............................................................. 74 6.7.8 Öffentliche Liegenschaften .......................................................................... 75 6.7.9 Ausgangslage und Zielsetzung .................................................................... 75 6.7.10 Grundlegendes ............................................................................................ 75 6.7.11 Besondere Hemmnisse................................................................................ 76 6.7.12 Identifizierte Maßnahmen .......................................................................... 76 6.7.13 Strategie für die Umsetzungsphase ........................................................... 78 6.7.14 Der Weg zur Klimaneutralität ..................................................................... 79 6.7.15 Krankenhäuser ............................................................................................. 80 6.7.16 Ausgangslage und Zielsetzung .................................................................. 80 6.7.17 Grundlegendes ............................................................................................ 81 6.7.18 Besondere Hemmnisse................................................................................ 81 6.7.19 Identifizierte Maßnahmen .......................................................................... 82 6.7.20 Strategie für die Umsetzungsphase ........................................................... 83 6.7.21 Der Weg zur Klimaneutralität ..................................................................... 84 6.8 Industrie ................................................................................................................ 85 6.8.1 Ausgangslage und Zielsetzung .................................................................... 85 6.8.2 Grundlegendes .............................................................................................. 85 6.8.3 Besondere Hemmnisse .................................................................................. 86 6.8.4 Identifizierte Maßnahmen ............................................................................. 87 6.8.5 Der Weg zur CO2-Neutralität ........................................................................ 92 6.8.6 Strategie für die Umsetzungsphase ............................................................. 95 6.8.7 Zielorientierter Erfahrungsaustausch ............................................................ 95 6.8.8 Integratives Controlling betrieblicher Klimaschutz .................................... 96 6.9 Finanzierung ........................................................................................................ 96 6.9.1 Ausgangslage und Zielsetzung .................................................................... 96 6.9.2 Grundlegendes .............................................................................................. 97 6.9.3 Bestehende Produkte und Dienstleistungen .............................................. 97 6.9.4 Das Konzept des B.A.U.M. Zukunftsfonds .................................................... 98 6.9.5 Schwachstellen und Herausforderungen des B.A.U.M. Konzepts ........... 99 6.9.6 Anwendungsbereiche des B.A.U.M. Konzepts ........................................ 100 6.9.7 Maßnahmen ................................................................................................. 101 6.9.8 Ausblick ......................................................................................................... 102 6.10 Bürger-Workshops ........................................................................................... 102 6.10.1 Öffentlicher themenübergreifender Workshop .................................... 103 6.10.2 Stadtverkehr-Workshop ............................................................................ 104 6.10.3 Stadtteil-Workshop .................................................................................... 104 6.11 Umsetzungsstrategien .................................................................................... 105 6.11.1 Ausgangslage und Zielsetzung ................................................................ 105 6.11.2 Grundlegendes .......................................................................................... 106 6.11.3 Die Verbreitung von Innovationen ......................................................... 106 Inhaltsverzeichnis VII Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 6.11.4 Das Konzept der Early Adopters .............................................................. 107 6.11.5 Fachspezifische Arbeitsgruppen für den Klimaschutz .......................... 108 6.11.6 Übergreifende Strategie für die Umsetzungsphase .............................. 108 6.11.7 Identifizierung geeigneter Multiplikatoren und Erfolgsmodelle .......... 109 6.11.8 Persönliche Ansprache über bestehende Plattformen ....................... 110 6.11.9 Information und Aufzeigen von Handlungsoptionen ........................... 110 6.11.10 Eigendynamik unabhängiger Einzelgruppen ...................................... 111 6.11.11 Die Notwendigkeit fach- und sektorspezifischer Arbeitskreise .......... 111 6.11.12 Sektorspezifische Ansätze ....................................................................... 112 6.11.13 Bereich Haushalte .................................................................................... 112 6.11.14 Maßnahmenübersicht ............................................................................. 112 6.11.15 Bereich Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und Industrie ............... 113 6.11.16 Bereich Verkehr ........................................................................................ 114 6.11.17 Ausblick ..................................................................................................... 114 6.12 Weitere Teilbereiche in Ergänzung zu den Workshops ............................. 115 6.12.1 Technisches Betriebszentrum Flensburg (TBZ) ........................................ 115 6.12.2 Güterverkehr .............................................................................................. 118 6.12.3 Personenfernverkehr ................................................................................. 120 7 KLIMASCHUTZKONZEPT: INTEGRATION DER TEILERGEBNISSE ............................ 122 7.1 Entwicklung des Energiebedarfs in Flensburg .............................................. 122 7.2 Deckung des Energiebedarfs ......................................................................... 125 7.2.1 Biomasse ....................................................................................................... 125 7.2.2 Feste Biomasse ............................................................................................. 126 7.2.3 Biomethan ..................................................................................................... 127 7.2.4 Biodiesel ........................................................................................................ 128 7.2.5 Photovoltaik und Solarthermie für Haushalte........................................... 128 7.2.6 Geothermie .................................................................................................. 129 7.3 Entwicklung der Emissionen ............................................................................. 130 7.4 Umsetzungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit ................................................. 131 7.4.1 Übergeordnete Zielsetzung ........................................................................ 131 7.4.2 Bausteine der umsetzungsorientierten Öffentlichkeitsarbeit ................. 131 7.4.3 Umsetzungsstrategien auf Basis persönlicher Ansprache ...................... 131 7.4.4 Öffentlichkeitsarbeit des Klimapakt Flensburg e.V. ................................ 132 7.5 Förderprogramme ............................................................................................ 136 7.5.1 Masterplan 100 % Klimaschutz ................................................................... 136 7.5.2 Förderung der begleitenden Umsetzung ................................................. 137 7.5.3 Nationale Stadtentwicklungspolitik: Projektaufruf Bürgerbeteiligung .. 137 7.5.4 Energieolympiade ....................................................................................... 137 7.6 Monitoring und Controlling ............................................................................. 138 7.7 Erwartete Auswirkungen des Konzepts .......................................................... 140 7.7.1 Ökonomische Auswirkungen...................................................................... 140 7.7.2 Ökologische Auswirkungen ........................................................................ 141 7.7.3 Soziale Auswirkungen .................................................................................. 141 8 AUSBLICK ............................................................................................................ 142 VIII Inhaltsverzeichnis INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 9 ANHANG A: WORKSHOP DOKUMENTATIONEN................................................. 145 9.1 Wohnungswirtschaft ......................................................................................... 145 9.1.1 Ausgangslage und Ziele ............................................................................. 145 9.1.2 Bestandsstruktur ............................................................................................ 147 9.1.3 Maßnahmen zur Senkung des Heizwärmebedarfs ................................. 148 9.1.4 Impulsvortrag „Neubau oder Sanierung?" ............................................... 161 9.1.5 Gemeinsame Strategien und Kooperationsmöglichkeiten ................... 162 9.1.6 Quellenverzeichnis ....................................................................................... 165 9.2 Energieversorgung............................................................................................ 167 9.2.1 Ausgangslage und Ziele ............................................................................. 167 9.2.2 Maßnahmen zur CO2-neutralen Energieversorgung .............................. 167 9.2.3 Anpassung der Netze an die künftige Fernwärmeentwicklung ............ 171 9.2.4 Einordnung der SWFL in das Gesamtkonzept .......................................... 173 9.2.5 Nachtrag zum Workshop Energieversorgung .......................................... 174 9.3 Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) .................................................... 177 9.3.1 Ausgangslage und Ziele des Workshops .................................................. 177 9.3.2 Maßnahmen ................................................................................................. 178 9.3.3 Ergebnisse und Ausblick .............................................................................. 184 9.3.4 Quellenverzeichnis ....................................................................................... 186 9.4 Industrie (I/II) ...................................................................................................... 187 9.4.1 Ausgangslage und Ziele ............................................................................. 187 9.4.2 Hintergrund und Motivation ....................................................................... 188 9.4.3 Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauches ........................ 190 9.4.4 Hemmnisse bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen ............. 198 9.4.5 Ausblick und Vorbereitung des zweiten Workshops ............................... 205 9.5 Öffentliche Immobilien .................................................................................... 208 9.5.1 Ausgangslage und Ziele ............................................................................. 208 9.5.2 Rolle der öffentlichen Liegenschaften: ..................................................... 209 9.5.3 Kategorisierung von Liegenschaften und Kennzahlen .......................... 209 9.5.4 Monitoring und Controlling ......................................................................... 210 9.5.5 Maßnahmen zur Energieeinsparung anhand von Fallbeispielen ......... 211 9.5.6 Stufenplan / Verbrauchsziele ..................................................................... 214 9.5.7 Aufarbeitung der Ergebnisse des Workshops .......................................... 216 9.5.8 Zusammenfassung der Ergebnisse ............................................................ 225 9.6 Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen .................................................. 226 9.6.1 Ausgangslage und Ziele des Workshops .................................................. 226 9.6.2 Bereits bestehende Produkte der Finanzdienstleister ............................. 227 9.6.3 Der Zukunftsfonds ......................................................................................... 228 9.6.4 Ergebnisse und Ausblick .............................................................................. 233 9.7 Folgetreffen Finanzierung ................................................................................ 234 9.7.1 Ausgangslage und Ziele des Treffens ........................................................ 234 9.7.2 Anwendbarkeit und Potentiale des Zukunftsfonds ................................. 235 9.7.3 Mögliche Produktmerkmale ....................................................................... 238 9.7.4 Schlussfolgerungen für das Konzept des Zukunftsfonds ......................... 241 Inhaltsverzeichnis IX Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.7.5 mögliche Folgeaktivitäten .......................................................................... 241 9.7.6 Ausblick ......................................................................................................... 243 9.8 Stadtentwicklung .............................................................................................. 244 9.8.1 Ausgangslage und Ziele des Workshops .................................................. 244 9.8.2 Monitoring und Controlling ......................................................................... 245 9.8.3 Nachhaltige, energieeffiziente Wohnraumversorgung.......................... 245 9.8.4 Stadt der kurzen Wege ............................................................................... 249 9.8.5 Ergebnisse der Arbeitsgruppen .................................................................. 252 9.9 Individualverkehr............................................................................................... 254 9.9.1 Einordnung des Workshops ins Gesamtkonzept ...................................... 254 9.9.2 Änderung des Modal Split .......................................................................... 257 9.9.3 Handlungsfeld Stadtplanung ..................................................................... 268 9.9.4 Technische Lösungen .................................................................................. 269 9.9.5 Ergebnisse und Ausblick .............................................................................. 272 9.9.6 Quellenverzeichnis ....................................................................................... 273 9.10 Öffentlicher Workshop ................................................................................... 277 9.10.1 Ausgangslage und Ziele des Workshops ................................................ 277 9.10.2 Arbeitsgruppe Wärme .............................................................................. 278 9.10.3 Arbeitsgruppe Elektrizität .......................................................................... 280 9.10.4 Arbeitsgruppe Mobilität ............................................................................ 285 9.10.5 Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien ..................................................... 286 9.10.6 Übergeordnete Strategien ....................................................................... 289 9.10.7 Quellenverzeichnis .................................................................................... 290 9.11 Zukunft der Fernwärme .................................................................................. 291 9.11.1 Ausgangslage und Ziele des Workshops ................................................ 291 9.11.2 Grüne Fernwärme ..................................................................................... 292 9.11.3 Volumentarife ............................................................................................ 294 9.11.4 Excel-Tool – Zukunft der Fernwärme ....................................................... 295 9.11.5 Zusammenfassung der Ergebnisse .......................................................... 307 9.12 Stadtverkehr .................................................................................................... 309 9.12.1 Ausgangslage und Ziele des Workshops ................................................ 309 9.12.2 Maßnahmen .............................................................................................. 310 9.12.3 Zusammenfassung der Ergebnisse .......................................................... 317 9.12.4 Quellenverzeichnis .................................................................................... 317 9.13 Stadtteil ............................................................................................................ 320 9.13.1 Ausgangslage und Ziele des Workshops ................................................ 320 9.13.2 Vision: Neustadt im Jahr 2050 .................................................................. 320 9.13.3 Mobilität ...................................................................................................... 321 9.13.4 Zusammenfassung ..................................................................................... 324 9.13.5 Quellen ........................................................................................................ 324 9.14 Gewerbe, Handel und Dienstleistungen..................................................... 325 9.14.1 Ausgangslage und Ziele ........................................................................... 325 9.14.2 Leitlinien der Konzepterstellung ............................................................... 326 9.14.3 Strukturierung des Energieverbrauchs .................................................... 327 X Inhaltsverzeichnis INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 9.14.4 Treiber für den proaktiven Klimaschutz in den Unternehmen ............. 330 9.14.5 Entwicklung des Energieverbrauchs bis 2050 ........................................ 332 9.14.6 Die zukünftige Strom- und Fernwärmeversorgung ............................... 342 9.14.7 Strategien für den Klimaschutzstandort Flensburg ............................... 345 9.14.8 Quellenverzeichnis .................................................................................... 348 9.15 Industrie (II/II) ................................................................................................... 349 9.15.1 Ausgangslage und Ziele ........................................................................... 349 9.15.2 Leitlinien der Konzepterstellung ............................................................... 351 9.15.3 Entwicklung des Energieverbrauchs bis 2050 ........................................ 351 9.15.4 Möglichkeiten und Anforderungen zukünftiger Energieversorgung .. 362 9.15.5 Perspektiven im Bereich Erneuerbare Energien .................................... 364 9.15.6 Strategien für den Klimaschutzstandort Flensburg ............................... 376 9.15.7 Präsentation Hr. Obbelode ...................................................................... 379 9.15.8 Quellenverzeichnis .................................................................................... 380 9.16 Umsetzungsstrategien .................................................................................... 381 9.16.1 Ausgangslage und Ziele ........................................................................... 381 9.16.2 Grundlegende Konzepte ......................................................................... 382 9.16.3 Umsetzungsstrategien für den Klimaschutz in Flensburg ...................... 385 9.16.4 Sektorspezifische Besonderheiten ........................................................... 388 9.16.5 Zusammenfassung und Ausblick ............................................................. 390 9.16.6 Quellenverzeichnis .................................................................................... 391 9.17 Abschluss-Workshop....................................................................................... 392 9.17.1 Fernwärme ................................................................................................. 392 9.17.2 Elektrizitätsnachfrage Haushalte ............................................................. 392 9.17.3 Öffentliche Liegenschaften ..................................................................... 393 9.17.4 GHD ............................................................................................................. 393 9.17.5 Industrie ....................................................................................................... 393 9.17.6 Verkehr ........................................................................................................ 393 9.17.7 Energieversorgung .................................................................................... 394 9.17.8 Schritte zur Umsetzung .............................................................................. 394 9.17.9 Termine ........................................................................................................ 395 10 ANHANG B ....................................................................................................... 396 10.1 Ergänzungen zu den Workshopergebnissen Verkehr ................................ 396 10.1.1 Innerorts-Anteil an der Jahresstrecke ..................................................... 396 10.1.2 Radverkehrsanteil am Modal Split nach Kilometern ............................ 396 10.1.3 Umsetzung des Offensivszenarios des RNVP .......................................... 397 10.1.4 Herleitung der möglichen Rad- und Fußverkehrsanteile ..................... 397 10.1.5 Modal Split nach Kilometern (innerorts) ................................................. 398 10.1.6 Modal Split nach Wegen (innerorts) ....................................................... 399 10.1.7 Modal Split nach Kilometern (inner- und außerorts) ............................. 399 10.2 Maßnahmenkatalog GHD Unternehmen ................................................... 401 10.2.1 Bereich Beleuchtung ................................................................................ 401 10.2.2 Bereich elektrische Antriebe .................................................................... 402 10.2.3 Bereich Klimakälte ..................................................................................... 402 Inhaltsverzeichnis XI Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 10.2.4 Bereich Kommunikation ........................................................................... 403 10.2.5 Bereich Prozesswärme .............................................................................. 404 10.2.6 Bereich Prozesskälte .................................................................................. 405 10.2.7 Bereich Raumheizung ............................................................................... 406 10.2.8 Raumheizung sonstige Maßnahmen ...................................................... 407 10.3 Bestandsaufnahme der Hochschul-Gebäude .......................................... 408 10.3.1 Gebäude der Fachhochschule Flensburg ............................................ 409 10.3.2 Hochschul-Bibliothek ................................................................................. 432 10.3.3 Hochschul-Hörsaalzentrum ...................................................................... 434 10.3.4 Campus-Halle ............................................................................................ 437 10.3.5 Mensa.......................................................................................................... 438 10.3.6 Wohnheime ................................................................................................ 440 10.3.7 Universität Flensburg.................................................................................. 441 10.4 Krankenhäuser ................................................................................................ 448 10.4.1 Einleitung .................................................................................................... 448 10.4.2 Bestandsaufnahme ................................................................................... 448 10.4.3 Identifizierte Klimaschutzmaßnahmen .................................................... 455 10.5 Maßnahmenkatalog Industrie ...................................................................... 464 10.5.1 Bereich Beleuchtung ................................................................................ 464 10.5.2 Bereich Elektrische Antriebe .................................................................... 464 10.5.3 Bereich Kälte- und Klimatechnik ............................................................. 465 10.5.4 Bereich Druckluft ....................................................................................... 465 10.6 Abschlussbericht des B.A.U.M. Zukunftsfonds ............................................. 468 10.6.1 Bewerben bestehender Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten .... 468 10.6.2 Attraktivität durch Anpassung der Konditionen? ................................. 468 10.6.3 Erstellung eines Datenpools zur Identifikation geeigneter Objekte ... 468 10.6.4 Kleine und mittelständische Unternehmen ............................................ 469 10.6.5 Öffentliche Liegenschaften ..................................................................... 469 11 LITERATURVERZEICHNIS .................................................................................... 471 Zusammenfassung 1 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 1 ZUSAMMENFASSUNG 1.1 Handlungsbedarf Spätestens seitdem der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) im Jahr 2007 seinen vierten Sachstandbericht zu den Ursachen und Auswirkungen des Kli- mawandels veröffentlicht hat, steht außer Zweifel, dass die Menschheit ganz erheblich zur Veränderung des Weltklimas beiträgt. Der Bericht zeigt auch, dass ohne eine drastische Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 katastrophale Folgen drohen. Die Klimapolitik auf der gesamt- und überstaatlichen Ebene wird derzeit mit dem Ziel vo- rangetrieben, die globalen Emissionen bis zum Jahr 2050 zu halbieren. Dabei wird es not- wendig sein, dass die Emissionen der Industrieländer wie Deutschland um 80 bis 95 % redu- ziert werden. Die Bundesregierung hat sich öffentlich dafür ausgesprochen und arbeitet darauf hin, dass dieses Ziel von allen großen Industrieländern der Welt unterstützt wird. Auch wenn nationale und internationale Politiken für die angestrebte Entwicklung maß- gebend sind, so ist es doch unabdingbar, dass Klimaschutzmaßnahmen auf der kommu- nalen Ebene mit Engagement initiiert und umgesetzt werden. Nur hier sind alle wichtigen Akteure direkt ansprechbar und nur auf der kommunalen Ebene lassen sich die notwendi- gen Aktivitäten in allen Teilbereichen erfolgreich koordinieren und zu einem widerspruchs- freien Gesamtkonzept zusammenfügen. Die Bundesregierung hat die besondere Bedeutung der Kommunen erkannt und unter- stützt kommunale Klimaschutzinitiativen gemäß der „Richtlinie zur Förderung von Klima- schutzmaßnahmen in sozialen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen im Rahmen der Klimaschutzinitiative“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicher- heit. Diese Richtlinie liegt der Förderung des integrierten Klimaschutzkonzepts für Flensburg zugrunde. Die Entwicklung eines Konzeptes stellt einen Startpunkt für die Gestaltung einer nachhaltigen, klimaverträglichen Stadt dar. 1.2 Die Flensburger Zielsetzung Die Stadt Flensburg hat die Entwicklung eines integrierten Klimaschutzkonzepts vor dem Hintergrund beantragt, dass sich in der Stadt eine Reihe von Unternehmen und Institutio- nen zur lokalen Initiative „Klimapakt Flensburg e.V.“ zusammengeschlossen haben. Der Verein wurde im November 2008 gegründet und hat derzeit 15 Mitglieder. Die Stadt Flens- burg hat als Gründungsmitglied des Vereins eine besondere Bedeutung bei der Initiierung und Förderung des Klimaschutzes vor Ort. Die Stadt und der Klimapakt Flensburg haben sich das Ziel gesetzt, die Emissionen klimare- levanter Treibhausgase in Flensburg kontinuierlich zu senken und bis zum Jahr 2050 CO2- Neutralität zu erreichen. Es ist das Zwischenziel, die Emissionen bis zum Jahr 2020 um 30 % zu reduzieren. 2 Vorgehensweise INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Die Gründung des Klimapakt Flensburg e.V. hat die folgenden günstigen Rahmenbedin- gungen für die Entwicklung und Umsetzung eines integrierten Klimaschutzkonzepts ge- schaffen: Kooperation quer durch alle Mitgliedsunternehmen und -institutionen Schaffung einer breiten Vertrauensbasis Vereinfachung der Datenerhebung und des Datenaustausches Nutzung von bereichsinternen und bereichsübergreifenden Synergieeffekten Gemeinsame Zielsetzung jenseits einzelunternehmerischer Aktivitäten Erhöhung der Erfolgswahrscheinlichkeit des Konzepts Bei der Entwicklung des integrierten Klimaschutzkonzepts für Flensburg wurde die besonde- re Konstellation des Zusammenschlusses von Unternehmen und Institutionen im Klimapakt daher nicht nur berücksichtigt, sondern gezielt genutzt, um gemeinsam einen Weg in Rich- tung CO2-Neutralität aufzuzeigen. Dieser partizipative Ansatz wurde in einer Reihe von Workshops umgesetzt, in denen sich Flensburger Unternehmen, Institutionen sowie die Öf- fentlichkeit an der Entwicklung des Klimaschutzkonzepts beteiligt haben. 1.3 Vorgehensweise Im Vorfeld der Entwicklung eines integrierten Klimaschutzkonzeptes finanzierte der Klimapakt Flensburg e.V. eine Bestandsaufnahme des Energieverbrauchs und der CO2- Emissionen in der Stadt Flensburg. Die Ermittlung des Status Quo wurde bewusst vor die eigentliche Entwicklung des integrierten Klimaschutzkonzeptes gestellt, da dieser Rahmen die quantitative Grundlage für das Konzept darstellt. Dieses Vorgehen ermöglichte es, sich in dem durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit geför- derten Zeitraum von einem Jahr auf die Entwicklung des integrierten Klimaschutzkonzep- tes zu konzentrieren. Als Ergebnisse der Bestandsaufnahme des Energieverbrauches und der CO2-Emissionen im Flensburger Stadtgebiet wurde ermittelt, dass aktuell ca. zwei Milli- onen MWh an Energie verbraucht und eine Million Tonnen CO2 jährlich emittiert werden. Weiterhin hat die Universität Flensburg im Auftrag des Klimapakt Flensburgs untersucht, wie sich der Energiebedarf und die Treibhausgasemissionen in Flensburg bis zum Jahr 2050 oh- ne weitere Anstrengungen bezüglich des Klimaschutzes entwickeln würden. Ohne weitere Maßnahmen sinken die Treibhausgasemissionen in Flensburg im Vergleich zu 1990 um 20 % auf 0,8 Mio. t CO2 im Jahr 2050. Die absolute Reduktion entspricht einer Abnahme der Pro- Kopf-Emissionen von 12,1 auf 10,1 t CO2 pro Person. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die bisherigen Anstrengungen zur Senkung des Energieverbrauches und der CO2- Emissionen bei weitem nicht ausreichen. Das Ziel der CO2-Neutralität bis zum Jahr 2050 wird ohne umfassende und koordinierte Klimaschutzmaßnahmen nicht zu erreichen sein. Um einen gangbaren Weg zum Erreichen der CO2-Neutralität Flensburgs aufzuzeigen, er- arbeitete die Universität Flensburg im vorliegenden Klimaschutzkonzept sektorspezifische und sektorübergreifende Handlungsmöglichkeiten zur Senkung des Energiebedarfs und Entwicklung des Endenergieverbrauches 3 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG der Einbindung erneuerbarer Energien. Um von Anfang an den Rückhalt in der Bevölke- rung sowie der ansässigen Unternehmen und Institutionen zu sichern, wurde bei der Ent- wicklung des Klimaschutzkonzeptes besonderer Wert auf die Einbindung aller Akteurs- gruppen gelegt. In Workshops und Arbeitsgruppen wurden gemeinsam die Eckpunkte für einen allseitig anerkannten Weg zu einem nachhaltigeren Flensburg erarbeitet. Das „Über- stülpen“ eines extern entwickelten Plans ohne die Einbindung der Bevölkerung oder ande- rer wichtiger gesellschaftlicher Akteure kann nicht der Sinn eines Klimaschutzkonzepts sein, bei dem jeder Bürger mit in die Verantwortung genommen werden muss. Ein Konzept, das die Bürger und anderen Akteure nicht mitnimmt, müsste angesichts des Ausmaßes der Aufgabe scheitern. In insgesamt 16 Workshops wurden mit über 50 verschiedenen Flensburger Unternehmen, Institutionen, Organisationen und unter der Einbindung der Flensburger Bürger Maßnah- men zur Erreichung der CO2-Neutralität bis zum Jahr 2050 entwickelt. Der Kernaspekt des Klimaschutzkonzeptes war es, zuerst die Senkung des Energieverbrauches durch eine Re- duzierung des Bedarfs und eine Steigerung der Energieeffizienz zu erreichen. Erst im zwei- ten Schritt wurde der Einsatz erneuerbarer Energieträger für die Substitution fossiler Brenn- und Kraftstoffe betrachtet. Ein Klimaschutzkonzept, das nur auf einem Wechsel hin zu er- neuerbaren Energien basiert, kann gerade für Städte mit hoher Bevölkerungsdichte und limitierter Flächenverfügbarkeit für erneuerbare Energien keine nachhaltige Lösung dar- stellen. Somit wird im Folgenden zuerst auf die Entwicklung des Energieverbrauches und anschließend auf die Entwicklung der CO2-Emissionen eingegangen. 1.4 Entwicklung des Endenergieverbrauches Innerhalb des Klimaschutzkonzeptes wird der Energieverbrauch in Form des Endenergie- verbrauches ausgewiesen. Das ist derjenige Anteil der Primärenergie, der dem Verbrau- cher zur energetischen Nutzung zur Verfügung steht, z. B. Strom nach Durchleitung an der häuslichen Steckdose oder Dieselkraftstoff an der Tankstelle. Die Ermittlung des Endener- giebedarfs erfolgte sektorspezifisch und wurde weiter differenziert in Wärme-, Strom- und Kraftstoffbedarf. Es wurden die Sektoren Haushalt, Industrie, Verkehr und Gewerbe, Han- del, Dienstleistungen (GHD) unterschieden. Der Flensburger Wärmebedarf wird bei der Umsetzung aller im Klimaschutzkonzept defi- nierten Maßnahmen bis zum Jahr 2050 um knapp 27 % gegenüber dem Jahr 2010 sinken. Das größte Einsparpotential liegt bei der energetischen Gebäudesanierung im Haus- haltssektor mit knapp 37 % Bedarfsrückgang. Im Industriesektor zeichnet sich ab, dass die Fortschritte im Bereich der Energieeffizienz durch das künftige wirtschaftliche Wachstum der Unternehmen kompensiert werden wird. Ein deutlich geringerer Rückgang des Energiebedarfs ist im Strombereich zu erwarten. Die Wirkung von stromsparenden Maßnahmen, die beträchtliche Nachfragesenkungen errei- chen können – im Haushaltsbereich 45 % gegenüber 2010 – wird durch die verstärkte Nut- zung der Elektromobilität fast vollständig kompensiert. Damit sinkt der Strombedarf bis 2050 um knapp 7 % gegenüber dem Jahr 2010. 4 Entwicklung des Endenergieverbrauches INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Spiegelbildlich zur deutlichen Zunahme des Strombedarfs im Verkehrsbereich sinkt der Kraftstoffbedarf durch den Umstieg auf Elektromobilität bis 2050 auf ein Viertel des Wertes im Jahr 2010. Der größte Teil des Kraftstoffbedarfs wird im Güterverkehr anfallen. In der Gesamtschau ergibt sich für den Flensburger Energiebedarf nach Umsetzung aller im Konzept beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen folgendes Bild für das Jahr 2050: Der Energiebedarf sinkt gegenüber dem Jahr 2010 um 39 %, von 2 auf knapp 1,3 TWh. Die größten Energieeinsparungen werden im Verkehrssektor mit 62 % erwartet – auf- grund der bereits beschlossenen Politikvorgaben auf EU-Ebene, der Maßnahmen zur Änderung der Verkehrsmittelwahl und durch die Umstellung auf die verbrauchsärmere E-Mobilität (15 kWh/100 km statt derzeit 7,8 l Benzin/100 km, entsprechend 68 kWh/100 km). Im Haushaltssektor werden Energieeinsparungen von 39 % erwartet – unter der Voraus- setzung, dass die jeweils gültige Energieeinsparverordnung umgesetzt wird und die energetische Sanierungsrate zwischenzeitlich Werte von 2 % p.a. erreicht. Im GHD-Sektor werden Energieeinsparungen von 25 % erwartet – wobei der Austausch von Leuchtmitteln und die Verbesserung der energetischen Gebäudestandards die größten Beiträge liefern werden. Im Industriesektor sind mit 4 % die geringsten Energieeinsparungen zu erwarten. ABBILDUNG 1: ENTWICKLUNG DES FLENSBURGER ENERGIEVERBAUCHS BIS ZUM JAHR 2050 NACH DEM KLIMASCHUTZKONZEPT 0 200.000 400.000 600.000 800.000 1.000.000 1.200.000 1.400.000 1.600.000 1.800.000 2.000.000 2.200.000 2.400.000 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 MWh/a GHD Industrie Verkehr Haushaltssektor Bezugsjahr für Einsparungen: 2010 Entwicklung der Emissionen 5 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 1.5 Entwicklung der Emissionen Flensburg befindet sich in der besonderen Situation, dass 98 % der Haushalte an das Fern- wärmenetz der Stadtwerke Flensburg angeschlossen sind. Ein Großteil der Flensburger wird auch mit dem Strom aus dem Heizkraftwerk versorgt. Bei einer kontinuierlichen Umstellung der Stadtwerke Flensburg von fossilen Energieträgern, aktuell vorwiegend Steinkohle, auf erneuerbare Energien werden somit bis zum Jahr 2050 nahezu alle Haushalte mit CO2- neutralem Strom und CO2-neutraler Fernwärme versorgt. Auch der zusätzliche Strombe- darf durch die Nutzung der Elektromobilität kann von den Stadtwerken CO2-neutral be- reitgestellt werden. Bei den Flensburger Industrieunternehmen wurde einzelfallspezifisch die Umstellung von Heizöl oder Erdgas auf erneuerbare Energieträger betrachtet. Die Ent- wicklung der CO2-Emissionen in Flensburg ist Abbildung 2 zu entnehmen. Sie zeigt, dass mit dem vorliegenden Konzept nicht nur das Zwischenziel, die Emissionen im Jahr 2020 ge- genüber dem Jahr 1990 um 30 % zu senken, erreicht wird, sondern das Gesamtziel der CO2-Neutralität bis zum Jahr 2050 erreicht werden kann. ABBILDUNG 2: ENTWICKLUNG DER EMISSIONEN IN FLENSBURG BIS ZUM JAHR 2050 IM INTEGRIERTEN KLIMASCHUTZKONZEPT 1.6 Auflistung der wichtigsten Maßnahmen Nachfolgend sind die wichtigsten Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs und zur Erreichung der CO2-Neutralität aufgeführt. 0 100.000 200.000 300.000 400.000 500.000 600.000 700.000 800.000 900.000 1.000.000 1.100.000 1.200.000 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 CO2/a GHD Industrie Verkehr Haushaltssektor CO2-Neutralität -30 % 6 Auflistung der wichtigsten Maßnahmen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Maßnahme Akteur Effekt / Einsparung Zeitpunkt d. Umset- zung Energieversorgung: Ersatz alter Kessel und kontinuierliche Steigerung des Anteils CO2-neutraler Brennstoffe SWFL Ca. 550.000 t CO2 2012 bis 2050 Haushalte: Steigerung der Sanierungseffizienz und Anhebung der Sanierungsrate Wohnungswirtschaft 40 % des Fernwär- mebedarfs 2012 bis 2050 Haushalte: Ersatz ineffizienter Altgeräte durch energiesparende Neugeräte Flensburger Bürger 45 % des Strombe- darfs der Haushalte 2012 bis 2050 Industrie: Verstärkte Umsetzung von Energieef- fizienzmaßnahmen und Verbrauchs- reduzierungen Industrie-unternehmen 10 % des Strombe- darfs Halten des Status Quo beim Wärme- bedarf 2012 bis 2050 GHD: Verstärkte Umsetzung von Energieef- fizienzmaßnahmen und Verbrauchs- reduzierungen GHD 30 % des Strombe- darfs 25 % des Fernwär- mebedarfs 2012 bis 2050 Öffentliche Liegenschaften: Energetische Gebäudesanierung und Mitarbeiterfortbildungen Stadt Flensburg, GMSH, Krankenhäuser Halten des Status Quo beim Strombe- darf 25-35 % des Fern- wärmebedarfs 2012 bis 2050 Individualverkehr: Umsetzung des Rahmenkonzeptes zu Radverkehrsförderung Stadt Flensburg (Radver- kehrskoordinator), TBZ Steigerung des Rad- verkehrsanteils am Modal Split auf 25 % aller Wege (innerorts) ab 2012 Individualverkehr: Betrieb eines Car-Sharing Angebo- tes Stadt Flensburg, Privat- personen, Unternehmen Vermeidung von Autofahrten aus Gewohnheit oder wg. sinkender Kosten bei höherer Fahrleis- tung 2012 bis 2050 Individualverkehr: Elektro-Autos mit Strom aus erneuer- baren Energien Alle Flensburger, SWFL, evtl. FFG Ca. 73.000 t CO2/a 62 % des Energiebe- darfs ab 2020 Schlussfolgerungen 7 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ÖPNV: Umsetzung des Offensivszenarios aus dem Regionalen Nahverkehrsplan (RNVP) Stadt Flensburg, Ver- kehrsbetriebe Verdopplung des ÖPNV-Anteils am Modal Split (inner- orts) 2012 bis 2050 ÖPNV: Einführung von Oberleitungen Fördermittel Bund/Land Ca. 3.000 t CO2/a 2012 bis 2020 Umsetzungsstrategien: Monitoring und Controlling inkl. Be- richtssystem. Halten von Vorträgen und Ausbil- dung von Klimaschutz-Botschaftern Alle Notwendigkeit zur Erreichung der Ziele 2012 bis 2050 Öffentlichkeitsarbeit: Fortsetzung der bisherigen Arbeiten des Klimapaktes und Einführung eines Stadtmarketing für CO2- Neutralität Klimapakt Flensburg und Stadt Flensburg Notwendigkeit zur Einbindung aller Flensburger 2012 bis 2050 1.7 Schlussfolgerungen Das vorliegende integrierte Klimaschutzkonzept zeigt einen gangbaren Weg, um das Ziel der CO2-Neutralität Flensburgs bis zum Jahr 2050 zu erreichen. Die Ergebnisse der Be- standsaufnahme und des Business-As-Usual-Szenarios zeigen eindrucksvoll, dass die jährli- chen CO2-Emissionen Flensburgs in Höhe von einer Million Tonnen CO2 sich bis zum Jahr 2050 kaum reduzieren, wenn keine zusätzlichen Maßnahmen beim Klimaschutz umgesetzt werden. Das nun vorliegende integrierte Klimaschutzkonzept zeigt für die einzelnen Sekto- ren akteursspezifisch, wann und in welchem Umfang gehandelt werden muss, um das Ziel der CO2-Neutralität zu erreichen. Durch die partizipative Entwicklung der vorgestellten Maßnahmen in insgesamt 16 Workshops wurde die erste Voraussetzung für eine Umset- zung der Maßnahmen geschaffen. Doch nur wenn sich alle Flensburger aktiv im Klima- schutz engagieren, kann das Gesamtprojekt erfolgreich sein. Nur dann kann Flensburg eine neue Identität als CO2-neutraler Klimaschutzstandort entwickeln, mit Vorbildfunktion für die Region und darüber hinaus. 8 Aufbau des Dokuments INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 2 AUFBAU DES DOKUMENTS Der vorliegende Bericht untergliedert sich in neun Teilbereiche. Nach der Einleitung in die Thematik wird in Kapitel 3 das methodische Vorgehen zur Erstellung des integrierten Klima- schutzkonzeptes für Flensburg erläutert. Es wird darauf eingegangen, welche Daten für die Analyse zur Verfügung standen und welcher Bilanzierungsraum gewählt wurde. Weiterhin erfolgt die Definition des Begriffs CO2-Neutralität und die Beschreibung des methodischen Vorgehens bei der Entwicklung des Weges zur CO2-Neutralität. Kapitel 4 erläutert die durch den Klimapakt Flensburg finanzierten Vorarbeiten zur Erstel- lung des integrierten Klimaschutzkonzeptes. So wurde bereits im Jahr 2009 eine detaillierte Bestandsaufnahme des Energieverbrauches und der CO2-Emissionen in Flensburg durch- geführt. Ebenfalls wurde die Frage beantwortet, wie sich die CO2-Emissionen in Flensburg bis zum Jahr 2050 ohne die Durchführung zusätzlicher Klimaschutzmaßnahmen entwickeln würden. Es handelt sich um eine Trendfortschreibung, die als Business-As-Usual-Szenario (BAU) bezeichnet wird. Aufbauend auf den Ergebnissen der Bestandsaufnahme und Trendfortschreibung werden im Kapitel 6 die im Rahmen von 16 Workshops partizipativ erarbeiteten Maßnahmen zur Erreichung der CO2-Neutralität im Jahr 2050 vorgestellt, nachdem in Kapitel 5 grundsätzli- che Ergebnisse der Workshops dargestellt werden. Die erarbeiteten Maßnahmen werden im Rahmen dieses Berichts zusammengefasst vorgestellt. Um einen detaillierten Einblick in den jeweiligen thematischen Bereich zu bekommen und weitere Informationen zu den definierten Maßnahmen und deren Hintergründe zu erhalten, wird auf die umfassende Onlineversion des Gutachtens verwiesen. Es enthält die ausführlichen, mit den Teilnehmern abgestimmten Dokumentationen der Workshops. Die Dokumentationen zeigen die defi- nierten Maßnahmen vor dem Hintergrund der Einschätzungen und Erfahrungen der Work- shopteilnehmer. Die Maßnahmen des integrierten Klimaschutzkonzepts sind immer in die- sem Gesamtzusammenhang zu sehen. Um den Stellenwert dieses Gesamtzusammen- hangs nicht zu schmälern, wurde auf eine davon losgelöste Katalogisierung der einzelnen Maßnahmen bewusst verzichtet. Die in den Dokumentationen verwendeten Quellen sind jeweils am Ende der Dokumentation aufgeführt, um einen schnellen Zugriff zu ermögli- chen. Die Frage, wie und ob die Ziele für Flensburg tatsächlich bereichsübergreifend verwirklicht werden können, ist Gegenstand des Kapitels 7. Es wird aufgezeigt, wie die in den Einzel- Workshops erarbeiteten Teilergebnisse zu einem integrierten Gesamtkonzept zusammen- gefügt werden können. Neben der Darstellung des gesamten Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 werden die nächsten Schritte für eine erfolgreiche Um- setzung aufgezeigt. Dazu zählen das Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit, mögliche weite- re Förderprogramme und das langfristig angelegte Monitoring und Controlling inklusive eines einheitlichen Berichtssystems. Anschließend werden die erwarteten ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen bei der Umsetzung der Maßnahmen des Klima- schutzkonzepts diskutiert. Methodik 9 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 3 METHODIK Im Jahr 2008 wurde auf Initiative des Klimapakts bereits vor der Erstellung eines integrierten Klimaschutzkonzepts für Flensburg eine Bestandsaufnahme des Flensburgers Energiever- brauchs und der CO2-Emissionen („Status Quo“) durchgeführt. Ebenfalls wurde ein soge- nanntes Business-As-Usual-Szenario („BAU“) für Flensburg erstellt. Hierbei handelt es sich um eine Trendfortschreibung der aktuellen Entwicklung im Energiebereich. Mit Hilfe des Busi- ness-As-Usual-Szenarios wurde ermittelt, wie viel CO2 bis zum Jahr 2050 durch Flensburger Aktivitäten in die Erdatmosphäre emittiert wird, wenn keine zusätzlichen Maßnahmen im Bereich des Klimaschutzes durchgeführt werden. Nach Abschluss der beiden Studien fiel im Oktober 2010 der Startschuss für die Arbeiten am integrierten Klimaschutzkonzept für den Zeitraum von einem Jahr. Maßnahmen zum Schutz des Klimas wurden in dieser Phase unter der Prämisse betrachtet, dass sie in der direkt anschließenden Umsetzungsphase mit einer hohen Wahrscheinlichkeit umgesetzt werden. Der Ablauf des gesamten Prozesses ist in der folgenden Abbildung dargestellt. ABBILDUNG 3: DER WEG ZUR CO2-NEUTRALITÄT IN FLENSBURG Wichtigster Dreh- und Angelpunkt bei der Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes war die Einbindung der in Flensburg ansässigen Unternehmen, Institutionen, Organisatio- nen und der Flensburger Bürger. Neben vielen Einzelgesprächen und Informationsveran- stalten lag der Fokus auf der Durchführung von insgesamt 16 thematisch unterschiedlichen Workshops. In den Workshops wurde mit den Teilnehmern erarbeitet, wie die CO2-Neutralität des je- weiligen Sektors erreicht werden könnte. Zur Visualisierung der Einsparpotentiale verschie- dener Maßnahmen gegenüber einer Entwicklung ohne Klimaschutzanstrengungen und zur Verdeutlichung der Konsequenzen wurden diverse Tools und Berechnungsmodelle er- arbeitet. Die resultierende Entwicklung der Emissionen bis zum Jahr 2050 konnte so für die Workshop-Teilnehmer anschaulich dargestellt werden. Die gemeinsame Entwicklung des Zielpfades trug erheblich zur Transparenz und Motivation bei und ist die Grundlage für das Monitoring- und Controlling-Konzept. 2008 2009 2010 2011 2012 Gründung Klimapakt Flensburg e.V. Bestandsaufnahme – Energie- und CO2-Bilanz Business As Usual Szenario Integriertes Klimaschutzkonzept Beginn der Umsetzungsphase 2020 2050 Reduktion der Emissionen um 30 % (1990) 10 Methodik INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Bei der Konzepterstellung musste stets der lange Zeitraum bis zum Jahr 2050 von nahezu 40 Jahren berücksichtigt werden. Die Betrachtung eines Zeitraumes von ein bis zwei Genera- tionen erfordert die Verwendung besonderer Methoden, wie z. B. des sogenannten Back- casting. In Abbildung 4 und Abbildung 5 ist eine Gegenüberstellung heute üblicher Politi- ken und dem Backcasting-Verfahren zu sehen. Es zeigt die Schwierigkeit auf, dass aktuelle Politiken vor allem kurzfristige Ziele verfolgen, dementsprechend nur für kurzfristige Zeiträu- me planen und damit den derzeitigen Trend als gegeben hinnehmen. Zum Erreichen lang- fristiger Ziele, vor allem im Bereich des nachhaltigen Klimaschutzes, kann dieses Vorgehen kontraproduktiv sein. Erforderlich ist vielmehr ein generelles Umdenken. ABBILDUNG 4: BISHERIGE KURZFRISTIGE POLITIKEN ABBILDUNG 5: LANGFRISTIGE DENKWEISE BEIM BACKCASTING Beim Backcasting wird eine wünschenswerte Zukunft definiert und daraus auf die Erforder- nisse zum Erreichen der Ziele geschlossen. Für die Durchführung der Workshops bedeutete dies, dass von den beteiligten Akteuren zuerst das Ziel der CO2-Neutralität bis zum Jahr 2050 angenommen werden musste. Dann wurde zusammen mit allen Teilnehmern disku- tiert, welche Maßnahmen im Jahr 2012 durchgeführt werden müssen, um die Zielsetzung im Jahr 2050 zu erreichen. Nur wenn verstanden wird, dass das heutige Handeln den Pfad zur CO2-Neutralität ebnen oder aber auch verbauen kann, lassen sich die einzelnen Zwi- schenschritte definieren. 3.1 Datenerhebung Die Qualität eines Klimaschutzkonzeptes hängt neben der Einbindung verschiedener Ak- teure vor allem von der Datenlage ab. Nur wenn im Rahmen einer ausführlichen Be- 2010 205020302020 2040 Bisherige Politiken 2010 205020302020 2040 Backcasting Systematik der Bilanzierung 11 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG standsanalyse die Verbrauchsstrukturen weitestgehend ermittelt werden, können im Kli- maschutzkonzept gezielt Maßnahmen erarbeitet werden. Für Flensburg wurde daher bei der Datenerhebung und -fortschreibung nach folgender Reihenfolge vorgegangen: Identifikation möglicher Datenquellen für spezifische Flensburger Daten Falls keine Flensburger Daten verfügbar waren, wurden Daten für Schleswig-Holstein verwendet und ggf. an die städtische Situation angepasst (z. B. Berücksichtigung des geringeren Stellenwerts der Landwirtschaft bzgl. Fläche, Wertschöpfung etc.). Falls keine Daten für Schleswig-Holstein verfügbar waren, wurden bundesweite Daten verwendet und ggf. an die Flensburger Situation angepasst (z. B. Berücksichtigung des hohen Anschlussgrads an das Fernwärmenetz). Für bestimmte wichtige Parameter, wie etwa die Energiepreise, wurde eine umfangreiche Literaturrecherche durchgeführt, um eine weite Bandbreite von Einschätzungen abzubil- den. Es wurden jeweils gemäßigte Szenarien gewählt, die in ihrer Entwicklung zwischen den identifizierten Extremwerten liegen. Damit sollte vermieden werden, zu optimistische Annahmen zu treffen. 3.2 Systematik der Bilanzierung 3.2.1 Systemgrenzen / Bilanzraum Als Bilanzierungsraum wurde Flensburg innerhalb der Stadtgrenzen gewählt. Dies umfasst 13 Stadtteile mit einer Einwohnerzahl von 86.630 Personen (Stand 2006). Die Abgrenzung ist in Abbildung 6 (S. 12) durch eine grüne Linie dargestellt. Die betrachtete Fläche umfasst 5.674 ha. Rot hinterlegt sind die Wohngebiete mit insgesamt 47.681 Wohneinheiten (Stand 2006). In Kooperation mit der Stadt Flensburg erschlossene Gewerbegebiete umliegender Ge- meinden außerhalb der Flensburger Stadtgrenze werden nicht in die Betrachtung einbe- zogen. 12 Systematik der Bilanzierung INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 6: BILANZGRENZE FÜR DAS KLIMASCHUTZKONZEPT 3.2.2 Zurechnungsprinzipien Wie bei jeder Festlegung von Systemgrenzen gilt auch für die Erstellung kommunaler Treib- hausgasbilanzen, „dass es keine objektive und einzig richtige Methode [für die Bilanzie- rung] gibt“ [Fischer/Kallen 1997, S. 90]. Für die Zuordnung klimarelevanter Emissionen zu einem Stadtgebiet sind verschiedene Prinzipien denkbar: Territorialprinzip: In die Bilanz gehen nur diejenigen Emissionen ein, die im jeweiligen Gebiet direkt freigesetzt werden. ABBILDUNG 7: TERRITORIALPRINZIP Industrie FL FL-XX-666 KI-TE-666 Haushalte Industrie extern FLHH FL-EN-500 EVU extern EVU lokal Systematik der Bilanzierung 13 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Dieses Prinzip findet für viele Schadstoffe Anwendung. Es ist jedoch für die Betrach- tung von Treibhausgasemissionen in einem Stadtgebiet nicht sinnvoll, da diese glo- bal wirksam sind und lokale Konzentrationen für Umwelt und Gesundheit nicht rele- vant sind. Bei der Verwendung dieses Prinzips in kommunalen Treibhausgasbilanzen würde die anteilige Verantwortlichkeit für den Klimawandel z. B. in Gemeinden oh- ne eigene Stromerzeugung systematisch unterbewertet, während industrielle Bal- lungsräume einen überproportionalen Anteil zugeordnet bekämen [vgl. Fi- scher/Kallen 1997, S. 93]. Inländerprinzip: Da jeder Produktionsprozess auf die Nachfrage von Konsumenten zurückgeführt werden kann, könnten theoretisch jedem Konsumenten innerhalb ei- nes Stadtgebiets die entsprechenden in der Produktion freigesetzten Treibhausgase zugeordnet werden. Damit würde die Verantwortlichkeit der Stadtbewohner für den anthropogenen Klimawandel anteilig abgebildet. Die folgende Abbildung stellt das Inländerprinzip schematisch dar. ABBILDUNG 8: INLÄNDERPRINZIP Inlandsprinzip: Dem betrachteten Gebiet werden diejenigen Emissionen angelas- tet, die durch dortige Aktivitäten induziert werden, unabhängig davon, wo die Emissionen entstehen. Zum Beispiel werden einer Gemeinde, die ohne eigene Stromerzeugung Aluminium produziert, über einen entsprechenden Emissionsfaktor für Strom die durch ihre Produktion induzierten Emissionen in einem Kraftwerk außer- halb der Bilanzgrenze zugeordnet. Nach diesem Prinzip werden die Emissionen für die Herstellung aller Güter mit in die Bilanz einbezogen, die innerhalb der Stadtgren- zen hergestellt werden. Im Gegensatz zum Inländerprinzip erfolgt diese Einbezie- hung unabhängig davon, ob sie durch die eigenen Bürger nachgefragt oder aber exportiert werden. Die schematische Darstellung des Inlandsprinzips ist Abbildung 9 (S. 14) zu entnehmen. Industrie FL FL-XX-666 KI-TE-666 Haushalte Industrie extern FLHH FL-EN-500 EVU extern EVU lokal 14 Systematik der Bilanzierung INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 9: INLANDSPRINZIP Bei der Entscheidung für ein Bilanzierungsprinzip im vorliegenden Gutachten wurden die folgenden Überlegungen angestellt: Das Inländerprinzip entspricht dem Ansatz des Klimapakt Flensburg e.V., sich der lokalen Verantwortung für den anthropogenen Klimawandel zu stellen. Um es anwenden zu kön- nen, ist eine genaue Kenntnis der nachgefragten Produkte im Bilanzierungsraum und der zugrundeliegenden Prozessketten notwendig. Mit dem Computermodell GEMIS (Globales Emissions-Modell Integrierter Systeme) wird seit 1989 eine Datenbank zur ganzheitlichen Bilanzierung von Umwelt- und Kostenaspekten im Energie-, Stoff- und Verkehrssektor betrieben und kontinuierlich weiterentwickelt [vgl. z. B. Fritsche/Schmidt 2007, S. 1 ff.]. Damit liegen die nötigen Informationen über zugrundelie- gende Prozessketten vor, die in entsprechenden Emissionsfaktoren je produzierter Einheit dargestellt werden können. Bei der Datenverfügbarkeit für nachgefragte Produkte im Bilanzierungsraum muss zwi- schen Energieträgern und sonstigen Konsumgütern unterschieden werden. Für Strom und Fernwärme liegen trennscharfe und jeweils aktuelle Verbrauchsmengen für den Bilanz- raum vor. Auch die verbrauchte Kraftstoffmenge kann über die Zahl der gemeldeten Fahrzeuge im Bilanzraum hinreichend genau geschätzt und gemäß dem Inländerprinzip auf die Stadtbewohner bezogen werden. Für sonstige Konsumgüter liegt jedoch keine Verbrauchsstatistik auf kommunaler Ebene vor, während ein bundesweiter Durchschnitts- wert [vgl. Mayer/Flachmann 2009, S. 1112 ff.] dem Anspruch einer Stadtgebiets-Bilanz nicht gerecht würde. Eine eigene Erhebung für Flensburg ist mit vertretbarem Aufwand nicht umsetzbar. Entsprechend dieser Überlegungen wird im vorliegenden Gutachten das Inländerprinzip für alle Energieträger angewandt. Grundlage der Bilanzierung ist damit die Energienach- frage aller in Flensburg gemeldeten Personen und Unternehmen. Der Energienachfrage Industrie FL FL-XX-666 KI-TE-666 Haushalte Industrie extern FL-EN-500 EVU extern EVU lokal FLHH Systematik der Bilanzierung 15 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG werden alle Emissionen zugeordnet, die bei der Bereitstellung und Nutzung von Kraftstof- fen, Wärme und Strom aus verschiedenen Energiequellen entstehen. Die hierfür verwen- deten Emissionsfaktoren werden in Abschnitt 3.4 (S. 19) vorgestellt. Alle sonstigen im Bilanzierungsraum nachgefragten Konsumgüter fließen nicht mit in die Emissionsbilanz ein. Stattdessen wird über die Einbeziehung aller nachgefragten Energie- träger in die Treibhausgasbilanz der Energiebedarf für die Herstellung aller Produkte in Flensburg mit in die Bilanz einbezogen, unabhängig davon, ob sie durch Flensburger Bür- ger nachgefragt oder aber exportiert werden. Eine Berücksichtigung der nachgefragten Konsumgüter bei gleichzeitiger Zählung aller eingesetzten Energieträger hätte somit eine systematisch nicht gerechtfertigte Doppelbelastung Flensburgs zur Folge. Damit wird für alle sonstigen im Bilanzierungsraum nachgefragten Konsumgüter das Inlandsprinzip an- gewandt. Die folgende Abbildung stellt die im Rahmen der Konzepterstellung angewand- te Bilanzierung schematisch dar. ABBILDUNG 10: BILANZIERUNG IM RAHMEN DER KONZEPTERSTELLUNG 3.2.3 Betrachtete Treibhausgase Der anthropogene Klimawandel ist auf verschiedene klimarelevante Treibhausgase zu- rückzuführen. Das bekannteste ist das Kohlendioxid (CO2), welches v. a. bei der Verbren- nung fossiler Energieträger freigesetzt wird. Methan (CH4), Lachgas (N2O), Schwefelhexaf- luorid (SF6) sowie teil- und vollfluorierte Kohlenwasserstoffe (HFC / PFC) tragen ebenfalls zum Klimawandel bei. Das Treibhauspotential dieser weiteren Gase wird relativ zur mittle- ren Erwärmungswirkung von CO2 als CO2-Äquivalente (CO2eq) angegeben, um die Kli- maschädlichkeit der Gase vergleichbar zu machen. Im vorliegenden Bericht wurden stets die Emissionen in CO2eq berechnet. Zur Verbesserung der Lesbarkeit wird jedoch einheitlich die Schreibweise CO2 statt CO2eq verwendet. Der Beitrag der einzelnen Gase zum Klimawandel variiert mit den regional und strukturell unterschiedlichen Gegebenheiten. Im Jahr 2008 waren 87 % der in Deutschland verur- sachten Treibhauswirkung auf den Ausstoß von Kohlendioxid zurückzuführen [UBA 2010]. Industrie FL FL-XX-666 KI-TE-666 Haushalte Industrie extern FLHH FL-EN-500 EVU extern EVU lokal CO2-Intensität wie Stadtwerke FL 16 Systematik der Bilanzierung INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Damit ist Kohlendioxid das wichtigste Treibhausgas in Deutschland, gefolgt von Lachgas mit 5,6 % und Methan mit 4,5 % der Treibhauswirkung. Auch der Anteil der Quellkategorien an den Treibhausgasemissionen differiert zwischen unterschiedlichen Regionen und Ländern. Für Deutschland galt im Jahr 2008, dass knapp 81 % der klimawirksamen Emissionen der Energienutzung und ihren Vorketten zuzuordnen waren [UBA 2010]. Weitere 11 % der Treibhausgase wurden durch nicht-energetische Nut- zung in Industrieprozessen verursacht (Eisen- und Stahlproduktion, Herstellung von minerali- schen Produkten wie Zement, chemische Industrie), die in Flensburg derzeit keine Rolle spielen. Der landwirtschaftliche Sektor zeichnet bundesweit für ca. 7 % der Treibhaus- gasemissionen verantwortlich: bei der Düngung und Bewirtschaftung von Äckern werden N2O und CH4 freigesetzt, bei der Viehzucht CH4 [vgl. UBA 2009, S. 358; UBA 2010]. Im Flens- burger Stadtgebiet spielt der Landwirtschaftssektor im Vergleich zum Bundesdurchschnitt eine untergeordnete Rolle. Reine Viehhaltungsbetriebe mit hoher CH4-Intensität gibt es in Flensburg nicht, und die bewirtschaftete Fläche im Stadtgebiet beläuft sich auf 529 ha [Statistikamt Nord 2005, S. 18/19]. Damit liegt sie mit einem Anteil von 9 % deutlich unter dem Bundesschnitt von ca. 47 % [BMELV 2010, S. 3]. Der Anteil energiebedingter Emissionen an allen Treibhausgasemissionen ist in Flensburg also deutlich höher als im Bundesdurchschnitt. Daher ist die Erstellung der Energiebilanz der wichtigste Schritt zur Erfassung des Status Quo der Treibhausgasemissionen in Flens- burg. Beim jährlichen Monitoring und Controlling muss beachtet werden, ob sich die Un- ternehmensstruktur dahingehend ändert, dass nichtenergetische Emissionen größere Be- deutung erlangen und somit in der Bilanz berücksichtigt werden müssten. 3.2.4 Aufteilung der Sektoren Der Energieverbrauch – und damit die Treibhausgasemissionen – Flensburgs können den folgenden vier Sektoren zugeordnet werden, die der Aufteilung der AG Energiebilanzen entspricht [AG Energiebilanzen 2009]: Haushalte: Dem Haushaltssektor werden alle Energieverbräuche privater Natur zu- geordnet. Eine Ausnahme bildet der Kraftstoffverbrauch privater Fahrzeuge, der dem Verkehrssektor zugerechnet wird. In Flensburg sind 98 % der Haushalte an das Fernwärmenetz angeschlossen, so dass Brennstoffe für die Wärmeerzeugung vor Ort eine untergeordnete Rolle spielen. Industrie: Der Industriesektor beinhaltet nach Definition des Statistischen Bundes- amts die Unternehmenszweige Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden sowie das verarbeitende Gewerbe mit mehr als 20 Mitarbeitern. Innerhalb Schleswig- Holsteins wird z. T. von dieser Beschäftigungsgrenze als Zuordnungskriterium abge- wichen. Für Flensburg wurde daher eine eigene Zuordnung vorgenommen [s. Hohmeyer et al. 2010, S. 42 ff.]. Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD): Der Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleis- tungen ist äußerst heterogen und umfasst alle Bereiche, die nicht durch den Haus- Systematik der Bilanzierung 17 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG halts-, Verkehrs- und Industriesektor abgedeckt sind. So beinhaltet er die öffentli- chen Gebäude einschließlich der Krankenhäuser, den Handel, das Handwerk, den Einzel- und Großhandel, die Landwirtschaft, den Bereich der Dienstleistungen und des Gewerbes. Im Flensburger Stadtgebiet gibt es keine landwirtschaftlichen Be- triebe, weshalb dieser Bereich nicht in die Betrachtung einbezogen wird. Verkehr: Der Verkehrssektor umfasst den motorisierten Individualverkehr (MIV), den öffentlichen Personenverkehr (ÖPV) sowie den Gütertransport. Der hier betrachtete ÖPV unterteilt sich in lokale (ÖPNV) und regionale Angebote. Der Energiebedarf der überregionalen Angebote des ÖPV (Flüge, Fernverkehrszüge) wurde nicht in die Klimabilanz einbezogen, da keine Daten zur Nutzung dieser Angebote durch Flensburger Bürger vorhanden sind. Der Energiebedarf dieses Sektors wird daher im Wesentlichen durch den direkten Kraftstoffeinsatz im MIV gedeckt, mit einem ge- ringen Anteil an Bahnstrom. Es erfolgt keine Aufteilung in privaten und gewerblichen Verkehr. 3.2.5 Das Konzept des Endenergieverbrauchs Im vorliegenden Bericht wird der allgemein gebräuchliche Begriff „Energieverbrauch“ für den Vorgang der Entwertung von Energie durch die Abnahme von Exergie (= nutzbarer Energie) verwendet. Es wird zwischen Primär-, Sekundär-, End- und Nutzenergie unterschieden. Primärenergie bezieht sich auf den Heizwert der eingesetzten Energieträger, wie sie in der Natur vor- kommen, z. B. Kohle oder Erdöl. Zur Bereitstellung von Sekundärenergieträgern wurde be- reits eine Umwandlung vollzogen. Ein Sekundärenergieträger ist z. B. Strom ab Generator. Als Endenergie wird derjenige Anteil der Primärenergie bezeichnet, der dem Verbraucher zur energetischen Nutzung zur Verfügung steht, z. B. Strom nach Durchleitung durch das Netz zum Endverbraucher oder Dieselkraftstoff an der Tankstelle. Die Nutzenergie ist dieje- nige Energie, die der Energieabnehmer für seine Aufgabe benötigt. Dies ist z. B. mechani- sche Energie, Wärme oder Licht. Das Verhältnis zwischen den Größen wird durch Wir- kungsgrade, Umwandlungs- und Übertragungsverluste bestimmt. Mit Ausnahme von Biomasse kann den erneuerbaren Energieträgern kein Heizwert zuge- ordnet werden, so dass das Konzept des Primärenergieverbrauchs hierbei nachrangig ist [vgl. AG Energiebilanzen 2008, S. 9]. Erneuerbare Energien spielen im Klimaschutzkonzept für die in Flensburg bis zum Jahr 2050 angestrebte CO2-Neutralität eine entscheidende Rolle. Zur Bestimmung der hierfür benötigten installierten Leistung muss der Endenergiever- brauch bekannt sein. Daher bezieht sich das vorliegende Gutachten auf die Endenergie- bilanz für die Energieträger Strom, Wärme und Kraftstoffe. 18 Definition CO2-Neutralität INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 3.3 Definition CO 2-Neutralität Der Klimapakt Flensburg e.V. und die Stadt Flensburg wollen im Jahr 2050 CO2-Neutralität erreichen, mit dem Zwischenziel der Emissionsreduktion um 30 % gegenüber 1990 bis zum Jahr 2020. Für die Flensburger CO2-Bilanz werden sowohl direkte als auch indirekte Emissionen erfasst. Direkte Emissionen entstehen bei der Nutzung eines Energieträgers und werden durch den Kohlenstoffgehalt des Energieträgers bestimmt. Indirekte Emissionen entstehen bei der Be- reitstellung und werden durch die Prozesse und Energieintensitäten der Vorkette (Förde- rung, Erstaufbereitung und Transport der Energieträger) bestimmt. ABBILDUNG 11: VERDEUTLICHUNG DES KOHLENSTOFFKREISLAUFES Bei der Betrachtung der CO2-Emissionen ist außerdem zwischen Netto- und Brutto- Emissionen zu unterscheiden. Die vorherige Abbildung stellt den Kohlenstoff-Kreislauf dar. Bei der Verbrennung von Holz in einem Kraftwerk wird nur genauso viel CO2 emittiert, wie die Bäume durch die Photosynthese aus der Atmosphäre gebunden haben. Trotz Brutto- Emissionen beim Kraftwerk wird durch den geschlossenen Kreislauf die CO2-Neutralität er- reicht. Werden im Gegensatz hierzu fossile Energieträger zur Erzeugung von Strom und Wärme eingesetzt, so wird die CO2-Konzentration in der Atmosphäre erhöht. Für Flensburg wurden die folgenden drei Punkte zum Erreichen der CO2-Neutralität festge- legt: Reduzierung der direkten Emissionen der Flensburger Bürger und Unternehmen um 100 % Indirekte Emissionen weitestgehend vermeiden Parameter außerhalb Flensburgs sollen durch proaktives Handeln beeinflusst wer- den, z. B. durch die gezielte Nachfrage nach klimaneutraler Logistik für die benötig- ten Güter, durch die Nachhaltigkeitskontrolle der eingesetzten Brennstoffe, und durch gemeinsame politische Stellungnahmen der Klimapakt-Mitglieder Die Kompensation von CO2-Emissionen durch CO2-Vermeidung an anderer Stelle ist in Flensburg nur für Bereiche vorgesehen, die von den Flensburger Akteuren nicht direkt be- CO2 CO2 CO2 CO2 CO2 Bestandsaufnahme 19 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG einflusst werden können, wie z. B. der Güter-, Schienen- oder Flugverkehr. Sie ist nicht Ge- genstand des vorliegenden Konzepts. 3.4 Bestandsaufnahme Der erste Schritt zur Ermittlung der in Flensburg emittierten klimarelevanten Treibhausgase war die Erstellung einer Energiebilanz. Dazu wurden Verbrauchs- und Erzeugungsdaten für den Zeitraum von 1990 bis 2006 erhoben. Für die Erstellung des integrierten Klimaschutz- konzeptes wurden diese Daten auf das Jahr 2009 aktualisiert. Für die Erstellung der Energiebilanz wurde die Datenlage auf Erzeuger- und Verbraucher- seite untersucht. Für die Fortschreibung der Bilanz konnten wichtige Datenquellen identifi- ziert und nach Detaillierungsgrad, Aktualisierungsintervallen und Genauigkeit eingeordnet werden. Auch Datenlücken und entsprechende mögliche Näherungswerte über amtliche Statistiken, Schätzungen und Bundesdurchschnitte wurden analysiert. Auf Erzeugerseite liegen für die Strom- und Raumwärmebereitstellung genaue Daten vor. Die Stadtwerke Flensburg GmbH liefert die wichtigste Datenquelle für die Erstellung und Fortschreibung der Flensburger Energiebilanz in den Bereichen Strom und Fernwärme. Die notwendige Aufteilung der bereitgestellten Energiemengen nach Verbrauchssektoren musste über den Abgleich mit amtlichen Verbrauchsstatistiken [Statistikamt Nord, 2009] und eigenen verbrauchsseitigen Erhebungen erfolgen. Für den Bereich der Prozesswärme musste auf amtliche Verbrauchsstatistiken für Flensburg [Statistikamt Nord, 2009] zurückgegriffen werden. Diese konnten z. T. über eigene verbrau- cherseitige Erhebungen wichtigen Großverbrauchern zugeordnet werden [vgl. Hohmeyer et al. 2010, S. 37 ff.]. Für den Bereich des Kraftstoffverbrauchs lag die Zahl der in Flensburg gemeldeten Fahr- zeuge vor [Stadt Flensburg, 2001, S. 153; Statistikamt Nord, 2006]. Bei den Angaben für Fahrleistungen je Fahrzeug und Verbrauch je Kilometer wurde auf bundesweite Durch- schnittswerte zurückgegriffen, die in regelmäßigen Zeitabständen aktualisiert werden [Ma- yer/Flachmann 2009, S. 1112; BMVBS 2009 a, S. 152/286]. 3.5 Trendfortschreibung Die Erstellung eines Business-As-Usual-Szenarios (BAU) diente zur Abschätzung der CO2- Emissionen im Jahr 2050, wenn keine zusätzlichen Maßnahmen im Bereich des Klimaschut- zes umgesetzt werden würden. Das heißt, es wurden nur bereits bestehende bzw. be- schlossene Politikvorgaben berücksichtigt. Im Szenario wurde angenommen, dass diese Vorgaben vollständig umgesetzt werden – auch wenn dies z. T. eine Trendumkehr bedeu- tet, die in der Vergangenheit nicht erreicht wurde. 20 Entwicklung des Weges zur CO2-Neutralität INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Das BAU-Szenario diente ebenfalls zur Identifikation der wichtigsten Einflussfaktoren auf die künftige Entwicklung des Flensburger Energieverbrauches und der CO2-Emissionen. Die hier getroffenen Annahmen, die mit den Mitgliedern des Klimapaktes Flensburg im Detail abgestimmt wurden, sind in die Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes mit einge- flossen. 3.6 Entwicklung des Weges zur CO 2-Neutralität Die Entwicklung des integrierten Klimaschutzkonzepts begann im Oktober 2010 und er- streckte sich über einen Zeitraum von 12 Monaten. Die gewählte Methodik ist in den fol- genden Abschnitten beschrieben. 3.6.1 Partizipativer Ansatz Um von Anfang an den Rückhalt in der Bevölkerung sowie der ansässigen Unternehmen und Institutionen zu sichern, wurde bei der Entwicklung des Klimaschutzkonzeptes beson- derer Wert auf die Einbindung aller Akteursgruppen gelegt. In Workshops und Arbeitsgrup- pen wurden gemeinsam die Eckpunkte für einen allseits anerkannten Weg zu einem kli- maneutralen Flensburg erarbeitet. Das „Überstülpen“ eines extern entwickelten Plans ohne die Einbindung der Bevölkerung oder anderer wichtiger gesellschaftlicher Akteure kann nicht der Sinn eines Klimaschutzkonzepts sein, bei dem jeder Bürger mit in die Verantwor- tung genommen werden muss. Ein Konzept, das die Bürger und anderen Akteure nicht mitnimmt, müsste angesichts des Ausmaßes der Aufgabe scheitern. In insgesamt 16 Workshops wurden lokale Experten, Entscheidungsträger und Bürger daran beteiligt, für die jeweiligen Sektoren detaillierte und abgestimmte Maßnahmenkataloge zu erstellen. In diesem Zuge ergab sich häufig ein Erfahrungsaustausch oder eine Netzwerk- bildung zwischen den Akteuren, die durch die Arbeit der Universität Flensburg koordiniert und begleitet wurden. In Abbildung 12 (S. 21) sind die durchgeführten Workshops darge- stellt. Trotz der unterschiedlichen Thematiken ist allen Workshops gemeinsam, dass es sich um Bereiche handelt, die direkt von den Flensburger Akteuren beeinflusst werden können. Entwicklung des Weges zur CO2-Neutralität 21 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ABBILDUNG 12: IM RAHMEN DER KONZEPTERSTELLUNG DURCHGEFÜHRTE WORKSHOPS 3.6.2 Phasen der Konzeptentwicklung Abbildung 13 (S. 22) gibt einen schematischen Überblick über die wichtigsten Phasen der Konzeptentwicklung und zeigt die Aufgaben der Universität Flensburg in diesem Prozess. Zu Beginn des Projekts wurden über 30 Klimaschutzkonzepte und -vorhaben anderer Kommunen auf möglicherweise geeignete Maßnahmen hin gesichtet. Von ca. 1.000 re- cherchierten Maßnahmen wurden 300 Maßnahmen als grundsätzlich für Flensburg geeig- net identifiziert. Dabei fiel auf, dass sich ein Großteil der Maßnahmen anderer kommunaler Klimaschutzkonzepte auf die Stadtverwaltung bezog, während der Schwerpunkt in Flens- burg auf der direkten Einbeziehung von ansässigen Unternehmen und der Flensburger Bürger liegen sollte. Weitere Besonderheiten Flensburgs, wie z. B. die Topographie und die geographische Lage direkt an der Grenze, mussten bei der Maßnahmenauswahl ebenfalls berücksichtigt werden. Zudem wurden Vorgespräche mit wichtigen Akteuren geführt und ausgelotet, welche Maßnahmen und Netzwerke es in Flensburg bereits gibt. In insgesamt 16 Workshops wurde zusammen mit Experten aus den Flensburger Unterneh- men und Institutionen abgestimmt, welche Maßnahmen umsetzbar sind und welchen Bei- trag sie zum Klimaschutz leisten können. Dabei konnte auf das Know-How und die Erfah- rungen der Experten zurückgegriffen werden, um die für Flensburg spezifisch besten Lö- sungen zu erarbeiten. Durch die Einbindung von Experten und der Öffentlichkeit wurde der Praxisbezug des Pro- jekts sichergestellt, um günstige Voraussetzungen für eine spätere Umsetzung der Maß- 22 Entwicklung des Weges zur CO2-Neutralität INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg nahmen zu schaffen: die nachhaltige Unterstützung und die langfristige Motivation aller Beteiligten. Die Auswertungen und Dokumentationen der Workshopergebnisse standen den Workshopteilnehmern vor der Veröffentlichung für Kommentare und Ergänzungen zur Verfügung, sie sind in diesem Bericht in Kapitel 9 „Anhang: Workshop-Dokumentationen“ nachzulesen. Somit können die erarbeiteten Maßnahmen in den Kontext der Einschätzun- gen und Erfahrungen der Workshopteilnehmer eingeordnet werden. Um den Stellenwert dieses Gesamtzusammenhangs nicht zu schmälern, wurde auf eine davon losgelöste Ka- talogisierung der einzelnen Maßnahmen bewusst verzichtet. In den Workshops wurden den einzelnen Maßnahmen Einsparpotentiale zugeordnet, um eine Veranschaulichung des Zielpfades zu ermöglichen. Es ist von erheblichen Synergieef- fekten auszugehen. Daher sollten die Maßnahmen nicht isoliert voneinander betrachtet werden, sondern im Gesamtzusammenhang des Konzepts. Diese veranschaulichende Zuordnung kann jedoch nicht als Entscheidungsgrundlage für eine Priorisierung oder Gegenüberstellung der Maßnahmen dienen, deren Wirkung nur im Gesamtzusammenhang und unter Nutzung erheblicher Synergieeffekte im erwarteten Um- fang eintreten wird. Alle Teilergebnisse wurden zum integrierten Klimaschutzkonzept für Flensburg zusammen- gefügt, das als Grundlage für die Begleitung der Umsetzungsphase dienen wird. ABBILDUNG 13: PHASEN DER KONZEPTENTWICKLUNG Erwartungen: Agenda Mögliche Maßnahmen Vorgespräche Planung Durchführung Auswertung + Dokumentation Begleitung der Umsetzung Diskussion / Abstimmung von Maßnahmen: Die 5 „W“s Anwendbarkeit auf Flensburg Hemmnisse und Lösungsansätze Umsetzungsphase: Akzeptanz Motivation Projektfortschritt ? ! Katalog möglicher Maßnahmen Integration zu einem Klimaschutzkonzept Workshop Entwicklung des Weges zur CO2-Neutralität 23 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 3.6.3 Maßnahmenauswahl Die Maßnahmen, die im Vorfeld der Workshops identifiziert wurden, können nach ihrer Wirkweise in die Kategorien Bedarfsreduzierung, Effizienzsteigerung und Substitution von Energieträgern eingeteilt werden. ABBILDUNG 14: DAS ZUSAMMENSPIEL DER KLIMASCHUTZMAßNAHMEN Um entscheiden zu können, welche Kombination aus Maßnahmen für Flensburg den op- timalen Weg darstellt, wurden die folgenden Bewertungskriterien aufgestellt: Die entwickelten Maßnahmen sollen langfristig unter Berücksichtigung aller Kosten ge- genüber einer fossilen Energieversorgung wirtschaftlich sein und eine hohe Versor- gungssicherheit gewährleisten. Eine enge Vernetzung der Maßnahmen in einem sektorübergreifenden Zusammen- hang soll zu einem stimmigen und damit für die Gesamtheit der Akteure optimalen in- tegrierten Gesamtkonzept führen. Für das Konzept soll von Anfang an eine hohe Unterstützung durch die Bevölkerung und der ansässigen Unternehmen und Institutionen gewonnen werden. Das „Überstül- pen“ eines extern entwickelten Plans ohne die Einbindung der Bevölkerung oder ande- rer wichtiger gesellschaftlicher Akteure kann nicht der Sinn eines Klimaschutzkonzepts sein. Die Umsetzung des Maßnahmenplans soll möglichst unmittelbar nach der Vereinba- rung der entsprechenden Maßnahmen beginnen können und unter der Einbindung al- ler beteiligten Akteure erfolgen. Die Erfahrung und das Know-How aller beteiligten Gruppen sollte dabei genutzt werden. Während des ca. vierzigjährigen Umsetzungsprozesses soll es möglich sein, anhand ei- ner regelmäßigen Kontrolle den Fortschritt und eventuellen Nachsteuerungsbedarf des Prozesses festzustellen. Zeit E n e rg ie b e d a rf i n F le n s b u rg Bedarfs- reduzierung Effizienz- steigerung Substitution CO2-Emissionen 24 Entwicklung des Weges zur CO2-Neutralität INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 3.6.4 Integrativer Ansatz Häufig sind verschiedene Gruppen (wie z. B. Mieter, Vermieter und Energieversorger) für die Durchführung einzelner Maßnahmen eines Bereiches verantwortlich. Die beteiligten Akteure haben allerdings oftmals unterschiedliche Interessen, wenn es um die Ausgestal- tung der Maßnahmen geht. Somit wird es erforderlich, im Kreise aller Beteiligten aktiv für eine allgemein akzeptierte Lösung zusammenzuarbeiten, die von allen Seiten unterstützt und getragen wird. Darüber hinaus ist auch möglich, dass sich Maßnahmen aus unter- schiedlichen Sektoren gegenseitig verstärken, abschwächen oder gar ausschließen kön- nen. Um ein effektives und umfassendes Klimaschutzkonzept für die Stadt Flensburg zu entwickeln, müssen mögliche Maßnahmen daher im sektoralen und sektorübergreifenden Zusammenhang – also integriert – betrachtet werden. Werden lediglich einzelne Maß- nahmen isoliert voneinander entwickelt und umgesetzt, so werden die erzielbaren Emissi- onsreduktionen deutlich niedriger liegen als bei dieser integrierten Herangehensweise. Bestandsaufnahme und Trendfortschreibung 25 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 4 BESTANDSAUFNAHME UND TRENDFORTSCHREIBUNG 4.1 Ausgangssituation: Status Quo in Flensburg Flensburg ist die nördlichste kreisfreie Stadt Deutschlands und befindet sich direkt an der deutsch-dänischen Grenze. Geprägt wird das Stadtbild durch den Hafen und die Flens- burger Förde. Mit einer Einwohnerzahl von ca. 90.000 und einer Fläche von 56 km2 beläuft sich die Bevölkerungsdichte auf ca. 1.600 Einwohner pro Quadratkilometer. Flensburg ge- hört somit zu den mittelgroßen Städten in Deutschland. In Flensburg sind 98 % der Einwohner an das 600 km umfassende Fernwärmenetz der Stadtwerke Flensburg GmbH angeschlossen. Aufgrund des hohen prozentualen Anteils der angeschlossenen Wohnungen hat sich Flensburg einen Namen als „Fernwärmehauptstadt Deutschlands“ gemacht. Eine Umstellung der überwiegend auf Kohle basierenden Fern- wärmeversorgung auf regenerative Energieträger hätte positive Auswirkungen auf die CO2-Bilanz des gesamten Versorgungsgebietes und praktisch jedes einzelnen Flensburger Haushalts. Der Wohnungsbestand in Flensburg beläuft sich auf 48.000 Wohnungen. Er ist geprägt durch Mehrfamilienhäuser (drei und mehr Wohnungen), die etwa drei Viertel des Bestan- des ausmachen. Ein ungefähres Drittel des gesamten Wohnungsbestandes in Flensburg wurde vor 1948 errichtet. Ein weiteres Drittel stammt aus der Zeit von 1949 bis 1968. Diese Zahlen lassen ein hohes Einsparpotential im Energieverbrauch des Wohnungsbestands vermuten. 4.1.1 Ergebnisse der Bestandsaufnahme Im Rahmen der Bestandsaufnahme des Energieverbrauches und der CO2-Emissionen in Flensburg wurde der Zeitraum von 1990 bis 2006 untersucht. Das Jahr 1990 gilt national und international als Vergleichsjahr für die Emissionsreduktionsziele, und so hat sich auch die Stadt Flensburg das Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 im Vergleich zu 1990 um 30 % zu senken. Die Erhebung des Energieverbrauches und der CO2-Emissionen wurde im Jahr 2009 durchgeführt. Da Unternehmen und die statistischen Ämter in der Regel zwei bis drei Jahre brauchen, um die Daten vollständig zu veröffentlichen, wurde als letztes ak- tuelles Jahr 2006 gewählt. Für die Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes wurden die in diesem Abschnitt dargestellten Daten aktualisiert. Der Endenergieverbrauch aller Sektoren lag im Jahr 1990 bei 2.152 GWh. Bis zum Jahr 2006 war nur ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Mit einem Wert von 2.090 GWh entspricht dies einer Senkung des Endenergiebedarfes von 2,9 %. Hiermit liegt Flensburg nah am Bundestrend. Im gleichen Zeitraum (1990 bis 2006) ist der Endenergieverbrauch in Deutsch- land um 3,4 % gesunken. Insgesamt wurden in Flensburg im Jahr 1990 1,05 Mio. Tonnen CO2 emittiert [Hohmeyer et al. 2010, S. 61]. Bezogen auf jeden einzelnen Flensburger entsprach dies über 12,1 t CO2 26 Ausgangssituation: Status Quo in Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg pro Person und Jahr. Bis zum Jahr 2006 sanken die Emissionen nur leicht um insgesamt 3,7 %. Somit lagen sie im Jahr 2006 bei 1,01 Mio. t CO2. Spezifisch emittierte jeder Flensbur- ger Bürger im Jahr 2006 durchschnittlich 11,7 t CO2. Eine Übersicht der Aufteilung der Ener- gieverbräuche und CO2-Emissionen nach Sektoren und Energieformen ist der folgenden Abbildung zu entnehmen. ABBILDUNG 15: AUFTEILUNG DES ENERGIEVERBRAUCHS UND DER CO2-EMISSIONEN NACH SEKTOREN UND ENERGIEFORMEN Der Anteil des Haushaltssektors am gesamten Energieverbrauch lag im Jahr 2006 bei 32 %. Davon waren 77 % auf den Wärmebedarf zurückzuführen. Im Jahr 1990 lag der durch- schnittliche spezifische Heizwärmebedarf bei 172 kWh/m2a. Er sank bis zum Jahr 2006 auf 150 kWh/m2a. Die verbleibenden 23 % des Endenergiebedarfs im Haushaltssektor waren dem Stromverbrauch zuzurechnen. Im Mittel verbrauchte im Jahr 2006 jeder Flensburger 1.800 kWh Strom pro Jahr. Der Endenergiebedarf im Flensburger Gewerbe-, Handel- und Dienstleistungssektors lag im Jahr 2006 bei 388 GWh und ist im Vergleich zum Jahr 1990 um 4 % gestiegen. Ähnlich dem Haushaltssektor hat der Heizwärmebedarf daran den größten Anteil. Er betrug zwei Drittel des Endenergiebedarfs dieses Sektors. Im Flensburger Industriesektor wurde eine detaillierte Datenerhebung durchgeführt und über 80 % des Endenergieverbrauchs des Sektors konnten einzelnen Unternehmen zuge- ordnet werden. Der Verbrauch lag im Jahr 2006 bei 345 GWh. Im Vergleich zum Jahr 1990 entspricht dies einer Abnahme um 32 %. Die starke Senkung des Verbrauches ist überwie- gend auf die Abwanderung bzw. Teilverlegung von Unternehmen zurückzuführen. Im Verkehrssektor stieg der Endenergieverbrauch von 596 GWh im Jahr 1990 um knapp 13 % auf 671 GWh im Jahr 2006. Diese Entwicklung ist auf eine starke Zunahme der ange- Energiebedarf 2006 19% 17% 32%32% Haushaltssektor Industrie GHD Verkehr Energiebedarf 2006 19% 17% 32%32% Haushaltssektor Industrie GHD Verkehr 21% 32% 47% Wärme Strom Kraftstoff 21% 32% 47% Wärme Strom Kraftstoff Energie nach Sektoren Energie nach Energieformen 21% 36% 20% 23% 1 2 3 4 CO2 nach Sektoren Ausgangssituation: Status Quo in Flensburg 27 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG meldeten Pkw im Stadtgebiet zurückzuführen. Der Fahrzeugbesatz stieg im Betrachtungs- zeitraum von 406 auf 607 Pkw pro 1.000 Einwohner. Diese Entwicklung konnte durch die Abnahme des durchschnittlichen Kraftstoffverbrauchs nicht kompensiert werden. Die detaillierten Ergebnisse der Bestandsaufnahme für den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen in Flensburg für das Jahr 1990, 2006 und 2009 sind der folgenden Tabelle zu entnehmen. Im Rahmen der Konzepterstellung wurden zusätzlich zu den aus der Status-Quo Analyse ermittelten Verbrauchsdaten des Jahres 2006 entsprechende Daten für das Jahr 2009 er- mittelt. Es bestand somit eine aktuellere Datengrundlage für die Erstellung des Konzepts. Wenn in einzelnen Sektoren aktuelle Verbrauchsdaten (2009) zur Verfügung standen, konnte bei der Konzepterstellung auf diese zurückgegriffen werden. Auf diese Weise konn- ten die Klimaschutzmaßnahmen unter Berücksichtigung der aktuell in Flensburg bestehen- den Verbrauchssituation definiert werden. 1990 2006 2009 1990 2006 2009 Gesamt 2.151.939 2.089.800 2.067.575 1.050.638 1.011.938 977.019 Haushaltssektor 691.536 703.628 693.586 360.793 366.819 366.985 Industrie 510.421 345.045 313.222 262.787 200.948 176.588 GHD 354.350 370.286 353.900 236.239 231.039 208.247 Verkehr 595.631 670.841 706.867 190.820 213.132 225.198 Wärme 1.078.878 972.559 958.142 408.380 385.872 372.561 Haushaltssektor 552.357 549.028 540.266 227.386 221.589 220.263 Industrie 326.946 183.302 188.797 90.721 52.678 58.787 GHD 199.575 240.229 229.079 90.273 111.605 93.511 Verkehr 0 0 0 0 0 0 Strom 473.728 441.424 400.517 449.819 410.919 378.769 Haushaltssektor 139.179 154.600 153.320 133.408 145.230 146.723 Industrie 181.932 159.591 120.848 171.588 147.603 117.003 GHD 151.089 125.705 124.820 144.824 118.086 114.736 Verkehr 1.528 1.528 1.528 307 307 307 Kraftstoff 599.332 675.817 708.916 192.439 215.147 225.689 Haushaltssektor 0 0 0 0 0 0 Industrie 1.543 2.152 3.577 478 667 798 GHD 3.686 4.352 0 1.142 1.348 0 Verkehr 594.103 669.312 705.339 190.820 213.132 224.891 Pro-Kopf-Energiebedarf [kWh/Ew.] 24.741 24.123 23.240 Pro-Kopf-Emissionen [t CO2eq/Ew.] 12,08 11,68 10,96 Status Quo Endenergiebedarf [MWh/a] Emissionen [tCO2eq/a] 28 Rahmenbedingungen für die Szenarien INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 4.2 Rahmenbedingungen für die Szenarien Sowohl für die Erstellung des Business-As-Usual-Szenarios als auch für die Entwicklung des integrierten Klimaschutzkonzeptes mussten die Rahmenbedingungen für die künftige Ent- wicklung festgelegt werden. Wichtige Einflussgrößen auf die Entwicklung der Energienach- frage und der CO2-Emissionen sind Energiepreisentwicklung, die Bevölkerungsentwicklung und der demographische Wandel, die wirtschaftliche Entwicklung (Bruttowertschöpfung) und die Wohnraumentwicklung in Flensburg. Im Folgenden wird auf die einzelnen Berei- che detailliert eingegangen. Die getroffenen Annahmen sind mit den Mitgliedern des Klimapakt Flensburgs abgestimmt worden. 4.2.1 Bevölkerungsentwicklung Zur Fortschreibung der Bevölkerungsentwicklung wurde auf die Schätzungen des Statisti- schen Amts für Hamburg und Schleswig-Holstein für die Bevölkerungsentwicklung in Flens- burg für die Jahre 2006 bis 2025 zurückgegriffen [Statistikamt Nord 2008, S. 6]. In den Jah- ren 2007 und 2008 ist die Bevölkerung schneller als vorausgesehen angestiegen. Im Jahr 2008 lebten in Flensburg 89.133 Personen. Die Bevölkerungsvorausberechnung ging von 2.000 Flensburgern weniger aus. Zur Erforschung der Ursache für dieses erhöhte Wachstum wurde die Entwicklung der Altersstruktur in Flensburg für die Jahre von 2003 bis 2008 analy- siert. Es zeigte sich, dass der größte Zuwachs in den Altersgruppen der 23- bis 29-jährigen mit einem Wert von 1.772 und bei den 67- bis 73-jährigen mit 1.940 stattfand. Dies lässt auf eine erhöhte Attraktivität Flensburgs für Studenten und Rentner schließen. Aufgrund des bereits heute abweichenden Ausgangswertes wurde für die Bevölkerungs- entwicklung nur der Zielwert für das Jahr 2025 in Höhe von 90.100 Personen übernommen [Statistikamt Nord 2008, S. 6]. Die Werte von 2009 bis 2024 wurden linear interpoliert. Die Ergebnisse der neuesten koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung lassen für Flens- burg bis zum Jahr 2025 sogar ein stärkeres Bevölkerungswachstum vermuten. Im BAU- Szenario fand die neueste Vorausberechnung keine Berücksichtigung mehr, da sie erst kurz vor dessen Fertigstellung veröffentlicht wurde. Ab dem Jahr 2026 liegen keine spezifischen Zahlen für Flensburg vor. Es wird auf den prog- nostizierten Bundestrend zurückgegriffen. Die jährlichen prozentualen Veränderungen bis zum Jahr 2050 entstammen der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Sta- tistischen Bundesamtes. Es wird die Entwicklung aus dem Szenario „1-W2: Obergrenze“ zu- grunde gelegt [Statistisches Bundesamt, 2009]. Unter diesen Annahmen sinkt die Bevölke- rungszahl in Flensburg ab dem Jahr 2026 kontinuierlich und erreicht im Jahr 2050 einen Wert von 83.036 Personen. Im Vergleich zum Jahr 2008 entspricht dies einer Abnahme von 7 %. Rahmenbedingungen für die Szenarien 29 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ABBILDUNG 16: ERWARTETE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN FLENSBURG BIS ZUM JAHR 2050 4.2.2 Entwicklung der Wohnfläche Die prognostizierte Entwicklung der beheizten Wohnfläche in den Jahren 1990 bis 2008 wurde beim Statistischen Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein angefragt. Die Daten basieren auf der Wohnungsfortschreibung in Flensburg, welche als Grundlage die letzte Gebäude- und Wohnungszählung aus dem Jahr 1987 hat. Sie wird jährlich unter Verwen- dung der Ergebnisse der Bautätigkeitsstatistik (Zugänge zum Wohnungsbestand und Ab- gänge aus dem Wohnungsbestand) aktualisiert. Für die zukünftige Entwicklung des Wohnraumes existieren keine für Flensburg spezifischen Daten. Ab 2009 wird auf die bundesweiten Wachstumsraten aus dem Bericht der Prognos AG zurückgegriffen [Prognos, 2009]. Angegeben ist die Entwicklung der Bevölkerungszahl und der deutschlandweiten Wohnfläche für die Jahre 2020, 2030, 2040 und 2050. Aus die- sen Daten wird der spezifische Wohnflächenbedarf pro Person errechnet und auf Flens- burg übertragen. Die Werte für die Zeiträume zwischen den Stützjahren werden linear in- terpoliert. Liegt die Wohnfläche pro Person im Jahr 2005 noch bei 40,5 m2, so steigt sie bis zum Jahr 2050 auf 50,6 m2. Dies entspricht einer Zunahme von über 25 %. Die Entwicklung der Wohn- fläche in m2 und in m2 pro Person ist in der folgenden Abbildung (S. 30) dargestellt. 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 80.000 90.000 100.000 1990 2000 2010 2020 2030 2040 2050 Bevölkerungsentwicklung (real) Bevölkerungsentwicklung 2009-2025 Statistikamt Nord (BAU) Bevölkerungsentwicklung 2026-2050 Statistisches Bundesamt (BAU) 30 Rahmenbedingungen für die Szenarien INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 17: ENTWICKLUNG DER WOHNFLÄCHE 4.2.3 Entwicklung des Pkw-Bestands Der PKW-Besatz stieg in Flensburg von 1990 von 406 auf 607 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner im Jahr 2006 [Stadt Flensburg 2001, S. 153; Statistikamt Nord 2006, S. 1]. Dies entspricht einer Wachstumsrate von 2,5 % p. a. Für die Fortschreibung wird angenommen, dass der Pkw-Besatz aufgrund der demogra- phischen Entwicklung weiter ansteigt, da es weniger Personen unter 18 Jahren und mehr individualmotorisierte ältere Menschen geben wird. Es wird jedoch für die Zukunft von ei- ner leichten Abschwächung des beobachteten starken Wachstumstrends ausgegangen. Ein Grund dafür ist der Ölpreis, der nach Einschätzung des BMU in den nächsten Jahrzehn- ten mit durchschnittlich 2,4 % p. a. stärker ansteigen wird als die Bruttowertschöpfung [Nit- sch et al. 2008, S. 25]. Deshalb wurde in der Fortschreibung für den Pkw-Besatz eine Wachs- tumsrate von 2 % p. a. angenommen. Zusätzlich wurde davon ausgegangen, dass es eine Obergrenze für den Pkw-Besatz gibt. Es wurde eine Sättigung bei 750 Fahrzeugen je 1.000 Einwohner angenommen. Ein noch höherer Pkw-Besatz wäre zwar denkbar. Er würde ab einer gewissen Grenze aber nicht mehr zur Steigerung des Energieverbrauchs beitragen, da gleichzeitig die durchschnittliche Fahrleistung je Pkw sinken würde. Die Größenordnung des gewählten Sättigungswertes entspricht der Pkw-Dichte in den USA im Jahr 2006 [Shell o.J., S. 1]. Dieser Wert wird in der Fortschreibung im Jahr 2017 erreicht. 4.2.4 Entwicklung der Bruttowertschöpfung Das historische Wachstum der Bruttowertschöpfung im Sektor „Gewerbe, Handel, Dienst- leistungen“ (GHD) lag im Bundestrend zwischen den Jahren 1996 und 2006 bei 0,5 % p. a., 500.000 1.000.000 1.500.000 2.000.000 2.500.000 3.000.000 3.500.000 4.000.000 4.500.000 1990 2000 2010 2020 2030 2040 2050 W o h n fl ä c h e [ m 2 ] 0,0 10,0 20,0 30,0 40,0 50,0 60,0 W o h n fl ä c h e p ro K o p f [m 2 /P e rs .] Wohnfläche (real) Wohnfläche (BAU) Wohnfläche pro Kopf (real) Wohnfläche pro Kopf (BAU) Rahmenbedingungen für die Szenarien 31 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG für Flensburg dagegen bei -0,22 % p. a. Für die Fortschreibung bis 2050 wird von einer wirt- schaftlichen Erholung im GHD-Sektor im Bund und in Flensburg ausgegangen, um den Energiebedarf nicht durch eine Abnahme der Bruttowertschöpfung systematisch zu unter- schätzen. Diese Annahme ist konform mit anderen Studien, z. B. „Entwicklungsperspektiven des deutschen Elektrizitätsmarktes“, in der von einem sektoralen Wirtschaftswachstum von 1,45 % p. a. ausgegangen wird [Schmitt / Forsbach 2009, S. 41]. Als Basisannahme im BAU- Szenario wird dieser Trend auf das Flensburger Wirtschaftswachstum von 2009 bis 2050 übertragen. Dies entspricht der Erwartung, dass die wirtschaftliche Bedeutung des Dienst- leistungssektors zunehmen wird. Die historische Entwicklung der Bruttowertschöpfung im Industriesektor lag im Bundestrend zwischen den Jahren 1996 und 2006 bei 0,93 % pro Jahr. Als Basisannahme im BAU- Szenario wird dieser Trend auf das Flensburger Wirtschaftswachstum bis zum Jahr 2050 übertragen. Der Wert entspricht in etwa den Annahmen des Leitszenarios des Bundesmi- nisteriums für Umwelt (BMU), das für seine Berechnungen von einem langfristigen Wirt- schaftswachstum von durchschnittlich 1 % p. a. für Deutschland ausgeht [vgl. Nitsch et al. 2009, S. 28]. Um die Sensitivität des entwickelten Szenarios darzustellen, wird in den Abbil- dungen des gesamten Wärme- und Strombedarfs jeweils ein zusätzlicher Verlauf mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 % p. a. ausgewiesen. 4.2.5 Energiepreisentwicklung Die künftige Entwicklung der Energiepreise ist kaum vorhersehbar und hängt von vielen Faktoren ab. Die in Flensburg vornehmlich eingesetzten Energiequellen sind Steinkohle, Erdgas und Produkte wie Benzin, Diesel und Heizöl aus Erdöl. Hierbei handelt es sich um weltweit gehandelte Produkte, die somit auch bei der Preisentwicklung den weltweiten Trends folgen werden. In Abbildung 18 (S. 32) ist der weltweite Energieverbrauch dargestellt, aufgeteilt nach Energiequellen. Über 1/3 des Energiebedarfs wurde im Jahr 2006 durch Öl gedeckt. Zu- sammen mit den fossilen Rohstoffen Kohle und Erdgas decken sie über 80 % der weltwei- ten Energienachfrage. Die erneuerbaren Energieträger inklusive der Nutzung von Abfall bringen es im Gegensatz hierzu auf gerade einmal 13 %. Es wird deutlich, dass eine Umset- zung der notwendigen Klimaschutzziele weltweit noch in weiter Ferne liegt. Desto wichti- ger sind jedoch lokale Lösungen, welche die Möglichkeit einer nachhaltigen CO2- neutralen Energieversorgung praxisnah aufzeigen. 32 Rahmenbedingungen für die Szenarien INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 18: WELTWEITER PRIMÄRENERGIEVERBRAUCH NACH ENERGIEQUELLEN FÜR DAS JAHR 2006 (WORLD COAL ASSOCIATION, 2009) Die aktuelle Situation des Energiebezugs macht nicht nur Flensburg, sondern auch Deutschland im hohen Maße abhängig von Energieimporten. Somit ist auch aus Gründen der Versorgungssicherheit mittel- und langfristig ein Umschwenken auf die erneuerbaren Energien sinnvoll. Die Darstellung des deutschlandweiten Energiebezugs ist in der nachfol- genden Abbildung dargestellt. ABBILDUNG 19: ENERGIEVERBRAUCH UND -IMPORTE IN DEUTSCHLAND IM JAHR 2009 (AGEB, 2010) Exemplarisch für die Preisentwicklung verschiedener Energieträger ist im Folgenden die Entwicklung des Erdölpreises dargestellt. Prognosen für die künftige Entwicklung des Öl- Wasserkraft; 2,2% Kern- Energie; 6,2% Brennstoffe erneuerbarer Energiequellen und Abfall; 10,1% Erdgas; 20,5% Öl; 34,4% Kohle; 26,0% Sonstiges; 0,6% Total World Primary Energy Supply by Fuel (2006) 153,26 83,16 36 50 4,74 15,84 14 52 40 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 M tS ke Eigenförderung Importe Rahmenbedingungen für die Szenarien 33 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG preises weisen z. T. große Unterschiede auf. Es ist jedoch aus den Betrachtungen klar, dass der Ölpreis in Zukunft nur eine Richtung kennt. Er wird im Trend immer weiter steigen. Die Steigerung des Ölpreises ist zum größten Teil abhängig von der künftigen Nachfrage nach Kraftstoffen durch die schnell wachsenden Nicht-OECD-Staaten, wie z. B. China und Indi- en. In Abbildung 20 (S. 34) ist eine Vielfalt an Prognosen für die künftige Ölpreisentwicklung dargestellt. Mit aufgenommen in die Betrachtung wurden die folgenden Studien: Annual Energy Outlook Report (2010) World Energy Technology Outlook (2006) World Energy Outlook (2009) International Energy Outlook (2010) Prognos: Energieperspektiven Schweiz (2007) Prognos: Modell Deutschland – Klimaschutz bis 2050 (2007) BMU: Leitstudie (2008) Die Leitstudie (2008) des BMU deckt die mittlere Bandbreite der dargestellten möglichen Ölpreisentwicklung ab. Innerhalb der Leitstudie wurden zwei Szenarien betrachtet. Das eine geht von einem mäßigen und das andere von einem deutlichen Preisanstieg aus. Im Rahmen dieser Studie wurde der Ansatz der Leitstudie (2008) auch für die Preisentwicklung anderer Energieträger für die weitergehenden Berechnungen angesetzt. 34 Flensburg ohne zusätzlichen Klimaschutz INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 20: ÖLPREISENTWICKLUNG VON 1990 BIS 2050 NACH UNTERSCHIEDLICHEN QUELLEN (BASISJAHR 2005) 4.3 Flensburg ohne zusätzlichen Klimaschutz Um zu verdeutlichen, wie sich die CO2-Emissionen künftig entwickeln werden, wenn keine zusätzlichen Maßnahmen beim Klimaschutz in Flensburg umgesetzt werden, wurde ein so- genanntes Business-As-Usual-Szenario entworfen. 4.3.1 Entwicklung des Endenergieverbrauchs Der Endenergiebedarf in Flensburg lag im Jahr 1990 bei 2.152 GWh. Wird der aktuelle Trend fortgesetzt und werden keine weiteren Maßnahmen bezüglich des Klimaschutzes ergriffen, so senkt sich der Verbrauch bis zum Jahr 2050 um 11 %. In den Jahren von 1990 bis 2010 ist der Energiebedarf Flensburgs durch die Abwanderung oder Teilverlagerung von Unternehmen geprägt. Der Endenergiebedarf des Industriesektors sank um fast 40 %. Im Business-As-Usual-Szenario wird davon ausgegangen, dass ab dem Jahr 2010 keine wei- tere Unternehmensabwanderung stattfindet, und es wird der deutschlandweite Trend der Entwicklung der Bruttowertschöpfung angesetzt. Neben der sektoralen Entwicklung lässt sich der Endenergiebedarf aufteilen nach Wärme-, Strom- und Kraftstoffverbrauch. Im Business-As-Usual-Szenario bleibt der Wärmebedarf Flensburgs ab dem Jahr 2010 auf einem nahezu konstanten Niveau von ca. 950 GWh pro Jahr. Die Effizienzsteigerung in der Industrie und die Senkung des spezifischen Heizwärme- WETO WEO IEO Reference IEO Low Price IEO High Price Prognos 2007 Low Price Prognos 2007 High Price Prognos Leitstudie deutlich Leitstudie mäßig 0% 50% 100% 150% 200% 250% 300% 350% 1990 2000 2010 2020 2030 2040 2050 Flensburg ohne zusätzlichen Klimaschutz 35 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG bedarfs im Haushalts- und GHD-Sektor kompensieren das Wachstum der Bruttowertschöp- fung bzw. die Entwicklung der Wohnfläche in Flensburg. Im Gegensatz zum nahezu konstanten Wärmebedarf wird im Strombereich von einer Re- duzierung der Nachfrage aufgrund der Umsetzung der Meseberger Beschlüsse ausge- gangen. Es handelt sich hierbei um einen Kabinettsbeschluss der damaligen Bundesregie- rung mit dem Ziel, den deutschlandweiten Stromverbrauch um 11 % bis zum Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr 2005 zu senken. Der Strombedarf in Flensburg erreicht durch diese Poli- tikvorgabe seinen niedrigsten Wert mit 373 GWh im Jahr 2020. Anschließend wird von ei- nem unregulierten Wachstum der Stromnachfrage ausgegangen. Der Strombedarf steigt bis zum Jahr 2050 auf einen Wert von 437 GWh pro Jahr. Der zu über 99 % vom Verkehrssektor geprägte Kraftstoffverbrauch sinkt im BAU-Szenario bis 2050 bei Einhaltung der EU-Vorgaben um knapp 12 % gegenüber 1990. Er beträgt dann 529 GWh pro Jahr. 4.3.2 Entwicklung der Emissionen Im Jahr 1990 wurden in Flensburg knapp 1.050.000 t CO2 bzw. 12,1 t CO2 pro Bürger emit- tiert. Bis zum Jahr 2006 sanken die Emissionen in Flensburg nur geringfügig. Als gesetzliche Vorgabe wird bei der Prognose der Emissionen der Emissionsrechtehandel berücksichtigt. In dem Zeitraum von 2013 bis 2020 sollen die Emissionen jedes Jahr um 1,74 % gesenkt werden. Unter der Annahme, dass Flensburg diesen Wert durch eigene Ein- sparungen einhält, statt Emissionsrechte zuzukaufen, reduzieren sich die Emissionen auf einen Wert von ca. 883.000 t CO2 im Jahr 2020. Dies entspricht einer Verminderung um 16 % im Vergleich zum Jahr 1990. Bis zum Jahr 2050 sinken die Emissionen weiter bis auf einen Wert von ca. 837.000 t CO2. Dies entspricht einer Senkung im Vergleich zu 1990 von 20 %. Ab dem Jahr 2020 ist die Verminderung der Emissionen nur noch auf Reduzierungen im Kraftstoffverbrauch zurück- zuführen, die sich aus der Einhaltung der EU-Vorgaben und dem technischen Fortschritt nach TREMOD ergeben [ifeu 2010]. 36 Flensburg ohne zusätzlichen Klimaschutz INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 21: ENTWICKLUNG DER CO2-EMISSIONEN IN FLENSBURG OHNE ZUSÄTZLICHEN KLIMASCHUTZ 4.3.3 Schlussfolgerung Die Prognose der Emissionen bis zum Jahr 2050 zeigt eindrucksvoll, dass eine Fortsetzung des bisherigen Trends bei weitem nicht ausreichen wird, um die ambitionierten Reduktions- ziele zu erreichen. Im Vergleich zum Jahr 1990 wird die Freisetzung klimarelevanter Treib- hausgase bis zum Jahr 2050 nur um 20 % reduziert. Dieser Wert hält weder globale, nationale noch die selbstgesteckten kommunalen Ziele ein. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen die Emissionen bis zum Jahr 2050 um 80 % reduziert werden. Das Intergovernmental Panel on Climate Change geht mittlerweile davon aus, dass die Industrienationen ihre Emissionen um mindestens 80 bis 95 % reduzie- ren müssen, um die gravierenden Folgen des Klimawandels auf ein vertretbares Maß zu vermindern. Es wird deutlich, dass die ambitionierten Reduktionsziele trotz der Vorgaben des Emissions- handels, der Umsetzung der Meseberger Beschlüsse und der EU-Vorgaben für Pkw nicht erreicht werden. Der Vergleich des Endenergiebedarfs und der Entwicklungen der Emissi- onen zeigt, dass die Minderung des CO2-Ausstoßes im Strom- und Wärmebereich nur durch die Umsetzung der Vorgaben des Emissionsrechtehandels erreicht wird und nicht durch eine Einsparung an Energie. Langfristig kann eine nachhaltige Entwicklung Flens- burgs jedoch nur erreicht werden, wenn sowohl die Verbraucher- als auch die Erzeugersei- te ihren Teil zur Lösung des Problems beitragen. Es werden verstärkte Anstrengungen in allen Sektoren notwendig werden, um die gesetzten Ziele zu erreichen. 0 100.000 200.000 300.000 400.000 500.000 600.000 700.000 800.000 900.000 1.000.000 1.100.000 1.200.000 1990 2000 2010 2020 2030 2040 2050 tCO2/a GHD Industrie Verkehr Haushalte 100 % Summe der Überschreitung 15,9 Mio. tCO2 166.860 tCO2 837.030 tCO2 Workshops ans zentrales Element der Konzepterstellung 37 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 5 WORKSHOPS ANS ZENTRALES ELEMENT DER KONZEPTERSTELLUNG 5.1 Workshopteilnehmer Durch den Klimapakt Flensburg sind viele der wichtigsten Institutionen, Organisationen und Unternehmen bereits an dem Prozess zur Erreichung des gemeinsamen Ziels für den Klima- schutz beteiligt. Das Engagement der Vereinsmitglieder und daraus entstehende Erfolge entfalten eine positive Vorbildwirkung, die das Verhalten anderer beeinflussen wird. Ent- sprechende Ansätze sind nach der Gründung in der Aufnahme von sechs neuen Mitglie- dern zu sehen, die die Handlungsbasis des Vereins verbreitern. Heute hat der Klimapakt Flensburg insgesamt 15 Mitglieder: Aktiv Bus GmbH Allgemeine Flensburger Autobusgesellschaft GmbH Ev.-Luth. Diakonissenanstalt Flensburg Fachhochschule Flensburg FFG Flensburger Fahrzeugbaugesellschaft mbH Flensburger Arbeiter-Bauverein e. G. Industrie- und Handelskammer zu Flensburg Kreishandwerkerschaft Flensburg Stadt und Land Malteser Krankenhaus St. Franziskus-Hospital gGmbH Nord-Ostsee Sparkasse Selbsthilfe-Bauverein e. G. Flensburg Stadt Flensburg Stadtwerke Flensburg GmbH Technisches Betriebszentrum Flensburg Universität Flensburg Seit Oktober 2010 erarbeitet die Universität Flensburg ein integriertes Klimaschutzkonzept für Flensburg. Dieses Projekt ist durch das BMU, die Stadt Flensburg und den Klimapakt Flensburg e.V. gefördert. Die Universität Flensburg verfolgt hierbei einen partizipativen An- satz. Insgesamt werden 16 Workshops mit lokalen Akteuren und der Bevölkerung durchge- führt, um gemeinsam einen Weg zur Reduzierung der CO2-Emissionen zu erarbeiten und aufzuzeigen. An dem Prozess beteiligen sich neben der Stadt Flensburg und den Mitglie- dern des Klimapakt Flensburgs bisher die folgenden Akteure: Abfallwirtschaftszentrum Flensburg GmbH Arbeitsgemeinschaft schleswig-holsteinischer Wohnungsunternehmen e.V. (ASHW) Arbeitskreis Flensburg Nord Autokraft B.A.U.M. Zukunftsfonds eG Bequa Flensburg Büro Oeding Büro Urbanus 38 Übersicht der Veranstaltungen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg CITTI Danfoss Silicon Power GmbH Densch & Schmidt Fahrschule Simonsen Feddersen Ökologische Kapitalanlagen Flensburger Schiffbau Gesellschaft Flensburger Brauerei Emil Petersen GmbH & Co KG Gebäudemanagement Schleswig-Holstein Haus & Grund Flensburg IHR Sanierungsträger FGS mbH Ing.-Büro Energieberatung Krones AG KWKon Kraft-Wärme-Konzepte GmbH Mitsubishi HiTec Paper Europe GmbH Mittelstraß GmbH oeko planfinanz GmbH Otis – Outdoortrainings und Indoorseminare Queisser Pharma GmbH & Co KG Raiffeisen HaGe Nord AG Seniorenbeirat Flensburg Sportpiraten Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V. Verbraucherzentrale Flensburg Verein Flensburger Norden Volkshochschule Flensburg VR Bank Flensburg-Schleswig eG Im Rahmen der Auswertung der Feedbackbögen der Workshops hat sich gezeigt, dass bisher alle beteiligten Akteure an einer künftigen weiteren Zusammenarbeit interessiert sind. 5.2 Übersicht der Veranstaltungen In der folgenden Tabelle sind die durchgeführten Workshops im Zeitraum der Konzepter- stellung aufgeführt. In den insgesamt 16 Workshops beteiligten sich 185 Flensburger. Zu- dem beteiligten sich bei dem Kick-Off-Workshop 9 Personen aus den Reihen des Klimapakts. Neben interessierten Privatpersonen nahmen Vertreter der im vorherigen Ab- schnitt aufgeführten Unternehmen und Organisationen teil. Für die Erstellung des integrier- ten Klimaschutzkonzeptes konnten somit bereits im ersten Jahr über 50 verschiedene Un- ternehmen, Institutionen und Vereine für die Beteiligung am lokalen Klimaschutz gewon- nen werden. Übersicht der Veranstaltungen 39 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 40 Kick-off-Workshop mit den Klimapakt-Mitgliedern INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 6 KLIMASCHUTZKONZEPT: WORKSHOPERGEBNISSE Wie im Kapitel 3.6.2 (S. 21 ff.) dargestellt, wurden den einzelnen Maßnahmen in den Work- shops Einsparpotentiale zugeordnet, um eine Veranschaulichung des Zielpfades zu er- möglichen. Hier soll nochmals darauf hingewiesen werden, dass von erheblichen Syner- gieeffekten auszugehen ist. Daher sollten die Maßnahmen nicht isoliert voneinander be- trachtet werden, sondern im Gesamtzusammenhang des Konzepts. Die ausführlichen, mit den Teilnehmern abgestimmten Dokumentationen der Workshops können in Anhang A (S. 145 ff.) nachgelesen werden. In ihnen werden die Einschätzungen der Workshop-Teilnehmer zu den einzelnen Maßnahmen deutlich, über die Kapitel 6 einen ersten Überblick bietet. 6.1 Kick-off-Workshop mit den Klimapakt -Mitgliedern Im September 2010 wurde noch vor dem Beginn der Arbeiten am integrierten Klima- schutzkonzept ein interner Workshop mit den Mitgliedern des Klimapakts durchgeführt. Dieser diente neben der Zusammenstellung bisheriger Klimaschutzmaßnahmen bei den einzelnen Mitgliedsunternehmen vorwiegend zur Identifizierung der wichtigsten Herausfor- derungen und möglichen Lösungsansätzen in den einzelnen Sektoren. Konkrete Einsparpo- tentiale wurden noch nicht erarbeitet. Die im Workshop erarbeiteten Ergebnisse flossen als wichtige Informationen zur Setzung thematischer Schwerpunkte in die Konzepterstellungs- phase mit ein. 6.1.1 Bisherige Maßnahmen Jedes Vereinsmitglied hat sich in der Vergangenheit in seinem eigenen Wirkungs- und Verantwortungsbereich bereits maßgeblich für den Klimaschutz eingesetzt. Beispielhaft verdeutlichen lässt sich dies an: 1. den Stadtwerken Flensburg GmbH, die seit über 40 Jahren Fernwärme und Strom zent- ral im Kraft-Wärme-Kopplungs-Prozess hocheffizient und damit umweltfreundlich für ganz Flensburg erzeugt. Die Stadtwerke Flensburg sind mit dem greenCO2ncept schon seit 2007 auf dem Weg, den fossilen Brennstoff Kohle zunehmend durch Ersatzbrenn- stoffe mit hohem biogenem Anteil (EBS), Holzhackschnitzel (HHS) und künftig auch an- dere biogene Brennstoffe zu ersetzen. So konnten durch EBS und HHS 2008 bereits 16.000 Tonnen CO2, im Jahr 2009 schon 36.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Die Umsetzung dieses Vorhabens wird massive Auswirkungen auf die CO2-Emissionen aller Verbrauchssektoren haben; 2. der Verkehrsgemeinschaft Flensburg, bestehend aus den Unternehmen Aktiv Bus GmbH und Allgemeine Flensburger Autobusgesellschaft GmbH (AFAG), die den öffent- lichen Personennahverkehr in Flensburg bedienen. Beide Unternehmen setzen seit Jah- ren eine junge, abgasarme Fahrzeugflotte ein; Kick-off-Workshop mit den Klimapakt-Mitgliedern 41 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 3. den Flensburger Wohnungsbauunternehmen Selbsthilfe-Bauverein e.G. und Flensbur- ger Arbeiter-Bauverein e.G., die mit rd. 10.000 Wohnungen fast ¼ des Flensburger Wohnungsbestandes im genossenschaftlichen Eigentum haben. Die Wohnungen wur- den in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten fortlaufend modernisiert und ener- getisch aufgewertet; die Sanierungsrate der Unternehmen liegt mit ca. 2,5 % deutlich über dem Bundesschnitt; 4. der Stadt Flensburg, die gleichermaßen ihren eigenen Gebäudebestand, z. B. Schulen, Kindertagesstätten, Verwaltungsgebäude etc. modernisiert und energetisch aufgewer- tet hat; 5. der Universität Flensburg und der Fachhochschule Flensburg, die ihr umwelt- und klima- schutzbezogenes Profil in den vergangenen Jahren geschärft haben. Beispielhaft seien hier die Studiengänge für Energie- und Umweltmanagement und zur regenerativen Energietechnik erwähnt. Sie stellen ihre wissenschaftlich-fachlichen Kompetenzen und Ressourcen Interessierten auch über die Region hinaus zur Verfügung; 6. den Flensburger Kammern und Verbänden, die die Klimaschutzziele des Klimapakts Flensburg gegenüber ihren Mitgliedern in der Region vertreten. 6.1.2 Identifizierte Herausforderungen und mögliche Lö sungen Sektor und Herausfor- derung Ergebnisse des ersten Brainstormings im Kick-Off Workshop Industrie Wettbewerbsfähigkeit erhalten • Produktionswege optimieren • Einsatz energiesparender Technologien • Alternative Rohstoffe prüfen • Mitarbeiteraufklärung zum Umgang mit Energie • Öffentlichkeitsarbeit bzw. Vermarktung • Identifikation mit der Region Verkehr / Stadtentwick- lung Akzeptanz-Problem > Umstieg von MIV auf ÖPNV • ÖPNV in Stadtentwicklung einbeziehen • Günstigere Grundstücke bei Stellplatzverzicht • ÖA: Maßnahmen nicht “überstülpen” • Kostenloser Schnuppermonat GHD Multiplikatoren/ Ver- netzung/ Aufklärung/ Vermarktung • vorhandene Strukturen / Initiativen der Ketten nutzen, aber Wettbewerb be- denken Benefit der Kooperation muss aufgezeigt werden • Reihenfolge der Einbeziehung vom großen zum kleinen Minderungspotential • z. T. auf CO2-arme Erzeugung statt auf Einzelreduktionen setzen Energie Weitergabe der Kosten an Endverbraucher • Vom Versorger zum Berater: SWFL = Energieexperte • Steigende Netzkosten durch Genossenschaften entschärfen • Effizientere Kessel (=Brennstoffkosten senken) • Fördermittel für Gesamtkonzept? Haushalte Aufklärungsarbeit er- forderlich (richtig hei- zen etc.) • Erfahrung des SBV für Stadtprojekt “Energie-Sparberater” nutzen • ÖA: Schulen/ Kindergärten als Hebel einsetzen (langfristig denken!) • Energieberatung noch kleinteiliger als auf Stadtteilebene durchführen (Nähe zur Bevölkerung!) • Smart Metering/ Smart Devices/ Wärmemengenzähler einsetzen • Gesamtkonzept entwickeln: Wärme, Strom, Lüftung • Senken der Unterhaltskosten/ Amortisationsdauer von Investitionen 42 Haushalte INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Die hier vorgestellten Anregungen wurden im weiteren Prozess berücksichtigt. Sie wurden entsprechend der Erkenntnisse aus der Literaturrecherche, der Vorgespräche mit Experten sowie der Workshops an die besonderen Gegebenheiten in Flensburg angepasst, erwei- tert und ergänzt. 6.2 Haushalte 6.2.1 Ausgangslage und Zielsetzung Die ca. 50.000 Flensburger Haushalte verursachen mit je knapp einem Drittel den größten Anteil des Flensburger Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen. Dabei ist zu beachten, dass dem Haushaltssektor in der gewählten Systematik nur der Fernwärme- und Strombe- darf zugerechnet wird, während der Kraftstoffbedarf für die Mobilität der knapp 90.000 Bürger zum Verkehrssektor zählt. Mit überschaubarem finanziellem Aufwand sowie unter Wahrung des Wohnkomforts und der Lebensqualität soll auch im Haushaltssektor die CO2-Neutralität erreicht werden. Dazu wird es nötig sein, nicht nur technische Lösungen anzubieten – langfristig müssen alle Bür- ger erreicht und von der Vorteilhaftigkeit gemeinsamen Klimaschutzhandelns überzeugt werden. Bei der Strategieentwicklung muss die städtische Haushaltsstruktur berücksichtigt werden: über 37 % der Haushalte sind Single-Haushalte, durchschnittlich leben nur 1,7 Per- sonen in einem Haushalt [BulwienGesa 2011, S. 23], was tendenziell auf einen höheren spezifischen Energieverbrauch und einen höheren Mobilitätsbedarf schließen lässt [vgl. Hautzinger / Pfeiffer 1996, S. 57]. 6.2.2 Systematik der Betrachtung Um der zentralen Rolle des Haushaltssektors gerecht zu werden, wurde er im Rahmen der partizipativen Konzepterstellung aus mehreren unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Insgesamt widmeten sich fünf Workshops wichtigen Themenkomplexen, die den Energie- verbrauch und die Emissionen des Haushaltssektors beeinflussen: Wohnungswirtschaft (s. Abschnitt 6.4, S. 49; Workshop-Dokumentation ab S. 145) Energieversorgung (s. Abschnitt 6.3, S. 44; Workshop-Dokumentation ab S.167) Zukunft der Fernwärme (s. Abschnitt 6.4, S. 49; Workshop-Dokumentation ab S. 291) Öffentlicher Workshop (s. Abschnitt 6.10.1, S. 103; Workshop-Dokumentation ab S. 277) Stadtteil-Workshop (s. Abschnitt 6.10.3, S. 104; Workshop-Dokumentation ab S. 320) Übergeordnet zu diesen thematischen Workshops hat auch der Workshop Umsetzungsstra- tegien einen direkten Bezug zum Haushaltssektor (s. Abschnitt 6.11, S. 105; Workshop- Dokumentation ab S. 381). Haushalte 43 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 6.2.3 Besondere Hemmnisse Bei der Konzeptentwicklung im Wärmebereich konnten zunächst auf Bedarfsseite nur die großen Wohnungsbaugenossenschaften sowie größere Hausverwaltungen einbezogen werden. Für private Eigenheimbesitzer ist die Teilnahme an ganztägigen Workshops zu aufwendig. Die gesetzten Reduktionsziele im Wärmebereich verlangen jedoch, dass auch die privaten Eigentümer erreicht werden, denen ca. 25 % der Flensburger Wohneinheiten gehören. Die Ansprache dieser heterogenen Gruppe mit einem recht geringen Organisa- tionsgrad stellt eine besondere Herausforderung dar. Analog dazu besteht im Haushaltssektor die Besonderheit, dass – im Unterschied zu techni- schen Lösungen – nicht zuverlässig kalkuliert werden kann, wie viele Bürger durch Kam- pagnen zur Änderung des Nutzerverhaltens erreicht werden können. Es wird auch hier um die Erreichung einer kritischen Masse und von wichtigen Multiplikatoren gehen. 6.2.4 Strategie für die Umsetzungsphase Die Pfadentwicklung für den Sektor fokussiert zunächst stark technische Maßnahmen, de- ren Einspareffekte sich recht zuverlässig berechnen lassen. Die Erreichbarkeit der CO2- Neutralität wurde damit belegt. Die Auswirkungen eines geänderten Nutzerverhaltens sind dagegen schwierig zu bestimmen. Sie können die Umsetzung der ermittelten Reduktions- potentiale ggf. deutlich beschleunigen und zusätzlich Kosten einsparen. Für die Umset- zungsphase ist daher eine zielgerichtete und kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit (s. Ab- schnitt 7.4, S. 131) von zentraler Bedeutung, sowie die Konzepte zur Erreichung von Multi- plikatoren und Early Adopters (s. Abschnitt 6.11.7, S. 109). 6.2.5 Der Weg zur CO2-Neutralität Gemäß der Vielschichtigkeit des Haushaltssektors ist es sinnvoll, die einzelnen Ergebnisse im Gesamtzusammenhang der entsprechenden Kapitel nachzuvollziehen, nachdem hier ein kurzer Überblick gegeben wird. Der Strombedarf der Haushalte kann bis zum Jahr 2050 gegenüber 2010 um 45 % gesenkt werden (von über 152.000 auf unter 84.000 MWh/a), wie in Abbildung 98 (S. 284) darge- stellt. Die entsprechenden Maßnahmen sind in der Dokumentation ab S. 281 ausführlich beschrieben. Der Wärmebedarf der Haushalte kann bis zum Jahr 2050 gegenüber 2010 um knapp 37 % gesenkt werden (von 536.000 auf unter 339.000 MWh/a), wie in Abbildung 24 (S. 53) dar- gestellt. Die entsprechenden Maßnahmen sind ab S. 50 tabellarisch dargestellt und in der Dokumentation ab S. 148 ausführlich beschrieben. 44 Energieversorgung INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 6.3 Energieversorgung 6.3.1 Ausgangslage und Zielsetzung Flensburg befindet sich mit einem Anschlussgrad von nahezu 100 % an das Fernwärmenetz in einer einmaligen Situation. Eine Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energieträger beim lokalen Energieversorger, den Stadtwerken Flensburg (SWFL), würde das gesamte Stadtgebiet CO2-neutral mit Fernwärme und Strom versorgen. Die lokale Energieversorgung mit Fernwärme und Strom durch die SWFL verursacht in Flensburg rund drei Viertel der gesamten CO2-Emissionen. Die Energiebereitstellung durch die SWFL übt somit einen großen Einfluss auf die Möglichkeiten zur Reduzierung der CO2- Emissionen aus. Zum Zeitpunkt des ersten Workshops zur Energieversorgung stand bei den Stadtwerken Flensburg die Entscheidung noch aus, ob die alten Kessel 7 und 8 durch eine GuD-Anlage oder ein Motorenheizkraftwerk im Jahr 2015 ersetzt werden sollten. Im weiteren Verlauf der Konzepterstellung entschieden sich die SWFL für eine GuD-Anlage. Aufgrund des neuen Planungsstandes erfolgte eine Überarbeitung der Workshop-Ergebnisse (vgl. Abschnitt 9.2.5, S. 174). Neben der Anschaffung einer GuD-Anlage im Jahr 2015 wurde in dem neu- en Szenario zusätzlich untersucht, ob mit einer stärkeren Fokussierung auf gasförmige Brennstoffe ebenfalls die CO2-Minderungsziele erreicht werden können. Über das zu schaffende Monitoring und Controlling muss in Abhängigkeit von der künfti- gen Energiepreisentwicklung der jeweilige Pfad festgelegt werden. Die folgenden Erläute- rungen beziehen sich auf das ursprünglich im Workshop mit den SWFL erarbeitete Szenario. 6.3.2 Besondere Hemmnisse Hemmnisse im Bereich der Energieversorgung sind neben technischen und wirtschaftli- chen Aspekten einer Umstellung die Wahl der Energieträger. Eine Betrachtung der Vor- und Nachteile potentieller Brennstoffe (Ersatzbrennstoffe, Holz, Biokohle, Erdgas, Biome- than) führt zu dem Ergebnis, dass keiner dieser Brennstoffe generell auszuschließen ist. Ein breites Brennstoffportfolio bietet Flexibilität und Risikoverteilung. Die Brennstoffe sollten ent- Workshop Energieversorgung (Dokumentation: s. Abschnitt 9.2, S. 167 ff.) Zielgruppe: Lokale Energieversorger Bedeutung des Bereichs: Primärenergieeinsatz 2009: 2.000.000 MWh/a CO2-Emissionen 2009: 750.000 t/a (75 % FL) CO2-Neutralität 2050 erreichbar? Ja: Nein: Identifizierte Maßnahmen: E1 bis E7 Energieversorgung 45 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG sprechend ihrer jeweiligen Stärken genutzt werden. Für das Klimaschutzkonzept wird die vereinfachende Betrachtung angestellt, dass die Grundlast mit Festbrennstoffen, die Spit- zenlast und Backup mit gasförmigen Brennstoffen bereitgestellt werden. Für alle künftig einzusetzenden erneuerbaren Energieträger gilt die Prämisse der Nachhal- tigkeit. So muss z. B. bezogenes Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen. Bei der Frage der Ressourcenverfügbarkeit alternativer Energieträger können die SWFL ih- ren komparativen Vorteil, die Hafenlage, nutzen. Feste Brennstoffe können über den Was- serweg z. B. aus dem Baltikum angelandet werden. In dem hier erstellten Klimaschutzkonzept für Flensburg wurden nur Technologien betrach- tet, die bereits im großtechnischen Maßstab unter wirtschaftlichen Bedingungen realisiert wurden. Um die Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu alternativen Versorgungsmodellen zu untersuchen, wurde eine Vollkostenbetrachtung angestellt. Hierbei werden sowohl die Investitions- als auch die laufenden Kosten betrachtet. Es zeigt sich, dass zurzeit die Ein- speisung von Wärme aus einer Geothermieanlage noch zu kostspielig ist, aufgrund des hohen Investitionsrisikos durch mögliche Fehlbohrungen. Sollte dieses Risiko in Zukunft deut- lich gesenkt werden können, oder der Anschluss des Fernwärmenetzes an ein nahe gele- genes (noch zu bauendes) Geothermie-Kraftwerk möglich sein, ist die Option neu zu un- tersuchen. Eine Herausforderung dafür, die Nutzung der Fernwärme auch zukünftig wirtschaftlich dar- stellen zu können, ist der kontinuierlich zurückgehende Fernwärmebedarf aufgrund besse- rer energetischer Gebäudestandards mit der einhergehenden Frage der Wirtschaftlichkeit eines Fernwärmenetzes im Vergleich zu Konkurrenzprodukten. Dieser Frage wird in dem Abschnitt 6.4 (S. 49 ff.) thematisiert. 6.3.2.1 Identifizierte Maßnahmen Bei der Erarbeitung von Möglichkeiten und Strategien zur Erreichung einer CO2-neutralen Energieversorgung der Stadt Flensburg durch die SWFL spielt die Altersstruktur der Erzeu- gungsanlagen eine wichtige Rolle. Durch die Beachtung der bisherigen Planungen für den Ersatz von Anlagen lässt sich das Ziel der CO2-Neutralität kostenoptimal erreichen. Die bis- herige Planung der SWFL sieht Folgendes vor: 1. 2012: Verdopplung des möglichen Holzeinsatzes durch eine fest installierte Aufga- bestation 2. 2015 - 2016: Ersatz Kohlestaubfeuerungen (Kessel 7+8) 3. 2022 - 2028: Ersatz Wirbelschichtkessel (Kessel 9 bis 11) 4. ab 2050: Erneuter Ersatz von Anlagen aus Punkt 2 (Kessel 12) Zukünftige CO2-Emissionen wurden anhand der direkten Emissionsfaktoren des jeweiligen Brennstoffeinsatzes ermittelt. Dabei wurde für den Ersatz der Kessel 7 und 8 eine Wirkungs- gradsteigerung von 3,5 % und für weitere Optimierungen der Kessel 9 bis 11 bis zum Jahre 46 Energieversorgung INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 2020 eine Wirkungsgradverbesserung von 1 % berücksichtigt. Bei der zweiten Substituierung im Jahre 2025 wurde für die Kessel 9 bis 11 eine Wirkungsgradsteigerung von insgesamt 3 % im Vergleich zum Jahr 2010 angenommen. Die Wirkungsgradverbesserungen basieren auf Abschätzungen der SWFL. Maßnahme Akteur Einsparung Zeitpunkt d. Umsetzung Kosten Substitution E1: Einbau einer fest installier- ten Holz-Aufgabestation SWFL Zusätzliche Ein- sparung von bis zu 6.000 tCO2/a 2012 1,5 Mio. € E2: Ersatz Kohlestaubfeue- rungen durch Gaskessel SWFL Ca. 65.000 t CO2/a 2015 – 2016 100 Mio. € Invest. E3: Senkung des Primärener- giefaktors der Fernwärme auf 0,2 SWFL Geht einher mit E2 2016 Geht einher mit E2 E4: Erhöhung Gaseinsatz von 16 % auf 30 % und Beimi- schung von Biomethan SWFL Ca. 60.000 t CO2/a 2021 – 2024 Ohne zusätz- liche Investi- tion möglich E5: Ersatz Wirbelschichtkessel zur Steigerung des Anteils erneuerbarer Festbrennstoffe SWFL Ca. 80.000 t CO2/a 2020 – 2028 250 - 300 Mio. € E6: Kontinuierliche Steigerung des Anteils CO2-neutraler Brennstoffe SWFL Ca. 350.000 t CO2/a 2030 – 2050 Mit den dann beste- henden Kes- seln möglich E7: Kontinuierliche Senkung des Primärenergiefaktors von 0,2 auf null SWFL Geht einher mit den anderen Maßnahmen 2017-2050 Geht einher mit den an- deren Maß- nahmen 6.3.3 Strategie für die Umsetzungsphase Die beschriebenen Maßnahmen wurden auf dem Workshop zusammen mit den Führungs- kräften der Stadtwerke Flensburg erarbeitet. Die Umsetzung der Maßnahmen orientiert sich an den Investitionszyklen für die Neuanschaffung und den Ersatz bestehender Kesselanla- gen. Jede Umstellung bei den Stadtwerken Flensburg wird die aktuell bestehenden Be- grenzungen für die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien verringern. Energieversorgung 47 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Um die Akzeptanz der Maßnahmen in der Bevölkerung zu steigern, sollten Informations- kampagnen durchgeführt werden. Bei den bisherigen Veranstaltungen wurde immer wie- der deutlich, dass gerade der großtechnische Einsatz von Holz viele Fragen aufwirft. So müssen die Stadtwerke Flensburg sicherstellen, dass das Holz aus nachhaltiger Forstwirt- schaft kommt. Die Staubbelastung wird durch die aufwendige Abgasreinigungstechnik, im Vergleich zu Kleinfeuerungsanlagen, faktisch keine Rolle spielen. 6.3.4 Der Weg zur CO2-Neutralität Die Auswirkungen der technischen Umstellungen bei den Stadtwerken Flensburg und der Substitution von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energien sind in den folgen- den beiden Abbildungen (S. 48) dargestellt. Durch diesen Schritt lassen sich die Emissionen in Flensburg bis zum Jahr 2050 um ca. 750.000 t CO2 reduzieren. Es handelt sich dabei um die absoluten CO2-Emissionen (direkte und indirekte Emissionen), die aus der gesamten Fernwärme- und Strombereitstellung der SWFL folgen, d.h. sie beinhalten neben den in- nerhalb des Stadtgebietes Flensburg zu bilanzierenden CO2-Emissionen auch die der um- liegenden Gebiete. Die absoluten CO2-Emissionen bilden die Grundlage für die Ermittlung der spezifischen CO2-Emissionen, die nach finnischer Methode jeweils für Fernwärme- und Stromproduktion bestimmt werden. Die für die Stadt Flensburg zu bilanzierenden CO2- Emissionen resultieren somit aus den spezifischen Emissionsfaktoren (thermisch und elektrisch) und dem Fernwärme- und Stromverbrauch innerhalb Flensburgs. Die Klimaschutzziele werden in beiden Szenarien (Workshop- und Gastechnologieszenario) erreicht. Das zweite Szenario mit dem Fokus auf gasförmige Brennstoffe erlaubt eine schnellere Senkung der Emissionen. Des Weiteren führt die neue Variante zu weiteren posi- tiven Effekten aufgrund des besseren elektrischen Wirkungsgrades von GuD-Anlagen. Über den Flensburger Bedarf hinaus erzeugter klimafreundlicher Strom kann zu CO2- Einsparungen außerhalb Flensburgs führen. Im Rahmen dieses Gutachtes wird der im Workshop mit den Stadtwerken Flensburg erarbeitete Energieträgermix angesetzt. 48 Energieversorgung INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 22: ABSOLUTE CO2-EMISSIONEN DES HEIZKRAFTWERKES AUS DER GESAMTEN STROM-UND FERNWÄRMEBEREISTELLUNG DER SWFL ABBILDUNG 23: KÜNFTIGER BRENNSTOFFMIX BEI DEN STADTWERKEN FLENSBURG 0 100.000 200.000 300.000 400.000 500.000 600.000 700.000 800.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 t CO2/a Kessel 7 Kessel 8 Kessel 12 Kessel9 Kessel10 Kessel 11 Kessel 13 Kessel 14 Kessel 15 Ziel-Emissionen 0% 20% 40% 60% 80% 100% 2014 2020 2024 2030 2040 2050 Biomethan Erdgas Feste Biomasse EBS Steinkohle Wohnungswirtschaft und Zukunft der Fernwärme 49 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 6.4 Wohnungswirtschaft und Zukunft der Fernwärme 6.4.1 Ausgangslage und Zielsetzung In Bereich der Fernwärme sind ein sektorübergreifender Austausch und eine Abstimmung von Klimaschutzmaßnahmen notwendig. Hierzu wurden zum Thema „Zukunft der Fern- wärme“ die Flensburger Wohnungswirtschaft mit den Stadtwerken Flensburg zusammen- gebracht, so dass sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite beteiligt war. Die inhaltlichen Schwerpunkte sind die CO2-neutrale Energieerzeugung, das Fernwärmenetz und damit verbundene künftige Herausforderungen, neue Tarifsysteme inkl. der "grünen" Fernwärme sowie mögliche Kooperationsmöglichkeiten. 6.4.2 Grundlegendes Für die Abbildung der künftigen Entwicklung des Fernwärmebedarfs im Haushaltssektor wurde ein Sanierungstool für den Flensburger Wohnungsbestand entwickelt. Über einen auf empirischen Daten basierenden Sanierungszyklus und die Festlegung von energeti- schen Gebäudestandards nach Baualtersklassen (BAK) wurden die jährlichen Energiever- bräuche ermittelt. Einen weiteren Treiber für den absoluten Energieverbrauch stellen so- wohl die Bevölkerungsentwicklung als auch der sich verändernde spezifische Wohnflä- chenbedarf pro Person dar. 6.4.3 Besondere Hemmnisse Im Bereich der Wohnungswirtschaft wurden zwei Workshops durchgeführt. Im ersten Work- shop gelang es, neben den Flensburger Wohnungsbaugenossenschaften auch die pri- vatwirtschaftliche Wohnungswirtschaft mit an der Erstellung des integrierten Klimaschutz- konzeptes zu beteiligen. Im zweiten Workshop, welcher wie beschrieben, zusammen mit den Stadtwerken Flensburg stattfand, konnten nur Vertreter der Wohnungsbaugenossen- schaften teilnehmen. Bei der Umsetzung des Konzeptes ist somit auf eine verstärkte Einbin- Workshop Wohnungswirtschaft und Zukunft der Fernwärme (Dokumentation s. Abschnitt 9.1, S. 145 ff.) Zielgruppe: Lokale Energieversorger, private Wohnungswirtschaft, Wohnungsbaugenos- senschaften, Wohnungsverbände Bedeutung des Bereichs: Endenergieverbrauch 2009: 540.000 MWh/a (26 % FL) CO2-Emissionen 2009: 220.000 t/a (23 % FL) CO2-Neutralität 2050 erreichbar? Ja: Nein: 50 Wohnungswirtschaft und Zukunft der Fernwärme INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg dung der privatwirtschaftlichen Wohnungswirtschaft zu achten. Ebenfalls wird die Mitnah- me der kleineren privaten Vermieter eine verstärkte Rolle spielen. Eine weitere Ungewissheit für Flensburg war die Frage, ob die Fernwärmeversorgung bei einer kontinuierlichen Abnahme der Fernwärmenachfrage unter wirtschaftlichen Rah- menbedingungen weiter betrieben werden kann. Es zeigte sich über das eigens entwi- ckelte Sanierungstool, welches ebenfalls die Entwicklung der Fernwärmekosten mit abbil- dete, dass die Fernwärme bis zum Jahr 2050 konkurrenzfähig zu alternativen Versorgungs- lösungen sein wird. Erst am Ende der betrachteten Phase könnten Wärmepumpen eine interessante Alternative darstellen. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Bereiche, die heute mit Fernwärme versorgt werden, auch künftig Fernwärmekunden bleiben werden. Hausbesitzer, die ihre Dachflä- chen zur regenerativen Erzeugung von Energie nutzen wollen und an das Fernwärmenetz angeschlossen sind, sollten anstelle der hier kontraproduktiven Solarthermie auf Photovol- taik-Anlagen setzen (vgl. Abschnitt 7.2.5, S. 128 ff.). Anders stellt sich die Situation in Neubaugebieten dar. Voraussichtlich wird frühestens ab dem Jahr 2020 der Anschluss von Neubaugebieten an das Fernwärmenetz nicht mehr zwingend wirtschaftlich sein. Um die CO2-Neutralität dieser Neubauten zu ermöglichen, sollte in diesen Fällen der Einsatz von Solarthermie zur Warmwassererzeugung und / oder Heizungsunterstützung vorgeschrieben werden. 6.4.4 Identifizierte Maßnahmen Maßnahme Akteur Einsparung Zeitpunkt d. Umsetzung Kosten Bedarfsreduzierung W1: Senkung der Fernwärme- Rücklauftemperaturen (z. B. durch Volumentarife) Wohnungs- wirtschaft, SWFL 5 % des Fernwär- mebedarfs ab 2012 W2: Steigerung der Sanie- rungseffizienz Wohnungs- wirtschaft 30 % des Fern- wärmebedarfs 2012 bis 2050 ~ 920 Mio. € W2-1: Dämmung der obers- ten Geschossdecke Wohnungs- wirtschaft Bestandteil des Maßnahmen- paketes W2 2012 bis 2050 Ø ~ 45 €/m²Bauteil W2-2: Dämmung der Dach- fläche Wohnungs- wirtschaft Bestandteil des Maßnahmen- paketes W2 2012 bis 2050 Ø ~ 55 €/m²Bauteil Wohnungswirtschaft und Zukunft der Fernwärme 51 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG W2-3: Wärmedämmver- bundsystem zur Außen- wanddämmung Wohnungs- wirtschaft Bestandteil des Maßnahmen- paketes W2 2012 bis 2050 Ø ~ 42 €/m²Bauteil W2-4: Austausch der Fenster Wohnungs- wirtschaft Bestandteil des Maßnahmen- paketes W2 2012 bis 2050 Ø ~ 350 €/m²Bauteil W2-5: Einbau einer mechani- schen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung Wohnungs- wirtschaft Bestandteil des Maßnahmen- paketes W2 2012 bis 2050 Ø ~ 3.000 €/Wohneinheit W2-6: Dämmung der Keller- decke Wohnungs- wirtschaft Bestandteil des Maßnahmen- paketes W2 2012 bis 2050 Ø ~ 41 €/m²Bauteil W3: Anhebung der Sanie- rungsrate Wohnungswirt- schaft 10 % des Fern- wärmebedarfs 2012 bis 2050 Energieeffizienz W4: Substitution elektr. Warmwassererzeugung durch Fernwärme Wohnungs- wirtschaft Abhängig vom derzeitigen Zu- stand 2012 - 2050 ~ 24 Mio. € (~2.000 €/ Wohneinheit) Substitution W5: Einsatz von Solarthermie in Neubaugebieten ohne Fernwärmeanschluss Wohnungs- wirtschaft Abhängig von künftig ausgewie- senen Neubau- gebieten Ab 2020 6.4.4.1 Steigerung der Sanierungseffizienz Die Entwicklung des spezifischen Energieverbrauches bei der energetischen Gebäudesan- ierung und dem Neubau wird seitens der Wohnungswirtschaft wie in der folgenden Tabel- le gezeigt eingeschätzt. Sanierungseffizienz BAK [kWh/m²] bis 2009 2009- 2014 2015- 2019 2020- 2029 2030- 2039 2040- 2050 Bis 1948 130 91 91 91 91 91 1949 - 1968 130 91 60 50 40 30 1969 - 1987 130 91 60 50 40 30 1988 - 2002 130 91 60 50 40 30 2003 - 2009 130 91 60 50 40 30 Neubau (2009 - 2050) 70 40 20 10 0 52 Wohnungswirtschaft und Zukunft der Fernwärme INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Es ist davon auszugehen, dass auf Grundlage künftiger EU-Vorgaben und der Pläne der Bundesregierung zur Senkung des Energieverbrauchs im Gebäudesektor der Energiestan- dard für Neubauten deutlich gesenkt werden wird. Bis zum Jahr 2050 wird der spezifische Energieverbrauch von Neubauten kontinuierlich zurückgehen und am Ende den Null- Energie-Standard erreichen. Im Bereich der energetischen Gebäudesanierung wird sich der Anteil der Häuser, in denen nachträglich eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung eingebaut wird, stark erhöhen. In den Baualtersklassen von 1948 bis 2009 wird bis zum Jahr 2020 ein prozentual großer Rück- gang erwartet. Ab dem Jahr 2020 wird von einer jährlichen Senkung des spezifischen Energieverbrauchs von ca. 1 kWh/m2a ausgegangen. Bis zum Jahr 2050 sinkt dieser somit auf 30 kWh/m2a. Eine Ausnahme stellen Altbauten aus dem Zeitraum von 1900 bis 1948 dar. Aufgrund der besonderen Gebäudespezifika ist eine Senkung des Energieverbrauches unter einen Standard von 90 kWh/m2a als technisch, wirtschaftlich und städtebaulich (häufig denk- malgeschützte Fassaden) nicht sinnvoll anzunehmen. 6.4.4.2 Entwicklung der Sanierungsrate Es zeichnet sich ab, dass die Bundesregierung beabsichtigt, die Sanierungsraten durch die Förderung mit öffentlichen Mitteln zu steigern. Als eine der ersten Maßnahmen will die Bundesregierung dadurch einen Anreiz schaffen, dass Energieeinsparmaßnahmen über einen Zeitraum von 10 Jahren abgeschrieben werden können. Das Gesetzespaket ist zu- nächst vom Bundesrat abgelehnt worden. Trotz der Förderung werden Sanierungsraten in einer Größenordnung von 3 % als nicht rea- listisch angesehen. 2 % wären als ein ambitioniertes Ziel, über einen begrenzten Zeitraum aber möglich. Die Ergebnisse des Workshops bezüglich der Sanierungszyklen sind in fol- gender Tabelle dargestellt. Historisch 2009- 2014 2015- 2019 2020- 2029 2030- 2039 2040- 2050 Sanierungsraten 1 2,3 2,1 1,3 1,15 1 Mittelwert über alle BAK 1,10 % 2,0 % 2,0 % 1,5 % 1,4 % 1,2 % Sanierungszyklus (Jahre) 91 50 49 68 71 82 6.4.5 Strategie für die Umsetzungsphase Sowohl die Wohnungswirtschaft als auch die Stadtwerke Flensburg arbeiten bereits inten- siv an der Senkung ihres Energieverbrauches bzw. der Reduzierung der CO2-Emissionen. Um auch die kleineren Vermieter zu gewinnen, wird es wichtig sein, dass sich auch die Flensburger Bevölkerung dem Ziel des Klimaschutzes verschreibt. Nur wenn die Flensburger Mieter von ihren Vermietern gewisse Standards bei dem Energieverbrauch der einzelnen Objekte fordern, kann der Energieverbrauch deutlich gesenkt werden. Es muss deutlich vermittelt werden, dass ein Großteil der Flensburger CO2-Emissionen durch das Beheizen Wohnungswirtschaft und Zukunft der Fernwärme 53 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG der Gebäude verursacht wird. Umso wichtiger ist es, dass die großen Wohnungsunterneh- men in Flensburg eine Vorreiterrolle einnehmen. 6.4.6 Der Weg zur Klimaneutralität Die baualtersklassenspezifische Entwicklung des künftigen Wärmebedarfs der Flensburger Haushalte über die Steigerung der Sanierungseffizienz und der Sanierungsraten ist der fol- genden Abbildung zu entnehmen. Die Deckung des Energiebedarfs über die Jahre hin zur CO2-Neutralität im Jahr 2050 ist den folgenden Abbildungen zu entnehmen. ABBILDUNG 24: ENTWICKLUNG DES WÄRMEBEDARFS IM HAUSHALTSSEKTOR 0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 300.000 350.000 400.000 450.000 500.000 550.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 [MWh/a] Warmwasser 2009-Jahr X 2003-2008 1988-2002 1969 bis 1987 1949 bis 1968 bis 1948 54 Stadtentwicklung INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 25: DECKUNG DES WÄRMEBEDARFS DURCH DIE FERNWÄRME 6.5 Stadtentwicklung 6.5.1 Ausgangslage und Zielsetzung Der Bereich Stadtentwicklung und Stadtplanung mit seinen langfristigen Planungshorizon- ten kann einen wichtigen Beitrag zur Erreichung des Klimaziels im Jahr 2050 leisten. Auf dem Workshop sollten stadtplanerische Maßnahmen zur Senkung des Heizwärmebedarfs und der Emissionen des Verkehrssektors auf ihre Eignung für Flensburg geprüft werden. Das städtebauliche Entwicklungskonzept der Stadt Flensburg sieht seit 2005 vor, eine Koor- dinierungsrunde einzurichten, um die Entwicklungen kontinuierlich zu überwachen und 0 25.000 50.000 75.000 100.000 125.000 150.000 175.000 200.000 225.000 0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 300.000 350.000 400.000 450.000 500.000 550.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 tCO2/aMWh/a Biomethan Erdgas Biomasse EBS Kohle CO2-Emissionen Workshop Stadtentwicklung (Dokumentation: s. Abschnitt 9.8, S. 244 ff.) Zielgruppe: Stadtverwaltung, Stadtsanierung, Wohnungsbaugenossenschaften, Stadtwer- ke, Architekten, ÖPNV-Unternehmen, Unternehmensvertreter Bedeutung des Bereichs: nicht direkt einer Emissionsmenge zuordenbar, aber von überge- ordneter Relevanz für den Wärmebedarf von Gebäuden und den Verkehrsbereich Identifizierte Maßnahmen: S1-S10, V15 (siehe Verkehrsbereich) Stadtentwicklung 55 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG gegebenenfalls nachsteuern zu können. Bisher wurde in diesem Rahmen eine AG zur Sied- lungsvorsorge eingerichtet. Seit Oktober 2007 existiert im Rahmen des Forschungsprogramms „Experimenteller Woh- nungs- und Städtebau“ (ExWoSt) eine neutrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Wohnungsangebot. 6.5.2 Grundlegendes Gemeinden haben bei der Planung von Neubaugebieten die Möglichkeit, über Satzun- gen indirekt Einfluss auf den Energieverbrauch und die Energieversorgung privater Haus- halte zu nehmen. Vor dem Hintergrund eines stetig steigenden Pro-Kopf- Wohnflächenbedarfs und einer wachsenden Bevölkerung kommt dem Handeln auf kom- munaler Ebene eine besondere Bedeutung zu. 6.5.3 Besondere Hemmnisse Die Teilnehmer befürchteten, dass restriktive Bau- und Verkehrssatzungen im Alleingang einer Gemeinde eine Abwanderung in Nachbargemeinden hervorrufen könnten. 6.5.4 Identifizierte Maßnahmen Maßnahme Akteur Einsparung Zeitpunkt d. Umsetzung Kosten Bedarfsreduzierung im Heizwärmebereich S1: Ausweisung von Gebie- ten für einen bestimmten energetischen Standard, v. a. im Randbereich des Fernwärmenetzes Stadtverwaltung, Eigentümer, Stadtwerke Nicht quantifiziert 2012 – 2050 n.a. S2: Ökologische Wohnsied- lungen Stadtverwaltung, Wohnungsbau- genossenschaf- ten… Nicht quantifiziert 2012 – 2050 n.a. S3: Verringerung der Leer- stände Stadtverwaltung, Wohnungsbau- genossenschaften Nicht quantifiziert 2012 – 2050 n.a. Bedarfsreduzierung im Verkehrsbereich (~ Änderung des Modal Split) S4: Vorgaben zur Fahrrad- Infrastruktur an Einkaufslä- den (Wege und Abstellan- lagen) Stadtverwaltung Einzelhändler Nicht quantifiziert 2012 – 2050 n.a. 56 Stadtentwicklung INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg S5: Erreichbarkeit mit dem Umweltverbund als Voraus- setzung für neue Siedlun- gen, Läden etc. Stadtverwaltung, Busunternehmen Nicht quantifiziert 2012 – 2050 n.a. V15: Genossenschaftlicher Lebensmittelladen im Stadtteil Einzelhändler und Stadtteilbewoh- ner; Stadtverwal- tung (unterstüt- zend) 26 t CO2/a (nicht auf diesem WS quantifiziert) 2012 – 2050 Betriebs- kosten S6: Parkraumbewirtschaf- tung Stadtverwaltung Nicht quantifiziert Mittel- bis langfristig n.a. S7: Ausweitung der Vor- rangschaltung für den ÖPNV Stadtverwaltung Potential bereits ausgeschöpft? n.a. S8: Einrichtung weiterer Umsteigepunkte Busunternehmen, Stadtverwaltung Diese Maßnah- men unterstützen das Maßnah- menpaket zur Modal-Split- Änderung im Verkehrsbereich und tragen zu den entspre- chenden CO2- Einsparungen in Höhe von knapp 35.000 t CO2 / a bei. 2012 – 2050 n.a. S9: Radinfrastruktur Stadtverwaltung kontinuierlich n.a. S10: Vermeidung von Ab- senkung des Radweges durch Einfahrten Stadtverwaltung Kurzfristig n.a. S11: Ausbau der Uferpro- menaden, z. B. durchgän- gig von der Solitüde bis zum Ostseebad Stadtverwaltung, Eigentümer anlie- gender Grundstü- cke Kurz- bis mit- telfristig n.a. 6.5.5 Strategie für die Umsetzungsphase Kurzfristig sollen im Verkehrsbereich hauptsächlich Pull-Maßnahmen umgesetzt werden. Diese verbessern das Angebot des Umweltverbunds – im Unterschied zu Push-Maßnahmen, welche die Nutzung des MIV einschränken, z. B. durch Parkraumbewirtschaftung, Tempo-30-Zonen etc. Best-Practice-Beispiele im Baubereich sollen ebenfalls kurzfristig auf die Tagesordnung ge- setzt werden, um als Vorbild in diesem Handlungsbereich dienen zu können. Auf restriktive kommunale Maßnahmen sollte kurz- und mittelfristig verzichtet werden. Energetische Vorgaben könnten jedoch im Rahmen der bereits bestehenden Stadt- Personenverkehr: Klimaverträgliche Mobilität als System 57 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Umland-Kooperation (Wohnungskontingente) eingeführt werden, um durch Kooperation Akzeptanz zu schaffen. 6.6 Personenverkehr: Klimaverträgliche Mobilität als System Die Stadt Flensburg erstellt im Rahmen ihres Mobilitätsprogramms ein Radverkehrskonzept sowie die 3. Fortschreibung des Regionalen Nahverkehrsplans (RNVP). Abbildung 26 gibt eine Übersicht über das Zusammenspiel der relevanten Planwerke für den Flensburger Per- sonenverkehr. ABBILDUNG 26: ÜBERSICHT DER PLANWERKE FÜR DEN FLENSBURGER PERSONENVERKEHR Für den Flensburger Personenverkehr wurden drei Workshops durchgeführt: je ein Exper- ten-Workshop mit den Schwerpunkten ÖPNV (Abschnitt 6.6.4, S. 60) und Individualverkehr (Abschnitt 6.6.5, S. 63) und ein öffentlicher Workshop (Abschnitt 6.10.2, S. 104), an dem alle interessierten Flensburger teilnehmen konnten. Die Erkenntnisse der Ende Juni veröffentlich- ten ersten Flensburger Mobilitätsbefragung wurden für die weiteren Ausführungen über- nommen, so dass leichte Abweichungen von den Workshopergebnissen auftreten. Die folgenden Darstellungen gelten für alle drei Workshops. 6.6.1 Ausgangslage und Zielsetzung Zwischen 1990 und 2006 wurde eine Verbrauchssenkung der deutschen Pkw-Flotte um 18 % durch eine Erhöhung der Pkw-Fahrleistung konterkariert [vgl. BMVBS 2009, S. 286/7]. Auf Flensburg bezogen bedeutet dies, dass die Verkehrsemissionen trotz technischen Fort- schritts gegenüber 1990 um 12,6 % stiegen. Daher kann die CO2-Neutralität im Verkehrsbe- reich nur unter großen Schwierigkeiten ausschließlich über technische Lösungen wie Effi- zienzsteigerungen oder Kraftstoffsubstitution erreicht werden, sondern es müssen auch deutliche Verhaltensänderungen bei der Verkehrsmittelwahl angestrebt werden. Derzeit legen die Flensburger 54 % aller Wege innerhalb der Stadt mit einem Kraftfahrzeug zurück, 46 % dieser Wege entfallen auf den Umweltverbund (ÖPNV, Rad, zu Fuß gehen), wie in Abbildung 27 (S. 58) dargestellt [SHP 2011, S. 6]. Aus anderen Städten ist bekannt, dass der Umweltverbund Anteile von über 60 % am Modal Split nach Wegen erreichen kann [vgl. 58 Personenverkehr: Klimaverträgliche Mobilität als System INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Münster, 2008]. Die Verlagerung der Nachfrage in Richtung des Umweltverbunds setzt ein entsprechendes Angebot voraus. Die in den Workshops diskutierten Maßnahmen zur Än- derung des Modal Split können daher nur unter den in Abschnitt 6.6.2 (S. 58) beschriebe- nen Bedingungen greifen. ABBILDUNG 27: MODAL SPLIT NACH WEGEN (INNERORTS) 6.6.2 Systembedingungen für die Änderung des Modal Split In allen drei Verkehrs-Workshops wurden folgende Rahmenbedingungen als Grundvoraus- setzungen für die CO2-Neutralität im Verkehrsbereich identifiziert (s. Abschnitt 9.9.2.2, S. 261): Ein attraktiver öffentlicher Fernverkehr, da bundesweit nur 35 % der Fahrleistung dem innerstädtischen Verkehr zuzuordnen sind [ifeu 2010, S. 28] – nach Erkenntnis- sen der Flensburger Mobilitätsumfrage sinkt dieser Wert sogar auf 25 % [eigene Be- rechnung nach SHP 2011]. Die Unabhängigkeit vom eigenen Auto im (städtischen) Alltag wird sonst auf der Langstrecke konterkariert. Ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr, der sich am Offensivszenario des Regi- onalen Nahverkehrsplans (RNVP) orientiert. Das Offensivszenario soll innerorts eine Verdopplung des ÖPNV-Anteils am Modal Split nach Wegen von 10 auf 20 % errei- chen, durch Maßnahmen in den Bereichen Linienführung, Taktung, neue Umstei- gepunkte, Tarife, Betriebszeiten, Randzeiten etc. Der RNVP soll im ersten Quartal des Jahres 2012 fertiggestellt werden. Ein attraktives Radverkehrsangebot, einschließlich eines gut ausgebauten Rad- wegenetzes, sowie einer kontinuierlichen, systematischen Radverkehrsförderung mit entsprechender personeller Ausstattung. Hinsichtlich der Verbesserung der Fahrrad- infrastruktur wurde bspw. die Wirkung des Ausbaus von Radwegen auf den Modal Split mit Vorher-Nachher-Verkehrszählungen für andere Städte abgeschätzt [Röh- 54% 44% 36% 10% 20% 20% 19% 20% 26% 16% 16% 19% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Modal Split nach Wegen, Flensburg innerorts 2010 Modal Split nach Wegen, innerorts, Offensivszenario RNVP Modal Split nach Wegen, innerorts, integriertes Klimaschutzkonzept Zu Fuß Rad ÖPNV MIV / Carsharing Personenverkehr: Klimaverträgliche Mobilität als System 59 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ling et al. 2008], mit eingeschränkter Übertragbarkeit der Ergebnisse. Dennoch zei- gen diese Verkehrszählungen, dass auch im Radverkehr gilt, was aus dem Pkw- Verkehr bekannt ist: neue Wege führen zu höherer Verkehrsleistung. Insbesondere wird in Flensburg die Schließung von Netzlücken Bedeutung gewinnen. Besondere Beachtung verdient die Topographie Flensburgs – zur Überwindung von Steigungen bietet sich eine verstärkte Förderung von Fahrrädern mit elektrischem Hilfsmotor (sog. Pedelecs) an. Aus den Ergebnissen der Mobilitätsbefragung und den Anforde- rungen an eine veränderte Verkehrsmittelwahl zur Erreichung der CO2-Neutralität muss der Radverkehr einen Anteil an allen Wegen innerorts von ca. 25 % erreichen. Attraktive Rahmenbedingungen für den Fußgängerverkehr Etablierung eines Carsharing-Angebots, unter Einbeziehung der gewerblichen Nut- zung des Carsharing als Ersatz für Dienstwagen. Die Nutzung wird je gefahrenem Ki- lometer abgerechnet, so dass der Nutzer die gesamten Kosten in seine ökonomi- schen Überlegungen einbezieht, nicht nur die Kraftstoffkosten, wie im Falle des ei- genen Pkw. Mobilitätsmanagement auf kommunaler, betrieblicher und siedlungsbezogener Ebene, unter Nutzung der besonderen Chancen des Klimapakt Flensburg e.V., des- sen Mitgliedsunternehmen wichtige Arbeitgeber, Dienstleister und Vermieter für die Flensburger Bürger sind. Insgesamt wurde die Einschätzung deutlich, dass alle Maßnahmen im Verkehrsbereich erhebliche Synergieeffekte aufweisen und daher als Maßnahmenpaket umgesetzt werden sollen. Wird die Möglichkeit zum Umstieg auf den Umweltverbund nur in einzelnen Teilbe- reichen gegeben, kann die Abhängigkeit vom eigenen Pkw nicht wirksam aufgelöst wer- den. Werden beispielsweise nur Maßnahmen für die Nutzung des Umweltverbunds auf den Arbeitswegen ergriffen, während der Freizeitbereich vernachlässigt wird, kommt eine Ab- schaffung des eigenen Pkw für viele Menschen nicht in Frage. Die hohen bereits aufge- brachten Investitionskosten verteilen sich bei höherer Fahrleistung auf mehr Kilometer. So sinken die Kosten pro gefahrenen Kilometer mit steigender Fahrleistung [vgl. Loose 2011, S. 12]. Daher wäre es in diesem Beispiel wahrscheinlich, dass bei einer Vernachlässigung an- derer Anwendungsbereiche trotz des verbesserten Angebots im Umweltverbund auf den Arbeitswegen bei Pkw-Besitzern kein Umstieg erfolgt. Solche gegenseitigen Beeinflussun- gen der Wirksamkeit von Maßnahmen müssen im Verkehrsbereich nach Einschätzung der Teilnehmer in besonderem Maße beachtet werden. 6.6.3 Besondere Hemmnisse Bei der Diskussion aller Maßnahmen für den Mobilitätsbereich, die auf eine Änderung der Verkehrsmittelwahl und damit des Modal Split abzielen, wurde deutlich, dass die Wirkwei- sen und Potentiale von Maßnahmen in diesem Bereich nur schwer abschätzbar sind. Selbst wenn Modal-Split-Änderungen aus anderen Städten bekannt sind, ist die Übertragbarkeit auf andere Gegebenheiten nicht gewährleistet. Die Teilnehmer thematisierten auch 60 Personenverkehr: Klimaverträgliche Mobilität als System INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg mehrfach, welche Nutzergruppen erreicht werden und ob eine „Kannibalisierung“ der Verkehrsmittel des Umweltverbunds untereinander zu befürchten sei (z. B. Umstieg vom Bus aufs Rad oder umgekehrt, ohne Autofahrer zu erreichen). Auch die Datenlage ist im Verkehrsbereich als besonderes Hemmnis einzuordnen. Nur der Fahrzeugbestand konnte spezifisch für Flensburg ermittelt werden. Für die weiteren Re- chengrößen Fahrleistung und Verbrauch, die zur Ermittlung der sektoralen Emissionen not- wendig waren, musste auf bundesweite Daten zurückgegriffen werden. Ende Juni 2011 wurde die erste Flensburger Mobilitätsumfrage veröffentlicht, die sich zunächst hauptsäch- lich mit den innerstädtischen Wegen beschäftigt und keine Rückschlüsse auf die gesamte Fahrleistung der Flensburger zulässt [SHP 2011; Vandeck 2011]. Eine regelmäßige Aktualisie- rung der Umfrage sowie ihre Erweiterung um relevante Angaben zur Emissionsberechnung sind Grundvoraussetzungen für das Monitoring und Controlling im Rahmen des Klima- schutzkonzepts. Gerade im Verkehrsbereich, in dem Ursache und Wirkung der klimarele- vanten Verhaltensänderungen nicht abschließend erforscht sind, hat eine gute Datenlage eine besondere Funktion für die Transparenz und Kommunikation erzielter Erfolge. Die Teil- nehmer der Verkehrs-Workshops wiesen wiederholt darauf hin, dass es hier um die Errei- chung einer kritischen Masse geht – je mehr Flensburger vom Auto auf den Umweltver- bund umsteigen, um so attraktiver kann dessen Nutzung werden. 6.6.4 ÖPNV 6.6.4.1 Identifizierte Maßnahmen Auch im ÖPNV-Workshop wurde die Einschätzung geäußert, dass alle Maßnahmen im Verkehrsbereich deutliche Synergieeffekte aufweisen und daher als Maßnahmenpaket umgesetzt werden sollen. Workshop Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) (Dokumentation: s. Abschnitt 9.3, S. 177) Zielgruppe: ÖPNV-Unternehmen, Stadtverwaltung, Verkehrsplanungsbüro, ÖPNV-Kunden (Unternehmen als Multiplikatoren für Arbeitnehmer, Seniorenbeirat, Behindertenvertreter) Bedeutung des Bereichs: Energieverbrauch 2009: 12.413 MWh/a (0,6 % FL) CO2-Emissionen 2009: 3.893 t/a (0,4 % FL) Angebotsverbesserung zusätzliches Einsparpotential Umstieg Auto - ÖPNV CO2-Neutralität 2050 erreichbar? Ja: Nein: Identifizierte Maßnahmen: V1b-V6 Personenverkehr: Klimaverträgliche Mobilität als System 61 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Maßnahme Akteur Einsparung Zeitpunkt d. Umsetzung Kosten Bedarfsreduzierung (~ Änderung des Modal Split) V1b: Umsetzung des Offen- sivszenarios des Regionalen Nahverkehrsplans (Linien- führung, Taktung, neue Umsteigepunkte, Tarife, Betriebszeiten, Randzeiten) Busunter- nehmen, Stadt Flens- burg Verdopplung des Modal Split von 10 auf 20 % aller innerstädti- schen Wege; Erhöhung des Radverkehrs- anteils von 19 auf 20 % aller innerstädtischen Wege durch Bike + Ride, Radmitnahme ab 2012 Nicht quantifiziert V2: Dynamisches Fahrgast- informationssystem Busunter- nehmen, Stadt Flens- burg Nicht quantifi- ziert, da Be- standteil von V1 bis 2015 Je Anzeigetafel: < 50.000 € Energieeffizienz V3: Busspuren etc. Stadt- verwaltung Potential nach Einschätzung der Teilnehmer schon ausge- schöpft bereits um- gesetzt Substitution V4: Dieselhybrid-Busse mit Option auf Oberleitungs- betrieb Busunter- nehmen Bewertung mit Maßnahme V5 2016 bis 2020 zu klären V5: Oberleitungen Fördermittel Bund/Land 3.172 t CO2/a bis 2050 zu klären V6: Solarfähre Busunter- nehmen? v. a. Tourismus- Attraktion optional 60.000 - 100.000 € Investition 6.6.4.2 Strategie für die Umsetzungsphase Strategien zur Mitnahme der Bevölkerung sind im Verkehrsbereich besonders wichtig, da hier die Emissionsreduktion stark von den Einzelentscheidungen aller Bürger abhängt. Im 62 Personenverkehr: Klimaverträgliche Mobilität als System INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ÖPNV-Workshop wurden Werbekampagnen mit folgenden Elementen und Botschaften vorgeschlagen: Bekannte Gesichter für Kampagnen engagieren, O-Töne von Unternehmern für die Herausstellung der Vorzüge des ÖPNV aus gesamtstädtischer Sicht Vergleichende Darstellung der Mobilitätskosten für die verschiedenen Verkehrsmittel Informationen und Trainingsangebote für nicht versierte Nutzer Überraschend gute Erfahrungen von gewohnheitsmäßigen Nichtnutzern 6.6.4.3 Der Weg zur Klimaneutralität Im ÖPNV-Workshop wurde vereinbart, die Umstellung der Dieselbusse auf Dieselhybrid- Antrieb mit Radnabenmotor voranzutreiben, und dabei die Option auf Oberleitungsbe- trieb im Stadtverkehr von vornherein zu berücksichtigen. Die Aufladung der Akkumulato- ren soll über Oberleitungen erfolgen, die im Unterschied zu konventionellen Oberleitungs- systemen nur an zentralen Haltestellen errichtet werden müssen. Der Anteil regenerativen Stroms für die Aufladung soll entsprechend des Strommix’ der SWFL bis 2050 auf 100 % an- steigen. Unter dieser Voraussetzung wird die Klimaneutralität im ÖPNV bis 2050 möglich, wie in Abbildung 28 dargestellt. Die Umsetzung des Offensivszenarios des RNVP führt zu einer Verlagerung des innerstädti- schen Modal Split vom MIV zum ÖPNV. Die zugehörige Emissionsreduktion ist daher als ei- ne Maßnahme zur Modal-Split-Änderung in Abbildung 29 (S. 66) dargestellt. ABBILDUNG 28: EMISSIONSREDUKTION DURCH UMSTELLUNG AUF E-MOBILITÄT IM ÖPNV 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 4.000 4.500 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 t CO2/a CO2-Ausstoß ÖPNV Klimaschutzkonzept (t/a) CO2-Ausstoß ÖPNV BAU (t/a) Personenverkehr: Klimaverträgliche Mobilität als System 63 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 6.6.5 Individualverkehr 6.6.5.1 Identifizierte Maßnahmen Auch im Individualverkehrs-Workshop wurde die Einschätzung geäußert, dass alle Maß- nahmen im Verkehrsbereich deutliche Synergieeffekte aufweisen und daher als Maßnah- menpaket umgesetzt werden sollen. Die Umsetzung des Offensivszenarios des RNVP wurde nachträglich in die Maßnahmenliste aufgenommen, da es eine Grundvoraussetzung für die Wirksamkeit aller Kampagnen zur Änderung der Verkehrsmittelwahl ist. Die Berechnung der Wirksamkeit der Kampagnen basiert auf den in Abschnitt 9.9.2.3 (S. 262) dargestellten Überlegungen. Vorbedingungen für die Wirksamkeit der Maßnahmen: attraktiver öffentlicher Nah- und Fernverkehr, Rad- und Fußverkehrsangebote, Car-Sharing, Mobilitätsmanagement (s. Ab- schnitt 6.6.2, S. 58) Maßnahme Akteur Zeitpunkt d. Umsetzung Kosten Bedarfsreduzierung (~ Änderung des Modal Split) Die Einsparungen im Jahr 2050 durch Modal-Split-Änderungen wurden von den Teilnehmern auf ca. 34.600 t CO2/a abgeschätzt. Eine Zuordnung der Einsparpotentiale zu einzelnen Maßnahmen wurde im Workshop vorgenommen, die Teilnehmer wiesen jedoch darauf hin, dass es v.a. auf die Errei- chung einer kritischen Masse ankommt, wozu eine konsequente Kombination der Maßnahmen und Kampagnen nötig ist. V1a: Umsetzung des Rahmenkon- zeptes zu Radverkehrsförderung Stadt Flensburg (Rad- verkehrskoordinator/in), TBZ ab 2012 Nicht quantifiziert Workshop Individualverkehr (Dokumentation: s. Abschnitt 9.9, S. 254 ff.) Zielgruppe: Stadtverwaltung, Fahrschulen, Elternvertreter, Verkehrserzieher, ÖPNV- Unternehmen, Unternehmen als Multiplikatoren für Arbeitnehmer Bedeutung des Bereichs: Energieverbrauch 2009: 498.379 MWh/a (24 % FL) CO2-Emissionen 2009: 161.399 t/a (16,5 % FL) CO2-Neutralität 2050 erreichbar? Ja: Nein: Identifizierte Maßnahmen: V1a+b, V7 – V17 64 Personenverkehr: Klimaverträgliche Mobilität als System INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg V1b: Umsetzung des Offensivsze- narios des Regionalen Nahver- kehrsplans (Linienführung, Tak- tung, neue Umsteigepunkte, Tari- fe, Betriebszeiten, Randzeiten) Busunternehmen, Stadt Flensburg ab 2012 Nicht quantifiziert V8: Mobilitätserziehung in weiter- führenden Schulen Kooperation Uni Flens- burg / Lehramtsstuden- ten 2012 - 2050 Evtl. förderfähig V9: Carsharing- Schnupperangebot für Fahran- fänger Carsharing-Anbieter, Fahrschulen Sobald ein CS- Angebot be- steht Entgangene Grundgebühr je Zeitraum V10: Neubürgerkampagne Stadtverwaltung, Rad- verkehrskoordinator, ÖPNV-Unternehmen 2012 - 2050 Bsp. München: 12 €/a pro Neubürger [Nallinger 2006, S. 19 ff.] V11: „Aktion Probezeit“: Auspro- biermonat für Packtaschen, An- hänger, Regenkleidung etc. Stadtverwaltung, Rad- händler 2012 - 2050 Kosten für Werbung und Radzubehör V12: Bringservice Einzelhändler 2012 - 2050 Betriebskosten V13: Betriebliches Mobilitätsma- nagement Flensburger Unterneh- men, beginnend bei Klimapakt-Mitgliedern 2012 - 2050 Kosten für BM- Verantwortlichen, Einsparung von Dienstwagen Kosten für Carsha- ring, Pedelecs V14: Radstation am Bahnhof als Element einer ganzheitlichen Radinfrastruktur Stadtverwaltung / Rad- händler 2012 - 2050 Pacht; Personalkos- ten evtl. durch Ver- lagerung einer be- stehenden Rad- werkstatt kompen- sierbar V15: Genossenschaftlicher Le- bensmittelladen im Stadtteil Einzelhändler und Stadtteilbewohner; Stadtverwaltung (unter- stützend) 2012 - 2050 Betriebskosten Personenverkehr: Klimaverträgliche Mobilität als System 65 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Substitution Die Einsparungen im Jahr 2050 durch technische Lösungen wurden von den Teilnehmern auf ca. 71.300 t CO2/a abgeschätzt. V16: Pedelecs mit regenerativem Strom Radhändler, Flensbur- ger Stadtwerke 2012 - 2050 Mehrkosten für Pede- lecs; Kosten für reg. Strom V17: Elektro-Autos mit regenerati- vem Strom Alle Flensburger, Stadt- werke, evtl. FFG ab 2020 Mehrkosten für E-Autos; Kosten für reg. Strom Die Maßnahmen zur Modal-Split-Änderung sollten Priorität haben, da sie sowohl aus Ent- scheiderperspektive als auch volkswirtschaftlich mit finanziellen Einsparungen verbunden sind, während die Anschaffung von Elektrofahrzeugen mit zusätzlichen Kosten einhergeht. 6.6.5.2 Elektromobilität Für die positive Klimawirkung von Elektromobilität ist der Einsatz von regenerativ erzeugtem Strom eine zwingende Voraussetzung. Die benötigte zusätzliche Strommenge errechnet sich aus den folgenden Parametern: Strombedarf Elektrofahrzeug: 15 kWh/100 km, > 57.000 Flensburger, die ihren Modal Split nur gemäß des Offensivszenarios des RNVP ändern und weiterhin ca. 10.000 km/a mit dem Pkw zurücklegen, 26.520 Flensburger, die ihren Modal Split ändern und nur noch 2.200 km/a mit dem Pkw zurücklegen. Unter diesen Voraussetzungen ergibt sich für den vollständigen Umstieg auf Elektro-Pkw im Jahr 2050 ein Mehrbedarf an Strom von 98 GWh/a oder 9 % der erwarteten Stromerzeu- gung der Stadtwerke Flensburg. Auf Bundesebene werden derzeit hauptsächlich Konzepte für Elektroautos mit festverdrah- teten Akkus untersucht und gefördert. Damit kann die Aufladung der Akkus nicht gezielt zu Starkwindzeiten etc. erfolgen, sondern nur dann, wenn das gesamte Auto an eine Steck- dose angeschlossen ist. Zur Entkopplung des Ladezyklus‘ vom Fahrzyklus verfolgt z. B. die Firma Better Place das Konzept des Wechselakkus. Der Akkuwechsel kann innerhalb von 90 Sekunden erfolgen. Entsprechende Wechselstationen wurden bislang in Israel aufge- baut. Als zweites Land ist Dänemark geplant. Es bestehen bereits Kontakte zum Ansprech- partner in Kopenhagen. Der von Better Place angebotene Mittelklassewagen kostet ca. 25.000 € ohne Batterie. Die Batterie wird nach gebuchter Fahrleistung gestaffelt geleast. Bei 20.000 km pro Jahr erge- ben sich Kosten von ca. 200 € im Monat. Integriert in das Angebot sind eine intelligente 66 Personenverkehr: Klimaverträgliche Mobilität als System INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Software, die auch Alternativen vorschlägt, wenn z. B. ein Umstieg auf Bus oder Bahn günstiger ist, sowie eine Zeitkarte für öffentliche Verkehrsmittel. Eine kurzfristig verfügbare, erschwingliche Möglichkeit, Elektromobilität im Alltag zu nutzen, sind die sogenannten Pedelecs (Fahrräder mit Tret-Unterstützung durch einen Elektromo- tor). Sie können besonders in Flensburg nützlich sein, da hier die erheblichen Steigungen einer der wichtigsten Gründe für die Nicht-Nutzung des Fahrrads sind [SHP 2011a, S. 2]. 6.6.5.3 Strategie für die Umsetzungsphase Insgesamt waren sich die Teilnehmer darüber einig, dass der Erfolg der diskutierten Kampagnen zur Änderung der Verkehrsmittelwahl im Laufe der Zeit zunehmen wird, wenn erst einmal eine kritische Masse an Flensburgern erreicht worden ist. Multiplikatoren und eine klare Definition von zielgruppenspezifischen Aktionen werden daher in der Umsetzungsphase wichtig sein. Zu den Themen Carsharing und Mobilitätslernen sollen Arbeitskreise eingerichtet werden. Auch öffentliche Veranstaltungen, wie der in Abschnitt 6.10.2 (S. 104) dokumentierte Workshop, können einen Beitrag zur Entwicklung tragfähiger Strategien für die Mitnahme der Flensburger Bürger leisten. 6.6.5.4 Der Weg zur Klimaneutralität ABBILDUNG 29: DER WEG ZUM KLIMANEUTRALEN INDIVIDUALVERKEHR Business-as- Usual-Emissionen [t CO2/a] 0 20.000 40.000 60.000 80.000 100.000 120.000 140.000 160.000 180.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 Emissionen auf dem Weg zur CO2- Neutralität [t CO2/a] CO2-Ausstoß MIV Klimaschutzkonzept (t/a) CO2-Einsparungen durch Elektromobilität CO2-Einsparungen durch Modal-Split-Änderung (Angebotsverbesserung und Nachfragesteigerung) t CO2/a Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) 67 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Nach Einschätzung der Teilnehmer kann bis zum Jahr 2050 rund ein Drittel der Flensburger Bevölkerung seinen Modal-Split dahingehend ändern, dass alle Wege einschließlich der Langstrecken mit dem um das Car-Sharing-Angebot erweiterten Umweltverbund (Bahn, Bus, Fahrrad und zu Fuß) zurückgelegt werden. Wie in Abbildung 29 (S. 66) dargestellt, ist der Beitrag zum Klimaschutz, der nach Einschätzung der Teilnehmer durch Elektrofahrzeuge geleistet werden muss, mit 66 % der gesamten Einsparungen recht hoch. Da über die Verfügbarkeit der Elektromobilität und ihre Eigenschaften (Reichweite etc.) noch erhebliche Unsicherheiten bestehen, ist es umso wichtiger, auf den Handlungsebenen Verhaltensänderung und Stadtplanung über geziel- te und langfristige Maßnahmen nachsteuern zu können. Diese Priorisierung der Modal-Split-Änderung entspricht dem grundsätzlichen Auswahlkrite- rium der Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen (vgl. Abschnitt 3.6.3, S. 23). Sowohl aus Ent- scheiderperspektive als auch volkswirtschaftlich ist eine Modal-Split-Änderung mit finanziel- len Einsparungen verbunden, während die Anschaffung von Elektrofahrzeugen (zumindest heute noch) mit zusätzlichen Kosten einhergeht. 6.7 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) Aufgrund der für die Erstellung der Energie- und CO2-Bilanz für Flensburg gewählten Me- thodik umfasst der Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) sehr unterschiedliche Bereiche. Die Gruppe der hier zusammengefassten Akteure ist äußerst heterogen und um- fasst alle Bereiche, die nicht durch den Haushalts-, Verkehrs- und Industriesektor abge- deckt sind. So beinhaltet der GHD-Sektor die Unternehmen aus den Bereichen Gewerbe, Handwerk, Dienstleistungen sowie Handel und Logistik, die öffentlichen Liegenschaften, die Krankenhäuser und das Technische Betriebszentrum der Stadt Flensburg. Um für die Gruppe der im GHD-Sektor vertretenen Akteure die Strategie zur CO2- Neutralität erarbeiten zu können, waren mehrere Workshops und Detailbetrachtungen notwendig. Aufgrund der unterschiedlichen Ansatzpunkte für den Klimaschutz und der unterschiedlichen Herausforderungen wurde eine Aufteilung in Untergruppen vorgenom- men. Die Struktur dieses Abschnitts ist an dieser Aufteilung orientiert und gliedert sich in die Bereiche: GHD-Unternehmen, öffentliche Liegenschaften, Krankenhäuser und Technisches Betriebszentrum Flensburg. 68 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 6.7.1 GHD-Unternehmen 6.7.2 Ausgangslage und Zielsetzung Die Struktur des Bereiches GHD-Unternehmen ist geprägt von einer großen Zahl von Akteu- ren, die in Bezug auf ihre Organisationsform und auf ihre Unternehmensaktivitäten äußerst heterogen sind. Weiterhin muss beachtet werden, dass es gerade bei den kleineren Un- ternehmen zu sehr umfangreichen Bestandsveränderungen durch Unternehmensgrün- dungen, -insolvenzen oder -umzug kommt. In der Gruppe der GHD-Unternehmen gibt es einige große Akteure, die für den Klima- schutz in der Stadt eine wichtige Bedeutung einnehmen können. Dazu gehören die Be- treiber der Einkaufszentren Citti-Park, Förde-Park sowie der Flensburg Galerie, Banken, Lo- gistikunternehmen und größere Gewerbebetriebe. Kammern, Unternehmensverbände oder Interessensvertretungen wie etwa die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder die Kreishandwerkerschaft Flensburg Stadt und Land können eine wichtige Multiplikatorenrolle für den Klimaschutz in der Stadt einnehmen. Abgesehen von der Mitgliedschaft der Nord-Ostsee Sparkasse sowie der IHK und der Kreishandwerkerschaft im Klimapakt Flensburg e.V. ist dieser Bereich bislang noch nicht in den Prozess des koordinierten Klimaschutzes in Flensburg eingebunden. Es war daher Ziel- setzung des Workshops, möglichst viele Unternehmen aus verschiedenen Branchen für die Mitarbeit bei der Konzepterstellung zu gewinnen, und diese im Zuge dessen zur Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen und zur Unterstützung des Klimaschutzes in Flensburg zu moti- vieren. Weiterhin sollte mit den teilnehmenden Experten ein detaillierter Maßnahmenkatalog zur Reduzierung des Strom- und Fernwärmeverbrauchs der Unternehmen und zur CO2- neutralen Strom-Eigenversorgung entwickelt und bewertet werden. Auf dieser Grundlage sollte die zu erwartende Entwicklung des Energieverbrauchs bis zum Jahr 2050 abge- schätzt werden, der durch Fremdversorgung zur Verfügung gestellt werden muss. Die Ent- Workshop GHD-Unternehmen (Dokumentation: s. Abschnitt 9.14, S. 325) Zielgruppe: Unternehmen aus dem Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistungen Bedeutung des Bereichs: Energieverbrauch 2009: 269.900 MWh/a (13 % FL) CO2-Emissionen 2009: 160.800 t/a (16 % FL) CO2-Neutralität 2050 erreichbar? Ja: Nein: Reduzierung Energieverbrauch: 8 % bis 2020 27 % bis 2050 Identifizierte Maßnahmen: G1 – G9 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) 69 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG wicklung der Maßnahmen sollte unter der Prämisse erfolgen, dass die Wettbewerbsfähig- keit der Unternehmen erhalten oder verbessert wird. 6.7.3 Grundlegendes Bei den Stadtwerken Flensburg lagen keine sektorspezifischen Daten für den Strom und Wärmeverbrauch der Gruppe GHD-Unternehmen vor. Die Werte mussten über Differenz- bildung mit den Verbräuchen aus dem Haushalts- und Industriesektor ermittelt werden. Um für die Entwicklung von Klimaschutzmaßnahmen eine ausreichende Informationsgrundla- ge zur Verfügung zu haben, war es zunächst notwendig, Daten zur Energieverbrauchs- struktur zu erheben. Eine Einzelerhebung konnte aufgrund der Vielzahl von Akteuren nicht durchgeführt werden. Aus diesem Grund wurde auf die Daten einer bundesweiten Erhe- bung über den Energieverbrauch von GHD Unternehmen [Schlomann et al. 2009] zurück- gegriffen. Diese Daten wurden über die Anzahl der Beschäftigten pro Branche [Statisti- kamt Nord, 2011] auf die Situation in Flensburg angepasst. Die Struktur des Energieverbrauches unterscheidet sich in den Unternehmen einzelner Branchen z. T. beträchtlich. Aus diesem Grund wurden alle Unternehmen dieses Sektors in drei Bereiche eingeteilt. Die Abgrenzung der Bereiche erfolgte nach der Charakteristik der Energieverbrauchsstruktur. Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die vorgenommene Einteilung. Sektor-Untergruppe Zugehörige Branchen „Industrieähnlich“ Herstellungsbetriebe, Handwerker, Nahrungsmittelherstellung „Haushaltsähnlich“ Büroähnliche Betriebe, Gastronomie, Beherbergung „Handel & Logistik“ Einzel- und Großhandel, Logistik Die Entwicklung der Maßnahmen und die Abschätzung der Potentiale zur Reduzierung des Energieverbrauchs wurden entsprechend dieser Einteilung für die Sektor-Untergruppen vorgenommen. 6.7.4 Besondere Hemmnisse Ein großer Teil der Unternehmen im Flensburger GHD-Sektor weist eine nur sehr geringe Be- triebsgröße auf. Diese Unternehmen haben aufgrund der geringen Mitarbeiterzahl nicht die Kapazität, den eigenen Energieverbrauch zu optimieren und Maßnahmen umzuset- zen, die einen gewissen Aufwand bei der Planung und Durchführung aufweisen. Oftmals ist es den Unternehmen nicht bekannt, welche Potentiale zur Senkung der Energiekosten und damit zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit bestehen. 70 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Ein weiterer Teil der in Flensburg agierenden Unternehmenseinheiten sind Teil größerer Un- ternehmen. Derartige Filialen sind im Bereich Handel sehr verbreitet. Die verantwortlichen Mitarbeiter in Flensburg haben oftmals nicht die Möglichkeit, die zentral zusammengestell- te Gebäudestruktur und -einrichtung in eigenem Ermessen zur Reduzierung des Energie- verbrauches zu verändern, auch wenn dies im Einzelfall sinnvoll wäre. Im Bereich Handel muss beachtet werden, dass die Einrichtung und Ausgestaltung der Verkaufsfläche nicht primär mit dem Ziel eines möglichst geringen Energieverbrauchs vor- genommen werden. Die Präsentation von Produkten durch aufwendige Beleuchtung o- der die Anordnung von Kühlmöbeln in Supermärkten nach den gewünschten Laufwegen der Kunden sind Beispiele hierfür. Die Kriterien der Wirtschaftlichkeit stehen bei der Umsetzung von Energiesparmaßnahmen im Vordergrund. Investitionen werden in den meisten Fällen nur dann vorgenommen, wenn die gewünschte Amortisationszeit erreicht wird. Bei kleineren Unternehmen sind zu- dem häufig die finanziellen Mittel zur Realisierung von „Nebeninvestitionen“ in die Reduzie- rung des Energieverbrauchs stark beschränkt. 6.7.5 Maßnahmen Es wurden Energiesparmaßnahmen für die Querschnittstechnologien Elektrische Antriebe, Kälte- und Klimatechnik, Beleuchtung, Druckluft, Nieder- und Hochtemperaturwärme iden- tifiziert. Auf Basis eines detaillierten Maßnahmenkatalogs war es möglich, zusammen mit den Experten auf dem Workshop abzuschätzen, um welchen Anteil der Strom- und Fern- wärmeverbrauch kurz-, mittel- und langfristig bis zum Jahr 2050 reduziert werden kann. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die identifizierten Maßnahmenpakete zur Reduzierung des Energieverbrauchs und zur Realisierung einer CO2-neutralen Energiever- sorgung im Sektor GHD-Unternehmen. Die in den Maßnahmenpaketen enthaltenen Ein- zelmaßnahmen sind zu zahlreich, um sie in dieser Studie im Detail aufzuführen. Eine detail- lierte Übersicht kann dem Anhang B unter Abschnitt 10.2 (S. 401) entnommen werden. Die Kosten für die geplanten Maßnahmen, die in den Maßnahmenpaketen enthalten sind und bis zum Jahr 2050 umgesetzt werden sollen, können im Rahmen des Projekts nicht im Detail abgeschätzt werden. Bei der Abschätzung der Einsparpotentiale wurde jedoch die Annahme zugrunde gelegt, dass bis 2050 nur diejenigen Maßnahmen zur Reduzierung des Energiebedarfs umgesetzt werden, die sich für die Unternehmen wirtschaftlich darstellen lassen. Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) 71 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Maßnahme Akteur Einsparung Zeitpunkt d. Umsetzung Kosten Reduzierung des Energiebedarfs (Bedarfsreduzierung und Energieeffizienz) G1: Maßnahmenpaket Be- leuchtung GHD Unter- nehmen 60 % d. Strom- verbr. Beleuch- tung bis 2050 laufend Maßnahmen kostendeckend G2: Maßnahmenpaket Elektrische Antriebe GHD Unter- nehmen 75 % d. Strom- verbr. elektri- scher Antriebe bis 2050 laufend Maßnahmen kostendeckend G3: Maßnahmenpaket Prozesswärme GHD Unter- nehmen 10 % d. Strom- verbr. Prozess- wärme bis 2050 laufend Maßnahmen kostendeckend G4: Maßnahmenpaket Klimakälte GHD Unter- nehmen 0 % d. Strom- verbr. Prozess- kälte bis 2050 laufend Maßnahmen kostendeckend G5: Maßnahmenpaket Kommunikation GHD Unter- nehmen 10 % d. Strom- verbr. Kommuni- kation bis 2050 laufend Maßnahmen kostendeckend G6: Elektrische Raumhei- zung / Warmwasserberei- tung GHD Unter- nehmen 15 % d. Strom- verbr. Raumhei- zung / Warm- wasser bis 2050 laufend Maßnahmen kostendeckend G7: Gebäudesanierung / Neubau GHD Unter- nehmen 24 % d. Fern- wärmebedarfs bis 2050 laufend Maßnahmen kos- tendeckend im Rahmen ohnehin durchgeführter Maßnahmen zur Bestandserneuer- ung und -erhaltung G8: Sonstige Wärmeschutz- maßnahmen GHD Unter- nehmen 11 % d. Fern- wärmebedarfs bis 2050 laufend Maßnahmen kos- tendeckend Substitution G9: Strom-Eigenproduktion Photovoltaik GHD Unter- nehmen 400 MWh/a (2050) laufend Kostendifferenz in der Stromgeste- hung 72 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Im Folgenden werden einige Maßnahmenpakete näher erläutert: KLIMAKÄLTE Das Potential zur Reduzierung des Energieverbrauchs wurde im Bereich Klimakälte mit null bewertet. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Klimatisierung in den Unternehmen deut- lich zunehmen wird. Es wird erwartet, dass die durch Bedarfsreduzierung und Effizienzstei- gerung erreichten Einsparungen durch diese Zunahme kompensiert werden. ELEKTRISCHE RAUMHEIZUNG / WARMWASSERBEREITUNG Die Experten gehen davon aus, dass der Stromverbrauch durch Raumheizung und Warmwasserbereitung vor allem dadurch zurückgeht, dass dieser zukünftig durch Fern- wärme zur Verfügung gestellt werden kann. Es kann davon ausgegangen werden, dass bis zu 75 % der Untertischgeräte zur Warmwasserbereitung bis 2050 durch eine entspre- chende Fernwärmeanbindung ersetzt werden können. GEBÄUDESANIERUNG Um die Potentiale durch Gebäudesanierung (oder auch durch Neubauten) realistisch ab- schätzen zu können, wurde von der Universität Flensburg ein Tool zur Abschätzung der Entwicklung des Heizenergiebedarfs eingesetzt. Die wichtigsten Variablen zur Bestimmung des zukünftigen Fernwärmebedarfs sind sowohl die Sanierungs- / Neubaurate als auch der erreichbare spezifische Heizwärmebedarf (kWh/m²a) nach Sanierung / Neubau. Die Werte wurden von den Experten für die Bereiche "Industrieähnlich" und "Handel & Lo- gistik" abgeschätzt. Für den Bereich "Haushaltsähnlich" wurden die Werte angesetzt, die mit der Wohnungsbauwirtschaft auf einem separaten Workshop unter Berücksichtigung der Situation in Flensburg erarbeitet wurden. Die mit der Wohnungsbauwirtschaft ermittel- ten Zielwerte für die Sanierungseffizienz und die Sanierungsrate der Wohn- und Büroge- bäude in Flensburg können im Abschnitt 6.4.4 auf den Seiten 50 ff. eingesehen werden. STROM-EIGENPRODUKTION DURCH PHOTOVOLTAIK Im Rahmen der Konzepterstellung wird die Möglichkeit betrachtet, dass die Unternehmen einen Teil ihres Stromverbrauches aus Photovoltaikanlagen decken können, die auf den firmeneigenen Dachflächen installiert werden. Um die Potentiale für diese Maßnahme rea- listisch abschätzen zu können, wurde eine Grobanalyse der verfügbaren in Flensburg ge- eigneten gewerblichen Dachflächen vorgenommen. In einem nächsten Schritt wurde von den Teilnehmern abgeschätzt, welcher Beitrag zur Stromerzeugung durch die Solarenergie zu erwarten ist. Die Unternehmen schätzten den Beitrag zur Stromversorgung deutlich ge- ringer ein, als die Potentiale dies erwarten ließen: Eine Stromproduktion von 100 MWh/a im Jahr 2015, von 200 MWh/a im Jahr 2025 und 400 MWh/a im Jahr 2050 erschien den Teil- nehmern realistisch. Dies entspricht einem Beitrag von unter 1 % zur Stromversorgung des Bereichs. Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) 73 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 6.7.6 Der Weg zur CO2-Neutralität ENTWICKLUNG DES STROMVERBRAUCHS Die resultierende Entwicklung des Stromverbrauchs ist in der folgenden Abbildung darge- stellt. ABBILDUNG 30: ENTWICKLUNG DES STROMVERBRAUCHS BEI UMSETZUNG DER MAßNAHMEN BIS ZUM JAHR 2050 Die Säulen geben Auskunft über die Aufteilung des Stromverbrauchs auf die einzelnen Querschnittstechnologien. Bei der Abschätzung der Reduktionen wurde zunächst das Wachstum in der Bruttowertschöpfung der Unternehmen nicht berücksichtigt. Die Säulen geben also die Entwicklung ohne weiteres Produktionswachstum wieder. Es wird für den GHD-Sektor von einem Wachstum der Bruttowertschöpfung von 1,45 % p.a. ausgegangen. Mit den Experten wurde die Annahme abgestimmt, welche anteilige Erhöhung des Strom- verbrauchs durch Wachstumseffekte zu erwarten ist. Die schwarze Linie zeigt daher die erwartete Entwicklung des Stromverbrauches inkl. der Wachstumseffekte. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Stromverbrauch bis zum Jahr 2050 um 30 % reduziert werden kann. Dies ist vor allem auf den deutlichen Rückgang des Stromver- brauchs im Bereich Beleuchtung zurückzuführen, der durch die breite Einführung der LED- Technologie zu erwarten ist. Der Fremdbezug von Strom wird noch um den Betrag redu- ziert, den die Unternehmen durch die Eigenproduktion von Strom durch Photovoltaik selbst erzeugen. ENTWICKLUNG DES WÄRMEBEDARFS Die erwartete Entwicklung des Wärmebedarfs der teilnehmenden Unternehmen bis zum Jahr 2050 ist in der untenstehenden Abbildung dargestellt. 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 80.000 90.000 100.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 MWh/a Raumheizung Kommunikation Klimakälte Prozesskälte Prozesswärme Kraft Beleuchtung inkl. Wachstumseffekte 74 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 31: ENTWICKLUNG DES WÄRMEBEDARFS BEI UMSETZUNG DER MAßNAHMEN BIS ZUM JAHR 2050 Der Fernwärmebedarf für die Raumheizung in den Unternehmen wird bei Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen bei Berücksichtigung der Wachstumseffekte bis zum Jahr 2050 um ca. 25 % zurückgehen. 6.7.7 Strategie für die Umsetzungsphase Die Resonanz des Workshops ist trotz eines hohen Aufwands bei der Ansprache von Flens- burger Unternehmen nur sehr gering ausgefallen. Dass sich neben der IHK und der Kreis- handwerkerschaft nur zwei Unternehmen beteiligt haben, macht deutlich, dass noch gro- ße Anstrengungen notwendig sein werden, um das Anliegen des Klimapakts an die Akteu- re in der Stadt heranzutragen. Für die Umsetzung des Klimaschutzkonzepts wird es also darauf ankommen, möglichst vie- le Unternehmen zur Umsetzung der erarbeiteten Energiesparmaßnahmen zu bewegen. Zusätzlich dazu können Unternehmen des GHD-Sektors eine wichtige Funktion als Multipli- katoren des Klimaschutzgedankens an die Verbraucher übernehmen. Für die Ansprache und Motivation anderer GHD-Unternehmen können geeignete Multipli- katoren wie etwa die IHK oder die Kreishandwerkerschaft genutzt werden. Im Abschnitt 6.11.15 (S. 113) wird im Speziellen noch einmal dargelegt, welche Strategie für den Bereich GHD-Unternehmen gewählt werden sollte, um mehr Akteure zur Umsetzung von Klima- schutzmaßnahmen zu motivieren. Um die Bevölkerung in Flensburg über Klimaschutz zu informieren und zu entsprechendem Verhalten und Maßnahmen zu motivieren, wären Informationskampagnen durch die Flensburger GHD-Unternehmen denkbar. Beispielswei- se könnte im CITTI-Park eine Ausstellung zum Thema Klimaschutz untergebracht werden. 0 20.000 40.000 60.000 80.000 100.000 120.000 140.000 160.000 180.000 200.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 MWh/a Raumheizung inkl. Wachstumseffekte Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) 75 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 6.7.8 Öffentliche Liegenschaften 6.7.9 Ausgangslage und Zielsetzung Im Workshop „Öffentliche Liegenschaften“ haben Vertreter des Fachbereiches Kommuna- le Immobilien der Stadt Flensburg, der Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH) und des Diakonissenkrankenhauses Flensburg (Diako) Potentiale des Klimaschutzes in öffentlichen Liegenschaften identifiziert. Die durch die Bundesanstalt für Immobilienauf- gaben verwalteten militärisch genutzten Gebäude sowie die kommunale Abwasserreini- gungsanlage wurden in diesem Workshop nicht analysiert. Der Fokus des Workshops lag auf der Identifikation von Maßnahmen, um den aktuellen Heizwärmebedarf von circa 50.000 MWh pro Jahr zu reduzieren. Die Teilnehmer sollten Re- duktionsziele bis zum Jahr 2050 definieren und herausfinden, mit welchen Maßnahmen in welchen Liegenschaften diese Ziele erreicht werden können. Dazu wurde von den Work- shop-Teilnehmern angegeben, wann an welchem Gebäude Renovierungsmaßnahmen zur Instandhaltung durchgeführt werden und wie weit der Fernwärmebedarf durch eine gleichzeitige energetische Sanierung reduziert werden kann. Die finanzielle Seite wurde im Workshop zunächst ausgeklammert, jedoch im folgenden Finanzierungsworkshop aufgegriffen und in der Dokumentation des Workshops aufgearbei- tet (Abschnitt 9.5.7.3, S. 222, Gegenüberstellung energetische Mehrkosten und Energiekos- teneinsparung bis zum Jahr 2050 am Beispiel der Schulen in Flensburg). Als Ergebnis wurde eine mögliche Reduktion des Fernwärmeverbrauchs bis zum Jahr 2050 um circa 25-35 % identifiziert. 6.7.10 Grundlegendes Die betrachteten Liegenschaften nehmen eine Vorreiterrolle im öffentlichen Leben ein. Zum einen haben die Gebäude repräsentative Funktion und haben eine hohe Frequentie- rung mit Publikumsverkehr (Schüler, Studenten, Besucher, Arbeitnehmer, etc.). Zum ande- Workshop Öffentliche Liegenschaften (Dokumentation: s. Abschnitt 9.5, S. 208 ff.) Zielgruppe: Stadt Flensburg, GMSH, Krankenhäuser Bedeutung des Bereichs: Energieverbrauch 2009: 68.000 MWh/a (3 % FL) CO2-Emissionen 2009: 42.000 t/a (4 % FL) CO2-Neutralität 2050 erreichbar? Ja: Nein: Reduzierung Energieverbrauch: 6 % bis 2020 21 % bis 2050 Identifizierte Maßnahmen: K1 – K12 76 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ren ist die Erreichung der eigens gesetzten Reduktionsziele eine Frage der Glaubwürdigkeit der Landes- und der Bundesregierung. Als Entscheidungsgrundlage für eine Priorisierung zukünftiger Sanierungsmaßnahmen be- steht ein Bedarf nach steuerungsrelevanten Kennzahlen. Die Priorisierung der zukünftigen energetischen Sanierungen wurde auf Basis witterungsbereinigter Energieverbrauchsda- ten und der Nettogrundflächen der Liegenschaften vorgenommen. Die identifizierten Energieeffizienz-Maßnahmen wurden in der Dokumentation aufgearbeitet und daraus ein Sanierungsplan erstellt (Abschnitt 9.5.7.1, S. 217, - Öffentliche Immobilien, Portfoliodarstel- lung der Schulsanierung und der Sanierungsplan). 6.7.11 Besondere Hemmnisse Als Hindernis bei der Priorisierung von energetischen Sanierungen hat sich die schwierige Trennbarkeit nutzungsbedingter Ursachen für erhöhten Energieverbrauch von Ursachen der energetischen Performance der Bausubstanz herausgestellt. Zukünftig werden die Handhabung größerer Datenmengen von intelligenten Wärme- und Strommengenzählern und eine einheitliche Gebäudeleittechnik ein umfassendes kommunales Energiema- nagement erfordern. Für diese Aufgaben wird die Einstellung von zusätzlichen Energiema- nagern empfohlen. Die Kürzung von Finanzmitteln bei gleichzeitiger Steigerung der gesetz- lichen und gesellschaftlichen Anforderungen an die verwalteten Liegenschaften wurde als übergreifendes Hemmnis im Bereich der öffentlichen Liegenschaften identifiziert. Die Anzahl der elektronischen Verbrauchsstellen in öffentlichen Liegenschaften nimmt drastisch zu. Diese Zunahme konterkariert die durch Effizienz erzielten Einsparmaßnahmen. 6.7.12 Identifizierte Maßnahmen Maßnahme Akteur Einsparung im Jahr 2050 Zeitpunkt d. Um- setzung Kosten Bedarfsreduzierung K1: Hausmeister-Fortbildung (Dokumentation, Wartung, Regelung (GLT und EIB)) Stadt Flens- burg, GMSH Schwer quantifizierbar und abhängig von aktuellem Verhalten und den spezifischen Potentialen Laufend Organisation, Fortbildungen, Unterstützung K2: Energieeinspar- Kampagnen (u. A. Wett- bewerbe, Ansprechpartner benennen und Verantwort- lichkeiten schaffen) Stadt Flens- burg, Schulen, Hochschulen, GMSH Bis 20 % Energieein- sparung in Campus- Kampagnen möglich (Keine dauerhaft ver- lässliche Einsparung) Laufend Organisation, Anreize schaf- fen, Unterstüt- zend wirken Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) 77 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG K3: Leitlinien Auftrags- vergabe Stadt Flens- burg, GMSH Abhängig von aktuel- len Standards Laufend Energiema- nagement K4: Fifty-Fifty Nutzerbeteili- gung Stadt Flens- burg, GMSH Überschneidung des Potentials mit K1, K2, K3 und K5 Laufend Dreijährige Dokumentati- on/ Organisa- tion und Ver- teilung der Mittel K5: “Klimacheck“ an Schu- len und Kindergärten Stadt Flensburg und andere Träger Überschneidung des Potentials mit K1, K2, K3 und K4 Laufend Organisation, Ausschreibung von Preisen K6: Stromverbrauch mit sen- sorieller Steuerung an die Nutzung anpassen Hausmeister, GMSH, Stadt Flensburg Überschneidung mit K1, K2, K4 und K5. Die Technik muss mit den Nutzern abge- stimmt sein Laufend Je nach TGA K7: Verminderung von Warmluftverlusten (Wind- fang, Dichtungen) Stadt Flens- burg, GMSH Je nach Liegenschaft Laufend Je nach An- forderung (Fluchtweg, Barriere- freiheit) K8: Energetische Gebäu- desanierung der sonstigen kommunalen Liegenschaf- ten Stadt Flensburg 32 % des Fernwärme- verbrauches 2012- 2050 Energetische Mehrkosten K9: Energetische Gebäu- desanierung der von der GMSH verwalteten Liegen- schaften GMSH 35 % des Fernwärme- verbrauches 2012- 2050 Energetische Mehrkosten K11: Energetische Schulge- bäudesanierung Stadt Flensburg 23 % des Fernwärme- verbrauches 2012- 2040 Energetische Mehrkosten Effizienzsteigerung K10: Verluste der Fernwär- meverteilung reduzieren Stadt Flens- burg, GMSH Abhängig vom spezifischen Stand der Liegenschaften Laufend Liegenschafts- spezifisch 78 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg K12: Anpassung der An- schlussleistung und Rege- lung der Heizungsanlagen Hausmeister, GMSH, Stadt Flensburg Kostensenkungspo- tential 2012-2050 Kosten für den Heizungstech- niker Neben den oben aufgeführten technischen Maßnahmen (K6-K12) wurden mit den Work- shopteilnehmern weitere nicht-technische Maßnahmen identifiziert, die für die Reduzie- rung des Energieverbrauchs insbesondere in öffentlichen Liegenschaften von besonderer Bedeutung sind. Von diesen „weichen Maßnahmen“ zielen zwei (K2 und K4) auf die Sensi- bilisierung und Motivation der Gebäudenutzer zur Änderung ihres Verhaltens ab. Im Rah- men eines fifty-fifty Anreizsystems können beispielsweise die Gebäudenutzer die Hälfte der durch ihre Verhaltensänderung herbeigeführten Energiekosteneinsparungen als Prämie gutgeschrieben bekommen. Die weiteren genannten nicht-technischen Maßnahmen (K1, K3 und K5) können als Teil eines übergreifenden Energiemanagements gesehen werden, welches für die öffentlichen Liegenschaften zusätzlich zum Energiekostencontrolling einge- führt werden sollte. Es muss eine ganzheitliche Betrachtung der durchgeführten Investitio- nen und Aktivitäten mit Bezug auf den Energieverbrauch durchgeführt werden. Leitlinien bei der Vergabe von Bauaufträgen oder im Bereich der Beschaffung sind ein geeignetes Instrument um sicherzustellen, dass bei einer Investitionsentscheidung der zu erwartende Energieverbrauch und damit die laufenden Kosten eine zentrale Rolle spielen. Derartige Leitlinien können verhindern, dass Entscheidungen getroffen werden, die zwar einmalig geringe Investitionskosten bedeuten, aber über die Nutzungsdauer zu deutlich höheren Kosten aufgrund des höheren Energieverbrauchs führen. Eine detaillierte Beschreibung der identifizierten Maßnahmen kann der Dokumentation des Workshops im Abschnitt 9.5.5 (S. 211 ff.) entnommen werden. 6.7.13 Strategie für die Umsetzungsphase Zur Umsetzung des entwickelten Stufenplanes werden eine Ausweitung des Energiemana- gements und eine bessere Mittelausstattung benötigt. Zur Finanzierung der identifizierten Energieeffizienzmaßnahmen wurde ein zweistufiger Ansatz erarbeitet. Als erster Schritt sollten sich die Gebietskörperschaften auf kommende Fördertöpfe vorbe- reiten. Dazu ist es notwendig, das eigene Portfolio genau zu kennen und Konzepte zur energetischen Sanierung vorzubereiten. Da Fördermittel auch künftig erwartet werden, kann dann zeitnah auf die aktuelle Politik reagiert werden. Der Zeitpunkt der Umsetzung der erarbeiteten Sanierungskonzepte ist somit zu einem gewissen Teil auch von der För- derpolitik abhängig. Sind die eigenen Potentiale identifiziert, kann in einem zweiten Schritt die Politik adressiert werden. Ein Beispiel ist die Kombination der Priorisierung von Gebäudesanierungen mit der Schulentwicklungsplanung. Die auf Landesebene beschlossenen Schulreformen führen zu hohen Investitions- und Folgekosten für die Kommunen. Eine zielgerichtete Kommunikation dieser Verknüpfung könnte die energetische Sanierung beschleunigen. Der Öffentlich- Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) 79 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG keitsarbeit kommt sowohl bei der Finanzierung als auch bei der Umsetzung der Maßnah- men eine entscheidende Rolle zu. 6.7.14 Der Weg zur Klimaneutralität Der Gesamtverbrauch Fernwärme der analysierten öffentlichen Liegenschaften kann durch die identifizierten Maßnahmen der energetischen Gebäudesanierung verlässlich um circa 30 % reduziert werden. Die Klimaneutralität zum Jahr 2050 ist daher nur durch ent- sprechende Maßnahmen auf Seite der Stadtwerke Flensburg erreichbar. Die folgende Abbildung visualisiert die prognostizierte Einsparung des Fernwärmeverbrauches, wenn die vorgeschlagenen Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden. ABBILDUNG 32: ENTWICKLUNG DES FERNWÄRMEVERBRAUCHES DER ÖFFENTICHEN LIEGENSCHAFTEN BIS ZUM JAHR 2050 Wie bereits als Hemmnis angeführt, wird die wachsende Zahl an Verbrauchsstellen den Stromverbrauch in den öffentlichen Liegenschaften trotz zu erwartender Effizienzgewinne auf dem heutigen Stand stabilisieren. Die Klimaneutralität ist schließlich durch den Bezug von regenerativ erzeugtem Strom der Stadtwerke Flensburg möglich. Aufgrund der derzeit noch vergleichsweise hohen Stromgestehungskosten wird die Erzeu- gung von Solarstrom auf den Dächern der öffentlichen Liegenschaften derzeit nicht for- ciert. Da die Kosten der Photovoltaik jedoch stetig sinken, sollte auch dieses Klimaschutz- Potential in Zukunft ausgeschöpft werden. Die folgende Abbildung visualisiert den be- schriebenen Stromverbrauch der öffentlichen Liegenschaften bis zum Jahr 2050. 0 5.000 10.000 15.000 20.000 25.000 30.000 35.000 40.000 45.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 Fernwärmeverbrauch in MWh/a Schulen Sonstige kommunale Liegenschaften GMSH- verwaltete Liegenschaften Campus Flensburg 80 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 33: ENTWICKLUNG DES STROMVERBRAUCHES DER ÖFFENTLICHEN LIEGENSCHAFTEN BIS ZUM JAHR 2050 6.7.15 Krankenhäuser 6.7.16 Ausgangslage und Zielsetzung Krankenhäuser unterscheiden sich in ihren energetischen und baulichen Gegebenheiten sehr deutlich von anderen Liegenschaften, so dass eine gesonderte Betrachtung erforder- lich ist. Es handelt sich häufig um historisch gewachsene Gebäudekomplexe mit den un- terschiedlichsten Betriebsbereichen. Die Auslastung der haustechnischen Anlagen ist zum Teil erheblich von den Annahmen ihrer Auslegung entfernt. Untersucht werden die Ge- bäude der beiden größten Einrichtungen in Flensburg, die Ev.-Luth. Diakonissenanstalt zu Flensburg und die Malteser St. Franziskus gGmbH. Aufgrund ihrer Struktur erfordern die Krankenhäuser eine detaillierte Erfassung der energie- und klimarelevanten Daten für den Wärmebedarf (Heizung, Warmwasser, Dampf- erzeugung), den Kältebedarf, die Stromversorgung und den Gebäudezustand. Die Be- standsaufnahme erfolgte während der Konzepterstellung. Die erhobenen Daten wurden in die CO2- und Energiebilanz eingepflegt und anhand von festzulegenden Kennzahlen bewertet. Potentiale wurden sowohl energetisch als auch wirtschaftlich bewertet. Über die Erhebungen und Analysen im Rahmen der Erstellung des integrierten Klima- schutzkonzeptes hinaus wurden tiefergehende Untersuchungen in einem Studentenprojekt durchgeführt. Eine Gruppe von jeweils 15 Studenten pro Krankenhaus beschäftigte sich im 0 2000 4000 6000 8000 10000 12000 14000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 Stromverbrauch in MWh/a Liegenschaften Land und Bund Kommunale Liegenschaften Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) 81 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Sommersemester 2010 mit der Erhebung der Ist-Situation und der Erarbeitung von Einspar- potentialen. 6.7.17 Grundlegendes In beiden Krankenhäusern Flensburgs werden elektrischer Strom, Fernwärme und Heizöl bezogen. Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme der beiden Krankenhäuser mit den resul- tierenden CO2-Emissionen sind in Abbildung 34 dargestellt. Über die Hälfte der CO2- Emissionen sind auf den Strombedarf zurückzuführen. ABBILDUNG 34: CO2-EMISSIONEN DER FLENSBURGER KRANKENHÄUSER Das St. Franziskus Hospital ist mit 318 Planbetten und etwa 34.000 m² Nettogrundfläche das kleinere der beiden Flensburger Krankenhäuser. Die Diakonissenanstalt Flensburg hat hin- gegen eine Nettogrundfläche von ungefähr 44.000 m² und 530 Planbetten. 6.7.18 Besondere Hemmnisse Wie bereits beschrieben, handelt es sich bei Krankenhäusern um zumeist historisch ge- wachsene Gebäudekomplexe, was Standardlösungen für die energetische Sanierung deutlich verkompliziert. Des Weiteren muss bei Krankenhäusern die erste Priorität auf dem Wohl der Patienten liegen. Bessere Untersuchungsverfahren gehen zumeist mit einem hö- heren Energieaufwand einher. Vergleichbar mit anderen öffentlichen Liegenschaften ist zudem die Sensibilisierung der Mitarbeiter eine wichtige Stellschraube. Nur wenn jeder einzelne bewusst mit Energie um- geht und neuen Technologien offen gegenübersteht, können die Ziele erreicht werden. 4.494 2.467 941 Elektrische Energie Fernwärme Heizöl 2.956 2.296 614 St. Franziskus Hospital Diakonissenanstalt ~ 6.000 t CO2 ~ 8.000 t CO2 82 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 6.7.19 Identifizierte Maßnahmen Maßnahme Akteur Einsparung Zeitpunkt d. Um- setzung Kosten Bedarfsreduzierung K13: Informations- und Mo- tivationskampagne Diako 4,4 % des Fernwärme- verbrauchs 9,3 % des Stromver- brauchs 2013 15.000 € K20: Informations- und Mo- tivationskampagne Malteser 4,3 % des Fernwärme- verbrauchs 9,1 % des Stromver- brauchs 2013 15.000 € K14: Gebäudesanierung- bereits geplante Maßnah- men/ in der Umsetzung Diako 2,6 % des Fernwärme- verbrauchs 2014 410.000 € K16: Gebäudesanierung- komplett nach EnEV 2009 Diako 8,0 % des Fernwärme- verbrauchs 2020 1.230.000 € K24: Sanierung der Gebäu- dehülle gemäß EnEV 2009 Malteser 20,6 % des Fernwär- meverbrauchs 2020 1.440.000 € K18: Gebäudesanierung- besser als EnEV 2009 Diako 7,0 % des Fernwärme- verbrauchs 2050 2.750.000 € K27: Sanierung der Gebäu- dehülle besser als EnEV 2009 Malteser 3,1 % des Fernwärme- verbrauchs 2050 2.410.000 € Effizienzsteigerung K15: Gering-investive Ver- änderungen an der Ge- bäudetechnik Diako 9,3 % des Fernwärme- verbrauchs 2015 10.000 € K17: Regelungs- /automationstechnische Maßnahmen Diako 4,0 % des Fernwärme- verbrauchs 5,2 % des Stromver- brauchs 5,7 % des Heizölver- brauchs 2025 375.000 € Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) 83 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG K21: Gering-Investive Ver- änderungen an der Ge- bäudetechnik Malteser 8,5 % des Fernwärme- verbrauchs 2013 10.000 € K22: Ersatz der Steckbe- ckenspülen Malteser 28,0 % des Heizölver- brauchs 2020 102.000 € K23: Effizienzsteigerung der Beleuchtung Malteser 7,3 % des Stromver- brauchs 2020 85.000 € K25: Gebäudeautomation Malteser 4,3 % des Fernwärme- verbrauchs 5,0 % des Fernwärme- verbrauchs 2030 250.000 € K26: Komplette Dezentrali- sierung der Dampfverbrau- cher Malteser 7,1% Mehrverbrauch an Strom 46,7 % des Heizölver- brauchs 2040 120.000 € Substitution K19: Substitution des Heizöls durch Biodiesel oder Biome- than Diako 870 tCO2/a 2050 Bei Ersatzinves- tition bisheri- ger Kessel K28: Umstellung von Heizöl auf Biodiesel Malteser 157 tCO2/a 2050 Bei Ersatzinves- tition bisheri- ger Kessel Zusätzlich zu den beschriebenen Maßnahmen wurde die Installation von Photovoltaik- Anlagen untersucht. Unter den heutigen Rahmenbedingungen lässt sich die Nutzung der Sonnenergie zur Stromerzeugung bei den Krankenhäusern jedoch nicht wirtschaftlich um- setzen. Es wird empfohlen, diese Möglichkeit nach 5 Jahren neu zu untersuchen. 6.7.20 Strategie für die Umsetzungsphase Zusätzlich zur bereits beschriebenen Strategie zur Umsetzung bei den öffentlichen Liegen- schaften ist auf die kontinuierliche Einbindung der Krankenhausmitarbeiter zu achten. Im Gegensatz zu den sonstigen öffentlichen Liegenschaften muss das Wohl der Patienten die höchste Priorität genießen. Deshalb müssen die Mitarbeiter für die Einsparung von Energie oder die Akzeptanz neuer energiesparender Technologien in ihren Bereichen in darauf abgestimmter Weise sensibilisiert werden. 84 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 6.7.21 Der Weg zur Klimaneutralität Der Gesamtverbrauch der beiden Flensburger Krankenhäuser kann durch die identifizier- ten Maßnahmen verlässlich um mindestens 30 % reduziert werden. Die Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 im Bereich der Fernwärme ist durch entsprechende Maßnahmen auf Seiten der Stadtwerke Flensburg erreichbar. Ähnliches gilt für die Deckung des Strombedarfs. Die Diakonissenanstalt hat im Jahr 2011 ihre Stromversorgung auf Öko-Strom von den Stadt- werken Flensburg umgestellt. Das eingesetzte Öl ist mittel- bis langfristig durch Biodiesel oder bei der Neuanschaffung von Kesseln durch den Einsatz von Biomethan zu substituie- ren. Abbildung 35 visualisiert die prognostizierten Einsparungen, wenn die vorgeschlage- nen Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden. ABBILDUNG 35: ENTWICKLUNG DES ENERGIEVERBRAUCHES DER FLENSBURGER KRANKENHÄUSER - 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 16.000 2010 2020 2030 2040 2050 Öl Strom Wärme St. Franziskus Hospital Diakonissenanstalt - 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 16.000 2010 2020 2030 2040 2050 MWh/a MWh/a - 35 bis 40 % bis 2050 - 25 bis 30 % Industrie 85 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 6.8 Industrie 6.8.1 Ausgangslage und Zielsetzung Im Jahr 2008 waren insgesamt 44 Industrieunternehmen in Flensburg angesiedelt. Diese Betriebe weisen aufgrund ihrer Größe und ihrer Fertigungsanforderungen sehr unterschied- liche Energieverbrauchswerte auf. Der Industriesektor ist derzeit in Flensburg der einzige Bereich, in dem die Energieträger Erdgas und Heizöl in großem Umfang verbraucht wer- den. Die Erreichung der CO2-Neutralität hängt hier also nicht nur von der Reduktion des Energieverbrauchs und von der Umstellung des Heizkraftwerks durch die Stadtwerke Flens- burg ab, sondern auch davon, ob der Verbrauch dieser fossilen Energieträger durch CO2- neutrale Alternativen gedeckt werden kann. Die CO2-Emissionen in diesem Sektor sind zwischen 2006 und 2009 von ca. 201.000 t/a auf ca. 173.000 t/a deutlich zurückgegangen. Dies ist allerdings auf den Wegzug einiger Un- ternehmen zurückzuführen. Derzeit bereitet ein großes Unternehmen die Aufnahme seiner Produktion in Flensburg vor. Es ist zu erwarten, dass der Energieverbrauch und die CO2- Emissionen dadurch wieder zunehmen werden. Um die Wettbewerbsfähigkeit der ansässigen Industrieunternehmen während der gesam- ten Umsetzungsphase des Konzepts sicherzustellen und durch proaktiven Klimaschutz ggf. sogar Wettbewerbsvorteile erzielen zu können, ist die Berücksichtigung der Kosten der Kli- maschutzmaßnahmen von besonderer Bedeutung. Es soll diejenige Maßnahmenkombina- tion aufgezeigt werden, die insgesamt die geringsten Zusatzkosten für die Zielerreichung aufweist. 6.8.2 Grundlegendes Aufgrund der hohen Komplexität der betrieblichen Strukturen und der hohen Bedeutung von Einzelmaßnahmen für die CO2-Emissionen in Flensburg wurden mit den Industrieunter- nehmen zwei Workshops durchgeführt. Der Prozess umfasste in Vorbereitung auf die Work- Workshops Industrie I und Industrie II (Dokumentation: Abschnitt 9.15, S. 349 ff.) Zielgruppe: Industrieunternehmen, Stadtwerke Flensburg Bedeutung des Bereichs: Energieverbrauch 2009: 313.222 MWh/a (15 % FL) CO2-Emissionen 2009: 176.000 t/a (18 % FL) CO2-Neutralität 2050 erreichbar? Ja: Nein: Reduzierung Energieverbrauch: 1,5 % bis 2020 5 % bis 2050 Identifizierte Maßnahmen: I1 – I10 86 Industrie INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg shops auch Einzelgespräche mit den verantwortlichen Mitarbeitern und die Abfrage der geplanten Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs. Insgesamt waren im Bezug auf den Energieverbrauch die sieben größten Unternehmen an der Konzepterstellung beteiligt: Danfoss Silicon Power GmbH Flensburger Brauerei Emil Petersen GmbH & Co. KG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH Flensburger Schiffbau-Gesellschaft mbH & Co. KG Hauptgenossenschaft Nord AG Krones AG Mitsubishi HiTec Paper Europe GmbH Die teilnehmenden Unternehmen sind für 81 % des Stromverbrauchs und 88 % des Wärme- bedarfs im Industriesektor verantwortlich. Die Ergebnisse können daher sehr gut auf den gesamten Flensburger Industriesektor übertragen werden. Das Vorgehen auf den Workshops umfasste zwei wesentliche Schritte: Zunächst wurde von den teilnehmenden Unternehmensvertretern abgeschätzt, wie weit der Energieverbrauch in den Betrieben kurz-, mittel- und langfristig reduziert werden kann. Hierfür wurde von der Universität ein umfassender Maßnahmenkatalog entwickelt und mit den Teilnehmern dis- kutiert. Anschließend wurde betrachtet, ob der verbleibende Energiebedarf durch CO2- neutrale Energieträger gedeckt werden kann. 6.8.3 Besondere Hemmnisse Für die Industrieunternehmen ist bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen immer zu beachten, dass sich die Unternehmen auf internationalen Märkten befinden und ihre Wettbewerbsfähigkeit behalten müssen. Bei der Planung von Klimaschutzmaßnahmen muss das Verhältnis zwischen den Kosten und Nutzen einer Maßnahme besonders berück- sichtigt werden. Die Betrachtung der Situation in den Unternehmen ergab, dass es eine Vielzahl von Maß- nahmen gibt, die aufgrund der möglichen Energieeinsparung für die Unternehmen wirt- schaftlich sind. Allerdings spielt es eine große Rolle, in welchem Zeitraum sich die Investitio- nen amortisieren. Investitionen in Energieeffizienz stellen in der Regel lediglich Nebeninves- titionen dar. Das Unternehmen steht also vor der Entscheidung, ob die begrenzten Mittel stattdessen in Maßnahmen investiert werden sollten, die direkt dem Haupt- Unternehmenszweck dienlich sind. Auch wenn bei den teilnehmenden Unternehmen ein gutes Bewusstsein für die Notwendigkeit herrscht und viele Maßnahmen umgesetzt wur- Industrie 87 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG den bzw. geplant sind, können aus diesem Grund nicht alle wirtschaftlichen Energieeffi- zienzpotentiale gehoben werden. Es ist ein weiteres Hemmnis, dass der Erfolg einer Maßnahme zur Reduzierung des Energie- aufwands bei der Investitionsentscheidung meistens nur abgeschätzt werden kann. Die tatsächliche Energie- und Kosteneinsparung ist von vielen Faktoren abhängig, die oft nur schwer zu beeinflussen sind, wie z. B. die zukünftige Entwicklung der Betriebsstruktur oder das Nutzerverhalten der Mitarbeiter. Weiterhin muss beachtet werden, dass die Konzepti- on der organisatorischen und technischen Maßnahmen oft sehr zeitaufwendig ist und um- fangreicher Abstimmung im Unternehmen bedarf. Oftmals fehlen den verantwortlichen Mitarbeitern Zeit und Ressourcen, um alle möglichen Maßnahmen zu berücksichtigen und zu planen. 6.8.4 Identifizierte Maßnahmen Mit den Teilnehmern der Workshops wurde sowohl betrachtet, welche Klimaschutzmaß- nahmen bis zum Jahr 2015 in den Unternehmen geplant sind, als auch, welche Potentiale zur Reduzierung des Energieverbrauchs bis zum Jahr 2050 bestehen. Weiterhin wurde be- trachtet, durch welche Maßnahmen eine CO2-neutrale Strom-, Wärme- und Brennstoffver- sorgung im Jahr 2050 realisiert werden kann. 6.8.4.1 Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs bis 2015 Durch die Mitarbeit der am Prozess teilnehmenden Experten konnten alle Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs zusammengetragen werden, die bis zum Jahr 2015 in den Unternehmen umgesetzt werden sollen. Es erfolgte eine Bewertung hinsichtlich der resultierenden Kosten und der erzielbaren Energieeinsparungen. Bei Umsetzung all derjenigen Maßnahmen, die die geforderten Amortisationsdauern ein- halten, können die teilnehmenden Unternehmen bis zum Zeitraum 2015 den spezifischen Stromverbrauch je produzierter Einheit um bis zu 14 % und ihren spezifischen Bedarf an Niedertemperaturwärme um bis zu 8 % reduzieren. Die im Bereich Strom bis zum Jahr 2015 geplanten Maßnahmen werden für die teilneh- menden Unternehmen Investitionskosten von insgesamt 2,3 Mio. € verursachen. Die stati- sche Amortisationszeit dieser Maßnahmen beträgt in Summe 1,4 Jahre. Im Bereich Wärme sind Investitionen in der Größenordnung von 800.000 € bis 2015 vorgesehen. Aufgrund feh- lender Informationen über die Kosten der Wärmeversorgung kann in diesem Bereich die statische Amortisationszeit der Maßnahmen nicht abgeschätzt werden. 6.8.4.2 Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs bis 2050 Es wurde mit den Experten abgeschätzt, um welchen Anteil der Energieverbrauch in den verschiedenen Technologiebereichen bis zum Jahr 2050 reduziert werden kann. Grundla- ge für diese Abschätzung war ein detaillierter Katalog aus Maßnahmen der Bedarfsredu- zierung und der Effizienzsteigerung. Dieser wurde auf Basis der Studie FfE 2009 und den Er- gebnissen der Vorgespräche in den Unternehmen entwickelt. 88 Industrie INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Es wurden Energiesparmaßnahmen für die Querschnittstechnologien Elektrische Antriebe, Kälte- und Klimatechnik, Beleuchtung, Druckluft, Nieder- und Hochtemperaturwärme iden- tifiziert. Die untenstehende Tabelle gibt einen Überblick über die identifizierten Maßnahmenpake- te zur Reduzierung des Energieverbrauchs im Flensburger Industriesektor. Die in den Maß- nahmenpaketen enthaltenen Einzelmaßnahmen sind zu zahlreich, um sie in dieser Studie im Detail aufzuführen. Eine detaillierte Übersicht kann dem Anhang Abschnitt 9.15 (S. 349) entnommen werden. Während die Kosten für die geplanten Maßnahmen bis zum Jahr 2015 genau ermittelt werden konnten, so ist dies bis zum Jahr 2050 nicht möglich. Bei der Abschätzung der Einsparpotentiale wurde jedoch die Annahme zugrunde gelegt, dass bis 2050 nur diejenigen Maßnahmen zur Reduzierung des Energiebedarfs umgesetzt werden, die sich für die Unternehmen wirtschaftlich darstellen lassen. Maßnahme Akteur Einsparung Zeitpunkt d. Umsetzung Kosten Reduzierung des Energiebedarfs (Bedarfsreduzierung und Energieeffizienz) I1: Maßnahmenpaket Elekt- rische Antriebe Industrie- betriebe 25 % d. Strom- verbr. elektr. Antriebe bis 2050 laufend Maßnahmen kostendeckend I2: Maßnahmenpaket Käl- te- und Klimatechnik Industrie- betriebe 30 % d. Strom- verbr. Kälte- und Klimatechnik bis 2050 laufend Maßnahmen kostendeckend I3: Maßnahmenpaket Beleuchtung Industrie- betriebe 50 % d. Strom- verbr. Beleuch- tung bis 2050 laufend Maßnahmen kostendeckend I4: Maßnahmenpaket Druckluft Industrie- betriebe 30 % d. Strom- verbr. Druckluft bis 2050 laufend Maßnahmen kostendeckend I5: Maßnahmenpaket Niedertemperaturwärme (bis 100 °C) Industrie- betriebe 25 % d. Fern- wärme- und Brennstoffverbr. NT-Wärme bis 2050 laufend Maßnahmen kostendeckend Industrie 89 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG I6: Maßnahmenpaket Hochtemperaturwärme (über 100 °C) Industrie- betriebe 15 % d. Brenn- stoffverbr. HT- Wärme bis 2050 laufend Maßnahmen kostendeckend 6.8.4.3 Maßnahmen für eine CO 2-neutrale Energieversorgung bis 2050 Mit den Stadtwerken Flensburg (SWFL) haben die Industrieunternehmen einen lokalen Ver- sorger vor Ort, der einen großen Anteil der Strom- und Fernwärmeversorgung übernimmt. Bei Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzepts wird es im Jahr 2050 eine CO2- neutrale Strom- und Fernwärmeversorgung in Flensburg geben. Die Betrachtung der zu erwartenden Stromkosten hat ergeben, dass es für die Unternehmen jedoch auch vorteil- haft sein kann, wenn sie einen Teil des Stromverbrauchs durch Photovoltaik und Wind- energie abdecken. Diese Option der Energieversorgung wurde in Form von zwei Maß- nahmen im Konzept berücksichtigt. Neben der CO2-neutralen Strom- und Fernwärmeversorgung ist es zwingend notwendig, dass die für die Eigenproduktion von Wärme und Strom benötigten Brennstoffe ebenfalls keine weiteren CO2-Emissionen verursachen, indem sie aus regenerativen Quellen ge- wonnen werden. Hierfür werden ebenfalls zwei Maßnahmen in das Konzept aufgenom- men. Maßnahme Akteur Beitrag zur Ener- gieversorgung Zeitpunkt d. Umsetzung Kosten CO2-neutrale Strom- und Wärmeversorgung (Substitution fossiler Energieträger) I7: Direktversorgung Wind- strom Industrie- betriebe, EVU 11.000 MWh/a (2050) ab 2025 Kostendifferenz der Stromerzeugung, abhängig von der Energiepreisent- wicklung I8: Strom-Eigenerzeugung Photovoltaik Industrie- betriebe 3.600 MWh/a (2050) ab 2035 I9: Ersatz von Erdgas durch Biomethan Industrie- betriebe 135.700 MWh/a (2050) ab 2025 Kostendifferenz zu den fossilen Substi- tuten, abhängig von der Energie- preisentwicklung I10: Ersatz von Heizöl durch Holzhackschnitzel Industrie- betriebe 24.900 MW/a (2050) ab 2025 DIREKTVERSORGUNG MIT WINDSTROM Die Stromversorgung von Industrieunternehmen durch Windstrom kann durch die direkte Anbindung von industriellen Verbrauchern an Windenergieanlagen in der Region über eigens zu errichtende Mittelspannungsleitungen erfolgen. Das Projektentwicklungsunter- nehmen Juwi hat ein entsprechendes Konzept hierfür entwickelt [Weber, 2011]. Durch die 90 Industrie INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Nutzung dieser Leitung würden nach geltendem Recht die Netznutzungsgebühr sowie die EEG-Umlage entfallen. Die Einspeisung des durch das Unternehmen nicht benötigten Stroms aus Windenergie in das Stromnetz erfolgt hinter dem industriellen Verbraucher. Der überschüssige Strom wird nach den Regeln des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) eingespeist und vergütet. Als Betreiber der Windenergieanlagen und der Mittelspannungsleitung kommen Energiever- sorgungsunternehmen oder Projektgesellschaften in Frage, welche dann die Belieferung des Unternehmens übernehmen. Die Gestehungskosten im Bereich Windenergie werden langfristig unter den Preisen für In- dustriestrom liegen, so dass eine derartige Lösung trotz der Kosten für den Leitungsbau vo- raussichtlich ab 2020 - 2025 lohnenswert werden kann. Bei guten Windenergiestandorten und einer geringen Entfernung zwischen Windenergieanlage und Verbraucher kann die Wirtschaftlichkeit u. U. bereits früher erreicht werden. Nach Einschätzung der Teilnehmer kann durch die Direktanbindung an Windkraftanlagen in der Region im Jahr 2050 ca. ein Viertel des Strom-Fremdbezugs der teilnehmenden Un- ternehmen – also 11.000 MWh/a – gedeckt werden. Für die Jahre 2025 und 2035 werden 3.000 bzw. 5.000 MWh/a angenommen. STROM-EIGENERZEUGUNG PHOTOVOLTAIK Im Rahmen der Konzepterstellung wird die Möglichkeit betrachtet, dass die teilnehmen- den Unternehmen einen Teil ihres Stromverbrauches aus Photovoltaikanlagen decken können, die auf den firmeneigenen Dachflächen installiert werden. Um den möglichen Beitrag von Photovoltaik zur Stromversorgung abschätzen zu können, wurde für die teil- nehmenden Unternehmen eine Potentialbestimmung vorgenommen. Es wird von den Teilnehmern abgeschätzt, dass im Flensburger Industriesektor im Jahr 2050 ca. 3.600 MWh/a durch Photovoltaik in Eigenerzeugung produziert werden. ERSATZ VON ERDGAS DURCH BIOMETHAN Zwei Unternehmen aus der Gruppe der teilnehmenden Unternehmen beziehen derzeit Erdgas: Die Mitsubishi Papierfabrik und die Flensburger Brauerei. Der Energieträger Erdgas muss bis zum Jahr 2050 vollständig durch CO2-neutrale Energieträger ersetzt werden. Bei Substitution von Erdgas durch Biomethan kann die bestehende Anschluss- und Anlagen- struktur erhalten bleiben, da Biomethan ebenfalls aus dem Erdgasnetz bezogen wird. Bio- methan ist Biogas, welches durch mehrere Aufbereitungsschritte auf Erdgasqualität ge- bracht wird und dadurch in das bestehende Erdgasnetz eingespeist werden kann. Um die Klimapakt-Ziele im Industriesektor erreichen zu können, muss der nach Energieein- sparmaßnahmen verbleibende Erdgasbedarf im Jahr 2050 zu 100 % durch Biomethan ge- deckt werden. Um auf dem durch die Zielsetzungen vorgegebenen Zielpfad zwischen den Jahren 2020 und 2050 zu bleiben, muss der Anteil in den Jahren 2025 und 2035 jeweils bei 18 bzw. 55 % liegen. Im Jahr 2050 müssen ca. 138.000 MWh Biomethan bezogen werden. Industrie 91 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Sollte die Biomethanproduktion dann weiterhin hauptsächlich auf Basis von Energiepflan- zen erfolgen, so wäre dafür eine Anbaufläche von ca. 3.800 Hektar notwendig. ERSATZ VON HEIZÖL DURCH HOLZHACKSCHNITZEL Analog zur Substitution von Erdgas durch Biomethan kann die Substitution von Heizöl in den Kesselanlagen der teilnehmenden Unternehmen durch Holzhackschnitzel erfolgen. Um dem Zielkorridor zu folgen, sollten wie im Fall der gasförmigen Brennstoffe in den Jah- ren 2025 und 2035 18 bzw. 55 % des Heizölbedarfs durch biogene Brennstoffe ersetzt wer- den. Beim Einsatz von fester Biomasse zur Substitution von Heizöl in Kesselanlagen sollte unter bestmöglicher energetischer Nutzung der knappen nachwachsenden Ressource (z. B. Holz) geschehen. Dafür wäre eine Kombination aus Dampf- und Stromerzeugung in Kraft- Wärme-Kopplung sinnvoll. ZUSATZKOSTEN DER CO2-NEUTRALEN STROM- UND WÄRMEVERSORGUNG Es wurde auf Basis der im Projekt verfügbaren Annahmen zur Energiepreisentwicklung er- mittelt, welche Zusatzkosten die teilnehmenden Unternehmen durch die Umsetzung der Substitutionsmaßnahmen zu erwarten haben. Die Analyse wurde für das Szenario einer mäßigen Energiepreissteigerung durchgeführt. Während die Stromerzeugung durch Photovoltaik und Windenergie Kosteneinsparungen erwarten lassen, führt die Substitution von Erdgas durch Biomethan zu Mehrkosten. Die Substitution von Heizöl durch Holzhackschnitzel bewirkt im Jahr 2025 noch Mehrkosten, führt anschließend aber durch den verstärkten Anstieg des Ölpreises zu Einsparungen. Die Zusatzkosten für die Durchführung der Maßnahmen sind in Abbildung 36 (S. 91) darge- stellt. ABBILDUNG 36: ZUSATZKOSTEN FÜR DIE TEILNEHMENDEN UNTERNEHMEN DURCH DIE CO2-NEUTRALE STROM- UND WÄRMEVERSORGUNG 92 Industrie INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Der Saldo der Zusatzkosten beträgt im Jahr 2035 mit rund 1,5 Mio. € ca. 6 % der jährlichen Energiekosten der teilnehmenden Unternehmen. Durch kontinuierlichen Anstieg der fossi- len Energieträgerpreise reduziert sich dieser Saldo bis zum Jahr 2050 auf ca. 670.000 €, also etwa 3 % der Energiekosten. Im Rahmen des Monitoring und Controlling sollte regelmäßig geprüft werden, wie sich die Kosten für Biomethan gegenüber den fossilen Optionen ent- wickeln, um den Zeitpunkt der Beimischung des biogenen Energieträgers zur Vermeidung einer übermäßigen Kostenbelastung für die Unternehmen anzupassen. BESONDERE KOOPERATIVE MAßNAHME In den Vorgesprächen für die Workshops wurde deutlich, dass es zukünftig u. U. möglich sein könnte, dass die Firma Mitsubishi die Flensburger Brauerei über eine Dampfleitung mit Restdampfmengen versorgen kann. Eine derartige Belieferung hätte den Vorteil, dass nun der Dampf ausschließlich in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt würde und damit eine um ca. 30 % gesteigerte Ausnutzung des eingesetzten Brennstoffes ermöglicht werden könnte. Die Möglichkeit der Versorgung der Brauerei mit Restdampfmengen wurde bei der Ausle- gung des 2008 in Betrieb genommenen neuen Kraftwerks der Papierfabrik nicht berück- sichtigt, so dass derzeit im Winter keine ausreichende Dampfmenge zur Verfügung steht, um den Bedarf der Brauerei in der Spitze zu decken. Da diese Maßnahme mit der derzeiti- gen Anlagenkonfiguration nicht durchführbar ist, wurde sie nicht im Konzept berücksich- tigt. Die Realisierbarkeit sollte allerdings in regelmäßigen Abständen erneut geprüft wer- den. 6.8.5 Der Weg zur CO2-Neutralität 6.8.5.1 Entwicklung des Stromverbrauchs Die resultierende Entwicklung des Stromverbrauchs der teilnehmenden Unternehmen (81 % des industriellen Stromverbrauchs in Flensburg) ist in Abbildung 37 dargestellt. Die Säulen geben Auskunft über die Aufteilung des Stromverbrauchs auf die einzelnen Quer- schnittstechnologien. Bei der Abschätzung der Reduktionen wurde zunächst das Wachs- tum in der Bruttowertschöpfung der Unternehmen nicht berücksichtigt. Die Säulen geben also die Entwicklung ohne weiteres Produktionswachstum wieder. Es wird für den Industrie- sektor von einem Wachstum der Bruttowertschöpfung von 0,93 % p. a. ausgegangen. Mit den Experten wurde die Annahme abgestimmt, welche anteilige Erhöhung des Stromver- brauchs durch Wachstumseffekte zu erwarten ist. Die schwarze Linie zeigt daher die erwar- tete Entwicklung des Stromverbrauches inkl. zu erwartender Wachstumseffekte. Industrie 93 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ABBILDUNG 37: ENTWICKLUNG DES STROMVERBRAUCHS DER TEILNEHMENDEN UNTERNEHMEN BEI UMSETZUNG DER MAß- NAHMENPAKETE BIS 2050 Es kann erwartet werden, dass der Stromverbrauch bis zum Jahr 2050 um ca. 10 % redu- ziert wird. Das ermittelte Einsparpotential kann auf die Industrieunternehmen in Flensburg übertragen werden, die nicht am Prozess der Konzepterstellung beteiligt waren. 6.8.5.2 Entwicklung des Wärmeverbrauchs Der Wärmeverbrauch der teilnehmenden Unternehmen ist zum großen Teil durch den Be- darf an Hochtemperaturwärme in Form von Dampf oder Prozesswärme auf einem Tempe- raturniveau über 100 °C geprägt. Dieser Teil des Wärmebedarfs kann nicht durch Fern- wärme gedeckt werden. Die erwartete Entwicklung des Wärmebedarfs der teilnehmenden Unternehmen bis zum Jahr 2050 ist in der untenstehenden Abbildung dargestellt. 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 80.000 90.000 100.000 2010 2020 2030 2040 2050 MWh/a übriger Strom Druckluft Beleuchtung / I u K Kälte- / Klimatechnik Elektrische Antriebe inkl. Wachstumseffekte 94 Industrie INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 38: ENTWICKLUNG DES WÄRMEBEDARFS DER TEILNEHMENDEN UNTERNEHMEN BEI UMSETZUNG DER MAßNAHMENPAKETE BIS 2050 Die möglichen Maßnahmen zur Reduzierung des Wärme- und Brennstoffbedarfs bei den teilnehmenden Unternehmen führen dazu, dass der Mehrverbrauch aufgrund von Wachs- tumseffekten gerade kompensiert wird. Mit Berücksichtigung der Wachstumseffekte kann der Niedertemperaturwärmebedarf reduziert werden, während der Bedarf an Hochtem- peraturwärme zunimmt. Es wird also zur Reduzierung der Fernwärmeabnahme und zur Zu- nahme des Brennstoffbedarfs für die Wärmeproduktion kommen. Die restlichen Unternehmen des Flensburger Industriesektors weisen hauptsächlich einen Bedarf an Niedertemperaturwärme auf. Auf diese Unternehmen entfallen 12 % des indust- riellen Wärmebedarfs in Flensburg. Die im Rahmen der Konzepterstellung ermittelten Redu- zierungspotentiale können unter Berücksichtigung der Verbrauchsstruktur auf diese Unter- nehmen übertragen werden. 6.8.5.3 Entwicklung der CO2-Emissionen Durch die Maßnahmenpakete zur Reduzierung des Energieverbrauchs und die Maßnah- men zur Substitution fossiler Brennstoffe können die CO2-Emissionen der teilnehmenden Industrieunternehmen bis zum Jahr 2050 auf null reduziert werden. In der untenstehenden Abbildung ist der Pfad zur CO2-Neutralität dargestellt. 0 20.000 40.000 60.000 80.000 100.000 120.000 140.000 160.000 180.000 2010 2020 2030 2040 2050 MWh/a NT-Wärme HT-Wärme inkl. Wachstumseffekte Industrie 95 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ABBILDUNG 39: ENTWICKLUNG DER CO2-EMISSIONEN DER TEILNEHMENDEN UNTERNEHMEN BEI UMSETZUNG DER MAßNAHMEN BIS 2050 Die Emissionen durch den Fremdbezug von Strom gehen aufgrund der Eigenversorgung durch Photovoltaik, durch die Direktversorgung mit Windstrom sowie zum großen Teil durch die Maßnahmen der Stadtwerke Flensburg zurück. Der Rückgang im Bereich Fernwärme kann ebenfalls aufgrund der Umstellung des Heizkraftwerks Flensburg realisiert werden. 6.8.6 Strategie für die Umsetzungsphase Die Universität Flensburg hat bei der Erstellung des Konzepts für den Industriesektor durch die teilnehmenden Unternehmensvertreter große Unterstützung erfahren. Dies macht deutlich, dass die Unternehmen das Thema Klimaschutz ernst nehmen und entsprechend agieren. Es befinden sich derzeit viele Maßnahmen zur Reduzierung des Energiever- brauchs in Planung, die bis 2015 umgesetzt werden sollen. Dabei bieten die realisierbaren Energiekosteneinsparungen eine gute Motivation. Dennoch bestehen einige Hindernisse bei der Umsetzung von Maßnahmen, die über die bereits geplanten Investitionen hinausgehen und nach dem Jahr 2015 zur Zielerreichung notwendig sind. Es wurde mit den Teilnehmern eine Strategie entwickelt, wie weitere Maß- nahmen so effizient und effektiv wie möglich zur Umsetzung gebracht werden können. 6.8.7 Zielorientierter Erfahrungsaustausch Der Dialog zwischen den sieben teilnehmenden Industrieunternehmen soll fortgeführt werden. Unternehmen, die nicht bei der Konzepterstellung mitgewirkt haben, können sich daran ebenfalls beteiligen. Es ist das Ziel weiterer Treffen, die etwa alle sechs bis zwölf Mo- nate stattfinden sollen, einen gezielten Austausch von Lösungsansätzen, Erfahrungen und Wissen zu realisieren. Obwohl die teilnehmenden Unternehmen unterschiedliche Unter- nehmensstrukturen besitzen und in verschiedenen Branchen tätig sind, so sind zahlreiche technische, organisatorische und strategische Querschnittsthemen für alle Teilnehmer von 0 20.000 40.000 60.000 80.000 100.000 120.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 CO2-Emissionen [t/a] Heizöl Fernwärme Erdgas Wärme Unternehmen 2 Erdgas Wärme Unternehmen 1 Erdgas Strom Unternehmen 1 Strom Fremdbezug Zielsetzung Klimapakt CO2-Emissionen ohne Green Concept 96 Finanzierung INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Interesse. Die Koordination, Moderation und Aufbereitung soll durch die Universität Flens- burg fortgeführt werden. Es wird darauf Wert gelegt, dass die ausgewählten Themen für alle Unternehmen von Relevanz sind und durch den Dialog ein Mehrwert für die Unter- nehmen und für den Klimaschutz erreicht wird. 6.8.8 Integratives Controlling betrieblicher Klimaschutz Für die Umsetzung weiterer Klimaschutzmaßnahmen und die unternehmerische Steuerung der Energiekosten ist es empfehlenswert, dass die Energieeinsparung durch Maßnahmen der Bedarfsreduzierung und der Energieeffizienz quantifizierbar und monetär bewertbar ist. Das derzeit in den Unternehmen etablierte Controlling ist hauptsächlich auf betriebswirt- schaftliche Kennzahlen begrenzt und liefert häufig keine detaillierten Informationen über die wirtschaftlichen Auswirkungen von Klimaschutzmaßnahmen. Die Universität beabsich- tigt, zusammen mit einem Projektpartner und einer Gruppe interessierter Unternehmen, ein Kennzahlensystem zu entwickeln und zu erproben, welches das bestehende Controlling in den Unternehmen um klimaschutzrelevante Informationen erweitert. Die durch dieses in- tegrative Controlling gewonnenen Informationen werden es ermöglichen, die Auswirkun- gen von Klimaschutzmaßnahmen auf den Unternehmenserfolg zu bestimmen. Die Kenn- zahlen werden es den Unternehmen zudem ermöglichen, ihren Erfolg bei der Reduzierung Emissionen miteinander zu vergleichen. Dies ist die Grundlage für einen zielgerichteten, objektiven Erfahrungs- und Wissensaustausch, wie er mit den Flensburger Unternehmen vorgesehen ist. 6.9 Finanzierung Die Dokumentation zu diesem Workshop kann unter Abschnitt 9.6 (S. 226 ff.) nachgelesen werden. 6.9.1 Ausgangslage und Zielsetzung Als wichtigstes Hemmnis für die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen, insbesondere investive Maßnahmen der Bedarfsreduzierung und Energieeffizienz, wurde auf fast jedem der durchgeführten Workshops die Finanzierung der Maßnahmen genannt. Aus diesem Grund spielt es eine zentrale Rolle für den Erfolg und die Umsetzbarkeit des integrierten Klimaschutzkonzepts, dass geeignete Lösungen für die Herausforderung Finanzierung ge- funden werden. Die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen ist insbesondere dann für die Akteure sehr schwierig, wenn die geplanten Maßnahmen eine sehr hohe Amortisationszeit aufweisen, d.h. wenn die notwendigen Investitionen und Kosten erst nach langer Zeit durch die Ein- sparungen bei den Energiekosten gedeckt werden können. Wenn die betreffenden Ak- teure zudem noch geringe Eigenmittel und Sicherheiten aufweisen können und damit ein hohes Finanzierungsrisiko eingehen müssen, so wird unter diesen Bedingungen keine Moti- vation vorhanden sein, die geplante Maßnahme durchzuführen. Die o. g. Bedingungen Finanzierung 97 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG treffen in erster Linie auf die Gruppe der privaten Eigentümer von Wohngebäuden in Flensburg zu. Investitionen in energetische Gebäudesanierungsmaßnahmen werden in diesem Bereich nur in geringem Umfang vorgenommen, obwohl dieser Bereich für die Er- reichung der Klimaschutzziele sehr wichtig ist. Es war die Zielsetzung in diesem Projektteil, ein Finanzierungskonzept zu entwickeln, das eine solide Grundlage für die Durchführung von Maßnahmen zur energetischen Gebäu- desanierung durch private Eigentümer von Wohngebäuden darstellt und somit für diese Zielgruppe Handlungsanreize schafft. Nach der Konzeption eines derartigen Finanzierungs- instruments sollte zudem geprüft werden, ob es noch auf andere Sektoren mit einem be- sonderen Finanzierungsbedarf ausgeweitet werden kann. Um der vorrangigen Bedeutung von Finanzierungsmöglichkeiten gerecht zu werden, hat die Universität Flensburg einen Unterauftrag an den B.A.U.M. Zukunftsfonds eG, Hamburg vergeben. Der Partner verfügt über langjährige Expertise und Erfahrungen bei der Entwick- lung von fondsbasierten Finanzierungskonzepten für Klimaschutz- und Energieeffizienz- maßnahmen. Es wurde ein Workshop mit Experten lokaler Finanzinstitute (Nord-Ostsee Sparkasse, VR- Bank) regionaler Finanzdienstleistungsunternehmen sowie mit Vertretern aus den Berei- chen Gewerbe, Wohnungsbauwirtschaft und öffentliche Liegenschaften durchgeführt. Nach Vorstellung des Zukunftsfonds-Konzepts wurde diskutiert, welche Voraussetzungen ein derartiges Instrument in Flensburg erfüllen muss und auf welche Sektoren es ausgewei- tet werden kann. Auf Wunsch der Experten wurde zur weitergehenden Diskussion zudem ein Folgetreffen im gleichen Teilnehmerkreis abgehalten. 6.9.2 Grundlegendes Es wird im Folgenden dargestellt, wie sich das B.A.U.M. Finanzierungskonzept in der vorlie- genden Ausgestaltung in das Portfolio der bestehenden Finanzierungsmöglichkeiten ein- fügen ließe, welche Schwachstellen identifiziert wurden und welche Herausforderungen sich daraus ergeben. 6.9.3 Bestehende Produkte und Dienstleistungen Die teilnehmenden Banken bieten eigene Produkte zur Finanzierung von Maßnahmen für den privaten Wohnungsbau an. Für geringe Volumina unter 50.000 € erfolgt dies mit un- komplizierter Bearbeitung und bis zu einem Wert von 30.000 € ohne gesonderte Besiche- rung. Weiterhin werden Förderkredite und Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Landwirtschaftlichen Rentenbank vermittelt. Für kleine und mittelständische Un- ternehmen sind zur Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen ebenfalls Förderkredite der KfW verfügbar. Die Finanzinstitute bieten zudem eine Finanzierungsberatung und Informationsveranstal- tungen zur gebäudetechnischen und finanzierungsbezogenen Beratung an. 98 Finanzierung INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 6.9.4 Das Konzept des B.A.U.M. Zukunftsfonds Die Grundidee des B.A.U.M. Zukunftsfonds besteht in der Kombination eines Anlagepro- dukts mit der Finanzierung lokaler Effizienzmaßnahmen nach Vorbild eines rollierenden Fonds. ABBILDUNG 40: DAS KONZEPT DES B.A.U.M. ZUKUNFTSFONDS ZUR UMSETZUNG IN FLENSBURG (SCHWIKOWSKI, 2011A) Die Refinanzierung des Fonds soll laut B.A.U.M. durch die Einlagen privater und institutionel- ler Anleger erfolgen. Mittel können zu 4 % p.a. über 5 Jahre bzw. zu 5,5 % p.a. über 10 Jah- re hereingenommen werden. Die Institution Zukunftsfonds in Flensburg würde die Mittel gezielt für ausgewählte Maß- nahmen z. B. für die private Gebäudesanierung zur Verfügung stellen, welche ausrei- chende Energiekosteneinsparungen erwarten lassen. Im Konzept ist die Ausgabe der Mit- tel zu 6 % p.a. vorgesehen. Die Auswahl der Maßnahmen erfolgt mittels Gutachten, die durch unabhängige Experten, z. B. Energieberater, erstellt werden. Durch die realisierten Energiekosteneinsparungen werden dem Gebäudeeigentümer fi- nanzielle Mittel frei, die er anteilig für die Tilgung der Zinsen und für die Rückzahlung der Investitionssumme an den Zukunftsfonds aufwenden kann. Das Instrument folgt dem Kon- zept eines rollierenden Fonds, d.h. die an den Fonds zurückfließenden Mittel können für die Umsetzung neuer Maßnahmen erneut eingesetzt werden bis diese am Ende der Laufzeit an die Anleger ausgezahlt werden. Die Experten den B.A.U.M. Zukunftsfonds haben einen Anschubfinanzierungsbedarf von ca. 30 Mio. € ermittelt [Schwikowski, 2011a]. Dieser Betrag ist ausreichend, um durch ener- getische Sanierung alle privaten Ein- und Mehrfamilienhäuser Flensburgs im Laufe der Zeit auf einen unter Klimaschutzgesichtspunkten sinnvollen Stand zu bringen. Finanzierung 99 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 6.9.5 Schwachstellen und Herausforderungen des B.A.U.M. Konzepts Das Konzept des B.A.U.M. Zukunftsfonds wurde den Experten auf den durchgeführten Ver- anstaltungen präsentiert. Es wurde eine umfassende Bewertung und Diskussion vorge- nommen. Die wichtigsten Ergebnisse dessen sind im Folgenden dargestellt. KONDITIONEN DER FINANZIERUNG Aufgrund der garantierten Verzinsung der Einlagen durch Anleger in Höhe von 4 bis 5,5 % p.a. können die Mittel zur Umsetzung von Maßnahmen nicht zu wettbewerbsfähigen Konditionen herausgegeben werden. Der Ausgabezinssatz von 6,0 % liegt deutlich über den am Markt verfügbaren Förder-, Privat- oder Unternehmenskrediten. Der Zukunftsfonds könnte lediglich besondere Nischen bei der Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen abdecken. Dazu könnte eine Anschubfinanzierung in dem Fall zählen, dass die Kredit- nehmer die Anforderungen sonstiger Kreditangebote – z. B. die geforderten Sicherheiten – nicht erfüllen können. In diesem Fall ist allerdings davon auszugehen, dass die Vergabe der Mittel durch den Zukunftsfonds ein deutlich gesteigertes Risiko aufweist. Der Zukunfts- fonds könnte ebenfalls eintreten, wenn Akteure in Einzelfällen auf dem Kreditmarkt Zinsen akzeptieren müssten, die über 6 % p.a. liegen. Es ist zudem unbedingt zu beachten, dass der Zukunftsfonds nicht in Konkurrenz zu den lokalen Geldinstituten stehen soll, sondern gerade diejenigen Finanzierungslücken füllen soll, die bestehende Angebote nicht bedienen können. Unter den derzeitigen Konditionen sehen die Teilnehmer derzeit allerdings kaum Möglich- keiten, dass der Zukunftsfonds in Teilbereichen eine sinnvolle Erweiterung des Finanzie- rungsangebotes darstellen kann. BESICHERUNG DER KREDITE Falls der Zukunftsfonds für die Finanzierung in besonderen Nischen oder für die Anschub- finanzierung Anwendung findet, so würde die Besicherung der Kredite eine große Hürde darstellen. Wesentlich für die Besicherung des eingesetzten Kapitals ist die realistische Auswahl und Bewertung geeigneter Maßnahmen durch Energieberater. Falls der Zukunfts- fonds allerdings lediglich Risikoliegenschaften abdecken sollte, dann könnte bei derzeiti- ger Ausgestaltung der Konditionen nur eine Bürgschaft der Stadt Flensburg eine ausrei- chende Sicherheit bieten. Eine derartige Besicherung ist allerdings nicht möglich. REFINANZIERUNG Eine wichtige Anforderung an das Produkt ist eine verbindliche Regelung zur Auswahl und Umsetzung sinnvoller Maßnahmen, um den Zahlungsrückfluss möglichst sicher vorhersagen zu können. Dies könnte z. B. durch KfW-Berater erfolgen. Insgesamt muss ein Mechanismus zur Risikominimierung im Effizienzbereich gefunden werden, z. B. in Form der Haftungsüber- nahme durch das Ingenieurbüro, das die zu erwartenden Einsparungen berechnet. Es muss weiterhin beachtet werden, dass sich der Zukunftsfonds nicht durch gesetzlich ga- rantierte Einspeisevergütungen – wie im Fall der Erneuerbare-Energien-Fonds – refinanzie- ren könnte, sondern durch Kosteneinsparungen, die allerdings mit Unsicherheiten behaftet 100 Finanzierung INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg sind. Eine Garantie der finanziellen Einsparungen ist im Effizienzbereich derzeit nicht gege- ben. Erschwerend kommt hinzu, dass das Nutzerverhalten die technischen Maßnahmen konterkarieren kann. 6.9.6 Anwendungsbereiche des B.A.U.M. Konzepts Prinzipiell könnte ein Finanzierungsinstrument wie der Flensburger Zukunftsfonds in drei Teil- bereichen zur Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen Anwendung: Private Eigentümer von Wohngebäuden, kleine und mittelständische Unternehmen und öffentliche Liegen- schaften. Im Folgenden werden die jeweiligen Besonderheiten der beiden letztgenannten Bereiche erläutert. KLEINE UND MITTELSTÄNDISCHE UNTERNEHMEN Der Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) weist viele Parallelen zu den privaten Hausbesitzern auf, z. B. insofern, dass gerade kleine Unternehmen die verfügbaren Förder- kredite der KfW nur zu einem sehr geringen Anteil in Anspruch nehmen und dadurch ein potentieller Bedarf für attraktive alternative Finanzierungskonzepte besteht. Nach Auskunft des B.A.U.M. Zukunftsfonds sind KfW-Mittel zunächst einmal nur für die Initia- lberatung und für die Detailberatung verfügbar. Zudem muss die vermittelnde Bank bei Zuteilung eines KfW-Kredites für die Bonität der Kunden eintreten, wodurch in der Vergan- genheit weniger KfW-Förderkredite ausgegeben wurden, als dies möglich gewesen wäre. Dementsprechend müssen einige Unternehmen bei Maßnahmendurchführung entspre- chend ihrer Bonität z. T. deutlich mehr als 6 % p.a. für die Fremdfinanzierung aufwenden. [vgl. Schwikowski 2011b] ÖFFENTLICHE LIEGENSCHAFTEN Die potentielle Anwendbarkeit eines Flensburger Zukunftsfonds wurde von den Teilneh- mern der Veranstaltungen unterschiedlich bewertet. Nach Ansicht von B.A.U.M, Zukunfts- fonds könnte die alternative Finanzierung Anwendung finden wenn die kommunalen Ak- teure aus Gründen der Haushaltsstabilisierung kein weiteres Fremdkapital mehr aufneh- men dürfen. In diesem Fall könnten über einen Zukunftsfonds Maßnahmen des Einspar- bzw. Erfolgscontractings durchgeführt werden. Hierbei würden die durchzuführenden Maßnahmen (z. B, Gebäudedämmung) durch Zukunftsfonds finanziert. Nach Durchfüh- rung könnte gegenüber dem kommunalen Träger eine gewisse Energie- und damit Koste- neinsparung garantiert werden. Energiesparcontracting wirkt sich demnach in zweierlei Weise positiv auf den Haushalt einer Kommune aus: Der Verwaltungshaushalt kann entlas- tet werden, da die Energiekosten nach Durchführung der Maßnahme geringer sind. Dadurch dass die Investitionskosten gleichzeitig vom Zukunftsfonds übernommen werden, müssen diese nicht dem Vermögenshaushalt zugerechnet werden [vgl. EZA Rhein-Neckar, 2004]. Demgegenüber wird von Seiten der Stadt Flensburg die Meinung vertreten, dass die oben beschriebene Konstellation als Bereitstellung von Fremdkapital gewertet werden muss und diese demnach bei Haushaltssperre nicht mehr durchführbar ist. Die Vertreter sehen keine Finanzierung 101 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Vorteile gegenüber der Eigenverschuldung, da Kommunalkredite zu günstigeren Konditio- nen erhalten werden können. Es wird daher empfohlen, dass dieser Sachverhalt verwaltungsintern unter Prüfung der vor- handenen Informationen revidiert wird. 6.9.7 Maßnahmen Unter den derzeit angenommenen Konditionen konnte kein Konsens zur Anwendbarkeit des Modells Zukunftsfonds in Flensburg erzielt werden. Gerade die mangelhafte Ausnut- zung der bestehenden Finanzierungsmöglichkeiten zeigt allerdings, dass zunächst einmal sichergestellt werden muss, dass die bestehenden Angebote genutzt werden und die Gebäudeeigentümer entsprechende Maßnahmen verstärkt umsetzen. Die hier aufgeführ- ten notwendigen Maßnahmen umfassen daher die Entwicklung eines Geschäftsmodells für die private Gebäudesanierung, die zentrale Ansprache und Beratung zum Thema Ge- bäudesanierung. Parallel dazu besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass anstelle der privaten und institutionellen Geldanlage alternative Konzepte zur Finanzierung eines Zu- kunftsfonds geprüft werden und eine entsprechende Anpassung der Konditionen vorge- nommen wird. GESCHÄFTSMODELL GEBÄUDESANIERUNG Es wird von den Teilnehmern festgestellt, dass in diesem Bereich trotz der bestehenden In- formations-, Beratungs- und Finanzierungsangeboten nur sehr wenige energetische Sanie- rungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die Resonanz entsprechender Aktivitäten ist ge- ring. Die Priorität weiterer Aktivitäten sollte daher zunächst darauf liegen, dass die Immobi- lieneigentümer durch Information und Beratung vom Nutzen einer energetischen Sanie- rung überzeugt werden und die für sie passenden Finanzierungsprodukte schnell ausfindig machen können. Es ist demnach notwendig, genau zu untersuchen, ob und in welchen Fällen sich verschiedene Maßnahmen für die Gebäudeeigentümer in einem vertretbaren Zeitraum amortisieren. Wenn dies für viele Maßnahmen der Fall ist und Kosteneinsparpo- tentiale bekannt sind, dann sollte dies offensiv kommuniziert werden. Für die Präsentation dieses "Geschäftsmodells" ist es auch noch von Bedeutung, dass die nicht-finanziellen Vor- teile (z. B. Verbesserung des Raumklimas) einer energetischen Sanierung dargestellt wer- den. Es ist noch zu klären, welche Akteure die Ausarbeitung eines derartigen Geschäfts- modells übernehmen können. NEUTRALE ANSPRACHE UND BERATUNG AUS EINER HAND Als vorbereitende und flankierende Maßnahme für die Einführung des Zukunftsfonds ist ei- ne gezielte, umfangreiche Marketingkampagne nötig. Nach Einschätzung der Teilnehmer wäre es vorteilhaft, wenn die Kunden durch eine zentrale, neutrale und seriöse Institution angesprochen werden. Auf diese Weise wird deutlich, dass die Kunden nicht nur aus rei- nem wirtschaftlichem Eigeninteresse der Akteure angesprochen werden, sondern der Fo- kus auf dem Klimaschutz und einer guten fachlichen Beratung liegt. Dies schafft Vertrauen bei der Zielgruppe und könnte die Bereitschaft erhöhen, sich einer derartigen Beratung zu 102 Bürger-Workshops INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg unterziehen. Durch die Bündelung der bestehenden Beratungsangebote kann die Bera- tung zudem auch effizienter und zielgerichteter durchgeführt werden. Um die Ansprache von potentiellen Kunden noch wirkungsvoller zu gestalten, wird von Seiten der Universität angeregt, dass auf Basis eines Datenpools gezielt die Besitzer von Gebäuden angesprochen werden, für die eine Sanierung aufgrund des Gebäudealters oder der Bauausführung besonders lohnenswert ist. Derartige Datensammlungen sind im Bereich der Wohnungswirtschaft entweder bereits vorhanden oder werden aufgebaut. ANPASSUNG DES ZUKUNFTSFONDS-KONZEPTS Nach der Durchführung der beiden Veranstaltungen zum Thema Finanzierung von Klima- schutzmaßnahmen wurde erneut der Dialog mit den Vertretern der beteiligten Finanzinsti- tute gesucht. Obwohl ein Flensburger Zukunftsfonds mit den von B.A.U.M. genannten Kon- ditionen nach deren Ansicht keine Anwendung finden kann, bestehen allerdings dennoch Perspektiven für die Einführung eines derartigen Finanzierungsinstruments. Ein Ansatzpunkt dafür wäre es, dass die Bereitstellung von Kapital für den Fonds aus ande- ren Quellen erfolgen könnte. Hier wäre beispielsweise das Engagement gemeinnütziger Stiftungen oder die Bereitstellung von Risikokapital denkbar. Unter Koordination der Universität werden die Experten der Finanzinstitute und des B.A.U.M, Zukunftsfonds zu Gesprächen zusammenkommen um über Möglichkeiten einer Anpassung des Zukunftsfonds-Konzepts zu beraten. Der Dialog auf diesem Gebiet wird mit Interesse fortgeführt. 6.9.8 Ausblick Auch wenn die Realisierung eines Finanzierungsinstrumentes nach Vorbild des B.A.U.M. Zukunftsfonds derzeit sehr fraglich erscheint, können in diesem Bereich durch die be- schriebenen Maßnahmen auch anderweitig wichtige Beiträge dazu geleistet werden, dass die Zielgruppen für ein derartiges Konzept verstärkt auf die bestehenden Finanzie- rungsangebote zurückgreifen. 6.10 Bürger-Workshops Auf allen drei Bürgerworkshops, die im Rahmen der Konzepterstellung durchgeführt wur- den, wurde deutlich, dass nur überdurchschnittlich engagierte Bürger für mehrere Stunden für die Mitarbeit gewonnen werden können. Die Resonanz auf den erheblichen Werbe- aufwand hielt sich in engen Grenzen. Es wurden 26.000 Postwurfsendungen des Klimapakt Flensburg e.V. an alle Haushalte mit der Tagespost im Flensburger Stadtgebiet verteilt, die u. a. auf den Workshoptermin des öffentlichen themenübergreifenden Workshops hinwie- sen. Zudem wurden im Rahmen des Mobilitätstages Flugblätter an Passanten verteilt, die Homepage wies auf alle drei Termine hin, alle Flensburger Vereine wurden um Weiterlei- tung der Einladungen an ihre Mitglieder gebeten, und die Mitgliedsunternehmen wiesen Bürger-Workshops 103 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ihre Kunden und ihre insgesamt über 8.000 Mitarbeiter über interne Medien wie Aushänge in Bussen und Häusern, Nutzung des Hauskanals und von E-Mail-Verteilern auf die Work- shop-Termine hin. Mit den drei Workshops wurden insgesamt 46 Flensburger erreicht. Die Teilnehmerzahl war an den beiden Wochenendterminen mit knapp 20 Teilnehmern höher als an dem Abend- termin unter der Woche. Beide Terminmöglichkeiten schränken die Freizeitgestaltung zu- meist bereits sehr engagierter Personen weiter ein. Als Strategie für die Umsetzungsphase wurde vorgeschlagen, die Veranstaltungen zur Diskussion von Klimaschutzmaßnahmen an bereits bestehende Angebote von Vereinen, Weiterbildungseinrichtungen etc. anzuglie- dern. Erste Kontakte bestehen bereits mit dem Café 50plus, der vhs und der Verbraucher- zentrale. 6.10.1 Öffentlicher themenübergreifender Workshop Die Dokumentation zu diesem Workshop kann unter Abschnitt 9.10 (S. 277 ff.) nachgelesen werden. Am themenübergreifenden öffentlichen Workshop nahmen 19 interessierte Flensburger teil. Nach einer allgemeinen Einleitung zum Thema Klimawandel und der Notwendigkeit konsequenten Handelns auf kommunaler Ebene wurden vier Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit Strategien für verschiedene Themenfelder beschäftigten. Im Wärmebereich machten die Teilnehmer deutlich, dass Bedarf an Beratungsmöglichkei- ten besteht. Als mögliche Anbieter wurden die Stadtwerke Flensburg und die Verbrau- cherzentrale vorgeschlagen. Auch eine gezielte Information von Wohnungssuchenden über den Heizwärmebedarf der angebotenen Wohnungen wurde angeregt. Zudem sollte dem relativ hohen Anteil an Transfergeldempfängern in Flensburg Rechnung getragen werden: ein Anreizsystem soll niedrige Nebenkosten attraktiver machen. Zur Senkung des Strombedarfs schlugen die Teilnehmer vor, dass die Stadtwerke Flensburg mit der nächsten Zählerabrechnung Strommessgeräte verschicken könnten. Die Effekte von Stromsparmaßnahmen sollen so für die Nutzer nachvollziehbar werden. Im Verkehrsbereich wurden Maßnahmen wie die prioritäre Schneebeseitigung auf Rad- wegen im Winter, die Bereitstellung von Duschräumen und Schließfächern am Arbeitsplatz und in Schulen, Leuchtturmprojekte wie öffentliche Luftpumpen, Wartungsstationen für Fahrräder oder Fahrradzählanlagen vorgeschlagen. Auch die Möglichkeit, vier Wochen die zum Einkaufen mit dem Rad notwendige Ausrüstung (Packtaschen, Fahrradanhänger, Regenkleidung, etc.) ausleihen und ausprobieren zu können, wie es der BUND Kiel in der Aktion „Probezeit“ durchgeführt hat, fanden die Teilnehmer für Flensburg vorstellbar. Außerdem schlugen die Teilnehmer vor, die Flensburger Zeitungen für alle Bereiche der Öffentlichkeitsarbeit stärker zu nutzen. Es könnten in regelmäßigen Abständen Berichte über Maßnahmen und Tipps zum Energiesparen veröffentlicht werden. 104 Bürger-Workshops INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 6.10.2 Stadtverkehr-Workshop Die Dokumentation zu diesem Workshop kann unter Abschnitt 9.12 (S. 309 ff.) nachgelesen werden. Am öffentlichen Workshop zum Stadtverkehr nahmen 18 interessierte Flensburger teil. Zu Beginn des Workshops konnten Elektro-Autos und Pedelecs besichtigt werden, die im Rahmen der dänisch-deutschen „Tour de Flens“ Station in Flensburg machten. Die Teil- nehmer bekamen einen Überblick über die Ergebnisse der Experten-Workshops zum ÖPNV und Individualverkehr. Danach wurden die Mobilitätsbereiche Einkaufsverkehr, Ausbil- dungs- und Berufsverkehr, sowie Freizeitverkehr in drei Arbeitsgruppen diskutiert. Dabei wurden die Möglichkeiten ausgelotet, Verkehr zu vermeiden oder vom motorisierten Indi- vidualverkehr (MIV) auf Verkehrsmittel des Umweltverbundes (Fuß, Rad, Öffentlicher Ver- kehr) zu verlagern. Es wurde deutlich, dass es weite Bereiche und viele Maßnahmen gibt, die für alle drei Mobilitätsbereiche bzw. Wegzwecke von grundlegender Wichtigkeit sind. In allen Arbeitsgruppen wurde unabhängig voneinander die unzureichende Radinfrastruk- tur in Flensburg als Hindernis für eine weitere Steigerung des Radverkehrsanteils genannt. Als zweiter wichtiger übergreifender Punkt wurden die Kommunikationsmöglichkeiten zwi- schen Bürgern und Stadtverwaltung bezüglich Verkehrsthemen im Allgemeinen bzw. Mängeln im Radverkehrsnetz im Speziellen genannt. Hier bietet sich für den Rad- sowie auch den Fußverkehr beispielsweise ein Online-Eingabeformular an, das zur Meldung von Mängeln an den jeweils zuständigen Bereich dient. Dieses könnte in die Web-Seite der Stadt integriert werden. 6.10.3 Stadtteil-Workshop Die Dokumentation zu diesem Workshop kann unter Abschnitt 9.13 (S. 320 ff.) nachgelesen werden. Der Stadtteil-Workshop in der Neustadt war geprägt durch angeregte Diskussionen und innovative Vorschläge von insgesamt 9 Teilnehmern. Dem partizipativen Charakter, der bei der Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes angestrebt wird, wurde voll und ganz entsprochen. Interessierte Flensburger konnten an diesem Workshop ohne vorherige Anmeldung teilnehmen. Als Veranstaltungsort wurde die Alte Deutsche Bank im Herzen der Neustadt gewählt. Es zeigte sich im Vorfeld der Veranstaltung, dass nur mit hohem Ar- beitsaufwand und der individuellen Vorstellung des Themas bei Vereinen und Organisatio- nen aus dem Bereich der Neustadt und Nordstadt Interesse für das Thema Klimaschutz geweckt werden konnte. Nach einer allgemeinen Einleitung zum Thema Klimawandel und der Notwendigkeit kon- sequenten Handelns auf kommunaler Ebene wurden zwei Arbeitsgruppen zu den folgen- den Themen gebildet: Vision: Neustadt im Jahr 2050 Umsetzungsstrategien 105 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Mobilität Ein herausragendes Ergebnis des Workshops stellt die Vision 2050 mit ihrem Wunsch nach einem lebendigen und kulturell wie auch demographisch und sozial durchmischten Stadt- teil mit erhöhter Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum sowie qualitativ hochwertig sa- niertem Wohnraum dar. Dem Wunsch nach einer Aufwertung des Stadtteils entspricht ebenfalls das Ergebnis der Arbeitsgruppe Mobilität, die eine bessere Infrastruktur für Fuß- gänger und Radfahrer, sowie ein Festhalten an den Einkaufsmöglichkeiten im Stadtteil for- dert. Um weitere Wege zu vermeiden, wurde insbesondere ein Rathausbus vorgeschla- gen, der an jedem Tag der Woche einen anderen Stadtteil anfährt. Weitere Vorschläge aus dem Teilnahmerkreis beinhalten einen umlagefinanzierten Nulltarif für die ÖPNV- Nutzung sowie einen autofreien Tag pro Woche. Die Einführung eines Carsharingsystems kann als Ergänzung zum Umweltverbund dazu dienen, dass Privat-Pkw weitgehend abge- schafft und unnötige Fahrten vermieden werden. 6.11 Umsetzungsstrategien Die Dokumentation zu diesem Workshop kann unter Abschnitt 9.16 (S. 381 ff.) nachgelesen werden. 6.11.1 Ausgangslage und Zielsetzung Im Rahmen der Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzepts für Flensburg wurden in den relevanten Einzelbereichen Konzepte entwickelt, wie die Akteure und Bürger der Stadt durch technische und organisatorische Maßnahmen den Energieverbrauch und den Ausstoß von CO2 reduzieren können. Als Ergebnis liegt ein umfassender Maßnahmen- katalog vor, der zur Zielerreichung bis zum Jahr 2050 umgesetzt werden sollte. Für die Zielerreichung ist es von herausragender Bedeutung, dass möglichst viele Entschei- dungsträger und Bürger von der Notwendigkeit klimaschutzaktiven Handelns überzeugt werden können. Die Umsetzung der im integrierten Klimaschutzkonzept genannten oder äquivalenten Maßnahmen kann nur erfolgen, wenn eine breite Beteiligung und Motivation der Akteure und der Bevölkerung erzielt wird. Es ist die Zielsetzung in diesem Bereich, Strategien zu entwickeln, die es ermöglichen, den o. g. Anforderungen gerecht zu werden und damit die Umsetzung effektiv und effizient zu realisieren. Dabei müssen für jede Zielgruppe des Klimaschutzkonzepts bestimmte Beson- derheiten berücksichtigt werden, die sich in einer unterschiedlichen Ansprache, Einbin- dung und Beteiligung auswirken. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die Anforderungen an derartige Umsetzungsstrategien und die Zielgruppen. 106 Umsetzungsstrategien INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 41: ANFORDERUNGEN UND ZIELGRUPPEN DER ZU ENTWICKELNDEN STRATEGIEN FÜR DIE UMSETZUNGSPHASE 6.11.2 Grundlegendes Das Projektteam der Universität hat wissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien zusam- mengetragen und aufbereitet, die für die Entwicklung der Umsetzungsstrategien als Grundlage dienen können. Dabei wurde zunächst untersucht, wie sich Innovationen in einer Gruppe oder Gesellschaft verbreiten und welche Kommunikationsform dabei am wirksamsten ist. Weiterhin wurde untersucht, ob ein Netzwerk aus thematisch organisierten Arbeitskreisen für den Klimaschutz in Flensburg Anwendung finden kann. 6.11.3 Die Verbreitung von Innovationen Klimaschutzaktives Handeln kann insofern als gesellschaftliche Innovation gesehen wer- den, da es für die Verbreitung notwendig ist, dass Individuen ihre persönliche Verhaltens- weise anpassen und dabei neues Verhalten annehmen. Es wurde deutlich, dass die persönliche Kommunikation zwischen Menschen eine viel be- deutendere Rolle bei der Verbreitung von Innovationen einnimmt als die Kommunikation mittels Massenmedien. Die von Rogers 2003 untersuchten Zusammenhänge sind in Abbil- dung 42 (S. 106) dargestellt. ABBILDUNG 42: VERBREITUNG VON INNOVATIONEN DURCH ZWISCHENMENSCHLICHE KOMMUNIKATION UND MASSENMEDIEN IM VERGLEICH (NACH ROGERS, 2003) Akzeptanz gewinnen und erhalten Beteiligung an und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen Erreichung der kurz-, mittel- und langfristigen Ziele Zielgruppen Flensburger Bürger Politiker Unternehmen Institutionen Organisationen Vereine Öffentliche Einrichtungen Etc. pm Zeit Annahme aufgrund zwischen- menschlicher Kommunikation Annahme aufgrund der Massenmedien N ic h tk u m u la ti v e A n za h l a n A d o p ti o n s Umsetzungsstrategien 107 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Weiterhin muss beachtet werden, in welcher Wirkrichtung sich Innovationen durch persön- liche Ansprache in einer Gruppe oder Gesellschaft verbreiten. Für die erfolgreiche Diffusi- on ist es nicht notwendig, die gesamte Bevölkerung auf einmal anzusprechen. Die Innova- tion wird ohnehin zunächst nur von Teilgruppen angenommen. Diese Teilgruppen jedoch spielen eine wichtige Rolle bei der Weitergabe an folgende Gruppen. ABBILDUNG 43: EINTEILUNG UND HÄUFIGKEITSVERTEILUNG VERSCHIEDENER ADAPTIONSTYPEN IM BEZUG AUF INNOVATIONEN (NACH ROGERS, 2003, S. 281) In der obigen Graphik sind verschiedene Adaptionstypen von Innovationen und deren Häufigkeitsverteilung in einer Gesellschaft abgebildet. Nach Rogers 2003 können diesen Typen verschiedene Charaktermerkmale in Bezug auf neue Technologien und Konzepte zugeordnet werden. Durch die Kommunikation und Interaktion zwischen den Gruppen werden die Erfahrungen kontinuierlich weitergegeben. Das Konzept von Rogers 2003 geht davon aus, dass lediglich eine kritische Masse von Indi- viduen erreicht werden muss, um die kontinuierliche Verbreitung sicherzustellen. Diese kriti- sche Masse besteht hauptsächlich aus der Gruppe der Early Adopters, welcher auch eine Schlüsselrolle in der Gesellschaft zukommt. 6.11.4 Das Konzept der Early Adopters Neben der offenen, aber sehr wohl reflektierten Haltung gegenüber neuen Entwicklungen weisen die Early Adopters auch eine starke Verwurzelung in der lokalen Gemeinschaft auf und gelten als Meinungsführer und Vorbilder. Diese Personen zeichnen sich dadurch aus, dass sie selbst bereits Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt haben oder umsetzen und darin gleichzeitig als Vorbild für andere Personenkreise dienen. Diese Eigenschaften begünsti- gen eine effektive Weitergabe an die Gruppe der Early Majority. Für die Entwicklung von Umsetzungsstrategien im Rahmen des Klimapakt Flensburg wird es demnach vor allem darauf ankommen, dass in den verschiedenen Bereichen die Early Adopters identifiziert und für die Unterstützung des Klimaschutzes gewonnen werden können. Early Adopters 13.5 % Early Majority 34% Late Majority 34% Laggards 16% Innovators 2.5% Kritische Masse „bedacht“ „skeptisch“ „traditionell“„begeistert“ „offen & respektiert“ 2050gestern heute morgen übermorgen 108 Umsetzungsstrategien INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 6.11.5 Fachspezifische Arbeitsgruppen für den Klimaschutz Neben der Verbreitung von Klimaschutz als gesellschaftlicher Innovation ist es weiterhin sehr wichtig, interessierten Akteuren und Bürgern Möglichkeiten zur Beteiligung am Ge- samtprozess während der Umsetzungsphase zu bieten. Es sollten Organisationsformen ge- funden werden, wie der Dialog, der im Rahmen der Konzepterstellung in den verschiede- nen Bereichen initiiert wurde, gewinnbringend fortgeführt werden kann. Die Einrichtung fachspezifischer Arbeitskreise für den Klimaschutz kann daher als wichtiger Teil der Umset- zungsstrategien angesehen werden. Die in den Arbeitskreisen beteiligten Akteure können die Verbreitung des Klimaschutzge- dankens unterstützen, indem sie weitere Akteure zur Umsetzung von Maßnahmen gewin- nen. Die Verbreitung von Informationen, Know-How und die übergeordnete Koordination der Aktivitäten für den Flensburger Klimaschutz sind ebenfalls Aufgaben, die nicht alleine von der Kerngruppe um den Klimapakt Flensburg e.V. und die Universität Flensburg über- nommen werden können. Die folgende Abbildung gibt eine Übersicht über die mögliche Struktur von Klimaschutz- Arbeitskreisen in Flensburg. ABBILDUNG 44: MÖGLICHE STRUKTUR VON ARBEITSKREISEN ZUR AKTEURSBETEILIGUNG UND STEUERUNG DES UMSETZUNGSPROZESSES Die geeignete Teilnehmerzahl für die einzelnen Arbeitskreise beträgt zwischen zehn und 15 Personen. 6.11.6 Übergreifende Strategie für die Umsetzungsphase Auf dem Workshop wurden durch die Teilnehmer für die Teilbereiche "Haushalte", "Gewer- be, Handel, Dienstleistungen" und Industrie" sowie "Verkehr" geeignete Umsetzungsstrate- gien entwickelt. Diese weisen grundlegende Gemeinsamkeiten auf. Die Analyse dieser Gemeinsamkeiten erlaubte die Erstellung der hier vorgestellten übergreifenden Strategie für die Umsetzung. Kern- gruppe Energie GHD Verkehr Industrie V V V V V V Haushalte Öffentliche Verwaltung Umsetzungsstrategien 109 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Folgender grundlegender Prozess für die Verbreitung des Klimaschutzgedankens und für die Motivation der Entscheidungsträger und Bürger zur Umsetzung von Maßnahmen konn- te ermittelt werden: ABBILDUNG 45: GRUNDLEGENDER PROZESS FÜR VERBREITUNG DES KLIMASCHUTZGEDANKENS ZUR UMSETZUNG VON KLIMASCHUTZMAßNAHMEN IN FLENSBURG Die aufgeführten Teilschritte werden im Folgenden kurz erläutert. 6.11.7 Identifizierung geeigneter Multiplikatoren und Erfolgsmodelle EARLY ADOPTERS Um das oben vorgestellte Konzept der Early Adopters auf Flensburg anwendbar zu ma- chen, ist es zunächst notwendig, dass für die verschiedenen Sektoren die jeweiligen Per- sonen identifiziert werden, welche der Gruppe der Early Adopters zugeschrieben werden können. Als Beispiel können Bürger genannt werden, die am eigenen Haus oder in der ei- genen Wohnung bereits erfolgreiche Maßnahmen durchgeführt haben und ihre positiven Erfahrungen weitergeben wollen und als Vorbild dienen können. Das gleiche gilt auch für Unternehmen, die sich frühzeitig und effektiv mit dem Klimaschutz beschäftigt haben und damit gute Erfolge erzielt haben. MULTIPLIKATOREN Weiterhin sollten aus der Gruppe der Early Adopters, aber auch aus anderen Gruppen, Personen oder Akteure identifiziert werden, die als Multiplikatoren das Anliegen weiteren Personenkreisen durch Ansprache oder Handeln gut vermitteln können. Hier sind neben interessierten und engagierten Personen mit umfangreichen Kontakten und Netzwerken auch Unternehmen geeignet. Als Beispiel hierfür können Handwerksbetriebe oder Hand- werkerinnungen genannt werden, die durch Werbeaktionen oder durch entsprechend formulierte Informationen und Angebote ihre Kunden dazu bewegen können, selbst Kli- maschutzmaßnahmen umzusetzen. KLIMASCHUTZ-BOTSCHAFTER Da für die persönliche Ansprache möglichst breiter Schichten der Bevölkerung und der Entscheidungsträger ein hoher persönlicher Kontakt aufrechterhalten werden muss, hielten die Teilnehmer das Konzept von Klimaschutz-Botschaftern im Rahmen der Umsetzungsstra- tegien für sehr gut geeignet. Die Repräsentanten des Klimapakt Flensburg e.V. oder der Universität werden entschei- dende Gespräche und Präsentationen selbst durchführen können. Die Vielzahl der not- wendigen Auftritte zur Erreichung aller Flensburger kann durch sie allerdings nicht abge- Identifizierung Early Adopter, Multiplikatoren, Botschafter, Erfolgsmodelle PERSÖNLICHE Ansprache über bestehende Plattformen (z.B. Bürgerforen, Netzwerke) Information, Vorstellung von Erfolgsmodellen, Aufzeigen von Handlungsoptionen Eigendynamik unabhängiger Einzelgruppen (z.B. auf Stadtteilebene) 110 Umsetzungsstrategien INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg deckt werden. Insofern ist es denkbar, dass eine Gruppe motivierter Personen zu Klima- schutz-Botschaftern ausgebildet wird. Die Ausbildung kann das Erlernen einer Präsentation der notwendigen Informationen über den Klimawandel und der Aktivitäten im Rahmen des lokalen Klimaschutzes in Flensburg umfassen. Die Klimaschutz-Botschafter können dann ehrenamtlich in ihrem Interessensgebiet und Wirkungskreis Gespräche führen, Prä- sentationen halten und damit zur breiten Information und Motivation beitragen. ERFOLGSMODELLE Um den jeweiligen Zielgruppen zu verdeutlichen, dass die durchgeführten Maßnahmen nicht nur positive Auswirkungen auf das Klima haben, sondern sich auch in anderen Berei- chen vorteilhaft auswirken, sollten Erfolgsmodelle identifiziert und kommuniziert werden. Wenn ein Eigentümer eines Einfamilienhauses aus erster Hand erfährt, dass eine Optimie- rung der eigenen Heizungsanlage zwar mit einem moderaten Aufwand verbunden ist, sich aber auch sehr vorteilhaft auf seine Heizkosten auswirkt, so wird er eine große Motivation haben, diese Maßnahme ebenfalls durchzuführen. Entsprechende Erfolgsmodelle techni- scher oder organisatorischer Maßnahmen können sicherlich in jedem Sektor in Flensburg identifiziert und zielgruppengerecht kommuniziert werden. 6.11.8 Persönliche Ansprache über bestehende Plattformen Nachdem geeignete Multiplikatoren und Botschafter ausgewählt und entsprechend vor- bereitet wurden, sind sie in der Lage, die persönliche Ansprache von Dritten zu überneh- men. Die Kommunikation kann umso effizienter erfolgen, je mehr auf bestehende Kom- munikationsplattformen und Strukturen zurückgegriffen werden kann. Beispielsweise kön- nen Veranstaltungen und Zusammenkünfte genutzt werden, die ohnehin stattfinden, um die entsprechenden Vorträge und Ansprachen zu halten. Bestehende Strukturen und Netzwerke können beispielsweise Bürgerforen oder Interes- sensgemeinschaften von Unternehmen darstellen. Im Laufe der Aktivitäten des Klimapakts wurden bereits einige Vorträge dieser Art abgehalten, z. B. in Schulen im Rahmen der „Multivision“, für Schüler im Rahmen des Projekts „KlimaschülerInnen“ und des „Forschungs- jahrs Energie“ des BMBF, sowie im Café 50plus. Es ist darauf zu achten, dass die Ansprache zielgruppengerecht erfolgt. Es sollten geeigne- te Präsentationen und Botschafter für die jeweiligen Zielgruppen gefunden werden. Jeder Akteur bzw. jede Bevölkerungsgruppe sollte den eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen entsprechend kontaktiert und angesprochen werden, um sicherzustellen, dass niemand von der Beteiligungsmöglichkeit ausgeschlossen wird. 6.11.9 Information und Aufzeigen von Handlungsoptionen Die Information der Akteure und Bürger sollte kompakt, eingängig und anschaulich erfol- gen. Dabei sollten für die Zielgruppen drei zentrale Fragen beantwortet werden: 1. Was ist der Klimawandel, welches sind die Wirkmechanismen und potentiellen Aus- wirkungen? Umsetzungsstrategien 111 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 2. Was wird in Flensburg bereits unternommen, um die Emissionen der Stadt zu reduzie- ren, welche Akteure sind im Rahmen welcher Maßnahmen aktiv? Welche Erfolgs- modelle gibt es bereits im Interessengebiet der Zielgruppe? 3. Was kann die Zielgruppe selbst unternehmen und welches sind die Ansatzpunkte für ein mögliches weiteres Engagement? Welche Vorteile hat die Zielgruppe durch entsprechendes Handeln zusätzlich zu erwarten? 6.11.10 Eigendynamik unabhängiger Einzelgruppen Um eine langfristige Unterstützung im Rahmen der Umsetzungsphase sicherzustellen, sollten Akteure oder Akteursgruppen in Eigeninitiative arbeiten und dabei eigene Ansätze und Strategien entwickeln, wie in ihrem Einflussbereich die notwendigen Maßnahmen umge- setzt werden können. Idealerweise kann diese Eigendynamik in bestehenden Gruppen oder Netzwerken innerhalb bestehender Strukturen entfacht werden. Dabei ist auch denkbar, dass ein gewisses Wettbewerbselement etabliert werden kann. Beispielsweise könnte es eine Auszeichnung für die klimaschutzaktivste Stadtteilinitiative oder die klimaschutzaktivste Handwerkerinnung geben. 6.11.11 Die Notwendigkeit fach- und sektorspezifischer Arbeitskreise Die Eigendynamik unabhängiger Einzelgruppen ist ein gewünschtes Ergebnis der Umset- zungsstrategien. Auf diese Weise wird die notwendige Verwurzelung des Klimaschutzes in den Sektoren und in der Bevölkerung gefördert. Es muss allerdings sichergestellt werden, dass für die Einzelinitiativen kontinuierlich und verlässlich eine zentrale Anlaufstelle zur Ver- fügung steht. Des Weiteren ist es notwendig, einen Überblick über die Einzelaktivitäten zu behalten, um den Gesamtprozess zielgerichtet weiterführen zu können. Eine gewisse Ko- ordinationsfunktion wird als notwendig erachtet. Aus diesem Grund sollte die in Abbildung 44 (S. 108) vorgeschlagene Struktur fach- und sektorspezifischer Arbeitskreise übernommen werden und zum festen Bestandteil der Kli- maschutzaktivitäten Flensburgs werden. Diese Arbeitskreise könnten die Koordinationsfunk- tion in Kontinuität übernehmen und stellen ein wichtiges Bindeglied zwischen der Kern- gruppe, also dem Klimapakt Flensburg, und den unabhängigen Einzelgruppen dar. Dabei können sie wichtige Informationen und Anregungen direkt weitergeben. Es wird angeregt, dass die Arbeitsgruppen zunächst aus Fachleuten bestehen, die im ent- sprechenden Themengebiet auch beruflich beheimatet sind. In den Bereich Verkehr und Haushalte können diese Fachleute dann kontinuierlich durch Early Adopters ersetzt wer- den, die nicht zwingend Experten auf dem jeweiligen Gebiet sein müssen. 112 Umsetzungsstrategien INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 6.11.12 Sektorspezifische Ansätze Das oben vorgestellte allgemeine Konzept kann in allen Sektoren zur Anwendung kom- men. Es müssen jedoch einige sektorspezifische Besonderheiten berücksichtigt werden, um die optimale Kommunikation und Motivation sicherzustellen. 6.11.13 Bereich Haushalte Im Bereich der privaten Haushalte ist es besonders schwierig, geeignete Early Adopters zu identifizieren, da die Maßnahmen von Privatleuten nur selten in den Medien dokumentiert werden. Es wurde angeregt, diese Identifizierung über die entsprechenden Handwerkerin- nungen vorzunehmen. Besonders aktive und interessierte Bürger werden zunächst dem Handwerker auffallen, der die Arbeiten vorgenommen hat. Aktive und interessierte Bürger werden in den meisten Fällen damit einverstanden sein, ihr Erfolgsbeispiel Dritten zu prä- sentieren und als Multiplikator zur Verfügung zu stehen. Die für den Haushaltssektor geeigneten Plattformen sind: Stadtteil-Bürgerforen (z. B. in Weiche, Mürwik, Engelsby oder in der Nordstadt) die Verbraucherzentrale im Rahmen von Veranstaltungen Vereine (z. B. die Rotarier, der Lions Club oder Kulturvereine) die Volkshochschule Flensburg Es muss sichergestellt werden, dass alle Bevölkerungsschichten und -milieus erreicht wer- den. Über die Integration von Informationen über den Klimaschutz in Flensburg in das Lehrangebot der Volkshochschule Flensburg können auch Gruppen erreicht werden, de- ren Deutsch-Sprachkenntnisse nur gering sind: beispielsweise ist ein entsprechender Lehr- abschnitt zum Thema Klimaschutz im Fach "Deutsch als Fremdsprache" denkbar. Eine ge- zielte Lehrplanentwicklung in diese Richtung könnte bereits in der Ausbildung der Lehren- den vorangetrieben werden, da die Universität Flensburg auch die Studienrichtung Er- wachsenenbildung anbietet. Eine zielgruppengerechte Ansprache sowie eine mitreißende und kurzweilige Darstellung der Themen sind gerade im Bereich Haushalte von besonderer Bedeutung. Auch wenn die persönliche Ansprache Priorität haben sollte, können im Bereich Haushalte nachrangig auch Print- und Rundfunkmedien sowie Internetforen genutzt werden. 6.11.14 Maßnahmenübersicht Folgende Tabelle gibt einen Überblick über die im Bereich Umsetzungsstrategien identifi- zierten Maßnahmen. Umsetzungsstrategien 113 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Maßnahme Akteur U1: Identifikation geeigneter Early Adopter, Klimabot- schafter und Erfolgsmodelle Klimapakt Flensburg, Universität Flens- burg U2: Identifikation geeigneter Plattformen / Netzwerke Klimapakt Flensburg, Universität Flens- burg U3: Persönliche Ansprache von Akteuren über geeignete Plattformen / Netzwerke Klimapakt Flensburg, Universität Flens- burg, Klimabotschafter U4: Information, Vorstellung von Erfolgsmodellen, Aufzei- gen der Handlungsoptionen Klimapakt Flensburg, Universität Flens- burg, Klimabotschafter U5: Koordination und Information der eigenständigen Arbeitsgruppen Klimapakt Flensburg, Universität Flens- burg Eine detaillierte Beschreibung der oben genannten Maßnahmen kann in der zugehörigen Workshopdokumentation gefunden werden (siehe dazu: 9.16.2, S. 382 ff). 6.11.15 Bereich Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und Industrie Um Unternehmen von der Vorteilhaftigkeit des Klimaschutzhandelns überzeugen zu kön- nen, sollte anhand von Erfolgsbeispielen kommuniziert werden, welche Kosteneinsparun- gen sich durch Energieeffizienzmaßnahmen erzielen lassen und welche sonstigen Vorteile der Klimaschutz für Unternehmen haben kann. Ein Austausch von Erfahrungen und Best- Practice-Beispielen kann gerade für kleinere Unternehmen sinnvoll sein, die keine ausrei- chenden Kapazitäten haben, den eigenen Energieverbrauch durch in Eigenregie konzi- pierte Maßnahmen zu optimieren. Diejenigen Unternehmen, die in Sachen Klimaschutz in Flensburg Vorreiter sind, können andere Unternehmen, vor allem Wettbewerber, zum Handeln bewegen, indem sie die Öffentlichkeit über ihre bereits durchgeführten Maßnahmen informieren. Auf diese Weise wird die öffentliche Erwartung gegenüber den bislang nicht aktiven Unternehmen zuneh- men. Ein geeignetes Instrument hierfür ist die Durchführung von Benchmarkings und Unter- nehmensvergleichen im Bereich klimaschutzrelevanter Kennzahlen wie Strom- oder Brenn- stoffverbrauch. Geeignete Plattformen für Unternehmen in Flensburg sind Unternehmensnetzwerke wie beispielsweise „Club 100“ oder „Unternehmen Flensburg“, die Industrie- und Handelskam- mer, der Handels- und Gewerbeverein oder der Arbeitgeberverband. Der Arbeitskreis Klimaschutz in diesem Bereich könnte aus denjenigen Unternehmen ge- gründet werden, die bereits bei den Workshops zur Erstellung des Klimaschutzkonzepts be- teiligt waren und dann um geeignete Akteure, insbesondere Early Adopters, erweitert werden. 114 Umsetzungsstrategien INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 6.11.16 Bereich Verkehr Es ist das Ziel der Umsetzungsstrategie im Bereich Verkehr, dass die Bürger nicht nur über die Möglichkeiten einer klimabewussten Mobilität informiert werden, sondern dass neue kombinierte Verkehrsangebote erlebbar gemacht werden und die Faszination dafür ge- weckt wird. Aus diesem Grund sollte neben einer persönlichen Ansprache auch die Möglichkeit be- stehen, dass die Bürger entsprechende Schnupperangebote mit einer niedrigen Schwelle nutzen können. Wenn praktische Erfahrungen mit einem neuen Verkehrsmittel oder Mobili- tätskonzept (z. B. Pedelecs oder Car-Sharing) gemacht wurden und diese sich als brauch- bar erweisen, sind bislang bestehende Vorurteile schnell vergessen. Es könnte in diesem Bereich über Testangebote nachgedacht werden, die zusätzlich auch medial vermarktet werden können. In den Verkehrs-Workshops wurde ein Konzept vorgestellt, demzufolge Angebote zur Än- derung bestehender Routinen in der Verkehrsmittelwahl gezielt an Umbrüchen im Leben verfügbar gemacht und beworben werden. Beispielsweise könnten Neubürger beim Um- zug Informationspakete und Beratung zur Nutzung des Umweltverbunds erhalten [vgl. Nal- linger 2006], Fahranfänger könnten Schnupperangebote für Carsharing erhalten oder Fahrradanhänger und Kindersitze im Rahmen von Geburtsvorbereitungskursen verliehen werden. Diese Idee wurde allgemein gut aufgenommen und sollte in der Umsetzungsstra- tegie berücksichtigt werden. Zusätzlich zur gezielten Ansprache in Lebensumbruchsituationen kann die Ansprache der Bürger über Stadtteilnetzwerke oder Bürgerforen erfolgen. Geeignete Multiplikatoren im Bereich Verkehr sind bürgernahe Experten mit Vorbildfunktion und einer gewissen Neutrali- tät. Der Klimaschutz-Arbeitskreis Verkehr könnte neben der Koordination und Information auch die Technologieverfolgung z. B. im Bereich Elektromobilität und die Beratung von Bürgern bei Fragen neuer Mobilitätskonzepte als Aufgabe haben. 6.11.17 Ausblick Mit den vorliegenden Ergebnissen liegt eine praktikable Strategie vor, wie Akteure und Bürger in Flensburg im allgemeinen und für verschiedene Sektoren im speziellen angespro- chen, involviert und zu klimaschutzaktivem Handeln motiviert werden können. In einer Stadt wie Flensburg, in der das alltägliche Leben aufgrund ihrer Größe von unter 100.000 Einwohnern stark vom persönlichen Kontakt und den Beziehungen und Netzwer- ken ihrer Bürger geprägt ist, lässt sich das Konzept der Early Adopters zur Verbreitung von Klimaschutzinnovationen gut umsetzen. Der Erfolg des Konzepts hängt davon ab, ob die richtigen "Köpfe" für das Anliegen des Klimaschutzes gewonnen werden können und diese Aufgabe gewissenhaft übernehmen. Weitere Teilbereiche in Ergänzung zu den Workshops 115 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 6.12 Weitere Teilbereiche in Ergänzung zu den Workshops In den Workshops wurden Wege zur Erreichung der CO2-Neutralität in wichtigen Bereichen definiert, die einen Großteil der Flensburger Emissionen abdecken. Einige Bereiche wurden nicht in Workshops behandelt; für diese liegen teilweise bereits eigene Lösungsansätze vor, teilweise liegen die wichtigsten Stellschrauben nicht im direkten Einflussbereich der Flens- burger Akteure. Die folgenden Abschnitte geben einen Überblick über diese Teilbereiche der Flensburger Emissionsbilanz und ihre möglichen Wege zur CO2-Neutralität. 6.12.1 Technisches Betriebszentrum Flensburg (TBZ) Das Technische Betriebszentrum Flensburg (TBZ) ist der kommunale Dienstleister der Stadt Flensburg. Der Tätigkeitsbereich umfasst die Abfallbeseitigung, Stadtreinigung, Entwässe- rung und Klärwerk, Straßenbau und Grünflächenpflege / Forst. Weiterhin ist es für die Be- schaffung und den Betrieb der kommunalen Fahrzeuge zuständig. Das TBZ ist als eigen- ständiges kommunales Unternehmen Mitglied in der Klimaschutzinitiative Klimapakt Flens- burg e.V. 6.12.1.1 Ausgangslage und Zielsetzung Die Betriebsstruktur und die Zuständigkeitsbereiche des TBZ sind nicht mit anderen Akteu- ren in der Stadt vergleichbar. Zudem wurden durch das TBZ bereits eigenständig Konzepte entwickelt, wie der Energieverbrauch in den verschiedenen Tätigkeits- und Zuständigkeits- bereichen reduziert werden kann. Die hier vorgestellten Fakten und Maßnahmen wurden in einem Gespräch mit der technischen Betriebssteuerung des TBZ in Erfahrung gebracht. Als die drei Tätigkeitsbereiche mit einem relevanten Energieverbrauch sind die Straßenbe- leuchtung, die Kläranlage / Entwässerung und die Nutzung des kommunalen Fuhrparks zu nennen. Es wurde beabsichtigt, die in diesen Bereichen geplanten Klimaschutzmaßnahmen zu identifizieren und ihre voraussichtliche Auswirkung auf die Reduzierung der CO2-Emissionen kurz-, mittel- und langfristig abzuschätzen. Im Folgenden werden die Ergebnisse für die ein- zelnen Bereiche erläutert. 6.12.1.2 Identifizierte Maßnahmen Folgende Tabelle stellt eine Zusammenfassung der identifizierten Maßnahmen dar. Maßnahme Akteur Einsparung Zeitpunkt d. Um- setzung Kosten Bedarfsreduzierung T1: Abschaltung bzw. Dim- mung von ausgewählten Beleuchtungspunkten TBZ 17 % des Stromver- brauchs/a 2012 bis 2050 k. A. 116 Weitere Teilbereiche in Ergänzung zu den Workshops INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg T2: Beschaffung, Betriebs- weise und Ausstattung kommunaler Fahrzeuge TBZ 222 t CO2/a 2012 bis 2050 k. A. Effizienzsteigerung T3: Turnusmäßiger Ersatz von Straßenbeleuchtungsanla- gen TBZ 30 % des Stromver- brauchs bis 2050 2012 bis 2050 mit Zyklus von max. 17 Jahren Anlagenspezi- fisch T4: Optimierung der Kläran- lage TBZ T4 : In Summe 40 % des externen Stromverbrauchs bis 2050 2012 bis 2050, tur- nusgemäß k. A. T4-1: Energetische Opti- mierung des Klärprozesses T BZ Siehe T4 T4-2: Einsatz von Hocheffi- zienzpumpen TBZ Siehe T4 T4-3: Energierückgewin- nung im Regenwasser- Pumpsystem TBZ Siehe T4 T4-4: Einsatz weiterer Sub- strate bei der Klärgaspro- duktion TBZ Siehe T4 6.12.1.3 Straßenbeleuchtung Der Betrieb von Ampelanlagen, Parkscheinautomaten und der Straßenbeleuchtung im Stadtgebiet macht mit ca. 4.400 MWh/a im Jahr 2008 einen Anteil von ca. 1 % am gesam- ten Stromverbrauch in Flensburg aus. Auf die Straßenbeleuchtung entfällt dabei mit ca. 4.100 MWh/a bei weitem der größte Anteil. Im Jahr 2009 waren in Flensburg 10.213 Licht- punkte in Betrieb. Bei Ausweitung der Siedlungsflächen in der Stadt ist davon auszugehen, dass die Lichtpunkte insgesamt bis zum Jahr 2050 auf ca. 12.000 zunehmen. Grundlage für mögliche Energieeinsparungen ist der Bewirtschaftungsvertrag mit den Stadtwerken Flensburg, der noch bis zum Jahr 2019 gültig ist. Im Vertrag ist der Ersatz alter Leuchtmittel durch moderne Leuchtmittel im Rahmen des Turnustausches vorgesehen, so dass das Durchschnittsalter der Leuchtmittel 17 Jahre nicht übersteigt. Bei Fortführung des Austausches bei konstanten Austauschraten und bei Ausschöpfung der Potentiale bei der Optimierung der Beleuchtungstechnologien ist zu erwarten, dass im Jahr 2050 pro Licht- punkt 38 % weniger Strom verbraucht werden. Mit Berücksichtigung der Zunahme der Lichtpunkte ergibt sich eine Reduzierung des Stromverbrauchs von knapp 30 % bis 2050. Weitere Teilbereiche in Ergänzung zu den Workshops 117 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Dieser Wert wird für die weitere Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzepts angenom- men. Über die Nutzung der Energieeffizienzpotentiale sollten auch Möglichkeiten der Bedarfsre- duzierung in Erwägung gezogen werden. So bestünde die Option, einen Teil der Straßen- beleuchtung in den Nachtstunden zwischen null und fünf Uhr zu dimmen oder zur Hälfte abzuschalten. Dies könnte beispielsweise in Wohngebieten abseits wichtiger Verkehrsstra- ßen und des Stadtzentrums geschehen. In Deutschland gibt es einige Städte, die dies be- reits praktizieren. Sollten 80 % der Straßenbeleuchtung während der genannten Stunden in ihrer Aufnahmeleistung um 50 % reduziert werden oder jeder zweite Lichtpunkt abgeschal- tet werden, so könnten 17 % des jährlichen Verbrauchs für die Straßenbeleuchtung einge- spart werden. Im Jahr 2012 entspräche dies einer Einsparung von knapp 700 MWh/a. 6.12.1.4 Kläranlage / Entwässerung In der 1962 in Betrieb genommenen Kläranlage wurden im Jahr 2008 über 10 Mio. m³ Ab- wasser behandelt. Weiterhin betreibt das TBZ 45 Pumpstationen für das 490 km umfassen- de Kanalnetz, in dem Schmutz- und Regenwasser aus der Stadt abgeführt wird. Der zum Betrieb der Kläranlage und der Pumpstationen notwendige Stromverbrauch liegt bei 8.200 MWh/a im Jahr 2010. Ein Teil des Strombedarfs und der vollständige Wärmebe- darf werden von zwei Blockheizkraftwerken (BHKW) bezogen, die mit dem in den Faultür- men der Kläranlage entstehendem Klärgas versorgt werden. Seit Oktober 2010 sind neue BHKW im Einsatz, die eine deutlich gesteigerte Effizienz der Stromproduktion aufweisen. Der für den Betrieb der Kläranlage notwendige Strom-Fremdbezug wird dadurch deutlich zu- rückgehen. Die vom TBZ geplanten Maßnahmen zur Reduzierung der CO2-Emissionen zum Betrieb der Kläranlage und Pumpstationen umfassen: die Ausweitung der Klärgasproduktion durch Zugabe weiterer Substrate, die weitere Energieoptimierung des Klärprozesses, kontinuierlicher turnusmäßiger Austausch von Pumpen durch Hocheffizienzpumpen, Energierückgewinnung im Regenwasser-Pumpsystem durch Wasserkraft. Aufgrund dieser Maßnahmen kann davon ausgegangen werden, dass die Strommenge, die extern bezogen werden muss, in diesem Bereich bis zum Jahr 2050 um ca. 40 % redu- ziert wird. 6.12.1.5 Kommunale Fahrzeuge Das Technische Betriebszentrum (TBZ) der Stadt Flensburg ist für Beschaffung und Betrieb der kommunalen Fahrzeuge zuständig und kann durch diese Funktion eine Vorbildrolle für die Flensburger Bürger einnehmen. Bereits im Jahr 2009 hat das TBZ in einer Studie ermitteln lassen, welche CO2-Einsparpotentiale durch welche Maßnahmen möglich sind. Hierbei wurden fünf Maßnahmenblöcke identifiziert: 118 Weitere Teilbereiche in Ergänzung zu den Workshops INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Berücksichtigung des CO2-Ausstoßes bei der Ersatzbeschaffung (-16 t CO2/a) Verwendung von sog. Spritsparreifen (-38 t CO2/a) Tourenoptimierung (-35 t CO2/a) Schulung und Verhaltensänderung der Fahrer bezüglich Motordrehzahl, Nutzung von Klimaanlage und Standheizung, etc. (-128 t CO2/a) Benutzung von Dienstfahrrädern und ÖPNV durch städtische Angestellte (-5 t CO2/a). Insgesamt ermittelt die TBZ-Studie eine mögliche Einsparung von 222 t CO2/a (-17,4 %) [vgl. TBZ 2009, S. 7.11]. In Ergänzung zu der vorliegenden Studie wurde mitgeteilt, dass ab 2011 ein neues System für die Verbrauchserfassung und Tourenoptimierung eingeführt wurde. Diese Software wird aufgrund der Anreizwirkung für die Mitarbeiter zu weiteren Einsparungen führen. 6.12.2 Güterverkehr Nicht nur für den Personenverkehr, sondern auch für den Güterverkehr, der durch Flens- burger Aktivitäten induziert wird, müssen nachhaltige, CO2-neutrale Transportalternativen gefunden werden. Die Verantwortung hierfür liegt bei verschiedenen Akteursgruppen: Zum einen haben die Konsumenten Einfluss durch ihre Kaufentscheidung für ein Produkt, welches CO2-neutral transportiert wurde. Zum anderen können Logistiker diese Transporte anbieten und Einzelhändler und Industrieunternehmen sie anfordern. Unternehmensspezifi- sche Konzepte und Strategien können mit den lokalen Einzelhandels-, Industrie- und Logis- tikunternehmen ausgearbeitet werden. Die Infrastruktur hierzu muss jedoch zum Teil auf Landes- und Bundesebene bereitgestellt werden. Eine Studie im Auftrag des BMVBS prognostiziert eine Verdopplung der Güterverkehrsleis- tung auf 1.200 Mrd. tkm im Jahr 2050 [vgl. Ickert et al. 2007, S. 110 ff]. Verschiebungen im Modal Split halten sich laut dieser Studie in Grenzen; die Binnenschifffahrt wird ca. 3 % der Verkehrsleistung an Schienen- und Straßengüterverkehr verlieren. Der Import und Transit von Waren wird im Vergleich zum Binnenverkehr prozentuale Anteile gewinnen. 6.12.2.1 Straßengüterverkehr Die Daten zum CO2-Ausstoß des Straßengüterverkehrs in Flensburg konnten nicht auf Basis kommunaler Statistiken ermittelt werden. Stattdessen wurden auf Grundlage bundesweiter Daten anteilig die der Flensburger Bevölkerung anzulastenden Emissionen berechnet [vgl. Hohmeyer et al. 2010, S. 57]. Die bundesweiten Daten beruhen auf dem Verbrauch er- rechnet als Inländerfahrleistung [vgl. BMVBS 2009, S. 286], d. h. einschließlich der Auslands- strecken deutscher Fahrzeuge, aber ohne die Inlandsstrecken ausländischer Fahrzeuge. Der nicht von Inländern induzierte und somit nicht anrechenbare Transitverkehr inländi- scher Fahrzeuge ist mit unter 0,1 % vernachlässigbar [vgl. Destatis 2011]. Weitere Teilbereiche in Ergänzung zu den Workshops 119 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Der Energiebedarf für den Straßengüterverkehr im Jahr 2010 wurde anteilig für Flensburg auf über 177.000 MWh/a berechnet. Durch Effizienzsteigerungen sinkt der Bedarf bis 2050 auf ca. 167.500 MWh/a. Dieser Bedarf muss durch klimaneutrale Energieträger bereitge- stellt werden. Solange die Elektrifizierung des Güterverkehrs nicht auf nationaler und euro- päischer Ebene vorangetrieben wird, entspricht dies einem jährlichen Biodiesel-Bedarf von 16,9 Mio. Liter. TRANSPORTE MIT LKW BIS 7,5 T ZGG Für leichte LKW mit einem zulässigen Gesamtgewicht unter 7,5 t, wie sie insbesondere bei Zustelldiensten oder im Werkverkehr für kleinvoluminöse Fracht und kurze Fahrten genutzt werden, steht bereits heute als marktreife Lösung der Ersatz des Verbrennungsmotors durch einen Elektromotor zur Verfügung [vgl. EFA-S 2011]. Aufgrund der Batteriekapazität ist dieser Antrieb momentan nur für den Einsatz auf Tagesstrecken bis ca. 100 km einsetz- bar. Es ist anzunehmen, dass sich die Zahl der Anbieter dieser Antriebssysteme sowie die Batteriekapazität in den kommenden Jahren vervielfältigen und diese Lösung sich am Markt durchsetzen wird. TRANSPORTE MIT LKW ÜBER 7,5 T ZGG Bei der Beförderung von Gütern auf Langstrecken werden größere LKW bis zu 40 t zGG eingesetzt, um Ressourcen zu bündeln. Für diese Gewichtsklassen sind durch Batterien be- triebene Elektromotoren kaum zu realisieren. Eine Elektrifizierung dieser Transporte kann durch Verlagerung des Gütertransports von der Straße auf die Schiene erfolgen. Dazu müssen jedoch die Schieneninfrastruktur sowie die Verladebahnhöfe massiv ausgebaut werden. Die Verantwortung hierfür liegt beim Bund bzw. dem bundeseigenen Unterneh- men DB Netz AG. Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes weist diesbezüglich nach, dass die Investitionssumme von 11 Mrd. € ausreichend würde, um ca. 700 km Schie- ne für den Güter- und Personennahverkehr auszubauen und ca. 800 km zu elektrifizieren. Die Verkehrsleistung des gesamten deutschen Schienengüterverkehrs kann mit dieser Maßnahme binnen 15 bis 20 Jahre auf über 200 Mrd. tkm verdoppelt werden [vgl. Holzhey 2010, S. 163 f.]. Für die Anbindung des Flensburger Güterverkehrs an den Schienentrans- port könnte entweder der frühere Güterbahnhof in Flensburg-Weiche reaktiviert werden oder – mit entsprechender zollrechtlicher Regelung – das bestehende Güterterminal in Padborg genutzt werden. Selbst bei massivem Ausbau der Schieneninfrastruktur mit wie im oben beschriebenen Sze- nario einhergehender Verdopplung der Leistungsfähigkeit des Schienengüterverkehrs und weiterem Anstieg der Güterbeförderungsleistung in der Binnenschifffahrt verbleiben bei konstantem Anstieg der Verkehrsleistung von 1 – 2 % pro Jahr im Jahr 2030 noch deutlich mehr als 300 Mrd. tkm auf der Straße. Für diese Güter gilt es, eine emissionsarme Lösung zu finden. Für den Fernverkehr kann dies der Einsatz von Trolley Trucks sein, einem Nutzfahr- zeug mit Verbrennungsmotor in Kombination mit einem über Oberleitungen gespeistem Elektroantrieb. Der Bau von Infrastruktur für den Oberleitungsbetrieb ist vor allem an Auto- bahnen und an Schnellstraßen vorstellbar. Für die Strecke von und zur Autobahn verfügt 120 Weitere Teilbereiche in Ergänzung zu den Workshops INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg der Trolley Truck über einen Verbrennungsmotor, um autark Wege zurücklegen zu können [vgl. Brauner et al. 2003, S. 20]. Eine wichtige Gruppe im Güterverkehr, die von den bisherigen Vorschlägen nicht abge- deckt wird, stellt der Nahverkehr mit schweren Nutzfahrzeugen bis 50 km Entfernung dar. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Werkverkehre mit betriebseigenen LKW zur Aus- lieferung von Waren in der Region, sowie Transporte der Gruppe „Steine und Erden“. Die bisher genannten Möglichkeiten stellen hier keine Alternativen dar, weil das Gewicht zu hoch ist für batteriebetriebene Fahrzeuge und die Strecke zu kurz für den Transport auf Schienen oder Autobahnen. Für diese Transporte verbleiben aus derzeitiger Sicht einzig alternative Kraftstoffe wie Biodiesel, Pflanzenöl oder BtL-Kraftstoffe. 6.12.2.2 Luftfracht Im Gutachten zur Energie- und Treibhausgasbilanz der Stadt Flensburg für das Jahr 2006 wurde der Emissionsausstoß der durch Bürger der Stadt verursachten Luftfracht nachricht- lich erwähnt, jedoch nicht in die Bilanz einbezogen. Dies liegt darin begründet, dass der innerdeutsche Verkehr mit 0,19 % der Verkehrsleistung nicht relevant erscheint [BMVBS 2009, S. 236/7]. Dennoch ist aufgrund der hohen Treibhauswirkung des Luftverkehrs beson- ders in diesem Bereich ein kritischer und bewusster Umgang mit Konsumentscheidungen wichtig. Eine Kampagne des Klimapakts zu diesem Thema könnte die Flensburger Bürger dafür sensibilisieren, z. B. beim Lebensmitteleinkauf auf exotische Früchte, die mit dem Flugzeug transportiert werden müssen, zu verzichten und eher regional und jahreszeitlich angepasst einzukaufen [vgl. Nachhaltigkeitsrat, 2011]. 6.12.2.3 Schiffsverkehr Der Schiffsverkehr ist die emissionsärmste Transportmöglichkeit für Güter. Aufgrund der minderwertigen Treibstoffe, die insbesondere im internationalen Seeverkehr verbrannt werden, steht dieser Sektor dennoch in den nächsten Jahren vor der Herausforderung, seine Emissionen zu minimieren. Hierzu werden auf verschiedensten Ebenen Anstrengun- gen unternommen, u. a. Forschungsarbeiten zu alternativen Antriebssystemen, neuen Rumpfdesigns und politische Diskussionen zur Einbeziehung des Schiffsverkehrs ins Europäi- sche Emissionshandelssystem (EU ETS). Eine Maßnahme, die beim Schiffsverkehr zu einer Treibhausgasreduktion von 80 % oder mehr führt, ist jedoch nach heutigem Stand der Technik nicht in Sicht. 6.12.3 Personenfernverkehr Bundesweit sind ca. 35 % der Fahrleistung dem innerstädtischen Verkehr zuzuordnen [ifeu 2010, S. 28]. Nur bei diesem Anteil können die in den Workshops diskutierten Vor-Ort- Maßnahmen direkt greifen. Eine indirekte Beeinflussung der Emissionen auf Langstrecken- fahrten durch die Unabhängigkeit vom Pkw im (städtischen) Alltag ist für bestimmte Maß- nahmen zwar belegt [Muheim et al. 1992, S. 46], aber nur unter der Voraussetzung eines funktionierenden und attraktiven öffentlichen Fernverkehrs. Diese Vorbedingung ist in Flensburg in seiner Grenzlage derzeit nicht uneingeschränkt gegeben. Für die Erstellung Weitere Teilbereiche in Ergänzung zu den Workshops 121 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG des Zielszenarios wird aber davon ausgegangen, dass der öffentliche Fernverkehr zur Er- reichung nationaler und internationaler Klimaschutzziele bis 2050 ausgebaut und verbes- sert wird. 6.12.3.1 Öffentlicher Straßen- und Schienenfernverkehr Zwischen 1991 und 2008 betrug die Steigerung des Verkehrsaufwandes im Personenver- kehr 25 %, während im öffentlichen Straßen- und Schienenverkehr eine unterdurchschnitt- liche Zunahme um 17 % zu verzeichnen war [UBA, 2010a]. Spezifische Daten für Flensburg lagen in diesem Bereich nicht vor. Im Bundesdurchschnitt legte im Jahr 2008 jeder Einwoh- ner 1.013 km mit der Bahn und 973 km mit dem öffentlichen Straßenverkehr zurück [eigene Berechnung nach UBA, 2010a]. Zur Erreichung der Klimaneutralität muss der Energiebedarf für diese Verkehrsleistungen durch erneuerbare Energien zur Verfügung gestellt werden. 6.12.3.2 Flugverkehr Im Gutachten zur Energie- und Treibhausgasbilanz der Stadt Flensburg für das Jahr 2006 wurde der Emissionsausstoß der durch Bürger der Stadt verursachten Flugverkehr nach- richtlich erwähnt, jedoch nicht in die Bilanz einbezogen. In den vergangenen Jahren wa- ren hohe Wachstumsraten im Personenflugverkehr zu verzeichnen: allein für private Flug- reisen stellte das Statistische Bundesamt im Zeitraum von elf Jahren ein Wachstum der Treibhausgasemissionen um 60 % fest, von 15 Mio. t im Jahr 1995 auf 24 Mio. t im Jahr 2006 [Mayer/Flachmann 2006, S. 1115]. Kampagnen für eine bewusste und informierte Ver- kehrsmittelwahl müssen diesen Sachverhalt berücksichtigen. Soll auch in diesem Bereich CO2-Neutralität erreicht werden, müssen wahrscheinlich Kompensationsmaßnahmen in Betracht gezogen werden. Dazu eignen sich z. B. Projekte, die Kohlenstoffsenken fördern, wie etwa eine verstärkte Aufforstung innerhalb des Stadtgebiets und darüber hinaus. Auch die Einbringung von Biokohle („Terra Preta“) in landwirtschaftliche Böden könnte relevant werden, bei der von einer Kompensation von 4,5 t CO2 je Tonne Biokohle ausgegangen wird [Knutzen, 2011]. Ein entsprechendes Vorhaben ist bereits in Flensburgs erstem Sied- lungsring geplant und könnte durch den regionalen Bezug zu einem erhöhten Bewusstsein für die Problematik beitragen. 122 Klimaschutzkonzept: Integration der Teilergebnisse INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 7 KLIMASCHUTZKONZEPT: INTEGRATION DER TEILERGEBNISSE Um den Pfad zur CO2-Neutralität für die gesamte Stadt zu definieren, wurden die auf den Workshops erarbeiteten Sichtweisen der verschiedenen Sektoren zu einem integrierten Konzept zusammengefügt. 7.1 Entwicklung des Energiebedarfs in Flensburg Wie in Abbildung 46 dargestellt, sinkt der Flensburger Wärmebedarf bei Umsetzung aller Maßnahmen im integrierten Klimaschutzkonzept bis zum Jahr 2050 um knapp 27 % gegen- über dem Jahr 2010. Der Bedarf an Hochtemperaturwärme wird dagegen kaum abneh- men, so dass der Industriesektor im Jahr 2050 mit knapp 27 % einen größeren Anteil am Wärmebedarf haben wird als heute. Doch auch im Jahr 2050 wird der größte Teil des Wärmebedarfs über Fernwärme bereitgestellt werden: die Fernwärmenachfrage wird ca. 525 GWh des Wärmebedarfs von knapp 696 GWh ausmachen. Das größte Einsparpoten- tial liegt im Haushaltssektor mit knapp 37 % Bedarfsrückgang. ABBILDUNG 46: ENTWICKLUNG DES FLENSBURGER WÄRMEBEDARFS BIS 2050 (KLIMASCHUTZKONZEPT) Ein deutlich geringerer Rückgang des Energiebedarfs ist im Strombereich zu erwarten. Die Wirkung von stromsparenden Maßnahmen, die beträchtliche Nachfragesenkungen errei- chen können – im Haushaltsbereich 45 % gegenüber 2010 – wird durch die verstärkte Nut- zung der Elektromobilität fast vollständig kompensiert, wie in Abbildung 47 dargestellt. 0 100.000 200.000 300.000 400.000 500.000 600.000 700.000 800.000 900.000 1.000.000 1.100.000 1.200.000 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 MWh/a GHD Industrie Haushaltssektor Entwicklung des Energiebedarfs in Flensburg 123 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Damit sinkt der Strombedarf bis 2050 um knapp 7 % gegenüber dem Jahr 2010 auf einen Wert von 371 GWh. ABBILDUNG 47: ENTWICKLUNG DES FLENSBURGER STROMBEDARFS BIS 2050 (KLIMASCHUTZKONZEPT) Spiegelbildlich zur deutlichen Zunahme des Strombedarfs im Verkehrsbereich sinkt der Kraftstoffbedarf durch den Umstieg auf Elektromobilität bis 2050 auf ein Viertel des Wertes im Jahr 2010, wie in Abbildung 48 (S. 124) dargestellt. Mit 98 % der noch benötigten 189 GWh entfällt der größte Teil des Kraftstoffbedarfs auf den Verkehrsbereich, und zwar zum größten Teil auf den Güterverkehr. Wie bereits erläutert, ist es denkbar, dass ein rele- vanter Anteil des Energiebedarfs für den Güterverkehr bis zum Jahr 2050 auch über Strom bereitgestellt wird. Da keine genauere Analyse erfolgt ist, wird die benötigte Energiemen- ge hier zunächst als Kraftstoffbedarf dargestellt. 0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 300.000 350.000 400.000 450.000 500.000 550.000 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 MWh/a GHD Industrie Verkehr Haushaltssektor 124 Entwicklung des Energiebedarfs in Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 48: ENTWICKLUNG DES FLENSBURGER KRAFTSTOFFBEDARFS BIS 2050 (KLIMASCHUTZKONZEPT) In der Gesamtschau (vgl. Abbildung 49, S. 125) ergibt sich für den Flensburger Energiebe- darf nach Umsetzung aller im Konzept beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen folgendes Bild für das Jahr 2050: Der Energiebedarf sinkt gegenüber dem Jahr 2010 um 39 %, von 2 auf knapp 1,3 TWh. Die größten Energieeinsparungen werden im Verkehrssektor mit 62 % erwartet – auf- grund der bereits beschlossenen Politikvorgaben auf EU-Ebene, durch Maßnahmen zur Änderung der Verkehrsmittelwahl und durch die Umstellung auf die verbrauchsärmere E-Mobilität (15 kWh/100 km statt derzeit 7,8 l Benzin/100 km, entsprechend 68 kWh/100 km). Im Haushaltssektor werden Energieeinsparungen von 39 % erwartet – unter der Voraus- setzung, dass die jeweils gültige Energieeinsparverordnung umgesetzt wird und die energetische Sanierungsrate zwischenzeitlich Werte von 2 % p.a. erreicht. Im GHD-Sektor werden Energieeinsparungen von 25 % erwartet – wobei der Austausch von Leuchtmitteln und die Verbesserung der energetischen Gebäudestandards die größten Beiträge liefern werden. Im Industriesektor sind mit 4 % die geringsten Energieeinsparungen zu erwarten. 0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 300.000 350.000 400.000 450.000 500.000 550.000 600.000 650.000 700.000 750.000 800.000 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 MWh/a GHD Industrie Verkehr Haushaltssektor Deckung des Energiebedarfs 125 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ABBILDUNG 49: ENTWICKLUNG DES FLENSBURGER ENERGIEBEDARFS (KLIMASCHUTZKONZEPT) 7.2 Deckung des Energiebedarfs Zur Erreichung der CO2-Neutralität muss nach Umsetzung aller Maßnahmen zur Bedarfs- senkung und Effizienzsteigerung der noch verbleibende Energiebedarf durch klimaneutra- le Energieträger bereitgestellt werden. Die Potentiale der einzelnen erneuerbaren Ener- gien und ihre Beiträge zum Flensburger Klimaschutzkonzept werden in den folgenden Ab- schnitten dargestellt. 7.2.1 Biomasse Der Weltklimarat IPCC geht in seinem aktuellen Bericht über das Potential erneuerbarer Energien von einem nachhaltigen maximalen weltweiten Biomasse-Potential von 500 Exajoule pro Jahr aus – eine Größenordnung, die zur Deckung des derzeitigen Weltprimär- energiebedarfs ausreichen würde [IPCC, 2011, S. 8; Chum et al. 2011, S. 18]. Diese Ober- grenze kann erreicht werden, wenn die politischen Rahmenbedingungen eine nachhalti- ge Landnutzung, umfassende Verbesserungen im landwirtschaftlichen Management so- wie technische Fortschritte bei der Nutzung von viehwirtschaftlichen Abfällen garantieren [Chum et al. 2011, S. 17]. Wenn keinerlei politische Anstrengungen in diese Richtung unter- nommen werden, steht dennoch ein nachhaltiges minimales weltweites Biomasse- Potential von 50 Exajoule pro Jahr zur Verfügung [ebd., S. 18]. 0 200.000 400.000 600.000 800.000 1.000.000 1.200.000 1.400.000 1.600.000 1.800.000 2.000.000 2.200.000 2.400.000 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 MWh/a GHD Industrie Verkehr Haushaltssektor Bezugsjahr für Einsparungen: 2010 126 Deckung des Energiebedarfs INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Aufgrund der Unsicherheiten bezüglich der politischen Förderung nachhaltiger Land- und Forstwirtschaft auf globaler Ebene sollen folgende Aspekte herausgestellt werden: Auf dem Markt für nachhaltiges Holz wird mit Nutzungskonkurrenzen zu rechnen sein, die Einkaufsstrategie muss entsprechend angepasst werden. Für eine langfristig tragfähige Energieversorgung dürfen die Maßnahmen zur Be- darfssenkung und Effizienzsteigerung keinesfalls vernachlässigt werden. Die Strategie der SWFL, mehrgleisig zu fahren und nicht nur auf Holzhackschnitzel zu setzen, sondern auch Biomethan, Reststoffe für Biokohle und andere erneuerbare Energien zu berücksichtigen, ist positiv zu bewerten. Der Flächenbedarf für die Versorgung Flensburgs mit Strom, Wärme und Kraftstoffe im Jahr 2050 wird ca. 176.000 ha betragen, oder 31-mal die Fläche der Stadt. Bei der Einordnung dieser Flächenangabe muss beachtet werden, dass der Großteil dieser Fläche Wald in nachhaltiger Forstwirtschaft ist, aus dem jeweils nur ein geringer Anteil der Biomasse in Form von Durchforstungsholz entnommen wird. 7.2.2 Feste Biomasse Die Stadtwerke Flensburg sind mit dem greenCO2ncept schon seit 2007 auf dem Weg, den fossilen Brennstoff Steinkohle zunehmend durch Ersatzbrennstoffe mit hohem bioge- nen Anteil (EBS), Holzhackschnitzel (HHS) und künftig auch andere biogene Brennstoffe zu ersetzen. Die zirkulierenden Wirbelschichtkessel der SWFL sind für die Zufeuerung anderer Brennstoffe gut geeignet. Erst bei Überschreiten der Kapazitäten von Brennstoffzufuhr und Rauchgaskanälen muss neu investiert werden. Die SWFL haben bei der Beschaffung fester Brennstoffe einen komparativen Vorteil: im Un- terschied zu Energieversorgern im Binnenland können feste Brennstoffe durch die Hafenla- ge des zentralen Flensburger Heizkraftwerks direkt über den Wasserweg bezogen werden, z. B. aus dem Baltikum. Damit werden sowohl Transportkosten als auch Emissionen einge- spart. Die eingesetzte Biomasse soll ausschließlich aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen bzw. aus Reststoffen der Landwirtschaft. Die Potentialabschätzung muss wegen der Hafenlage des Flensburger Heizkraftwerks und des relativ geringen Energieaufwands für den Transport über den Seeweg nicht regional begrenzt werden. Innerhalb der EU27 überstieg der Umfang des Holzzuwachses im Wirtschaftswald im Jahr 2010 den Umfang des Holzeinschlags um mehr als ein Drittel [Eurostat, 2011, S. 1]. Das gilt auch für die meisten Ostsee-Anrainerstaaten – obwohl die baltischen Staaten bereits rele- vante Anteile ihrer Energieversorgung durch Biomasse decken, wie in der folgenden Ta- belle (S. 127) dargestellt [ebd., S. 2; Eurostat 2011a, S. 2]. Der Beitrag von Biomasse zur Energieversorgung in den baltischen Staaten ist in der folgenden Tabelle (S. 127) darge- stellt. Deckung des Energiebedarfs 127 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Für die Versorgung Flensburgs mit Strom und Fernwärme werden im Jahr 2050 bei Umset- zung des Klimaschutzkonzepts knapp 381.000 t biogener Brennstoffe benötigt, berechnet für den Heizwert von Holzhackschnitzeln von 2,8 MWh/t. Das entspricht bei einem durch- schnittlichen jährlichen Zuwachs von 2,4 t pro ha einer benötigten Waldfläche von 157.297 ha, entsprechend 0,09 % der Waldfläche der EU27 [eigene Berechnungen nach Eurostat 2011, S. 2]. Vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung der Umsetzung aller Ener- gieeinsparmaßnahmen besonders deutlich. Bei einer Nutzung von Kurzumtriebsplantagen ist nur ein Viertel der Fläche nötig, da hier Erträge zwischen 10-15 t/ha erzielt werden können [TFZ, o.J.]. Auch die mittelfristige Nut- zung von Reststoffen für die Herstellung von Biokohle wird den Flächenbedarf verringern. 7.2.3 Biomethan Die SWFL planen, bis zum Jahr 2016 zwei Staubfeuerungskessel durch einen neuen Gaskes- sel bzw. durch Gas-BHKW zu ersetzen. Als Teil des greenCO2ncept soll das zunächst einge- setzte Erdgas bis 2050 vollständig durch Biomethan ersetzt werden. Biomethan ist Biogas, welches durch mehrere Aufbereitungsschritte auf Erdgasqualität gebracht wird und dadurch in das bestehende Erdgasnetz eingespeist werden kann. Der Markt für Biomethan in Deutschland hat sich seit Inbetriebnahme der ersten Anlage im Jahr 2006 dynamisch entwickelt. Zum Ende des Jahres 2011 werden in Deutschland ca. 100 Anlagen mit einer Einspeisekapazität von 5.500 GWh/a einspeisen. Die Bundesregie- rung hat die Zielsetzung vorgegeben, dass bis zum Jahr 2030 insgesamt 10 % (ca. 100.000 GWh/a) des Erdgasbedarfs in Deutschland durch Biomethan gedeckt werden soll. [DENA, 2011] Das umweltverträglich verfügbare Biogas-Potential in Deutschland wird von der EEA für das Jahr 2020 auf ca. 80 TWh geschätzt, für das Jahr 2030 auf ca. 145 TWh [EEA, 2006, S. 28]. Das Biomethan-Potential wird wegen der Umwandlungsprozesse etwas niedriger lie- gen. Die Gestehungskosten für Biomethan liegen derzeit aufgrund der hohen Beschaffungskos- ten für die einzusetzenden Rohstoffe sowie der hohen Kosten für die Aufbereitung auf Erd- gasqualität deutlich über den Preisen für Erdgas. Es wird allerdings erwartet, dass die Be- zugskosten für Biomethan aufgrund der vorhandenen Optimierungspotentiale entlang der Wertschöpfungskette weniger stark ansteigen werden als für das fossile Erdgas. 128 Deckung des Energiebedarfs INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Für die Versorgung Flensburgs mit Strom und Fernwärme werden im Jahr 2050 bei Umset- zung des Klimaschutzkonzepts als Ausgangsprodukt für den Biomethanbedarf 26 Mio. m³ Biogas benötigt (bezogen auf einen Methananteil von 54 %). Das entspricht einer Anbau- fläche von 2.960 ha Mais oder 3.533 ha Zuckerrüben, ca. 0,3 % der landwirtschaftlichen Fläche Schleswig-Holsteins [eigene Berechnung nach Statistik Amt Nord 2009, S. 115]. Für die Bereitstellung von Strom und Prozesswärme aus Biomethan im Flensburger Industriesek- tor werden im Jahr 2050 bei Umsetzung des Klimaschutzkonzepts weitere 3.700 ha benö- tigt. 7.2.4 Biodiesel Im Güterverkehr wird ein vollständiger Umstieg auf elektrische Antriebe nicht möglich sein, wie in Abschnitt 6.12.2 (S. 118) dargestellt. Die in Abschnitt 6.12.2 beschriebene Umstellung auf Oberleitungsbetrieb auf den Langstrecken muss auf europäischer, zumindest aber auf Bundesebene umgesetzt werden und kann im vorliegenden Konzept nicht vorausgesetzt werden. Zur Erreichung der Klimaneutralität müssten alternativ in vollem Umfang Biodiesel oder entsprechende biogene Kraftstoffe der zweiten Generation zum Einsatz kommen. Der maximale Bedarf an Biodiesel, der anteilig durch die Flensburger Nachfrage im Güter- verkehr (Straße und Schiene), ÖPNV (Umland) und Kommunalfahrzeuge benötigt werden könnte, entspricht 185.233 MWh bzw. 18,6 Mio. l Biodiesel im Jahr 2050. Bei einem jährli- chen Ertrag von 1.600 l/ha ergibt sich ein Flächenbedarf von 11.678 ha. 7.2.5 Photovoltaik und Solarthermie für Haushalte Flensburg ist in der besonderen Situation, dass 98 % der Haushalte an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Flensburg angeschlossen sind. Die Stadtwerke erzeugen den Strom und die Fernwärme in Kraft-Wärme-Kopplung. Geht die Fernwärmenachfrage in den Som- mermonaten zurück, kann weniger Strom erzeugt werden. Dies führt dazu, dass im Som- mer zusätzliche Strommengen zugekauft werden müssen. Werden im großen Umfang Solarthermie-Anlagen auf den Dächern Flensburgs installiert, so verstärkt dies den unerwünschten Effekt. Solarthermie-Anlagen erzeugen die meiste Wär- me in den Sommermonaten, wenn der Wärmebedarf am geringsten ist. Der geringe Wärmebedarf, der in den Sommermonaten vorwiegend in der Brauchwassererwärmung besteht, würde weiter geschmälert. In der Folge müssten die Stadtwerke Flensburg ihre Fernwärme- und damit auch ihre Stromerzeugung noch weiter herunterfahren und dem- entsprechend mehr Strom von anderen Standorten importieren. Wird hingegen anstelle von solarthermischen Kollektoren eine Photovoltaik-Anlage instal- liert, so wird die geringere KWK-Stromerzeugung in den Sommermonaten durch die erhöh- te photovoltaische Stromerzeugung in diesen sonnenreichen Monaten kompensiert. Bei einer Betrachtung des Gesamtsystems erweist sich bei der Dachnutzung die Anschaf- fung einer Photovoltaik-Anlage als die bessere Lösung. Bei der Nutzung von Dachflächen für die regenerative Energieerzeugung sollte daher bei den bereits an die Fernwärme an- Deckung des Energiebedarfs 129 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG geschlossenen Gebäuden auf Photovoltaik-Anlagen statt auf Solarthermie gesetzt wer- den. Aus Sicht der Öffentlichkeitsarbeit und der Bürgerbeteiligung zum Schutz des Klimas wird die Schaffung eines Solarkatasters durch die Stadt Flensburg empfohlen, mit dessen Hilfe geeignete Dachflächen für die Installation von Photovoltaik-Anlagen identifiziert werden können. Es handelt sich hierbei um ein Informationsinstrument, keine Investitions- oder För- dermaßnahme. Kurzfristig ist nicht von einem wesentlichen Beitrag der Photovoltaik- Anlagen zur Reduzierung der CO2-Emissionen auszugehen. Durch die zu erwartende weiter fortschreitende Kostendegression können Photovoltaik-Anlagen die Senkung der CO2- Emissionen im Stadtgebiet mittel- bis langfristig beschleunigen. Die geplante Gasanlage bei den Stadtwerken Flensburg kann durch ihre schnelle Regelbarkeit die fluktuierende Einspeisung von Solarstrom angemessen kompensieren. Aufgrund dieser Fluktuation des Stroms (z. B. auch im Winter) aus Photovoltaik-Anlagen ist das Vorhalten einer 100 %igen Back-Up-Lösung erforderlich. Mit oder ohne Photovoltaik-Anlagen wird die CO2-Neutralität Flensburgs erreicht werden. Es stellt sich nur die Frage, zu welchem Anteil der Strom aus Photovoltaik-Anlagen den über biogene Brennstoffe erzeugten Strom aus dem Heizkraftwerk der Stadtwerke Flens- burg ersetzen wird. Ein Vergleich zu anderen Städten ähnlicher Größe mit einem Solarkataster lässt auf ein maximales Potential zur jährlichen Stromerzeugung über Photovoltaik-Anlagen in einer Größenordnung von 80 bis 120 GWh schließen. Dies stellt 25 % - 30 % des im Jahr 2050 in Flensburg nachgefragten Strombedarfs dar. Die Installation von Solarthermie-Anlagen auf Gebäuden mit Fernwärmeanschluss stellt in den meisten Fällen keine sinnvolle Lösung dar. Im Gegensatz hierzu sollte jedoch in Neu- baugebieten, in denen ein Fernwärmeanschluss wirtschaftlich nicht realisierbar ist, die In- stallation von Solarthermie aktiv gefördert und gefordert werden. 7.2.6 Geothermie Aufgrund des bestehenden Fernwärmenetzes könnte die Nutzung von Geothermie zur Stromerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplung für Flensburg attraktiv sein. Es liegen jedoch keine Hinweise darauf vor, dass die zur Stromerzeugung notwendigen geothermischen Anomalien in der Flensburger Region vorhanden sind: Das Schleswig-Holsteinische Landesamt für Natur und Umwelt hat die Potentiale zur Nutzung tiefer Geothermie zur Strom- und Wärmeversorgung im Land untersucht. Dabei wurden in Schleswig-Holstein drei geeignete Gebiete identifiziert, die in der Nähe von Kiel, Eckernförde und Glückstadt liegen [LANU, 2004]. Die Region Flens- burg gehört nicht dazu. Auch die Stadtwerke Flensburg haben eine Studie zur Untersuchung der geothermi- schen Potentiale in Auftrag gegeben, die aber ebenfalls keine besondere Eignung erkennen ließ. 130 Entwicklung der Emissionen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Daher ist für Flensburg von einer normalen durchschnittlichen Temperaturerhöhung von 3 Kelvin pro 100 Metern Tiefe auszugehen (geothermische Tiefenstufe). Unter diesen Um- ständen sind Vorhaben zur Stromerzeugung aus Geothermie derzeit nicht wirtschaftlich. Mit steigenden Energiepreisen kann die Stromerzeugung aus Geothermie, die unabhängig von Brennstoffen ist, langfristig an Attraktivität gewinnen. Diese Alternative sollte im Rah- men des Monitoring- und Controllingkonzepts regelmäßig auf ihre aktuelle Wettbewerbs- fähigkeit hin überprüft werden. 7.3 Entwicklung der Emissionen Flensburg befindet sich in der besonderen Situation, dass 98 % der Haushalte an das Fern- wärmenetz der Stadtwerke Flensburg angeschlossen sind. Ein Großteil der Flensburger wird auch mit dem Strom aus dem Heizkraftwerk versorgt. Bei einer kontinuierlichen Umstellung der Stadtwerke Flensburg von fossilen Energieträgern, aktuell vorwiegend Kohle, auf er- neuerbare Energien werden somit bis zum Jahr 2050 nahezu alle Haushalte mit CO2- neutralem Strom und CO2-neutraler Fernwärme versorgt. Auch der zusätzliche Strombe- darf durch die Nutzung der Elektromobilität kann von den Stadtwerken CO2-neutral be- reitgestellt werden. Bei den Flensburger Industrieunternehmen wurde einzelfallspezifisch die Umstellung von Heizöl oder Erdgas auf erneuerbare Energieträger betrachtet. Die Ent- wicklung der CO2-Emissionen in Flensburg ist der folgenden Abbildung zu entnehmen. Sie zeigt, dass mit dem vorliegenden Konzept nicht nur das Zwischenziel, die Emissionen im Jahr 2020 gegenüber dem Jahr 1990 um 30 % zu senken, erreicht wird, sondern das Ge- samtziel der CO2-Neutralität bis zum Jahr 2050 erreicht werden kann. ABBILDUNG 50: ENTWICKLUNG DER FLENSBURGER EMISSIONEN (KLIMASCHUTZKONZEPT) 0 100.000 200.000 300.000 400.000 500.000 600.000 700.000 800.000 900.000 1.000.000 1.100.000 1.200.000 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 CO2/a GHD Industrie Verkehr Haushaltssektor CO2-Neutralität -30 % Umsetzungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit 131 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 7.4 Umsetzungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit 7.4.1 Übergeordnete Zielsetzung Im Rahmen des integrierten Klimaschutzkonzepts wurden überwiegend technische Maß- nahmen zur Reduzierung der Flensburger CO2-Emissionen identifiziert und spezifiziert. Es ist eine sehr wichtige Aufgabe im Bereich der umsetzungsorientierten Öffentlichkeitsarbeit, dass die entsprechenden Akteure darüber informiert werden, dass Umsetzung der Maß- nahmen zum dafür vorgesehenen Zeitpunkt im Sinne der Zielerreichung notwendig ist. Weiterhin muss eine entsprechende Motivation in der Flensburger Stadtgesellschaft herge- stellt werden, die Maßnahmenumsetzung zu unterstützen. Über die technischen Maßnah- men hinaus können Energieverbrauch und damit auch CO2-Emissionen durch die bewuss- te Anpassung des Nutzerverhaltens erreicht werden. Hierdurch können insbesondere im Verkehrs- und Haushaltssektor nennenswerte Einsparungen zusätzlich erreicht werden. Die Reduzierung des Energiebedarfs durch Verhaltensanpassung ist insofern sehr vorteilhaft, da hierdurch keine Zusatzkosten entstehen. Es ist die Zielsetzung der in diesem Abschnitt vorgestellten Maßnahmen der umsetzungsori- entierten Öffentlichkeitsarbeit, dass sowohl die Information und Motivation zur Umsetzung der technischen Maßnahmen erreicht als auch das bewusste Energieverbrauchsverhalten der Akteure und Bürger gefördert wird. 7.4.2 Bausteine der umsetzungsorientierten Öffentlichkeitsarbeit Die vom Klimapakt Flensburg initiierten und koordinierten Maßnahmen der Öffentlichkeits- arbeit, die auf eine breite zielgruppengerechte Information der Bevölkerung z. T. über Massenmedien abzielt, soll durch den im Rahmen der Konzepterstellung entwickelte An- satz zur umsetzungsbezogenen persönlichen Ansprache erweitert werden. Beide Baustei- ne der umsetzungsorientierten Öffentlichkeitsarbeit sollten in Ergänzung zueinander reali- siert und weiterentwickelt werden. 7.4.3 Umsetzungsstrategien auf Basis persönlicher Ansprache Im Rahmen des Workhops Umsetzungsstrategien wurden Maßnahmen entwickelt, wie Flensburger Akteure und Bürger nach bestimmten Kriterien gezielt und persönlich ange- sprochen werden können. Es sollen zunächst Akteure angesprochen werden, die in Bezug auf Klimaschutzhandeln Vorreiter sind und derartigen Maßnahmen und Konzepten offen gegenüberstehen. Ihnen sind Erfolgsmodelle vorzustellen und Ansatzpunkte für ein klima- schutzorientiertes Handeln aufzuzeigen. Es sollen in Flensburg Einzelinitiativen und Arbeits- kreise in den verschiedenen Sektoren oder Stadtteilen gegründet und koordiniert werden. Die detaillierte Beschreibung des im Rahmen des integrierten Klimaschutzkonzepts entwi- ckelten Konzepts für Umsetzungsstrategien erfolgt im Abschnitt 6.11 (S. 105 ff.). 132 Umsetzungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 7.4.4 Öffentlichkeitsarbeit des Klimapakt Flensburg e.V. Im Zeitraum von Juli bis August 2010 wurde vom Marketing und PR-Büro „Büro Oeding“ für den Klimapakt Flensburg e.V. ein Konzept für die künftige Öffentlichkeitsarbeit des Vereins entwickelt. Die Erstellung erfolgte in enger Abstimmung mit dem Klimapakt-Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit. Dieser Arbeitskreis ist als Gremium des Klimapakt Flensburg zuständig für die Abstimmung und Durchführung von Maßnahmen zur Information und Einbindung der Flensburger Bevölkerung. Die Universität Flensburg nimmt als Mitglied des Arbeitskreises an den Treffen teil und stellt die Verbindung zwischen den Maßnahmen im Bereich Öffent- lichkeitsarbeit und der Erstellung des Klimaschutzkonzeptes her. Ziel dieser Abstimmung ist es, die durchgeführten Aktivitäten bestmöglich miteinander zu verzahnen. Das Kommunikationskonzept des Klimapakt Flensburg zielt sowohl auf die Sensibilisierung für die Notwendigkeit als auch auf die breite Einbindung der Bevölkerung in die Aktivitäten des lokalen Klimaschutzes ab. Hierbei wurde mit dem Anspruch, einen „positiven Perspek- tivwechsel“, eine „emotional-positive Identifikation“ sowie einen „Alltags- und Regionsbe- zug“ zu erreichen eine Kommunikationsstrategie vom Büro Oeding entwickelt. Durch die Öffentlichkeitsarbeit können die Themen Klimawandel und Klimaschutz einerseits lokal verankert werden. Andererseits ist es zudem möglich, das Ziel der CO2-Neutralität bis zum Jahr 2050 als zentrales Zielelement des Klimapakts für die Identifikation der Akteure und Bürger zu nutzen. Zusammen stellen die genannten Punkte die Leitideen des Kommunika- tionskonzeptes dar. ABBILDUNG 51: LEITIDEE DES KOMMUNIKATIONSKONZEPTES DES KLIMAPAKT FLENSBURG (ABBILDUNG BÜRO OEDING) Zur Ansprache der einzelnen Bevölkerungsgruppen wurde eine binnendifferenzierte Ziel- gruppenanalyse auf Grundlage der gesellschaftlichen Milieus und deren werteorientierten Leitidee Lokaler Bezug Wir Gefühl Emotionale Identifi- kation Perspektiv- wechsel Handlungs- ebene Alltag Umsetzungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit 133 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Grundeinstellungen vorgenommen. Die Ableitung entsprechender Kommunikationsbot- schaften kann dadurch nach den Bedürfnissen der entsprechenden Zielgruppen erfolgen. Das Konzept der Ansprache der Zielgruppen unterscheidet sich wesentlich vom Ansatz der Universität Flensburg, wie es im Abschnitt Umsetzungsstrategien vorgestellt wird. Insofern können die beiden Vorgehensweisen sehr gut in Ergänzung zueinander durchgeführt wer- den und können dadurch eine hohe Wirksamkeit erwarten lassen. Aufbauend auf den beschriebenen Aspekten und einer detaillierten Stärken-Schwächen- Analyse wurden die folgenden Handlungsfelder für die Öffentlichkeitsarbeit identifiziert: Energiesparen im Alltag, Wohnen und Energie Energetische Gebäudesanierung Energieeffizienz im motorisierten Individualverkehr Öffentlicher Personennahverkehr und Radverkehr Energieerzeugung Klimaschutzorientiertes Investment Umweltbildung Um die in den einzelnen Bereichen möglichen Maßnahmen in einen sinnvollen Prozess ein- zubinden, wurden diese in vier konsekutive Phasen eingeteilt: Die Push-, Construction-, Pull- und die Controlling-Phase. Nur wenn alle vier Bereiche durch die Öffentlichkeitsarbeit an- gesprochen werden, ist mittel- bis langfristig die Mitnahme der verschiedenen Bevölke- rungsgruppen möglich. Nach der Fertigstellung des Konzepts für die Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 2010 wurden die Umsetzung erster Maßnahmen und mit der Durchführung verschiedener medienwirksamer Veranstaltungen begonnen. Es wurde für den Klimapakt Flensburg ein Kommunikationsmix aus verschiedenen Medien und Aktionen auf Grundlage eines einheitlichen Corporate Design erarbeitet. Das bereits bestehende Logo des Klimapaktes Flensburgs wurde von dem Büro Oeding als ein wichtiger Bestandteil des Corporate Designs mit aufgenommen. Neben den Farben der Schleswig-Holsteinischen Flagge enthält das Logo u. a. den Schrift- zug der Stadt Flensburg. ABBILDUNG 52: LOGO DES KLIMAPAKT FLENSBURG Aufbauend auf dem Corporate Design wurde eine Homepage für den Klimapakt Flens- burg erstellt. Seit April 2011 ist der Klimapakt somit online unter der Internet-Adresse 134 Umsetzungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg www.klimapakt-flensburg.de erreichbar. Hier werden interessierte Flensburger mit aktuellen Informationen und Wissenswertem über den Klimawandel und Möglichkeiten des lokalen Klimaschutzes versorgt. Seit der Freischaltung der Seite informieren sich auf der Homepage ca. 600 interessierte Personen pro Monat über die neusten Aktivitäten und den Fortschritt bei der Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes. Neben der Online-Präsenz und einem in regelmäßigen Abständen erscheinenden Klima- schutz-Newsletter wurde vom Büro Oeding auch ein Messestand konzipiert sowie Flyer und Broschüren erstellt. Weiterhin konnten bereits öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen und Wettbewerbe zum Thema lokaler Klimaschutz durchgeführt werden. Insgesamt sind für die Jahre 2011, 2012 und 2013 jährlich drei bis vier Aktionen geplant. ABBILDUNG 53: DIE HOMEPAGE DES KLIMAPAKT FLENSBURG http://www.klimapakt-flensburg.de/ Umsetzungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit 135 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ABBILDUNG 54: MESSESTAND DES KLIMAPAKT FLENSBURG In Ergänzung zu den Arbeiten, die für den Klimapakt Flensburg im Bereich Öffentlichkeits- arbeit durch das Büro Oeding und den Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt wur- den, entwickelte die Universität Flensburg während der Erstellung des integrierten Klima- schutzkonzeptes einen zweiten Weg zur Einbindung der in Flensburg ansässigen Unter- nehmen, Organisationen, Institutionen und der Flensburger Bürger. Das Konzept wird im Detail im Kapitel „Umsetzungsstrategien“ (s. Abschnitt 6.11, S. 105 ff.) vorgestellt. Zusam- menfassend kann festgehalten werden, dass das Marketing-Konzept des Klimapakt Flens- burg den Fokus auf Massenmedien setzt und die breite Ansprache der Bevölkerung zum Ziel hat. Die Strategie, die durch die Universität Flensburg in Zusammenarbeit mit den Workshop-Teilnehmern entwickelt wurde, zielt in Erweiterung des bestehenden Konzeptes auf die persönliche Ansprache von Multiplikatoren und Klimaschutz-Botschaftern. Für die künftige Öffentlichkeitsarbeit wird es entscheidend sein, dass sowohl die breite An- sprache und Information der Bevölkerung als auch die gezielte Einbindung wichtiger Mul- tiplikatoren kontinuierlich fortgesetzt wird. Die Stadt Flensburg als Mitglied des Klimapakt Flensburg befindet sich somit bereits auf dem richtigen Weg, um die Vision der CO2-Neutralität zusammen mit allen Flensburgern zu erreichen. Mittelfristig ist zu überlegen, ob das Thema Klimaschutz auch gezielt in das Stadtmarketing mit aufgenommen werden sollte. Durch die aktive Vermarktung des Kli- maschutzes nach außen könnte der Standort Flensburg beispielsweise für „grüne“ Unter- nehmen oder Anbieter von CO2-neutralem Tourismus interessant werden. 136 Förderprogramme INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 7.5 Förderprogramme Die Stadt Flensburg und der Klimapakt Flensburg haben sich das Ziel gesetzt, die CO2- Emissionen in Flensburg bis zum Jahr 2050 auf null zu senken. Hierbei ist die Erstellung eines integrierten Klimaschutzkonzeptes ein erster wichtiger Schritt, um einen gangbaren Weg zur Erreichung dieses Zieles aufzuzeigen. Zur finanziellen Entlastung des städtischen Haus- haltes bei der begleitenden Umsetzung von Maßnahmen und zur Sicherstellung weiterer konzeptioneller Arbeit werden im Folgenden verschiedene Förderprogramme mit dem Ziel des Klimaschutzes vorgestellt. 7.5.1 Masterplan 100 % Klimaschutz Seit dem Jahr 2010 wird durch die "Richtlinie zur Förderung von Klimaschutzprojekten in sozialen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen im Rahmen der Klimaschutzinitiative" die Erstellung eines „Masterplan 100 % Klimaschutz“ gefördert. Die teilnehmenden Kom- munen verpflichten sich dem Ziel, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 im Vergleich zum Jahr 1990 um 95 % zu senken. Gefördert wird ein Bearbeitungszeitraum von 4 Jahren, welcher sich in zwei Phasen unter- gliedern. In der ersten Phase wird, vergleichbar mit den Arbeiten am integrierten Klima- schutzkonzept, vorwiegend konzeptionelle Arbeit geleistet. Die anschließende zweite Pha- se beinhaltet die Begleitung und das Management bei der Umsetzung des Masterplanes. Die Förderung erfolgt durch einen nicht rückzahlbaren Zuschuss in Höhe von 80 % der för- derfähigen Ausgaben. Laut Förderrichtlinie können für Flensburg jedes Jahr bis zu 160.000 € beantragt werden. Es handelt sich um zweistufiges Bewerbungsverfahren. Im ersten Schritt werden von allen eingereichten Förderanträgen 10 bis 20 Kommunen ausgewählt, um ihr Konzept zu verfei- nern. Diese Hürde wurde von der Stadt Flensburg in enger Zusammenarbeit mit der Univer- sität Flensburg mittlerweile genommen. Es bestehen gute Chancen auf eine erfolgreiche Förderung des Masterplans 100 % Klimaschutz für die nächsten vier Jahre. Entscheidend in der zweiten Antragsstufe ist die Einbindung und Zustimmung der Politik. Nur wenn die Flensburger Politiker sich weiterhin zum Klimaschutz bekennen, können die Mittel bewilligt werden. Bei einer erfolgreichen Förderung des Masterplans 100 % Klimaschutz erschließt sich für Flensburg ein weiteres Förderinstrument. Eine im Rahmen des Masterplans 100 % Klima- schutz definierte Maßnahme mit einem CO2-Minderungspotential von mindestens 80 % wird durch das BMU zu 50 % bezuschusst. Die zuwendungsfähige Höchstsumme liegt bei 100.000 €. Der Masterplan 100 % Klimaschutz stellt für Flensburg eine einmalige Gelegenheit dar, das Thema Klimaschutz nicht nur bei den Flensburgern weiter zu verankern, sondern aktiv die Entwicklung und Umsetzung weiterer Maßnahmen voranzubringen. Förderprogramme 137 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Neben den bereits genannten Aspekten, sollte der Masterplan auch aus finanziellen Ge- sichtspunkten in Betracht gezogen werden. Das BMU hat die Förderquote für den Master- plan 100 % Klimaschutz gegenüber den bisherigen Programmen um 20 Prozentpunkte er- höht und auf 80 % festgesetzt. Diese Förderquote gilt für den gesamten Zeitraum von vier Jahren. Höhere Förderungsquoten werden in keinem anderen Förderprogramm erreicht. 7.5.2 Förderung der begleitenden Umsetzung Sollte der Antrag auf die Förderung des Masterplans 100 % Klimaschutz unerwarteter Weise abgelehnt werden, so lässt sich die begleitende Umsetzung von Maßnahmen über einen Zeitraum von 3 Jahren mit einem Förderzuschuss in Höhe von 60 % realisieren. Der Förder- geber ist ebenfalls das BMU und richtet sich nach der "Richtlinie zur Förderung von Klima- schutzprojekten in sozialen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen im Rahmen der Kli- maschutzinitiative". Weitere Informationen zur Richtlinie und den Förderbedingungen sind online zugänglich unter http://www.ptj.de/klimaschutzinitiative-kommunen. 7.5.3 Nationale Stadtentwicklungspolitik: Projektaufruf Bürgerbeteiligung Die Partner der nationalen Stadtentwicklungspolitik – Bund, Länder, Deutscher Städtetag und Deutscher Städte- und Gemeindeverbund – suchen nach beispielhaften Projekten für eine bürgernahe und von Bürgern sowie anderen Partnern im Gemeinwesen getragene Stadtentwicklung. Der Förderzeitraum beträgt bis zu zwei Jahre mit einem Zuschuss in Höhe von 50.000 €. In Anlehnung sowohl an den durchgeführten Stadtteilworkshop als auch an den Workshop Stadtentwicklung bietet dieses Förderprogramm die Möglichkeit, die be- gonnenen Aktivitäten bürgernah weiter auszubauen. Die Stadt Flensburg hat in enger Zusammenarbeit mit der Universität Flensburg einen ers- ten Antrag auf Förderung gestellt. Die Auswahl der zu fördernden Projekte wird Mitte Ok- tober 2011 bekannt gegeben. 7.5.4 Energieolympiade Die e|ko (Initiative „Energie in Kommunen“) hat im Jahr 2011 im Rahmen der Energieo- lympiade den Wettbewerb 2011 - Modellregion zur Erprobung dezentraler Energieversor- gungsstrukturen, der Kraft-Wärme-Kopplung sowie zur Entwicklung kommunaler Energie- konzepte ausgeschrieben. Dem Energiekonzept der Schleswig-Holsteinischen Landesregie- rung folgend, ist die künftige Energieversorgung zuverlässig, klimafreundlich und bezahlbar zu gestalten. Das Erreichen der gesetzten Ziele ist nur unter der Mitarbeit der Kommunen und der verschiedenen Region Schleswig-Holsteins möglich. Nur wenn sich der Verbrauch und die Erzeugung durch das Handeln auf dieser Ebene senken bzw. klimafreundlicher darstellen lässt, können auch die landesweiten Ziele erreicht werden. Im Rahmen der Ausschreibung werden Regionen gesucht, die bis zum Jahr 2020 ein reali- sierbares Konzept unter Einbindung der verschiedensten Akteure mit den folgenden Schwerpunkten vorlegen können: http://www.ptj.de/klimaschutzinitiative-kommunen 138 Monitoring und Controlling INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Energieeinsparung Energieeffizienz Nutzung erneuerbarer Energien Ressourcenschonung Minderung der Treibhausgasemissionen Für die Stadt Flensburg bietet dieser Wettbewerb die Chance, das Klimaschutzkonzept zusammen mit den umliegenden Gemeinden von der Stadt auf die Region auszuweiten. In Flensburg wie auch in der Region herrscht Einigkeit in dem Punkt, dass der Klimaschutz im hohen Norden mittel- bis langfristig nicht bei den Stadtgrenzen Flensburgs aufhören kann und eine engere Kooperation von Stadt und Land für beide Seiten von Vorteil wäre. Die Stadt Flensburg hat in Zusammenarbeit mit der Universität Flensburg einen Antrag zur Teilnahme an dem Wettbewerb gestellt. Es handelte sich hierbei um ein zweistufiges Ver- fahren. Im ersten Schritt werden aus allen eingegangenen Wettbewerbsbeiträgen die bes- ten drei mit einer Summe von jeweils 10.000 € gekürt. In der zweiten Phase erarbeiten die Gewinner ein detailliertes Konzept für die Region. Das überzeugendste Konzept enthält einen Preis von 90.000 € zur Umsetzung der Vorschläge. Die Stadt Flensburg wurde bei dem Wettbewerb unter allen eingereichten Beiträgen unter die ersten drei Regionen zur Ausweitung des Konzeptes gewählt. Ende Januar 2012 wird der Gewinner der 90.000 € bekannt gegeben. Für die Stadt Flensburg und den Klimapakt Flensburg wird unabhängig vom Ausgang des Wettbewerbs empfohlen, die Zusammenarbeit mit dem Umland für den Klimaschutz weiter zu intensivieren. Durch die Betrachtung über die Stadtgrenzen hinaus lassen sich zusätzli- che Potentiale heben, wie z. B. im Verkehrsbereich und der Einbindung erneuerbarer Energien. 7.6 Monitoring und Controlling Die Entwicklung des integrierten Klimaschutzkonzeptes stellt einen Startpunkt für die Ge- staltung einer nachhaltigen, klimaverträglichen Stadt dar. Das Ziel der Untersuchung war das Aufzeigen eines gangbaren Weges zur CO2-Neutralität Flensburgs im Jahr 2050 mit allen wesentlichen Zwischenschritten, die zu erheblichen Teilen bereits in den nächsten Jahren eingeleitet werden müssen. Die Umsetzung dieses Konzepts soll möglichst unmittel- bar nach der Vereinbarung der entsprechenden Maßnahmen erfolgen. Über ein Monitoring- und Controllinginstrument wird in der Umsetzungsphase die Errei- chung der gesetzten Ziele überprüft. Sollten diese verfehlt werden, so ist entsprechend nachzusteuern. Eine Übersicht des methodischen Vorgehens ist in der folgenden Abbil- dung (S. 139) dargestellt. Die Erstellung des Klimaschutzkonzepts ist somit der Beginn eines ca. vierzigjährigen Umsetzungsprozesses, der einer regelmäßigen Kontrolle und eines even- tuellen Nachsteuerns des Prozesses bedarf. Auch wenn dies ein sehr langwieriges und Monitoring und Controlling 139 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG aufwendiges Unterfangen zu sein scheint, so führt das erfolgreiche Beschreiten dieses We- ges zum erfolgreichen Beitrag Flensburgs und seiner Einwohner zur Lösung eines der zentra- len Probleme des 21. Jahrhunderts. ABBILDUNG 55: SYSTEMATIK DES MONITORING UND CONTROLLINGS Aufbauend auf den gewonnenen Erkenntnissen bei der Bestandsaufnahme des Energie- verbrauches und der CO2-Emissionen in Flensburg, dem Business-As-Usual-Szenario und 140 Erwartete Auswirkungen des Konzepts INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg dem integrierten Klimaschutzkonzept wurde eine fortschreibbare Energie- und CO2-Bilanz entwickelt. Sie bildet nicht nur die Energieverbräuche der kommunalen Einrichtungen ab, sondern erfasst den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen aller Sektoren in Flensburg. Neben der Protokollierung des Ausgangszustands wird mit Hilfe dieses Instruments in Zu- kunft die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen überprüft werden können. Hierdurch können frühzeitig Schwachpunkte des Konzeptes oder der Umsetzung aufgedeckt wer- den. Alle beteiligten Organisationen, Unternehmen und Institutionen stimmten einer jährlichen Übermittlung der energie- und emissionsrelevanten Daten zu und benannten zum größten Teil bereits Ansprechpartner im Unternehmen. Um den zusätzlichen Arbeitsaufwand für die Unternehmen so gering wie möglich zu halten, wird von der Einführung einer neuen Struk- tur für die Datenerhebung auf Unternehmensebene abgesehen. Für viele Akteure besteht bereits heute eine Weitergabepflicht ihrer Daten, wie z. B. an die statistischen Landes- o- der Bundesämter. Die Universität Flensburg wird im Rahmen der Datenerhebung für die fortschreibbare Energie- und CO2-Bilanz die bereits bestehenden Strukturen nutzen. In regelmäßigen Abständen ist der Arbeitsaufwand für das Monitoring und Controlling zu überprüfen. Nach der Etablierung des Systems sollte mittelfristig die Option auf einer zwei- jährigen Durchführung offen gehalten werden. Die Datensammlung wird von der Universität Flensburg durchgeführt, die als neutrale In- stanz die eingehenden Daten anonymisieren und in den festgelegten Abständen in einem einheitlich konzipierten Berichtssystem veröffentlichen wird. 7.7 Erwartete Auswirkungen des Konzepts 7.7.1 Ökonomische Auswirkungen Ein detaillierter Vergleich der ökonomischen Auswirkungen des Klimaschutzkonzepts mit dem BAU-Szenario wird auf kommunaler Ebene nicht als sinnvoll erachtet. Im begrenzten Wirtschaftsraum einer Stadt mit 90.000 Einwohnern wird in beiden Fällen der Großteil der nachgefragten Waren außerhalb des Stadtgebiets erzeugt werden müssen. Allerdings lässt sich festhalten, dass durch Energiesparmaßnahmen wie die Gebäudedämmung die Wertschöpfung tendenziell in der Region bleibt, da importierte Energieträger zum Teil durch regionale Arbeitskraft und durch zumindest innerhalb Deutschlands hergestellte Dämmstoffe ersetzt werden. Insgesamt werden alle Energieträger durch die Angebotsverknappung auf Dauer teurer werden, wodurch eine geringere Kaufkraft in der Bevölkerung für den Konsum auf der lo- kalen Ebene verfügbar sein wird. Alle Maßnahmen zur Energieeinsparung und Effizienzer- höhung wirken diesem Trend entgegen. Eine detaillierte Untersuchung der Auswirkungen von Klimaschutzmaßnahmen auf den Konsum könnte Teil eines zukünftigen Forschungs- vorhabens sein. Erwartete Auswirkungen des Konzepts 141 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 7.7.2 Ökologische Auswirkungen Zusätzlich zur Einsparung von Treibhausgasen durch die beschlossenen Klimaschutzmaß- nahmen wird die Umsetzung des Konzepts zur Verminderung der kleinräumigen lokalen Schadstoff- und Feinstaubemissionen beitragen. Dies trifft vor allem für die Einführung der Elektromobilität im Verkehrsbereich zu, da eine Vielzahl dezentraler Emissionsquellen durch die zentrale Erzeugung der Energie mit hocheffektiven Filteranlagen ersetzt wird. Die Sub- stitution der Steinkohle durch biogene Brennstoffe im Flensburger Heizkraftwerk wird die Schwermetallbelastung der Filterrückstände weiter absenken. 7.7.3 Soziale Auswirkungen In den Workshops wurde immer wieder deutlich, dass die Umsetzung der beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen die Lebensqualität für die Flensburger steigern kann: Wenn die Renovierung von Altbauten mit einer energetischen Sanierung einher- geht, verbessert sich die Behaglichkeit in den Räumen durch die Verminderung von Zugluft und die Erhöhung der Oberflächentemperatur von Wänden und Fenstern. Gerade einkommensschwächere Haushalte profitieren aufgrund steigender Ener- giepreise langfristig von der energetischen Sanierung. Weniger Autos auf den Straßen der Stadt vermindern die Lärmbelastung. Straßen- lärm gilt als zweithäufigste Ursache von Herzinfarkten, das Umweltbundesamt mel- det ca. 2.000 Tote pro Jahr durch Lärm – dem besonders finanziell schwächere Fa- milien ausgesetzt sind, die sich den Umzug in entlegenere, ruhigere Gegenden nicht leisten können [VCD, 2006, S. 6] Weniger Autos auf den Straßen der Stadt erhöhen die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern, und damit auch besonders von denjenigen Stadtbewohnern, die sich kein eigenes Auto leisten (können). Mit steigendem Radverkehrsanteil sinkt das Risiko für Radfahrer, in Unfälle verwickelt zu werden [VCD, 2006, S. 5]. Ein verbessertes ÖPNV-Angebot kommt ebenfalls vor allem denjenigen Bürgern zu- gute, die sich kein eigenes Auto leisten können oder die wegen ihres Alters oder wegen einer Behinderung nicht Autofahren können. Ihre Mobilität und soziale Teil- habe wird durch die Stärkung des ÖPNV und durch die Förderung kurzer Wege im Stadtteil gewährleistet. Die Workshopteilnehmer wiesen nicht nur auf den Klimaschutzeffekt, sondern mehr noch auf die gemeinschaftsstiftende Wirkung von Kulturangeboten und Einkaufs- möglichkeiten im Stadtteil hin, die im Rahmen der „Stadt der kurzen Wege“ umge- setzt und gestärkt werden sollen. Bessere Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger können einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit leisten – tägliche Bewegung senkt das Risiko für Herzerkrankungen, Diabetes, Fettleibigkeit, Bluthochdruck und eine Reihe weiterer Zivilisationskrankhei- ten erheblich [VCD 2006, S. 5]. 142 Ausblick INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 8 AUSBLICK Mit dem vorliegenden integrierten Klimaschutzkonzept ist eine fundierte Grundlage für das weitere Vorgehen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen in Flensburg verfügbar. Aufbauend auf der Bestandsaufnahme des Energieverbrauchs sowie der CO2-Emissionen wurde während der 12-monatigen Bearbeitungszeit ein Prozess begonnen, der bis zur Ziel- erreichung im Jahr 2050 aufrecht erhalten werden soll. Die Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzept wäre ohne die breite Unterstützung und die rege Teilnahme durch die zahlreichen Experten und Bürger in dieser Form nicht mög- lich gewesen. Allen Workshop-Teilnehmern und all denjenigen, die für Gespräche und Tref- fen zur Verfügung standen sei an dieser Stelle sehr herzlich gedankt. Der Klimaschutz in Flensburg setzt einen kontinuierlichen Dialog, eine konstruktive Zusam- menarbeit und vor allem die fundierte Beobachtung und Analyse der zukünftigen Entwick- lung in allen relevanten Bereichen voraus. Die im integrierten Klimaschutzkonzept genann- ten Maßnahmen müssen im Detail weiter ausgearbeitet und konzipiert werden. Tatsäch- lich wurde in den durchgeführten Workshops bereits eine ganze Reihe wichtiger Anknüp- fungspunkte für die Umsetzungsphase identifiziert. Zur weiteren thematischen Begleitung dieser Perspektiven ist die Gründung von Arbeitskrei- sen zu verschiedenen Fachthemen mit interessierten Akteuren im Anschluss an die Fertig- stellung des Klimaschutzkonzepts vorgesehen. In folgenden Bereichen wird der Austausch und die Koordination aufgrund des hohen Interesses der Teilnehmer bereits fortgeführt: Flensburger Industriebetriebe Arbeitskreis Carsharing Arbeitskreis Mobilitätslernen Finanzsektor: Perspektiven eines Flensburger Zukunftsfonds Öffentlichkeitsarbeit Weiterhin werden durch die Mitglieder des Klimapakts, die Mitarbeiter der Universität Flensburg und freiwilligen Multiplikatoren laufend Vorträge gehalten. Die Fortsetzung der Diskussion der Maßnahmen erhöht die Bekanntheit und Akzeptanz der Maßnahmen. Für die Umsetzungsphase hat die Stadt Flensburg beim Bundesministerium für Umwelt, Na- turschutz und Reaktorsicherheit Fördergelder im Rahmen des Programms Masterplan 100 % Klimaschutz beantragt. Wenn das Vorhaben erfolgreich ist und die beantragten Fördergelder tatsächlich in Flensburg zur Verfügung stehen, kann der begonnene Prozess in allen Bereichen intensiviert werden. Die Rückmeldungen vieler an der Ausarbeitung des Konzepts beteiligter Experten machen deutlich, dass es auch weiterhin stark erwünscht ist, dass die Universität im weiteren Prozess eine koordinierende Funktion einnimmt. Mitarbeiter des Zentrums für nachhaltige Energie- Ausblick 143 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG systeme stehen zudem auch weiterhin – wie von vielen Teilnehmern gewünscht – als neut- rale Experten für die Konzeption, Durchführung und Auswertung von Workshops zur Verfü- gung. Die Erfahrung der vorgenommenen 16 Workshops hat gezeigt, dass die starke Einbindung der lokalen Experten sehr gewinnbringend ist. Es konnte nicht nur auf die wertvollen Erfah- rungen und auf das Know-How der Teilnehmer zurückgegriffen werden. Viele der Teilneh- mer konnten vielmehr selbst auch neue Impulse und Ansichten für ihren eigenen Tätig- keitsbereich erhalten und haben dadurch von der Teilnahme profitiert. Die positiven Rückmeldungen der Teilnehmer bestätigen, dass das Format der partizipativen Workshops auch für das weitere Vorgehen sehr gut geeignet ist: 60 % der Teilnehmer waren mit der Qualität der Workshops insgesamt zufrieden und ein weiteres Drittel zeigte sich sogar sehr zufrieden. Darüber hinaus brachten mehr als 60 % der Teilnehmer zum Ausdruck, dass der jeweilige Workshop für die Anliegen des Klimapakt Flensburg sehr hilfreich war. ABBILDUNG 56: BEWERTUNG DER ZWECKMÄßIGKEIT DER DURCHGEFÜHRTEN WORKSHOPS DURCH DIE TEILNEHMER Bei der Diskussion von Klimaschutzmaßnahen und der Entwicklung neuer Konzepte war die Visualisierung der dadurch erreichbaren Emissionsreduzierungen mittels Tools und Model- len von großem Vorteil. Weiterhin hat sich gezeigt, dass öffentliche Workshops in den Flensburger Stadtteilen – eine Veranstaltung wurde im Rahmen der Konzepterstellung in der Neustadt durchgeführt – eine gute Möglichkeit bieten, interessierte und engagierte Bürger aus allen Bevölkerungsschichten einzubinden. Allerdings ist zu beachten, dass der Aufwand für die Ansprache und Werbung im Fall derartiger Veranstaltungen sehr hoch ist. Die Möglichkeit, bereits etablierte und bekannte Veranstaltungen für das Anliegen zu nut- zen, sollte bei der Vorbereitung weiterer Veranstaltungen auf Stadtteilebene in Betracht gezogen werden. Der Erfolg bei der Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzepts wird in entscheiden- dem Maße davon abhängig sein, wie sich die Entscheidungsträger, Multiplikatoren und Klimaschutz-Botschafter in den Prozess einbringen werden. Daher stimmt es sehr zuversicht- -- - 0 + ++ n = 106 Der Workshop ist für das Anliegen des Klimapakts hilfreich. 65 38 144 Ausblick INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg lich, dass die Teilnehmer fast einstimmig ihr Interesse an der weiteren Mitwirkung bei der Umsetzung des Konzepts ausgedrückt haben. ABBILDUNG 57: BEREITSCHAFT ZUR ZUKÜNFTIGEN MITWIRKUNG IM RAHMEN DER UMSETZUNGSPHASE DURCH DIE TEILNEHMER Die Zielsetzung des Klimapakt Flensburg e.V. im Jahr 2050 die CO2-Neutralität der Stadt zu erreichen ist ehrgeizig. Aufgrund der positiven Erfahrungen, die die Beteiligten während der Konzepterstellung machen konnten und aufgrund der breiten Unterstützung, die den Mitarbeitern der Universität bei der Erarbeitung entgegengebracht wurde, ist eines jedoch gewiss: Die Stadt Flensburg hat in den letzten Jahren eine gute Basis geschaffen und da- mit aus heutiger Sicht die besten Voraussetzungen, um die CO2-Neutralität tatsächlich zu erreichen. -- - 0 + ++ n = 105 Ich bin auch in Zukunft daran interessiert, an der Konzepterstellung mitzuwirken und in der Umsetzungs- phase aktiv zu sein. 42 59 Anhang A: Workshop Dokumentationen 145 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9 ANHANG A: WORKSHOP DOKUMENTATIONEN 9.1 Wohnungswirtschaft Flensburg, 09.02.2011 Teilnehmer: Christoph Kostka (ASHW) Jürgen Möller (SBV) Michael Kohnagel (FAB) Johanna Paulsen (SBV) Raimund Dankowski (SBV) Petra Oventrop (VNW) Frank Jürgensen (SBV) Dagmar Henningsen (Haus & Grund Flensburg) Gunnar Hahn (SBV) Thore Feddersen (HgV Flensburg) Prof. Olav Hohmeyer (Uni Flensburg) Prof. Marianne Resch (Uni Flensburg) Helge Maas (Uni Flensburg) Emöke Kovac (Uni Flensburg) Martin Beer (Uni Flensburg) Julia Schirrmacher (Uni Flensburg) 9.1.1 Ausgangslage und Ziele Der hier dokumentierte Workshop knüpft inhaltlich an einen ersten Workshop der Woh- nungswirtschaft im Jahr 2008 an, der maßgeblich zur Gründung des Klimapakt Flensburg e.V. beigetragen hat. Er ist der erste in der 15teiligen Reihe von Themenworkshops zur Er- stellung des integrierten Klimaschutzkonzepts für Flensburg im Auftrag der Stadt Flensburg und des Klimapakt Flensburg e.V. Die Reihe umfasst sowohl die Verbrauchssektoren Indust- rie, Haushalte, Verkehr und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) als auch den Ver- sorgungssektor. Anstelle von Alleingängen in den einzelnen Sektoren soll das integrierte Konzept dazu bei- tragen, die Anstrengungen in allen Sektoren zu koordinieren und die Kosten zur Vermei- dung des CO2-Ausstoßes insgesamt zu minimieren. Am Ende der Konzepterstellung wird ein Portfolio aus den kostengünstigsten Maßnahmen aus allen Sektoren stehen. Die Maßnah- men können, wie in Abbildung 58 veranschaulicht, nach ihrer Wirkweise eingeteilt werden. ABBILDUNG 58: EINTEILUNG DER KLIMASCHUTZMAßNAHMEN NACH IHRER WIRKWEISE 146 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Da in Flensburg 98 % der Haushalte an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Flensburg GmbH (SWFL) angeschlossen sind, wird der Fokus im Haushaltsbereich auf der Senkung des Wärmebedarfs liegen, während der Emissionsfaktor der Wärmebereitstellung nur von der SWFL durch die Substitution fossiler Energieträger beeinflusst werden kann. Zunächst werden also die Kosten für eine einzusparende Energiemenge betrachtet, und erst in ei- nem zweiten Schritt die Kosten für die resultierende Emissionsvermeidung. Der Fokus des Workshops lag auf der Wärmeenergie, nicht auf Elektrizität oder Kraftstoffen, da hier die größten Einflussmöglichkeiten der Wohnungswirtschaft bestehen. Der Heizwärmebedarf der Privathaushalte verursachte im Jahr 2006 rund 22 % der gesam- ten Flensburger CO2-Emissionen. Einsparmaßnahmen in diesem Bereich können somit ei- nen großen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen leisten. Angesichts steigender Energiepreise ist zu erwarten, dass langfristig auch attraktive monetäre Einsparungen er- zielt werden können – im Mietbestand kommen diese jedoch beim Mieter zum Tragen, nicht beim Investor. Unter Berücksichtigung dieses Umstands sollten während des Workshops Maßnahmen zur Senkung des Heizwärmebedarfs im Haushaltssektor auf die folgenden Kriterien hin unter- sucht werden: Energie-Einsparkosten der Maßnahme (als Grundlage für die CO2-Vermeidungs- kosten) Warmmietenneutrale Mieterhöhung (Mietersicht) und Break-Even-Mieterhöhung (Vermietersicht) Hindernisse, Besonderheiten, Synergieeffekte Mögliche Strategien zur Umsetzung der Maßnahmen in Flensburg Die Teilnehmer bewerteten jedoch gleich zu Beginn des Workshops den Aspekt „Warm- mietenneutrale Mieterhöhung“ kritisch. Diesem Konzept liegt die Argumentation der dena zugrunde. Der Mieter werde eine Erhöhung der Kaltmiete akzeptieren, wenn sich die Summe aus Kaltmiete und Nebenkosten dadurch nicht erhöhe [vgl. dena, 2010, S. 39]. Diese Argumentation greift nach Einschätzung der Teilnehmer nicht für Flensburg, da es einen hohen Anteil an Transferleistungsempfängern gibt, die nicht selbst für ihre Heizkosten aufkommen. Eine Betrachtung dieses Kriteriums während des Workshops wurde daher zu- rückgestellt. Die Berechnungsgrundlagen des Entscheidungskriteriums „Energie-Einsparkosten“ sind in folgender Tabelle dargestellt. Die Erfahrungen der Teilnehmer mit den Investitionskosten als auch mit dem Ausgangszustand der Gebäude decken eine große Bandbreite ab, was naturgemäß auch eine starke Variation der resultierenden Energie-Einsparkosten mit sich bringt. Eine Einzelfallprüfung kann durch diese Richtwerte nicht ersetzt werden. Anhang A: Workshop Dokumentationen 147 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG EINGANGSPARAMETER ZUR BERECHNUNG DER ENERGIE-EINSPARKOSTEN Investitionskosten und energeti- sche Mehrkosten Energie-Einsparkosten der Maßnahme [€/eingesparte kWh] Nutzungsdauer und Sanierungs- zyklus (Kalkulations-) Zinssatz (5 %) Energetisches Einsparpotential: stark abhängig vom Ausgangs- zustand der Bestandsgebäude Preisentwicklung der Energieträ- ger Ausgangspunkt der Maßnahmenbetrachtung waren Literaturwerte für die in der vorheri- gen Tabelle dargestellten Eingangsparameter aus Erhebungen des Instituts Wohnen und Umwelt [IWU, 2010] und der KfW [KfW / IW, 2010]. Während des Workshops wurde deutlich, dass die Erfahrungswerte der Teilnehmer z. T. gravierend von diesen Angaben abweichen und daher eine spezifische Betrachtung für Flensburg nötig ist. Insbesondere die Frage, unter welchen Umständen das Kopplungsprinzip der Integration von energetischen Maß- nahmen in die ohnehin geplanten Sanierungszyklen greift, wurde kritisch beleuchtet. Der Workshop hat ein differenziertes Bild des Gebäudebestands der teilnehmenden Un- ternehmen der Wohnungswirtschaft ergeben. Welche Schlüsse sich aus diesem Bild für den gesamten Flensburger Wohnungsbestand ziehen lassen, muss für die Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzepts geklärt werden. 9.1.2 Bestandsstruktur Die Workshopteilnehmer stimmten darin überein, dass die Gebäudetypologie Schleswig- Holstein ein zutreffendes Bild des Flensburger Gebäudebestands zeichnet [IB-SH, 2002]. ANTEIL DER GEBÄUDETYPEN AM FLENSBURGER BESTAND [EIGENE BERECHNUNG NACH IFS 2008, S. 26 / IB-SH 2002] Anteil am Be- stand (Flensburg) Wohnfläche [m²] Gebäudetyp E18-1 5 % 168.146 Gebäudetyp E18-2 0 % 0 Gebäudetyp M 18 17 % 610.533 Gebäudetyp E 48 4 % 125.084 Gebäudetyp M 48 8 % 297.998 Gebäudetyp E 59 3 % 108.745 Gebäudetyp M 59 8 % 293.853 Gebäudetyp E 69 F 1 % 19.419 148 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Gebäudetyp M 69 F 1 % 44.523 Gebäudetyp E 69 S 4 % 159.234 Gebäudetyp M 69 S 16 % 552.087 Gebäudetyp E 77 F 5 % 182.435 Gebäudetyp M 77 F 2 % 77.787 Gebäudetyp M 77 S 14 % 487.464 Ein/Zweifamilienhaus 1988-2002 2 % 68.642 Mehrfamilienhaus 1988-2002 6 % 212.679 Ein/Zweifamilienhaus 2003-2008 1 % 34.654 Mehrfamilienhaus 2003-2008 3 % 107.372 100 % 3.550.656 Zur Anpassung an die Flensburger Gegebenheiten wurde seitens der Uni Flensburg der Gebäudetyp E18-2 (Reetdach) mit 0 % angenommen. Außerdem wurde der prozentuale Anteil der Gebäudetypen am Bestand an den urbanen Raum angepasst, indem die An- gaben zur Aufteilung der Wohnfläche auf Ein- und Mehrfamilienhäuser aus der Flensburger Wohnungsmarktanalyse [IfS, 2008, S. 26] übernommen und gleichmäßig auf die Gebäude- typen aufgeteilt wurden. Da für Flensburg keine Angaben zum Reihenhausbestand vorla- gen, wurden die entsprechenden Gebäudetypen vernachlässigt. Die Ergebnisse der Be- rechnungen sind in der vorherigen Tabelle dargestellt. Das Kürzel „E“ weist nach der Sys- tematik der Gebäudetypologie jeweils auf Einfamilienhäuser hin, das Kürzel „M“ auf Mehr- familienhäuser, das Kürzel „S“ auf Steildächer, das Kürzel „F“ auf Flachdächer. Vereinfa- chend wurde angenommen, dass der Anteil an den Wohneinheiten dem Anteil an der Wohnfläche entspricht. 9.1.3 Maßnahmen zur Senkung des Heizwärmebedarfs Zur ersten Grobstrukturierung wurden die möglichen Maßnahmen nach den betrachteten Bauteilen kategorisiert, um so einen Überblick über die Kosten, Nutzen und Besonderheiten der Einzelmaßnahmen zu erhalten. Diese bauteilbezogene Betrachtung wurde in Maß- nahmenblättern zusammengefasst, die den Teilnehmern in einer Tischvorlage zur Verfü- gung gestellt wurden. In den Maßnahmenblättern wurde auch eine erste Hochrechnung des Energie- Einsparpotentials der bauteilbezogenen Maßnahmen auf den Flensburger Gebäudebe- stand angegeben. Die Erkenntnisse des Workshops beziehen sich auf den Bestand der Wohnungswirtschaft und sollen zunächst noch nicht auf diesen ersten groben Wert ange- wandt werden, da eine Klärung der Übertragbarkeit auf den gesamten Flensburger Ge- bäudebestand noch aussteht. Zur Frage, ob die Maßnahmenblätter in der Endversion des Klimaschutzkonzepts für einzel- ne Bauteile oder aber als Gesamtsanierung auf einen bestimmten Energiestandard erstellt werden sollen, kann man die jüngste Studie der KfW zum Sanierungsverhalten der Investo- ren zu Rate ziehen. Dort heißt es: „… die Befragung [ergab], dass die Unternehmen 86,6 % der Objekte gesamt und nur 7,4 % der Objekte teilweise sanierten. […] Die hohe Quote der Gesamtsanierung ist dabei nicht überraschend. Denn die gebündelte Durchführung Anhang A: Workshop Dokumentationen 149 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG mehrerer aufeinander abgestimmter Maßnahmen ist allgemein die wirtschaftlich günstigs- te Alternative, da so die Fixkosten der Sanierung (bspw. Einsatz eines Baugerüsts) nur ein- malig anfallen. Für den selbstnutzenden Eigentümer ist es am günstigsten, wenn Maßnah- men gebündelt werden können, da so der Wohnkomfort der Nutzer nur einmal beein- trächtigt wird.“ [KfW / IW, 2010, S. 21/22]. Abgesehen von dieser sinnvollen Zusammenfassung großer Sanierungsmaßnahmen regten die Teilnehmer an, für gering-investive Maßnahmen sowie für „weiche“ Maßnahmen zur Beeinflussung des Nutzerverhaltens einzelne Maßnahmenblätter zu erstellen. Bei der Berechnung der Sanierungskosten wurde die anzunehmende Preissenkung bzw. Qualitätsverbesserung durch den technischen Fortschritt nicht berücksichtigt, um nicht durch zu optimistische Schätzungen das Bild zu verzerren. Die Berechnung des Energie-Einsparpotentials erfolgte anhand eines Beispielgebäudes, dessen Parameter in den folgenden Tabellen (S. 150) dargestellt sind. Der Transmissions- wärmebedarf wurde nach Formel 1 berechnet, zur Bestimmung der solaren und internen Gewinne wurde das Programm casanova der Uni Siegen verwendet [Clemens et al. 2007, o. S.]. FORMEL 1: BERECHNUNG DES TRANSMISSIONSWÄRMEBEDARFS NACH [RECKNAGEL ET AL. 2008, S. 1203] GtHQ TT mit QT: Transmissionswärmebedarf [kWh/a] HT: Transmissionsheizlast [W/K] Gt: Gradtagszahl [Kd] (Summe der Temperaturdifferenzen innen minus außen über die Heizperiode) )( BauteilBauteilT AUH mit UBauteil: Wärmedurchgangskoeffizient je Bauteil an der Umschließungsfläche [W/(m²K)] ABauteil: Wärmeübertragende Hüllfläche je Bauteil [m²] Der Lüftungswärmebedarf wurde nach Formel 2 ermittelt, mit einer Luftwechselzahl n von 0,6 / h und dem Luftvolumen VL nach folgender Tabelle. FORMEL 2: BERECHNUNG DES LÜFTUNGSWÄRMEBEDARFS NACH [RECKNAGEL ET AL. 2008, S. 1204] GtVnQ LKm Wh V ³ 34,0 150 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg PARAMETER DES BEISPIELGEBÄUDES ZUR BERECHNUNG DES ENERGIE-EINSPARPOTENTIALS Gebäudemaße und -angaben Breite 10 m Länge 50 m Geschosse 4 Höhe ohne Dach 12 m Dachgeschoss nicht beheizt Nutzfläche Beispielgebäude 1600 m² Wohnfläche pro Wohneinheit 100 m² Nutzfläche pro Wohneinheit 120 m² Wohneinheiten 13 Anteil Fensterfläche/Fassade 15 % Flächen der Bauteile (Dachfläche 650 m²) oberste Geschossdecke 500 m² Außenwand 1224 m² Fenster 216 m² Kellerdecke 500 m² Gebäudehülle (DG unbeheizt): 2440 m² Gebäudevolumen nach casanova 6000 m³ Luftvolumen nach casanova 4800 m³ A/V 0,41 Gradtagszahl Schleswig 4046 Kd 9.1.3.1 Dämmung der obersten Geschossdecke Bisher ungedämmte, begehbare oder zugängliche Geschossdecken müssen nach § 10 Abs. 3, 4 EnEV 09 auf einen U-Wert von 0,24 W/(m²K) gedämmt werden. Die in der EnEV angegebenen Fristen werden nach Erfahrung der Teilnehmer in der Praxis nicht eingehal- ten werden können, eine Sanktionierung ist derzeit auch nicht vorgesehen. Dennoch wird die Vorschrift nach Einschätzung der Teilnehmer zu einer zügigeren Umsetzung führen. Es wird angenommen, dass innerhalb der nächsten 10-15 Jahre eine vollständige Umsetzung erreicht wird. Alternativ zur Dämmung der obersten Geschossdecke kann nach § 10 Abs. 3 EnEV 09 auch das Dach gedämmt werden. Um das gesamte Einsparpotential diese Maßnahme in Flensburg zu bestimmen, muss daher bekannt sein: 1) bei welchem Anteil des Gebäudebestands die Dachdämmung wahrscheinlicher ist, und Anhang A: Workshop Dokumentationen 151 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 2) bei welchem Anteil des Gebäudebestands die Maßnahme bereits umgesetzt wor- den ist. Zum ersten Punkt berichteten die Teilnehmer, dass bei Häusern der 30er, 40er und 70er Jahre das Dachgeschoss normalerweise nicht genutzt werde. Daher werde hier eher die oberste Geschossdecke gedämmt. Bei Gebäuden aus den 50er und 60er Jahren sei die Dachgeschossnutzung dagegen von vornherein mit eingeplant gewesen. Seitens der Uni Flensburg wurde außerdem angenommen, dass in EFH das DG normaler- weise genutzt wird und damit keine Dämmung der oberen Geschossdecke durchgeführt wird. Aus der Anwendung dieser Annahmen auf die errechnete Bestandsstruktur ergibt sich ein Anteil am Gebäudebestand von 57 % ohne ausgebautes Dachgeschoss. Von die- sem Anteil müssen die bereits sanierten Gebäude abgezogen werden. Zum zweiten Punkt berichteten die Teilnehmer, dass ca. 40 % der oberen Geschossdecken bereits ausreichend wärmegedämmt sind, während 60 % entweder nicht gedämmt oder nur nach dem Standard der 1980er Jahre mit 5-7 cm Dämmstärke versehen sind. Aus der Kombination beider Anteile ergibt sich ein Anteil am Gebäudebestand von 34 %, auf den die Dämmung der obersten Geschossdecke noch angewandt werden könnte. Das Energie-Einsparpotential der Maßnahme hängt stark vom Ausgangszustand des be- trachteten Bauteils ab, wie in der folgenden Tabelle für das Beispielgebäude dargestellt (basierend auf der vorherigen Tabelle, Annahme: Bsp.-Geb. gehört zu den 60 % „unzu- reichend gedämmten Gebäuden“). Damit hängen auch die Energie-Einsparkosten stark vom Ausgangszustand ab. Das Ener- gie-Einsparpotential und die entsprechenden Kosten müssen daher von Fall zu Fall be- trachtet werden. ABHÄNGIGKEIT DES ENERGIE-EINSPARPOTENTIALS UND DER KOSTEN VOM AUSGANGSZUSTAND DES BAUTEILS Ausgangszustand Transmissionswärmeverlust durch die oberste Geschossdecke (Beispielgebäu- de) Energie-Einsparkosten (Beispielgebäude) Dämmstärke (WLG 040) U-Wert vorher nachher Einsparung ge- genüber Aus- gangszustand Untergrenze (20 €/m² Bauteil) Obergrenze (72 €/m² Bauteil) [mm] [W/(m²K)] [kWh/(m²Wohnfläche*a)] % [€ct/kWh] 50 0,59 21,5 8,2 13,3 62 % 1,6 5,9 70 0,46 16,6 8,2 8,4 51 % 2,6 9,4 Ein Überblick über die Merkmale dieser Maßnahme ist in folgender Tabelle (S. 152) zusam- mengestellt. 152 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ÜBERSICHT ZUR MAßNAHME "DÄMMUNG DER OBERSTEN GESCHOSSDECKE" Dämmung der obersten Geschossdecke Investitionskosten lt. Work- shopteilnehmern Differenziert nach BAK und Nutzung des Dachbodens. 20 - 72 €/m²Bauteil (aus den Angaben: 2 x 70m² mit Treppenkopf 10 -12.000 € gegenüber Gebäuden ohne Dachboden: 250 m² für 3.000-4.000 €) Investitionskosten lt. Literatur 26 - 54 €/m²Bauteil [dena 2010, S. 60 ff., IWU 2010, S. 20] Energetische Mehrkosten = Investitionskosten, bei dieser Maßnahme kann nicht nach energetischen und sonstigen Kosten unterschie- den werden Energie-Einsparkosten der Maßnahme 1,6 – 9,4 ct/kWh, je nach Investition und Ausgangszu- stand Derzeitiger energetischer Standard des Bauteils im Be- stand 40 % ausreichend wärmegedämmt, 60 % nicht sinnvoll gedämmt (mit 5-7 cm – entspricht bei WLG 040 einem U-Wert von 0,5 bis 0,6 W/m²K) Möglicher Anteil am Gebäu- debestand für die Maßnah- me 34 % des Gebäudebestands (Gebäudetypen M 18, M 48, E 77 F, M 77 F, M 77 S, MFH ab 1988) Heute verwendete Ausfüh- rungen entspr. EnEV 2009: U-Wert 0,24 W/m²K Sanierungszyklus (Kopplungs- prinzip) Kopplungsprinzip nicht anwendbar; Nutzungsdauer 35 Jahre Kombinationsmöglichkeit mit anderen Maßnahmen keine Flankierende Maßnahmen Kommunikation mit den Nutzern, Schimmelvermeidung als Motivation Hemmnisse hohe Kosten keine Möglichkeit zur Mieterhöhung keine Nutzbarkeit der Dachgeschosse als Wohn- raum hoher Anteil von Gebäuden aus den 50er und 60er Jahren mit vorab eingeplanter Dachge- schossnutzung Mieter der oberen Geschosse sparen überpro- portional Positive Auswirkungen auf den Wohnwert Dient der Bauerhaltung, die Vergleichskosten einer Schimmelsanierung sollten mit 4.000-5.000 €/WE nicht unterschätzt werden. 9.1.3.2 Dachdämmung Die Dämmung der Dachflächen kann sowohl von innen als auch von außen erfolgen. Die Innendämmung ist durch die Sparrenmaße begrenzt bzw. geht im Falle einer Sparrenauf- dopplung zulasten des Wohnraums. Die Außendämmung erfolgt normalerweise im Zuge einer Dacherneuerung, da die Dachbelegung entfernt werden muss. Die Datenbank des IWU enthält Kostenangaben für eine nachträgliche Dämmung der Dachfläche von außen zwischen bzw. auf den Sparren, aber nicht für die Dämmung von innen [IWU, 2010, S. 3 u. 17 ff.]. Anhang A: Workshop Dokumentationen 153 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Die Teilnehmer gaben den Sanierungszyklus für die Dachflächen mit 30-40 Jahren an. Bei der Verwendung von Tonpfannen ist nach Einschätzung der Teilnehmer die Notwendigkeit der Bauteilerneuerung auch nach 100 Jahren nicht gegeben. Zur Frage des typischen Zustands des Bauteils im Bestand konnte keine eindeutige Aussa- ge gemacht werden. Es wird seitens der Universität Flensburg angenommen, dass die bundesweite historische energetische Sanierungsrate von auch für Flensburg gilt. Danach wurden durchschnittlich 1,5 % der Gebäude mit Baujahren vor 1987 p. a. energetisch sa- niert, jüngere Gebäude zu 0 % p. a. [Prognos, 2009, S. 58]. Wenn man davon ausgeht, dass ab Inkrafttreten der EnEV 2002 akzeptable Dämmstärken und WLG eingesetzt wurden, sind heute 13,5 % des Bestands mit Baujahr vor 1987 bereits energetisch saniert. Für Neubauten ab 2002 wird davon ausgegangen, dass die Anforderungen der EnEV mit entsprechend gedämmten Dachflächen eingehalten werden. Daraus ergibt sich ein Anteil am Gebäu- debestand von 38 %, auf den die Dämmung der Dachflächen noch angewandt werden könnte. Ein Überblick über die Merkmale dieser Maßnahme ist in folgender Tabelle zusammenge- stellt. ÜBERSICHT ZUR MAßNAHME "DÄMMUNG DER DACHFLÄCHE" Dachdämmung Investitionskosten lt. Work- shopteilnehmern Zustimmung zu den Literaturwerten Investitionskosten lt. Literatur 228 €/m²Bauteil [IWU 2010, S. 18] Energetische Mehrkosten 55 €/m²Bauteil für 15 cm, WLG 035 (Bandbreite: 30-75 €/m²Bauteil ) [IWU 2010, S. 17 u. 43, gemäß der Formel: 2,16 €/(cm Dämmstoff *m² Bauteil)] Energie-Einsparkosten der Maßnahme 1,1 – 8,9 ct/kWh, je nach Ausgangszustand! (0 – 70 mm WLG 40) Möglicher Anteil am Gebäu- debestand für die Maßnah- me 38 % des Gebäudebestands (Gebäudetypen E 18-1, E 48, E 59, E und M 69 F und S, EFH 1988-2002) Heute verwendete Ausfüh- rungen entspr. EnEV 2009: U-Wert 0,24 W/m²K Für KfW 70-Projekte: 20 cm → U-Wert mit WLG 035: 0,16 W/m²K Sanierungszyklus (Kopplungs- prinzip) 30 - 40 Jahre (bei Tonpfannen: 100 Jahre) Sanierungsrate 1,5 % p.a. Kombinationsmöglichkeit mit anderen Maßnahmen Bei Dämmung von außen: Das Gerüst kann gleichzeitig zur Bearbeitung der Außenwand / Fenstersanierung ge- nutzt werden. Flankierende Maßnahmen Kommunikation mit den Nutzern, Schimmelvermeidung als Motivation Hemmnisse hohe Kosten Mieter der oberen Geschosse sparen überpro- portional Positive Auswirkungen auf Dient der Bauerhaltung, die Vergleichskosten einer 154 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg den Wohnwert Schimmelsanierung sollten mit 4-5.000 €/ WE nicht unter- schätzt werden. Zeitraum bis 2050 9.1.3.3 Wärmedämmverbundsystem auf Altputz, gewebearmierter Neuputz Zur Dämmung der Außenwände sind in Flensburg v. a. das Aufbringen eines Wärme- dämmverbundsystems (WDVS) und die Innendämmung von Bedeutung, die Einblasdäm- mung ist weniger relevant und muss daher laut Einschätzung der Teilnehmer nicht ins inte- grierte Klimaschutzkonzept aufgenommen werden. Besonders bei der Kostenbetrachtung des WDVS wurde deutlich, dass die Erfahrungen der Teilnehmer erheblich von den Aussagen in Studien selbst sehr praxisnaher Institute abwei- chen. Laut IWU [2010, S. 8] sind nur ca. 40 % der Gesamtkosten für eine Fassadensanierung als energetische Mehrkosten einzustufen, wie in Abbildung 59 dargestellt. Ca. 60 % der Kosten entstehen nach dieser Lesart „im Zuge einer erforderlichen umfangreichen Sanierung der Fassade ohnehin“ [ebd., S. 7]. Nach Erfahrung der Teilnehmer muss der Putz einer Fassade jedoch innerhalb der Nut- zungsdauer eines Gebäudes überhaupt nicht in größerem Umfang erneuert werden, le- diglich alle 20-30 Jahre muss gestrichen werden, um Rissbildungen auszugleichen. Daher wurde der Ansatz des IWU abgelehnt, nur die Differenzkosten zur Alternative „umfangrei- che Putzinstandsetzung ohne energetische Sanierung“ als energetische Mehrkosten zu betrachten. ABBILDUNG 59: AUFTEILUNG DER SANIERUNGSKOSTEN FÜR EINE FASSADENSANIERUNG INKL. WDVS [IWU, 2010, S. 8] Anhang A: Workshop Dokumentationen 155 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Auch der Kostenanteil, der in Abbildung 59 (S. 154) dem Posten „Fassade, Fensterleibun- gen etc.“ zugeordnet wurde, muss nach Einschätzung der Teilnehmer der energetischen Sanierung zugerechnet werden, da es bei jeder Sanierung auch um die Frage des Stadt- bildes gehe. Beim SBV wurden z. T. sogar WDVS mit Klinkerfassade gewählt, um die typi- sche Fassade zu erhalten. Diese Maßnahme führt zu Zusatzkosten von 80-90 €/m²Bauteil. Die Workshopteilnehmer waren sich einig, dass der Anteil der nicht-energetischen Kosten mit 60 % zu hoch angesetzt sei, realistisch sei hier ein Anteil von ca. 25 %. Auch die ange- setzte Gesamtsumme der Fassadensanierung von 125 €/m²Bauteil wurde von einigen Teil- nehmern als zu gering eingeschätzt, realistisch sei ein Wert von 140 €/m²Bauteil. Daraus er- geben sich energetische Mehrkosten von bis zu 105 €/m²Bauteil. Zur Frage des typischen Zustands des Bauteils im Bestand berichteten die Teilnehmer, dass der Anteil der älteren Gebäude, an denen Ende der 70er Jahre bereits eine Fassadensa- nierung vorgenommen worden ist, sehr gering ist und dass diese Sanierung nur selten energetische Maßnahmen beinhaltet hat. Erst Anfang der 90er wurde mit der Wärme- schutzbauweise bei der Fassadensanierung begonnen. In 5-7 % des Gebäudebestands kann von einem energetischen Standard der 90er ausgegangen werden. ÜBERSICHT ZUR MAßNAHME "WÄRMEDÄMMVERBUNDSYSTEM“ WDVS zur Außenwanddämmung Investitionskosten lt. Work- shopteilnehmern Bis zu 140 €/m²Bauteil, davon bis zu 105 € energet. Mehr- kosten Investitionskosten lt. Literatur 125 €/m²Bauteil [IWU 2010, S. 8] Energetische Mehrkosten 42 €/m²Bauteil (12 cm, WLG 035) [IWU 2010, S. 8 u. 43, gemäß der Formel: 10 €/m²Bauteil + 2,69 €/(cm Dämmstoff *m² Bauteil)] Energie-Einsparkosten der Maßnahme 2,5 ct/kWh (Ausgangszustand U-Wert Außenwand: 1,5 W/(m²K)) Derzeitiger energetischer Standard des Bauteils im Be- stand 5-7 % des Bestands auf dem energetischen Standard der 90er Jahre Möglicher Anteil am Gebäu- debestand für die Maßnah- me Gesamter Bestand außer Gebäuden unter Denkmal- schutz / Erhaltungssatzung und bereits gedämmten Gebäuden Heute verwendete Ausfüh- rungen entspr. EnEV 2009: U-Wert 0,24 W/(m²K) (z. B. 12 cm, WLG 035) Sanierungszyklus (Kopplungs- prinzip) 20-30 Jahre für den Neu-Anstrich Kopplungsprinzip greift nur sehr bedingt (Gerüst), um- fangreiche Putzerneuerung nicht nötig Sanierungsrate 1,5 % p.a. Kombinationsmöglichkeit mit anderen Maßnahmen Das Gerüst kann gleichzeitig zur Dach- und Fenstersa- nierung genutzt werden. Flankierende Maßnahmen Kommunikation mit den Nutzern 156 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 9.1.3.4 Diffusionsoffene Innendämmung (v.a. Denkmalschutz) In Flensburg gibt es 1000 „einfache Kulturdenkmale“, die nicht förmlich geschützt sind, aber freiwillig durch die Eigentümer entsprechend erhalten werden. Zudem sind ca. 500 Gebäude als „Kulturdenkmale von besonderer Bedeutung“ eingetragen, bei weiteren 500 Gebäuden ist diese Eintragung beim Land beantragt, aber noch nicht bewilligt. Diese Ka- tegorisierung beinhaltet im Unterschied zum „einfachen Kulturdenkmal“ einen Schutz des Denkmals gegenüber dem Eigentümer selbst [Stadt Flensburg, Telefonat 28.02.11]. Zudem unterliegen bestimmte Straßenzüge einer Erhaltungssatzung nach § 172 ff. BauGB. Wenn die Fassade aus Denkmalschutzgründen nicht verändert werden darf und eine Kerndämmung nicht in Frage kommt, können die Außenwände nur von innen gedämmt werden. Dadurch wird der Taupunkt verschoben, was zu Schimmel führen kann. Diffusi- onsoffene Dämmstoffe wie CaSi-Platten beugen diesem Problem vor, indem sie Feuchte aufnehmen und wieder abgeben können. Bei Räumlichkeiten, die nur zeitweise genutzt werden (Kirchen, öffentliche Gebäude), er- möglicht die Innendämmung ein schnelles Aufheizen. Nach Erfahrung der Teilnehmer wird die Innendämmung mit CaSi-Platten oder neueren Baustoffen auf organischer Basis erfolgreich, jedoch nur in geringem Umfang durchge- führt, z. B. bei Haus & Grund innerhalb eines Jahres in ca.15 Wohnungen. Problematisch ist dabei im Mietbestand nur, dass nicht tapeziert werden darf, um die Diffusionsoffenheit zu erhalten. Die Teilnehmer berichteten, dass die Maßnahme einen relativ hohen technischen Auf- wand erfordert, der erst ab 100 mm Bauteilstärke relevante energetische Einsparungen erzielt. Die Maßnahme wird von den Teilnehmern als Notfalllösung und letzter Ausweg bei großer Schimmelproblematik eingeordnet. Nur ca. 10 % des Bestandes sind betroffen, und für diese Gebäude sind in den meisten Fällen noch andere, vorteilhaftere Maßnahmen möglich. Daher sollte diese Maßnahme in der Priorität nach hinten gestellt werden. 9.1.3.5 Austausch der Fenster Ab einem anteiligen Austausch der Fenster von 10 % als Bagatellgrenze muss die EnEV 2009 eingehalten werden. Die Auswahl der Fenster muss zum Gesamtkonzept der Wohnung passen. Der Austausch der Fenster sollte aufgrund der Taupunktproblematik in Kombination mit Maßnahmen an der Außenwand erfolgen. Nach dem Einbau der modernen Fenster ist aber auch die Be- lüftung ein wichtiges Thema. Da es von den Teilnehmern als extrem schwierig eingeschätzt wird, verlässliche Verhaltensänderungen bei den Mietern zu erzielen, sollte nach Möglich- keit eine kontrollierte Be- und Entlüftung eingebaut werden. Diese sind nach Erfahrung der Teilnehmer mittlerweile sehr leise, energiesparend und unauffällig in der Luftzirkulation. Die Teilnehmer berichteten, dass das hohe Gewicht der Dreifachverglasung alle mechani- schen Teile der Fenster stark beansprucht. Technisch hochwertige Zweifachverglasung Anhang A: Workshop Dokumentationen 157 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG erreicht nach Erfahrung der Teilnehmer bei geringeren Kosten ähnlich gute U-Werte von 0,8 W/(m²K) und wird daher als sinnvollere Option betrachtet. In Fruerlund werden ent- sprechende zweifachverglaste Wärmeschutzfenster zu Kosten von 350 €/m²Bauteil einge- setzt. Diese Investitionskosten sollten nach Einschätzung der Teilnehmer vollständig als energetische Mehrkosten eingestuft werden. Zur Frage des typischen Zustands des Bauteils im Bestand konnte keine eindeutige Aussa- ge gemacht werden. Deshalb wird auch hier seitens der Universität Flensburg angenom- men, dass heute 13,5 % des Bestands mit Baujahr vor 1987 bereits energetisch saniert wur- den (s. Abschnitt 9.1.3.2). ÜBERSICHT DER MAßNAHME "AUSTAUSCH DER FENSTER" Austausch der Fenster Investitionskosten lt. Work- shopteilnehmern 350 €/m²Bauteil für hochwertige Zweifachverglasung, U- Wert 0,8 W/(m²K) Investitionskosten lt. Literatur 250 €/m² Bauteil für Zweifachverglasung, U-Wert 1,3 W/(m²K) 480 €/m² Bauteil für Dreifachverglasung, U-Wert 0,8 W/(m²K) [dena 2010, S. 60 ff.] Energetische Mehrkosten = Investitionskosten, bei dieser Maßnahme soll nicht nach energetischen und sonstigen Kosten unterschie- den werden Energie-Einsparkosten der Maßnahme 17,6 ct/kWh (Ausgangszustand U-Wert Fenster: 1,4 W/(m²K)) Derzeitiger energetischer Standard des Bauteils im Be- stand 13,5 % des Bestands mit Baujahr vor 1987 bereits energe- tisch saniert Möglicher Anteil am Gebäu- debestand für die Maßnah- me Gesamter Bestand außer Gebäuden unter Denkmal- schutz / Erhaltungssatzung und bereits sanierten Ge- bäuden Heute verwendete Ausfüh- rungen hochwertige Zweifachverglasung, U-Wert 0,8 W/(m²K) Sanierungszyklus (Kopplungs- prinzip) k. A. Sanierungsrate 1,5 % p.a. Kombinationsmöglichkeit mit anderen Maßnahmen Das Gerüst kann gleichzeitig zur Dach- und Fassaden- sanierung genutzt werden. Flankierende Maßnahmen erhöhte Dichtigkeit → mechanische Lüftung nötig? Taupunktverschiebung beachten 9.1.3.6 Mechanische Lüftungsanlage Wenn nach EnEV saniert wird, muss ein bestimmter Luftwechsel nachgewiesen werden, da die dichtere Gebäudehülle den Luftaustausch durch Ritzen etc. einschränkt. Daher hat der Einbau kontrollierter Be- und Entlüftungsanlagen an Bedeutung gewonnen. Nach Er- 158 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg fahrung der Teilnehmer erfordert die Frage, ob beim Einbau einer Lüftungsanlage eine Wärmerückgewinnung (WRG) vorgesehen werden sollte, eine Einzelfallbetrachtung. Der Einbau eines zentralen kontrollierten Lüftungssystems mit WRG kommt demnach nur bei Kernsanierungen in Frage, da die Verlegung des Lüftungskanalsystems aufwendig sein kann und die Kosten für Lüftungssysteme ohne WRG oft weit übersteigt. Diese liegen bei ca. 250 € / Gerät oder 1.500 – 2.000 € pro Wohneinheit. Die Teilnehmer berichteten von einer dezentralen Lösung, bei der die WRG über wech- selnde Be- und Entlüftung über ein Keramikelement erfolgt. Dieses ist für ca. 3.000 € pro Wohneinheit verfügbar. Die Kosten variieren mit der Anzahl der Räume, da pro Zimmer ein Gerät à 450 € benötigt wird. Nach Erfahrungen der Teilnehmer sind die Filter der Lüftungsanlagen mehrmals wieder- verwendbar und einfach auszuwaschen. Für ältere Mieter ist dies allerdings nicht alleine durchzuführen. Die Möglichkeit, einen Hausmeister bzw. einen Studenten einzustellen, der diese Arbeiten durchführt, sollte geprüft werden. Evtl. könnte der Filterwechsel auch zeit- gleich mit der Rauchmelderwartung erfolgen. Die Wartungskosten müssen in der Berech- nung der Maßnahme mit berücksichtigt werden. ÜBERSICHT DER MAßNAHME "MECHANISCHE LÜFTUNG" Einbau einer mechanischen Lüftungsanlage Ohne WRG Mit WRG Investitionskosten lt. Work- shopteilnehmern 1.000 – 2.000 €/WE 3.000 €/WE (dezentral) Investitionskosten lt. Literatur 2.236 €/WE [dena 2010, S. 60 ff.] 5.629 €/WE [dena 2010, S. 60 ff.] Energie-Einsparkosten der Maßnahme 1,5 ct/kWh (bei WRG = 80 %) Möglicher Anteil am Gebäu- debestand für die Maßnah- me Gesamter Bestand außer bereits sanierten Ge- bäuden Sanierungsrate Zentral: nur bei Kernsanierung, dezentral: 1,5 % p.a. Kombinationsmöglichkeit mit anderen Maßnahmen Sollte v.a. beim Fenstertausch beachtet werden! Flankierende Maßnahmen Kommunikation mit den Nutzern, auch wg. Filter- tausch 9.1.3.7 Dämmung der Kellerdecke Die Erhebung des IWU hat ergeben, dass nicht die Dämmstärke den größten Einfluss auf die spezifischen Kosten der Kellerdeckendämmung hat, sondern bauliche Gegebenhei- ten [IWU 2010, S. 10]. Dieser Umstand wurde von den Teilnehmern insofern bestätigt, dass bei der Umsetzung dieser Maßnahme je nach Gestaltung der Kellerdecke ein erheblicher zusätzlicher Zeitaufwand für den Zuschnitt der Dämmplatten einkalkuliert werden muss. Dies trifft v. a. dann zu, wenn Stromleitungen und Leuchten an der Decke angebracht sind. Alternativ dazu können die Leuchten an der Seitenwand platziert werden. Anhang A: Workshop Dokumentationen 159 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Die Teilnehmer berichten, dass für diese Maßnahme besonders hochwertige Dämmplat- ten eingebaut werden müssen, ansonsten ist die Deckenhöhe im Keller zu gering. Zum Ein- satz kommen 5-6 cm starke Dämmplatten mit der Wärmeleitgruppe 025. Beim FAB wird statt der Kellerdecke oft die Kelleraußenwand gedämmt, wodurch ebenso große Energieeinsparungen erzielt werden. Demgegenüber wird seitens des SBV wurde das Aufgraben des Kellergeschosses als zu aufwendig eingeschätzt. ÜBERSICHT DER MAßNAHME "DÄMMUNG DER KELLERDECKE" Dämmung der Kellerdecke Investitionskosten lt. Work- shopteilnehmern Zustimmung zu Literaturwerten, Abweichung bei Dämm- stärke Investitionskosten lt. Literatur 41 €/m² Bauteil für 15 cm Dämmstärke, WLG 035 [IWU 2010, S. 11, gemäß der Formel: 25 €/m²Bauteil + 1,05 €/(cm Dämmstoff *m² Bauteil)]] Energetische Mehrkosten = Investitionskosten, bei dieser Maßnahme soll nicht nach energetischen und sonstigen Kosten unterschie- den werden Energie-Einsparkosten der Maßnahme 1,4 ct/kWh Derzeitiger energetischer Standard des Bauteils im Be- stand 13,5 % des Bestands mit Baujahr vor 1987 bereits energe- tisch saniert Möglicher Anteil am Gebäu- debestand für die Maßnah- me Gesamter Bestand außer bereits sanierten Gebäuden Heute verwendete Ausfüh- rungen 5-6 cm Dämmstärke mit WLG 025 bzw. Dämmung der Außenwände des Kellers Sanierungsrate 1,5 % p.a. 9.1.3.8 Brauchwassererzeugung durch Fernwärme statt Strom Nach Einschätzung der Teilnehmer erzeugen ca. 50 % der Flensburger Bürger ihr Brauch- wasser elektrisch, 50 % nutzen dafür bereits die Fernwärme der SWFL. Elektrische Durch- lauferhitzer oder Unter-Tisch-Geräte haben einen hohen Wirkungsgrad von ca. 98 %. Zur Betrachtung der Gesamtbilanz muss jedoch der Wirkungsgrad der Stromerzeugung im Kraftwerk mitberücksichtigt werden. Der elektrische Wirkungsgrad im Kraftwerk ist deutlich geringer als der thermische. Eine Umstellung auf Fernwärme würde daher die CO2- Emissionen der Brauchwassererzeugung reduzieren. Die Vorteilhaftigkeit der Maßnahme wurde ambivalent gesehen. Ein Teilnehmer wies auf die Vorteile von Durchlauferhitzer hin, die neben der Minimierung von Zirkulationsverlusten auch in einer Minderung der Versicherungsprämien aufgrund des geringeren Risikos von Rohrbrüchen bestehen. Dieser Vorteil komme jedoch bei der moderneren Anlagentechnik 160 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg und dem Einsatz von Kunststoffrohren nicht mehr zum Tragen. Die Betriebskosten lassen sich nach Einschätzung der Teilnehmer durch die Substitution von Strom senken. Die Umsetzung dieser Maßnahme sollte nach Einschätzung der Teilnehmer nach Nutzer- gruppen differenziert werden. Die Nutzergewohnheiten von Studenten bspw., die oft für Monate nicht in Flensburg sind, stünden einer Vorteilhaftigkeit der Maßnahme entgegen. Ein Teilnehmer berichtete, dass die Umstellung auf zentrale Wärmebereitstellung bei der Förderung von Wohnungsbau vom Gesetzgeber gefordert wird. Für 6 Wohneinheiten kostet eine entsprechende Warmwasserzentrale 10.000 bis 12.000 €, wenn die Wasserleitungen bereits vorhanden sind. Diese Kosten sind als Zusatzkosten bei einer umfassenden Sanierung von Bad und Küche zu verstehen. Außerhalb des Sanie- rungszyklus‘ von Küche und Bad sind die Kosten zu hoch. Im Neubau und bei der Grund- sanierung kann die Maßnahme umgesetzt werden. Eine Teilnehmerin berichtete von Wohnungsstationen als Zwischenlösung, die in Hamburg gute Erfolge erzielt haben. Dabei erfolgt die Warmwasserversorgung durch Anschluss an den Wohnungskreislauf mit einem Wärmetauscher pro Wohneinheit. Die Temperaturen können insgesamt niedriger liegen, da das Wasser zu keiner Zeit steht, sondern direkt bei Bedarf erhitzt wird. Damit wird die Legionellenproblematik umgangen. Für die Übertrag- barkeit auf Flensburg wurde zu bedenken gegeben, dass die Vorlauftemperaturen der Stadtwerke in manchen Gegenden zu niedrig liegen würden, um die Legionellenproble- matik im Griff zu haben. 9.1.3.9 Geringinvestive Maßnahmen Das Projekt ALFA (Allianz für Anlageneffizienz) des BBU (Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V.) hat sich seit 2007 mit Energieeinsparungen durch geringin- vestive Maßnahmen in der Größenordnung von ca. 5 € Investition pro m² Wohnfläche be- schäftigt. Der VNW (Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.) hat 2010 das Partnerprojekt ALFA Nord initiiert. Es wurde angeregt, auch die Maßnahmen des Projekts ALFA Nord in das integrierte Klima- schutzkonzept für Flensburg einfließen zu lassen. Die Maßnahmen wurden entsprechend auch im Themenworkshop zur Energieversorgung mit der SWFL am 03.03.2011 angesprochen. Dabei wurde deutlich, dass sowohl die Wär- mekunden als auch SWFL von Maßnahmen wie dem hydraulischen Abgleich und der Dif- ferenzdruckregelung profitieren könnten. Kundenseitig erfolgt eine effizientere Ausnutzung der bereitgestellten Wärmeenergie und seitens der SWFL ist ein effizienterer Betrieb des Fernwärmenetzes möglich (bspw. Senkung der Rücklauftemperatur). Anreize zur Umsetzung dieser Maßnahmen könnten durch die Anpassung der Tarifstruktur und Kooperationen mit der Handwerkskammer geschaffen werden. Anhang A: Workshop Dokumentationen 161 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.1.4 Impulsvortrag „Neubau oder Sanierung? " Herr Jürgensen stellte den Prozess der Entscheidungsfindung zwischen den Alternativen Neubau und Sanierung am Beispiel des SBV-Projekts „Wohnen für Generationen“ im Stadt- teil Fruerlund dar. Es handelte sich dabei um 57 Gebäude aus den 50er Jahren, an denen Maßnahmen zur Verbesserung des Wärmeschutzes nach der ersten Energiekrise 70er und 80er Jahre vor- genommen worden waren. Schritt: Sichtung der Gebäudesubstanz: 3 Gebäudetypen mit unterschiedlichen Ei- genschaften Schritt: Betrachtung von Modernisierungsmaßnahmen Kosten der Maßnahmen 950 – 1300 €/m², Neubau liegt bei 1450 €/m² Mietenkonzept: Mieten für Haustypen 1 und 2 wurde auf 5,30 € pro m² festgelegt (öffentliche Mittel wurden mit verwendet Miete nicht auf 6 € steigerbar), Haustyp 3 nicht sinnvoll zu sanieren Ergebnis: Sanierung der Häuser der Typen 1 und 2, Abbruch der Gebäude des Typs 3 Die Umsetzung dieser Maßnahme rechnet sich im Umfang einer kompletten Stadtteilsanie- rung. Die Dauer der Maßnahmen betrug für je einen Gebäudestrang ca. 4 Wochen inkl. Reini- gung und Organisation. Es gab zu Beginn keine großen Mieterbewegungen, allerdings sind im Laufe der Zeit einige Mieter auf andere, bereits sanierte Wohnungen ausgewichen. Beim Neubau mussten für die Mieter der alten Gebäude Ersatzwohnungen gefunden werden. Taktisches Mieterver- halten wurde nicht beobachtet, da frühzeitig mit den Mietern neue Regelungen gefun- den wurden bzw. rechtzeitig im Rahmen der Kündigungsfrist gekündigt wurde. Insgesamt werden nach der Umbauphase ca. 480 Wohnungen saniert und 200 Wohnun- gen neu gebaut sein. Die Maßnahmen haben sich folgendermaßen auf den Heizwärmebedarf der Objekte ausgewirkt: Altbestand: ca. 200 kWh/m²a Nach Sanierung: ca. 60 kWh/m²a Neubau: ca. 40 kWh/m²a 162 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 9.1.5 Gemeinsame Strategien und Kooperationsmöglichkeiten Als größte Hemmnisse für die zügige Umsetzung der Energieeinsparmaßnahmen identifi- zierten die Teilnehmer die folgenden Aspekte: Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten Kaufkraft und Akzeptanz der Mieter Es wurde versucht, gemeinsame Strategien zur Überwindung dieser Hemmnisse zu entwi- ckeln. 9.1.5.1 Monitoring, Controlling und Bilanzierung: Es wurde angeregt, den Aufwand für die Datenerhebung für die Statistik des VNW und das integrierte Klimaschutzkonzept zu bündeln. Eine jährliche Datenerhebung wurde als durch- führbar eingeschätzt. Die benötigten Daten für das Monitoring und Controlling für das in- tegrierte Klimaschutzkonzept umfassen die Anzahl der Wohneinheiten und die Adresse je Objekt, die Wohnfläche, den Heizwärmeverbrauch, die Art der Warmwassererzeugung, das Baujahr bzw. die Baualtersklasse und Angaben zur Durchführung von energetischen Gebäudesanierungen (Zeitpunkt und Maßnahmen). 9.1.5.2 Mietspiegel Seitens der Uni Flensburg wurde das Konzept eines differenzierten Mietspiegels vorge- schlagen, wie er bereits in mehreren Städten erstellt wird, z. B. in Berlin, Bochum und Darm- stadt [vgl. IWU, 2008. S. 57]. Dieses Konzept zielt darauf ab, dem Investor eine höhere Kalt- miete zuzugestehen, wenn der Anteil für die energetischen Nebenkosten durch Sanie- rungsmaßnahmen sinkt. Die Einführung eines Mietspiegels wird von den Akteuren in Flensburg jedoch nicht ge- wünscht, insbesondere nicht differenziert nach Energieverbrauch. Die Einführung eines Mietspiegels verursacht Kosten, die auf die Wettbewerber zurückgehen würden. In Flens- burg ist ein ausgeglichener Markt ohne Wohnungsleerstände vorhanden, der Markt regelt die Mieten. Die Teilnehmer berichteten, dass sie die Mieten bei Sanierungsmaßnahmen normalerweise nicht nach §§ 558 / 559 BGB um 11 % der energetischen Investitionskosten erhöhen, son- dern im Voraus Vereinbarungen mit den Mietern zur Miethöhe treffen. Diese Vorgehens- weise beugt Konflikten vor und trägt zur Akzeptanz der Maßnahmen bei. 9.1.5.3 Nutzerverhalten Die Mitnahme der Bevölkerung ist ein entscheidender Faktor auf dem Weg zur CO2- Neutralität. Nach Berichten der Teilnehmer liegt der Anteil des Energieverbrauchs, der durch das Nutzerverhalten beeinflusst wird, bei bis zu 20 %. Der Erfolg der technischen Maßnahmen hängt also vom Erfolg der Maßnahmen zur Verhaltensänderung ab. Anhang A: Workshop Dokumentationen 163 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Der Mieterwechsel stellt eine gute Gelegenheit für eine Einflussnahme auf das Nutzerver- halten dar. Die Teilnehmer berichten, dass sich auch oft eine Gelegenheit zur Nutzerinfor- mation ergibt, wenn bereits Schadensmeldungen eingegangen sind, z. B. wegen Schim- melbildung. Im Gespräch zur Schadensmeldung kann auf richtiges Nutzerverhalten, z. B. richtig Heizen und Lüften, hingewiesen werden. Gerade im Zusammenhang mit Scha- densmeldungen kann es sinnvoll sein, dem Mieter die Kosten für die Schadensbehebung den Kosten einer energetischen Sanierung gegenüberzustellen. Es könnte nach Einschätzung der Teilnehmer auch sinnvoll sein, den Mietern regelmäßige Rückmeldungen zum Energieverbrauch zu geben, um das Energiethema mehr ins Be- wusstsein zu bringen. Dabei ist die besondere Situation von Transferleistungsempfängern zu berücksichtigen. Der SBV hat bereits in einzelnen Objekten Infoveranstaltungen zum Thema Nutzerverhalten durchgeführt, dabei wurden Teilnahmequoten von 60-70 % erzielt. Zum Mieterbund besteht bereits vereinzelt Kontakt, intern konnte ein gegenseitiges Ver- ständnis erreicht werden. In der Außenkommunikation werden einige Themen jedoch überspitzt dargestellt, was eine intensivere Zusammenarbeit bisher schwierig gemacht hat. 9.1.5.4 Einbeziehung der privaten Investoren Es wurde darauf hingewiesen, dass auch die privaten Investoren berücksichtigt werden müssen, für die kein besonderer Anreiz bestehe, Sanierungsmaßnahmen durchzuführen. Ergänzend zu dieser angesprochenen Notwendigkeit soll hier auf die KfW- Wohngebäudesanierer-Befragung bei 20.000 privaten Haushalten und 1.000 Unternehmen verwiesen werden, die im Zeitraum von 2006 bis März 2009 an einem der KfW- Förderprogramme zur energetischen Gebäudesanierung teilgenommen hatten. Die Rück- laufquote betrug 25 %, die untersuchte Grundgesamtheit umfasste über 5.500 Privathaus- halte, davon knapp 1.000 aus den nördlichen Bundesländern [KfW / IW, 2010, S. 2-3]. Aus dieser Studie geht hervor, welche Motivation die Sanierer zur Umsetzung hatten, wie in Abbildung 60 (S. 164) dargestellt. Diese genannten Motivationen könnten als Ansatzpunk- te für eine Kommunikationsstrategie dienen. 164 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 60: MOTIVATION ZUR ENERGETISCHEN SANIERUNG: SALDO DER POSITIVEN UND NEGATIVEN ANTWORTEN [KFW / IW, 2010, S. 32] Weitere Impulse für eine Einbeziehung der privaten Investoren werden aus dem Workshop zum Thema Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen am 15.04.2011 erwartet. 9.1.5.5 EInbeziehung kommerzieller Vermieter Nach Einschätzung der Teilnehmer werden die kommerziellen Vermieter erst relativ spät Maßnahmen ergreifen, wenn sie durch die guten energetischen Standards der Genossen- schaften in Zugzwang geraten. Eine gemeinsame Kommunikations- und Marketingstrate- gie könnte hierbei hilfreich sein. 9.1.5.6 Grüne Fernwärme Die Anforderungen der KfW für zinsvergünstigte Darlehen führen im Altbau teilweise zu ho- hen Kosten, wenn sie ausschließlich über die Reduktion des Wärmedurchgangs der ver- wendeten Bauteile erreicht werden sollen. Zum Teil müssten noch nicht abgeschriebene, funktionstüchtige Bauteile wie z. B. Fenster ersetzt werden, um den Kriterien zu genügen. Die zusätzliche Senkung des Primärenergiefaktors (PEF) durch den Einsatz von Fernwärme aus erneuerbaren Energien könnte in diesen Fällen geringere CO2-Vermeidungskosten aufweisen. Es wird derzeit im Rahmen einer Diplomarbeit geprüft, ob durch die Nutzung eines Öko-Fernwärmetarifs ein geringerer PEF angerechnet werden darf. Anhang A: Workshop Dokumentationen 165 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Zwecks weiterer Konkretisierung wird voraussichtlich am 16.06.2011 ein Workshop mit der Wohnungswirtschaft und den SWFL stattfinden. 9.1.6 Quellenverzeichnis Abel et al 2010 Abel, Ruth; Oswald, Rainer; Sous, Silke; Liebert, Géraldine / Aachener Institut für Bauschadensforschung und angewandte Bauphysik, 2010. Nachträgliche Wärmedämmung von obersten Geschossdecken. Zweite, aktualisierte Auflage. Clemens 2007 Clemens, J.; Benkert, S.; Braeske, T.; Heidt, F. / Universität Siegen, 1999- 2007. Lernprogramm zum Heizwärme- und Kühlbedarf sowie dem Temperaturverhalten in Gebäuden. Abrufbar von http://nesa1.uni- siegen.de dena 2010 Deutsche Energie-Agentur 2010. dena-Sanierungsstudie. Teil 1: Wirt- schaftlichkeit energetischer Modernisierung im Mietwohnungsbe- stand.Begleitforschung zum dena-Projekt „Niedrigenergiehaus im Be- stand“. Abrufbar unter http://www.dena.de/fileadmin/user_upload/Download/Dokumente/S tudien___Umfragen/dena-Sanierungsstudie_Teil_1_MFH.pdf IBSH 2002 Investitionsbank Schleswig-Holstein 2002. Gebäudetypologie Schles- wig-Holstein. Datenblätter abrufbar unter www.ib- sh.de/fileadmin/ibank/Energieagentur/impulsprogramm/M77f.pdf (z. B. für Gebäudetyp M77 F, analog für die anderen Typen). IfS 2008 Institut für Stadtforschung und Strukturpolitik GmbH, 2008: Zielgruppen- orientierte Wohnungsmarktanalyse für die Stadt Flensburg – Endbericht IWU 2008 Institut Wohnen und Umwelt / Enseling, Andreas; Hinz, Eberhard, 2008: Wirtschaftlichkeit energiesparender Maßnahmen im Bestand vor dem Hintergrund der novellierten EnEV. Abrufbar unter http://www.iwu.de/fileadmin/user_upload/dateien/energie/werkzeug e/Wirtschaftlichkeit_EnEV_Bestand.pdf IWU 2010 Institut Wohnen und Umwelt, 2010: Untersuchung zur weiteren Ver- schärfung der energetischen Anforderungen an Wohngebäude mit der EnEV 2012. Teil 1 - Kosten energierelevanter Bau- und Anlagenteile in der energetischen Modernisierung von Altbauten. 3. Zwischenbe- richt (Stand 2010). Abrufbar unter http://www.iwu.de/fileadmin/user_upload/dateien/energie/sonstiges/ 09_12_17_vorl%C3%A4ufiger_Bericht_IWU_-_Teil_1_Altbau.pdf KfW / IW 2010 Kreditanstalt für Wiederaufbau / Institut der deutschen Wirtschaft Köln, 2010. Wohngebäudesanierer-Befragung 2010. Hintergründe und Moti- http://nesa1.uni-siegen.de/ http://nesa1.uni-siegen.de/ http://www.dena.de/fileadmin/user_upload/Download/Dokumente/Studien___Umfragen/dena-Sanierungsstudie_Teil_1_MFH.pdf http://www.dena.de/fileadmin/user_upload/Download/Dokumente/Studien___Umfragen/dena-Sanierungsstudie_Teil_1_MFH.pdf http://www.ib-sh.de/fileadmin/ibank/Energieagentur/impulsprogramm/M77f.pdf http://www.ib-sh.de/fileadmin/ibank/Energieagentur/impulsprogramm/M77f.pdf http://www.iwu.de/fileadmin/user_upload/dateien/energie/werkzeuge/Wirtschaftlichkeit_EnEV_Bestand.pdf http://www.iwu.de/fileadmin/user_upload/dateien/energie/werkzeuge/Wirtschaftlichkeit_EnEV_Bestand.pdf http://www.iwu.de/fileadmin/user_upload/dateien/energie/sonstiges/09_12_17_vorl%C3%A4ufiger_Bericht_IWU_-_Teil_1_Altbau.pdf http://www.iwu.de/fileadmin/user_upload/dateien/energie/sonstiges/09_12_17_vorl%C3%A4ufiger_Bericht_IWU_-_Teil_1_Altbau.pdf 166 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ve zur energetischen Sanierung des Wohnungsbestands. Abrufbar un- ter http://www.kfw.de/kfw/de/I/II/Download_Center/Fachthemen/Resea rch/PDF- Dokumente_Sonderpublikationen/KfW_IW_Wohngebaeudesanierer- Befragung_Internet.pdf Prognos 2009 Prognos AG und Öko-Institut, 2009. Modell Deutschland - Klimaschutz bis 2050: Vom Ziel her denken. Recknagel et al. 2008 Recknagel, Hermann; Sprenger, Eberhard; Schramek, Ernst-Rudolf, 2008: Taschenbuch für Heizung + Klimatechnik 07/08 http://www.kfw.de/kfw/de/I/II/Download_Center/Fachthemen/Research/PDF-Dokumente_Sonderpublikationen/KfW_IW_Wohngebaeudesanierer-Befragung_Internet.pdf http://www.kfw.de/kfw/de/I/II/Download_Center/Fachthemen/Research/PDF-Dokumente_Sonderpublikationen/KfW_IW_Wohngebaeudesanierer-Befragung_Internet.pdf http://www.kfw.de/kfw/de/I/II/Download_Center/Fachthemen/Research/PDF-Dokumente_Sonderpublikationen/KfW_IW_Wohngebaeudesanierer-Befragung_Internet.pdf http://www.kfw.de/kfw/de/I/II/Download_Center/Fachthemen/Research/PDF-Dokumente_Sonderpublikationen/KfW_IW_Wohngebaeudesanierer-Befragung_Internet.pdf Anhang A: Workshop Dokumentationen 167 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.2 Energieversorgung Flensburg, 03.03.2011 Teilnehmer: Matthias Wolfskeil (SWFL) Joachim Polzin (SWFL) Mathias Kalvelage (SWFL) Kristina Marschall (SWFL) Dirk Roschek (SWFL) Klaus Schrader (SWFL) Norbert Jensen (SWFL) Tom Trittin (SWFL) Karsten Müller-Janßen (SWFL) Prof. Olav Hohmeyer (Uni) Prof. Marianne Resch (Uni) Jens Brammann (Uni) Martin Beer (Uni) Helge Maas (Uni) Emöke Kovac (Uni) 9.2.1 Ausgangslage und Ziele Die lokale Energieversorgung mit Fernwärme und Strom durch die Stadtwerke Flensburg (SWFL) verursacht in Flensburg rund drei Viertel der gesamten CO2-Emissionen. Die Ener- giebereitstellung durch die SWFL übt somit einen großen Einfluss auf die Möglichkeiten zur Reduzierung der CO2-Emissionen aus. Weiterhin stellen steigende Energiepreise und rück- läufiger Fernwärmebedarf Herausforderungen dar. Ziele des Workshops sind der Austausch des aktuellen Kenntnisstandes und die Erarbeitung von Möglichkeiten und Strategien zur Erreichung einer CO2-neutralen Energieversorgung der Stadt Flensburg durch die SWFL, wobei die Bereitstellung von Fernwärme in Vorder- grund stand. 9.2.2 Maßnahmen zur CO2-neutralen Energieversorgung Folgende potentielle Brennstoffe wurden hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile diskutiert: Ersatzbrennstoffe (EBS) Feste Biomasse (z. B. Holzhackschnitzel) Biogas, Biomethan mit einem übergangsweisen Einsatz von Erdgas Biokohle Folgende Tabelle fasst die Ergebnisse zusammen. 168 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg VOR- UND NACHTEILE POTENTIELLER BRENNSTOFFE Pro Contra EBS Zwischenlösung Derzeit ungenutzter Wertstoff – was wäre die Alternative, Inertisierung ist gesetzlich vorge- schrieben Biogener Anteil steigerbar – stärkere Separie- rung notwendig Derzeit zu vernünftigen Preisen verfügbar (v.a. Altholz) Altholz regional verfügbar Vorhandene Infrastruktur nutzbar Flexibilität bei den Ausgangsstoffen – Stellver- treterpfad, inhomogene Festbrennstoffe, EBS kann in Zukunft auch ganz anders aussehen Regionale Verfügbarkeit begrenzt – Menge EBS+Altholz: 50.000 t/a Politisch negativ besetzt bei der Kund- schaft (Müllverbrennung) – Kommunikation nötig CO2-Ausstoß schwankend – derzeit 55 % biogener Anteil – Anrechenbarkeit in Zu- kunft fraglich Holz Komparativer Standortvorteil Hafen Komparativer Vorteil Kraftwerksgröße Als Stammholz lagerbar Ressource größer als bei den anderen Brenn- stoffen Reduzierung der Aschmengen Niedrigere Reingasemissionen (Chlor, Schwe- fe etc.) Saisonale Deckungsgleichheit von Lastspitze und regionaler Verfügbarkeit von Knickholz Logistik – 7 bis 12 faches Volumen – langfris- tig schwierig, Lagerplatz Begrenzte Lagerfähigkeit der Schwach- holzfraktion (die günstiger ist) – Rotte setzt ein – Geruchsbelästigung aus Lagerung Flächenverbrauch: Nachhaltigkeit muss sichergestellt werden Akzeptanz bei der Bevölkerung Ressource nicht ganzjährig regional ver- fügbar Biomethan Logistik Netz als Speicher, externe Gasspeicher Vielfältigkeit der Verfahrenstechnik Vielfältigkeit der Einsatzstoffe Regelfähigkeit – Nachfahren der Lastspitzen Sinkende Akzeptanz von Biogasanlagen (bis 2050 lösbar? Abhängig von der Men- ge) Höherer Preis, auch wegen der besseren Regelfähigkeit – bis 2050 immer noch ge- geben? Biokohle Vorhandene Infrastruktur nutzen, Einsatz wie Kohle Höhere Energiedichte, Kompaktierung → bessere Lagerfähigkeit, Logistikvorteile Flexible Einsatzstoffe, z. B. auch Stroh (Chlor, NaCl etc. auswaschbar) → Verbesserung des Brennstoffes 25 % Energieverlust für Verarbeitung Geringer Preis nur bei Abfall-/Reststoffen gegeben – Frage: EEG-tauglich? Z. T. Konkurrenz zu Biomethan, gleiche Aus- gangsstoffe, muss sich herausstellen, wel- che Technik günstiger sein wird. Die Betrachtung der Vor- und Nachteile potentieller Brennstoffe führt zu dem Ergebnis, dass kein Brennstoff generell auszuschließen ist. Ein breites Brennstoffportfolio bietet Flexibili- tät und Risikoverteilung. Die Brennstoffe sollten entsprechend ihrer jeweiligen Stärken ge- nutzt werden. Vereinfachende Betrachtung: Grundlast mit Festbrennstoffen, Spitzenlast Anhang A: Workshop Dokumentationen 169 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG und Backup mit gasförmigen Brennstoffen. Bei allen Brennstoffen stellt die Akzeptanz in- nerhalb der Öffentlichkeit ein zentrales Problem dar. Die Altersstruktur der Erzeugungskapazitäten der SWFL erfordert den Ersatz von Anlagen. Die bisherige Planung der SWFL sieht folgendes vor: 1. 2015/2016: Ersatz Kohlestaubfeuerungen (Kessel 7+8) durch Kessel 12 2. 2022-2028 Ersatz Wirbelschichtkessel (Kessel 9 bis 11) 3. ab 2050: Erneuter Ersatz von Anlagen aus Punkt 1 (Kessel 12) Ferner wird die Mitverbrennung von Biokohle in den vorhandenen Wirbelschichtkesseln (ggf. ab 2016) angestrebt. Zudem erscheint bis zum Ersatz der alten Wirbelschichtkessel ein Einsatz von maximal 16 % (bezogen auf FWL der Kessel) EBS als wahrscheinlich, was sowohl technologisch als auch durch die regionale Brennstoffverfügbarkeit begründet ist. Techno- logisch bedingt, ist der Einsatz von Holz innerhalb der Wirbelschichtkessel derzeit auf rund 30 % der FWL begrenzt. Bezüglich des Kesselersatzes 2015 ist die Errichtung von erdgasbe- triebenen Anlagen sehr wahrscheinlich. Die Substitution vom Kohleeinsatz in Kessel 7+8 durch einen gasförmigen Brennstoff wurde für die weitere Entwicklung innerhalb des Work- shops angenommen. Anhand der bisherigen Planungen zum Ersatz von Erzeugungskapazitäten und den poten- tiellen Brennstoffen wurde ein möglicher Brennstoffmix erarbeitet. Dabei stand die Zielein- haltung des Klimapaktes (CO2-Emissionsminderung um 30 % bis 2020 im Vergleich zum Jahr 1990 und CO2-Neutralität bis 2050) im Vordergrund. Weiterhin wurden die in folgender Ta- belle dargestellten Ausgangsdaten verwendet. HEIZWERTE UND DIREKTE EMISSIONSFAKTOREN Brennstoff Heizwert [Hi] Fest: [MWh/t] Gas: [kWh/m³] Direkter Emissionsfak- tor [gCO2/kWh] Steinkohle 6,90 338,19 EBS 3,98 195,00 HHS 2,80 0,00 Erdgas 10,00 201,60 Die Emissionsfaktoren beziehen sich auf die direkten CO2-Emissionen des jeweiligen Brenn- stoffeinsatzes. Für den Ersatz der Kessel 7+8 im Jahr 2015 wurde eine Wirkungsgradsteige- rung von 3,5 % und für weitere Optimierungen der Kessel 9 bis 11 bis zum Jahre 2020 eine Wirkungsgradverbesserung von 1 % angenommen. Bei der zweiten Substituierung im Jahre 2025 wurde für die Kessel 9 bis 11 eine Wirkungsgradsteigerung von insgesamt 3 % im Ver- gleich zum Jahr 2010 angenommen. Die Wirkungsgradverbesserungen basieren auf Ab- 170 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg schätzungen der SWFL. Im Zeitraum von 2010 bis 2050 wurde von einem Absatzrückgang der Fernwärmeversorgung von 1 % pro Jahr ausgegangen (vgl. Abschnitt 9.2.3, S. 171). Abbildung 61 stellt die im Workshop erarbeitete Reduzierung der CO2-Emissionen durch die zuvor beschriebenen Rahmenbedingungen und die Veränderung der Energieträger dar. ABBILDUNG 61: ABSOLUTE CO2-EMISSIONEN DES HEIZKRAFTWERKES AUS DER GESAMTEN STROM-UND FERNWÄRMEBEREISTELLUNG DER SWFL Im Zeitraum 2021 bis 2024 wurde der Anteil der Kessel 7+8 an der Gesamtversorgung von zuvor 16 % auf 30 % angehoben, was zu einem erhöhten Erdgaseinsatz führt. Der Ersatz der Kessel 9 bis 11 im Zeitraum von 2020 bis 2028 wurde vereinfachend im Jahr 2025 darge- stellt. Ferner wurde angenommen, dass Festbrennstofffeuerungen errichtet werden, die für den Einsatz regenerativer Festbrennstoffe optimiert sind. Aufgrund des Preisvorteils von Festbrennstoffen wurde nach dem Kesselersatz 2025 der Gesamtversorgungsanteil von Kessel 7+8 auf 20 % reduziert. Der Einsatz von Biomethan und biogenen Festbrennstoffen wurde ab dem Jahr 2030 bis zum ausschließlichen Einsatz CO2-neutraler Brennstoffe im Jahre 2050 stetig erhöht. Die Abbildungen 62 und 63 stellen den resultierenden Brennstoffeinsatz für die jeweiligen Kes- sel dar. -400 100 600 1.100 1.600 2.100 0 100.000 200.000 300.000 400.000 500.000 600.000 700.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 GWh/at CO2/a Kessel 7 Kessel 8 Kessel 12 Kessel9 Kessel10 Kessel 11 Kessel 13 Kessel 14 Kessel 15 Ziel-Emissionen Gesamtinput HKW Anhang A: Workshop Dokumentationen 171 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ABBILDUNG 62: BRENNSTOFFMIX FÜR KESSEL 7+8 BIS ZUM JAHR 2050 ABBILDUNG 63: BRENNSTOFFMIX FÜR KESSEL 9 - 11 BIS ZUM JAHR 2050 Der dargestellte Brennstoffmix verdeutlicht, dass ab 2030 der Einsatz fester Biomasse und Biomethan zunimmt und ab 2040 den überwiegenden Teil darstellt. Besonders in Bezug auf den Einsatz fester Biomasse sind Lösungen zu logistischen Herausforderungen zu entwi- ckeln. 9.2.3 Anpassung der Netze an die künftige Fernwärmeentwicklung Erste Abschätzungen der Universität Flensburg führen zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahre 2050 ein Rückgang des Fernwärmebedarfs von 25 bis 35 % (bezogen auf 2010) zu erwarten ist. Der Rückgang des Fernwärmebedarfs wird im Wesentlichen innerhalb des Haus- haltssektors stattfinden, wo steigende Dämmungsstandards und Verkürzung der Sanie- rungszyklen den Wärmebedarf deutlich reduzieren. Abbildung 64 (S. 172) stellt den zeitli- chen Verlauf dar. 0% 20% 40% 60% 80% 100% 2014 2020 2024 2030 2040 2050 Brennstoffmix für "Kessel 7+8" Steinkohle EBS Holz Erdgas Biomethan 0% 20% 40% 60% 80% 100% 2014 2020 2024 2030 2040 2050 Brennstoffmix für "Kessel 9-11" Steinkohle EBS Holz Erdgas Biomethan 172 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 64: ERSTE ABSCHÄTZUNG DES FERNWÄRMEBEDARFS IN FLENSBURG BIS ZUM JAHRE 2050 Untersuchungen der SWFL führten zu Ergebnissen ähnlicher Größenordnung (Pestel-Studie). Die SWFL schätzen einen Absatzrückgang von 1 % pro Jahr als realistisch ein. Herausforderung bei der Fernwärmeversorgung: Neben dem zu erwartenden Rückgang des Fernwärmebedarfs stellen die geringe und abnehmende Leistungsdichte und die dadurch zunehmenden spezifischen Energiepreise Herausforderungen dar. Aus diesem Zusammenhang könnte insbesondere die künftige Versorgung von Flensburger Randgebieten an eine wirtschaftliche Grenze stoßen. Ferner steht die Fernwärme bei der Erschließung neuer Absatzgebiete in Konkurrenz zu Wärmepumpen und Kaminfeuerung. Die SWFL streben die Aufrechterhaltung der Fern- wärmeversorgung aller bereits erschlossenen Gebiete an. Schätzungsweise ist die Erschlie- ßung von Neubaugebieten ab 2020 nicht mehr wirtschaftlich realisierbar. Die SWFL ent- scheiden einzelfallspezifisch über den Ausbau des Fernwärmenetzes. Beispielsweise beein- flusst die Baustruktur (Mehr- oder Einfamilienhäuser) die Ausbauentscheidung. Die Bau- struktur kann durch die Stadtplanung beeinflusst werden. Weiterhin ist eine Neudefinition planungspolitischer Vorgaben wünschenswert. Beispielsweise könnte der Einsatz von Wär- mepumpen mit der Vorgabe verbunden sein, regenerativ erzeugten Strom zu nutzen, um auch hier das Kriterium der CO2-Neutralität zu erfüllen. Das Potential zur Senkung von Fixkosten des Fernwärmenetzes ist begrenzt. Nutzung höhe- rer Dämmklassen und neuer Verlegungstechniken können Kostensenkungen von ca. 5 % erzielen. 0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 300.000 350.000 400.000 450.000 500.000 550.000 600.000 650.000 700.000 750.000 800.000 850.000 900.000 1 9 9 0 1 9 9 2 1 9 9 4 1 9 9 6 1 9 9 8 2 0 0 0 2 0 0 2 2 0 0 4 2 0 0 6 2 0 0 8 2 0 1 0 2 0 1 2 2 0 1 4 2 0 1 6 2 0 1 8 2 0 2 0 2 0 2 2 2 0 2 4 2 0 2 6 2 0 2 8 2 0 3 0 2 0 3 2 2 0 3 4 2 0 3 6 2 0 3 8 2 0 4 0 2 0 4 2 2 0 4 4 2 0 4 6 2 0 4 8 2 0 5 0 MWh/a Summe Fernwärme Fl Haushalte GHD Industrie Anhang A: Workshop Dokumentationen 173 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Bessere Anlagenkonfiguration auf Kundenseite bietet hohes Optimierungspotential. Durch hydraulischen Abgleich und Differenzdruckregelung könnten Kunden und SWFL profitieren. Kundenseitig erfolgt eine effizientere Ausnutzung der bereitgestellten Wärmeenergie und seitens der SWFL ist ein effizienterer Betrieb des Fernwärmenetzes möglich (bspw. Senkung der Rücklauftemperatur). Diese Optimierungen betreffen die Übergabestationen, die i. d. R. Eigentum der Kunden sind und somit von diesen zu realisieren und zu finanzieren wären. Die strategische Umsetzung dieser Maßnahmen ist demnach nicht ohne kunden- seitige Anreize möglich. Diese Anreize könnten durch Anpassung der Tarifstruktur und Ko- operationen mit der Handwerkskammer geschaffen werden. Tarifstruktur: Die vorhandene Tarifstruktur entspricht nicht der tatsächlichen Kostenstruktur und muss der Realität angepasst werden. Die Kostenstruktur der Fernwärmeversorgung setzt sich aus 70 % Fixkosten und 30 % variablen Kosten zusammen. Erlösseitig stellt sich die Situation zu gleichen Anteilen jedoch entgegengesetzt dar. Die bisherige Tarifgestaltung sieht einen in Abhängigkeit der Anschlussleistung zu zahlenden Leistungspreis und einen verbrauchsgebundenen Arbeitspreis vor. Entgegen der bisherigen Struktur von Leistungs- und Arbeitspreis erachten die SWFL einen Volumenpreis als bessere Abrechnungsvariante. Eine Abrechnung nach Volumenpreis beinhaltet die Bereitstellung und Vergütung einer für den jeweiligen Kunden optimalen Wärmeenergiemenge. Dies schafft mehr Transparenz und Anreize das Optimierungspotential aus hydraulischem Abgleich und Differenzdruck- regelung auszuschöpfen. 9.2.4 Einordnung der SWFL in das Gesamtkonzept Monitoring, Controlling und Bilanzierung: Ein Datenaustausch (CO2-Emissionen, Brennstoffeinsatz, Heizwerte, Fernwärme und Strom- absatz etc.) zwecks Monitoring und Controlling wird seitens der SWFL jährlich erfolgen. Die SWFL benennen einen Ansprechpartner. Die Bilanzierung der CO2-Emissionen erfolgt im Rahmen des Klimapaktes regional und beschränkt sich auf den Bereich Flensburg. Sowohl Aktivitäten der SWFL im Bereich regenerativer als auch konventioneller Energien, die au- ßerhalb des Flensburger Versorgungsgebietes stattfinden, werden nicht in die Bilanz einbe- zogen. Kooperationen mit Industrieunternehmen in Flensburg: Es besteht prinzipielles Interesse von Unternehmen, Einspeisungen in das Fernwärmenetz der SWFL anzubieten. Langfristig besteht seitens der SWFL Gesprächsbereitschaft. Gleich- wohl müssen Kostenersparnis und Nutzen der Einspeisung seitens der SWFL vorhanden sein, so dass die Wärmeeinspeisung in das Fernwärmenetz auch die Senkung der Gesamtemis- sionen zur Folge hat. Eine Einspeisung muss für die SWFL zumindest kostenneutral sein. Fer- ner muss die Versorgungssicherheit gewährleistet bleiben. Zudem ist die Dampferzeugung aus Fernwärmeversorgung oder die Nutzung von Ab- dampfmengen zur Wärmeversorgung bzw. Dampferzeugung denkbar. Die SWFL stellen 174 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg einen Ansprechpartner für derartige Konzepte zur Verfügung. Die SWFL haben ihrerseits bereits Contracting-Modelle entwickelt. Die Nutzung anfallender Reststoffe (Treber, Zellstoff) zur energetischen Nutzung ist momen- tan problematisch, da vertragliche Bindungen seitens der Anbieter bestehen und Anlagen zur Nutzung fehlen. Langfristig sind Nutzungen nicht auszuschließen. Zur weiteren Konkretisierung werden die SWFL am zweiten Workshop mit den Flensburger Industrieunternehmen teilnehmen. Grüne Fernwärme: Seitens der Wohnungswirtschaft besteht das Interesse, regenerativ erzeugte Fernwärme zu nutzen. Dies bietet die Möglichkeit, eine kostenoptimale Lösung hinsichtlich der Däm- mungsmaßnahmen innerhalb der Wohnungswirtschaft und der Fernwärmeversorgung sei- tens der SWFL zu erreichen. Diesbezüglich sind rechtliche Unklarheiten, die Kosten und die Bilanzierung regenerativer Fernwärme zu klären. Zwecks weiterer Konkretisierung wird vo- raussichtlich am 16.06.2011 ein Workshop mit der Wohnungswirtschaft und den SWFL statt- finden. Zur Kosten- bzw. Preisermittlung für regenerative Fernwärme werden konkretere Informationen zur Fernwärmekosten- und Erlösstruktur benötigt. Falls keine tiefer gehenden Angaben erfolgen können, wird von den im Rahmen des Workshops genannten Verhält- nissen (70 % zu 30 %) ausgegangen. 9.2.5 Nachtrag zum Workshop Energieversorgung Zum Zeitpunkt des ersten Workshops zur Energieversorgung stand bei den Stadtwerken Flensburg die Entscheidung noch aus, ob die alten Kessel 7 und 8 durch eine GuD-Anlage oder ein Motorenheizkraftwerk im Jahr 2015 ersetzt werden sollten. Im weiteren Verlauf der Konzepterstellung entschieden sich die SWFL für eine GuD-Anlage. Aufgrund des neuen Planungsstandes erfolgte eine Überarbeitung der Workshop-Ergebnisse. Neben der An- schaffung einer GuD-Anlage im Jahr 2015 wurde in dem neuen Szenario zusätzlich unter- sucht, ob mit einer stärkeren Fokussierung auf gasförmige Brennstoffe ebenfalls die CO2- Minderungsziele erreicht werden können. Abweichend von den oben erläuterten Rahmendaten des Workshops (vgl. Abschnitt 9.2.2, S. 167) sind neben dem stärkerem Einsatz von gasförmigen Brennstoffen genauere Wir- kungsgradangaben und breiter gestaffelte Anlagensubstitutionen in die Überarbeitung eingeflossen. Dabei wurden folgende Zeitpunkte und Anlagendaten angenommen: 1. 2015: Kessel 7+8 durch GuD-Anlage (180 MW, thermischer und elektrischer Wir- kungsgrad jeweils 45%) 2. 2020: Kessel 9 durch Gasfeuerungsanlage (100 MW, Wirkungsgrade wie bei GuD- Anlage 2015) 3. 2024: Kessel 10 durch Gasfeuerungsanlage (100 MW, Wirkungsgrade wie bei GuD- Anlage 2015) Anhang A: Workshop Dokumentationen 175 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 4. 2028: Kessel 11 durch Festbrennstoffanlage (100 MW, Wirkungsgradsteigerung 3 %) Im neuen Szenario wird bis zum Jahre 2023 in den Gaskesseln ausschließlich Erdgas einge- setzt, da bereits aus der Substitution von Steinkohle durch Erdgas erhebliche CO2- Einsparungen folgen. Danach wird der Anteil CO2-neutraler Gase kontinuierlich erhöht bis 2050 ausschließlich regenerative Brenngase eingesetzt werden. Der eingesetzte Anteil fes- ter Biomasse in den Festbrennstoffanlagen erhöht sich gleichfalls, bis im Jahre 2050 aus- schließlich regenerative Festbrennstoffe eingesetzt werden. Die aus dem Szenario resultie- renden CO2-Emissionen sind in folgender Abbildung dargestellt. Es handelt sich dabei um die absoluten CO2-Emissionen, die aus der gesamten Fernwärme- und Strombereitstellung der SWFL folgen, d.h. sie beinhalten neben den innerhalb des Stadtgebietes Flensburg zu bilanzierenden CO2-Emissionen auch die der umliegenden Gebiete. ABBILDUNG 65: ABSOLUTE CO2-EMISSIONEN DES HEIZKRAFTWERKES AUS DER GESAMTEN STROM-UND FERNWÄRMEBEREISTELLUNG DER SWFL Die absoluten CO2-Emissionen bilden die Grundlage für die Ermittlung der spezifischen CO2-Emissionen, die nach finnischer Methode jeweils für Fernwärme- und Stromproduktion bestimmt werden. Die für die Stadt Flensburg zu bilanzierenden CO2-Emissionen resultieren somit aus den spezifischen Emissionsfaktoren (thermisch und elektrisch) und dem Fern- wärme- und Stromverbrauch innerhalb Flensburgs. Der stufenförmige Anstieg des Ge- samtinputs ist durch Wirkungsgradveränderungen und dem verstärktem Einsatz von gas- förmigen Brennstoffen begründet. Zum einen steigt der elektrische Wirkungsgrad durch die Errichtung einer GuD-Anlage und dem weiteren Ausbau von Gastechnologien. Zum Ande- 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 0 100.000 200.000 300.000 400.000 500.000 600.000 700.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 GWh/at CO2/a Kessel 7 Kessel 8 Kessel 12 Kessel 9 Kessel 13 Kessel10 Kessel 14 Kessel 11 Kessel 15 Ziel-Emissionen Flensburg Gesamtinput HKW 176 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ren sinkt im gleichen Falle der thermische Wirkungsgrad des Kraftwerkes. Dadurch ist zur Fernwärmebereistellung eine Erhöhung des Brennstoffinputs notwendig. Im Vergleich zur Abbildung 61 (siehe S. 170) folgen nach dem neuen Modell insgesamt höhere absolute CO2-Emissionen, die allerdings aus der erhöhten Stromproduktion resultie- ren und nicht für das Klimaschutzkonzept bzw. innerhalb Flensburgs zu bilanzieren sind. Der Großteil der Stromproduktion wird bundesweit genutzt. Spezifisch betrachtet resultieren geringere CO2-Emissionen, was im Wesentlichen auf die Wirkungsgradverbesserungen und den geringeren Brennstoffemissionsfaktoren der gasförmigen Brennstoffe zurückzuführen ist. Abbildung 66 vergleicht die spezifischen CO2-Emissionen (brennstoffbezogen) der bei- den Szenarien. ABBILDUNG 66: SPEZIFISCHE CO2-EMISSIONEN (BRENNSTOFFINPUT) AUS DER GESAMTEN STROM- UND FERNWÄRMEBEREISTELLUNG DER SWFL Die Klimaschutzziele werden in beiden Szenarien erreicht. Das zweite Szenario mit dem Fokus auf gasförmige Brennstoffe erlaubt eine schnellere Senkung der Emissionen. Des Weiteren führt die neue Variante zu weiteren positiven Effekten aufgrund des besseren elektrischen Wirkungsgrades von GuD-Anlagen. Über den Flensburger Bedarf hinaus er- zeugter klimafreundlicher Strom kann zu CO2-Einsparungen außerhalb Flensburgs führen. Im Rahmen dieses Gutachtes wird der in dem ersten Workshop mit den Stadtwerken Flensburg erarbeitete Energieträgermix angesetzt. Über das zu schaffende Monitoring und Controlling muss in Abhängigkeit von der künftigen Energiepreisentwicklung der jeweilige Pfad festgelegt werden. 0 50 100 150 200 250 300 350 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 [t CO2/MWh Brennstoff] Spezifische Emissionen nach Workshop Spezifische Emissionen bei Ausbau Gastechnologien Anhang A: Workshop Dokumentationen 177 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.3 Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) Flensburg, 18.03.2011 Hinweis: Diese Dokumentation wurde nach Erscheinen der Flensburger Mobilitätsumfrage angepasst, die entsprechenden Änderungen sind kursiv gedruckt. Teilnehmer: Dr. Ekkehard Krüger (Seniorenbeirat) Paul Hemkentokrax (Aktivbus) Uwe Möser (AFAG) Thorsten Hinrichs (Autokraft) Joachim Kaulbars (Stadt Flensburg) Gunther Vandeck (Stadt Flensburg) Alexandra Schütte (Stadt Flensburg) Stephan Luft (Planungsbüro Urbanus) Prof. Olav Hohmeyer (Uni Flensburg) Hannah Köster (Uni Flensburg) Helge Maas (Uni Flensburg) Emöke Kovac (Uni Flensburg) 9.3.1 Ausgangslage und Ziele des Workshops Der hier dokumentierte Workshop ist der dritte in der 15teiligen Reihe von Themen- workshops zur Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzepts für Flensburg im Auftrag der Stadt Flensburg und des Klimapakt Flensburg e.V. Die Reihe umfasst sowohl die Ver- brauchssektoren Industrie, Haushalte, Verkehr und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) als auch den Versorgungssektor. Anstelle von Alleingängen in den einzelnen Sektoren soll das integrierte Konzept dazu bei- tragen, die Anstrengungen in allen Sektoren zu koordinieren und die Kosten zur Vermei- dung des CO2-Ausstoßes insgesamt zu minimieren. Am Ende der Konzepterstellung wird ein Portfolio aus den kostengünstigsten Maßnahmen aus allen Sektoren stehen. Die Maßnah- men können, wie in Abbildung 67 veranschaulicht, nach ihrer Wirkweise eingeteilt werden. ABBILDUNG 67: EINTEILUNG DER KLIMASCHUTZMAßNAHMEN NACH IHRER WIRKWEISE Beruhend auf Berechnungen auf Grundlage von Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes ist der gesamte Verkehrssektor für 32 % des Endenergieverbrauchs und 21 % der CO2-Emissionen 178 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg in Flensburg verantwortlich. Genauere Angaben zur Berechnung finden sich in [Hohmeyer et al. 2010, S. 50 ff.]. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) emittiert insgesamt 71 % dieser Emissionen. Solange die Mobilitätsumfrage für Flensburg noch nicht vorliegt, wird ange- nommen, dass in Anlehnung an die Fahrleistungsaufteilung nach [ifeu, 2010, S. 28] ca. ein Drittel dieser Emissionen durch den Innerorts-Verkehr verursacht werden. Grundlage für die Betrachtungen in diesem Workshop bilden diese innerstädtischen Emis- sionen, da der ÖPNV in der Lage ist, einen Teil dieser Emissionen durch Verlagerung von Fahrten vom MIV auf den ÖPNV zu vermeiden. Hinsichtlich der Emissionsvermeidung unterscheidet sich Verkehrssektor deutlich von ande- ren Sektoren, in welchen technische Lösungen im Vordergrund stehen. Neben techni- schen Weiterentwicklungen sind bei Überlegungen zum Verkehrssektor auch die Stadtpla- nung sowie die Verhaltensänderung der Verkehrsteilnehmer mit einzubeziehen, da die Verkehrsmittelwahl von Einzelentscheidungen abhängig ist. Dabei spielt neben tatsächli- cher Wahlfreiheit, objektiven Eigenschaften der Verkehrsmittel sowie ökonomischen Über- legungen insbesondere die Routinisierung des Verkehrsverhaltens eine übergeordnete Rolle [vgl. Canzler et al. 2000, S. 8]. Ein Teilnehmer berichtete von einer aktuellen Umfrage, nach der die wichtigsten objekti- ven Eigenschaften der Verkehrsmittel in den folgenden Punkten bestehen: Full Service (ÖPNV als Mobilitätsdienstleister) Flexibilität (Ergänzungen und Schnittstellen zum ÖPNV) Fahrzeit (Beschleunigung des ÖPNV) Diese Kriterien lassen sich auch in der Untergliederung der Maßnahmen nach Abschnitt 9.3.2 wiederfinden. Ziele des Workshops waren die Identifikation vielversprechender Maßnahmen sowie die gemeinsame Entwicklung von Strategien bis ins Jahr 2050. Dabei sollten die einzelnen Maßnahmen hinsichtlich ihres Emissionsvermeidungspotentials eingeordnet werden, um eine Bewertung und Entscheidung über die Durchführung zu ermöglichen. 9.3.2 Maßnahmen Die im Workshop diskutierten Maßnahmen gliedern sich in folgende drei Blöcke: I. Angebotsverbesserung II. Alternative Antriebe III. Ergänzungen und Schnittstellen zum ÖPNV Anhang A: Workshop Dokumentationen 179 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Desweiteren wurde das betriebliche Mobilitätsmanagement kurz angesprochen und Ideen für das ÖPNV-Marketing erörtert. 9.3.2.1 Angebotsverbesserung TAKTUNG UND LINIENFÜHRUNG Aktuell werden die Linien des Flensburger ÖPNV im 20-Minuten-Talt bedient. In weiten Tei- len der Innenstadt fahren je zwei Linien auf derselben Strecke, wodurch ein für Flensburg ausreichender 10-minütiger Takt entsteht. Eine weitere Verdichtung des Taktes in der In- nenstadt wird deshalb nicht angestrebt. Die AktivBus GmbH prüft jedoch eine weitere Verdichtung des Taktes im von ihr bedienten Außenbereich. Grundsätzlich sollen die Er- gebnisse der Mobilitätsumfrage abgewartet werden, um die Notwendigkeit der Änderung von Taktung und Linienführung zu analysieren. Die im Juni 2011 erschienene Mobilitätsumfrage zeigt, dass zwischen den Stadttei- len erhebliche Verkehrsbeziehungen bestehen. Handlungsempfehlungen zu Tak- tung und Linienführung sind nicht direkt ableitbar; diese sollten sich aber aus dem Regionalen Nahverkehrsplan ergeben, der Ende 2011 veröffentlicht werden soll. Die Umsetzung des sog. Offensivszenarios im RNVP und die damit verbundene Ver- dopplung des ÖPNV-Anteils an den Wegen (innerorts) wurde als Platzhalter für die umzusetzenden Maßnahmen in diesen Bereichen in das integrierte Klimaschutzkon- zept aufgenommen. TARIFE Die Tarifstruktur des ÖPNV Flensburg ist bewusst einfach gehalten, um Hemmnisse für Erst- oder Gelegenheitsnutzer abzubauen. Ein Kurzstrecken-Tarif ist politisch nicht gewünscht; ein (umlagefinanzierter) Null-Tarif gilt unter Experten als nicht sinnvoll und nicht gerechtfer- tigt, es sei denn, er geht mit massiven Restriktionen für den MIV einher. Denkbar und zu überprüfen ist für Flensburg jedoch ein Jahresticket im Abo mit Ersparnis gegenüber einzeln gekauften Tummel-Tickets (Monatskarten). Dies würde zusätzlich die Verkaufsspitzen in den Bussen am Anfang des Monats entzerren. Außerdem soll zusammen mit der Einführung eines Car-Sharing-Systems in Flensburg (s. Abschnitt 0) eine Mobilitäts- karte angeboten werden, welche Zugang zu verschieden Modi (Busjahreskarte, Pedelec- Vermietung, Car-Sharing-Mitgliedschaft) bietet. Die Einführung einer solchen Zugangskarte zu einer Kombination aus verschiedenen Angeboten des Umweltverbunds setzt natürlich die Schaffung eines solchen Spektrums voraus. Die kombinierte Betrachtung der verschie- denen Verkehrsmittel des Umweltverbunds und ihrer Schnittstellen wurde von den Teil- nehmern als zentral für den Erfolg von Klimaschutzmaßnahmen im Personenverkehrsbe- reich hervorgehoben. 180 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg DYNAMISCHE FAHRGASTINFORMATIONSSYSTEME (DFI) Um den Fahrgästen bessere Informationsmöglichkeiten zu bieten, können an Haltestellen Anzeigen installiert werden, welche in Echtzeit über Abfahrten, Verspätungen und andere Zwischenfälle informieren. Diese Systeme erfordern in nicht geringem Umfang technische Installationen, von denen Teile bereits heute in den Bussen der Flensburger ÖPNV- Unternehmen vorhanden sind. Die Technik ist ausgereift und am Markt vorhanden. Außer- dem können die Informationen auch als SmartPhone-Anwendung aufbereitet und dem mobilen Nutzer zur Verfügung gestellt werden. In Flensburg sollen DFI-Anzeigen an wichtigen Haltestellen, wie ZOB, Bahnhof, Südermarkt, Twedter Plack, jedoch nicht flächendeckend installiert werden. Für ein flächendeckendes Informationssystem soll den Kunden eine SmartPhone-Anwendung mit integriertem Navi- gationssystem angeboten werden, die den kürzesten Weg zur nächsten Haltestelle weist und die Abfahrt des nächsten Busses anzeigt. Die Umsetzung dieser Maßnahme soll bis 2015 erfolgen und durch Marketingmaßnahmen (s. Abschnitt 9.3.2.4, S.183) flankiert wer- den. BUSBESCHLEUNIGUNG Der Busverkehr kann beschleunigt werden, indem Busse auf eigenen Fahrspuren geführt werden, Busse an Ampeln Vorrang erhalten bzw. Ampeln vom Busfahrer geschaltet wer- den können, und indem Umsteigezeiten minimiert werden. Wenn Busse auf eigenen Spu- ren neben im Stau stehenden Autos vorbeifahren, hat dies zusätzliche psychologische Ef- fekte auf MIV-Nutzer. Aufgrund der engen innerstädtischen Bebauung sind die Kapazitäten für die Einrichtung von Busspuren nach Einschätzung der Teilnehmer bereits ausgeschöpft. Die Beeinflussung der Ampelschaltung bzw. der Vorrang von Bussen an Ampeln ist an vielen Stellen bereits eingerichtet. Diesbezüglich erscheint das Potential dieser Maßnahme, MIV-Nutzer als Neu- kunden für den ÖPNV zu gewinnen, gering. Sobald die Daten aus der Mobilitätsbefragung vorhanden sind, soll jedoch geprüft werden, inwieweit durch veränderte Linienführung die Wege der Kunden verkürzt und somit beschleunigt werden können. Für die Beantwortung dieser Frage müssten bislang noch unveröffentlichte Daten der Umfrage genutzt werden. 9.3.2.2 Alternative Antriebe Der ÖPNV gehört aufgrund des geringen spezifischen Energieverbrauchs zum Umweltver- bund und soll deshalb in der öffentlichen Wahrnehmung Vorbildfunktion auch im Bereich der Antriebstechnik haben. Es stehen jedoch aktuell noch keine Fahrzeuge mit alternati- ven Antrieben zur Verfügung, die für Flensburg mit seinen topographischen Gegebenhei- ten einsetzbar sind. Aus der Bandbreite an technischen Möglichkeiten (Elektrisch/Dieselelektrisch, CNG/Biogas, Ethanol/Pflanzenöl,...) sticht der Dieselhybrid- Antrieb mit Radnabenmotor heraus, welcher in ca. fünf Jahren Marktreife erlangen soll. Anhang A: Workshop Dokumentationen 181 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Vorteile dieses Systems sind der kleine Dieselantrieb (‚downsizing’), der als Generator in optimaler Drehzahl fungiert und deshalb verbrauchsarm ist, sowie die zukünftige Aus- tauschbarkeit des Motors zur Umrüstung auf CO2-neutrale Brennstoffe. Bis zur Marktreife und Verfügbarkeit der Dieselhybridbusse wird von den Teilnehmern eine verlangsamte kontinuierliche Beschaffung von Neufahrzeugen angestrebt, um finanzielle Mittel zurückzuhalten und dann bis 2020 schneller auf die neuen Antriebe umstellen zu können. Als weiterer Schritt hinsichtlich eines CO2-neutralen ÖPNV in Flensburg soll parallel zur Einführung der Hybridbusse ein Oberleitungssystem installiert werden, um die Busse im Innenstadtbereich als O-Busse mit regenerativ erzeugter Elektrizität verkehren zu lassen. Hierfür ist eine Förderung aus Bundes-/Landesmitteln zu prüfen. Außerdem ist diesbezüglich frühzeitig eine Bürgerbeteiligung im hohen Maße anzustreben. 9.3.2.3 Ergänzungen und Schnittstellen zum ÖPNV QUARTIERS-/BÜRGERBUSSE Um die Versorgung von kleinen und engen Stadtteilen (wie z. B. Fruerlund) zu sichern, wel- che nicht vom regulären ÖPNV bedient werden, können Quartiers- bzw. Bürgerbusse sinn- voll sein. Je nach Bürgerengagement müssen jedoch nach Erfahrung der Teilnehmer bis zu 80 % der Kosten von der Kommune gedeckt werden. Mittelfristig ist die Umsetzung dieser Maßnahme daher für Flensburg nicht vorgesehen. Zu überprüfen ist hingegen im Rahmen der Einführung eines Car-Sharing-Systems die Ein- richtung ‚Intermodaler Haltestellen’, wo den ÖPNV-Kunden Car-Sharing-Fahrzeuge oder auch Leih-(Elektro-)Fahrräder zur Verfügung stehen, mit denen sie ihre Fahrt fortsetzen können. Außerdem erscheint es sinnvoll, Fahrradabstellmöglichkeiten zu schaffen, in de- nen das Rad vor Vandalismus und Diebstahl geschützt abschließbar ist, und, wenn es sich um ein Pedelec handelt, zum Laden des Akkus ans Stromnetz angeschlossen werden kann. Als Alternative zum Quartiersbus für die Abendstunden könnte als Ersatz für die Idee des Anrufsammeltaxis eine SmartPhone-Anwendung angeboten werden, welche mehrere Kunden mit ähnlichem Fahrtziel vereint und so für den Einzelnen eine Kostenersparnis ge- genüber der üblichen Taxifahrt ermöglicht. REGELMÄßIGER FÄHRBETRIEB (SOLARFÄHRE) Um den Weg um die Flensburger Förde zu verkürzen, wird seit einigen Jahren der Betrieb einer ganzjährig verkehrenden Fußgänger- und Radfahrer-Fähre diskutiert. Diese könnte mit Solarenergie betrieben werden. Ein Konzept hierzu liegt vor, bisher konnte jedoch kein Investor bzw. Betreiber gefunden werden. Ob diese Maßnahme förderlich sein kann, MIV- Nutzer zum Umstieg auf den Umweltverbund zu bewegen, ist fraglich. Sie fördert jedoch eventuell den Fußgängerverkehr und hat Bedeutung insbesondere für den Freizeitverkehr und als Werbemaßnahme für den Klimaschutz. Die Umsetzung dieser Maßnahme ist nach 182 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Einschätzung der Teilnehmer zwar öffentlichkeitswirksam, aber nicht vorrangig und soll ge- prüft werden, wenn die Daten der Mobilitätsumfrage vorliegen. Die im Juni 2011 erschienene Mobilitätsumfrage zeigt, dass zwischen den Stadttei- len erhebliche Verkehrsbeziehungen bestehen, auch zwischen Stadtteilen beider- seits der Förde. CAR-SHARING Car-Sharing beinhaltet die Idee, nicht ein privates Auto für jeden Haushalt zu besitzen, sondern mehrere Autos innerhalb der beteiligten Bevölkerungsgruppe gemeinschaftlich zu nutzen. Die Organisation, Reparatur, Wartung und Pflege wird dabei über einen Verein oder eine gewerbliche Car-Sharing-Organisation abgewickelt. Für eine gute Annahme des Car-Sharings ist ein gut funktionierender ÖPNV die Grundlage, weshalb sich auch ÖPNV-Unternehmen als Car-Sharing-Anbieter eignen [vgl. Loose, 2011]. In diesem Fall kann - evtl. kombiniert mit dem Mieten von Elektrofahrrädern - ein Mobilitätspaket aus einer Hand angeboten werden. Abbildung 68 gibt einen Überblick über die positiven Auswir- kungen eines Car-Sharing-Angebots auf den ÖPNV. ABBILDUNG 68: POSITIVE AUSWIRKUNGEN VON CAR-SHARING AUF DEN ÖPNV [LOOSE 2011, S. 8] In Flensburg soll innerhalb des nächsten Jahres Car-Sharing aufgebaut werden, zunächst in Stadtteilen als Clustern, später im gesamten Stadtgebiet. Dabei übernimmt der Klimapakt Flensburg e.V. die Rolle des ‚Starthelfers’. AktivBus GmbH und StattAuto eG Lübeck/Kiel haben Interesse signalisiert, als Betreiber aufzutreten. Wichtig ist es, die Kom- mune sowie Unternehmen als Teilnehmer zu gewinnen, um von Beginn an eine entspre- chend große Flotte zur Verfügung stellen zu können. Die Bildung von Clustern an Wohn- und Arbeitsorten wird als vorteilhafte Strategie angesehen, um eine hohe Verfügbarkeit von Fahrzeugen zu gewährleisten. Ein Ansatzpunkt dafür könnte das Quartier Fruerlund des SBV sein, ein anderer das räumliche Unternehmenscluster aus Stadtwerke Flensburg GmbH, Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH und Flensburger Schiffbau- Gesellschaft mbH & Co. KG am Westufer der Förde. Anhang A: Workshop Dokumentationen 183 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG BETRIEBLICHES MOBILITÄTSMANAGEMENT Bedauerlicherweise mussten die Teilnehmer, die den SBV und die FFG vertreten hätten, kurzfristig ihre Teilnahme absagen. Daher wurde das Thema Betriebliches Mobilitätsma- nagement (BM) während des Workshops nicht weiter vertieft. Es wurde jedoch festgestellt, dass Job-Ticket-Angebote als eine Facette des BM bisher keinen großen Erfolg hatten. Die- se Angebote werden von Seiten der ÖPNV-Anbieter nicht weiter verfolgt, da sie bei Tests in der Vergangenheit durch Unstetigkeit und Wechselhaftigkeit seitens der Nachfrager für die Unternehmen schwer kalkulierbar waren und keinen zusätzlichen Nutzen brachten. Stattdessen ist die Einführung eines Jahresabos für das Monatsticket (‚Tummelticket’) ge- plant (s.o.). 9.3.2.4 Marketing Die betrachteten Maßnahmen müssen von entsprechenden Marketingkampagnen vor- bereitet bzw. begleitet werden, um der besonderen Situation im Personenverkehrsbereich gerecht zu werden. Denn die Emissionsreduktion im Personenverkehr lässt sich im Unter- schied zu den anderen Verbrauchssektoren der Klimabilanz nicht durch (relativ) zentrale Hebel bewerkstelligen, sondern hängt von den Einzelentscheidungen aller Bürger ab. Die- se werden von den folgenden Einflussfaktoren bestimmt: Tatsächliche Wahlfreiheit Objektive Eigenschaften der Verkehrsmittel Ökonomische Überlegungen Einstellung und Information der Nutzer (wahrgenommene Wahlfreiheit) Routinisierung des Verkehrsmittelwahlverhaltens Die oben beschriebenen Maßnahmen können sich auf die ersten drei dieser Faktoren po- sitiv auswirken; für die Veränderung der letzten beiden müssen Marketingkampagnen sor- gen. Die Teilnehmer identifizierten folgende drei übergeordnete Aspekte, die ein gutes Marke- ting für den ÖPNV berücksichtigen muss: Einfachheit (barrierefrei, verständliche Tarifstruktur, Fahrpläne, „intuitiv nutzbar“) Präsenz im öffentlichen Raum (Fahrzeuge, Haltestellen) Mobilität als System (Angebot von Mobilitätspaketen) Um Menschen von MIV-Nutzern zu Nutzern des Umweltverbundes zu machen, können sie z. B. in Umbruchsituationen (Einschulung, Umzug, Rente...) angesprochen werden. Beson- ders wichtig scheint auch, Kindern bereits im Grundschulalter den Umgang mit dem ÖPNV beizubringen. Das beste Marketing ist ein gut funktionierender ÖPNV selbst. 184 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Die Teilnehmer entwickelten eigene Ideen für Marketingkampagnen, die als Input für die Arbeit des AK Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden könnten: „Wir sitzen alle in einem Bus“: Bekannte Gesichter wie die SG Handewitt, den Oberbür- germeister oder andere Kommunalpolitiker für Kampagnen engagieren, innerhalb des Klimapakts O-Töne von Unternehmern für die Herausstellung der Vorzüge des ÖPNV aus gesamtstädtischer Sicht abfragen, Busse als Werbeträger und die unternehmens- eigenen Werbekanäle innerhalb des Klimapakts nutzen. „Geiz ist geil“: vergleichende Darstellung der Mobilitätskosten für die verschiede- nen Verkehrsmittel. Dabei könnten Rad, Bus, Auto etc. als Hinweis auf die freie Wahl in einer Reihe von Garagen dargestellt werden. Informationen und Trainingsangebote für nicht versierte Nutzer Totschlagargumente ins Positive verkehren: Überraschend gute Erfahrungen von gewohnheitsmäßigen Nichtnutzern bei zufälliger Nutzung thematisieren Parkplatzsuche – Parkplatz weiter entfernt als die nächste Bushaltestelle Geht nicht? – Fährt doch! 9.3.3 Ergebnisse und Ausblick Die Ergebnisse des Workshops sind in der folgenden Tabelle aufgeführt. Den darin zusam- mengestellten Maßnahmen wurde zunächst kein explizites CO2-Einsparpotential zugeord- net. Dazu wäre es nötig, die mögliche Verlagerung von Fahrleistungen aus dem MIV auf den ÖPNV zu kennen, die eine kaum abzuschätzende Größe darstellt. Zwar liegen zu ein- zelnen Maßnahmen Literaturwerte vor, die sich dann aber häufig auf Großstädte beziehen und dadurch vermutlich nur eingeschränkt auf Flensburg übertragbar sind. Sobald die Mobilitätsumfrage für Flensburg vorliegt, sollen die folgenden daraus hervorgehenden Pa- rameter zu einer Abschätzung des Verlagerungspotentials der gewählten Maßnahmen herangezogen werden: tatsächlicher Modal Split, häufige Quelle-Ziel-Beziehungen in den Alltagswegen, angegebene Gründe für die Verkehrsmittelwahl im Alltag. Erst dann wird der mögliche Beitrag des ÖPNV zur Klimaneutralität genauer quantifizierbar sein. Der Workshop hat aber bereits deutlich gemacht, welcher Pfad für den Flensburger Anhang A: Workshop Dokumentationen 185 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ÖPNV gewählt werden soll und welche Maßnahmen von den Experten dieses Bereichs als erfolgversprechend eingeschätzt werden. Es sind noch keine genaueren Handlungsempfehlungen aus der Mobilitätsumfrage ableitbar; diese sollten sich aber aus dem Regionalen Nahverkehrsplan ergeben, der Ende 2011 veröffentlicht werden soll. Die Umsetzung des sog. Offensivszenarios im RNVP und die damit verbundene Verdopplung des ÖPNV-Anteils an den Wegen (innerorts) wurde als Platzhalter für die umzusetzenden Maßnahmen in diesen Be- reichen in das integrierte Klimaschutzkonzept aufgenommen. UMZUSETZENDE MAßNAHMEN Was? Wann? Wer? Dieselhybrid-Busse mit Option auf Oberleitungsbetrieb 2016 bis 2020 Busunternehmen Oberleitungen bis 2020 Fördermittel Bund/Land DFI bis 2015 Busunternehmen Tarife ab 2012 Busunternehmen Car-Sharing ab 2012 Klimapakt/ AktivBus / Stattauto HL (?) Taktung/ Linienführung Mobilitätsbefragung abwarten Solarfähre Mobilitätsbefragung abwarten 186 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 9.3.4 Quellenverzeichnis Canzler et al. 2000 Weert Canzler und Sassa Franke, 2000: Autofahren zwischen Alltags- nutzung und Routinebruch. Bericht 1 der choice-Forschung, Discussion Paper FS II 00-102, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Hohmeyer et al. 2010 Olav Hohmeyer, Helge Maas, Emöke Kovac, Christin Herber, Hannah Köster, 2010: Energiebilanz und Treibhausgasemissionen in Flensburg. Bestandsaufnahme der Energieverbräuche und der CO2- Emissionen in Flensburg in den Jahren 1990 bis 2006. Abrufbar von http://www.klimapakt- flensburg.de/images/stories/GutachtenFlensburgQuo.pdf ifeu 2010 Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH 2010: Fort- schreibung und Erweiterung ”Daten- und Rechenmodell: Energiever- brauch und Schadstoffemissionen des motorisierten Verkehrs in Deutschland 1960-2030 (TREMOD, Version 5). Abrufbar von http://www.ifeu.de/verkehrundumwelt/pdf/IFEU%282010%29_TREMOD _%20Endbericht_FKZ%203707%20100326.pdf Loose 2011 Willi Loose, 2011. CarSharing als Ansatzpunkt zur integrierten Mobili- tätsgestaltung. Warum passt das moderne CarSharing gut zum ÖPNV? Vortrag auf der Fachtagung "Öffentlicher Nahverkehr und Car- Sharing" am 20.01.2011 in Bremen, abrufbar unter http://www.carsharing.de/images/stories/pdf_dateien/vortrag_loose_ bcs_20.01.2011.pdf http://www.klimapakt-flensburg.de/images/stories/GutachtenFlensburgQuo.pdf http://www.klimapakt-flensburg.de/images/stories/GutachtenFlensburgQuo.pdf http://www.ifeu.de/verkehrundumwelt/pdf/IFEU%282010%29_TREMOD_%20Endbericht_FKZ%203707%20100326.pdf http://www.ifeu.de/verkehrundumwelt/pdf/IFEU%282010%29_TREMOD_%20Endbericht_FKZ%203707%20100326.pdf http://www.carsharing.de/images/stories/pdf_dateien/vortrag_loose_bcs_20.01.2011.pdf http://www.carsharing.de/images/stories/pdf_dateien/vortrag_loose_bcs_20.01.2011.pdf Anhang A: Workshop Dokumentationen 187 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.4 Industrie (I/II) Flensburg, 22.03.2011 Teilnehmer: Owe Andresen (Danfoss) Frank Kurbjuhn (IHK Flensburg) Heinz-Jürgen Galle (FFG) Hauke Petersen (KWKon) Dietrich Traupe (Mitsubishi) Michael Seip (Brauerei) (abgemeldet) Richard Ebenbeck (Krones) Georg Kollath (Brauerei) (abgemeldet) Thomas Arnold (Krones) Andreas Schwarz (Krones) Prof. Dr. Olav Hohmeyer (Uni) Ralf Turke (HaGe Nord) Emöke Kovac (Uni) Bernd Köhler (FSG) Helge Maas (Uni) Folkart Behrens (Queisser) Martin Beer (Uni) 9.4.1 Ausgangslage und Ziele Die Erhebungen der Uni Flensburg zur Erstellung einer Energie- und CO2-Bilanz für Flensburg haben ergeben, dass im Industriesektor in Flensburg im Jahr 2006 ca. 345 GWh Endenergie benötigt wurden und sich daraus die Emission von ca. 200.000 t CO2 ergaben. In einem Business-As-Usual-Szenario wurde untersucht, wie sich der Energieverbrauch und die Emis- sionen des Sektors bis zum Jahr 2050 weiter entwickeln würden, wenn keine zusätzlichen Klimaschutzmaßnahmen realisiert und die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen beibehalten werden. Unter dieser Annahme und bei Berücksichtigung des zu erwartenden Wachstums der sektoralen Bruttowertschöpfung werden die Flensburger Industrieunter- nehmen ihren Energieverbrauch bis 2050 nicht maßgeblich reduzieren; gleiches gilt für die resultierenden CO2-Emissionen. Der Klimapakt Flensburg e.V. hat für die Stadt Flensburg das Ziel ausgegeben, die Emissio- nen in der Stadt bis zum Jahr 2020 um 30 % zu reduzieren und bis zum Jahr 2050 die CO2- Neutralität zu erreichen. Die Universität will in Zusammenarbeit mit den teilnehmenden Unternehmen bis zum Sep- tember 2011 eine Strategie entwickeln, wie die Emissionen im Sektor deutlich reduziert werden können, um auch im Industriesektor bis zum Jahr 2050 die CO2-Neutralität errei- chen zu können. Folgender Prozess ist für die Konzepterstellung vorgesehen: 188 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 69: GESAMTPROZESS ZUR ERSTELLUNG DES SEKTORKONZEPTS INDUSTRIE Auf diesem ersten Workshop wurde eine Grundlage für die Entwicklung einer Klimaschutz- strategie des Flensburger Industriesektors erarbeitet, indem geplante und mögliche Maß- nahmen der Unternehmen zur Reduzierung des Energieverbrauches zusammengetragen und diskutiert wurden. Weiterhin wurden die Hemmnisse bei der Umsetzung dieser Maß- nahmen sowie mögliche Lösungsmöglichkeiten betrachtet. Abschließend ging es darum, Anknüpfungspunkte für die Weiter- bzw. Zusammenarbeit der Unternehmen im Bereich Klimaschutz aufzuzeigen und die nächsten Schritte im Prozess abzustimmen. 9.4.2 Hintergrund und Motivation In einem Vortrag der Universität wurden die Grundprinzipien vorgestellt, die für die Erstel- lung des Sektorkonzepts Industrie maßgebliche Leitlinien darstellen sollen: Vom Ziel her denken: Anstelle einer inkrementellen Betrachtung konsekutiver Maß- nahmen soll sich das Konzept daran orientieren, welcher Zustand für das Jahr 2050 angestrebt wird, um das Ziel der CO2-Neutralität zu realisieren. Im speziellen Fall des Industriesektors gilt es zu klären, wie weit der spezifische Energieverbrauch durch Bedarfsreduzierung und Energieeffizienzmaßnahmen gesenkt werden und wie der verbleibende Energiebedarf durch regenerative Energien gedeckt werden kann. Nach Beschreibung des angestrebten Zustands sollte betrachtet werden, welche Meilensteine in der Zeit bis 2050 umgesetzt werden müssen, um den bis Zielzustand erreichen zu können. Erstellung eines Handlungsplanes für die einzelnen Unternehmen: Das Klimaschutz- konzept wird aus einem detaillierten Handlungsplan bestehen, der aus heutiger Sicht beschreibt, welche Akteure (WER?) welche Maßnahmen (WAS?) zu welchem Zeitpunkt (WANN?) in welchem Umfang (WIE VIEL?) und zu welchen Kosten (WIE Strategie zur Reduzierung der CO2-Emissionen im Industriebereich Fertigstellung Sektorkonzept, regenerative Energieversorgung, Abstimmung sektorübergreifender Zusammenarbeit Impuls für den Prozess, Vorbereitung Sektorkonzept, Koordination weiteres Vorgehen Bestandsaufnahme, Unternehmensbetrachtung, Erwartungen an den Prozess, Potentialermittlung Diplomarbeit, Vorgespräche 1. Workshop 2. Workshop Ziel Start Beginn der Umsetzungsphase (2012-2050) Sept. 2011 Anhang A: Workshop Dokumentationen 189 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG TEUER?) durchführen sollten. Am Prozess nehmen acht Flensburger Industrieunter- nehmen teil, die zusammen 66 % des Strombedarfs und 87 % des Wärmebedarfs im Industriesektor verantworten. Um sicherzustellen, dass das Konzept die Situation in der Summe der teilnehmenden Unternehmen widergibt und gut umgesetzt werden kann, ist es notwendig, für jedes der teilnehmenden Unternehmen einen Hand- lungsplan zu erstellen. Nutzung der Synergien am Standort Flensburg: Es ist der Vorteil einer integrierten Be- trachtung, dass die geplanten Klimaschutzmaßnahmen im Gesamtkontext betrach- tet und aufeinander abgestimmt werden können. Auf diese Weise kann sowohl für die Stadt als auch für die Einzelakteure die größtmögliche Effizienz der Klimaschutz- aktivitäten sichergestellt werden. Es soll daher geprüft werden, welche Überschnei- dungen sich zwischen den Aktivitäten von Akteuren sowohl innerhalb als auch au- ßerhalb des Industriesektors ergeben und welche Synergien genutzt werden kön- nen. Mögliche Vorteile der integrierten Betrachtung sind: die effektive Nutzung von Ressourcen und der verfügbaren Exergie, die Beschleunigung der Lernprozesse, die Minimierung von Risiken sowie die Verbesserung der Verhandlungsposition gegen- über Lieferanten und Versorgern. Seitens der Universität wurde auf die Vorteile hingewiesen, die sich für die Unternehmen durch die Teilnahme an der Konzepterstellung ergeben können. Akteure, die sich frühzeitig mit den Themen Klimaschutz und Energieeffizienz befassen und proaktiv Lösungen und Konzepte vorbereiten, sind demnach in der Lage, jene Risiken zu minimieren, die mit Art und Umfang des gegenwärtigen Energieverbrauchs assoziiert werden. Folgende Aspekte werden für Industrieunternehmen zunehmend von Relevanz für ihre Wettbewerbsfähigkeit sein: Die Ausgestaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen bezüglich Klimaschutz und Energieeffizienz Die Entwicklung der Preise für die benötigten Energieträger im langfristigen Trend unter Beachtung kurzfristiger Volatilität Die Erwartungen der Kunden und Stakeholder an die Unternehmenspolitik bezüg- lich Klimaschutz und nachhaltigem Wirtschaften Die Intensität des zunehmend globalisierten Wettbewerbs in den verschiedenen Branchen und die ungleiche Verteilung der drei o. g. Risiken auf die Wettbewerber Wenn die Unternehmen ihr externes Umfeld mit Blick auf die o. g. Risiken betrachten und kritische Entwicklungen antizipieren, so ist es möglich, frühzeitig Vorbereitungen zu treffen. Bei einsetzender Entwicklung einer externen Rahmenbedingung (z. B. einer Gesetzesinitia- tive im Bundestag) kann proaktiv eine interne Maßnahme zur Anpassung (z. B. die Vorbe- reitung der Investition in eine moderne Kesselanlage) vorbereitet werden. Diese wird dann umgesetzt, wenn die externe Rahmenbedingung es erfordert. Die Maßnahmen sollten so 190 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ausgestaltet sein, dass das Unternehmen sich entlang des zuvor festgelegten strategi- schen Entwicklungspfades zur Erreichung des angestrebten Zustandes im Jahr 2050 be- wegt. ABBILDUNG 70: DAS VORGEHEN ZUR PROAKTIVEN VORBEREITUNG UND UMSETZUNG VON KLIMASCHUTZMAßNAHMEN UNTER BERÜCKSICHTIGUNG DER EXTERNEN RAHMENBEDINGUNGEN Auf die beschriebene Weise wird das Unternehmen nicht nur die o.g. Risiken minimieren, sondern sich auch im Verhältnis zu Unternehmen mit einer reaktiven Strategie vorteilhaft positionieren können. 9.4.3 Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauches Die Reduzierung des Energieverbrauches ist der erste wichtige Schritt zur Senkung der CO2- Emissionen. Maßnahmen zur Bedarfsreduzierung und zur Steigerung der Energieeffizienz sind für die Unternehmen insofern sinnvoll, da durch sie die Kosten der Energiebeschaffung reduziert werden können. Zur Erreichung der CO2-Neutralität im Jahr 2050 ist die Reduzie- rung des Energieverbrauches eine Notwendigkeit. Die Substitution des Energieverbrauches durch regenerative Energien im derzeitigen Umfang wird technisch und wirtschaftlich nur mit einem erheblichen Mehraufwand durchführbar sein. SAMMLUNG UND DISKUSSION DER GEPLANTEN MAßNAHMEN Die Teilnehmer wurden gebeten, die wichtigsten in den Unternehmen geplanten organi- satorischen und investiven Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauches zu sam- meln. Die beigetragenen Maßnahmen wurden anschließend nach Technologiegruppen sortiert und entsprechend dem Interesse der Teilnehmer diskutiert. Folgende Tabellen geben einen Überblick über die genannten Maßnahmen: Entwicklung Rahmenbedingung 1 Entwicklung Rahmenbedingung 2 U n te rn e h m e n s - u m fe ld In te rn e E n tw ic k lu n g Proaktive Vorbereitung Maßnahme 1 Proaktive Vorbereitung Maßnahme 2 Strategischer Entwicklungspfad zur Zielerreichung 2050 Monitoring, Antizipation, Einflussnahme Umsetzung Maßnahme 1 Umsetzung Maßnahme 2 Nach Herrmann, 2010 Anhang A: Workshop Dokumentationen 191 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG AUSWAHL DER WICHTIGSTEN GEPLANTEN ENERGIEEFFIZIENZMAßNAHMEN IN DEN TEILNEHMENDEN UNTERNEHMEN (BEREICH STROM) Kategorie Maßnahmen zur Reduzierung des Strombedarfs (Unternehmen) Elektrische Antriebe Umstellung auf Hocheffi- zienzmotoren (Mitsubishi) Austausch Antriebe Eff 1 durch Eff 2/3 (HaGe) Einkauf ener- gieeffiziente Maschinen (Queisser) Leistungsan- passung durch Frequenz- umrichter (FSG) Pumpen Frequenz- regelung (Mitsubishi) Druckluft Leckagever- luste ein- dämmen (Mitsubishi, FFG, Queis- ser, Krones) Druckluft- konzept, frequenzge- steuert, be- darfsgerecht, dezentral (Danfoss) Gesamtdruck- minderung – stufenweise Absenkung (HaGe) Abwärmenut- zung Kompres- soren (FSG) Druckluft- steuerung optimieren (Queisser) Kälte-/ Klima- technik Kombination freier und offener Küh- lung (Dan- foss) Lüftung Aus- tausch Ro- torblätter (Danfoss) Reduzierter, optimierter Betrieb von Kälte-/ Klima- anlagen (?) Beleuch- tung/ I u K Einbindung Energienut- zerAnwei- sungen für die Mitarbei- ter (IHK) Steuerung Außen- beleuchtung (Queisser) Lichtsteuerung allgemein, Leuchtmittel- änderung (?) Beleuchtungs- optimierung (z. B. Versand & Produktion) (?) Austausch defekter Neonröhren durch Ener- giesparröh- ren (HaGe) Neue Be- leuchtungs- technik (Krones) AUSWAHL DER WICHTIGSTEN GEPLANTEN ENERGIEEFFIZIENZMAßNAHMEN IN DEN TEILNEHMENDEN UNTERNEHMEN (BEREICH WÄRME) Kategorie Maßnahmen zur Reduzierung des Wärmebedarfs (Unternehmen) NT-Wärme (bis 100°C) Reduktion Heizung z. B. am Wo- chenende (?) Gebäudehül- le Wärmever- luste (Krones) / Dachflä- chensanie- rung (FFG) Getrennte Wärmeversor- gung der Pro- duktionshallen (FFG) Umstellung auf Fernwärme (FFG) Nutzung einer Strah- lungsheizung / Dunkel- strahler (FSG) Wärme- rückgewin- nung La- ckiererei (Krones) HT-Wärme Einbau zu- sätzlicher Wärmetau- scher zur Vorerwär- mung des Speisewas- sers (HaGe) 192 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Die Ergebnisse der anschließenden Diskussion wichtiger Maßnahmen werden im Folgen- den aufgeführt. Druckluft Die Suche nach Leckagen in Druckluftleitungen bedeutet einen kontinuierlichen Arbeitsaufwand. Es ist schwierig, die Einsparung durch diese Maßnahme zu messen, tendenziell ist die Maßnahme aber wirtschaftlich. Elektronische Suchgeräte für Le- ckagen sind effektiv aber relativ kapitalintensiv. Die Visualisierung der durchgeführten Maßnahmen im Bereich Druckluft und der dadurch erreichten Einsparungen trägt zur Akzeptanz bei Mitarbeitern und der Un- ternehmensleitung bei. Um ein sparsames Nutzerverhalten zu erreichen, können in diesem Zusammenhang interne Einsparwettbewerbe durchgeführt werden. Für die Kontrolle der Energieströme und -verluste wäre die Messung aller Leitungen und Anschlüsse ideal. Die Absenkung des Druckniveaus war für HaGe eine effektive und kostengünstige Möglichkeit, den Energieverbrauch zu reduzieren. Die Kompressoren arbeiteten bei 11 bar Druck wobei viele Schieber lediglich 4-5 bar benötigen. Aufgrund der Viel- zahl der Schieber im Betrieb ist nicht genau bezifferbar, welcher Druck insgesamt benötigt wird. Das Druckniveau wurde bereits auf 8,5 bar abgesenkt und bislang sind keine Probleme aufgetreten. Der Aufwand für diese Maßnahme ist minimal und die Nutzer haben die Umstellung nicht bemerkt. Wird ein Druckluftnetz zentral auf den Verbraucher mit dem höchsten Druckbedarf ausgelegt, so entstehen unnötig hohe Verluste. Im Fall von Danfoss Compressors in Flensburg konnte durch die dezentrale Neuauslegung der Anlage der Energiever- brauch deutlich reduziert werden. Kälte- und Klimatechnik Die Produktion der Queisser GmbH benötigt aufgrund der Vorgaben für Pharmabe- triebe gereinigte Luft im Gebäude. 40.000 m³/a Luft müssen gefiltert, befeuchtet und temperiert werden – dies verursacht hohe Kosten. Die Anlage wird über Nacht, am Wochenende und an Feiertagen über die Steuerung ausgeschaltet und die Rückluft zur Beheizung der Fertigungshallen genutzt. Die Ersparnis ist schwer zu bezif- fern aber durchaus sinnvoll, da weniger Fernwärme verbraucht wird. Die Lüftungs- und Klimaanlage ist bei Queisser zentral platziert und für die Wartung leichter zugänglich als in anderen Betrieben. Ein Wärmetauscher erwärmt die Zuluft, die restliche Heizwärme wird durch eine elektrische Zusatzheizung und Fernwärme bereitgestellt. Ein rekuperativer Wärmetauscher war nicht realisierbar, da für diesen sehr lange Rohrleitungen benötigt werden. Anhang A: Workshop Dokumentationen 193 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Beleuchtung Krones hat in Nebenräumen (Gänge, WCs) Präsenzmelder installiert. Es werden im Produktionsbereich (hier müssen 500 Lux garantiert werden) Helligkeitssensoren ein- gesetzt, um die Lichtstärke der Beleuchtung bei Tageslicht zu reduzieren. Krones betrachtet in Pilotprojekten bereits den Einsatz der LED-Technik zur Beleuch- tung der Hallen. Die Technologie erzielt bereits gute Ergebnisse – es ist ein hohes Ein- sparpotential zu erwarten –, die Kosten sind allerdings derzeit noch sehr hoch. In den nächsten Jahren sind deutlich Kostenreduzierungen zu erwarten. Bei der Steuerung der Beleuchtung ist die Sensibilisierung der Mitarbeiter sehr wich- tig. Für die Unternehmen ist die Beeinflussung des Nutzerverhaltens z. T. schwierig, da für die Mitarbeiter nur schwer Anreize zu schaffen sind. Mitarbeiterschulungen müssen kontinuierlich im Tagesgeschäft erfolgen, die Motivation und die Art der An- sprache ist sehr wichtig. Prämien, Anreizsysteme und transparente Informationen zum Energieverbrauch sind denkbar und sollten weiterentwickelt werden. Weiterhin sind Vorschläge zur Reduzierung des Energieverbrauches in einigen Unternehmen in das betriebliche Vorschlagswesen integriert; es kommen allerdings nur teilweise nutzbare Vorschläge. NT-Wärme (Heizwärmebedarf und Wärmerückgewinnung) Die FFG führt in einigen Werksgebäuden Dachflächensanierungen durch. Wenn durch Schäden an den Dächern in einzelnen Bereichen eine Sanierung notwendig ist, wird in diesem Zug die energetische Sanierung mit durchgeführt. Das Gelände ist zu 70 % überdacht und der Gebäudebestand ist alt und inhomogen; es beste- hen verschiedenste Baujahr und Wärmestandards Bei Krones besteht Handlungsbedarf aufgrund der hohen Wärmeverluste durch ge- öffnete Hallentore. Es wurde noch keine überzeugende Lösung gefunden. Für Vor- hangtore und Wärmevorhänge ist der Wärmeunterschied zu gering, Schleusen können aus Platzgründen nicht angebracht werden. Die FSG nutzt aus der Lacktrocknung rückgewonnene Warmluft zur Hallenheizung. Die Maßnahme wird sich nach 3-4 Jahren noch nicht amortisiert haben, aber nach ca. 5 Jahren. Die WRG wird im September 2011 in Betrieb genommen werden. Krones will ebenfalls die Abwärme aus der Lackiererei nutzen. Abluft steht mit einer Temperatur von 40 °C zur Verfügung, diese muss gefiltert werden, um die Schad- stoffe abzutrennen. Die Umsetzung ist noch unklar, es werden Gespräche mit meh- reren Herstellern geführt. HT-Wärme (Dampf- und Heißwassererzeugung) HaGe hat im Jahr 2010 einen neuen Ölkessel mit Economizer angeschafft. Zunächst gab es Überlegungen, Holzhackschnitzel oder Holzpellets einzusetzen. Aufgrund des 194 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg hohen Lagerbedarfs und der Befürchtung, dass die Brennstoffe schnell verwittern, wurden diese Pläne verworfen. Es werden derzeit ca. 900.000 l/a Heizöl eingesetzt. Eine Speisewasservorwärmung durch WRG soll noch ergänzt werden. ÜBERSCHNEIDUNGEN UND GEMEINSAMKEITEN Es wurde deutlich, dass es einige Überschneidungsbereiche zwischen den Aktivitäten der teilnehmenden Unternehmen zur Reduktion des Energieverbrauches gibt: Umstellung auf hocheffiziente Elektromotoren Behebung von Leckagen im Druckluftnetz, vollständige bzw. teilweise Absenkung des Druckniveaus sowie Optimierung der Steuerung von Druckluftsystemen Intelligente Steuerung der Beleuchtung, Umstellung auf moderne Leuchtmittel Wärmerückgewinnung aus der Abluft von produktionstechnischen Anlagen Maßnahmen zur Reduzierung der Wärmeverluste durch Hallentore Mitarbeiterschulungen und Anreize zu optimiertem Nutzerverhalten Messung und nach Verbrauchergruppen aufgeschlüsselte Darstellung der Energie- verbräuche 9.4.3.1 Erfahrungen mit Managementsystemen mit Bezug auf den Klimaschutz Die Teilnehmer wurden gebeten, darzulegen, welche der Managementsysteme für das Energiemanagement und den Umweltschutz in den Unternehmen eingeführt sind oder eingeführt werden sollen. Weiterhin wurde diskutiert, ob die Managementsysteme ein ge- eignetes Instrument für den Klimaschutz in den Unternehmen darstellen und ob diese prak- tikabel in die Unternehmensaktivitäten zu integrieren sind. Im Folgenden werden die Positionen der einzelnen Unternehmen dargelegt: Danfoss Derzeit ist noch nicht bekannt, welche Managementsysteme am neu entstehenden Standort eingeführt werden sollen. Das ehemalige Gebäude von Motorola verfügt über eine hohe anlagentechnische Aus- stattung. Die Visualisierung und die Rückmeldung der Verbräuche sind von zentraler Be- deutung. Es ist sehr sinnvoll, durch Managementsysteme die Zuständigkeiten und Verant- wortlichkeiten für die Stoffströme und Energieverbräche klar zuzuteilen. Es ist ein wichtiger Ansatzpunkt, die Einsparungen für das Management und die Mitarbeiter sichtbar zu ma- chen. Im Fall von Motorola wurden Strom, Wärme, Müll und Wasser pro Produktionseinheit und Schicht ermittelt und Vorgaben in die Zielvorgaben der Abteilungsleiter integriert. Dadurch realisieren die Mitarbeiter die Auswirkungen des Verbrauchs auf das Budget der eigenen Abteilung. Ein monatlicher Monitoringbericht wurde erstellt. Dies kostete Zeit und Geld, Anhang A: Workshop Dokumentationen 195 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG führte aber zu guten Einsparungen. Dieses System von Zuständigkeiten und Messungen soll auf Danfoss übertragen werden. Queisser Es wurde nach EMAS und ISO 14001 zertifiziert. Das Öko-Audit nach EMAS wurde aufgege- ben, die Zertifizierung nach ISO wird weitergeführt. Verschiedene Arbeitsgruppen im Unternehmen bekommen energie- und umweltrelevante Ziele vorgegeben. Für die nächsten Jahre wurde ein Maßnahmenplan für das weitere Vorgehen ausgearbeitet. Im Rahmen des Managementsystems erfolgt keine Auftrennung nach Energie- und Umweltaspekten. Flensburger Schiffbau-Gesellschaft Die Einführung von Energie- und Umweltmanagementsystemen ist vorgesehen. Die Basis für die Einführung des Energiemanagementsystems wurde durch die Arbeit von Herrn Petersen im Rahmen seiner Diplomarbeit geschaffen. Es wurden in einer systemati- schen Vorgehensweise Einsparpotentiale identifiziert. Die entsprechenden Maßnahmen können nun in einem Handlungsplan priorisiert werden. Ein Managementsystem ist letztendlich die Bedienungsanleitung für den Regelkreis „Pla- nen, Ausführen, Messen und Verbessern“ im Unternehmen. Zunächst muss festgelegt wer- den, in welchen Bereichen sich eine kontinuierliche Messung und Visualisierung lohnt. Eine Analyse des Energieverbrauches für ein Managementsystem zeigt verschiedene Möglichkeiten auf, wie das Unternehmen weiter agieren kann. Das Unternehmen sollte sich anschließend auf ein strategisches Gesamtkonzept festlegen und keine Einzelmaß- nahmen vorschnell festlegen. Energie- und Umweltüberlegungen müssen in die Produkti- ons- und Strategieentscheidungen zur Unternehmensentwicklung integriert werden. Krones Krones geht einen sehr ähnlichen Weg. Grundlage für den Aufbau des Energiemanage- mentsystems ist die Ermittlung der Verbrauchsdaten: Zunächst soll ein Datenerfassungssys- tem an den Standorten integriert werden. Anschließend können Kennzahlen definiert und entsprechend ermittelt werden (z. B. die Entwicklung der Energiekosten im Verhältnis zum Umsatz). Die Ergebnisse werden in 3-4 Jahren v.a. für die Großverbraucher im Unterneh- men verfügbar sein. Lastgangmessungen sollen durchgeführt werden, um nicht benötigte Verbräuche identifizieren zu können. Auf dieser Basis wird es möglich sein, die Einsparun- gen an die Mitarbeiter und die Unternehmensführung zu kommunizieren. Regelmäßige Rückmeldungen an die Belegschaft sind sehr wichtig. Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft Der öffentliche Auftraggeber hat hohe Anforderungen an das Kostenmanagement und den betrieblichen Umweltschutz. Die Spartenorganisation und Kostenstellen werden vom Controlling überwacht, dies umfasst auch die Energiekosten. 196 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Die Einbeziehung von Umwelt- und Energieeffizienzaspekten in Entscheidungen der lang- fristigen Unternehmensausrichtung wird als sehr wichtig angesehen. Jedoch ist dies auf- grund der ungeklärten Zukunft des Standortgeländes nur schwer zu realisieren. Wegen lau- fender Überlegungen zum Wechsel des Standortes ist die Frage der Amortisation von Maßnahmen schwierig, es können keine großen Investitionen in Gebäude vorgenommen werden. HaGe Nord Ein Energiemanagementsystem ist vorhanden. Aufgrund eines Energieverbrauches von mehr als 10 MWh/a ist das Unternehmen bei Gewährung des Energiesteuerausgleiches durch die BAFA zur Einführung des Systems verpflichtet. Schon seit Jahren werden Energie- sparaspekte bei jeder Investitionsentscheidung berücksichtigt. Durch die Einführung des Energiemanagementsystems hat sich nicht viel geändert - jedoch ist nun zusätzliche Büro- kratie erforderlich. Die Ziele müssen für je ein Jahr festgelegt werden, längerfristige Vorgaben sind im Unter- nehmen nicht möglich. Externe Ereignisse, wie z. B. der Dioxinskandal erfordern eine hohe Flexibilität, um schnell auf andere gesetzlich Anforderungen reagieren zu können. Mitsubishi HiTec Papers Ein Managementsystem nach ISO 14001 ist vorhanden. Ein Energiemanagementsystem besteht noch nicht, sollte aber wegen internationaler Tätigkeit und Absatzmärkte einge- führt werden. Der Zeitraum für die Einführung ist noch nicht festgelegt. Es wird externe Hilfe bei der Einführung notwendig sein, wobei die zu erwarteten Effekte noch fragwürdig sind. Der Aufbau eines internen Systems ohne Zertifizierung ist eine Alternative. Hier wird vor al- lem das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Managementssystems im Vordergrund stehen. Nach außen gerichtete Systeme müssen dagegen eher Transparenzkriterien erfüllen und orien- tieren sich weniger an den Kosten. Nach außen gerichtetes Management des Energieverbrauches kann als wichtiges Ver- kaufsargument dienen. Der Carbon Footprint eines Produktes wird für Kunden, die viel mit Endverbrauchern zu tun haben (z. B. Supermärkte), zunehmend wichtiger. Viele Unter- nehmen überdenken ihre Beschaffungsstrategie auch nach ökologischen Gesichtspunk- ten. ÜBERSCHNEIDUNGEN UND GEMEINSAMKEITEN Viele Teilnehmer äußerten das Ziel, dass durch Managementsysteme Umwelt- und Ener- gieeffizienzaspekte in Investitionsentscheidungen und die langfristige Planung der Unter- nehmensentwicklung einbezogen werden sollen. Eine Motivation für die Einführung der Managementsysteme besteht für viele Unternehmen darin, dass diese von Kunden bzw. dem Gesetzgeber gefordert werden. Vier Unterneh- men stehen derzeit vor der Einführung eines Energiemanagementsystems und sind dafür teilweise auf externe Hilfe angewiesen. Aus Sicht der Universität könnte in diesem Bereich ein Erfahrungsaustausch zwischen den Flensburger Unternehmen die Einführung erleich- Anhang A: Workshop Dokumentationen 197 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG tern. Weiterhin wurde am Beispiel der FSG deutlich, dass durch die Betreuung einer stu- dentischen Abschlussarbeit bereits ohne großen Aufwand eine gute Grundlage für die Einführung eines Energiemanagementsystems geschaffen werden kann. Der hohe Bürokratieaufwand und die Kosten für eine Zertifizierung des Managementsys- tems sind den Zielen Klimaschutz und Energieeffizienz nicht unbedingt zuträglich. Von Sei- ten der Universität wurde der Vorschlag gemacht, ein Flensburger Zertifizierungsunterneh- men zu gründen, welches sich nicht primär an den Bürokratie- sondern an den Kundenan- sprüchen orientiert. Wenn es möglich ist, alle geforderten gesetzlichen Anforderungen zu erreichen und eine Akkreditierung zu erlangen, könnte dieses Vorhaben aufgrund des ge- ringem Investitionsbedarfs für die Beteiligten Vorteile bringen. BESONDERE KOOPERATIVE MAßNAHMEN Im Anschluss an die Diskussion von geplanten Maßnahmen zur Reduktion des Energiever- brauchs wurden Einzelmaßnahmen vorgestellt und diskutiert, die durch Kooperation von zwei oder mehreren Akteuren sektorintern oder sektorübergreifend durchgeführt werden können. Die vorgestellten Maßnahmen wurden in den Vorgesprächen mit den Unterneh- mensvertretern identifiziert und bereits auf dem Workshop "Energieversorgung" Mitarbei- tern der Stadtwerke Flensburg präsentiert. Alle Maßnahmen stellen für den Klimaschutz sinnvolle Maßnahmen dar. Abwärmeeinspeisung in das Fernwärmenetz Diese Maßnahme wurde im Vorgespräch von der FFG angesprochen. Im Unternehmen soll Wärmerückgewinnung an den vorhandenen Motorprüfständen durchgeführt werden. Diese Maßnahme ist derzeit nicht wirtschaftlich, weil in den Sommermonaten auf dem Werksgelände eine ausreichende Wärmesenke fehlt. Eine Lösung wäre die Einspeisung der rückgewonnen Wärme in das Fernwärmenetz. Weitere Unternehmen sind an einer derarti- gen Möglichkeit interessiert. Die Stadtwerke Flensburg haben die Bereitschaft signalisiert, die Bedürfnisse der Industrie- unternehmen in diesem Bereich vor dem Hintergrund des Klimaschutzes nicht länger aus- zuschließen. Dampflieferung von Mitsubishi an die Brauerei In den Vorgesprächen wurde deutlich, dass es vor der Kraftwerkumstellung im Hause Mit- subishi möglich gewesen wäre, die Brauerei über eine Dampfleitung komplett mit dem verfügbaren Restdampf aus der Papierfabrik zu versorgen. Die Universität hatte daraufhin eine überschlägige Wirtschaftlichkeitsberechnung für den Bau einer Dampfleitung durchgeführt. Bei einem Abgabepreis der Restdampfmengen von 2 ct/kWhth wäre eine Amortisation der Investition von 3-4 Jahren zu erwarten. Der Vertreter von Mitsubishi wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass durch die Kraftwerksumstellung keine derart umfangreichen Restdampfmengen mehr zur Verfügung stehen. Ein zusätzlicher Dampfbedarf von maximal 12 t/h könne auch bei Vollauslastung des ersten Kessels nicht geliefert werden. Für einen Bedarf in dieser Größenordnung müsste 198 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg der zweite Kessel angefahren werden. Die Versorgung wäre unter gewissen Umständen möglich. Im Winter ist der Eigenbedarf von Mitsubishi sehr hoch und die Anlagen sind zu 85 % ausgelastet - im Sommer wäre die Belieferung möglich. Es stellt sich noch die Frage, wer die notwendige Dampfleitung errichten und betreiben würde. Die Stadtwerke können sich vorstellen, dies zu übernehmen. Die Maßnahme sollte auf dem zweiten Workshop noch einmal mit einem Vertreter der Stadtwerke diskutiert werden. Dampferzeugung mittels Fernwärme Die Vorlauftemperatur des Primärnetzes der Fernwärmeversorgung beträgt bis zu 130 °C. Eine Vorwärmung des Speisewassers zur Dampferzeugung wäre damit gut realisierbar. An- schließend kann mit sehr viel geringerem Brennstoffeinsatz die gewünschte Endtemperatur hergestellt werden. Alle Betriebe mit Dampferzeugung und Fernwärmeanschluss kommen für diese Maßnahme in Frage. Die Stadtwerke signalisierten Interesse, derartige Lösungen in Zusammenarbeit mit den Unternehmen zu untersuchen. Die Potentiale und die Umsetz- barkeit dieser Maßnahme ließen sich durch eine studentische Abschlussarbeit ermitteln. Belieferung mit biogenen Brennstoffen Mehrere Unternehmen haben bereits den Bezug von Biomethan über das Erdgasnetz oder von Holzhackschnitzeln geprüft. Eine weitere Möglichkeit besteht im Bezug von Biogas über Biogasleitungen. Da die Stadtwerke zukünftig auch im großen Umfang biogene Brennstoffe am Hauptstandort einsetzten werden, können sich Synergien in der Beschaf- fung zwischen den Flensburger Akteuren ergeben. Energetische Nutzung anfallender Reststoffe Bei Mitsubishi und der Brauerei fallen im großen Umfang organische Reststoffe an. Diese werden zwar gegenwärtig außerhalb von Flensburg energetisch oder stofflich genutzt. Eine energetische Nutzung durch Flensburger Unternehmen würde allerdings ebenfalls eine interessante Option darstellen. Ausblick Die Stadtwerke Flensburg haben Interesse daran signalisiert, die vorgestellten kooperati- ven Maßnahmen zu unterstützen bzw. mit durchzuführen. Ein Vertreter der Stadtwerke wird voraussichtlich am zweiten Workshop für Industrieunternehmen teilnehmen. Die Industrie- unternehmen haben die Möglichkeit, im Vorfeld des zweiten Workshops eine gemeinsame Position gegenüber den Stadtwerken zu entwickeln, in der die gewünschten Rahmend- bedingungen, Bedürfnisse und Erwartungen an eine Zusammenarbeit beschrieben sind. 9.4.4 Hemmnisse bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen Im dritten Block der Veranstaltung wurden zunächst die wichtigsten Hemmnisse bei der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen in den Unternehmen zusammengetragen und diskutiert. Anschließend erfolgte die Betrachtung von Lösungsmöglichkeiten, um diese Hemmnisse zu überwinden. Anhang A: Workshop Dokumentationen 199 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.4.4.1 Hemmnisse KOSTEN-NUTZEN-VERHÄLTNIS VON INVESTITIONEN IN ENERGIEEFFIZIENZMAßNAHMEN In vielen Fällen sind die Einsparungen, die das Unternehmen durch eine Energieeffizienz- maßnahme realisieren kann, zum Zeitpunkt der Investitionsentscheidung nur schwer quan- tifizierbar. Diese Unsicherheit führt dazu, dass die Maßnahmen gegenüber der Geschäfts- führung und potentiellen Geldgebern nicht transparent präsentiert werden können und wichtige Aussagen, beispielsweise zur Rentabilität, nicht verlässlich getroffen werden kön- nen. Diese Unsicherheiten können durch mehrere Faktoren entstehen. Zum einen gibt es sehr viele Einflussfaktoren auf die tatsächlichen Kosteneinsparungen, die im Voraus nicht ein- geschätzt werden können. Beispielsweise können sich die technischen Anforderungen an die Produktionsanlagen, die von der Maßnahme betroffen sind zukünftig verändern. Zum anderen besteht das Risiko des Eingriffs in ein funktionierendes System. Ungeplante Zusatz- kosten durch die Anpassung der Betriebsabläufe an die getätigten Investitionen können die Energiekosteneinsparungen ebenfalls reduzieren. ABHÄNGIGKEIT VOM NUTZERVERHALTEN Letztendlich ist der Erfolg einer Maßnahme auch vom Nutzerverhalten und damit von der Information und Motivation der Mitarbeiter abhängig. Die Nachhaltigkeit der Maßnahmen ist nicht immer sichergestellt. Nach den Erfahrungen der Teilnehmer werden Abmachun- gen und Absprachen zu Verhaltensweisen bei der Nutzung von Energiedienstleistungen oft nur wenige Wochen lang eingehalten und müssen dann wiederholt werden. ERWARTUNGEN AN DIE AMORTISATIONSDAUER Die oben beschriebenen Wirtschaftlichkeitsanforderungen an Klimaschutzmaßnahmen werden in den Unternehmen immer auch durch Anforderungen zur Amortisationsdauer begleitet. Diese Kennzahl ist weniger ein Maß für die Wirtschaftlichkeit als für das Risiko ei- nes Investments. Nach Erfahrungen der Universität wird in den Unternehmen bei verschie- denen Investitionen oft mit zweierlei Maß gemessen. Maßnahmen der Energieeffizienz werden oft als Nebeninvestition betrachtet und müssen eine kürzere Amortisationszeit aufweisen - beispielsweise 12-36 Monate - während Kerninvestitionen in Produktionsanla- gen auch 5-6 Jahre Amortisationszeit haben können. Investitionen in Energieeffizienzmaß- nahmen treten also oftmals in Konkurrenz mit Investitionen, die das Kerngeschäft des Un- ternehmens betreffen. In der Praxis stellt sich oft heraus, dass die Lebenszykluskosten einer Energieeffizienzmaßnahme gegenüber dem Status-Quo deutlich geringer sind. Auch wenn die Maßnahme in diesem Fall aufgrund höherer Investitionskosten eine längere Amortisationszeit als gefordert aufweist, ist sie für das Unternehmen trotzdem vorteilhaft. Von Seiten der Teilnehmer wird darauf hingewiesen, dass die Kreditlinien der Bank die Spielräume der Unternehmen einschränken und aus diesem Grunde geringe Amortisati- onszeiten gefordert werden. Längere Amortisationszeiten zwischen 28 und 36 Monaten sind in manchen Fällen auch möglich, allerdings vielfach nur bei geringeren Investitionen unter 50.000 EURO. 200 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABSTIMMUNG DER EFFIZIENZMAßNAHMEN IM UNTERNEHMEN Wie oben beschrieben ist es bei der Vorbereitung einer Energieeffizienzmaßnahme wichtig abzuschätzen, welche technischen Anforderungen zukünftig an die Produktionsanlagen bestehen werden. Um die dafür benötigten Informationen zu erhalten, ist es notwendig, dass eine enge Abstimmung mit den anderen betroffenen Unternehmensbereichen er- folgt. Das Energiemanagement sollte keine aufoktroyierten Eingriffe in die Produktionsab- läufe vornehmen. Wenn es nicht möglich ist, diesen Austausch im Unternehmen zu initiie- ren, besteht das Risiko von Fehlentscheidungen. Dieser Aspekt wird von den Teilnehmern bestätigt. ZEITBEDARF FÜR DIE KONZEPTION VON MAßNAHMEN / PRÜFUNG VON ALTERNATIVEN Vor der Umsetzung einer Energieeffizienzmaßnahme steht immer die Konzeption und Vor- bereitung der Investition. Vielfach sind die Transaktionskosten aufgrund des hohen Zeit- und Personalaufwands hierfür sehr hoch. Dieser Aspekt wird als ein großes Hemmnis ange- sehen. ENTSCHEIDUNGSSTRUKTUREN GROßER UNTERNEHMEN Unternehmen mit mehreren Standorten, in denen Entscheidungen zu Energieeffizienzmaß- nahmen zentral getroffen werden, können Schwierigkeiten mit der optimalen Umsetzung der Entscheidungen und Maßnahmen vor Ort haben. Nach Aussagen der Teilnehmer wird aber deutlich, dass dieser Aspekt bei einem guten Management der Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse nicht zwingend ein Hemmnis darstellen muss. WARTUNGS- UND REPARATURAUFWAND Ein technisches Hemmnis von Investitionen in moderne, energieeffiziente Anlagen besteht darin, dass es bei der Wartung und der Reparatur z. T. nur geringe Erfahrungen gibt und sich daraus ein erhöhter personeller bzw. finanzieller Aufwand ergeben kann. Die damit einhergehenden Zusatzkosten vermindern die Energiekostenersparnis. ZUSAMMENFASSUNG Bei Betrachtung der angesprochenen Hemmnisse wird deutlich, dass es sich vor allem um organisatorische Hemmnisse in den Unternehmen handelt. Eine funktionierende und effek- tive Zusammenarbeit der Verantwortlichen mit der Unternehmensleitung aber auch mit den Produktionsverantwortlichen spielt eine zentrale Rolle. Es besteht ein enger Zusam- menhang mit der zukünftigen Unternehmensentwicklung. 9.4.4.2 Lösungsansätze Im Anschluss an die Sammlung der Hindernisse bei der Umsetzung von Energieeffizienz- maßnahmen erfolgte die Diskussion möglicher Lösungsansätze. Diese werden im Folgen- den widergegeben. ABSTIMMUNG DER MAßNAHMEN IM UNTERNEHMEN / VERANKERUNG IM MANAGEMENT Mit Blick auf die im Workshop angesprochenen Hemmnisse, die vor allem organisatorischer Natur sind, ist es von zentraler Bedeutung für die erfolgreiche Konzeption und Umsetzung, dass die Maßnahmen mit allen betroffenen Unternehmensbereichen abgestimmt werden. Anhang A: Workshop Dokumentationen 201 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG So ist es notwendig, dass alle beteiligten Personen im Betrieb - vor allem im Bereich Pro- duktion - informiert bzw. an der Konzeption der Maßnahme beteiligt werden - beispielswei- se um herauszufinden, welche Betriebsanforderungen an die Energiedienstleistung gestellt werden. In enger Zusammenarbeit mit dem Controlling können zudem die zu erwartenden Energiekosteneinsparungen über die Nutzungsdauer, die einer höheren Anfangsinvestition gegenüber stehen, besser hervorgehoben und kommuniziert werden. Idealerweise besteht von Seiten der Unternehmensleitung bereits ein langfristiges Bekennt- nis dazu, die Energieeffizienzpotentiale schrittweise zu heben. Wenn das Ziel einer ener- gieeffizienten Produktion als langfristige Dimension des strategischen Handelns im Unter- nehmen etabliert ist und konsequent verfolgt wird, werden viele der o.g. Hemmnisse leich- ter zu überwinden sein. Eine Möglichkeit, das Streben nach Energieeffizienz im Unterneh- men zu verankern ist die Integration von Effizienzvorgaben in den Zielvorgaben auf Ebene der Abteilungsleiter. SENSIBILISIERUNG, EINBINDUNG UND SCHULUNG DER MITARBEITER Der Erfolg einer Energieeffizienzmaßnahme ist nicht zuletzt in großem Maße davon abhän- gig, wie sich die Mitarbeiter als Nutzer der energietechnischen Maßnahmen verhalten und die Effizienzbemühungen unterstützen. Es wurden zwei Lösungsansätze diskutiert. Hierbei geht es immer um die Sensibilisierung, Einbindung und Schulung der Mitarbeiter. Dies kann im Unternehmen mit und ohne per- sönliche Anreize für ein bewusstes Nutzerverhalten erfolgen. Aus Sicht einiger Teilnehmer ist es unabdingbar, dass die Mitarbeiter durch persönliche Anreize dauerhaft zu entsprechenden Verhaltensweisen angeregt werden. Um diesem Ansatz zu folgen, ist es notwendig, die Kosten für den Energieverbrauch einzelnen Organi- sationseinheiten zuzuordnen. Dann ist es beispielsweise möglich, Wettbewerbe unter den Abteilungen durch zu führen, wer durch Anpassung des Verhaltens die größte Energieein- sparung oder den geringsten Energieverbrauch realisieren kann. Ein weiterer Ansatz be- steht in den sogenannten 50/50-Projekten. Diese wurden bislang im Bereich öffentliche Liegenschaften durchgeführt und zeichnen sich dadurch aus, dass die Nutzer mit 50 % an der resultierenden Energiekosteneinsparung beteiligt werden und 50 % beim Träger ver- bleiben. Nachhaltige Verhaltensänderungen können nach Meinung der weiteren Workshopteil- nehmer auch ohne persönliche Anreize für die Mitarbeiter erreicht werden. Dies ist u.a. durch die enge Einbindung der Mitarbeiter in die Erstellung von Nutzungskonzepten, durch Schulungen und Information sowie durch die Arbeit des Betriebsrates erfolgen. In einem Unternehmen bestand beispielsweise ein Energieausschuss mit Mitarbeitern aus allen Ebenen des Unternehmens. Firmenintern konnte dadurch ein Erfahrungsaustausch in Gang gebracht werden, wie Energie durch Verhalten eingespart werden kann. Dadurch war es möglich, alle Blickwinkel der Beteiligten zu berücksichtigen und die Zielgruppen damit passender anzusprechen. 202 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Die Schulung einiger Mitarbeiter zu Multiplikatoren ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, Be- wusstsein und Wissen im Unternehmen zu schaffen, das anschließend an die anderen Mit- arbeiter weitergetragen werden kann. In diesem Kontext wird auf den Vortrag von Herrn Kurbjuhn verwiesen, der im nächsten Abschnitt vorgestellt wird. Auch der Betriebsrat kann über entsprechende Arbeit bzw. Kampagnen ein wichtiger Multiplikator von Informationen sein. Durch Schulung und Information zum technischen Hintergrund - beispielsweise zur Funktion und zum Energieverbrauch einer Klimaanlage - wird den Mitarbeitern in man- chen Fällen erst klar, welcher Ressourcenaufwand hinter einer bestimmten Energiedienst- leistung steckt. Es wurde ebenfalls darauf hingewiesen, dass es in manchen Fällen wiederrum besser ist, die Mitarbeiter über eine Maßnahme erst gar nicht zu informieren. Hier wurde von zwei Unternehmen das Beispiel der Druckniveauabsenkung von Druckluftanwendungen ge- nannt. Ohne Kommunikation funktioniert die Einsparung reibungslos. Wird die Maßnahme kommuniziert, so wird sie auch von einigen Mitarbeitern hinterfragt und kritisiert. EINBINDUNG NEUTRALER DRITTER Aufgrund des hohen Zeitbedarfs bei der Ermittlung von Energieeffizienzpotentialen und der Konzeption von Maßnahmen und den z. T. technisch sehr komplexen Sachverhalten ist es unter bestimmten Umständen ratsam, externe neutrale Hilfe und Beratung zur sachli- chen und objektiven Beurteilung einer Maßnahme heran zu ziehen. Die für Energiema- nagement verantwortliche Person hat durch seine langjährige Zughörigkeit zum Unter- nehmen oftmals eine ganz bestimmte Sichtweise auf die Ausgestaltung bestimmter Maß- nahmen. Die Meinung eines neutralen Dritten kann in diesem Fall neue Ideen und Konzep- te ermöglichen. Es ist möglich, dass externe neutrale Berater Energieeffizienzpotentiale in einigen Fällen besser einschätzen können, indem sie auch mögliche Alternativen zu einer vorgesehenen Lösung berücksichtigen und einen unvoreingenommenen Blick auf die Prozesse und Ener- gieanwendungen haben. Bei Spezialisierung dieser Berater auf Klimaschutzmaßnahmen in Industriebetrieben ist es auch zu erwarten, dass diese einen geringeren Zeitbedarf für die Konzeption der Maßnahmen haben. Aus Sicht der Teilnehmer stellt die Betreuung von studentischen Abschlussarbeiten eine gute Möglichkeit dar, die unvoreingenommene Sicht eines kompetenten Dritten über län- geren Zeitraum im Unternehmen zu nutzen. Die Ergebnisse einer solchen Abschlussarbeit wurden im Anschluss von Herrn Petersen in einem Kurzvortrag präsentiert. Die Universität kann auch im Rahmen von Folgeprojekten nach Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes detaillierte individuelle Konzepte für Einzelunternehmen in Flensburg anfertigen. CONTRACTING Die Hemmnisse der ungeklärten Kosten-Nutzen Situation und des hohen Zeitbedarfs zur Konzeption von Maßnahmen haben dazu geführt, dass sich im Bereich Energietechnik ei- Anhang A: Workshop Dokumentationen 203 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ne neue Branche entwickelt hat: Contractinganbieter bieten Unternehmen die Möglich- keit, Maßnahmen ohne Investitionsrisiko und ohne Laufzeitunsicherheit umsetzen zu lassen. Im Fall des Versorgungscontractings wird die energietechnische Anlage im Unternehmen durch den Energiedienstleister betrieben und lediglich die zur Verfügung gestellte Nut- zenergie in Rechnung gestellt. Dies ist ein neues Geschäftsfeld und in den Flensburger In- dustrieunternehmen fehlen dazu bislang noch die Erfahrungen. Zudem besteht in der Stadt für Versorgungscontracting nur ein eingeschränktes Potential, da Strom und Fern- wärme bereits extern bedarfsgerecht und ohne notwendige Investitionen geliefert wer- den. In diesem Bereich wurde bereits vielen Unternehmen in Flensburg Beleuchtungs- contracting angeboten, wobei noch keine derartigen Projekte umgesetzt wurden. Weiterhin wird Unternehmen auch Einsparcontracting angeboten. Hier werden Energieef- fizienzmaßnahmen durch das Contractingunternehmen umgesetzt, worauf ein Teil der eingesparten Energiekosten an den Energiedienstleister zurückfließt. Auch in diesem Be- reich bestehen noch keine Erfahrungen mit tatsächlich umgesetzten Projekten. ERFAHRUNGSAUSTAUSCH, NETZWERKBILDUNG Es ist denkbar, dass viele der oben identifizierten Hemmnisse auch dadurch in ihrer Auswir- kung vermindert werden können, dass die Unternehmen in ähnlichen Fragestellungen Ihre Erfahrungen und ihre Erkenntnisse austauschen und dadurch von einander lernen können. In einem Impulsvortrag von Seiten der Universität wurden der Ablauf, die Organisation und die Erkenntnisse über die Vorteile von lernenden örtlichen Energieeffizienznetzwerken vor- gestellt. Regelmäßige Treffen und Veranstaltungen zu verschiedenen technischen Aspek- ten in einer Gruppe von 10 - 15 Unternehmen unterschiedlicher Brachen ist eine Möglich- keit, wie der Erfahrungsaustausch zur Beschleunigung der Identifikation und Umsetzung sinnvoller Energieeffizienzmaßnahmen organisiert werden kann. Wird das Netzwerk durch einen externen Anbieter organisiert, moderiert und werden noch externe Experten zu den Treffen eingeladen, so entstehen für die teilnehmenden Unternehmen ca. 6.000 bis 8.000 EURO Teilnahmekosten für die Projektphase (in der Regel 3-4 Jahre). Verschiedene wissenschaftliche Arbeiten haben derartige Unternehmensnetzwerke be- gleitet und berichten von positiven Effekten für die Teilnehmer: So ist es möglich, dass der spezifische Energieverbrauch in den Unternehmen im Vergleich zu unbeteiligten Unter- nehmen in der Hälfte der Zeit gesenkt werden kann. Weiterhin werden durch die intensive Diskussion und Beschäftigung mit den Fragestellungen durch unternehmensexterne Perso- nen viele neue Konzepte und Ideen ermöglicht und der individuelle Kenntnisstand der Verantwortlichen weiter verbessert. Durch das Engagement des Unternehmens in einem derartigen Netzwerk kann zudem auch der Stellenwert von Energieeffizienz im Unterneh- men - insbesondere gegenüber der Geschäftsführung - gesteigert werden. Es wurde deutlich, dass die Teilnehmer einer derartigen Form der Zusammenarbeit skep- tisch gegenüberstehen. Die häufigen Treffen bringen aus ihrer Sicht nur wenige Vorteile, wenn die Unternehmen einen unterschiedlichen Unternehmenshintergrund und abwei- 204 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg chende technische Fragestellungen haben. Zudem haben einige Unternehmen in der Vergangenheit bereits negative Erfahrungen mit derartigen Netzwerken gemacht, da in diesen Fällen die Schnittmengen zwischen den Netzwerkteilnehmern nur sehr gering wa- ren. Von Seiten der Universität wurde festgehalten, dass gewisse Schnittmengen zwischen den Flensburger Industrieunternehmen durchaus vorhanden sind: Mit Blick auf die zuvor ermit- telte Verteilung der in den Unternehmen geplanten Energieeffizienzmaßnahmen auf die Querschnittstechnologien werden einige Gemeinsamkeiten deutlich. Es wurde angeregt, dass die Unternehmen die Treffen nach Bedarf und ohne kommerzielle Koordination und Moderation durchführen können. Bei dieser Form der Organisation fallen keine Fixkosten für die Unternehmen an. Beispielsweise wären halbjährige Treffen mit einem Zeitaufwand von 4-5 Stunden denkbar. Trotz des geringen zeitlichen Aufwands ist hierfür ein Kümmerer notwendig, der die Treffen vorbereitet, leitet und auswertet. Diese Rolle kann die Universi- tät zukünftig für den Klimapakt Flensburg e.V. oder im Rahmen weiterer Projekte für den kommunalen Klimaschutz in Flensburg übernehmen. Der Prozess und die Treffen im Rahmen eines solchen Austauschs Flensburger Unterneh- men sollten vorab mit konkreten Zielsetzungen belegt werden, um sicherzustellen, dass für die Unternehmen greifbare Ergebnisse erarbeitet werden. Dabei bietet das zu erstellende Klimaschutzkonzeptes für den Industriesektor mit den zu Grunde liegenden Zielsetzungen zur CO2-Reduktion geeignete Leitlinien für die Definition von Unterzielen. Weiterhin ist es möglich, den Bereich der betrachteten Themen auszuweiten und bei- spielsweise auch die Einführung und Bewertung von Managementsystemen, die Versor- gung mit erneuerbaren Energien oder unternehmensstrategische und standortspezifische Fragestellungen mit Bezug auf den Klimaschutz zu diskutieren. Durch diese Anpassungen ist es denkbar, im Rahmen der Klimapakt-Initiative ein Unter- nehmensnetzwerk zu etablieren, welches das Verhältnis von Kosten und Nutzen für die Un- ternehmen und für den Klimaschutz in der Stadt gegenüber sonstigen lernenden örtlichen Netzwerken deutlich verbessert. Das weitere Vorgehen zur Etablierung eines losen Netzwerkes zum Erfahrungsaustausch unter Koordination der Universität sollte auf dem zweiten Workshop abgestimmt werden. ALTERNATIVE FINANZIERUNGSKONZEPTE Die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen mit einer langen Amortisationsdauer stellt trotz Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen oftmals eine Herausforderung für die Unternehmen dar. Eine Lösung für dieses Problem können alternative Finanzierungskonzepte darstellen, bei denen die gewöhnlichen Anforderungen der Fremdkapitalgeber an die Amortisations- zeit und die Rentabilität nicht zutreffen oder herabgesetzt werden können. Eine Möglichkeit der teilweisen Finanzierung stellen Förderprogramme dar. Sollten für ein- zelne Industriesektoren von Seiten des Gesetzgebers strengere Effizienzvorgaben ausge- geben werden, so ist auch zu erwarten, dass die staatlichen Förderprogramme ausgebaut Anhang A: Workshop Dokumentationen 205 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG werden. Bereits heute können Einzelprojekte, insbesondere bei Nutzung innovativer Tech- nologien, umfassend gefördert werden. Zum Thema alternative Finanzierungsmöglichkeiten von Klimaschutzmaßnahmen in Flens- burg führt die Universität am 15.04.2011 einen weiteren Workshop durch. Hier soll ein Finan- zierungsmodell auf Basis eines rollierenden Fonds diskutiert und an die Flensburger Situation angepasst weiterentwickelt werden. Die Teilnehmer des Workshops Industrie aus Flensburg wurden zu dieser Veranstaltung bereits eingeladen. ZUSAMMENFASSUNG Es wurden Ansätze zur Überwindung der zuvor identifizierten Hemmnisse aufgezeigt. Diese können von den Unternehmen sowohl individuell als auch in der Zusammenarbeit mit Partnern umgesetzt werden. Bei der Vermittlung von studentischen Abschlussarbeiten und bei der Durchführung von Folgeprojekten kann die Universität die Rolle des neutralen Drit- ten übernehmen. Weiterhin ist es empfehlenswert, im zweiten Workshop die Ausgestaltung von Folgetreffen im Kreise der Teilnehmer festzulegen, um ein Flensburger Modell eines lernenden örtlichen Unternehmensnetzwerkes im Rahmen des Klimapaktes zu entwickeln, welches sich an den Bedürfnissen und Anforderungen der beteiligten Unternehmen orien- tiert. Die Möglichkeiten alternativer Finanzierungskonzepte sollen auf dem Workshop am 15.04.2011 diskutiert werden. 9.4.5 Ausblick und Vorbereitung des zweiten Workshops Im letzten Block der Veranstaltung wurden Anregungen für das weitere Vorgehen in den Unternehmen gegeben. Im Anschluss daran wurden die nächsten Schritte bei der Erstel- lung des Klimaschutzkonzeptes im Industriesektor abgestimmt und geklärt, wie der zweite Workshop vorbereitet werden soll. VORTRAG HERR KURBJUHN (IHK FLENSBURG) Herr Kurbjuhn stellte in seinem Vortrag den Zertifikatslehrgang zum Energiebeauftragten (IHK) vor. Diese Fortbildung, zu der interessierte Mitarbeiter der Industrieunternehmen in Flensburg eingeladen sind, wird im Rahmen der DIHK-Initiative für Klimaschutz, Energieeffi- zienz und Innovation angeboten und gefördert. Der Gesamtumfang umfasst 54 Unter- richtsstunden inkl. Anfertigung einer Praxisarbeit im Unternehmen und Abschlusstest als Leistungsnachweis. Durch die Förderung betragen die Kosten für die Unternehmen pro Teilnehmer 369,67 EURO. Der Lehrgang soll in Flensburg noch im ersten Halbjahr beginnen. VORTRAG HERR PETERSEN (KWKON) Herr Petersen stellte die Ergebnisse seiner Diplomarbeit vor, die er im Studienfach Energie- und Umweltmanagement an der Universität Flensburg bei der Flensburger Werft angefer- tigt hat. Dabei wurde zunächst im Rahmen einer Makro- und einer Mikroanalyse die Struktur und Aufteilung des Stromverbrauches auf die einzelnen Anwendungen und Prozesse ermittelt. Anschließend wurden die Potentiale von Energieeffizienzmaßnahmen bestimmt und ent- 206 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg sprechend der möglichen Einsparungen und ihrer Wirtschaftlichkeit priorisiert. Insgesamt wurden 20 organisatorische, gering-investive und investive Maßnahmen vorgeschlagen. Die wirtschaftlichen Maßnahmen können mit Investitionen von 190.000 EURO umgesetzt werden und ermöglichen eine Energiekosteneinsparung von 145.000 EURO pro Jahr. Aus Sicht des Unternehmens ist die Abschlussarbeit sehr positiv zu bewerten. Die Messun- gen im Rahmen der Diplomarbeit waren sehr aufschlussreich und die Maßnahmenvor- schläge bilden die Grundlage für die Aktivitäten der nächsten 5-10 Jahre im Bereich Ener- giemanagement. Der Betreuungsaufwand für eine Diplomarbeit ist nicht zu unterschätzen. In den ersten zwei Monaten der Diplomarbeit ist ca. 10-15 % der Arbeitszeit des Betreuers notwendig. ABSTIMMUNG DES WEITEREN VORGEHENS Als Grundlage für die Weiterarbeit am Klimaschutzkonzept für den Industriesektor werden Informationen darüber benötigt, wie weit sich der Energieverbrauch in den Unternehmen durch Energieeffizienzmaßnahmen reduzieren lässt. Auf dem zweiten Workshop soll darauf aufbauend erarbeitet werden, wie die betriebliche Energieversorgung bis zum Jahr 2050 komplett auf Strom und Fernwärme aus Erneuerbaren Energiequellen und auf biogene Brennstoffe umgestellt werden kann, um die CO2-Neutralität zu erreichen. Die Universität darf im Rahmen dieses Projektes keine detaillierten Einzelkonzepte für Un- ternehmen erstellen. Es ist daher derzeit nicht möglich, in den teilnehmenden Unterneh- men Untersuchungen zu möglichen Energieeffizienzmaßnahmen durchzuführen. Man ist zur Konzepterstellung auf die Mithilfe der teilnehmenden Unternehmen angewiesen. Wer- den von den Unternehmen mögliche Energieeffizienzmaßnahmen genannt und Informati- onen zu den zu erwarteten Energieeinsparungen und Investitionskosten zur Verfügung ge- stellt, kann durch die Universität die Auswertung erfolgen, welche Maßnahmenkombinati- on das Optimum für die Unternehmen und den Sektor darstellt. Durch die integrierte Betrachtung aller Maßnahmen und die sektorinterne und sektorüber- greifende Abstimmung können die Kosten für die Vermeidung der Treibhausgase minimiert werden, indem die Synergien am Standort Flensburg bestmöglich genutzt werden. An die Teilnehmer wurden Bögen zur Abfrage der geplanten und möglichen Energieeffi- zienzmaßnahmen in den verschiedenen Technologiebereichen verteilt. Diese wurden den Ansprechpartnern auch elektronisch zugesandt. Die Teilnehmer wurden gebeten, diese nach derzeitigem Kenntnisstand bis Ende Mai auszufüllen und an die Universität zurück zu schicken. Folgende Inhalte sind für den zweiten Workshop vorgesehen, der voraussichtlich im Juni oder Juli 2011 stattfinden wird: Abschluss Sektorkonzept „Bedarfsreduzierung und Energieeffizienz“ Versorgung mit grünem Strom / grüner Fernwärme / biogenen Brennstoffen Anhang A: Workshop Dokumentationen 207 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Vernetzbarkeit der Maßnahmen Vorbereitung zukünftiger Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Flensburg Erfolgskontrolle (Monitoring und Controlling) Klimaschutz als Standortfaktor / Standortmarketing 208 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 9.5 Öffentliche Immobilien Flensburg 31.03.2011 Teilnehmer: Volker Behl (GMSH, Projektleiter) Dr. Peter Schröders (Stadt Flensburg, Abtei- lungsleiter kommunale Immobilien) Norbert Benthin (GMSH, Verantwortlich für das Energiemanagement und Energieausweise) Manfred Merteneit (Stadt Flensburg, Controlling kommunale Immobilien, Energiemanagement) Peter Gerns (GMSH, Verantwortlich für die bau- liche Entwicklungsplanung der CAU Kiel) Carola Sealey (Stadt Flensburg, Immobilienwirt- schaft und Instandhaltung) Fritz Petersen (Technischer Leiter der Diako Flensburg) Andreas Carstensen (Stadt Flensburg, Verant- wortlich für TGA und Gebäudeautomation) Ralf Ebelt (Stadt Flensburg, kommunale Immo- bilen) Prof. Olav Hohmeyer (Uni Flensburg) Simon Laros (Uni Flensburg) Helge Maas (Uni Flensburg) Emöke Kovac (Uni Flensburg) 9.5.1 Ausgangslage und Ziele Der Workshop „Öffentliche Liegenschaften“ war der fünfte in der 16-teiligen Reihe von Themenworkshops zur Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzepts für Flensburg im Auf- trag der Stadt Flensburg und des Klimapakt Flensburg e.V. Ziel des Workshops war es, durch eine Analyse der Effizienzpotentiale in den einzelnen öf- fentlichen Liegenschaften den Beitrag dieses Sektors zum Klimaschutz zu identifizieren. Der Fokus lag auf der Verringerung des Heizwärmebedarfs von aktuell circa 50.000 MWh pro Jahr. Zu den öffentlichen Liegenschaften wurden die Gebäude von der Stadt, dem Land, dem Bund und den beiden Flensburger Krankenhäuser gezählt. Die militärisch genutzten Gebäude in Flensburg und die kommunale Abwasserreinigungsanlage sind nicht in die Betrachtung mit eingeflossen. Neben der Zieldefinition für das Jahr 2050 zur Reduzierung des Heizwärmeverbrauches wurde von den Workshop-Teilnehmern angegeben, wann an welchem Gebäude Reno- vierungsmaßnahmen zur Instandhaltung durchgeführt werden und wie weit der Fernwär- mebedarf durch eine gleichzeitige energetische Sanierung reduziert werden kann. Da energetische Standards entgegen Vorgaben zum Brandschutz und der Barrierefreiheit für den Gebäudebestand nicht gesetzlich vorgeschrieben sind, ist es notwendig, die Einspar- potentiale und die wirtschaftlichsten Energieeffizienzmaßnahmen zu ermitteln. Anhang A: Workshop Dokumentationen 209 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.5.2 Rolle der öffentlichen Liegenschaften: Die betrachteten Liegenschaften nehmen eine Vorreiterrolle im öffentlichen Leben ein. Zum einen haben die Gebäude eine repräsentative Funktion und weisen eine hohe Fre- quentierung durch den Publikumsverkehr auf(Schüler, Studenten, Besucher, Arbeitnehmer, etc.). Zum anderen ist die Erreichung der eigens gesetzten Reduktionsziele eine Frage der Glaubwürdigkeit der Landes- und der Bundesregierung. Letztgenannte hat im Energiekon- zept vom 28. September 2010 beschlossen, die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 40 %, bis zum Jahr 2030 um 55 %, bis zum Jahr 2040 um 70 % und bis zum Jahr 2050 um 80-95% unter das Niveau von 1990 zu senken. Diese Ziele sind nur im Zusam- menspiel zwischen dem Einsatz erneuerbarer Energien und der Reduzierung des Energie- verbrauches erreichbar. Maßnahmen zum Klimaschutz, wie z. B. die energetische Gebäudesanierung, müssen künftig verstärkt öffentlichkeitswirksam dargestellt werden. Zur Konkretisierung dieses Plans wurde eine Zusammenarbeit mit dem Klimapakt Flensburg und dessen beauftragten Mar- keting-Büro für die Öffentlichkeitsarbeit vorgeschlagen. 9.5.3 Kategorisierung von Liegenschaften und Kennzahlen Um eine Vergleichbarkeit der unterschiedlich genutzten öffentlichen Liegenschaften zu gewährleisten und um eine Definition von Zielwerten für die Fernwärmeverbräuche zu er- möglichen, wurden die Fernwärmeverbräuche der betrachteten Liegenschaften mithilfe der Gebäudekategorien gemäß des Bauwerkzuordnungskataloges auf die jeweilige Net- togrundfläche (NGF) bezogen. Hierzu erfolgte im Vorfeld eine Witterungsbereinigung der Daten. Der resultierende spezifische Fernwärmeverbrauch wurde in Relation zu den jewei- lig geltenden EnEV-Vergleichswerten betrachtet. In Abbildung 71 (S. 210) ist die Systematik dieses Vergleiches am Beispiel der Gebäude des Campus Flensburg dargestellt. 210 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 71: VERGLEICHSWERTE (BWZK) FÜR DEN SPEZIFISCHEN HEIZENERGIEVERBRAUCH ALS STEUERUNGSRELEVANTE KENNZAHL Anhand der so gewonnen Daten kann eine erste Priorisierung der zu sanierenden Gebäu- de unter Berücksichtigung der gebäudespezifischen Nutzung erfolgen. Die EnEV-2007- Vergleichswerte entsprechen den bundesdeutschen Mittelwerten für Gebäude, die nach dem Bauwerkszuordnungskatalog kategorisiert sind. Die EnEV-2009-Vergleichswerte er- rechnen sich durch eine Reduktion der EnEV-2007-Vergleichswerte um 30 %. 9.5.4 Monitoring und Controlling Um die Energiemehrverbräuche durch eine energetisch schlechte Bausubstanz von nut- zungsbedingten Mehrverbrächen abzugrenzen, müsste die genaue Nutzung der einzelnen Liegenschaften bekannt sein. Eine Dokumentation der Nutzungszeiten wird derzeit noch nicht vorgenommen. Ebenso sind eine automatische Erfassung mit intelligenten Wärme- mengenzählern sowie eine umfassende Gebäudeleittechnik derzeit nicht vorhanden. Die Auswertung und Handhabbarkeit von den resultierenden Datenmengen ist eine große Herausforderung für die Gebietskörperschaften. Um ein Monitoring der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes zu ermöglichen, haben sich die Teilnehmer des Workshops auf eine jährliche Mitteilung der Energieverbräuche der Lie- genschaften an die Universität Flensburg und die Benennung eines Ansprechpartners für den Klimapakt geeinigt. Anhang A: Workshop Dokumentationen 211 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.5.5 Maßnahmen zur Energieeinsparung anhand von Fallbe ispielen Während des Workshops wurden Maßnahmen zur Energieeinsparung anhand von Fallbei- spielen vorgestellt und diskutiert. Betrachtet wurden sowohl der Flensburger Campus mit den Gebäuden der Fachhochschule und Universität Flensburg als auch die Liegenschaf- ten des Diako-Krankenhauses. Im Folgenden werden die Ergebnisse dieser Diskussion an- hand von Maßnahmenbündeln beschrieben. Mögliche Maßnahmen können in gering investive Maßnahmen, Maßnahmen zur Beeinflussung des Nutzerverhaltens und investive Maßnahmen unterteilt werden. Der Fokus des Workshops lag auf der Identifikation investi- ver Maßnahmen in den von den Teilnehmern verwalteten Liegenschaften. Die Ergebnisse dieser Analyse wurden in der Nachbereitung aufgearbeitet. 9.5.5.1 Bestandsanalyse und Energieausweise Die Analyse für den Campus Flensburg hat den Schluss nahe gelegt, dass die durch die EnEV vorgeschriebenen verbrauchsbasierten Energieausweise für öffentliche Gebäude teils auf inflationäre Weise erstellt werden. Zum Zeitpunkt der Erstellung der Ausweise konn- te der Gesamtverbrauch den einzelnen Gebäuden aufgrund von fehlenden Unterwär- memengenzählern nicht richtig zugeordnet werden. Zudem waren die Nettogrundflächen oft nicht bekannt. Da die Vorgaben der EnEV keine Benennung von Ansprechpartnern in den Energieaus- weisen erfordern, können Potentiale durch Vorschläge der Nutzer zur Energieeinsparung nicht ausgeschöpft werden. Missstände wie defekte Fenster werden oft nicht zeitnah an- gesprochen und beseitigt. Eine sorgfältige Ausfertigung der Energieausweise kann erheb- liche Potentiale für gering investive Maßnahmen zur Energieeinsparung aufdecken. Ther- mografien können helfen, den energetischen Zustand des Gebäudes zu erfassen und werden daher in Zukunft vermehrt eingesetzt. Für die Gebäude der Fachhochschule und der Universität Flensburg wurde im Rahmen der Workshop-Vorbereitung eine detaillierte Bestandsanalyse durchgeführt. Abbildung 71 zeigt am Beispiel des A-Gebäudes der Fachhochschule das Ergebnis dieser Bestandsanalyse. So wurde für jedes Gebäude ein erweiterter Energieausweis mit den monatlich aufgeschlüs- selten und witterungsbereinigten Energieverbräuchen (Strom und Wärme) der letzten bei- den Jahre, Ansprechpartnern sowie allgemeinen und energetischen Informationen zum Gebäude ausgestellt. Die erweiterten Energieausweise enthalten zudem Informationen zu bereits umgesetzten, geplanten und weiteren Energieeinsparpotentialen. Ebenso wurde die Eignung der Dachflächen für die Nutzung von Solarenergie geprüft. In Abschnitt 10.3 (S.408) im Anhang B können die 17 im Rahmen der Bestandsanalyse erstellten erweiterten Energieausweise eingesehen werden. 212 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 72: ERWEITERTER ENERGIEAUSWEIS DES A-GEBÄUDES DER FH FLENSBURG 9.5.5.2 Gering-investive Maßnahmen UNTERZÄHLER FÜR STROM UND WÄRME Gebäudespezifische Unterzähler für Strom und Wärme ermöglichen ein klareres Bild für eine Analyse eines heterogenen Liegenschafts-Portfolios. Einer energetischen Sanierung sollte stets eine Installation von Unterzählern zuvor gehen, um eine spätere Bewertung der Sanierung zu ermöglichen. Eine aufgeschlüsselte Dokumentation der Verbräuche wird zu- dem zur Bewertung der Effekte von Verhaltensänderungen der Nutzer benötigt. GEBÄUDELEITTECHNIK, EUROPÄISCHER INSTALLATIONSBUS (EIB) Es besteht ein Trend zur zunehmenden Gebäudeautomation durch automatische Licht- steuerung. Beispiele sind Präsenzmelder in Fluren und Toiletten. Es besteht ein Konsens, dass solche Maßnahmen mit den Nutzern abgestimmt sein sollen, und dass diese die Mög- lichkeit haben sollten, die Automation intelligent anzupassen. Schulungen für die Haus- meister und der Verantwortlichen für das Gebäudemanagement sind zwingend notwen- dig. GREEN IT? Die Anzahl der elektronischen Verbrauchsstellen in öffentlichen Liegenschaften nimmt drastisch zu. So gibt es mehr PCs, größere Displays, Active/Smart Boards und strengere An- forderungen (Vorschriften) an die Ausleuchtung. Diese Zunahme konterkariert die durch Effizienz erzielten Einsparmaßnahmen. Da der Strombedarf noch am ehesten regenerativ bereitstellbar ist, lag der Fokus dieses Workshops jedoch auf der Reduktion des Heizener- gieverbrauchs. HEIZUNGSSYSTEM Dem hydraulischen Abgleich wird ein Einspareffekt von 4-5 % zugesprochen. Durch um- fangreiche Schulungsmaßnahmen für Hausmeister werden die Einsparpotentiale einer op- Anhang A: Workshop Dokumentationen 213 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG timal eingestellten Heizungsanlage ausgeschöpft. Durch hocheffiziente Heizungspumpen kann der Eigenbedarf des Heizungssystems um bis zu 60 % reduziert werden. VERMINDERUNG VON WARMLUFTVERLUSTEN Ein Windfang wird eingesetzt, um die direkten Warmluftverluste durch das Betreten und Verlassen von öffentlichen Gebäuden zu minimieren. Am Campus Flensburg wurde fest- gestellt, dass die Energiesparwirkung von Windfängen mit zwei automatischen Schiebetü- ren nicht zum Tragen kommt, wenn der Eingang durch mehrere Personen zur gleichen Zeit genutzt wird. Als Optionen zur Lösung dieses Problems wurden manuelle Türen oder Karus- selltüren identifiziert. Der Warmluftschleier führt zu einem Strommehrverbrauch und ist da- her kein nachhaltiges Konzept. Um eine dauerhafte Öffnung der Türen zu verhindern, soll- ten feststellbare Türen vermieden werden. Barrierefreiheit kann bei ausreichenden Platz- verhältnissen durch eine zusätzliche automatische Schwingtür mit einer geeigneten Ver- zögerung realisiert werden. Eine einfache Maßnahme zur Verminderung weiterer Warm- luftverluste ist die Überprüfung der Dichtungen sowie eine Nachjustierung von Fenstern und Türen. 9.5.5.3 Nutzerverhalten KAMPAGNE Kampagnen zur Beeinflussung des Nutzerverhaltens können zu erheblichen Energieeinspa- rungen führen. Der Effekt ist allerdings nicht verlässlich und kann nach einer Weile erneute Kampagnen erfordern. Briefe mit Energiespartipps hatten in der Vergangenheit wenig Er- folg und Einsparbestrebungen in der EDV haben nach Erfahrung der Teilnehmer zu Akzep- tanzproblemen geführt. Eine Alternative zu zentral organisierten Kampagnen ist die eigen- verantwortliche Organisation von Veranstaltungen zum Energiesparen in den Liegenschaf- ten. FIFTY-FIFTY Der Fifty-Fifty-Ansatz beschreibt eine 50-prozentige Beteiligung der Nutzer an den durch ihr Verhalten reduzierten Energiekosten. Wichtig für den Fifty-Fifty-Ansatz ist eine gute Daten- grundlage. Um diesen Ansatz nach einer Sanierung umzusetzen, müsste zunächst drei Jah- re der Verbrauch erfasst werden. ÖKO-AUDIT Das Konzept des Öko-Audits in Schulen basiert auf einer durch Wettbewerb motivierten Anpassung des Nutzerverhaltens. Dieses Konzept beinhaltet den pädagogischen Ansatz, dass jungen Leuten das Energiesparen früh vermittelt werden muss. Ist diese Überzeugung früh verankert, führt es zusätzlich zu einer Adaption des familiären Energieverbrauchsver- haltens. Energiebewusstsein muss Bestandteil der Erziehung im Kindergarten und in der Schule werden. So wird Energiesparen „cool“ und gesellschaftlich gestützt. 214 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 9.5.6 Stufenplan / Verbrauchsziele Als verlässlichste Klimaschutzmaßnahmen bei den öffentlichen Liegenschaften wurden die energetischen Gebäudesanierungen/investive Maßnahmen identifiziert. Da das Portfolio der öffentlichen Liegenschaften sehr heterogen ist, müssen die Einsparpotentiale durch energetische Sanierung spezifisch für jede Liegenschaft identifiziert werden. Dazu wurde für den Workshop ein Tool entwickelt, das die möglichen energetischen Maßnahmen und deren Effekte für den Zeitraum bis zum Jahr 2050 für die einzelnen Liegenschaften darstellt. Die Teilnehmer wurden in die Lage versetzt, Reduktionsziele bis zum Jahr 2050 zu definieren und herauszufinden, mit welchen Maßnahmen in welchen Liegenschaften diese Ziele er- reicht werden können. Als Ergebnis wurde eine mögliche Reduktion des Fernwärmever- brauchs bis zum Jahr 2050 um 25-35 % identifiziert. Der Denkmalschutz wurde für den be- trachteten Zeitraum konstant gesetzt. Zurzeit nicht absehbarer technologischer Fortschritt in der Gebäudesanierung wurde nicht eingerechnet. Die Teilnehmer des Workshops haben die in den Abbildungen 2 bis 4 dargestellten Reduk- tionen des Fernwärmeverbrauchs abgeschätzt. Allein der GMSH-Arbeitsgruppe ist es ge- lungen, die Zielvorgabe einer Halbierung des Fernwärmeverbrauches zu erreichen. Hierfür müssen allerdings alle Liegenschaften der GMSH in den kommenden 40 Jahren energe- tisch saniert werden. Dieses bedeutet ein Verlassen des bisherigen Renovierungszyklus’ und führt zu einer deutlichen Steigerung der energetischen Mehrkosten. Wird der Renovie- rungszyklus nicht verkürzt, wurde von allen Arbeitsgruppen eine Reduktion des Fernwärme- verbrauches um 25-35 % als realistischer bewertet. Der übrige Fernwärmebedarf soll dann durch grüne Fernwärme von den Stadtwerken Flensburg CO2-neutral bereitgestellt wer- den. Der Fernwärmebedarf der Schulen der Stadt Flensburg kann bis 2050 um 23 % und bei den übrigen Liegenschaften der Stadt Flensburg um 32 % reduziert werden. Die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen sind in den folgenden drei Abbildungen (S. 215 und 216) darge- stellt. Anhang A: Workshop Dokumentationen 215 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ABBILDUNG 73: REDUKTION DES FERNWÄRMEVERBRAUCHS IN DEN LIEGENSCHAFTEN DER GMSH ABBILDUNG 74: REDUKTION DES FERNWÄRMEVERBRAUCHS IN DEN VON DER STADT FLENSBURG VERWALTETEN SCHULEN 0 1000 2000 3000 4000 5000 6000 7000 8000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 Fe rn w är e m ve rb ra u ch in M W h Kraftfahrt-Bundesamt Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr S-H Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr S-H Finanzamt Flensburg Arbeitsgericht Flensburg Justizvollzugsanstalt Flensburg Justizbehörden Flensburg Bundespolizeiamt Bundespolizeiinspektion Flensburg Zollabfertigungsstelle Flensburg Stadt Hauptzollamt Itzehoe Polizeidirektion Polizeidirektion und Bezirkskriminalinspektion Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR Ziel (53%) 0 5000 10000 15000 20000 25000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 Fe rn w är m e in M W h Förderschulen Berufsbildende Schulen Gymnasien Gemeinschaftsschulen + IGS Grundschulen Zielvorgabe 216 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 75: REDUKTION DES FERNWÄRMEVERBRAUCHS IN DEN ÜBRIGEN LIEGENSCHAFTEN DER STADT FLENSBURG 9.5.7 Aufarbeitung der Ergebnisse des Workshops Die folgende Abbildung (S. 217) zeigt den entwickelten Stufenplan für die Reduktion des Fernwärmeverbrauchs der im Workshop analysierten öffentlichen Liegenschaften. Insge- samt ist bis zum Jahr 2050 eine Reduktion des Fernwärmeverbrauchs um 27 % möglich. Die Angaben der Workshop-Teilnehmer zu geplanten und zukünftigen Maßnahmen der ener- getischen Gebäudesanierung wurden in der Nachbereitung des Workshops aufbereitet, um eine zukünftige Priorisierung zu unterstützen. Da die Flensburger Schulen mit einem Hei- zenergieverbrauch von 24.000 MWh eine große Verbrauchsgruppe bilden, wird die Aufar- beitung der identifizierten Maßnahmen exemplarisch an diesem Beispiel durchgeführt. Für die Dekade 2041-2050 wurden für die Flensburger Schulen keine Energieeffizienzmaßnah- men angegeben. 0 1000 2000 3000 4000 5000 6000 7000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 Fe rn w är m e in M W h Sonstige Feuerwehr/Zivilschutz Kindertagesstätten Museen Verwaltungsgebäude Ziel (32%) Anhang A: Workshop Dokumentationen 217 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ABBILDUNG 76: STUFENPLAN DER FERNWÄRMEREDUKTION DER IM WORKSHOP ANALYSIERTEN ÖFFENTLICHEN LIEGENSCHAFTEN 9.5.7.1 Portfoliodarstellung In der Portfoliodarstellung werden die analysierten Liegenschaften grafisch je nach ihrem spezifischen und ihrem Gesamtwärmeverbrauch in ein Koordinatensystem eingetragen. Die X-Achse beschreibt den spezifischen Heizenergieverbrauch in kWh pro m² Nettogrund- fläche. Liegenschaften mit einem hohen spezifischen Heizenergiebedarf sind somit weiter rechts aufgetragen. Die Y-Achse beschreibt den Gesamtheizenergieverbrauch der Lie- genschaft in MWh pro Jahr. Große Liegenschaften mit einem hohen Gesamtheizenergie- bedarf sind somit oben im Koordinatensystem aufgetragen. Das Koordinatensystem lässt sich nun in vier Quadranten mit verschiedenen Charakteristika aufteilen (Portfoliodarstel- lung). Oben rechts befinden sich die Liegenschaften mit unzureichenden energetischen Stan- dards, die einen großen Anteil am Gesamtenergieverbrauch haben. Unten links sind die Liegenschaften mit einem geringen spezifischen Verbrauch und einem kleinen Anteil am Gesamtverbrauch aufgetragen. Wird nun die Situation in den Jahren 2010 bis 2040 (siehe Abbildung 77, S. 219) verglichen, so wird eine Verlagerung der Liegenschaften in den un- teren linken Bereich des Koordinatensystems deutlich. Die Portfoliodarstellung erleichtert die Priorisierung von Sanierungen. Liegenschaften mit unzureichenden energetischen Standards können leicht identifiziert werden, um sie dann in einem nächsten Schritt hin- sichtlich der Potentiale einer energetischen Optimierung zu untersuchen. 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 Fernwärmeverbrauch in MWh/a Krankenhäuser Schulen Sonstige kommunale Liegenschaften GMSH- verwaltete Liegenschaften Campus Flensburg 218 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 40 kWh/m²a 60 kWh/m²a 80 kWh/m²a 100 kWh/m²a 120 kWh/m²a 140 kWh/m²a 160 kWh/m²a 180 kWh/m²a Ja h re sv e rb ra u ch 2 0 1 0 in M W h Spezifischer Heizenergieverbrauch im Jahr 2010 in kwh/m² Nettogrundfläche Grundschulen Gemeinschaftsschulen + IGS Gymnasien Berufsbildende Schulen Förderschulen 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 40 kWh/m²a 60 kWh/m²a 80 kWh/m²a 100 kWh/m²a 120 kWh/m²a 140 kWh/m²a 160 kWh/m²a 180 kWh/m²a Ja h re sv e rb ra u ch 2 0 2 0 in M W h Spezifischer Heizenergieverbrauch im Jahr 2020 in kwh/m² Nettogrundfläche Grundschulen Gemeinschaftsschulen + IGS Gymnasien Berufsbildende Schulen Förderschulen 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 40 kWh/m²a 60 kWh/m²a 80 kWh/m²a 100 kWh/m²a 120 kWh/m²a 140 kWh/m²a 160 kWh/m²a 180 kWh/m²a Ja h re sv e rb ra u ch 2 0 3 0 in M W h Spezifischer Heizenergieverbrauch im Jahr 2030 in kwh/m² Nettogrundfläche Grundschulen Gemeinschaftsschulen + IGS Gymnasien Berufsbildende Schulen Förderschulen 2010 2020 2030 Anhang A: Workshop Dokumentationen 219 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ABBILDUNG 77: PORTFOLIODARSTELLUNG DER GEPLANTEN SCHULSANIERUNGEN. 9.5.7.2 Handlungsschritte zur Umsetzung des Stufenplans Zur Umsetzung des entwickelten Stufenplanes werden eine Ausweitung des Energiemana- gements und eine bessere Mittelausstattung benötigt. Die Teilnehmer des Workshops zeig- ten sich zuversichtlich, dass die gesteckten Ziele erreicht werden können. AUSWEITUNG DES ENERGIEMANAGEMENTS Ein umfassendes Energiemanagement sollte als ein ganzheitlicher Prozess bis zum Jahr 2050 angegangen werden. Dazu sollen in den betreffenden Abteilungen Ressourcen für die Aufgaben des Energiemanagements bereitgestellt werden. Das Monitoring und Con- trolling nimmt einen bedeutenden Stellenwert des Energiemanagements ein und gewinnt mit zunehmender Aufschlüsselung der Verbräuche an Komplexität. Das ganzheitliche Energiemanagement sollte allerdings darüber hinausgehen. Wichtige Schritte sind eine detaillierte Bestandsanalyse der Liegenschaften, die Planung von ener- getischen Sanierungen sowie die Umsetzung der vorgeschlagenen Energieeffizienzmaß- nahmen. Für diese Aufgaben können aus den resultierenden Einsparungen finanzierte Energiemanager eingestellt werden. Eine Alternative ist die Einbeziehungen von externen Energieberatern. Obwohl ein Vorteil dieser Alternative die erhöhte Überzeugungskraft ex- terner Einschätzungen ist, wird die Einrichtung eines kontinuierlichen internen Energiema- nagements favorisiert. FINANZMITTELAUSSTATTUNG Die Finanzierung von Energieeinsparmaßnahmen ist ein zentrales Thema und ein wesentli- cher Bestandteil des strategischen Energiemanagements in den Kommunen. Das Konjunk- turpaket II, mit einer Förderquote von bis zu 80 %, wurde als Quantensprung für die Ener- gieeffizienz gewertet. Mit diesem Paket wurde ein Bewusstsein für Energieeffizienzmaß- nahmen geschaffen. Aus diesem neuen Bewusstsein für Energieeffizienz resultieren weiter- gehende Energieeffizienz-Maßnahmen, die aufgrund des Auslaufens des Konjunkturpa- kets II nun durch die Gebietskörperschaften finanziert werden müssen. Die daraus folgen- 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 40 kWh/m²a 60 kWh/m²a 80 kWh/m²a 100 kWh/m²a 120 kWh/m²a 140 kWh/m²a 160 kWh/m²a 180 kWh/m²a Ja h re sv er b ra u ch 2 04 0 in M W h Spezifischer Heizenergieverbrauch im Jahr 2040 in kwh/m² Nettogrundfläche Grundschulen Gemeinschaftsschulen + IGS Gymnasien Berufsbildende Schulen Förderschulen 2040 220 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg de Einschränkung der Handlungsfähigkeit der Kommunen widerspricht den Politikvorga- ben zur Reduzierung der CO2-Emissionen, deren Erreichung weitere Folgeprojekte erfor- dern würde. Zur Lösung dieses Problems wurde ein zweistufiger Ansatz erarbeitet. In einem ersten Schritt sollten sich die Gebietskörperschaften auf kommende Fördertöpfe vorbereiten. Dazu ist es notwendig, das eigene Portfolio genau zu kennen und Konzepte zur energetischen Sanierung vorzubereiten. Da Fördermittel auch künftig erwartet werden, kann dann zeitnah auf die aktuelle Politik reagiert werden. Der Zeitpunkt der Umsetzung der erarbeiteten Sanierungskonzepte ist somit zu einem gewissen Teil auch von der För- derpolitik abhängig. Der aus den Angaben der Workshop-Teilnehmer entwickelte Sanie- rungsplan (siehe Abbildung 78, S. 221) weist bereits einen bedeutenden Schritt in die rich- tige Richtung. Ein umfassendes Energiemanagement muss in folgenden Schritten De- tailanalysen der Liegenschaften und detaillierte Sanierungskonzepte erarbeiten. Sind die eigenen Potentiale identifiziert, kann in einem zweiten Schritt die Politik adressiert werden. Als Beispiel wurde die Kombination der Priorisierung von Gebäudesanierungen mit der Schulentwicklungsplanung angeführt. Die auf Landesebene beschlossenen Schul- reformen führen zu hohen Investitions- und Folgekosten für die Kommunen. Eine zielgerich- tete Kommunikation dieser Verknüpfung könnte die energetische Sanierung beschleuni- gen. Die Bereitstellung von Finanzmitteln muss durch eine Verlagerung der Verantwortlich- keit für Klimaschutz in die höhere Entscheidungsebene gewährleistet werden. Der Klima- schutz erfordert Investitionen. Die Kenntnis der wirtschaftlichsten Effizienzmaßnahmen des Portfolios erhöht die Bereitschaft zur Bereitstellung dieser Finanzmittel. Ein empfehlenswertes Konzept für die Bereitstellung von Finanzmittel für Energieeffizienz- maßnahmen ist die Einrichtung eines Energieeffizienztopfes. Wichtig ist, dass die Ausstat- tung eines solchen Budgets nicht zu gering ist und die Bürokratie bei der Umsetzung redu- ziert wird. Anhang A: Workshop Dokumentationen 221 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Sanierungsplan ABBILDUNG 78: SANIERUNGSPLAN MIT DEN IDENTIFIZIERTEN ENERGIEEFFIZIENZMAßNAHMEN BIS ZUM JAHR 2030 Der in Abbildung 78 und Abbildung 79 (S. 222) unterteilte Sanierungsplan listet die identifi- zierten Maßnahmen chronologisch auf. Neben dem Liegenschaftsnamen und einer kurzen Beschreibung der Maßnahmen visualisiert die rechte Seite des Sanierungsplanes die Priori- sierung und ermöglicht eine Optimierung des entwickelten Sanierungsplanes. Zu diesem Zweck wurde der erwartete Effekt der Maßnahmen auf den Energieverbrauch in Relation gesetzt zu einer vereinfachten Unterscheidung in drei Kosten/Nutzen- Kategorien: Grün für günstig, orange für durchschnittlich und rot für teuer. In der Spalte Kosten/Nutzen-Einschätzung zur Priorisierung wurden folglich Maßnahmen mit vergleichs- weise geringen energetischen Mehrkosten in grüner Farbe hervorgehoben. Hierunter fallen Maßnahmen wie die Heizungsregelung oder Dämmung des Dachgeschosses. Maßnah- Ende 2011 umgesetzt Liegenschaftsname Beschreibung der Maßnhame Kosten/Nutzen-Einschätzung zur Priorisierung Einsparung Absolute jährliche Einsparung Schule Adelby Sanierung Bereits umgesetzt 54,0 kWh/m² a 221.022 kWh Schule Engelsby Sanierung Bereits umgesetzt 80,0 kWh/m² a 296.080 kWh Falkenbergschule Fertigstellung hauptgebäude, Sanierung Versorgungsleitungen Bereits umgesetzt 28,0 kWh/m² a 107.352 kWh Waldschule Sanierung Bereits umgesetzt 11,0 kWh/m² a 40.436 kWh Fridjof-Nansen-Schule komplett Sanierung Bereits umgesetzt 28,0 kWh/m² a 293.020 kWh Kurt-Tucholsky-Schule Sanierung Dach und Fassade durch Kreis Bereits umgesetzt 20,0 kWh/m² a 413.420 kWh Förderschue an der Reitbahn 17 Verkauf angestrebt Bereits umgesetzt 124,0 kWh/m² a 182.156 kWh Rathaus Nebengebäude, Bahnhofsstraße Vermarktung Bereits umgesetzt 120,0 kWh/m² a 110.760 kWh Zeitraum: 2012-2020 Stadt Flensburg Liegenschaftsname Beschreibung der Maßnhame Kosten/Nutzen-Einschätzung zur Priorisierung Einsparung Absolute jährliche Einsparung Schule Ramsharde Eingeschränkte Sanierung durch Denkmalschutz, Ersatzbau für Trakte 40,0 kWh/m² a 140.240 kWh Schule Fruhelund Geplanter Schwerpunkt ab 2012 ff 84,0 kWh/m² a 312.732 kWh Gemeinschaftsschule West Anbau/Flächenerweiterung mit hohem Stand ab 2012 7,0 kWh/m² a 38.213 kWh Fördegymnasium Sanierung der Wintergärten bis 2015 17,0 kWh/m² a 204.544 kWh Technisches Rathaus, Schützenkuhle 26 Dämmung DG, Fenster komplett 32,0 kWh/m² a 91.168 kWh Technisches Rathaus, Am Pferdewasser 14 Dämmung DG, Fassadendämmung Erweiterungsbauten 18,0 kWh/m² a 58.806 kWh Sauermannhaus Dörrverglasung in historischen Fenstern, Heizungs- und Regelungstechnik 12,0 kWh/m² a 54.852 kWh Christiansenhaus Dämmung DG 19,0 kWh/m² a 86.564 kWh Kindergarten Kupfermühlenweg Heizungsregelung 13,0 kWh/m² a 6.578 kWh Kindertagesstätte Stuhrsallee/Kanonenberg Heizungsregelung 19,0 kWh/m² a 35.473 kWh Kindergarten Tarup Heizungsregelung 14,0 kWh/m² a 5.992 kWh Kindergarten Fruerlund Vermarkung an GS Fruerlund 129,0 kWh/m² a 79.464 kWh Gerätehaus Freiw. Feuerwehr Weiche Neubau gemäß EnEV 2012 62,0 kWh/m² a 25.482 kWh VHS Nikolaikirchhof 3 Dachdämmung 42,0 kWh/m² a 59.304 kWh Jugendaufbauwerk Bildungszentrum Nord Vermarktung 167,0 kWh/m² a 329.324 kWh GMSH Polizeidirektion Sanierung Außenhülle Vollständig 101,0 kWh/m² a 293.304 kWh Zollabfertigungsstelle Flensburg Stadt Sanierung Außenhülle Vollständig 60,0 kWh/m² a 44.580 kWh Justizbehörden Flensburg (Land und Amtsgericht)Sanierung Fenster, Dach, Keller 28,0 kWh/m² a 450.884 kWh Zeitraum: 2021-2030 Stadt Flensburg Liegenschaftsname Beschreibung der Maßnhame Kosten/Nutzen-Einschätzung zur Priorisierung Einsparung Absolute jährliche Einsparung Schue Auf der Rude komplette Sanierung ab 2024ff 70,0 kWh/m² a 255.780 kWh Hohlwegschule Wegen Denkmalschutz: Punktuelle Maßnahmen: Keller, Dach, TGA 30,0 kWh/m² a 101.220 kWh Käte-Lassen-Schule Sanierung ab 2026ff Neubau und Flächenerweiterung mit hohem Stand 53,0 kWh/m² a 243.800 kWh Goetheschule Haus 1 Fenstersanierung ab 2020 32,0 kWh/m² a 205.920 kWh Technisches Rathaus, Schützenkuhle 26 Fassadendämmung 25,0 kWh/m² a 71.225 kWh Technisches Rathaus, Am Pferdewasser 14 Heizungs- und Regelungstechnik 10,0 kWh/m² a 32.670 kWh Christiansenhaus Heizungsregelung 5,0 kWh/m² a 22.780 kWh Schiffahrtsmuseum Innendämmung 12,0 kWh/m² a 29.676 kWh Kindergarten Kupfermühlenweg Gebäudehülle Komplett 60,0 kWh/m² a 30.360 kWh Kindertagesstätte Stuhrsallee/Kanonenberg Gebäudehülle Komplett 60,0 kWh/m² a 112.020 kWh Kindergarten Tarup Gebäudehülle Komplett 85,0 kWh/m² a 36.380 kWh Gerätehaus Freiw. Feuerwehr Klues Neubau gemäß EnEV 2012 175,0 kWh/m² a 23.625 kWh Gerätehaus Freiw. Feuerwehr Tarup Neubau gemäß EnEV 2012 75,0 kWh/m² a 15.375 kWh VHS Nikolaikirchhof 3 Fenstersanierung 20,0 kWh/m² a 28.240 kWh VHS Schulgasse Dachdämmung 11,0 kWh/m² a 16.379 kWh Kurt-Tucholski-Schule Fertigstellung Sanierung 2030 20,0 kWh/m² a 413.420 kWh GMSH Polizeidirektion und Bezirkskriminalinspektion Sanierung Fenster, Dach, Keller 21,0 kWh/m² a 97.755 kWh Bundespolizeiinspektion Flensburg Sanierung Fenster, Dach, Keller 51,0 kWh/m² a 56.661 kWh Justizvollzugsanstalt Flensburg Sanierung Fenster, Dach, Keller 115,0 kWh/m² a 331.430 kWh Kraftfahrt-Bundesamt Erneuerung Heizungspumpen und Heizung 14,0 kWh/m² a 402.192 kWh 222 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg men, bei denen mittlere energetische Mehrkosten erwartet werden sind in oranger Farbe hervorgehoben. Bei einer Sanierung der Außenhülle werden hohe Kosten erwartet. Daher sind diese Maßnahmen in roter Farbe hervorgehoben. Der Energieeinspar-Effekt der Maßnahmen wird in den Spalten am rechten Rand des Sa- nierungsplanes beschrieben. In der Spalte Einsparung wird der von den Workshop- Teilnehmern erwartete spezifische Einspareffekt der Maßnahmen dargestellt. Die Spalte Absolute jährliche Einsparung visualisiert die Gesamteinsparung der Maßnahmen. Die Bal- kendarstellung ermöglicht eine Vergleichbarkeit der analysierten Maßnahmen unterei- nander. ABBILDUNG 79: SANIERUNGSPLAN MIT DEN IDENTIFIZIERTEN MAßNAHMEN IM ZEITRAUM 2031-2050 9.5.7.3 Gegenüberstellung von Energetische Mehrkosten und Energiekosteneinsparungen Aufbauend auf der im Sanierungsplan festgehaltenen Priorisierung der Sanierungen wur- den die energetischen Mehrkosten den resultierenden Energiekosteneinsparungen ge- genübergestellt. Diese Gegenüberstellung visualisiert den langfristigen wirtschaftlichen Vorteil für die Gebietskörperschaften, wenn bei den ohnehin notwendigen Sanierungen auch energetisch saniert wird. Die in diese Darstellung eingeflossene Abschätzung des notwendigen Investitionsvolumens kann zudem für das strategische Energiemanagement, d.h. für die langfristige Planung von Sanierungen und die entsprechende Mittelbereitstel- lung hilfreich sein. Zeitraum: 2031-2040 Stadt Flensburg Liegenschaftsname Beschreibung der Maßnhame Kosten/Nutzen-Einschätzung zur Priorisierung Einsparung Absolute jährliche Einsparung Löhmannschule Komplettsanierung ab 2030ff 47,0 kWh/m² a 221.981 kWh RBZ Eckener Schule Verbesserung Fördehalle 11,0 kWh/m² a 224.092 kWh RBZ Fachschule für Technik u. Gestalt. Komplettsanierung ab 2030 57,0 kWh/m² a 307.458 kWh Standesamt Heizungsregelung 6,0 kWh/m² a 3.168 kWh Gesundheitshaus Fassadensanierung ohne Fenster 7,0 kWh/m² a 20.727 kWh Technisches Rathaus, Schützenkuhle 26 Heizungs- und Regelungstechnik 25,0 kWh/m² a 71.225 kWh Technisches Rathaus, Am Pferdewasser 14 Vakuumisolierverglasung in historischen Fenstern 15,0 kWh/m² a 49.005 kWh Christiansenhaus Vakuumisolierverglasung in historischen Fenstern 10,0 kWh/m² a 45.560 kWh Schiffahrtsmuseum Fenstersanierung 15,0 kWh/m² a 37.095 kWh Kindergarten Engelsby WSVD + Dachdämmung/Erneuerung 101,0 kWh/m² a 73.124 kWh Feuerwehr Hauptwache Neubau gemäß EnEV 2012 48,0 kWh/m² a 169.584 kWh VHS Nikolaikirchhof 3 Heizungsregelung 20,0 kWh/m² a 9.920 kWh VHS Schulgasse Fenstersanierung 5,0 kWh/m² a 7.445 kWh Flensburg Galerie Heizungsregelung 17,0 kWh/m² a 38.811 kWh GMSH Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR Sanierung thermische Hülle + TGA 41,0 kWh/m² a 141.163 kWh Zeitraum: 2041-2050 Stadt Flensburg Liegenschaftsname Beschreibung der Maßnhame Kosten/Nutzen-Einschätzung zur Priorisierung Einsparung Absolute jährliche Einsparung Standesamt Vakuumisolierverglasung in historischen Fenstern 5,0 kWh/m² a 2.640 kWh Gesundheitshaus Heizungsregelung 5,0 kWh/m² a 14.805 kWh Schiffahrtsmuseum Heizungs- und Regelungstechnik 15,0 kWh/m² a 37.095 kWh Kindergarten Engelsby Heizungsregelung 5,0 kWh/m² a 3.620 kWh Gerätehaus Freiw. Feuerwehr Engelsby Neubau gemäß EnEV 2012 122,0 kWh/m² a 38.674 kWh VHS Schulgasse Heizungsregelung 5,0 kWh/m² a 7.445 kWh GMSH Polizeidirektion und Bezirkskriminalinspektion Sanierung TGA 15,0 kWh/m² a 69.825 kWh Hauptzollamt Itzehoe Sanierung thermische Hülle + TGA vollständig 22,0 kWh/m² a 66.748 kWh Bundespolizeiinspektion Flensburg Sanierung TGA 15,0 kWh/m² a 16.665 kWh Bundespolizeiamt Sanierung thermische Hülle + TGA 60,0 kWh/m² a 15.960 kWh Justizbehörden Flensburg Land- und AmtsgerichtSanierung TGA 15,0 kWh/m² a 241.545 kWh Justizvollzugsanstalt Flensburg Sanierung TGA 15,0 kWh/m² a 43.230 kWh Finanzamt Flensburg Sanierung Fenster + TGA 13,0 kWh/m² a 79.092 kWh Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr S-H Sanierung TGA 13,0 kWh/m² a 35.542 kWh Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr S-H (Straßenmeisterei)Sanierung TGA 19,0 kWh/m² a 33.155 kWh Anhang A: Workshop Dokumentationen 223 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ENERGETISCHE MEHRKOSTENBERECHNUNG Die Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen erfordert die Kenntnis der energetischen Mehrkosten der Sanierungen sowie des Energieeinspareffektes, der sich durch die Sanie- rung einstellt. Die energetischen Mehrkosten und deren Einspareffekt hängen sowohl von der Art der Liegenschaft, als auch von der umgesetzten Maßnahme ab. Eine Analyse der Erwartungen der Workshop-Teilnehmer zu den Effekten der Energieeffizienzmaßnahmen zeigte sogar in Liegenschaften mit gleichen Baualtersklassen erhebliche Unterschiede des Einspareffektes vergleichbarer Maßnahmen. So wurde zum Beispiel in den beiden denk- malgeschützten Liegenschaften Christiansenhaus und der VHS Nikolaikirchhof durch die Maßnahme Heizungsregelung einmal eine Energieeinsparung von 5 kWh/m² und einmal von 20 kWh/m² erwartet. Öffentliche Liegenschaften zeichnen sich durch eine ausgeprägte Heterogenität der Baualtersklasse, des energetischen Zustandes und der Architektur aus. Eine Abschätzung der energetischen Mehrkosten basierend auf einer Klassifizierung der Liegenschaften ohne die Detailkenntnisse einer ausführlichen energetischen Bestandsanalyse und entspre- chender Erfahrungswerte umgesetzter Sanierungen wäre voraussichtlich nicht zutreffend. Für das Klimaschutzkonzept wurde daher ein vereinfachter Ansatz zur Ermittlung realisti- scher energetischer Mehrkosten gewählt. Es wurden vier repräsentative Liegenschaften mit der Software Casanova nachgebildet und eine Sanierung dieser Liegenschaften ent- sprechend des Sanierungsplanes simuliert. In Verbindung mit dem zuvor vorgestellten Sa- nierungsrechner (siehe Workshop-Dokumentation Wohnungswirtschaft) konnten so die energetischen Mehrkosten der einzelnen Maßnahmen der simulierten Sanierungen be- rechnet werden. Zur Berechnung wurden ein Zinssatz von 5 % und eine Laufzeit der Investi- tion von 35 Jahren angenommen. Die energetischen Mehrkosten der Einzelmaßnahmen wurden dann entsprechend dem Anteil der Maßnahme am Einspareffekt der Sanierung gewichtet und je repräsentativer Sanierung summiert. Aus den so errechneten energeti- schen Mehrkosten der vier repräsentativen Liegenschaften wurde dann der Median ge- bildet. Als Ergebnis wurden energetische Mehrkosten von 46 € pro eingesparter MWh für die Sanierung öffentlicher Liegenschaften errechnet. Die energetischen Mehrkosten einer Sanierung sind ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Priorisierung von energetischen Sanierungen und für die langfristige Finanzplanung. Daher sollte ein dauerhafter Aktualisierungsprozess der energetischen Mehrkosten von Sa- nierungen auf der Basis zunehmender Erfahrungswerte und detaillierter Bestandsanalysen ein zentraler Aufgabenbereich des Energiemanagements werden. BERECHNUNG DER ENERGIEKOSTENEINSPARUNG Die Höhe der zu erwartenden Energiekosteneinsparung hängt von drei Einflussgrößen ab: Der jährlichen Fernwärmeeinsparung, der Preisentwicklung des Fernwärmebezuges und 224 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg des Betrachtungszeitraumes. Für die entwickelte Darstellung wurden dazu die folgenden Annahmen verwendet: Die jährliche Fernwärmeeinsparung ergibt sich direkt aus den Annahmen der Work- shop-Teilnehmer zu den Energieeinspareffekten der geplanten Maßnahmen. Die Preisentwicklung bis zum Jahr 2050 wurde in Abstimmung mit den Mitgliedern des Klimapakts simuliert. Eingegangen in die komplexe Simulation sind die zukünfti- gen Kosten für die Stadtwerke Flensburg und die Kosten für das Fernwärmenetz bei einem Rückgang der Fernwärmenachfrage durch Dämmmaßnahmen. Die ver- wendeten Fernwärmepreise in € pro MWh beinhalten den Leistungspreis und den Arbeitspreis des Fernwärmebezugs in Flensburg. Da die Simulation in einem ersten Schritt nur anhand eines Mehrfamilienhauses durchgeführt wurde, handelt es sich um ungefähre Richtwerte der erwarteten Preisentwicklung. Die Energiekosteneinsparungen werden jeweils für eine Dekade dargestellt. Entge- gen dem Betrachtungshorizont der energetischen Mehrinvestition von 35 Jahren endet der Horizont der Gegenüberstellung im Jahr 2050. Somit wirken die Einsparef- fekte von im Jahr 2010 getätigten Investitionen 40 Jahre. Die Einspareffekte von im Jahr 2040 getätigten Investitionen fließen hingegen nur 10 Jahre in die Betrachtung hinein. In der Summe ist dies eine eher konservative Berechnung, da energetische Sanierungen meist weit über den kalkulatorischen Betrachtungshorizont der Investi- tion Energiekosten einsparen. Da die berechneten Energiekosteneinsparungen nicht abgezinst werden und die Einsparungen nach 2050 nicht berücksichtigt wer- den, ist die vorgestellte Darstellung in erster Linie exemplarisch zu verstehen. ERGEBNIS DER GEGENÜBERSTELLUNG Die in Abbildung 80 (S. 225) abgebildete Gegenüberstellung der energetischen Mehrkos- ten und der Energiekosteneinsparung im Betrachtungszeitraum visualisiert hauptsächlich drei Dinge: Den Anteil der unterschiedlichen Schultypen am Gesamtfernwärmeverbrauch der Schulen in Flensburg; den Effekt der erwarteten Fernwärmepreissteigerung auf die Wirtschaftlichkeit von gekoppelten energetischen Sanierungen sowie die Notwendigkeit, zunächst einmal Investitionen tätigen zu müssen, um dann in kommenden Dekaden Ener- giekosten einzusparen. Die Sanierungen von Grundschulen und Gemeinschaftsschulen werden in der aktuellen Dekade den größten Investitionsbedarf aufweisen. Die erwartete Preissteigerung der Fernwärme bis zum Jahr 2050 verstärkt die Attraktivität von energetischen Sanierungen. Bei einer energetischen Sanierung müssen die Kosten für die eingesparte Energie am Anfang der Betrachtungsperiode aufgewendet werden. Da die Kosten der eingesparten Energie für die folgende Zeitperiode auf 46 € die MWh festgelegt sind, wird der kostensteigernde Effekt des zukünftigen Fernwärmepreisanstieges abgemildert. Anhang A: Workshop Dokumentationen 225 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ABBILDUNG 80: ENERGETISCHE MEHRKOSTEN UND ENERGIEKOSTENEINSPARUNG DER GEPLANTEN SCHULSANIERUNGEN 9.5.8 Zusammenfassung der Ergebnisse Der Workshop „Öffentliche Liegenschaften“ hat den möglichen Beitrag der öffentlichen Liegenschaften zum Klimaschutzkonzept der Stadt Flensburg identifiziert. Als Ziel wurde ei- ne Reduktion des Fernwärmeverbrauches der öffentlichen Liegenschaften um 25-35 % bis zum Jahr 2050 definiert. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde ein Stufenplan mit Maßnahmen der energetischen Gebäudesanierung erstellt. Anhand der Erstellung dieses Stufenplanes konnten die Teilnehmer des Workshops identifizieren, wann sie welche Liegenschaft ener- getisch sanieren müssen, um das Reduktionsziel zu erreichen. Der übrige Fernwärmebedarf soll durch die Stadtwerke Flensburg mit grüner Fernwärme CO2-neutral bereitgestellt wer- den. Zur Umsetzung des Stufenplans wurden die Notwendigkeit einer Ausweitung des Energiemanagements und einer besseren Ausstattung mit Finanzmittel identifiziert. Aus dem erarbeiteten Stufenplan wurde ein Sanierungsplan entwickelt. Die Nachbearbei- tung der Workshop-Ergebnisse wurde exemplarisch anhand der Schulsanierungen in Flensburg durchgeführt. Dazu wurden zunächst die Effekte der analysierten Schulsanierun- gen anhand von Portfoliodarstellungen visualisiert. Die Wirtschaftlichkeit von den an den Sanierungszyklus gekoppelten energetischen Sanierungen wurde tendenziell anhand einer Gegenüberstellung der energetischen Mehrkosten und der Energiekosteneinsparungen visualisiert. Die erwartete Preissteigerung der Fernwärme in Flensburg erhöht die Wirtschaft- lichkeit von energetischen Sanierungen. Dieser Effekt wird insbesondere in den letzten De- kaden des Betrachtungszeitraumes greifen. In den ersten Jahren der Umsetzung des Kli- maschutzkonzeptes besteht zunächst erheblicher Investitionsbedarf. -15.000.000 € -13.000.000 € -11.000.000 € -9.000.000 € -7.000.000 € -5.000.000 € -3.000.000 € -1.000.000 € 1.000.000 € 3.000.000 € 5.000.000 € 7.000.000 € 9.000.000 € 11.000.000 € 13.000.000 € 15.000.000 € -5.500.000 € -5.000.000 € -4.500.000 € -4.000.000 € -3.500.000 € -3.000.000 € -2.500.000 € -2.000.000 € -1.500.000 € -1.000.000 € -500.000 € 0 € 500.000 € 1.000.000 € 1.500.000 € 2.000.000 € 2.500.000 € 3.000.000 € 3.500.000 € 4.000.000 € 4.500.000 € 5.000.000 € 5.500.000 € 2010-2020 2010-2020 2020-2030 2020-2030 2030-2040 2030-2040 2040-2050 2040-2050 2010-2050 2010-2050 Gesamt: Energetische Mehrkosten: 7.745.483 € - Energiekosten-Einsparung: 14.488.313 € Grundschulen Gemeinschaftsschulen + IGS Gymnasien Berufsbildende Schulen Förderschulen Gesamtbetrachtung En er ge ti sc h er M e h ri n ve st En er ge ti sc h er M eh ri n ve st En er ge ti sc h er M eh ri n ve st G es am t: E n er ge ti sc h er M eh ri n ve st En er gi ek o st e n ei n sp ar u n g En er gi ek o st e n ei n sp ar u n g En er gi ek o st e n ei n sp ar u n g En er gi ek o st e n ei n sp ar u n g G es am t: E n er gi ek o st e n ei n sp ar u n g ∆ -2.214.032 € ∆ 878.211 € ∆ 2.607.666 € ∆ 5.389.124 € ∆ 6.842.830 € 226 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 9.6 Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen Flensburg, 15.04.2011 Teilnehmer: Sönke Carstens-Dittmer (Nospa) Volker Schwikowski (BAUM) Hans Feddersen (Ökologische Kapitalan- lagen) Robert Fischer (VR Bank) Thomas Haloschan (Öko-Plan-Finanz) Heinz-Jürgen Galle (FFG) Joachim Kaulbars (Stadt Flensburg) Dirk Grünberg (SBV) Christoph Kostka (VNW) Jörn Malter (SBV) Martin Beer (Uni Flensburg) Emöke Kovac (Uni Flensburg) Prof. Olav Hohmeyer (Uni Flensburg) Helge Maas (Uni Flensburg) Simon Laros (Uni Flensburg) Julia Schirrmacher (Uni Flensburg) 9.6.1 Ausgangslage und Ziele des Workshops Der hier dokumentierte Workshop ist der sechste in der 15teiligen Reihe von Themen- workshops zur Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzepts für Flensburg im Auftrag der Stadt Flensburg und des Klimapakt Flensburg e.V. Die Reihe umfasst sowohl die Energie- Verbrauchssektoren Industrie, Haushalte, Verkehr und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) als auch den Versorgungssektor. Anstelle von Alleingängen in den einzelnen Sektoren soll das integrierte Konzept dazu bei- tragen, die Anstrengungen in allen Sektoren zu koordinieren und die Kosten zur Vermei- dung des CO2-Ausstoßes insgesamt zu minimieren. Am Ende der Konzepterstellung wird ein Portfolio aus den kostengünstigsten Maßnahmen in den Sektoren stehen. Die Maßnahmen können, wie in Abbildung 58 (S. 226) veranschaulicht, nach ihrer Wirkweise eingeteilt wer- den. ABBILDUNG 81: EINTEILUNG DER KLIMASCHUTZMAßNAHMEN NACH IHRER WIRKWEISE Anhang A: Workshop Dokumentationen 227 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Als wichtigstes Hemmnis für die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen, insbesondere der Einspar- und Effizienzmaßnahmen, wurde in allen bisher durchgeführten Workshops die Finanzierung der Maßnahmen genannt. Weiterhin wurden auch die damit zusammen- hängenden Themenbereiche wie die Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Unternehmen oder die Marktfähigkeit von sanierten Wohnungen mit höheren Kaltmieten und geringeren Nebenkosten genannt. Deshalb spielt der hier dokumentierte Finanzierungs-Workshop eine zentrale Rolle für den Erfolg und die Umsetzbarkeit des integrierten Klimaschutzkonzepts. Um dieser vorrangigen Bedeutung gerecht zu werden, hat die Universität Flensburg einen Unterauftrag an den B.A.U.M.-Arbeitskreis vergeben, der über langjährige Expertise in der Energieeffizienzthematik verfügt. Zu Beginn des Workshops stellte Herr Volker Schwikowski, Geschäftsführer einer B.A.U.M.-Tochter, das für Flensburg entwickelte Konzept des „B.A.U.M.-Zukunftsfonds“ vor. Ziel des Workshops war es, das Konzept auf seine Eignung für Flensburg zu prüfen und es ggf. an die Anforderungen der möglichen Anbieter (Finanzdienstleister) und Nachfrager anzupassen. Außerdem sollte eine gemeinsame weitere Vorgehensweise vereinbart wer- den. 9.6.2 Bereits bestehende Produkte der Finanzdienstleister Zu Beginn des Workshops wurde aus Sicht der Universität von einer Angebotslücke im Be- reich der Finanzierung lokaler Effizienzmaßnahmen berichtet, wie in Abbildung 82 darge- stellt. Die auf dem Workshop vertretenen Finanzinstitute und -dienstleister wurden gebeten, die- se Einschätzung aus ihrer Perspektive zu bewerten und durch die Nennung eigener oder bekannter Finanzprodukte zu ergänzen. Eine Übersicht der angebotenen Produkte im Kli- maschutzbereich ist im Folgenden gegeben. 9.6.2.1 Darlehen Die auf dem Workshop vertretenen Banken bieten zusätzlich zur Vermittlung von Krediten: Vermittlung von Krediten der Landwirtschaftlichen Rentenbank und der KfW Eigenes Produkt für den privaten Wohnungsbau mit unkomplizierter, zeitsparender Bearbeitung für kleinere Volumina unter 50.000 €. ABBILDUNG 82: ANGEBOTE KLIMAFREUNDLICHER GELDANLAGEN 228 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Laufzeit Sollzins Volumen Besicherung VR-Bank: Öko-Kredit 20 a 4,0 % < 25.000 € Keine gesonderte Besicherung bis 30.000 € Nospa: EMR 4,99 % Keine gesonderte Besicherung bis 30.000 € 9.6.2.2 Anlageprodukte Die vertretenen Banken und Berater bieten ihren Kunden Beteiligungen an regionalen und überregionalen Erneuerbaren-Energien-Fonds an. Anlageprodukte für den Bereich Ener- gieeffizienz sind bisher nicht bekannt. Auch der SBV wird noch dieses Jahr ein eine eigene Spareinrichtung anbieten. Die Teilnehmer stimmten darin überein, dass ein Paradigmenwechsel für den Erfolg eines Effizienz-Programms unabdingbar ist. Im Bereich der Erneuerbaren Energien hat die gesetz- liche Absicherung der Zahlungsströme durch das EEG zum Durchbruch geführt; eine ähnli- che Garantie der finanziellen Einsparungen ist im Effizienzbereich derzeit nicht gegeben. Erschwerend kommt hinzu, dass das Nutzerverhalten die technischen Maßnahmen konter- karieren kann. Ein Teilnehmer berichtete von Studien, die 5-25 % der möglichen Einsparun- gen auf das Nutzerverhalten zurückführen. 9.6.2.3 Informationsangebote Die VR-Bank veranstaltet als Reaktion auf ein besonders gelungenes, preisgekröntes Pro- jekt eines ihrer Kunden im Bereich der privaten Wohnungssanierung seit 3 Jahren einen Energietag zur gebäudetechnischen und finanzierungsbezogenen Beratung und Informa- tion ihrer Kunden. Dieser wird sehr gut angenommen. 9.6.3 Der Zukunftsfonds Eine detaillierte Beschreibung des entwickelten Konzepts wurde den Teilnehmern in einer Tischvorlage zur Verfügung gestellt. Die Grundidee besteht in der Kombination eines Anla- geprodukts mit der Finanzierung lokaler Effizienzmaßnahmen nach Vorbild eines roulieren- den Fonds. Zunächst wurde das Konzept für private Immobilienbesitzer entwickelt, eine Erweiterung auf andere Nachfragesektoren wurde im zweiten Teil des Workshops diskutiert. Es wird bisher angenommen, dass ein Ausgabezinssatz von 6 % und ein Anlagezins von 4 % erreichbar sind. Der Mindest-Anlagebetrag soll bei 1.000 € liegen, die minimale Anlage- dauer bei 5 Jahren. Statt einen neuen Vertriebsweg aufzubauen, sollten die vorhandenen Vertriebswege der Banken genutzt werden. 9.6.3.1 Anforderungen an den Zukunftsfonds im Bereich privater Immobilien AUSGESTALTUNG DES ZUKUNFTSFONDS Eine wichtige Anforderung an das Produkt ist eine verbindliche Regelung zur Auswahl und Umsetzung sinnvoller Maßnahmen, um den Zahlungsrückfluss möglichst sicher vorhersagen Anhang A: Workshop Dokumentationen 229 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG zu können. Dies könnte z. B. durch KfW-Berater erfolgen. Insgesamt muss ein Mechanismus zur Risikominimierung im Effizienzbereich gefunden werden, z. B. in Form der Haftungsüber- nahme durch das Ingenieurbüro, das die zu erwartenden Einsparungen berechnet. Bei der Ausgestaltung des Zukunftsfonds sollte nach den Erfahrungen der Teilnehmer aus der Wohnungswirtschaft beachtet werden, dass die Einsparungen durch energetische Sanierungen nicht zu optimistisch eingeschätzt werden. Der Ausgangszustand der Immobi- lie spielt eine entscheidende Rolle für das Einsparpotential der geplanten Maßnahmen, wobei der durchschnittliche Heizenergieverbrauch im Bestand lt. VNW mit 160-200 kWh/m²a deutlich unter den Annahmen von B.A.U.M liegt. Es sollte mit den „low hanging fruits“(Sanierung von Gebäuden mit einem schlechten Ausgangszustand) begonnen werden, um die Amortisationszeit zu verkürzen und dem roulierenden Fonds zu größerer Liquidität zu verhelfen. Der VNW erstellt derzeit eine Matrix des Gebäudebestands zur ers- ten Abschätzung der Einsparpotentiale und Kosten, aufgegliedert nach Gebäudetyp und Baualter. Diese Daten können für die Ausgestaltung des Fonds nützlich sein. Auch das Konzept der warmmietenneutralen Mieterhöhung nach einer energetischen Sanierung wurde, wie schon im Workshop „Wohnungswirtschaft“ am 09.02.2011, kritisiert. Auch warmmietenneutrale Mieterhöhungen werden nach Erfahrung der Teilnehmer aus der Wohnungswirtschaft nicht ohne weiteres akzeptiert, sie erfordern eingehende Informa- tionskampagnen und das persönliche Gespräch mit den Mietern. Diese flankierenden Maßnahmen dürfen bei der Umsetzung technischer Verbesserungen nicht vernachlässigt werden. INHALTLICHE ÜBERZEUGUNG DER KUNDEN Als vorbereitende und flankierende Maßnahme für die Einführung des Zukunftsfonds ist ei- ne gezielte, umfangreiche Marketingkampagne nötig. Dieser Punkt wurde sowohl im Vor- trag als auch in der Diskussion mit den Teilnehmern als zentral hervorgehoben und wurde auch durch die Teilnehmer als wichtigste Anforderung erachtet. Die Teilnehmer fanden die Idee einer unternehmensübergreifenden Kooperation für diese Anforderung vielversprechend – die einzelnen Anstrengungen zur Kundengewinnung könnten durch einen Zusammenschluss kanalisiert und verstärkt werden. Dabei ist unbe- dingt zu beachten, dass der Fonds nicht in Konkurrenz zu den lokalen Geldinstituten stehen soll, sondern gerade diejenigen Finanzierungslücken füllen soll, die bestehende Angebote nicht bedienen können. Eine mögliche Lösung könnte hier die Festlegung der Nutzenma- ximierung anstelle der Gewinnmaximierung in der Satzung der Zukunftsfonds- Genossenschaft sein. Die Werterhaltung von Immobilien durch energetische Sanierungen sollte ebenfalls in der gemeinsamen Informationskampagne herausgestellt werden. Der Ausgabezinssatz von 6 % wurde als wenig attraktiv eingeschätzt, was die Herausarbei- tung des Zusatznutzens für den Kunden erforderlich macht. Dieser Zusatznutzen könnte zum einen in der verbindlichen Beratung und Prognose der Einsparungen bestehen, zum 230 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg anderen darin, dass die Vergabevoraussetzungen weniger strikt als bei staatlichen Pro- grammen sein könnten. TRANSPARENZ Wird ein niedrigerer Anlagezins ausgegeben, könnte der Zusatznutzen auf Anlegerseite in der lokalen, transparenten Mittelverwendung bestehen, sowie in der Ausgestaltung des Fonds gemäß des Bauspargedankens, so dass der Kapitalgeber von heute der Kapital- nehmer von morgen ist. Beide Aspekte sollten gezielt und öffentlichkeitswirksam kommuni- ziert werden. BANKKUNDEN / BANKEN MITNEHMEN Die Banken könnten den Zukunftsfonds bewerben, vertreiben und dafür entsprechende Provisionen erhalten. Banken, aber auch Versicherungen könnten sich auch als Kapital- geber einbringen. Der Anlagezinssatz von 3-4 % wurde für diese Art der Beteiligung von den Teilnehmern als realistisch eingeschätzt. 9.6.3.2 Anforderungen an den Zukunftsfonds in weiteren Sektoren Für alle Sektoren gelten die folgenden Anforderungen: Es muss eine Obergrenze für den Anteil der Verwaltungskosten geben. Für den Erfolg des Fonds ist eine klar definierte Regelung für ein professionelles Moni- toring und Controlling zentral, um eine Anpassung der Ausgestaltung über die Zeit zu gewährleisten. WOHNUNGSWIRTSCHAFT Bedingt durch die große Ähnlichkeit zur Gruppe der privaten Immobilienbesitzer ist das Konzept grundsätzlich gut auf diesen Sektor anwendbar. Es ist ein hoher Bedarf vorhan- den, die aktuellen Möglichkeiten der Finanzierung zu erweitern. Die größte Herausforde- rung wird in der Kommunikation des Nutzens im Vorwege bestehen. Es sollte ein möglichst einfacher Vertriebsweg geschaffen werden. Es sollten nicht nur die Banken, sondern auch andere Akteure mit hoher Kundenbindung einbezogen werden, wie z. B. die Handwerker, die als Multiplikator dienen können. Die Teilnehmer schätzten, dass die Nutzung des Fonds etwa für 20-30 % (max. 120 Mio. €) des gesamten Finanzierungsbedarfs in diesem Sektor sinnvoll wäre. Für genauere Einschät- zung könnten die oben erwähnten Daten des VNW nützlich sein. Zunächst sollte man sich auf die Baujahre von der Nachkriegszeit bis Anfang der 70 er Jahre konzentrieren. VERKEHR Für die Finanzierung von Maßnahmen im ÖPNV ist der Fonds nicht anwendbar, da die er- forderliche Rendite nicht erreicht werden kann. Für den Individualverkehr ist eine Erweiterung zwar eher denkbar, aber nicht von hoher Priorität, da der Fonds nicht mit den subventionierten Konditionen der Autobanken konkur- Anhang A: Workshop Dokumentationen 231 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG rieren kann. Sollte die Kooperation mit „Better Place“ zur Fertigung von Elektroautos vor Ort umgesetzt werden, könnte durch eine Kooperation mit den Herstellern eine Erweiterung erfolgen. Für die Finanzierung von Pedelecs oder anderen Fahrrädern müsste es sich um größere Stückzahlen handeln, um die Relation zwischen Aufwand und geringem Finanzierungsvo- lumen zu verbessern. Dabei sind langfristig Kooperationen mit lokalen Radhändlern denk- bar. Die Idee eines Anreizsparvertrags („Spritsparschwein“) ist in der Anlage dokumentiert, vermutlich bietet sich hier aber die Erstellung eines separaten Produkts an statt einer Erwei- terung des Zukunftsfonds. Insgesamt ist die Erweiterung auf den Verkehrsbereich nur unter bestimmten Vorausset- zungen und dann auch nur langfristig denkbar. ÖFFENTLICHE LIEGENSCHAFTEN Im Bereich der öffentlichen Liegenschaften ist zu beachten, dass eine höhere Abhängig- keit von den politischen Entscheidungen verschiedener Gremien besteht. Diese Gremien müssen von der Sinnhaftigkeit der Sanierungsmaßnahmen überzeugt werden. In der Ver- gangenheit gab es Probleme, weil die Einsparungen zwar spezifisch eingetreten waren, aber z. B. wegen erhöhter Frequentierung der Gebäude keine absoluten Kosteneinspa- rungen erzielt wurden. Hier muss mit geeigneten Kommunikationsmaßnahmen und der Einführung entsprechender spezifischer Kennzahlen das Verständnis der Entscheider für diese Zusammenhänge verbessert werden. Zur Erhöhung der Akzeptanz bei den politischen Entscheidern könnte auch das Angebot einiger Ingenieurbüros beitragen, Garantien für Heizkosteneinsparungen durch bestimmte Maßnahmen zu vergeben. Diese Garantie ähnelt dem Einspar-Contracting; die Teilnehmer erwogen die Möglichkeit, Contracting-Leistungen ebenfalls über den Fonds zu finanzieren. Eine Ausweitung des Fonds auf diesen Sektor ist gut vorstellbar. Im Vergleich zu Immobilien im Privatbesitz haben öffentliche Liegenschaften den Vorteil, dass der Gebäudezustand besser dokumentiert ist. Auch die Definition der nötigen Maßnahmen und der entspre- chenden Kosten ist hierbei übersichtlicher. Ein weiterer Vorteil könnte in der stärkeren Identifikation der Bürger mit öffentlichen Ge- bäuden liegen, die durch die regelmäßige Frequentierung der Gebäude zustande kommt. Die Teilnehmer gehen davon aus, dass viele Eltern für eine Geldanlage zu gewin- nen wären, die z. B. direkt der Sanierung des Schulgebäudes ihrer Kinder zugutekommt. Ein guter energetischer Zustand öffentlicher Gebäude kann zum angestrebten Vorbildcharak- ter der Stadt beitragen. Die Einstellung eines Energiemanagers, der die Fondsverwaltung mit übernimmt, könnte sinnvoll sein. Der Energiemanager könnte auch die Information der Kapitalgeber bezüglich der umgesetzten und geplanten Projekte übernehmen, um die Transparenz zu erhöhen. Da die Tilgung des Darlehens aus öffentlichen Mitteln erfolgt, ist die Ausfallwahrscheinlich- keit sehr gering, so dass ein günstigerer Ausgabezins realisierbar sein sollte, evtl. über eine 232 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Untergesellschaft des Fonds. Es wurde diskutiert, ob sich hierbei eine Konkurrenzsituation zu den Banken ergeben würde. Weil im öffentlichen Sektor auch Finanzdienstleistungen der Ausschreibungspflicht unterliegen, sind die Margen hier sehr gering und eine Konkurrenzsi- tuation wurde für unwahrscheinlich gehalten. Ein Teilnehmer hielt es für denkbar, dass der Zukunftsfonds für Kommunen hilfreich sein könnte, die aufgrund der Haushaltslage keine Kredite mehr aufnehmen dürfen. Der Finanzierungsbedarf in diesem Sektor über den Zukunftsfonds könnte nach Einschät- zung der Teilnehmer bei 50-75 % (ca. 11-16 Mio. € bis 2050) des Gesamtbedarfs liegen. Ähnlich wie im Wohnungssektor sollten auch im öffentlichen Bereich Maßnahmen an den- jenigen Gebäuden priorisiert werden, die bisher nicht saniert wurden und deren energeti- scher Standard mangelhaft ist. Damit ergäbe sich zunächst ein Finanzbedarf von bis zu 10 Mio. €. INDUSTRIE Im Industriebereich erachteten die Teilnehmer eine Finanzierung von Effizienzmaßnahmen durch den Fonds nicht für notwendig, da die Firmen normalerweise auf günstige interne oder externe Finanzierungsmechanismen zugreifen können. Solange die Maßnahmen eine positive Umsatzrendite zwischen 5-10 % erreichten, würde von Seiten der Unternehmen nicht auf den Fonds zugegriffen. Höchstens in 10 % der Finanzierungsfälle (max. 1 Mio. €) würden sich die Unternehmen nach Einschätzung der Teilnehmer für den Fonds entscheiden. Evtl. könnte die Identifikati- onsmöglichkeit mit Unternehmen über die Finanzierung lokaler Maßnahmen ausschlagge- bend sein. Industrieunternehmen könnten jedoch selbst als Kapitalgeber dienen und somit ebenfalls ihre lokale Verankerung unter Beweis stellen. Diese Botschaft – "das Geld bleibt in der Re- gion" – könnte auch für die Belegschaft positive Identifikationsmöglichkeiten bieten. GHD UND KMU Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben oft Schwierigkeiten, Kredite bei den Ban- ken zu bekommen, so dass der Fonds als Finanzierungsmöglichkeit interessant werden könnte. Es muss gewährleistet werden, dass das Risiko für den Fonds nicht zu hoch wird. Evtl. müssten Zahlungsausfallversicherungen abgeschlossen werden, die den Ausgabezins erhöhen. Der Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) weist viele Parallelen zu den privaten Hausbesitzern auf, z. B. insofern, dass die Datenlage mangelhaft ist und es meistens keinen „Kümmerer“ für die Überwachung der Energieverbräuche gibt. Für die Erreichung dieses heterogenen Sektors ist es zentral, dass die Handwerksinnung als Multiplikator genutzt wird. Die Teilnehmer gehen davon aus, dass bis zu 40 % des Finanzierungsbedarfs in diesem Sek- tor (ca. 4 - 6 Mio. € bis 2020) über den Fonds gedeckt werden könnten. Anhang A: Workshop Dokumentationen 233 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.6.4 Ergebnisse und Ausblick Insgesamt wurde das Konzept des Zukunftsfonds für Flensburg von den Teilnehmern als aussichtsreich bewertet. In einem nächsten Arbeitsschritt sollen die im Workshop erarbeite- ten kritischen Punkte geklärt werden. Für die detaillierte Ausgestaltung des Produkts (Kon- ditionen, Sicherheiten…), die Verteilung von Zuständigkeiten und die weitere Vernetzung der Akteure wurde ein Folgetreffen am 14.06.2011 vereinbart. Zusätzlich zu den diesmal anwesenden Teilnehmern sollen auf deren Anregung Vertreter der IHK, der Kreishandwer- kerschaft, der WiReg und des Verbands der Energieberater (GIH Nord) eingeladen wer- den. In Vorbereitung auf dieses Treffen werden die Teilnehmer innerhalb ihrer Unternehmen von den Ergebnissen des Workshops berichten und die möglichen Beiträge der Unternehmen diskutieren. Besondere Relevanz kommt bei diesem Schritt den beiden vertretenen lokalen Finanzinstituten VR-Bank und Nospa zu. Die Universität wird weiter an der Abschätzung des Finanzbedarfs in den einzelnen Sekto- ren arbeiten. Die sektorenbezogenen Workshops werden weiteren Aufschluss über sinnvol- le Maßnahmen und ihren Finanzbedarf über die Zeit bis 2050 geben. Als weiterer wichtiger Schritt muss kurzfristig ein Mechanismus für die Kopplung des Finanz- produkts mit einer Energieberatung und einem standardisierten Controlling der Effekte entwickelt werden. Dabei kann auf die Erfahrung von B.A.U.M. Consult, die technische Kompetenz der Hochschulen und regionale Ingenieurbüros zurückgegriffen werden. 234 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 9.7 Folgetreffen Finanzierung Flensburg, 14.06.2011 Teilnehmer: Heinz-Jürgen Galle (FFG) Burghard Lebig (Stadt Flensburg) Jörn Malter (SBV) Frank Kurbjuhn (IHK Flensburg) Jan Petersen (Nospa) Peter Davids (Ing.-Büro Energieberatung) Sönke Carstens-Dittmer (Nospa) Peter Petersen (Ing.-Büro Energieberatung) Robert Fischer (VR-Bank) Joachim Kaulbars (Stadt Flensburg) Volker Schwikowski (B.A.U.M. Zukunftsfonds) Olaf Carstensen (Stadt Flensburg) Dr. Peter Schröders (Stadt Flensburg) Martin Beer (Uni Flensburg) Emöke Kovac (Uni Flensburg) Helge Maas (Uni Flensburg) 9.7.1 Ausgangslage und Ziele des Treffens Der Termin für das hier dokumentierte Folgetreffen zur weiteren Abstimmung des Zukunfts- fonds Flensburg wurde von den Teilnehmern des Workshops "Finanzierung von Klima- schutzmaßnahmen" am 15.04.2011 vereinbart. Der vorangegangene Workshop wurde von der Universität Flensburg zur Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzepts für die Stadt Flensburg durchgeführt. Im Folgenden soll der dem Treffen vorangegangene Prozess beschrieben werden: Die Uni- versität Flensburg hat sich zum Ziel gesetzt, für das integrierte Klimaschutzkonzept ein Fi- nanzierungsinstrument für Energieeffizienzmaßnahmen privater Gebäudeeigentümer zu entwickeln und mit den lokalen Akteuren abzustimmen. Auf den bislang in anderen Berei- chen (z. B. Wohnungswirtschaft, öffentliche Liegenschaften, etc.) durchgeführten Work- shops wurde deutlich, dass die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen ein zentrales Hindernis darstellt. Insbesondere dann, wenn die Maßnahmen lange Amortisationszeiten aufweisen oder den Akteuren nicht genügend Kapital zur Investition zur Verfügung steht, werden diese für den Klimaschutz bedeutenden Maßnahmen nicht durchgeführt. Aus die- sem Grund sollte auch untersucht werden, ob ein derartiges Finanzierungsinstrument auf andere Bereiche ausgeweitet werden kann. Aufgrund der langjährigen Expertise und Erfahrung im Bereich der Entwicklung von fonds- basierten Finanzierungskonzepten für den Umwelt- und Klimaschutz hat die Universität ei- nen Auftrag an den B.A.U.M. Zukunftsfonds eG vergeben. Das Unternehmen entwickelte ein Konzept für die Einführung eines rollierenden Fonds zur Finanzierung der Energieeffi- zenzmaßnahmen privater Immobilieneigentümer in Flensburg. Anhang A: Workshop Dokumentationen 235 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Das o.g. Konzept des "Zukunftsfonds Flensburg" wurde auf dem Workshop am 15.04.2011 den anwesenden Vertretern aus den Bereichen Banken, Finanzdienstleistungsunterneh- men, Wohnungswirtschaft, Industrie und Stadtverwaltung präsentiert. Weiterhin wurde dis- kutiert, welche Voraussetzungen ein derartiges Instrument in Flensburg erfüllen muss und ob es auf die Sektoren Wohnungswirtschaft, Verkehr, öffentliche Liegenschaften sowie Industrie und kleine, mittlere Unternehmen (KMU) ausgeweitet werden kann. Die wichtigsten Ergebnisse des ersten Workshops im Überblick: Aufgrund des hohen angenommenen Ausgabezinssatzes von 6,0 % kann sich der Zukunftsfonds nur für besondere Nischen bei der Finanzierung von Klimaschutzmaß- nahmen eignen. Denkbar wäre eine Anschubfinanzierung in dem Fall, dass die An- forderungen sonstiger Kredite nicht erfüllt werden können, die Kreditzinsen über 6 % liegen oder Akteure kein weiteres Fremdkapital mehr aufnehmen nehmen können. Der Zukunftsfonds sollte in Ergänzung zu den bislang bei den lokalen Banken und der KfW verfügbaren Finanzierungsangeboten angeboten werden und auf den Vertriebsstrukturen der teilnehmenden Akteure aufbauen. Für die Bereiche private Immobilieneigentümer, Wohnungswirtschaft, öffentliche Liegenschaften und KMU werden gute Finanzierungspotentiale ausgemacht. Aufgrund des großen Interesses der Teilnehmer an der weiteren Konzeption eines Flens- burger Zukunftsfonds wurde das hier dokumentierte Folgetreffen vereinbart. Ziel des Treffens war es, die Potentialabschätzung aus dem letzten Workshop zu verifizieren und dabei genau zu definieren, welche Nische der Zukunftsfonds im bestehenden Ange- bot der Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen bedienen kann. Weiterhin sollte ab- gestimmt werden, wie die weitere Ausgestaltung des Zukunftsfonds aussehen kann und welcher organisatorische Aufbau für die Partnerschaft zwischen den teilnehmenden Akt- euren am besten geeignet ist. 9.7.2 Anwendbarkeit und Potentiale des Zukunftsfonds Nach dem ersten Workshop wurde das Konzept des Zukunftsfonds durch die entspre- chenden Akteure intern diskutiert und analysiert. Weiterhin haben auch einige Vertreter an dem Treffen teilgenommen, die nicht am ersten Workshop beteiligt waren. Aus diesem Grund wurden die Anwendbarkeit und das Finanzierungspotential durch das Finanzie- rungsinstrument nach Vorbild eines roulierenden Fonds abweichend eingeschätzt. Im Folgenden soll die Einschätzung der Teilnehmer zur Anwendbarkeit in den verschiede- nen Bereichen wiedergegeben werden. 9.7.2.1 Private Immobilieneigentümer Die Herausforderung bei der Sanierung von Gebäuden privater Eigentümer besteht nach Ansicht der Teilnehmer darin, dass der Bestand in hohem Maße historische Gebäude um- 236 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg fasst, die aufgrund der Bauweise, Fassaden oder Denkmalschutzauflagen nur schwierig umfangreich energetische saniert werden können. Weiterhin reduziert die derzeitige Ta- rifstruktur des Fernwärmeversorgers durch den hohen Anteil an Grundkosten die Energie- kosteneinsparung. Aus diesen Gründen kann davon ausgegangen werden, dass entspre- chende Maßnahmen lange Amortisationszeiten aufweisen werden. Insbesondere für Pri- vatleute stellt dies ein großes Hindernis dar. Dennoch ist diese Gruppe für den Klimaschutz eine wichtige Zielgruppe, welche zur Maßnahmendurchführung motiviert werden muss. Es wird von den Teilnehmern festgestellt, dass in diesem Bereich trotz der bestehenden In- formations-, Beratungs- und Finanzierungsangeboten nur sehr wenige energetische Sanie- rungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die Resonanz entsprechender Aktivitäten ist ge- ring. Die vorhandenen Finanzierungsangebote der lokalen Banken oder der KfW sind - auch bei der Finanzierung langfristiger Maßnahmen - nach Ansicht der Teilnehmer ausreichend vor- handen und zu deutlich günstigeren Konditionen zu erhalten als im Konzept des Zukunfts- fonds vorgesehen. Da der Zukunftsfonds als Nischenprodukt die bestehenden Angebote lediglich ergänzen soll, sehen die Teilnehmer derzeit keine Möglichkeit, dass der Zukunfts- fonds in Teilbereichen eine sinnvolle Erweiterung des Finanzierungsangebotes darstellen kann. Der Fonds ist demnach kein geeigneter Treiber zur Steigerung der Sanierungsraten in diesem Bereich. Die Priorität weiterer Aktivitäten sollte eher darauf liegen, dass die Immobilieneigentümer durch Information und Beratung vom Nutzen einer energetischen Sanierung überzeugt werden und die für sie passenden Finanzierungsprodukte schnell ausfindig machen kön- nen. Entsprechende Ansätze dafür sind unter 9.7.3.3 aufgeführt. 9.7.2.2 Öffentliche Liegenschaften Im Bereich der öffentlichen Liegenschaften ist die Anwendbarkeit des Zukunftsfonds aus Sicht der Teilnehmer darstellbar. Dieser Bereich kommt für die Finanzierung durch den Fonds nicht in Frage. Die Vertreter aus dem Bereich öffentliche Liegenschaften der Stadt Flensburg sehen keine Vorteile des Zukunftsfonds gegenüber der Eigenverschuldung. Kommunalkredite sind im- mer zu günstigen Konditionen zu erhalten. Die Aufnahme von Mitteln aus dem Zukunfts- fonds stellt nach Aussage der Vertreter aus diesem Bereich in jedem Fall auch eine Neu- verschuldung dar. Aus diesem Grund es auch nicht denkbar, dass Kommunen den Zu- kunftsfonds nutzen, die ihre Kreditaufnahme begrenzt oder gestoppt haben. Wenn einer Kommune die Kommunalkredite nicht mehr genehmigt werden, dann kann sich auch kein Geld mehr aus anderen Finanzierungsangeboten nutzen. Im Rahmen der Diskussion zur Anwendbarkeit im Bereich kommunale Liegenschaften wur- de noch die Möglichkeit besprochen, ob durch den Zukunftsfonds Contracting-Projekte finanziert werden kann. Die Diskussion wird im Abschnitt 9.7.2.5 wiedergegeben. Anhang A: Workshop Dokumentationen 237 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.7.2.3 Wohnungsbauwirtschaft In diesem Bereich stellt sich die Frage, ob durch die Finanzierung des Zukunftsfonds zusätz- liche Projekte zur Gebäudesanierung angeschoben werden könnten oder diese ausge- weitet werden können. Aus Sich des Vertreters der Wohnungsbaugesellschaft sind die Konditionen des Fonds für die Wohnungswirtschaft nicht interessant. Die Ausgabekonditionen sind nicht vorteilhaft und eine Produktnische ist in diesem Bereich nicht vorhanden. 9.7.2.4 Kleine und mittlere Unternehmen Die Gruppe der KMU ist nach Ansicht der Teilnehmer sehr heterogen in Bezug auf die Fi- nanzierungsmöglichkeiten von Energieeffizienzmaßnahmen. Die Liquidität und Bonität der Unternehmen hängt sehr stark von der derzeitigen Geschäftslage ab. Die Finanzierung durch den Zukunftsfonds ist in diesem Bereich allerdings nach Auskunft der IHK nicht not- wendig, da die Unternehmen ebenfalls auf vergünstigte Förderkredite zurückgreifen kön- nen (z. B. der KfW). 9.7.2.5 Contracting Es wurde von einem Teilnehmer darauf hingewiesen, dass es auch möglich wäre, durch den Zukunftsfonds Maßnahmen zu finanzieren, welche in Form eines Contracting-Projektes umgesetzt werden. Hier wären das Versorgungscontracting - also die Versorgung eines Akteurs mit Nutzenergie aus einer von einem externen Dienstleister betriebenen Anlage - oder das Einsparcontracting - die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen durch ei- nen externen Dienstleister bei garantierter Energieeinsparung - denkbar. Insbesondere im Bereich der öffentlichen Liegenschaften könnte nach Ansicht einiger Teilnehmer die Kom- bination aus Contractingmaßnahmen und der Finanzierung durch den Zukunftsfonds eine interessante Option sein. Das Einsparcontracting kam im Bereich öffentliche Liegenschaf- ten in den 90er Jahren auf, da hier die Kommunen bei Limitierung der Neuverschuldung nicht direkt investieren müssen. Aus Sicht der Vertreter aus dem Bereich Öffentliche Liegenschaften der Stadtverwaltung stellt diese Option keine praktikable Option dar. Auch die Finanzierung der Maßnahme eines externen Dienstleisters aus den daraus resultierenden Einsparungen ist als Aufnahme von Fremdkapital und damit als Neuverschuldung zu werten. Ab 2013 ist in Flensburg vor- gesehen, für Immobilien keine neuen Kredite aufzunehmen. Die Finanzierung von Energie- effizienzmaßnahmen muss demnach aus den bestehenden Mitteln ohne Neuverschul- dung realisiert werden. Auch aus Sicht des Vertreters aus dem Bereich Industrie stellt die Realisierung von Contractingmaßnahmen eine Neuverschuldung dar. Zur Klärung dieser Sachlage und zur Fortführung der Diskussion ist dieser Dokumentation eine Broschüre zum Thema Energie- Einsparcontracting für Städte und Kommunen der EnergieEffizienzAgentur Rhein-Neckar-Dreieck beigefügt. Es wird auf Seite 9 dargestellt, wie sich ein Energiesparcontracting-Projekt auf den Vermögens- und den Verwaltungs- haushalt einer Kommune auswirkt. Demnach kann der öffentliche Haushalt im Verwal- 238 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg tungshaushalt entlastet werden, da die Energiekosten nach Durchführung der Maßnahme geringer sind und die Investitionskosten gleichzeitig vom Contractor übernommen werden und damit nicht dem Vermögenshaushalt zugerechnet werden müssen. Die Universität regt an, die Frage der internen Verrechnung und Bilanzierung von Contrac- tingprojekten - soweit dies nicht schon erfolgt ist - verwaltungsintern zu diskutiert und zu klären. 9.7.3 Mögliche Produktmerkmale Im Laufe des Treffens wurde ausführlich diskutiert, welche Produktmerkmale bzw. welche Funktionen der Zukunftsfonds Flensburg oder eine Partnerschaft der Akteure zur Förderung der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen aufweisen könnte. 9.7.3.1 Besicherung Die Teilnehmer wiesen darauf hin, dass die Besicherung möglicher Finanzierungsprodukte durch den Zukunftsfonds eine große Hürde darstellen kann. Gerade bei Fokussierung auf die Anschubfinanzierung für Projekte, die ansonsten keine Förderkredite erhalten könnten, ergeben sich hohe Risiken. Es stellt sich die Frage, ob die Sicherheiten ausreichend durch die Energiekosteneinsparungen gedeckt werden können. Wesentlich für die Besicherung des eingesetzten Kapitals ist die realistische Auswahl und Bewertung geeigneter Maßnahmen durch Energieberater. Falls der Zukunftsfonds aller- dings lediglich Risikoliegenschaften abdecken sollte, dann kann nur eine Bürgschaft der Stadt Flensburg eine ausreichende Sicherheit bieten. Nach Auskunft des Bereichsleiters Finanzen bei der Stadtverwaltung im April 2011 ist eine derartige Bürgschaft allerdings nicht möglich. Nach Einschätzung der Teilnehmer ist die Fokussierung auf Nischen zur Finanzierung durch den Fonds mit der dafür notwendigen Besicherung nicht vereinbar. 9.7.3.2 Anlageprodukte Die dem Treffen vorangegangene Diskussion zum Konzept des Zukunftsfonds machte deutlich, dass ein Geldanlageprodukt zur Investition in lokale Energieeffizienzmaßnahmen in Flensburg eine gute Marktchance hätte. Das Bedürfnis der Anleger bezüglich "grüner" Anlageprodukte ist vorhanden und nimmt entsprechend der ausgewerteten Studien stetig zu. Die Bereitschaft der Flensburger Bürger vor allem unter dem Aspekt der Lokalität und zur Unterstützung des Klimaschutzes vor Ort Geld zu investieren ist nach Ansicht einiger Teilnehmer durchaus gegeben. Demgegenüber steht die Einschätzung der teilnehmenden Banken, dass die Nachfrage nach ökologischen Geldanlagemöglichkeiten derzeit noch kaum spürbar ist. Es muss beachtet werden, dass sich der Zukunftsfonds nicht durch gesetzlich garantierte Einspeisevergütungen - wie im Fall der Erneuerbare-Energien-Fonds - refinanzieren könnte, sondern durch Kosteneinsparungen, die allerdings mit Unsicherheiten behaftet sind. Wenn Anhang A: Workshop Dokumentationen 239 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ohnehin kein Potential zur Finanzierung durch den Zukunftsfonds in den verschiedenen Sektoren besteht, so könnte auch kein Geldanlageprodukt ausgegeben werden. Die Universität regte an, dass von den Banken für interessierte Kunden ein Klimasparbuch mit einer niedrigen Verzinsung angeboten werden könnte. Das dadurch verfügbare Kapi- tal könnte - wie auch im Fall des Zukunftsfonds - in ausgewählte lokale Maßnahmen inves- tiert werden. Die Sparkasse hat mit dieser Art von Produkt bislang noch keine Erfahrungen gemacht, nimmt die Anregung aber interessiert zur Kenntnis. 9.7.3.3 Ansprache, Information und Beratung Nach Ansicht der Teilnehmer sollte der Fokus der weiteren Aktivitäten darauf liegen, dass mehr Menschen informiert und motiviert werden, die bestehenden Finanzierungs- und Energieberatungsangebote zu nutzen, so dass insgesamt mehr Maßnahmen umgesetzt werden können. Die Diskussion, wie die Rate der durchgeführten Energieeffizienzmaßnahmen durch Infor- mation und Beratung konkret gesteigert werden kann, wurde für den Bereich private Im- mobilieneigentümer geführt. Bei den in diesem Bereich denkbaren Aktivitäten kann zwi- schen Aufklärung und Darstellung der Wirtschaftlichkeit sowie dem Angebot eines neutra- len Gesamtpakets unterschieden werden. AUFKLÄRUNG UND DARSTELLUNG DER WIRTSCHAFTLICHKEIT Nach der Erfahrung der Energieberater ist es sehr wichtig, dass die Gebäudeeigentümer über die Einsparpotentiale und Wirtschaftlichkeit möglicher Sanierungsmaßnahmen auf- geklärt und informiert werden. Bislang werden die Gebäude häufig nur dann saniert, wenn dringender Handlungsbedarf besteht (z. B. wenn das Dach beschädigt ist), weil die Vorteile einer turnusmäßigen Sanierung nicht bekannt sind. Weiterhin wird zu bedenken gegeben, dass die Motivation häufig eher darin besteht eine Verbesserung des Wohnkli- mas zu erreichen als Energie einzusparen. Es ist auffällig, dass die Resonanz bei den ange- botenen Informationsveranstaltungen sehr gering ist und insgesamt in der Bevölkerung kein ausreichendes Interesse für die Thematik besteht. Die Teilnehmer regen an, genau zu untersuchen, ob und in welchen Fällen sich verschie- dene Maßnahmen für die Gebäudeeigentümer in einem vertretbaren Zeitraum amortisie- ren. Wenn dies für viele Maßnahmen der Fall ist und Kosteneinsparpotentiale bekannt sind, dann sollte dies offensiv kommuniziert werden. In einem Marketingkonzept sollte durch klare Botschaften dargestellt werden, dass sich die Maßnahmen lohnen und welche Ak- teure bei der Durchführung behilflich sein können. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die koordinierte Information und Erstberatung potentieller Kunden zur Wirt- schaftlichkeit und Durchführung der Maßnahmen im Rahmen der Zusammenarbeit der Akteure denkbar ist und eine sehr wichtige Aufgabe darstellt. ANGEBOT EINES ÜBERGREIFENDEN GESAMTPAKETS Neben der Tatsache, dass die privaten Eigentümer von Gebäuden informiert werden soll- ten, spielt es noch eine große Rolle durch wen sie informiert und angesprochen werden. 240 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Eine ganze Reihe unterschiedlicher Akteure hält für diese Zielgruppe ein spezielles Ange- bot bereit. Ein Angebot muss aber immer auch durch die Ansprache der Kunden bewor- ben werden. In diesem Bereich wird durch die teilnehmenden Akteure bereits viel unter- nommen ohne bislang auf eine große Resonanz zu stoßen. Nach Einschätzung der Teilnehmer wäre es vorteilhaft, wenn die Kunden durch eine zent- rale, neutrale und seriöse Institution angesprochen werden. Auf diese Weise wird deutlich, dass die Kunden nicht nur aus reinem wirtschaftlichen Eigeninteresse der Akteure ange- sprochen werden, sondern der Fokus auf dem Klimaschutz und einer guten fachlichen Beratung liegt. Dies schafft Vertrauen bei der Zielgruppe und könnte die Bereitschaft er- höhen, sich einer derartigen Beratung zu unterziehen. Durch die Bündelung der bestehen- den Beratungsangebote kann die Beratung zudem auch effizienter und zielgerichteter durchgeführt werden. Nach Anregung eines Teilnehmers ist die Verbraucherzentrale für eine derartige neutrale Ansprache gut geeignet. Es wurde diskutiert, wie eine derartige neutrale Ansprache am besten umgesetzt werden kann. Möglich wäre es, über ein zentrales Budget eine neutrale Beratungseinrichtung zu finanzieren. Wenn die Maßnahmen nach erfolgreicher Beratung durchgeführt werden, würden alle an der Maßnahmenumsetzung beteiligten Akteure die vorangegangene Be- ratung anteilig finanzieren. DATENPOOL Um die Ansprache von potentiellen Kunden noch wirkungsvoller zu gestalten wurde von Seiten der Universität angeregt, dass auf Basis eines Datenpools gezielt die Besitzer von Gebäuden angesprochen werden, für die eine Sanierung aufgrund des Gebäudealters oder der Bauausführung besonders lohnenswert ist. Derartige Datensammlungen sind im Bereich der Wohnungswirtschaft entweder bereits vorhanden oder werden aufgebaut. Aus Sicht der Teilnehmer führt es zu keinem Vorteil, wenn derartige Strukturen aufgebaut werden. Es ist im Allgemeinen hinreichend bekannt, welche Gebäude nicht gut gedämmt sind und damit besonders gut für eine Sanierung in Frage kommen. MONITORING UND CONTROLLING Bei der Umsetzung des Zukunftsfonds nach dem im letzten Workshop vorgestellten Konzept wäre dem Monitoring und Controlling der Einsparungen von umgesetzten Maßnahmen eine sehr hohe Bedeutung zugekommen. Obwohl der Finanzierung durch den Zukunfts- fonds keine Potentiale beigemessen werden, ist es trotzdem denkbar, die Verbrauchsre- duzierung und die damit einhergehende Kosteneinsparung verschiedener Maßnahmen zentral zu dokumentieren. Auf diese Weise könnte der Nachweis für die Vorteilhaftigkeit bestimmter Maßnahmen auch unter den in Flensburg herrschenden Rahmenbedingungen dargelegt werden. Die Universität erstellt derzeit mit der Firma Mittelstraß einen Projektantrag, um das Monito- ring und Controlling von Energieeinsparungen und Klimaschutzmaßnahmen für Industrie-, Gewerbe, Handels und Dienstleistungsunternehmen durchführen zu können. Auf Basis ei- Anhang A: Workshop Dokumentationen 241 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ner internetbasierten Datenbank können die Verbrauchswerte dezentral von den Nutzern eingegeben werden. Die Auswertung und Visualisierung der Ergebnisse erfolgt anschlie- ßend gemäß zuvor festgelegter Kriterien automatisch. Es ist die Frage, ob ein derartiges Vorgehen auch im Bereich der Gebäudesanierung privater Eigentümer sinnvoll und vor- teilhaft ist. Möglich wäre es nach Einschätzung der Teilnehmer, Leuchtturmprojekte zu verfolgen und in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Hierdurch können positive Beispiele zur Aufklä- rung und Motivation in der Gruppe der privaten Immobilienbesitzer beitragen. Allerdings ist auch davon auszugehen, dass die meisten geeigneten Leuchtturmprojekte in den Berei- chen öffentliche Hand oder Wohnungsbauwirtschaft gefunden werden können und die Vergleichbarkeit mit dem Bereich private Immobilienbesitzer demnach kaum gegeben ist. Die Teilnehmer gehen nicht davon aus, dass die vorgestellten Möglichkeiten im Bereich Monitoring und Controlling dazu beitragen können, die Sanierungsquote zu steigern. Speziell vor dem Hintergrund der unter Abschnitt 0 beschriebenen Zielsetzung, beispielhaf- te "Geschäftsmodelle" für die Gebäudesanierung zu entwickeln und zu kommunizieren ist es aus Sicht der Universität dennoch sehr sinnvoll, positive Beispielprojekte zu dokumentie- ren und die möglichen Einsparungen zu kommunizieren. 9.7.4 Schlussfolgerungen für das Konzept des Zukunf tsfonds Insgesamt kann als Ergebnis der Diskussion festgehalten werden, dass die Teilnehmer für die Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen durch den Zukunftsfonds keine Notwen- digkeit sehen. Bei der Ansprache, Information und Beratung potentieller Kunden wird da- gegen noch deutlicher Verbesserungs- und Koordinierungsbedarf gesehen. Durch die Etablierung einer neutralen, zentralen und seriösen Einrichtung könnten die bestehenden Aktivitäten in diesem Bereich zum einen besser gebündelt und damit effektiver werden. Zum anderen kann die Bereitschaft der Teilnahme in der Bevölkerung damit insgesamt erhöht werden. Weiterhin gilt es transparent und glaubhaft darzustellen, welcher monetä- re Nutzen den Gebäudeeigentümern aus entsprechenden Maßnahmen erwächst. Mit dieser Botschaft sollten anschließend breite Schichten der Zielgruppe erreicht werden. 9.7.5 Mögliche Folgeaktivitäten Am Prozess zur Entwicklung von Finanzierungskonzepten für Klimaschutzmaßnahmen im Rahmen der Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzepts war eine große Gruppe von Akteuren aus verschiedenen Bereichen beteiligt und interessiert. Es stellt sich nun die Fra- ge, ob und wie die breite Beteiligung weiter genutzt werden kann, um die Arbeit am ge- meinsamen Ziel - die Förderung der Umsetzung von Gebäudesanierungsmaßnahmen in der Stadt Flensburg - voran zu treiben. Es wurde im Kreis der Teilnehmer diskutiert, in wel- che Richtung und mit welchen Zielsetzungen die Weiterarbeit erfolgen sollte. Die Ergebnis- se sind im Folgenden aufgeführt. 242 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 9.7.5.1 Zielsetzungen KRITISCHE ANALYSE DER BESTEHENDEN AKTIVITÄTEN Die Tatsache, dass die bestehenden Aktivitäten und Angebote von der Beratung bis zur Finanzierung bislang nicht zu den erwünschten Erfolgen geführt haben macht deutlich, dass Veränderungsbedarf besteht. Zunächst sollte analysiert werden, welche Schwach- stellen das bisherige individuelle Angebot aufweist und ob ein übergreifendes Konzept in Zusammenarbeit der Akteure funktionieren kann. Anschließend muss genau geprüft wer- den, ob eine koordinierte Zusammenarbeit der Akteure auch im Sinne der Kosteneinspa- rung (z. B. durch Synergien in der Beratung) und einer effektiven Beratung (z. B. durch kompetente neutrale Ansprache) sinnvoll ist. GEBÄUDESANIERUNG ALS "GESCHÄFTSMODELL" Die Wirtschaftlichkeit einer Gebäudesanierung hängt zu einem großen Teil davon ab, in welcher Höhe Energiekosten eingespart werden können. Um aussagen zu können, ob sich verschiedene Maßnahmen vor Ort rentieren, muss die Preisstruktur der Fernwärmeversor- gung durch die Stadtwerke Flensburg berücksichtigt werden. Es spielt eine große Rolle wie sich die Fernwärmekosten auf den Arbeits- und auf den Leistungspreis aufteilen. Bislang ist fraglich, wie sich die Aufteilung auf fixe und verbrauchsabhängige Kosten zukünftig entwi- ckeln wird. Der Workshop "Zukunft der Fernwärme" im Rahmen der Erstellung des integrier- ten Klimaschutzkonzepts wird darüber weitere Aufschlüsse bringen. Es soll beispielsweise diskutiert werden, ob die Stadtwerke zukünftig Volumentarife anbieten können. Die Infor- mationen aus diesem Workshop sind Grundlage für die Abschätzung welche Maßnahmen in Flensburg für die Gruppe der privaten Immobilieneigentümer rentabel sind und welche nicht. Wenn die realistischen Einsparpotentiale für die Gebäude konkretisiert wurden, kann das "Geschäftsmodell Gebäudesanierung" vorgestellt und als Verkaufsbotschaft aktiv bewor- ben werden. Für die Präsentation dieses "Geschäftsmodells" ist es auch noch von Bedeu- tung, dass die nicht-finanziellen Vorteile (z. B. Verbesserung des Raumklimas) einer energe- tischen Sanierung dargestellt werden. Bei der Entwicklung und Kommunikation des "Geschäftsmodells" sollten alle beteiligten Akteure ihre Erfahrungen einbringen. Die Zusammenarbeit bzw. Koordinierung durch die Universität wäre wünschenswert. Ergänzend dazu weist die Universität Flensburg im Rahmen dieser Dokumentation noch darauf hin, dass es auf Landesebene im Rahmen des Klimapakts Schleswig-Holstein einen Wettbewerb zur Prämierung besonders vorteilhafter Einzelprojekte (auch im Bereich priva- ter Immobilienbesitzer) gibt. In diesem Rahmen können Informationen darüber gesammelt werden, wie viele Einsparungen durch welche Maßnahmen in konkreten Fällen realisiert werden können. Der Wettbewerb ist unter http://www.schleswig- holstein.de/Klimapakt/DE/Aktuelles/Wettbewerb/Wettbewerb_node.html vorgestellt. http://www.schleswig-holstein.de/Klimapakt/DE/Aktuelles/Wettbewerb/Wettbewerb_node.html http://www.schleswig-holstein.de/Klimapakt/DE/Aktuelles/Wettbewerb/Wettbewerb_node.html Anhang A: Workshop Dokumentationen 243 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG EINFLUSS AUF POLITISCHE RAHMENBEDINGUNGEN Weiterhin wurde von einem Teilnehmer bemerkt, dass die finanzielle und beratungsseitige Förderung der Umsetzung von Gebäudesanierungsmaßnahmen immer auch im Zusam- menhang der politischen Rahmenbedingungen gesehen werden sollte. Wenn die gesetz- lichen Vorgaben an die Sanierung von Gebäuden strenger sind, dann wird der Druck auf die Eigentümer größer, die Maßnahmen auch durch zu führen. Es sollte geprüft werden, welche Möglichkeiten die Stadt Flensburg hat, um Vorgaben an die Sanierung auszuge- ben und durch zu setzen. 9.7.5.2 Mögliche Beiträge der teilnehmenden Akteure Abschließend wurden mögliche Beiträge der beteiligten Akteure für die Weiterführung des Prozesses und die Etablierung der vorgeschlagenen Beratungsleistungen (v.a. der Entwick- lung des Geschäftsmodells Gebäudesanierung) diskutiert. Lediglich der SBV nannte die Möglichkeit, einen Energieberater aus der eigenen Beleg- schaft für die weitere Konzeptentwicklung zur Verfügung zu stellen, und in diesem Rahmen positive Beispiele aus dem eigenen Bestand vorzustellen. 9.7.6 Ausblick Aus Sicht der Universität sollte der Dialog der beteiligten Akteure in jedem Fall weiterge- führt werden, um die genannten Perspektiven zur Weiterentwicklung des Informations- und Beratungsangebots zu verfolgen und in regelmäßigen Abständen zu prüfen, ob das Kon- zept des Zukunftsfonds für spezielle Teilbereiche und / oder unter veränderten Konditionen doch anwendbar ist. Alleine die hohe Beteiligung und das große Interesse der verschie- denen Akteure an den durchgeführten Veranstaltungen im Bereich "Finanzierung von Kli- maschutzmaßnahmen" machen deutlich, dass Potentiale für die weitere Zusammenarbeit vorhanden sind. 244 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 9.8 Stadtentwicklung Flensburg, 11.05.2011 Teilnehmer: Frank Jürgensen (SBV) Johannes Delfs (Stadt Flensburg) Brar Petersen (SBV) Anne Henftling (Stadt Flensburg) Ulf Rieck-Blankenburg (Stadtwerke Flensburg) Petra Kuck (IHR Sanierungsträger) Klaus Schrader (Stadtwerke Flensburg) Wolfgang Börstinghaus (Stadt Flensburg) Jochen Glogau (Tischlerei Glogau) Olaf Carstensen (Stadt Flensburg) Tom Kaden (Architekturbüro Berlin) Paul Hemkentokrax (Aktiv Bus) Lothar Raasch (IHK Flensburg) Olav Hohmeyer (Universität Flensburg) Hannah Köster (Universität Flensburg) Emöke Kovac (Universität Flensburg) Almut Burkowitz (Universität Flensburg) Helge Maas (Universität Flensburg) 9.8.1 Ausgangslage und Ziele des Workshops Der Klimapakt Flensburg und die Stadt Flensburg haben sich ambitionierte Ziele zum Schutz des Klimas gesetzt. Bis zum Jahr 2050 soll die Emission klimarelevanter Treibhausgase so weit reduziert werden, dass die gesamte Stadt CO2-neutral ist. Um einen gangbaren Weg in diese Richtung aufzeigen, erarbeitet die Universität Flensburg zusammen mit den verschiedenen Flensburger Akteuren und der Flensburger Bevölkerung ein integriertes Kli- maschutzkonzept. Im Rahmen von 16 Workshops werden sektorspezifische und sekto- rübergreifende Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Nur wenn alle emissionsrelevanten Bereiche der Stadt betrachtet werden, kann das Ziel der CO2-Neutralität erreicht werden. Neben den energieintensiven Sektoren wie der Industrie und den Haushalten werden im Rahmen der Konzepterstellung auch Bereiche untersucht, denen auf den ersten Blick nur schwerlich ein Energieverbrauch oder CO2-Emissionen zugewiesen werden können. Dieses gilt auch für den Bereich der Stadtplanung. Der Einfluss der Stadtplanung auf den Energie- verbrauch einer Stadt ist im Vergleich zu anderen Sektoren schwer zu quantifizieren, da er sowohl den Verbrauch und die Emissionen in den Bereichen Haushalt, Gerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD) und Verkehr beeinflusst. Der prozentuale Anteil am Flensburger Endenergieverbrauch von 2.090 GWh pro Jahr kann mit ca. 10-20 % angegeben werden. Die Abgrenzungsproblematik und die zahlreichen Einflussmöglichkeiten der Stadtplanung erfordern einen integrativen, bereichsübergreifenden Ansatz. Stadtplanung wird weithin als ein Wirkungsfeld betrachtet, welches sich mit der Planung, Entwicklung, baulichen Realisation, dem Betrieb und der Bewirtschaftung urbaner Flächen zum Ziele der Maximierung des grundstücksübergreifenden Gesamtnutzens für die Nutzer beschäftigt. Die Dimensionen der Stadtplanung sind in Abbildung 86 abgebildet. Es wird deutlich, dass zu einer erfolgreichen Konzepterstellung ein Zusammenwirken aller Akteure Anhang A: Workshop Dokumentationen 245 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG der Stadt, der Wohnungswirtschaft, der Stadtwerke und der Bevölkerung notwendig ist um unter dem Einfluss einer sich in den nächsten Jahrzenten wandelnden wirtschaftlichen und strukturellen Situation in Flensburg alle genannten Handlungsfelder zum Ziele einer nach- haltigen Stadtentwicklung abzudecken. ABBILDUNG 83: DIMENSIONEN DER STADTPLANUNG (F+B 2005) 9.8.2 Monitoring und Controlling Das Städtebauliche Entwicklungskonzept der Stadt Flensburg sieht seit 2005 vor, eine Ko- ordinierungsrunde einzurichten und mithilfe dieses Instrumentes kontinuierlich die städte- baulichen Entwicklungskonzepte zu überwachen und gegebenenfalls nachsteuern zu können. Nach Aussage der Stadt ist diese Koordinierungsrunde bis jetzt nicht eingerichtet worden. Es existieren lediglich Teilbausteine in Form von z. B. einer AG zur Siedlungsvorsor- ge. Allgemein herrschte der Konsens, dass die Koordinierungsrunde schnellstmöglich instal- liert werden sollte. Um eine nachhaltige und transparente Stadtentwicklung voranzutrei- ben, ist das Einbinden aller Akteure erforderlich. Die Stadt Flensburg versicherte, die beste- henden Prozesse und Instrumente zu nutzen um die Koordinierungsrunde einzurichten. Des Weiteren wurde angeregt im Rahmen des Klimapaktes eine regelmäßige, informelle Run- de zum Thema Stadtplanung ins Leben zu rufen. 9.8.3 Nachhaltige, energieeffiziente Wohnraumversorgung Eine Gemeinde hat bei der Planung von Neubaugebieten die Möglichkeit indirekt Einfluss auf den Energieverbrauch und die Energieversorgung privater Haushalte zu nehmen und so zur Einsparung von fossilen Brennstoffen beizutragen. Vor dem Hintergrund eines stetig 246 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg steigenden Pro- Kopf- Wohnflächenbedarfs und einer wachsenden Bevölkerung kommt dem Handeln auf kommunaler Ebene eine besondere Bedeutung zu. 9.8.3.1 Energieeffiziente Bauleitplanung (Neubau) Um das Einsparpotential einer energieeffizenten Bauleitplanung aufzuzeigen wurde am Beispiel des Baugebiets „Hochfeld“ im südöstlichen Bereich Flensburgs eine Optimierung hinsichtlich der klimaschutzrelevanten Aspekte der Bauleitplanung aufgezeigt. Die nach- folgende Grafik zeigt die wesentlichen Aspekte der Bauleitplanung und deren Einfluss auf den Energieverbrauch. ABBILDUNG 84: EINFLUSSMÖGLICHKEITEN AUF DEN ENERGIEVERBRAUCH EINER STADT/SIEDLUNG Die auf dem Workshop vertretenen Teilnehmer aus der Abteilung „Stadtplanung“ der Stadt Flensburg wurden gebeten, die vorgestellten Maßnahmen hinsichtlich der Umsetz- barkeit zu beurteilen und zu berichten, inwiefern bereits energieeffiziente Aspekte in die Bauleitplanung integriert werden. Nach Aussage der Stadt werden die Baugebiete bisher ausschließlich aus städtebaulicher Sicht optimiert. Eine Festlegung der vorgestellten Maßnahmen (Gebäudeausrichtung, A/V-Verhältnis, Fensterflächen, Geschosszahl, Festlegung von energetischen Baustan- dards) im Bebauungsplan würde die Bauherren in ihrer Entscheidungsfreiheit beschränken Anhang A: Workshop Dokumentationen 247 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG und eine Abwanderung in Nachbargemeinden hervorrufen. Ein sinnvoller Ansatz könnte jedoch sein, durch Beratung und Best-Practice-Beispiele den Bauherren eine energiespa- rende Bauweise aufzuzeigen. Anreizförderung durch Kostenzuschüsse etc. könnte zusätz- lich ein geeignetes Instrument sein, Neubauten hinsichtlich energetischer Aspekte zu opti- mieren. Seitens der Stadtwerke wurde angeregt, dass vor dem Hintergrund der Planbarkeit und Wirtschaftlichkeit von Fernwärmeanschlüssen ein Clustern der Baugebiete sinnvoll wäre. Eine Absprache bzw. Ausweisung von Gebieten für eine bestimmte Bauweise ist somit nicht nur aus energetischer Sicht sinnvoll, sondern trägt auch zur Erhaltung einer wirtschaft- lichen Versorgung mit Fernwärme bei. Beispielhaft für eine solche Vorgehensweise ist die Ausweisung des Baugebietes am Wasserturm, welches einen ökologischen und flächen- sparenden Planungsansatz verfolgt. Allgemeiner Konsens der Teilnehmer des Workshops war, dass in Flensburg durch den Mangel an Naubaugebieten der Fokus auf den intelligenten, verdichteten Wohnungsbau gelegt werden muss um auf die Problematik des Bevölkerungswachstums und einer wirt- schaftlichen Fernwärmeversorgung angemessen reagieren zu können. In Randgebieten mit schlechten Voraussetzungen für einen Fernwärmeanschluss ist ein Vorschreiben von thermischen Standards durchaus sinnvoll, wenn dort auf Alternativen zur Fernwärme zu- rückgegriffen wird. 9.8.3.2 Umstrukturierung Flensburg weist eine unterschiedlich ausgeprägte Bevölkerungsentwicklung auf. Für Stadt- teile wie Mürwik ist zusätzlich eine drohende Überalterung symptomatisch. Sanierungsbe- dürftige Einfamilienhäuser werden dort überwiegend von alleinstehenden, älteren Men- schen bewohnt. Der drohende Mangel an Wohnraum in Flensburg und der weiterhin be- stehende Bedarf an Einfamilienhäuser für junge Familien erfordern ein Eingreifen in diese Entwicklung. Seit Oktober 2007 existiert im Rahmen des Forschungsprogramms „Experimen- teller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt) eine neutrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Wohnungsangebot. Diese Einrichtung setzt sich aus lokalen Akteuren zusammen (Wohnungswirtschaft, Genossenschaften, Seniorenbeirat, Vertreter der Stadt Flensburg) und soll als vorgeschaltete Koordinierung- und Beratungsstelle bei allen Fragen rund um die Wohnraum- und Grundstückssuche, Finanzierung, Baubegleitung etc. zum Ziele eines generationsübergreifenden, wachsenden Stadtteils dienen. Ähnliche Projekte sind nach Ansicht aller Teilnehmer des Workshops in ganz Flensburg zu initiieren um dem Leerstand, einem Über- oder Unterangebot bestimmter Wohnformen und dem Preisverfall von Immo- bilien entgegenzuwirken. Aus stadtplanerischer Sicht ist ein Eingreifen in die Stadtteilstruktur immer dann sinnvoll und nachhaltig, wenn ein Generationswechsel ansteht. Im Rahmen dieses Generationsum- bruchs sollte ein Stadtteil so umstrukturiert werden, dass eine Durchmischung stattfindet. Dabei sollte sowohl für jede Generation, als auch für jede soziale Schicht Wohnraum ent- stehen. 248 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Beispiele aus Fruerlund haben gezeigt, dass bei einer bevorstehenden Umstrukturierung eines Stadtteils die Aktivitäten der einzelnen Akteure gut koordiniert werden müssen. Eine Abstimmung entsprechender Maßnahmen zwischen Bauträgern, den Stadtwerken, dem technischen Betriebszentrum, aber auch der Telekom und den ÖPNV- Beteiligten können Kosten minimieren und zu einer umfassenden nachhaltigen Stadtteilerneuerung führen. Durch die Erfahrungen in Fruerlund sind die Kommunikationswege und Arbeitsschritte op- timiert worden und können in Zukunft für ähnliche Projekte genutzt werden. Die Teilnehmer waren sich im Zuge dieses Projekts einig, dass die Erfahrungen und Vorgehensweisen in Fruerlund dokumentiert und für künftige Projekte genutzt werden sollten. 9.8.3.3 Leerstand Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Umstrukturierung bestehender Stadtteile ist die Akti- vierung von Leerständen. Die Gründe für vermehrten Leerstand in der Neustadt (6 %), der Altstadt (5 %) und auf dem Friesischen Berg (4,5 %) sind vielschichtig und häufig auf die schlechte Bausubstanz, oder auf eine schlechte Infrastruktur zurückzuführen. Sinnvolle An- sätze Leerstände dauerhaft zu minimieren können beispielsweise zinsverbilligte Kapital- marktdarlehen für Eigentürmer sein. Erfahrungen zeigen jedoch, dass Umstrukturierungs- und Erneuerungsmaßnahmen die Attraktivität eines Stadtteils steigern und so per se eine Reduzierung der Leerstände hervorgerufen wird. 9.8.3.4 Sanierung von denkmalgeschützen Gebäuden ABBILDUNG 85: DENKMALGESCHÜTZTE GEBÄUDE IN FLENSBURG (QUELLE: STADT FLENSBURG) Anhang A: Workshop Dokumentationen 249 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Vor dem Hintergrund das Flensburgs Innenstadt (siehe Karte) zum großen Teil unter Denk- malschutz steht, oder die Erhaltungssatzung gilt, stellt sich die Frage nach den Möglichkei- ten der Sanierung im Rahmen des Denkmalschutzes. Entgegen der weitläufigen Meinung, dass eine Dämmung schwer möglich sei, können z. B. immer die Fenster ausgetauscht, das Dach und die nicht zur Straße weisenden Fassaden nach normalem Procedere gedämmt werden. Die denkmalgeschützte Fassade kann von innen gedämmt werden. Auch hier sollte angestrebt werden, eine Gebietsweise Sanierung vorzunehmen um eine gleichmä- ßige Abnahmedichte für die Fernwärme zu gewährleisten und gegebenenfalls die Dimen- sionierung der Fernwärmeleitung flächendeckend anzupassen zu können. 9.8.3.5 Ökologische Mustersiedlungen Neben den Möglichkeiten der nachhaltigen Stadtentwicklung mit Hilfe eines energieeffi- zienten Bauleitplans oder der Umstrukturierung von Stadtteilen wurden im Rahmen des Workshops die Chancen ökologischer Mustersiedlungen betrachtet. Tom Kaden vom Ar- chitekturbüro Berlin berichtete über ein geplantes Bauvorhaben in Flensburg. Bei dem Pro- jekt handelt es sich um einen ganzheitlichen Planungsansatz. Ökologische Holzbauweise, eine Mehrfamilienhausbebauung mit generationsübergreifenden Wohnmöglichkeiten, nachbarschaftliches Wohnen, Nahversorgung sind hier die Schlagwörter. Weiterhin ist auch eine Mischnutzung der Wohnanlage vorgesehen (Ärzte, Geschäfte etc.). Der innen- stadtnahe Standort gegenüber der Fachhochschule Flensburg machen dieses Projekt auch interessant für autofreies Wohnen und die Einführung eines Carsharing-Angebots. Leider wurde der Bau der ökologischen Mustersiedlung im städtischen Ausschuss abge- lehnt. Bei den Teilnehmern des Workshops herrschte der Konsens darüber, dass in Flensburg wei- ter nach möglichen Flächen für Ökologische Wohnsiedlungen gesucht werden sollte. Die vorgestellte ökologische Siedlung auf dem Sandberg eignet sich in diesem Zusammen- hang hervorragend als Musterbeispiel für weitere Projekte dieser Art. 9.8.4 Stadt der kurzen Wege 9.8.4.1 Nahversorgungsproblematik Ein Großteil des vom Verkehr verursachten Energieverbrauches ist auf Fahrten zur Versor- gung mit Gütern des täglichen Lebens zurückzuführen. Ein Drittel der Flensburger Bevölke- rung ohne Auto ist auf Einkaufsmöglichkeiten angewiesen, welche per Bus, Fahrrad oder zu Fuß erreicht werden können. Die hier abgebildete Karte von Flensburg zeigt die Abde- ckung mit Lebensmittelmärkten mit einem fußläufigen Radius von 500 m. 250 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 86: NAHVERSORGUNG IN FLENSBURG (QUELLE: BULWIENGESA AG, 2011) Versorgungslücken bestehen demnach im Stadtteil Westliche Höhe, aber auch weiten Teilen Jürgensby. Auch im mittleren Teil von Mürwik und Tarup fehlen Lebensmittelgeschäf- te. Das Neubaugebiet Hochfeld ist ebenso ohne wohnortnahe Versorgung. Kleinere Lü- cken ergeben sich in der Altstadt und der Kernstadt Ost. Der Zustand der Lebensmittelversorgung ist auf eine seit Jahren andauernden Verdrän- gungswettbewerb zurückzuführen. Kleine Lebensmittelmärkte werden von großen Disco- untern verdrängt und somit verschwindet die Angebotsvielfalt in Stadtteilzentren. Diese Entwicklung ist nicht nur auf kommunalpolitische Entscheidungen zurückzuführen, sondern ist auch eine Reaktion auf die Nachfrage der Kunden nach einem umfassenden und doch billigen Angebot. Das Interesse an einer fußläufigen, schnell zu erreichenden Versor- gung steht der Nachfrage nach großen Verkaufsflächen mit einem umfangreichen An- gebot entgegen. Die Flächen für eine, einem Einkaufszentren gleichenden Angebotsviel- falt stehen in der Innenstadt einfach nicht mehr zur Verfügung. GENOSSENSCHAFTS- SUPERMÄRKTE Dieser Problematik kann nach Diskussion mit den Teilnehmern des Workshops auf unter- schiedlicher Ebene begegnet werden. Beispiele haben gezeigt, dass z. B. durch die Grün- dung einer Genossenschaft, leerstehende Ladeneinheiten aufgekauft, modernisiert und ein neuer Betreiber gewonnen werden konnte. Projekte dieser Art können allerdings nur Anhang A: Workshop Dokumentationen 251 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG dann nachhaltig die Versorgung eines Stadtteils oder eines Dorfes sicherstellen, wenn die Bewohner auch bereit sind dort einzukaufen. Es muss kommuniziert werden, dass eine Nahversorgung seinen Preis hat und nicht erwartet werden kann, dass die Preise dem ei- nes Discounters gleichen. Weiterführende Informationen über ähnliche Projekte können beim Dorfladen Netzwerk eingesehen werden: http://dorfladen-netzwerk.de/ LIEFERSERVICE Der Nahversorgungsproblematik kann vor dem Hintergrund der alternden Bevölkerung zusätzlich mit der Ausweitung des Angebots an Lieferservices begegnet werden. So ist es in vielen Städten z. B. möglich die Ware im Laden, oder Online auszuwählen und diese dann zeitnah geliefert zu bekommen. Ein solches Angebot ist auch für berufstätige Singles und Familien interessant und trägt zur Vermeidung von Verkehrsaufkommen bei. In Flens- burg sollte das Angebot an Lieferservices ausgeweitet und propagiert werden. EINKAUFEN MIT DEM FAHRRAD In Flensburg fällt auf, dass ein Einkaufen mit dem Fahrrad nur sehr eingeschränkt möglich ist. Schon die Anfahrt zum entsprechenden Supermarkt gestaltet sich durch fehlende Radwege schwierig. Die Supermärkte selbst sind auf Kunden mit Autos ausgerichtet und so muss ein Radfahrer oft zunächst große Parkplätze ohne Fahrradweg überqueren um zu den wenigen Fahrradstellplätzen zu gelangen. Insgesamt sollte bei der Planung von Ein- kaufsmöglichkeiten auf eine problemlose Erreichbarkeit für Radfahrer geachtet werden. Des Weiteren könnte die Anzahl der Fahrradstellplätze erweitert werden. Ein überdachtes, deutlich gekennzeichnetes Fahrradparkhaus hat Signalwirkung und regt, gerade vor dem Hintergrund überfüllter Parkplätze dazu an, das Verkehrsmittel zu wechseln. Allgemeiner Konsens herrschte bei der Meinung, dass ein nachhaltiges Umdenken in der Bevölkerung nur durch eine umfassende vorbereitende und flankierende Marketingkampagne zu er- reichen ist. AUTOFREIES WOHNEN Autofreies Wohnen wird in Flensburg kaum eine Chance auf Umsetzung haben. Zu hoch ist die Nachfrage nach individueller Mobilität. Vielmehr sollte über die Einführung von Car- sharing Angeboten nachgedacht werden. Vorzugsweise könnten diese Projekte in neuen Siedlungen eingeführt werden um den Bewohnern frühzeitig eine Alternative zum eigenen Auto zu bieten. Eine weitere Maßnahme zur Attraktivitätssteigerung von Carsharing- Angeboten, könnte die Privilegierung auf Parkplätzen und die Mitnutzung von Busspuren sein. Eine Maßnahme um Verkehr zu vermeiden, könnte die Einführung von weiteren Pe- delecs sein. Diese Elektrofahrräder lassen sich hervorragend für eine innerstädtische Dienst- reise nutzen. Bei Umstrukturierungsmaßnahmen und der Ausweisung neuer Siedlungen muss darauf geachtet werden, dass eine gute ÖPNV-Anbindung besteht, um keinen zu- sätzlichen Verkehr hervorzurufen. http://dorfladen-netzwerk.de/ 252 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg MOBILITÄTSMANAGEMENT Ein Mobilitätsmanagement verfolgt den Ansatz dem Bürger "ein breitgefächertes Ange- botsspektrum alternativer Beförderungsgelegenheiten einschließlich der notwendigen In- formationen darüber"[FGSV, 1995, S. 6] bereitzustellen, das es ihm erleichtern soll, sich „von Fall zu Fall für oder wider die Benutzung des eigenen Autos zu entscheiden" [FGSV 1995, S. 23]. Es zielt also darauf ab alle Akteure im Bereich der Mobilität einer Stadt einem "struktu- rierten, kontinuierlichen Abstimmungs- und Entscheidungsprozess pflichtgemäßer Kommu- nikation" [FGSV, 1995, S. 25] auszusetzen. Es handelt sich also um einen Managementan- satz, der eine Verknüpfung von Stadt- und Verkehrsplanung vorsieht. Flensburg verfügt über ein recht gutes Mobilitätsprogramm, hat jedoch kein Mobilitätsma- nagement eingerichtet. Die Teilnehmer des Workshops waren sich einig, dass dies nach- geholt werden sollte. Es soll erreicht werden, dass die Verkehrsmittel gleichrangig behan- delt werden. Dem Ausbau und der Erneuerung von Straßen muss die gleiche Beachtung geschenkt werden wie der Verbesserung und dem Ausbau des Rad- und Fußwegenetzes. Infrastrukturmaßnehmen müssen koordiniert und auf die Stadtplanung abgestimmt wer- den. Angestoßen wurde weiterhin, dass ein Räumen der Radwege im Winter Vorrang ha- ben könnte (Beispiel Kopenhagen), das Parkraumkonzept bei den Maßnehmen eher zeit- lich nach hinten verschoben werden sollte und vielmehr über Projekte für P&R- Maßnah- men nachgedacht werden könnte. Ein mögliches Pilotprojekt für ein Park & Ride System könnte um den Bahnhof herum entstehen. 9.8.5 Ergebnisse der Arbeitsgruppen Im folgenden Abschnitt sind die Ergebnisse der Arbeitsgruppen nach Themen zusammen- gefasst. 9.8.5.1 Umstrukturierung Die Arbeitsgruppe kam zu dem Ergebnis, dass bezüglich der Vermeidung von Abwande- rung und dem Wohnungsmangel in der Innenstadt vermehrt auf Wohnberatung in den Stadtteilen gesetzt werden sollte. Weiterhin wurde angeregt, ein geeignetes Instrument zur Sanierung baufälliger Gebäude zu finden und so einen Beitrag zur Verringerung der Leer- stände in Flensburg zu leisten. 9.8.5.2 Nahversorgung Die Nahversorgung in Flensburg weist Versorgungslücken in der Innenstadt, in Tarup und Teilen Jürgensbys auf. Die im Abschnitt 9.8.4.1 (S. 249) erwähnten Genossenschaftssuper- märkte können die Nahversorgung in diesen Gebieten übernehmen, stellen jedoch kein Garant für einen Erfolg der Nahversorgung dar. Große Handelsketten wie z. B. REWE könn- ten demnach durch die Ansiedlung kleinerer Ablegersupermärkte ebenso eine Möglich- keit sein die Versorgungslücken zu schließen. Anhang A: Workshop Dokumentationen 253 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.8.5.3 Fernwärme Die bestehenden 600 km Fernwärmeleitungen in Flensburg versorgen das Stadtgebiet Flensburg mit Wärme. 100 km des bestehenden Netzes sind sanierungsbedürftig. Eine Ko- ordinierung einzelner Maßnahmen im Netzbereich in Flensburg mit den Akteuren des Technischen Betriebszentrums, dem Sanierungsträger etc. wurde als wichtigstes Ergebnis dieser Arbeitsgruppe angesehen. Maßnahmen könnten so gebündelt durchgeführt wer- den. Die Stadtwerke brachten den Aspekt ein, dass eine Errichtung von Ökosiedlungen eine wesentlich bessere Planbarkeit für die Fernwärmenetze darstellt, als eine vereinzelte Sanierung von Altbauten (Stichwort Clustern von Maßnahmen) 9.8.5.4 Chancen ökologischer Siedlungen Ökologische Siedlungen könnten an folgenden Standorten entstehen: Meiereistraße, Ma- rienhölzungsweg, Friedenskirche, Kanzleistraße, Harniskai, Waitzstraße und Helenenallee. Alle genannten Standorte sind an das Fernwärmenetz angeschlossen und auch unter wirt- schaftlichen Gesichtspunkten für die Stadtwerke gut zu erschließen. Die entsprechenden Gebiete könnten öffentlich ausgeschrieben und Vergaberichtlinien erstellt werden (Bsp. Wasserturm). 9.8.5.5 Verkehr Vorschläge zur Verbesserung des ÖPNV waren die Ausweitung der Vorrangschaltung für den ÖPNV, sowie die Einrichtung weiterer Umsteigepunkte in Flensburg. Eine weitere Mög- lichkeit zur Verkehrsvermeidung stellt das Angebot eines kostenlosen Tummeltickets (1 Mo- nat) für Neubürger dar. Besonders kritisch wurde die Situation der Radwege in Flensburg beurteilt. Vieles hat sich gebessert, jedoch muss weiter daran gearbeitet werden, dass ein problemloses Radfahren in Flensburg möglich ist (Vermeidung von Absenkung des Rad- weges durch Einfahrten). Auch in diesem Bereich ist eine Abstimmung von Maßnahmen (TBZ, Stadt etc.) wichtig. 254 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 9.9 Individualverkehr Flensburg, 18.05.2011 Hinweis: Diese Dokumentation wurde nach Rücksprache mit dem Fachbereich 4, Umwelt und Planen, der Stadtverwaltung angepasst, indem weitere, bisher unveröffentlichte Er- kenntnisse der Flensburger Mobilitätsumfrage und des Regionalen Nahverkehrsplans (RNVP) berücksichtigt wurden. Die entsprechenden Änderungen sind kursiv gedruckt. Teilnehmer: Norbert Schug (IHR Sanierungsträger) Thore Rauschenberg (Fahrschule Simonsen) Andreas Meng (AFAG) Frank Rzepka (Fahrschule Simonsen) Joachim Kaulbars (Stadt Flensburg) Gunther Vandeck (Stadt Flensburg) Alexandra Schütte (Stadt Flensburg) Olaf Carstensen (Stadt Flensburg) Michael Jahn (FFG) Julia Schirrmacher (Universität Flensburg) Prof. Olav Hohmeyer (Uni Flensburg) Hannah Köster (Uni Flensburg) Helge Maas (Uni Flensburg) Emöke Kovac (Uni Flensburg) 9.9.1 Einordnung des Workshops ins Gesamtkonzept Der hier dokumentierte Workshop ist der achte in der 15teiligen Reihe von Themen- workshops zur Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzepts für Flensburg im Auftrag der Stadt Flensburg und des Klimapakt Flensburg e.V. Die Reihe umfasst sowohl die Ver- brauchssektoren Industrie, Haushalte, Verkehr und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) als auch den Versorgungssektor. Anstelle von Alleingängen in den einzelnen Sektoren soll das integrierte Konzept dazu bei- tragen, die Anstrengungen in allen Sektoren zu koordinieren und die Kosten zur Vermei- dung des CO2-Ausstoßes insgesamt zu minimieren. Am Ende der Konzepterstellung wird ein Portfolio aus den kostengünstigsten Maßnahmen aus allen Sektoren stehen. Die Maßnah- men können, wie in Abbildung 87 veranschaulicht, nach ihrer Wirkweise eingeteilt werden. ABBILDUNG 87: EINTEILUNG DER KLIMASCHUTZMAßNAHMEN NACH IHRER WIRKWEISE Anhang A: Workshop Dokumentationen 255 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.9.1.1 Individualverkehr: Stellenwert und Datenlage Nach Berechnungen auf Grundlage von Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes war der ge- samte Verkehrssektor im Jahr 2006 für 32 % des Endenergieverbrauchs und 21 % der CO2- Emissionen in Flensburg verantwortlich, ohne den Flugverkehr zu berücksichtigen [weitere Angaben siehe [Hohmeyer et al. 2010, S. 50 ff.]. Das entspricht ca. 213.000 t CO2/a inkl. der Emissionen für die Herstellung der Kraftstoffe. Damit stiegen die Verkehrsemissionen ge- genüber 1990 um 12,6 %, während die Emissionen für ganz Flensburg in diesem Zeitraum um 4 % abnahmen. Im Business-As-Usual-Szenario für Flensburg wird davon ausgegangen, dass dieser Trend aufgrund von bereits beschlossenen Politikvorgaben umgekehrt wird und im Jahr 2050 noch 108.611 t CO2 durch den MIV und ÖPNV ausgestoßen werden [Hohmeyer et al. 2010a, S. 36 ff]. Dem motorisierten Individualverkehr (MIV) waren insgesamt 72 % der Emissionen im Ver- kehrsbereich zuzurechnen. Im Jahr 2010 entsprach dies knapp 163.000 t CO2/a inkl. der Emissionen für die Herstellung der Kraftstoffe. Diese Emissionsmenge ist der Ausgangswert für die hier dokumentierte Entwicklung eines Pfades in Richtung eines klimaneutralen Indi- vidualverkehrs im Jahr 2050. Für eine Aktualisierung dieser Emissionsberechnung nach der im Juni 2011 erschienenen Mobilitätsumfrage für Flensburg wäre der Modal Split nach zurückgelegten Kilometern je Verkehrsmittel nötig. Der Bericht zur Umfrage bezieht sich aber zunächst nur auf den Mo- dal Split nach Wegen, wie in Abbildung 88 dargestellt, so dass derzeit keine endgültige Anpassung der Emissionsberechnung möglich ist. In der vorliegenden Dokumentation er- setzen diese aktuellen Daten jedoch bereits die noch im Workshop verwendeten Zahlen aus dem Schleswig-Holsteinischen Landesnahverkehrsplan (vgl. Abbildung 89, S. 256). ABBILDUNG 88: MODAL SPLIT IN FLENSBURG NACH WEGEN (3.104 BEFRAGTE IN FLENSBURG) [SHP, 2011, S. 6] 256 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 89: MODAL SPLIT NACH WEGEN IN SCHLESWIG-HOLSTEINISCHEN STÄDTEN (CA. 7.500 BEFRAGTE IN GANZ S-H) [LVS, 2009, S. 31] Für die Emissionsberechnungen in dieser Dokumentation wurde der Flensburger Modal Split nach Kilometern folgendermaßen berechnet: aus den Flensburger Angaben zum Modal Split nach Wegen (innerorts), s. Abbil- dung 88, während für die Verkehrsmittelwahl außerorts weiterhin der Bundesdurch- schnitt angenommen wurde, aus der bundesdurchschnittlichen Tagesstrecke pro Person von 36 km in Kernstäd- ten [MiD, 2008, S. 42] und aus der Anzahl der Wege von 3,5 pro Person und Tag [MiD, 2008, S. 21]. Diese An- gabe wurde nach Erscheinen der Mobilitätsumfrage auf den Flensburger Wert von 2,96 Wegen pro Tag angepasst [Vandeck, 2010, S. 3] – davon werden 2,7 Wege in- nerorts zurückgelegt [SHP, 2011, S. 18]. Daraus ergibt sich ein berechneter Modal Split nach Kilometern für Flensburg (vgl. Abbil- dung 93), der aufgrund des geringeren Anteils der Innerorts-Wege geringfügig von den Angaben in der Dokumentation abweicht: 79 % der Kilometer werden mit dem Pkw oder Motorrad zurückgelegt (10.366 km/a), 16 % der Kilometer werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt (2.102 km/a, davon 385 km/a mit dem ÖPNV gemäß der Flensburger Mobilitätsum- frage [SHP, 2011, S. 6, S. 8]. 3 % der Kilometer werden mit dem Rad zurückgelegt (450 km/a) [SHP, 2011, S. 6, S. 8.], 2 % der Kilometer werden zu Fuß zurückgelegt (221 km/a) [SHP, 2011, S. 6, S. 8.]. Diese Zahlen dienen als Berechnungsgrundlage und Ausgangspunkt für alle Maßnahmen zur Änderung des Modal Split. Die Mobilitätsumfrage liefert keine genaueren Daten für die Außerorts-Wege der Flensburger. 9.9.1.2 Besonderheiten des Verkehrssektors Hinsichtlich der Emissionsvermeidung unterscheidet sich Verkehrssektor deutlich von ande- ren Sektoren, in denen technische Lösungen im Vordergrund stehen. Neben technischen Weiterentwicklungen (vgl. Abschnitt 9.9.3, S 268) sind bei Überlegungen zum Verkehrssek- Anhang A: Workshop Dokumentationen 257 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG tor auch die Stadtplanung sowie die Verhaltensänderung der Verkehrsteilnehmer mit ein- zubeziehen, da die Verkehrsmittelwahl von vielen Einzelentscheidungen abhängig ist. ABBILDUNG 90: ANSATZPUNKTE FÜR EMISSIONSREDUKTIONEN IM VERKEHRSSEKTOR 9.9.1.3 Ziele des Workshops Über den jeweiligen möglichen Anteil dieser drei Ansatzpunkte an der Emissionsreduktion (s. Abbildung 90) gehen die Meinungen in Literatur und Politik stark auseinander. Der Work- shop sollte daher auch als Forum dienen, auf dem die teilnehmenden Verkehrsexperten ihre Erfahrungen mit den Ansatzpunkten Verhaltensänderung, Stadtplanung und techni- schen Lösungen abgleichen und diskutieren konnten. Eine Änderung der Verkehrsmittel- wahl in Richtung des Umweltverbunds hätte neben der Klimaschutzwirkung positive Effekte auf die Lebensqualität in der Stadt, während eine rein technische Lösung keine Verbesse- rung bzgl. Parkplatzknappheit und Stau mit sich bringt. Daher sollte auf dem Workshop zu- erst diskutiert werden, welchen Beitrag zur Emissionsreduktion Maßnahmen zur Verhaltens- änderung bei der Verkehrsmittelwahl leisten können. Zur Erreichung der Klimaneutralität muss die verbleibende Emissionsmenge über stadtplanerische und technische Maßnah- men eingespart werden. Ziel des Workshops war es, auf der Grundlage der Einschätzungen der Experten vielver- sprechende Maßnahmen auf allen drei Wirkebenen zu identifizieren und gemeinsam Stra- tegien für die Erreichung der Klimaneutralität im Jahr 2050 zu entwickeln. Dabei sollten die einzelnen Maßnahmen hinsichtlich ihres Emissionsvermeidungspotentials eingeordnet wer- den, um eine Bewertung und Entscheidung über ihre Durchführung zu ermöglichen und ein Szenario für einen klimaneutralen Stadtverkehr zu erstellen. 9.9.2 Änderung des Modal Split Bei der Diskussion aller Maßnahmen, die auf eine Änderung der Verkehrsmittelwahl und damit des Modal Split abzielen, wurde deutlich, dass die Wirkweisen und Potentiale von Maßnahmen in diesem Bereich nur schwer abschätzbar sind. Selbst wenn Modal-Split- Änderungen aus anderen Städten bekannt sind, ist die Übertragbarkeit auf andere Ge- gebenheiten nicht gewährleistet. Die Teilnehmer thematisierten auch mehrfach, welche Nutzergruppen erreicht werden und ob eine „Kannibalisierung“ der Verkehrsmittel des Integriertes Klimaschutzkonzept Flensburg x Neue Kraftstoffkonzepte (Gas, biogen, Strom, H2…) Neue Fahrzeugkonzepte (Antrieb, Effizienz, Gewicht…) Fahrleistung je Verkehrsmittel [km/a] CO2-Intensität des Energieträgers [g CO2/kWh] Energieverbrauch [kWh/km] Emissions- faktor [g CO2/km] Emissionen des Verkehrssektors [t CO2/a] StadtplanungVerhaltensänderung Technische Lösungen Stadt der kurzen Wege, Mischnutzung, Infrastruktur für Verkehrsmittel Besetzungsgrad [Personen/Fahrzeug] Verkehrsmittelwahl: Modal Split Motorisierter Individual- verkehr (MIV) ÖPNV Rad Fuß 258 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Umweltverbunds untereinander zu befürchten sei (z. B. Umstieg vom Bus aufs Rad oder umgekehrt, ohne Autofahrer zu erreichen). Wichtige Einflussfaktoren auf die Verkehrsmit- telwahl werden im folgenden Unterkapitel 9.9.2.1 dargestellt. 9.9.2.1 Einflussfaktoren auf die Änderung des Modal Split Mit zahlreichen Umfragen und Verkehrszählungen versuchen Soziologen und Stadtplaner seit Jahrzehnten, die Gründe für die Verkehrsmittelwahl zu ermitteln [vgl. Röhling et al. 2008; MiD 2008; Heine 1995; Spiegel 1993]. Die wichtigsten Einflussfaktoren scheinen zu sein: Tatsächliche Wahlfreiheit: kann der Nutzer zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln wählen? Hat er ein Auto / Fahrrad, sind seine Quell- und Zielorte an den ÖPNV an- gebunden? Objektive Eigenschaften der Verkehrsmittel: z. B. fehlender Wetterschutz, körperli- che Bewegung und begrenzte Geschwindigkeit beim Fahrrad; Parkplatzsuche, Kraftstoffverbrauch und Transportmöglichkeiten beim Auto; Taktung, Abfahrtszeiten und Bewegung im öffentlichen Raum beim ÖPNV. Ökonomische Überlegungen: Wenn der Fixkostenblock für die Anschaffung, Versi- cherung etc. eines eigenen Autos bereits bezahlt wurde, sinken die spezifischen Kosten pro gefahrenem Kilometer mit steigender Jahresfahrleistung, so dass es „ökonomisch unvernünftig [ist], das vorhandene eigene Auto stehen zu lassen.“ [Canzler / Franke, 2000, S. 7]. Andere Verkehrsmittel können oft mit den reinen Kraft- stoffkosten nicht konkurrieren. Außerdem kann der in Abbildung 91 (S. 259) darge- stellte Effekt der sinkenden spezifischen Kosten den Einfluss der o. g. objektiven Ei- genschaften der einzelnen Verkehrsmittel überlagern, so dass das Auto auch für Fahrten genutzt wird, bei denen keine schweren Güter transportiert werden, kein Wetterschutz nötig ist, die Parkplatzsuche oder die Verzögerung durch Verkehrs- staus mehr Zeit kostet als die Nutzung des Umweltverbunds. Einstellung und Information der Nutzer (wahrgenommene Wahlfreiheit): Viele poten- tielle Nutzer sind nicht ausreichend über Alternativen zur Pkw-Nutzung informiert, was natürlich mit dem nächsten Punkt „Routinebildung“ zusammenhängt. Die feh- lende Kenntnis von Angeboten führt dann zu einer Einschränkung der Verkehrsmit- telwahlfreiheit. Diese Situation kann durch offensiveres Marketing für den Umwelt- verbund verbessert werden. Zugleich kann versucht werden, durch Marketing, In- formation und Bildungsinitiativen auf die Einstellung der Nutzer einzuwirken, indem die Problematik des Motorisierten Individualverkehrs und mögliche Lösungen durch die Nutzung des Umweltverbunds hervorgehoben werden. Routine statt freier Wahl? Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass es sich bei der Verkehrsmittelwahl nicht um eine täglich neue, bewusste Entscheidung handelt, sondern vielmehr um eine Routine, die dabei hilft, den Alltag zu bewälti- gen und zu vereinfachen [vgl. Canzler et al. 2000, S. 8]. Routinen werden nur unter bestimmten Voraussetzungen gebrochen, wenn etwa eine Akzeptanzschwelle Anhang A: Workshop Dokumentationen 259 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG beim routinemäßig genutzten Verkehrsmittel überschritten wird oder sich die per- sönlichen Lebensumstände verändern. Ausgehend von dieser These sind Marke- ting- und Informationsansätze (nur) dann erfolgversprechend, wenn eine der bei- den Voraussetzungen erfüllt ist. Kampagnen für eine nachhaltige Verkehrsmittel- wahl sollten daher in bestehende Angebote zu bestimmten Lebensabschnitten in- tegriert werden, z. B. Einschulung, Führerschein, Eheschließung, Familiengründung, Umzug. Die vorgeschlagenen Maßnahmen setzen an diesen Einflussfaktoren an und folgen damit der Annahme, dass das Verkehrsmittelwahlverhalten über diese Hebel verändert werden kann. Ihr jeweiliger Anteil an der Entscheidung für ein Verkehrsmittel kann in verschiedenen Bevölkerungsgruppen variieren und wurde im Laufe des Workshops immer wieder zur Dis- kussion gestellt. Die anschließende Tabelle (S. 260) gibt zudem einen Überblick über die Erkenntnisse der neu erschienenen Flensburger Mobilitätsumfrage, sofern diese für die Bewertung der Ein- flussfaktoren relevant sind. ABBILDUNG 91: SINKENDE KOSTEN PRO KM BEI STEIGENDER FAHRLEISTUNG [NACH LOOSE 2011] Fixkosten Kraftstoffkosten Kosten pro km 0,0 € 0,5 € 1,0 € 1,5 € 2,0 € 2,5 € 3,0 € 3,5 € 1000 3000 5000 7000 9000 11000 Fahrleistung / Jahr 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 3500 4000 4500 Bsp. Opel Corsa, 6 l / 100 km, 1,40 €/l 260 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg EINFLUSSFAKTOREN AUF DIE VERKEHRSMITTELWAHL UND IHRE RELEVANZ FÜR FLENSBURG Einflussfaktor auf die Verkehrsmit- telwahl Situation in Flensburg / Relevanz für Flensburg Möglicher Handlungsansatz Tatsächliche Wahl- freiheit 72 % verfügen über ein Auto / Motorrad, 81 % über ein Fahrrad [SHP 2011, S. 5] Häufiger Hinderungsgrund für die ÖPNV-Nutzung: das Ziel ist nicht mit dem Bus erreich- bar (26 %, Mehrfachnennun- gen möglich) [SHP 2011a, S. 2] Verbesserung des Angebots des Umweltverbunds: Anbindung, Taktung, Randzeiten, Schnittstel- len, Infrastruktur Hinderungs- grund für die Rad-Nutzung: Feh- lende Wege (22 %) und Abstellan- lagen (11 %) [SHP 2011a, S. 2] Objektive Eigen- schaften der Ver- kehrsmittel Häufigste Hinderungsgründe für die Rad-Nutzung: Wetter (43 %), Steigungen bzw. zu weiter / an- strengender Weg (40 %, Mehr- fachnennungen möglich) [SHP 2011a, S. 2] Gezielte Verbesserung der Eigen- schaften durch technische oder organisatorische Lösungen, z. B. Eingeschränkte Transportmög- lichkeit (Rad) Verleih von Anhängern und Taschen Körperliche Anstrengung an Steigungen (Rad) Pedelecs, Fahrradaufzug, Radmitnahme im Bus Ökonomische Überlegungen Häufigster Hinderungsgrund für die ÖPNV-Nutzung: Busfahren ist zu teuer (27 %, Mehrfachnen- nungen möglich) [SHP 2011a, S. 2] Auflösung der „Fixkostenfalle“ des eigenen Pkw durch „por- tionierbare“ Angebote wie Carsharing Parkraumbewirtschaftung / City-Maut Einstellung und Information der Nutzer (wahrge- nommene Wahl- freiheit) Geringer Bekanntheitsgrad von klimaschonenden Angeboten: nur 2,9 % kennen das Pendler- portal, nur 14,6 % die Liniennetz- pläne der Busse (Berufstätige in Flensburg, SL-FL, NF) [urbanus 2009, S. 22] Offensives Marketing des Ange- bots, Bewusstmachung der Prob- lematik des MIV und der Lösungs- potentiales des Umweltverbunds Routine statt freier Wahl? Mittlere Wegelänge (Pkw): 3,6 km = akzeptable Rad- strecke [SHP 2011, S. 8] MIV-Anteil der 30 - 79jährigen: 62 - 68 % der Wege [SHP 2011, S. 7] Gezielte Kampagnen zu bestimm- ten Umbrüchen im Leben, frühzei- tiger Aufbau klimaverträglicher Routinen Anhang A: Workshop Dokumentationen 261 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.9.2.2 Vorbedingungen für die Änderung des Modal Split Die Verlagerung der Nachfrage in Richtung des Umweltverbunds setzt ein entsprechendes Angebot voraus. Die diskutierten und in Abschnitt 9.9.2.3 (S. 262) dokumentierten Maß- nahmen zur Änderung des Modal Split können daher nur unter den im Folgenden be- schriebenen Bedingungen greifen. ÖFFENTLICHER FERNVERKEHR Bundesweit sind ca. 35 % der Fahrleistung dem innerstädtischen Verkehr zuzuordnen [ifeu, 2010, S. 28]. Nur bei diesem Anteil können die hier diskutierten Vor-Ort-Maßnahmen direkt greifen. Eine indirekte Beeinflussung der Emissionen auf Langstreckenfahrten durch die Unabhängigkeit vom Pkw im (städtischen) Alltag ist für bestimmte Maßnahmen zwar be- legt (vgl. Abbildung 93, S. 264), aber nur unter der Voraussetzung eines funktionierenden und attraktiven öffentlichen Fernverkehrs. Diese Vorbedingung ist in Flensburg in seiner Grenzlage derzeit nicht uneingeschränkt gegeben. Für die Erstellung des Zielszenarios wird aber davon ausgegangen, dass der öffentliche Fernverkehr zur Erreichung nationaler und internationaler Klimaschutzziele bis 2050 ausgebaut und verbessert wird. ÖFFENTLICHER NAHVERKEHR Zur Änderung der Verkehrsmittelwahl auf den innerstädtischen Alltagswegen ist ein attrak- tives ÖPNV-Angebot eine wichtige Voraussetzung. Maßnahmen in diesem Bereich wurden im Workshop zu diesem Thema diskutiert. Ihre Umsetzung wird für den hier dokumentierten Workshop vorausgesetzt – einschließlich der Umsetzung des Offensivszenario des RNVP, das zu einer Verdopplung des ÖPNV-Anteils an allen Innerorts-Wegen führen soll. Von be- sonderer Bedeutung für die Verzahnung mit dem Individualverkehr ist die Schaffung einer „Mobilcard“ (Arbeitstitel) mit einem Pauschaltarif für den Umweltverbund (ÖPNV, Radver- leih, Carsharing, Nutzung von Abstellanlagen / Werkstätten…). Relevant für die Berech- nung der Emissionsvermeidung ist die Annahme, dass der ÖPNV von 2015 bis 2025 sukzessi- ve auf klimaneutrale Energieträger umgestellt wird. CARSHARING In einer Reihe von Städten existieren bereits Carsharing-Angebote. Carsharing beinhaltet die Idee, nicht ein privates Auto für jeden Haushalt zu besitzen, sondern mehrere Autos innerhalb der beteiligten Bevölkerungsgruppe gemeinschaftlich zu nutzen. Die Bereitstel- lung, Reparatur, Versicherung, Wartung und Pflege wird dabei über einen Verein oder ei- ne gewerbliche Carsharing-Organisation organisiert. Die Nutzung wird je gefahrenem Ki- lometer abgerechnet, so dass der Nutzer die gesamten Kosten in seine ökonomischen Überlegungen einbezieht, nicht nur die Kraftstoffkosten, wie im Falle des eigenen Pkw (vgl. Abbildung 91). Daher wird die Etablierung eines Carsharing-Angebots für Flensburg als Vorbedingung für das Funktionieren von Maßnahmen zur Änderung des Modal Split gesehen. Bereits im Workshop zum öffentlichen Nahverkehr im März 2011 wurde beschlossen, dass innerhalb des nächsten Jahres ein Carsharing-Angebot für Flensburg aufgebaut werden soll, zunächst in Stadtteilen als Clustern, später im gesamten Stadtgebiet. Die AktivBus 262 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg GmbH hat Interesse signalisiert, als Betreiber aufzutreten, der Radverleih nextbike könnte die technische Umsetzung der Buchung in seine bestehende Software integrieren. Um von Beginn an eine entsprechend große Flotte zur Verfügung stellen zu können, ist auch die Einbindung der lokalen Unternehmen und der Kommune sinnvoll. Diese Akteure könnten ihre Dienstwagen am Wochenende für den Carsharing-Pool zur Verfügung stellen bzw. Teile ihrer Flotte durch Carsharing-Angebote ersetzen. Die Bildung von Clustern an Wohn- und Arbeitsorten wird als vorteilhafte Strategie angese- hen, um eine hohe Verfügbarkeit von Fahrzeugen zu gewährleisten. Ein Ansatzpunkt dafür könnte das Quartier Fruerlund des SBV sein, ein anderer das räumliche Unternehmensclus- ter aus Stadtwerke Flensburg GmbH, Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH und Flensburger Schiffbau-Gesellschaft mbH & Co. KG am Westufer der Förde. Im hier doku- mentierten Workshop wurden außerdem die Stadtteile Nordstadt und Neustadt als mögli- cher Ansatzpunkt über den Verein „Flensburger Norden e.V.“ identifiziert. Ein Arbeitskreis Carsharing soll während der Umsetzungsphase des Klimaschutzkonzepts ins Leben gerufen werden. 9.9.2.3 Maßnahmen zur Änderung des Modal Split Grundlage für die Einordnung des Emissionsvermeidungspotentials der diskutierten Maß- nahmen war die Frage, wie viele Flensburger aufgrund der Maßnahme ihre zurückgeleg- ten Pkw-Kilometer so reduzieren können, dass ihr Modal Split dem eines Carsharing-Nutzers entspricht (s. Abbildung 93, S. 264). Dieses Konzept wurde von den Workshopteilnehmern kritisch hinterfragt und soll hier noch einmal dargestellt werden. Das Konzept beruht auf der Einschätzung, dass ein vollständiger Verzicht auf Autofahrten nur für wenige Verkehrsteilnehmer möglich sein wird. Die Mehrheit der Bürger muss im All- tag immer wieder Anforderungen bewältigen, die ein Pkw am besten erfüllen kann – wie etwa den Transport schwerer bzw. sperriger Güter oder das Erreichen entfernter, nicht vom ÖPNV erschlossener Ziele. Solange die Entscheidung „digital“ ist (entweder 0 oder 1 verfügbares Auto), fällt die Ent- scheidung zugunsten des eigenen Pkw. Dieser Trend war in den letzten Jahren auch in Flensburg zu beobachten: der Pkw-Bestand stieg von 406 Fahrzeugen pro 1.000 Einwohner im Jahr 1990 auf 607 Fahrzeuge/1.000 Ew. im Jahr 2006 [Stadt Flensburg, 2001, S. 153; Statis- tikamt Nord, 2006, S. 1]. Der Besitz eines eigenen Autos wurde in aktuellen Studien als maßgebliche Determinante für die Verkehrsmittelwahl identifiziert: Wer ein Auto besitzt, benutzt es auch für den Großteil (60 – 70 %) seiner Wege, wie Abbildung 92 (S. 263) zeigt. Anhang A: Workshop Dokumentationen 263 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ABBILDUNG 92: AUTOBESITZ ALS MAßGEBLICHE DETERMINANTE DES MODAL SPLIT [AHRENS 2011, S. 16] Dieser Zusammenhang lässt sich nach Einschätzung des Projektteams der Universität Flensburg zumindest zum Teil auf den in Abbildung 91 (S. 259) dargestellten Effekt zurück- führen, dass die Kosten je Kilometer mit steigender Fahrleistung beim eigenen Pkw sinken und somit ein Anreiz für höhere Pkw-Fahrleistungen besteht. Durch die Abrechnung je ge- fahrenen Kilometer kann ein Carsharing-Angebot vor Ort die Verkehrsmittelwahl auch auf Langstrecken verändern – sofern ein funktionierendes öffentliches Verkehrsangebot zur Verfügung steht. Der Modal Split nach Kilometern von Carsharing-Nutzern in der Schweiz unterscheidet sich daher auch deutlich vom heutigen Modal Split in Deutschland und Flensburg, wie in Abbildung 93 (S. 264) dargestellt. Der Anteil der Pkw-Fahrten von 16 % (eigenes Auto plus Car-Sharing) kann als maximales Reduktionspotential verstanden wer- den. Diese Fahrten werden auch dann mit dem Pkw zurückgelegt, wenn nicht das eigene Auto – mit bereits bezahlten Fixkosten – vor der Tür steht. 264 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 93: MODAL SPLIT NACH KILOMETERN (EIGENE BERECHNUNG FÜR FLENSBURG, VGL. KAPITEL 9.9.1.1; [MID, 2008, S. 42] UND EIGENE ANNAHME; [MUHEIM ET AL. 1992, S. 46]) Der Modal Split von Carsharing-Nutzern wird daher als maximale Zielvorgabe für die Ver- haltensänderung bei der Verkehrsmittelwahl gesehen. Der durchschnittliche Flensburger Verkehrsteilnehmer stößt im Jahr 2010 durch die Nutzung des MIV und des ÖPNV 1,86 t CO2/a aus. Durch die MIV- und ÖPNV-Nutzung nach dem Modal Split von Carsha- ring-Nutzern werden im gleichen Jahr 0,4 t CO2 ausgestoßen. In beiden Werten sind die Emissionen, die durch den öffentlichen Fernverkehr induziert werden, nicht enthalten. Um nationale Klimaschutzvorgaben einzuhalten, ist aber davon auszugehen, dass der Bahnstrom bis 2050 klimaneutral bereitgestellt wird. Die einzusparende Differenz ändert sich über die Zeit bis 2050 entsprechend der Annahmen zur Umstellung auf Elektromobilität und Effizienzsteigerung. Für jede Maßnahme zur Änderung des Modal Splits sollte abgeschätzt werden, wie viele Flensburger deswegen ihren Modal Split auf den Zielwert umstellen. Dieser Zusammenhang war für einige Maßnahmen nicht darstellbar, so dass die Teilnehmer stattdessen direkt die Emissionsreduktion abschätzten. SCHULWEG-KAMPAGNE Die Teilnehmer stimmten darin überein, dass Routinen oder Gewohnheiten im Verkehrsver- halten bereits im Kindesalter geprägt werden, und berichteten vom sich selbst verstärken- den Trend, dass Kinder mit dem Auto abgeholt und gebracht werden. Nach den Erkennt- nissen einer Elternumfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Techniker Krankenkasse wird bundesweit jedes fünfte Grundschulkind mit dem Auto zur Schule gebracht -- oftmals aus Sicherheitsbedenken, gerade wegen der vielen Autos auf dem Schulweg [TK, 2010, S. 2]. In Flensburg legen Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren 26 % aller Wege als Mitfahrer im Auto zurück [SHP, 2011, S. 7]. Kampagnen wie die des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), mit ein bis zwei erwachsenen Begleitern gemeinsam zur Schule zu laufen oder zu radeln („Walking Bus“, „Bike-Bus“), so- 78% 79% 5% 0% 11% 2% 3% 6% 14% 13% 68% 3% 3% 7% 3% 2% 3% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Modal Split nach km, Deutschland 2008 Modal Split nach km, Flensburg 2010 Modal-Split nach km,"Car-Sharer" Fuß Rad ÖPFV ÖPNV CS Eigenes Auto Anhang A: Workshop Dokumentationen 265 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG wie die Bereitstellung von „Eltern-Taxis“ (Eltern-Kind-Tandems), wurden diskutiert. Die Teil- nehmer schätzten, dass über Kampagnen wie diese 125 Personen pro Jahr ihre Verkehrs- mittelwahl auf das Carsharing-Profil umstellen würden. Daraus ergibt sich ein Emissions- vermeidungspotential von 180 t CO2 im ersten Jahr und 6.375 t CO2 im Jahr 2050. KOOPERATION SCHULE-FAHRSCHULE Es wurde ein Konzept aus Berlin und Niedersachsen vorgestellt, welches eine Kooperation zwischen Schule und Fahrschule vorsieht und Fahrschülern über den gesetzlich vorge- schriebenen Fahrschulunterricht hinaus Inhalte zu umweltbewusstem und sozialkompeten- tem Verkehrsverhalten vermittelt und ihnen zum Abschluss mit einem „Mobilitätspass“ die Kompetenz zur überlegten Nutzung von Auto und Umweltverbund bescheinigt [vgl. Bongard, 1997, S.5]. Die Umsetzbarkeit in Flensburg in dieser Form wurde von den Teilnehmern bezweifelt, da diese Art der Kooperation als Werbung an Schulen gewertet würde und damit untersagt sei. Die Teilnehmer stimmten auch darin überein, dass entsprechende Inhalte nicht inner- halb der knapp bemessenen Ausbildungszeit von 14 Themenblöcke à 1,5 h zu vermitteln seien. Auch der Zeitpunkt ist nach Einschätzung der Teilnehmer zu spät gewählt, da nach ihrer Erfahrung Jugendliche bereits mit 15 bis 16 Jahren anfangen, sich mit Autos und Mo- torrollern zu beschäftigen. Statt einer direkten Kooperation von Fahrschulen und Schulen während der Führerschein- ausbildung schlugen die Teilnehmer vor, die Verkehrserziehung an Schulen zu verstärken und, evtl. in jährlichen Projektwochen, bis zum Führerscheinerwerb fortzuführen. Diese Maßnahme ist im folgenden Abschnitt beschrieben. MOBILITÄTSLERNEN BIS ZUM FÜHRERSCHEIN Die Teilnehmer waren sich einig, dass in der Verkehrserziehung in Schleswig-Holstein eine Lücke zwischen der Fahrradprüfung in der vierten Klasse und der Führerscheinausbildung besteht, obwohl der Lehrplan Verkehrserziehung vorsieht. Es wurde vorgeschlagen, die Flensburger Lehramtsstudenten in die Entwicklung von Unterrichtsmaterialien zum Thema einzubinden und die bestehenden Kontakte der Fahrschulen zu Lehrmittelvertretern zu nutzen, um die Lehrer durch die Bereitstellung von Unterrichtseinheiten zu entlasten. Es wurde vorgeschlagen, dass die Schüler in einem Projekt den Modal Split und der ver- kehrsbedingten Emissionen der eigenen Schule erforschen. Daraus kann sich zum einen das Bewusstsein für Mobilität und Verkehrsmittelwahl wie auch eine Art Wettbewerb zwi- schen den Schulen entwickeln. In den vorgeschlagenen Unterrichtseinheiten soll thematisiert werden, für welche Wege ein Auto benötigt wird und für welche andere Verkehrsmittel besser geeignet sind, um die Schüler zu einer flexiblen und überlegten Verkehrsmittelwahl zu befähigen. Auch voraus- schauendes Fahren und Fahrassistenzsysteme könnten Themen der Unterrichtseinheiten sein. Ein Arbeitskreis Mobilitätslernen soll in der Umsetzungsphase des Klimaschutzkonzepts ins Leben gerufen werden. 266 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Das Emissionsvermeidungspotential dieser Maßnahme wurde von den Teilnehmern kontro- vers diskutiert, da das Auto als Statussymbol bei Jugendlichen große Bedeutung habe. Demgegenüber hat eine aktuelle Umfrage ergeben, dass 45 % der jungen Deutschen „Leute, die dicke Autos fahren“, unsympathisch finden [Timescout, 2010, S. 1]. Die Teil- nehmer hielten es für realistisch, dass 10 % der unterrichteten Schüler ihre Verkehrsmittel- wahl so verändern, dass ihr Modal Split dem eines Carsharing-Nutzers entspricht (vgl. Ab- bildung 93, S. 264). Die Zahl der Fahranfänger in Flensburg kann auf 1.250 Personen pro Jahr abgeschätzt werden [nach Stadt Flensburg 2007 und MiD 2008, S. 70]. Bei Erreichung von durchschnitt- lich 10 % dieser Fahranfänger ergibt sich im Jahr 2050 ein Emissionsvermeidungspotential von 6.375 t CO2. Die Teilnehmer schätzten jedoch, dass dieses Potential anfangs nicht voll- ständig ausgeschöpft werden kann, um während der Laufzeit der Maßnahme stärker zu greifen, sobald die ersten Schüler mit einer vollständigen Mobilitätserziehung den Führer- schein machen. Auch Gruppendynamik und die Vorbildfunktion älterer Schüler wurden als wichtige Einflüsse genannt. CARSHARING FÜR FAHRANFÄNGER Es wurde vorgeschlagen, das zu schaffende Carsharing-Angebot gezielt in Fahrschulen zu bewerben, um eine Gruppe zu erreichen, in der sich die Gewohnheit des Autofahrens auf allen Wegen noch nicht gefestigt hat. Zugleich könnte ein Schnupperangebot für Fahran- fänger besonders attraktiv sein, da sich in dieser Altersgruppe viele noch kein eigenes Au- to leisten können. Mit der Nutzung eines Carsharing-Angebots könnte auch ohne eigenen Pkw eine kontinuierliche Fahrpraxis nach Erwerb des Führerscheins erreicht werden. Die Teilnehmer wiesen darauf hin, dass Fahranfänger mit den unterschiedlichen Fahrzeu- gen einer Carsharing-Flotte überfordert sein könnten. Eine gründliche Einweisung in die Funktionen der Fahrzeuge wurde als Bedingung für das Funktionieren dieser Maßnahme gesehen. Eine Wirkungsabschätzung dieser Maßnahme erfolgte nicht. NEUBÜRGER-KAMPAGNE Eine Neubürgerkampagne ist eine weitere Maßnahme, die bei Umbrüchen im Leben grei- fen soll, in diesem Fall beim Umzug in eine andere Stadt. Dabei bekommen Neubürger gezielt Informationen und Angebote zum Umweltverbund zugestellt. Zusätzlich werden teilweise auch persönliche Beratungen angeboten [vgl. Nallinger, 2010, S. 19 ff]. Diese Kampagnen haben in anderen Städten bereits gute Annahmequoten und messbare Mo- dal-Split-Änderungen erzielt; in München nahm bei den Neubürgern der Anteil der Pkw- Fahrten von 30,3 % auf 2 7 % aller Wege ab [Nallinger, 2010, S. 24/25]. In Flensburg könnte die Neubürgerkampagne auch ein (kostenloses) Schnupperangebot für die künftige „Mobilcard“ zur Nutzung des Umweltverbunds umfassen. Die Teilnehmer gaben unterschiedliche Schätzungen ab, wie viele Neubürger mit dieser Maßnahme erreicht werden können. Dabei wurde auch diskutiert, wie viele der jährlichen ca. 7.000 Zuzügler [Stadt Flensburg, 2010, S. 3] in Flensburg auch tatsächlich langfristig in Flensburg bleiben (Studenten, Schüler). Die Teilnehmer einigten sich darauf, dass aufgrund Anhang A: Workshop Dokumentationen 267 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG dieser Maßnahme jährlich 200 Neu-Flensburger ihren Modal Split verändern würden. Das entspricht einem Emissionsvermeidungspotential von 288 t CO2 im ersten Jahr und 10.201 t CO2/a im Jahr 2050. EINKAUFSVERKEHR Derzeit werden 54 % der Einkaufswege in Flensburg als Pkw-Fahrer oder -Mitfahrer zurück- gelegt [SHP, 2011a, S. 2]. Bundesweit sind jedoch knapp 69 % aller Einkaufswege kürzer als 5 km [MiD, 2008a, S. 222], so dass eine Verlagerung auf den Umweltverbund möglich er- scheint. Im Bereich Einkaufsverkehr wurde die Initiative „Aktion Probezeit“ des BUND Kiel vorge- stellt, die das Einkaufen mit dem Rad fördern soll. Interessierte können für vier Wochen die notwendige Ausrüstung (Packtaschen, Fahrradanhänger, Regenkleidung, etc.) ausleihen und ausprobieren. Für Flensburg sollte noch zusätzlich der Verleih von Pedelecs ange- dacht werden, um die Steigungen zu bewältigen. Ein zweiter Baustein der Kampagne ist die Zielgruppe der Radfahrer als Kunden des Einzelhandels, der geeignete Abstellanlagen anbieten soll [vgl. Heise, 2007, S. 9 ff]. Die Durchführung der Kampagne ist in Zusammenar- beit von Klimapakt und Stadt Flensburg mit Unterstützung des BUND Kiel in verschiedenen Stadtteilen angedacht. Die Teilnehmer schätzten, dass mit dieser Kampagne bei jährlicher Durchführung bis zum Jahr 2050 maximal 3.000 Personen zu einer Umstellung ihrer Verkehrsmittelwahl motiviert werden können. Das entspricht einem Emissionsvermeidungspotential von 3.825 t CO2/a im Jahr 2050. In der Arbeitsgruppe zum Thema Einkaufsverkehr wurde über diese Kampagne hinaus an- geregt, in den Stadtteilen Fahrradanhänger zum Einkaufen bereitzustellen (evtl. ebenfalls über die Nutzung der „Mobilcard“). Die Wichtigkeit guter Fahrradabstellmöglichkeiten wurde hervorgehoben. Auch ein Bringservice für Großeinkäufe, entweder auf Stadtteil- ebene oder von Einzelhändlerseite organisiert, wurde diskutiert. Die Teilnehmer schätzten, dass mit einem Bringservice ein Emissionsvermeidungspotential von 638 t CO2/a realisiert werden könnte. BETRIEBLICHES MOBILITÄTSMANAGEMENT Derzeit werden 53 % der Arbeitswege in Flensburg als Pkw-Fahrer zurückgelegt, 7 % als Mit- fahrer [SHP, 2011a, S. 2]. Dieser Anteil sinkt nur leicht auf knapp 50 %, wenn die Arbeitneh- mer in Flensburg arbeiten und wohnen [urbanus, 2009, S. 29]. Angesichts der kurzen Stre- cken, die im Flensburger Stadtgebiet zurückgelegt werden, und des guten Angebots im Umweltverbund sollte dieser Anteil durch Maßnahmen zur weiteren Verbesserung und Förderung des Umweltverbundes gesenkt werden können. Für den Berufsverkehr wurden folgende Maßnahmen diskutiert: Bereitstellung von Pedelecs für Dienstfahrten Betriebliches Carsharing 268 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Betriebe als Carsharing-Anbieter Vorhandenes Pendlerportal bekannt machen / anpassen Taxi-Nutzung als Ergänzung zum ÖPNV Die Teilnehmer schätzten, dass bis zum Jahr 2050 maximal 2.000 der ca. 36.000 sozialversi- cherungspflichtig Beschäftigten in Flensburg [BfA, 2010, S. 1] ihren Modal Split durch be- triebliches Mobilitätsmanagement verändern. Das Emissionsreduktionspotential dieser Maßnahme beträgt damit 2.550 t CO2/a im Jahr 2050. HANDLUNGSFELD FREIZEITVERKEHR In Flensburg werden 51 % der Freizeitwege mit dem Auto als Fahrer bzw. Mitfahrer zurück- gelegt [SHP, 2011, S. 2]. Der Überbegriff „Freizeitverkehr“ umfasst Spaziergänge, Kultur, Sport und Gastronomie, aber auch weitere Reisen. Allein diese kleine Auswahl macht deutlich, dass es schwer ist, hier einen einheitlichen Ansatz zu schaffen. Die Arbeitsgruppe Freizeitverkehr machte jedoch deutlich, dass eine gute Fahrrad- und Fußgängerinfrastruk- tur grundlegend ist. Diese reicht vom Zustand der Oberflächen über die Gestaltung von Aufenthaltsräumen bis hin zu Abstellmöglichkeiten für Räder an Umsteigepunkten in den öffentlichen Verkehr. Als konkrete Einzelmaßnahme wurde die Fahrradmitnahmemöglich- keit im Bus (bzw. auf Gepäckträgern am Bus) angesprochen. Dies ist jedoch zumindest im Stadtverkehr aufgrund von Platzmangel in den Bussen und mangelnder Fahrplantreue bei Beladung von externen Fahrradträgern am Bus nicht umsetzbar. Eine zweite Maßnahme könnte eine ÖPNV-Freizeitkarte für Familien und Gruppen darstellen, die saisonal (z. B. in Ferienzeiten) oder/und am Wochenende angeboten wird. Die bisherigen Erfahrungen mit einem solchen Ticket waren laut Auskunft einzelner Teilnehmer eher negativ und müssten als Grundlage für eine Einführung evaluiert werden. Eine Abschätzung des Emissionsver- meidungspotentials erfolgte nicht. ZUSAMMENFASSUNG Das Einsparpotential der hier diskutierten Maßnahmen ist schwer abschätzbar. Wenn die kritische Masse von Flensburgern ihren Modal Split ändert, werden auch viele andere fol- gen, da verkehrsmengenabhängige Hinderungsgründe wie die Gefährdung von Radfah- rern und Fußgängern durch den MIV nicht mehr so gravierend sind. Die Abschätzungen sind insgesamt konservativ. Nur über die Verhaltensänderung sinken die Emissionen von MIV und ÖPNV im Jahr 2050 nach Einschätzung der Workshopteilnehmer auf 75.912 t CO2/a. Gegenüber dem Business-As-Usual-Szenario entspricht dies einer Reduktion von 29.964 t CO2/a bzw. 28,3 %. 9.9.3 Handlungsfeld Stadtplanung Die Flensburger Radverkehrsbeauftragte erstellt derzeit ein Radverkehrskonzept. Die be- trachteten Handlungsfelder umfassen die Verbesserung und Erweiterung des Radwege- netzes, die Einrichtung attraktiver Abstellanlagen sowie einer Fahrradstation am Bahnhof als Schnittstelle zwischen öffentlichem und Individualverkehr. Anhang A: Workshop Dokumentationen 269 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG RADWEGENETZ Die Wirkung des Ausbaus von Radwegen auf den Modal Split wurde mit Vorher-Nachher- Verkehrszählungen abgeschätzt [Röhling et al. 2008]. Im untersuchten Fall wurde eine Er- höhung der zurückgelegten Fahrradkilometer um 46.000 Personenkilometer pro gebautem Kilometer Radweg errechnet [ebd. S. 30]. Dieses Ergebnis ist nur eingeschränkt auf andere Fälle übertragbar – z. B. werden wenige neu gebaute Kilometer, die aber eine Netzlücke auf einer wichtigen Strecke schließen, größere Effekte erzielen als ein Neubau über viele Kilometer in der Peripherie. Dennoch zeigt diese Verkehrszählung, dass auch im Radver- kehr gilt, was aus dem Pkw-Verkehr bekannt ist: neue Wege führen zu höherer Verkehrsleis- tung. RADSTATION Die Einrichtung einer Radstation am Bahnhof wurde von den Teilnehmern als wichtige Maßnahme für die Akzeptanz des Fahrrads als Zubringer für Bahnreisen eingeordnet. Das maximale Emissionsvermeidungspotential der Maßnahme wurde auf 1.275 t CO2/a im Jahr 2050 geschätzt. 9.9.3.1 Stadt der kurzen Wege Langfristig kann die Stadtplanung auch über die Länge der Alltagswege Einfluss auf die CO2-Emissionen nehmen [vgl. Bohnet et al. 2006, S. 38]. Die Teilnehmer erwähnten in die- sem Zusammenhang vor allem die Nahversorgung, die in einigen Stadtteilen wie z. B. Ta- rup nicht mehr gegeben ist. Es wurde zu bedenken gegeben, dass der Einfluss der Stadt- planung sich hier auf die Einrichtung von Mischgebieten beschränkt – die Wahrnehmung dieses Angebots liegt bei den Einzelhändlern. Die Teilnehmer berichteten vom Teufelskreis der Nachfrageverlagerung in die Einkaufszentren am Rande der Stadt und dem Schwin- den nahegelegener, kleinerer Läden. Als Lösung wurde die Schaffung stadtteilbezogener genossenschaftlicher Einkaufsmöglichkeiten vorgeschlagen [vgl. hierzu Dorfladen Pfron- dorf, 2011]. Das Emissionsvermeidungspotential dieser Maßnahme wurde mit 26 t CO2/a im Jahr 2050 als sehr gering eingeschätzt. 9.9.3.2 Zusammenfassung Die betrachteten Maßnahmen im Bereich Stadtplanung ergeben ein Einsparpotential von 1.301 t CO2/a (2050) oder 1,2 % gegenüber dem Business-As-Usual-Szenario. 9.9.4 Technische Lösungen Die teilnehmenden Experten schätzten, dass bis zum Jahr 2050 durch die diskutierten Maßnahmen zur Verhaltensänderung bei der Verkehrsmittelwahl und in der Stadtplanung insgesamt 26.520 Flensburger ihren Modal Split so verändern, dass er dem eines Carsha- ring-Nutzers entspricht. Daraus ergibt sich ein erreichbarer Modal Split für alle Flensburger, der in Abbildung 94 (S. 270) dargestellt ist (für genauere Angaben zur Berechnung s. Feh- ler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden., S Fehler! Textmarke nicht definiert. f). 270 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 94: ERREICHBARER MODAL SPLIT NACH KILOMETERN IM VERGLEICH ZUM STATUS QUO [EIGENE BERECHNUNG FÜR FLENSBURG, VGL. KAPITEL 8.9.1.1 ; MID 2008, S. 42 UND EIGENE ANNAHME; MUHEIM ET AL. 1992, S. 46] Dadurch werden die Emissionen des Flensburger MIV und ÖPNV auf 71.288 t CO2/a redu- ziert, neu berechnet nach der Annahme, dass das Offensivszenario des RNVP umgesetzt wird. Zur Erreichung der Klimaneutralität muss diese Emissionsmenge durch technische Lö- sungen eingespart werden. Die Elektromobilität wurde als aussichtsreiche Lösung ausführ- licher diskutiert. BIOKRAFTSTOFFE Auf dem Workshop wurden Biokraftstoffe wegen der anhaltenden Teller-oder-Tank- Diskussion nicht als mögliche Lösung betrachtet. Die verfügbaren Mengen an Pflanzen- ölen werden als Ersatz für Dieselkraftstoff im Güterverkehr und für andere Anwendungen benötigt, für die ein Ersatz durch Elektroantriebe nicht auf kurze Sicht in Frage kommt. ELEKTROMOBILITÄT Für die positive Klimawirkung von Elektromobilität ist der Einsatz von regenerativ erzeugtem Strom eine zwingende Voraussetzung. Die benötigte zusätzliche Strommenge errechnet sich aus den folgenden Parametern: Strombedarf Elektrofahrzeug: 15 kWh/100 km, > 57.000 Flensburger, die ihren Modal Split nur gemäß des Offensivszenarios des RNVP ändern und weiterhin ca. 10.000 km/a mit dem Pkw zurücklegen, 26.520 Flensburger, die ihren Modal Split ändern und nur noch 2.200 km/a mit dem Pkw zurücklegen. Unter diesen Voraussetzungen ergibt sich für den vollständigen Umstieg auf Elektro-Pkw im Jahr 2050 ein Mehrbedarf an Strom von 98 GWh/a oder 9 % der erwarteten Stromerzeu- gung der Stadtwerke Flensburg. 78% 79% 5% 53% 0% 11% 4% 2% 3% 6% 6% 14% 13% 68% 31% 3% 3% 7% 4%3% 2% 3% 2% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Modal Split nach km, Deutschland 2008 Modal Split nach km, Flensburg 2010 Modal-Split nach km,"Car-Sharer" Modal Split nach km, integriertes Klimaschutzkonzept (alle Flensburger) Fuß Rad ÖPFV ÖPNV CS Eigenes Auto Anhang A: Workshop Dokumentationen 271 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Auf Bundesebene werden derzeit hauptsächlich Konzepte für Elektroautos mit festverdrah- teten Akkus untersucht und gefördert. Damit kann die Aufladung der Akkus nicht gezielt zu Starkwindzeiten etc. erfolgen, sondern nur dann, wenn das gesamte Auto an eine Steck- dose angeschlossen ist. Zur Entkopplung des Ladezyklus‘ vom Fahrzyklus verfolgt z. B. die Firma Betterplace das Konzept des Wechselakkus. Der Akkuwechsel kann innerhalb von 90 Sekunden erfolgen. Entsprechende Wechselstationen wurden bislang in Israel aufge- baut, als zweites Land ist Dänemark geplant, es bestehen bereits Kontakte zum Ansprech- partner in Kopenhagen. Bereits im Vorfeld des Workshops hatte sich eine Reihe von Flens- burger Akteuren an der Möglichkeit interessiert gezeigt, die Übertragbarkeit des Konzepts auf Flensburg auszuloten, u.a. FFG, Uni, Danfoss, FH. Die Teilnehmer vereinbarten, in der dritten Septemberwoche gemeinsam mit diesen interessierten Akteuren nach Kopenha- gen zu reisen, um sich einen Eindruck von dem System zu verschaffen und die Möglichkeit auszuloten. Der von Betterplace angebotene Mittelklassewagen kostet ca. 25.000 € ohne Batterie. Die Batterie wird nach gebuchter Fahrleistung gestaffelt geleast, bei 20.000 km pro Jahr erge- ben sich Kosten von ca. 200 € im Monat. Integriert in das Angebot ist eine intelligente Software, die auch Alternativen vorschlägt, wenn z. B. ein Umstieg auf Bus oder Bahn günstiger ist, sowie eine Zeitkarte für öffentliche Verkehrsmittel. Eine kurzfristig verfügbare, erschwingliche Möglichkeit, Elektromobilität im Alltag zu nutzen, wurde ebenfalls auf dem Workshop präsentiert. Die Teilnehmer probierten sogenannten Pedelecs (Fahrräder mit Tret-Unterstützung durch einen Elektromotor) aus und befanden sie als nützlich für die Überwindung von Flensburgs Steigungen. Sie schätzten, dass im Jahr 2050 durch den Einsatz von Pedelecs 1.275 t CO2/a eingespart werden können. FAHRRADAUFZUG Eine andere Option zur Hügelüberwindung stellt der Fahrradaufzug dar, den z. B. die Firma Trampe in Norwegen baut und vertreibt [vgl. Trampe 2011]. Radfahrer können sich mit dem Fuß auf einem Halteklotz abstützen, der über ein unterirdisches Zugsystem bergauf gezogen wird, und so ohne Anstrengung Steigungen überwinden. In der Mobilitätsumfra- ge wurden Steigungen bzw. zu weite oder anstrengende Wege von 40 % der Befragten als Hinderungsgrund für eine häufigere Nutzung des Fahrrads genannt [SHP 2011a, S. 2]. We- gen der hohen Kosten und der ungewissen Effekte des Fahrradaufzugs auf den Modal Split waren sich die Teilnehmer einig, diese Maßnahme nicht in das Zielszenario aufzunehmen. Die Öffentlichkeitswirksamkeit eines solchen Projekts wurde jedoch bejaht. 272 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg 9.9.5 Ergebnisse und Ausblick ABBILDUNG 95: DEFINITION DES ZIELPFADES BIS 2050 Der Workshop hat gezeigt, dass die Emissionen des Flensburger MIV und ÖPNV bis zum Jahr 2050 unter bestimmten Voraussetzungen auf Null gesenkt werden können, wie in Ab- bildung 95 dargestellt. Dabei wurde das Potential zur Änderung der Verkehrsmittelwahl konservativ eingeschätzt. Ein Teilnehmer wies darauf hin, dass Synergieeffekte mit der gesetzlichen Gesundheitsförderung für die Radverkehrsförderung zusätzliche Erfolge bringen könnte. Insgesamt waren sich die Teilnehmer darüber einig, dass der Erfolg von Kampagnen im Laufe der Zeit zunehmen wird, wenn erst einmal eine kritische Masse an Flensburgern erreicht worden ist. „Die erste Generation ist am schwierigsten“, sagte ein Teilnehmer. Dies vorweggestellt, ist der Beitrag zum Klimaschutz, der nach Einschätzung der Teilnehmer durch Elektrofahrzeuge geleistet werden muss, mit knapp 66 % der gesamten Einsparungen recht hoch. Über die Verfügbarkeit der Technik und ihre Eigenschaften (Reichweite etc.) bestehen noch erhebliche Unsicherheiten. Um so wichtiger ist es, Maßnahmen auf allen drei Wirkebenen voranzutreiben. Die einzurichtenden Arbeitskreise Business-as- Usual-Emissionen [t CO2/a] 0 20.000 40.000 60.000 80.000 100.000 120.000 140.000 160.000 180.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 Emissionen auf dem Weg zur CO2- Neutralität [t CO2/a] CO2 Ausstoß SUS (t/a) Elektro-Autos Bringservice Radstation Kaufmannsgenossenschaft Pedelecs Betriebliches MM Aktion: Probezeit Neubürgerkampagne Schulweg-Kampagne Mobilitätserziehung ÖPNV Offensivszenario (RNVP) Anhang A: Workshop Dokumentationen 273 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Carsharing und Mobilitätslernen sind ein erster Ansatz, die Ergebnisse des Workshops umzusetzen. 9.9.6 Quellenverzeichnis Ahrens 2011 Ahrens 2011: Gerd-Axel Ahrens, 2011. Die Mobilität nicht Auto besit- zender Haushalte. Erkenntnisse aus aktuellen Erhebungen zum Mo- bilitätsverhalten. Vortrag auf der Fachtagung "Öffentlicher Nahver- kehr und Car-Sharing" am 20.01.2011 in Bremen, abrufbar unter http://www.carsharing.de/images/stories/pdf_dateien/ahrens_bre men_fachtagung_carsharing_200111.pdf Bongard 1999 Adolf-Eugen Bongard, 1999: Pilotprojekt Erweiterte Fahrausbildung - Verknüpfung von schulischer Verkehrserziehung und Fahrschulaus- bildung - Bericht über die Ausgangslage und ihre Entstehung, das Resultat der bisherigen Vorgehensweise sowie Vorschläge zur Wei- terführung bzw. Modifikation des Pilotprojekts. Berlin: Institut für Ver- kehrspädagogik. BfA 2010 Bundesagentur für Arbeit, 2010: Überblick: Strukturdaten, Agentur für Arbeit Flensburg Bohnet et al. 2006 Max Bohnet, Jens-Martin Gutsche, Axel Menze, 2006: Verkehrliche Wirkung unterschiedlicher Siedlungsmuster. Modellhafte Abschät- zungen am Beispiel der Region Hannover. Canzler et al. 2000 Weert Canzler, Sassa Franke, 2000: Autofahren zwischen Alltagsnut- zung und Routinebruch. Bericht 1 der choice-Forschung, Discussion Paper FS II 00-102, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Dorfladen Pfrondorf 2011 Homepage des genossenschaftlichen Dorfladens Pfrondorf, 2011: http://dorfladen.pfrondorf.net/index.php?option=com_content&vi ew=article&id=79&Itemid=80 Heine 1995 W. –D. Heine, 1995: Warum wird das Auto benutzt? Verkehrsmittel- wahlverhalten aus umweltpsychologischer Sicht. In: Internationales Verkehrswesen, Jg. 47, H. 6, S. 370–377. Hohmeyer et al. 2010 Olav Hohmeyer, Helge Maas, Emöke Kovac, Christin Herber, Han- nah Köster, 2010: Energiebilanz und Treibhausgasemissionen in Flensburg. Bestandsaufnahme der Energieverbräuche und der CO2- Emissionen in Flensburg in den Jahren 1990 bis 2006. Abrufbar von http://www.klimapakt- flensburg.de/images/stories/GutachtenFlensburgQuo.pdf http://www.carsharing.de/images/stories/pdf_dateien/ahrens_bremen_fachtagung_carsharing_200111.pdf http://www.carsharing.de/images/stories/pdf_dateien/ahrens_bremen_fachtagung_carsharing_200111.pdf http://dorfladen.pfrondorf.net/index.php?option=com_content&view=article&id=79&Itemid=80 http://dorfladen.pfrondorf.net/index.php?option=com_content&view=article&id=79&Itemid=80 http://www.klimapakt-flensburg.de/images/stories/GutachtenFlensburgQuo.pdf http://www.klimapakt-flensburg.de/images/stories/GutachtenFlensburgQuo.pdf 274 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Hohmeyer et al. 2010a Olav Hohmeyer, Helge Maas, Emöke Kovac, Christin Herber, Han- nah Köster, 2010: Energiebilanz und Treibhausgasemissionen in Flensburg. Entwicklung des Energieverbrauches und der CO2- Emissionen ohne weitere Klimaschutzmaßnahmen bis zum Jahr 2050. Abrufbar von http://www.klimapakt- flens- burg.de/images/stories/gutachten%20thg%20flensburg%20bau.pdf ifeu 2010 Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH, 2010: Fortschreibung und Erweiterung „Daten- und Rechenmodell: Ener- gieverbrauch und Schadstoffemissionen des motorisierten Verkehrs in Deutschland 1960-2030 (TREMOD, Version 5). Abrufbar von http://www.ifeu.de/verkehrundumwelt/pdf/IFEU%282010%29_TREM OD_%20Endbericht_FKZ%203707%20100326.pdf Loose 2011 Willi Loose, 2011: CarSharing als Ansatzpunkt zur integrierten Mobili- tätsgestaltung. Warum passt das moderne CarSharing gut zum ÖPNV? Vortrag auf der Fachtagung "Öffentlicher Nahverkehr und Car-Sharing" am 20.01.2011 in Bremen, abrufbar unter http://www.carsharing.de/images/stories/pdf_dateien/vortrag_loos e_bcs_20.01.2011.pdf MiD 2008 infas, Institut für angewandte Sozialwissenschaft GmbH; DLR, Deut- sches Zentrum für Luft-und Raumfahrt e. V., 2010: Mobilität in Deutschland 2008. Ergebnisbericht. Struktur – Aufkommen – Emissio- nen – Trends. Unter Mitarbeit von Barbara Lenz, Claudia Nobis und Katja Köhler et al. Abrufbar von http://www.mobilitaet-in- deutschland.de/pdf/MiD2008_Abschlussbericht_I.pdf MiD 2008a infas, Institut für angewandte Sozialwissenschaft GmbH; DLR, Deut- sches Zentrum für Luft-und Raumfahrt e. V., 2010: Mobilität in Deutschland, 2008. Tabellenband. Abrufbar von http://www.mobilitaet-in- deutschland.de/pdf/MiD2008_Tabellenband.pdf Muheim et al. 1992 Peter Muheim, Jürg Inderbitzin, 1992: Das Energiesparpotential des gemeinschaftlichen Gebrauchs von Motorfahrzeugen als Alternati- ve zum Besitz eines eigenen Autos. Eine Untersuchung am Modell der ATG • AutoTeilet Genossenschaft. Luzern. Nallinger 2010 Sabine Nallinger/MVG 2010: Verkehrsunternehmen als umfassende Mobilitätsdienstleister – das Münchner Neubürgerpaket. Vortrag auf dem Dialogforum Nachhaltig unterwegs: Erfahrungen mit zielgrup- penorientiertem Marketing am 26. November 2010 in Berlin. http://www.klimapakt-flensburg.de/images/stories/gutachten%20thg%20flensburg%20bau.pdf http://www.klimapakt-flensburg.de/images/stories/gutachten%20thg%20flensburg%20bau.pdf http://www.klimapakt-flensburg.de/images/stories/gutachten%20thg%20flensburg%20bau.pdf http://www.ifeu.de/verkehrundumwelt/pdf/IFEU%282010%29_TREMOD_%20Endbericht_FKZ%203707%20100326.pdf http://www.ifeu.de/verkehrundumwelt/pdf/IFEU%282010%29_TREMOD_%20Endbericht_FKZ%203707%20100326.pdf http://www.carsharing.de/images/stories/pdf_dateien/vortrag_loose_bcs_20.01.2011.pdf http://www.carsharing.de/images/stories/pdf_dateien/vortrag_loose_bcs_20.01.2011.pdf http://www.mobilitaet-in-deutschland.de/pdf/MiD2008_Abschlussbericht_I.pdf http://www.mobilitaet-in-deutschland.de/pdf/MiD2008_Abschlussbericht_I.pdf http://www.mobilitaet-in-deutschland.de/pdf/MiD2008_Tabellenband.pdf http://www.mobilitaet-in-deutschland.de/pdf/MiD2008_Tabellenband.pdf Anhang A: Workshop Dokumentationen 275 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG http://www.lifeevents.de/media/pdf/1_Ergebnisveranstaltung/Nac hhaltig-unterwegs_Praesentation-Nallinger.pdf Röhling et al. 2008 Wolfgang Röhling, Robert Burg, Tanja Schäfer, Christoph Walther, 2008: Kosten-Nutzen-Analyse: Bewertung der Effizienz von Radver- kehrsmaßnahmen. Leitfaden. Forschungsprogramm Stadtverkehr (FoPS), Projekt 70.785/2006. Online verfügbar unter http://edoc.difu.de/edoc.php?id=PD24Q5G7 SHP 2011 SHP Ingenieure, Jörn Janssen, Daniel Seebo, Imke Bartelsmeier, Christina Bytzek, Gabriela Fröhlich, Anna Meilwes, Engelbert Stenk- hoff, 2011: Stadt Flensburg. Mobilitätsbefragung. Bericht zum Projekt Nr. 1022 SHP 2011a SHP Ingenieure, 2011: Mobilitätssteckbrief Flensburg Spiegel 1993 Spiegel-Dokumentation, 1993: Auto, Verkehr und Umwelt. Ham- burg. Stadt Flensburg 2001 Stadt Flensburg/Statistikstelle, 2001: Zahlenspiegel 2001 Stadt Flensburg 2007 Stadt Flensburg/Statistikstelle, 2007: Einwohner der Stadt Flensburg nach Altersgruppen (Liste 1 a). Stand: 31. Dezember 2007 Stadt Flensburg 2010 Stadt Flensburg/Statistikstelle, 2010: Bevölkerungsbewegungen in Flensburg von 1977 bis 2009. Statistikamt Nord 2006 Statistisches Landesamt für Hamburg und Schleswig-Holstein, 2006: Der Bestand an Kraftfahrzeugen 1 und Kraftfahrzeuganhängern in den Kreisen Schleswig-Holsteins am 1. Januar der Jahre 2003 bis 2006. Hamburg: Statistikamt Nord. (http://statistik- nord.de/uploads/tx_standocuments/H_I_2_j05_T2_S.pdf, aufgerufen am 15.10.2009) Timescout 2010 T-Factory Trendagentur, 2010 : http://www.tfactory.com/0500news- 10_04_06.pdf TK 2010 Techniker Krankenkasse, 2010: Informationen der Techniker Kran- kenkasse. Medienservice. Sonderausgabe August 2010. Endlich Schulkind! – ABC-Schützen im Anmarsch. Trampe 2011 Trampe Bicycle Lift. Homepage http://www.trampe.no/english/index.php urbanus 2009 urbanus GbR, 2009: Marktforschung zur Mobilität von Beschäftigten in der Region Sønderjylland-Schleswig. Ergebnisse der Betriebsbe- fragung. Lübeck. http://www.lifeevents.de/media/pdf/1_Ergebnisveranstaltung/Nachhaltig-unterwegs_Praesentation-Nallinger.pdf http://www.lifeevents.de/media/pdf/1_Ergebnisveranstaltung/Nachhaltig-unterwegs_Praesentation-Nallinger.pdf http://edoc.difu.de/edoc.php?id=PD24Q5G7 http://www.tfactory.com/0500news-10_04_06.pdf http://www.tfactory.com/0500news-10_04_06.pdf http://www.trampe.no/english/index.php 276 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Vandeck 2010 Gunther Vandeck, 2010: Erste Ergebnisse der Mobiltätsbefragung vom 05.10.2010. Vandeck 2011 Gunther Vandeck, Stadt Flensburg, pers. Mitteilung (Juli 2011) walking-bus 2011 walking-bus.de, 2011: Informationen zum Walking-Bus-Projekt. Ab- rufbar von http://www.walking-bus.de, abgerufen am 08.06.2011 http://www.walking-bus.de/ Anhang A: Workshop Dokumentationen 277 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.10 Öffentlicher Workshop Flensburg 21.05.2011 Teilnehmer: Herr Jürgen Faber Frau Julia Schirrmacher Herr Claus Kühne Herr Rüdiger Strauchmann Frau Dr. Katharina Rubahn Frau Sina Eilering Frau Melsene Brodersen Herr Otto Hübner Frau Franziska v.Gadow Herr Dr. Karsten Kuhls Herr Günther Gers Herr Paul Hemkentokrax Frau Aiva Berzina Frau Christine Plötz Frau Birte Thiesen Herr Dr. Ekkehard Krüger Herr Zihni Guelgen Herr Olaf Carstensen Herr Joachim Kaulbars Herr Prof. Dr. Olav Hohmeyer (Uni Fl.) Frau Emöke Kovac (Uni Fl.) Herr Helge Maas (Uni Fl.) Herr Martin Beer (Uni Fl.) 9.10.1 Ausgangslage und Ziele des Workshops Der Klimapakt Flensburg und die Stadt Flensburg haben sich ambitionierte Ziele zum Schutz des Klimas gesetzt: Bis zum Jahr 2050 soll die Emission klimarelevanter Treibhausgase so weit reduziert werden, dass die gesamte Stadt CO2-neutral ist. Um einen gangbaren Weg in diese Richtung aufzuzeigen, erarbeitet die Universität Flensburg zusammen mit den verschiedenen Flensburger Akteuren und den Flensburger Bürgern ein integriertes Klima- schutzkonzept. Im Rahmen von 16 Workshops werden sektorspezifische und sektorüber- greifende Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Nur wenn alle Bereiche der Stadt berück- sichtigt werden, kann das Ziel der CO2-Neutralität erreicht werden. Die Zielsetzung des öf- fentlichen Workshops zur Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes war es, Maß- nahmen zu erarbeiten, mit denen jeder einzelne Flensburger seinen Energieverbrauch re- duzieren und CO2-Emissionen vermeiden kann. Nach einer allgemeinen Einleitung zum Thema Klimawandel und der Notwendigkeit konsequenten Handelns auf kommunaler Ebene wurden Arbeitsgruppen zu den folgenden Themen gebildet: Wärme Elektrizität Mobilität Erneuerbare Energien In den einzelnen Arbeitsgruppen wurde diskutiert, welche Maßnahmen im jeweiligen Be- reich sinnvoll sind, welche Strategien zur Umsetzung notwendig sind und wie der Energie- 278 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg bedarf und die Energieversorgung im Haushaltssektor im Jahr 2050 aussehen könnte (Visi- on 2050) Aufgrund der Vielzahl der behandelten Themen konnten während des Workshops nur in den wenigstens Fällen Einsparpotentiale quantifiziert werden. Daher wurden seitens der Universität Flensburg im Nachgang Potentiale recherchiert und auf die Flensburger Situati- on übertragen. 9.10.2 Arbeitsgruppe Wärme In der Arbeitsgruppe „Wärme“ wurden die drei Bereiche Maßnahmen, Strategien und die Vision für das Jahr 2050 diskutiert. 9.10.2.1 Maßnahmen Flensburg ist in der besonderen Situation, dass 98 % aller Wohnungen an das Fernwärme- netz der Stadtwerke Flensburg angeschlossen sind. Durch die kontinuierliche Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien im zentralen Heizkraftwerk planen die Stadtwerke bis zum Jahr 2050, die Flensburger Haushalte CO2-neutral mit Fernwärme zu versorgen. Dem- entsprechend lag im Bereich Wärme der Fokus nicht auf alternativen Heizungssystemen, sondern darauf, wie der Fernwärmebedarf gesenkt werden kann. ANSATZPUNKTE Es wird unterschieden zwischen Maßnahmen auf Seiten der Vermieter und der Mieter. Die definierten Maßnahmen für Vermieter bzw. private Hausbesitzer sind technischer Na- tur. Genannt wurden: Dämmung der Außenwände Erneuerung der Fenster Dämmung der obersten Geschoßdecke Optimierung der Heizung Hydraulischer Abgleich Umwälzpumpe Thermostatventile Dämmung Rohrleitungen Neben der energetischen Gebäudesanierung lässt sich der Wärmebedarf durch Verhal- tensänderungen seitens der Mieter senken. Genannt wurden die folgenden Punkte: Sinnvolles Lüften Angemessene Raumtemperatur Anhang A: Workshop Dokumentationen 279 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Angemessene Bekleidung in der Wohnung / Haus HILFSMITTEL Zur Umsetzung der Maßnahmen wurden die folgenden Hilfsmittel vorgeschlagen: Energieberatung z. B. durch die Stadtwerke Flensburg oder der Verbraucherzentra- le Energieausweis (muss verständlich sein für Ottonormalverbraucher) Gespräch mit Vermieter bei Neuvermietung -> Interesse der Mieter an geringem Heizwärmebedarf Anreizsysteme für Transfergeld-Empfänger 9.10.2.2 Strategien Zur Umsetzung der bestehenden Potentiale zur Senkung des Wärmebedarfs durch die energetische Gebäudesanierung und der Veränderung des Verhaltens wurden in der Ar- beitsgruppe „Wärme“ Strategien entwickelt. Ähnlich wie in anderen Bereichen gilt der Grundsatz „Fördern + Fordern“. Damit auch in Zukunft die zentrale Versorgung mit Fernwärme von den Bürgern akzeptiert wird, sollte seitens der Stadtwerke Flensburg die Transparenz gegenüber den Flensburgern erhöht werden. Das Heizkraftwerk stellt die Zentralheizung für Jedermann in Flensburg dar! Durch die Umstellung auf erneuerbare Energien bis zum Jahr 2050 wird Öko-Fernwärme lokal erzeugt und CO2-neutral für jeden Flensburger zur Verfügung stehen. Im Rahmen der Strategiediskussion wurde überlegt, welche weiteren Akteure mit einbezo- gen werden sollten: Wohnungsbaugesellschaften Vermieter Mieter Private Hausbesitzer Stadt (Öffentlichkeitsarbeit) 9.10.2.3 Vision Im Bereich der Wärme sollen bis zum Jahr 2050 bis zu 90 % der Flensburger Bevölkerung zur aktiven Reduzierung des Wärmebedarfs involviert werden. Die Arbeitsgruppe geht davon aus, dass Einsparungen von bis zu 50 % realisiert werden könnten. Dieser Wert spiegelt sich in den Ergebnissen der Workshops mit der Flensburger Wohnungswirtschaft wieder. Sie ge- hen von einer Reduzierung des Fernwärmebedarfs bis zum Jahr 2050 durch technische Maßnahmen von 40 % aus. 280 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg In der Vision werden zur Zielerreichung drei Punkte als ausschlaggebend angesehen: CO2-neutrale Wärme Möglichst energiesparende und effiziente Wohnräume Gut informierte und emanzipierte Bürger Grafisch lässt sich dieses Ergebnis, wie in Abbildung 96 gezeigt, darstellen. Es zeigt sowohl die Senkung des Fernwärmeverbrauchs durch die energetische Gebäudesanierung und den effizienten Neubau als auch die Umstellung bei den Stadtwerken Flensburg von fossi- len auf erneuerbare Energieträger. ABBILDUNG 96 - SENKUNG DES FERNWÄRMEBEDARFS DER HAUSHALTE UND KONTINUIERLICHE UMSTELLUNG BEI DEN STADTWERKEN FLENSBURG AUF ERNEUERBARE ENERGIETRÄGER 9.10.3 Arbeitsgruppe Elektrizität Zur besseren Einschätzung der Potentiale und Handlungsmöglichkeiten bei der Reduzie- rung des Stromverbrauches im Haushaltssektor standen der Arbeitsgruppe Informationen über den bundesdurchschnittlichen Stromverbrauch der Haushalte und den gesamten und spezifischen Stromverbrauch der Flensburger Haushalte zur Verfügung. Abbildung 97 zeigt die Aufteilung des Stromverbrauchs auf die einzelnen Anwendungen. Dabei wurden die bundesdurchschnittlichen Anteile nach Barzantny (2007, S.48 aus DIW 2004) an die Flensburger Situation angepasst. Im Jahr 2006 wurden in Flensburg 155 GWh Strom im Haushaltssektor verbraucht. Dies entspricht einem Pro-Kopf-Stromverbrauch von 1,78 MWh pro Jahr. 0 20.000 40.000 60.000 80.000 100.000 120.000 140.000 160.000 180.000 0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 300.000 350.000 400.000 450.000 500.000 550.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 tCO2/aMWh/a Biomethan Erdgas Biomasse EBS Kohle Direke CO2-Emissionen Anhang A: Workshop Dokumentationen 281 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ABBILDUNG 97 – FLENSBURGER HAUSHALTSSTROMVERBRAUCH NACH ANWENDUNGSARTEN ERMITTELT AUS DEM BUNDESDURCHSCHNITT [EIGENE BERECHNUNGEN NACH BARZANTNY 2007, S.48 AUS DIW 2004] Im Rahmen der Gruppenarbeitsphase wurden Maßnahmen anhand des Tortendiagram- mes (Abbildung 97) diskutiert. Die auf dem Workshop besprochenen Punkte wurden für die Erstellung der Dokumentation um mögliche Einsparpotentiale ergänzt. Die angesetzten Werte orientieren sich an dem Referenz-Szenario der Studie „Modell Deutschland – Klima- schutz bis 2050“ von dem Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Prognos AG. Die Studie kann unter folgendem Link heruntergeladen werden: http://www.wwf.de/fileadmin/fm- wwf/pdf_neu/WWF_Modell_Deutschland_Endbericht.pdf 9.10.3.1 Maßnahmen BELEUCHTUNG In privaten Haushalten werden ca. 7 % des Stromes für die Beleuchtung verwendet. Als Maßnahmen wurden neben einem angepassten Benutzerverhalten, auf das nur geringe Einsparpotentiale entfallen, vor allem technische Lösungen genannt. Vor allem der Austausch der Leuchtkörper kann den Strombedarf für die Beleuchtung deutlich reduzieren. Normale Glühlampen erzeugen Licht durch die Erhitzung eines dün- nen Metalldrahtes. Hierbei gehen über 95 % des eingesetzten Stroms als Abwärme verlo- ren. Seit dem Jahr 2008 werden auf Basis der Öko-Design-Richtlinie der EU stufenweise die Herstellung und der Vertrieb von ineffizienten Lampen verboten. Ab September 2012 müs- sen alle Lampen zumindest die Energieeffizienzklasse C erreichen. Es ist davon auszugehen, dass in den nächsten Jahren der bisherige Trend der Umstellung von Glühbirnen auf Energiesparlampen weiter voranschreiten wird. Die zurzeit am häufigs- Beleuchtung 9% Kühlschrank 11% Gefriergerät 10% Elektroherd 9% Waschmaschine 4% Wäschetrockner 3%Geschirrspüler 3% Warmwasser 11% TV, Audio, Video, PC 7% Sonstige 33% http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf_neu/WWF_Modell_Deutschland_Endbericht.pdf http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf_neu/WWF_Modell_Deutschland_Endbericht.pdf 282 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ten eingesetzte Energiesparlampe ist die Kompaktleuchtstofflampe. Sie benötigt bei glei- cher Lichtstärke 80 % weniger Strom als normale Glühbirnen. In absehbarer Zeit könnte auch der Einsatz von LED als Leuchtkörper für private Haushalte interessant werden. Im Vergleich zu normalen Glühbirnen sparen sie bis zu 89 % des Stro- mes ein und erreichen in der Effizienz somit im Vergleich zu den Kompaktleuchtstofflam- pen nochmals eine Reduzierung des Energiebedarfs um fast die Hälfte. Studien gehen davon aus, dass der Energieeinsatz für die Beleuchtung von Haushalten bis zum Jahr 2050 um fast 88 % reduziert werden kann [Prognos, 2009]. KÜHLSCHRANK UND GEFRIERGERÄTE Im Bereich der Kühlschränke und Gefriergeräte wurde im Rahmen des Workshops darauf hingewiesen, dass bei einer Neuanschaffung nur A+/A++ Geräte gekauft werden sollten. Durch den Ersatz ineffizienter Geräte und der fortschreitenden technischen Entwicklung lässt sich der Energieverbrauch bei Kühlschränken voraussichtlich um 55 % und bei Ge- friergeräten um 57 % bis zum Jahr 2050 senken [Prognos, 2009]. ELEKTROHERD In Flensburg wird bei den privaten Haushalten fast ausschließlich mit Elektroherden ge- kocht. Im Vergleich zu normalen Herden mit Kochplatten bringt der Einsatz von Induktions- herden eine Reduzierung des Energieaufwandes. Hierbei wird nicht die Kochplatte selber, sondern gezielt der Topf an sich erwärmt. Des Weiteren wurde vorgeschlagen, für gewisse Anwendungen auf elektrische Kleingerä- te zurückzugreifen. So lassen sich Eier deutlich effizienter in einem Eierkocher als in einem Topf auf dem Herd erwärmen. Zudem kann beim Kochen von Nudeln oder anderen Le- bensmitteln die kochendes Wasser benötigen, in Kombination mit einem Wasserkocher gearbeitet werden. Neben dem klassischen Beispiel des Kochens mit einem Deckel auf dem Topf wurde die Verwendung von Druckkochtöpfen vorgeschlagen. Insgesamt wird sich durch die Steigerung der Effizienz beim Kochen und dem verstärkten Einsatz von Kleingeräten der Strombedarf reduzieren. Das Potential liegt bei einer Minde- rung von ca. 40 % bis zum Jahr 2050 [Prognos, 2009]. WASCHMASCHINE UND WÄSCHETROCKNER Trotz der bisherigen Fortschritte wird davon ausgegangen, dass sich der Strombedarf um ca. 45 % reduzieren lässt [Prognos, 2009]. So sind mittlerweile Waschmaschinen mit einge- bauter Wärmerückgewinnung auf dem Markt. Auch sollten die Maschinen immer nur voll- beladen betrieben werden. Auf mögliche Einsparungen bei den Waschmaschinen und Wäschetrockner wurde nicht separat eingegangen, sondern die Thematik „Smart-Metering“ diskutiert. Beim Smart- Metering handelt es sich nicht um eine Technologie die den Stromverbrauch reduziert, Anhang A: Workshop Dokumentationen 283 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG sondern dafür sorgt, dass Strom dann genutzt wird, wenn das Angebot an schwankend verfügbaren erneuerbaren Energieträgern im Netz besonders hoch ist. GESCHIRRSPÜLER In diesem Bereich ließ sich allgemein festhalten, dass die Verwendung eines Geschirrspü- lers in den allermeisten Fällen effizienter ist als das Spülen von Hand. Mögliche Einsparun- gen durch die technologische Entwicklung lassen ein Stromsenkungspotential von ca. 35 % erwarten [Prognos, 2009]. ELEKTRISCHE WARMWASSERERZEUGUNG Es wird davon ausgegangen, dass ein Flensburger im jährlichen Durchschnitt so viel Warmwasser verbraucht, wie es im bundesweiten Durchschnitt der Fall ist. Nach AGEB (AG Energiebilanzen e.V.) liegt dieser bei 400 kWh pro Person und Jahr. In Flensburg wird nach Aussagen der Wohnungswirtschaft ca. die Hälfte des Warmwasserbedarfs elektrisch er- zeugt. In Flensburg sind dies ca. 200 kWh pro Jahr und Person. Bei einer Grundsanierung ist eine Umstellung in Mehrfamilienhäusern deutlich wahrscheinlicher als bei Ein- und Zweifa- milienhäusern. Bis zum Jahr 2050 macht der Anteil der neu gebauten oder sanierten Ge- bäude zur gesamten Wohnfläche in Flensburg 71 % aus. Wenn ca. ¾ der Gebäude, die bisher noch keine Warmwassererzeugung über Fernwärme haben, umgestellt werden, ließe sich die elektrische Warmwassererzeugung um die Hälfte reduzieren. TV, VIDEO, AUDIO, PC In der Arbeitsgruppe wurden abgesehen von der Anschaffung neuer, effizienter Geräte, auch Maßnahmen genannt, die das Verhalten betreffen. Grundsätzlich gilt, dass Geräte wenn sie nicht verwendet werden, vollständig ausgeschaltet werden sollten. Um die Standby-Verluste zu minimieren sollten schaltbare Steckerleisten verwendet werden. Auch Netzgeräte sollten vollständig vom Netz getrennt werden, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Desweiteren sollte bei PCs darauf geachtet werden die Standby-Funktion zu nut- zen, wenn sie kurzfristig nicht benötigt werden, Es wird davon ausgegangen, dass durch die genannten Entwicklungen und Maßnahmen bis zu 47 % bis zum Jahr 2050 eingespart werden kann [Prognos, 2009]. SONSTIGES Unter „Sonstiges“ fallen die kleineren Geräte wie z. B. Fön oder Toaster, aber auch die Hei- zungspumpe oder der Stromverbrauch aus dem Hobbykeller. Die Einsparmöglichkeiten in diesem Bereich belaufen sich bis zum Jahr 2050 auf ca. 30 % [Prognos, 2009]. 9.10.3.2 Strategien Einer der Hauptpunkte in der Diskussion war, dass es sehr vorteilhaft ist, wenn der Einzelne nachvollziehen kann, durch welche Maßnahmen wie viel Strom eingespart werden kann. Neben einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit könnten die Stadtwerke Flensburg bei der nächsten Zählerabrechnung Strommessgeräte mit verschicken. 284 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Des weiteren wurde vorgeschlagen, dass die SWFL ihre zentrale Lage zur öffentlichkeits- wirksamen Darstellung der bereits erzielten Erfolge nutzen könnten: die derzeit vollständige grüne Beleuchtung des Schornsteins könnte ersetzt werden durch eine Teilbeleuchtung, die dem bisher eingesparten Anteil entspricht, und die wie auf einer Thermometerskala mit der Zeit wächst. Darüber hinaus könnten die Flensburger Zeitungen für den Klimapakt gewonnen werden und auf der ersten Seite oder im Regionalteil über Maßnahmen berichten und Tipps zum Energiesparen veröffentlichen. Die Energiespartipps sollten in Themenwochen gegliedert sein. Auch die Schulen sollten in diesem Projekt involviert werden. So könnten Kunstklassen ver- schiedene Bilder beisteuern. 9.10.3.3 Vision Unter Berücksichtigung der beschriebenen Maßnahmen, der künftigen technischen und demographischen Entwicklung könnte sich der Stromverbrauch bis zum Jahr 2050 wie in Abbildung 98 gezeigt, entwickeln. Das entspricht einer Reduzierung von fast 50 %. ABBILDUNG 98 - ENTWICKLUNG DES STROMVERBRAUCHES IM HAUSHALTSSEKTOR 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 80.000 90.000 100.000 110.000 120.000 130.000 140.000 150.000 160.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 MWhel Sonstige TV, Audio, Video, PC Warmwasser Geschirrspüler Wäschetrockner Waschmaschine Elektroherd Gefriergerät Kühlschrank Beleuchtung Anhang A: Workshop Dokumentationen 285 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.10.4 Arbeitsgruppe Mobilität 9.10.4.1 Maßnahmen In der Arbeitsgruppe Mobilität wurde zunächst vorgeschlagen, das politische Statement des Klimapakts an den „Eingangstoren“ der Stadt Flensburg zu positionieren, also z. B. auf den Ortseingangsschildern. Inwiefern dies konform zur Straßenverkehrsordnung (StVO) um- setzbar ist, muss geprüft werden. Dieser Vorschlag ist grundsätzlich für den Verkehrsbereich prädestiniert, da die Ortseingangsschilder an Straßen angebracht sind. Es könnte jedoch auch ein allgemeiner Hinweis auf die Klimapakt- Stadt Flensburg angedacht werden. RADVERKEHRSFÖRDERUNG Die Radverkehrsförderung wurde in der Arbeitsgruppe Mobilität als sehr wichtig erachtet und nahm dementsprechend viel Raum in der Diskussion ein. Zunächst wurde die weitere Verbesserung der Infrastruktur angeregt. Hierzu zählen die Verbesserung der Radwege- qualität sowie der Radwegeausbau und sichere, überdachte Abstellanlagen an strate- gisch wichtigen Orten. Als wichtiger Punkt wurde die Beseitigung von „Bettelampeln“ (An- forderungsampeln) für Radfahrer und Fußgänger an Kreuzungen genannt, um die Gleich- berechtigung aller Verkehrsteilnehmer zu fördern. Ein Teilnehmer schlug sogar vor, eine Dauergrünschaltung für Radfahrer und Fußgänger einzuführen. Eine prioritäre Schneebeseitigung auf Radwegen im Winter, wie dies beispielsweise in Ko- penhagen geschieht, sollte nach Meinung der Teilnehmer eingeführt werden. Zusätzlich wurden einzelne Leuchtturmprojekte wie öffentliche Luftpumpen, Wartungsstationen für Fahrräder oder Fahrradzählanlagen wie in Kopenhagen angeregt. Weiterreichende Vor- schläge waren die Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer, die Verkehrsberuhigung der Innenstadt, sowie die grundsätzliche Führung des Radverkehrs auf der Straße. Bei der Öff- nung der Fußgängerzone wurde über eine Geschwindigkeitsbegrenzung (Schrittge- schwindigkeit) diskutiert. Für eine Führung des Radverkehrs auf der Straße sind Radfahrstrei- fen oder Schutzstreifen empfehlenswert. ÖFFENTLICHER PERSONENNAHVERKEHR Neben dem Radverkehr wurden Maßnahmen für den Bereich öffentlicher Personennah- verkehr (ÖPNV) diskutiert. Insbesondere wurde hierbei die Verknüpfung des bestehenden ÖPNV zusammen mit dem Rad- und Fußverkehr sowie einem noch einzurichtenden Car- sharing-System zu einem funktions- und leistungsfähigen Umweltverbund, welcher bezüg- lich Mobilität und Flexibilität als echte Konkurrenz zum motorisierten Individualverkehr (MIV) auftreten kann. AUSBILDUNGS- UND BERUFSVERKEHR Damit Ausbildung- und Berufsverkehr gut mit dem Fahrrad bewältigt werden kann, sind Duschräume und Schließfächer am Arbeitsplatz und in Schulen vorzusehen. Die Erstellung von Mobilitäts- und Umweltkonzepten durch die Flensburger Schüler an ihren jeweiligen Schulen beispielsweise während einer Projektwoche kann zur Bewusstseinsbildung beitra- gen und dazu führen, dass aus jugendlichen Radfahrern multimodale Erwachsene wer- den. 286 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg EINKAUFSVERKEHR Für die Bewältigung des Einkaufsverkehrs mit dem Umweltverbund (ÖPNV, Rad, Fuß) ist ein Lieferservice wünschenswert. Auch die Option, für vier Wochen die zum Einkaufen mit dem Rad notwendige Ausrüstung (Packtaschen, Fahrradanhänger, Regenkleidung, etc.) ausleihen und ausprobieren zu können, wie es der BUND Kiel in der Aktion „Probezeit“ durchgeführt hat, fanden die Teilnehmer für Flensburg vorstellbar. FREIZEITVERKEHR Flensburg als Urlaubsziel für Radtourismus kann eine Rolle im Bereich Freizeitverkehr spielen. 9.10.4.2 Strategien In der Arbeitsgruppe Mobilität wurden die Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit als besonders wichtig erachtet, um neue Routinen zu schaffen. Dabei soll die Information nicht maßregelnd oder kompliziert transportiert werden, Slogans sollten positive Aspekte herausstreichen. In Radfahr-Kampagnen könnten z. B. Attribute wie „Gesundheit“, „Le- bensqualität“, „Muskeln“, „Kraft“ genutzt werden. Konkret wurde angeregt, das Fahrrad- verleihsystem „nextbike“ stärker zu bewerben. Auch die Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ von ADFC und AOK sollte in mehr Unternehmen bekannt gemacht werden. Als weiterer Punkt im Bereich Strategie wurde herausgestellt, wie wichtig Vorbilder sind. So sollten die Mitglieder des Klimapaktes und die Stadt Flensburg mit gutem Beispiel voran- gehen und dies auch auf Plakaten etc. darstellen. 9.10.4.3 Vision Die Vision im Verkehrsbereich ist es, durch die genannten Maßnahmen möglichst viele Flensburger zum Umstieg auf grüne Verkehrsmittel zu bewegen. Hierfür sind die Schnittstel- len zwischen den einzelnen Verkehrsmitteln auszubauen, um eine echte Konkurrenz zum motorisierten Individualverkehr zu schaffen. 9.10.5 Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien 9.10.5.1 Maßnahmen Im Bereich der erneuerbaren Energien wurde zum Einstieg eine Auflistung der verschiede- nen Technologien erstellt: Wind Photovoltaik Solarthermie Geothermie Klärgas Bioenergie Anhang A: Workshop Dokumentationen 287 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG WIND In Schleswig-Holstein werden mittlerweile über 30 % des Strombedarfs durch Windstrom gedeckt (Quelle: http://www.energymap.info). In Kreisen wie Nordfriesland und Dithmar- schen wird sogar mehr Windstrom erzeugt als insgesamt in den Kreisen an Strom ver- braucht wird. Im Kreis Schleswig-Flensburg werden ca. 40 % des Strombedarfs durch Wind- strom gedeckt. Windstrom hat im Norden Deutschlands ein großes Potential Elektrizität CO2-neutral zu erzeugen. In Flensburg direkt wird allerdings nur 0,05 % des Stromes durch die Nutzung der Windkraft erzeugt. Auf Grund der Restriktionen sind die Potentiale von Wind in Städten äußerst begrenzt. Die einzige Windkraftanlage in Flensburg steht auf dem Campusgelände. Eine Ausweitung der Windstromerzeugung in Flensburg ist nicht möglich. Um den Anteil von Windstrom zu erhöhen bleibt dementsprechend nur der Bezug aus den umliegenden Regionen. PHOTOVOLTAIK Aufgrund der günstigen Bedingungen durch die EEG-Vergütung erfolgte in den letzten Jahren ein rasanter Zuwachs an PV-Anlagen. In Flensburg beschränkt sich die Nutzung vor allem auf Dachanlagen. Nach der Homepage energymap.info werden in Flensburg aktu- ell ca. 0,5 % des Stromverbrauches durch PV-Anlagen gedeckt. Die Stromerzeugung durch Photovoltaik kann aufgrund der zu erwartenden positiven Kostensenkungen im Energiemix der Stadt in den nächsten Jahrzehnten durchaus eine Rolle spielen. Es ist zwar aufgrund der begrenzten Flächenverfügbarkeit davon auszugehen, dass der Anteil nicht den Großteil der Stromerzeugung ausmachen wird und andere Formen der Stromerzeu- gung dominieren werden. Dennoch ist diese Maßnahme ein wichtiger Beitrag der Bürger zum Klimaschutz, die sich für den Einzelnen auch finanziell bezahlt machen kann. Aller- dings besteht in Städten wie Flensburg das Hindernis, dass viele Wohngebäude vermietet werden und daher der Mieter kaum Möglichkeiten hat in PV-Anlagen zu investieren. SOLARTHERMIE Die Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien führte eine intensive Diskussion darüber, ob die individuelle Wärmeerzeugung durch Solarthermie in Flensburg im Sinne des zu entwickeln- den Gesamtkonzepts sinnvoll ist. Die Nutzung von Solarthermie ist im Flensburger Stadtgebiet mit einem Anschlussgrad an das Fernwärmenetz von 98 % in den meisten Stadtteilen als kontraproduktiv anzusehen. Wenn der Anschlussgrad in diesen Gebieten deutlich zurückgeht, so führt dies für die ver- bleibenden Kunden zu untragbaren Kostensteigerungen. Um einen effektiven Klimaschutz in Flensburg zu betreiben, sollte das Fernwärmenetz als wichtige Ressource der Stadt be- stehen bleiben. Eine großflächige Installation von Solarthermie könnte also die CO2- Neutralität Flensburgs deutlich erschweren. Eine sinnvollere Nutzung der Dachflächen ist durch die Photovoltaik gegeben. In künftigen Neubaugebieten, in denen auf Grund des geringen Wärmebedarfs von Ge- bäuden der Anschluss an das Fernwärmenetz in gewissen Fällen nicht mehr wirtschaftlich http://www.energymap.info/ 288 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ist, stellt die Solarthermie allerdings eine sinnvolle Alternative zur CO2-neutralen Wärmebe- reitstellung dar. Eine Einspeisung von der Wärme aus Solarthermie in das Fernwärmenetz ist nicht wirt- schaftlich darstellbar. Nach Aussage der Stadtwerke Flensburg würde der Endkundenpreis hierfür bei 200 € die MWhth liegen. Aktuell ist der Fernwärmepreis bei ca. 60 € die MWhth. GEOTHERMIE Die Nutzung von Geothermie gerade in Kombination mit dem bereits bestehenden Fern- wärmenetz stellt eine interessante Möglichkeit zur CO2-neutralen Wärmeerzeugung dar. Der Vorteil der Geothermie besteht darin, dass, sobald das System aufgebaut ist keine bzw. nur sehr geringe spezifische Kosten für die Wärme anfallen. Nachteilig sind jedoch die hohen anfänglichen Investitionskosten. Diese werden durch die Bohrungen bestimmt. Je gebohrtem Meter werden Kosten von ca. 1.000 € verursacht. In Flensburg müsste je Richtung mindestens 3.500 Meter tief gebohrt werden. Insgesamt bedürfte es einer Investi- tion in der Größenordnung von 10 Mio. Euro alleine für die ersten zwei Bohrungen. Deswei- teren besteht immer noch das Problem bei der Geothermie, dass Bohrungen nicht zwin- gend erfolgreich sein müssen. Auf Grund der anfänglichen Investitionsrisiken ist die Geothermie zurzeit noch keine wirt- schaftliche Alternative zur konventionellen Wärmeerzeugung. Sollten die Brennstoffpreise aber weiterhin stark ansteigen, so kann die Geothermie mittel- bis langfristig eine durchaus interessante Alternative sein. KLÄRGAS In der kommunalen Kläranlage in Flensburg wird bereits seit über 20 Jahren das Klärgas zur Erzeugung von Strom und Wärme in Blockheizkraftwerken genutzt. Hierdurch kann der der Wärmeeigenbedarf der Kläranlage vollständig gedeckt werden. Eine Steigerung der Produktion und eine Ausspeisung an Wärme sind in Rücksprache mit dem Technischen Betriebszentrum (TBZ) jedoch nicht denkbar. Relevante Größenordnun- gen an Überschusswärme fallen nur in den Sommermonaten an, in denen es in der Nähe der Kläranlage keine Abnehmer gibt. BIOENERGIE Vergleichbar mit der Nutzung von Windstrom sind die Potentiale zur Biostromnutzung im Flensburger Stadtgebiet äußerst begrenzt. Ebenfalls existieren im Stadtgebiet für private Haushalte keine Gasanschlüsse, so dass ein neues Leitungssystem aufgebaut werden müsste. Dieses wird im Vergleich zur Fernwärme nicht wirtschaftlich werden. Somit scheidet die Nutzung von Biogas in Flensburger Haushalten zu Heizzwecken als Maßnahme aus. 9.10.5.2 Strategien Zur Umsetzung der Potentiale wurden Bürgerkraftwerke und Energiegenossenschaften vorgeschlagen. Hierdurch könnten sich auch Mieter direkt an lokalen Erneuerbaren Ener- gieprojekten beteiligen. In diesem Zusammenhang ist über PV-Dachbörsen nachzuden- Anhang A: Workshop Dokumentationen 289 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ken, in denen Immobilienbesitzer die Dächer zur Nutzung von PV an Interessierte vermie- ten. Als vorrangig wäre die direkte Investition in erneuerbare Technologien durch die Im- mobilienbesitzer zu sehen. 9.10.5.3 Vision Im Bereich der erneuerbaren Energiequellen ist die Vision bis zum Jahr 2050 eindeutig: 100 % Erneuerbare zur Deckung des Energiebedarfs. Um alle Flensburger auf dem Weg zur CO2-Neutralität mitzunehmen, ist eine Gesamtsystembetrachtung unerlässlich. Mit den Stadtwerken Flensburg besteht die einmalige Chance, 98 % der Haushalte auf grüne Fernwärme umzustellen und zusätzlich CO2-neutralen Strom zu liefern. Dabei ist stets zu überprüfen wann und in welchem Umfang die Umstellung bei den Stadtwerken Flensburg durch den Einsatz weiterer erneuerbare Energien sinnvoll ergänzt werden kann. Gerade Photovoltaikanlagen stellen durch ihre hohe Stromproduktion im Sommer eine gute Ergän- zung der Kraft-Wärme-Kopplung des Heizkraftwerkes der Stadtwerke dar. Ebenso sollte die Wirtschaftlichkeit der Geothermie in regelmäßigen Abständen überprüft werden. 9.10.6 Übergeordnete Strategien Am Ende des Workshops wurden mit allen Gruppen gemeinsam übergeordnete Strate- gien zur Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen entwickelt. Hierbei wurden die folgen- den Punkte aufgeführt: SWFL & private erneuerbare Energien: Kombinieren, nicht gegeneinander ausspie- len Geeignete Akteure / Multiplikatoren finden, die den Klimaschutz und die Klima- schutzmaßnahmen in die breite Öffentlichkeit tragen Zeitungen einbinden (SHZ, avis, Moin moin, etc.) Bericht im Schleswig-Holstein Magazin Öffentlichkeitsarbeit Klimameile der Phänomenta Außendarstellung (z. B. Zusammenarbeit mit Project Zero) Flensburger Umland (vor allem die Gemeinden mit Fernwärmeanschluss) einbinden. Konzessionsverträge Schafflund Schulen einbinden: Projektwochen, Eltern und Lehrer einbinden, Schulmaterial be- reitstellen Fördermitglieder: Wie einbinden? (Seniorenbeirat hat seine Unterstützung angebo- ten) -> Bürgerforum 290 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Transparenz im Gesamtprozess und bei den Akteuren Umbrüche nutzen Gruppenbildung und Kenntnisse vertiefen: Volkshochschulkurse, Vereine (Eurosolar), Berufsschulen, Demonstrationsanlagen 9.10.7 Quellenverzeichnis Barzantny 2007 Barzantny, K., S. Achner, and A. Böhling (2007). Klimaschutz: Plan B. Greenpeace e.V. DIW 2004 Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)/Umweltbundesamt (UBA) /Forschungszentrum Jülich/Fraunhofer-Institut für System- und In- novationstechnik (ISI): Politikszenarien für den Klimaschutz – Langfrist- szenarien und Handlungsempfehlungen ab 2012 (Politikszenarien III), Berlin, 2004 Prognos 2009 Modell Deutschland - Klimaschutz bis 2050: Vom Ziel her denken. Prognos AG und Öko-Institut. 2009 Anhang A: Workshop Dokumentationen 291 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG 9.11 Zukunft der Fernwärme Flensburg, 16.06.2011 Teilnehmer: Dirk Roschek (Stadtwerke) Sven Pastewka (Stadtwerke) Joachim Polzin (Stadtwerke) Riek-Blankenburg (Stadtwerke) Claus Hartmann (Stadtwerke) Klaus Schrader (Stadtwerke) Matthias Kalvelage (Stadtwerke) Frank Jürgensen (SBV) Oliver Rein (Stadtwerke) Gunnar Hahn (SBV) Olav Hohmeyer (Universität Flensburg) Jürgen Möller (SBV) Emöke Kovac (Universität Flensburg) Lars Grote (EUM) Helge Maas (Universität Flensburg) Martin Beer (Universität Flensburg) Jens Brammann (Universität Flensburg) 9.11.1 Ausgangslage und Ziele des Workshops Der Klimapakt Flensburg und die Stadt Flensburg haben sich ambitionierte Ziele zum Schutz des Klimas gesetzt. Bis zum Jahr 2050 soll die Emission klimarelevanter Treibhausgase so weit reduziert werden, dass die gesamte Stadt CO2-neutral ist. Um einen gangbaren Weg in diese Richtung aufzuzeigen, erarbeitet die Universität Flensburg zusammen mit den verschiedenen Flensburger Akteuren und der Flensburger Bevölkerung ein integriertes Kli- maschutzkonzept. Im Rahmen von 16 Workshops werden sektorspezifische und sekto- rübergreifende Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Nur wenn alle emissionsrelevanten Bereiche der Stadt betrachtet werden, kann das Ziel der CO2-Neutralität erreicht werden. Flensburg befindet sich mit einem Anschlussgrad von nahezu 100 % an das Fernwärmenetz in einer einmaligen Situation. Eine Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energieträger bei den Stadtwerken Flensburg würde das gesamte Stadtgebiet CO2-neutral mit Fern- wärme versorgen. Eine Herausforderung dafür, die Nutzung der Fernwärme auch zukünftig wirtschaftlich darstellen zu können ist jedoch der kontinuierlich zurückgehende Fernwär- mebedarf aufgrund besserer energetischer Gebäudestandards mit der einhergehenden Frage der Wirtschaftlichkeit eines Fernwärmenetzes im Vergleich zu Konkurrenzprodukten. In den ersten Workshops zur Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes wurden spezi- fische Lösungen im Bereich der Wohnungswirtschaft bzw. der lokalen Energieversorgung besprochen und diskutiert. In den Workshops wurde deutlich, dass im Bereich der Fern- wärme ein sektorübergreifender Austausch und eine Abstimmung von Klimaschutzmaß- nahmen notwendig ist. 292 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Hierzu wurden in dem Workshop zum Thema „Zukunft der Fernwärme“ die Flensburger Wohnungswirtschaft mit den Stadtwerken Flensburg zusammengebracht, so dass sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite beteiligt war. Die inhaltlichen Schwerpunkte des Workshops waren die CO2-neutrale Energieerzeugung, das Fernwärmenetz und damit verbundene künftige Herausforderungen, neue Tarifsyste- me inkl. der "grünen" Fernwärme sowie mögliche Kooperationsmöglichkeiten. 9.11.2 Grüne Fernwärme Für den Bereich der „grünen“ Fernwärme stellte Herr Lars Grote zum Einstieg in das Thema die Zwischenergebnisse seiner Diplomarbeit „Ökonomische und ökologische Analyse „grüner“ Fernwärme für die SWFL und den SBV im Rahmen des Klimapakt Flensburg“ vor. Im Rahmen der Arbeit werden die folgenden Kernfragen untersucht: Ist es möglich, den Primärenergiefaktor (PEF) zu senken? --> Ziel: PEF = 0 im Jahr 2050 Nachteile / Vorteile der Senkung des PEF Zielwert: Welcher Wert wird von Seiten der Kunden nachgefragt werden? Wie wird sich das Erzeugungsvolumen im Zeitverlauf bis 2050 entwickeln und wie entwickelt sich die Nachfrage? Wie kann eine transparente Bilanzierung dargestellt werden? Welche Kunden können mit grüner Fernwärme beliefert werden? Maßnahmen / Hürden? 9.11.2.1 Senkung des Primärenergiefaktors Die Senkung des PEF kann sowohl über technische Maßnahmen als auch über eine sepa- rate Bilanzierung verschiedener Fernwärmeprodukte erreicht werden. Auf der technischen Seite senkt sich der PEF durch eine Erhöhung des Anteils regenerativer Brennstoffe, der Senkung der Umwandlungsverluste oder der Steigerung des Anteils der Stromproduktion. Die Steigerung der Stromproduktion senkt den PEF aufgrund der Berechnung des PEF über die Stromgutschriftmethode (PEF ist abhängig von der Menge der Stromerzeugung aus KWK und des durchschnittlichen PEF im deutschen Stromnetz). Als zweite Möglichkeit lässt sich der PEF theoretisch durch eine separate Bilanzierung ver- schiedener Fernwärmeprodukte senken. Praktisch ist eine separate Bilanzierung jedoch noch nicht möglich. Zum einen müssten seitens der Stadtwerke Flensburg die benötigten Strukturen und Abrechnungssysteme zur Erhöhung der Transparenz erst noch geschaffen werden. Zum anderen muss bei der Berechnung der aktuelle Stand der Technik berück- sichtigt werden. Im Bereich der Fernwärme wird dieser von der Arbeitsgemeinschaft Fern- wärme (AGFW) gesetzt. Die AGFW schreibt vor, dass zurzeit nur ein PEF pro Netz angesetzt werden kann. Anhang A: Workshop Dokumentationen 293 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Eine Senkung des PEF würde ineffiziente Kapitaleinsätze seitens der Wohnungswirtschaft vermeiden. So könnte auf gewisse Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung verzichtet werden, wenn anstelle dessen Fernwärme mit einem geringeren PEF geliefert werden würde. Im Workshop wurde als erster Ansatz die separate Bilanzierung eines grünen Fernwärmeta- rifes diskutiert. Eine schematische Darstellung der Verrechnung des Tarifes ist in Abbildung 99 gezeigt. Durch die Umsetzung des greenCO2ncepts steigert sich der Anteil an erneuer- baren Energien in der Fernwärme kontinuierlich. Will ein Kunde jedoch vor dem Jahr 2050 bereits 100 % grüne Fernwärme beziehen, so lässt sich dies über den zusätzlichen Einsatz erneuerbarer Energien realisieren (roter Bereich in der Abbildung). Der PEF dieses Tarifes wäre dementsprechend mit Null anzusetzen. Die Mehrkosten für die 100 % grüne Fern- wärme wären vom Kunden zu tragen. Im Ergebnis würden die Stadtwerke Flensburg schneller als bisher vorgesehen die CO2-Emissionen senken. ABBILDUNG 99 - MÖGLICHE GESTALTUNG EINER "GRÜNEN" FERNWÄRME Der separate 100 % grüne Fernwärmetarif wird für den Großteil der Immobilienbesitzer nur kurzfristig von nennenswerter Bedeutung sein. Die Stadtwerke Flensburg werden den PEF von aktuell 0,7 auf 0,6 bis zum Jahr 2015 durch den erhöhten Einsatz von Holzhackschnitzel und EBS senken. Durch die Ersatzinvestition in eine Erdgasanlage wird der PEF im Jahr 2016 auf einen Wert von 0,2 sinken (Abbildung 100, S. 294). Ab diesem Zeitpunkt wird eine zu- sätzliche Nachfrage nach einem noch geringeren PEF durch den Fernwärmekunden kaum vorhanden sein. Fernwärme- abgabe Zeit 2011 105 7 Jeder bekommt x % grüne Fernwärme Grüne Fernwärme (nach greenCO2ncept) 100 % grüne Fernwärme nach Bedarf 2050 Tarife 1. Misch-FW 2. Grüne FW 294 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 100 - KÜNFTIGE ENTWICKLUNG DES PEF DER STADTWERKE FLENSBURG Eine schnellere Absenkung des PEF ist bei den SWFL voraussichtlich ab dem Jahr 2012 möglich. Aktuell begrenzt das technische Provisorium zur Holzaufgabe die Tonnagen. Hier soll im Jahr 2012 eine fest-installierte Aufgabestation aufgebaut werden. Eine jährliche Holztonnage von 30.000 t Holz wären dann maximal möglich. Im Vergleich zur heutigen Situation eine Steigerung von mehr als 15.000 t. Seitens der Wohnungswirtschaft besteht noch weiterer Gesprächsbedarf darüber, wie die Übergangsphase von 2012 bis 2016 gestaltet werden kann. In dem Zeitraum werden allei- ne vom SBV ca. 300 bis 500 Wohneinheiten modernisiert, welche den neuen Anforderun- gen der EnEV 2012 Rechnung tragen müssen. Wenn für diesen Zeitraum von ca. 4 Jahren der PEF nicht weiter gesenkt werden kann, wird für diese Gebäude die Nutzung der Solar- thermie in Betracht gezogen. Es stellt sich die Frage, inwieweit die KfW bzw. die AGFW eine Vorwegbilanzierung erlaubt. Sollte eine Vorwegbilanzierung unter Berücksichtigung der künftigen Entwicklung des PEF durch die Maßnahmen der Stadtwerke Flensburg möglich sein, so würde sich dies nicht nur für den SBV, sondern im gesamten Wohnungssektor in Flensburg niederschlagen. 9.11.3 Volumentarife Zur Steigerung der Effizienz des Fernwärmenetzes sind Möglichkeiten zur Senkung der Rück- lauftemperatur (RLT) zu untersuchen. Hierzu gehören unter anderem die richtige Dimensi- onierung von Heizkörpern, Optimierung der Fernwärmeübergabestationen und der hyd- raulische Abgleich des Heizungssystems. Ein Anreiz zur Senkung des Rücklaufs könnte durch die Einführung eines Volumentarifes geschaffen werden. Dieser findet aktuell noch keine große Zustimmung und eine spürbare Wirkung auf die Rücklauftemperaturen ließe sich erst nach einem Zeitraum von 5 bis 10 Jahren erkennen. Anzudenken wäre eine gebündelte Aktion mit Energieberatern, Hand- werkern und den Stadtwerken Flensburg um die Einführung eines Volumentarifes zu för- dern. Primärenergiefaktor Stadtwerke Flensburg 0,66 0,64 0,62 0,60 0,20 0,70 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Anhang A: Workshop Dokumentationen 295 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Die Stadtwerke Flensburg haben ein großes Interesse an der Senkung der RLT. Hierdurch kann im Dampf-Kraft-Prozess mehr Strom erzeugt und das Verhältnis der Strom- zur Wär- meproduktion gesteigert werden. Dies würde sich positiv auf den PEF auswirken. Des Wei- teren würden sich die Wärmeverluste im Fernwärmenetz und der Pumpstrombedarf redu- zieren. In Flensburg liegt die durchschnittliche Rücklauftemperatur aller Anschlüsse derzeit bei 60 bis 65 °C. Im Vergleich zu anderen deutschen Städten liegen die Rücklauftemperaturen in Flensburg sehr hoch. Kommunen wie z. B. Augsburg erreichen durchschnittliche Werte von 55 °C. In Dänemark werden sogar RLT zwischen 45 – 50 °C erreicht. Sowohl in Dänemark als auch in Augsburg wird die Fernwärme über Volumentarife berechnet. Es ist davon auszugehen, dass die RLT in Flensburg langfristig durch die energetische Ge- bäudesanierung und den Neubau gesenkt werden können. In sanierten oder neu gebau- ten Quartieren werden heutzutage in Flensburg schon Rücklauftemperaturen von ca. 50 °C erreicht. Durch die Senkung der RLT um durchschnittlich 5 °C könnten die Stadtwerke Flensburg 2-3 % mehr Strom produzieren (ca. 1 MW zusätzliche Stromerzeugungskapazität) und hier- durch den PEF um ca. 0,05 verbessern. 9.11.4 Excel-Tool – Zukunft der Fernwärme Zur Abbildung der künftigen Kosten und der Absatzentwicklung der Fernwärme wurde ein Excel-Tool erstellt. Im Folgenden werden die Inputparameter und die Ergebnisse des Work- shops vorgestellt. 9.11.4.1 Datengrundlage des Excel-Tools Energiepreisentwicklung der Energieträger (Kohle, EBS, HHS, Biomasse, Erdgas, Bio- methan), (wahlweise kann betrachtet werden: kein, mäßiger oder deutlicher Preis- anstieg) Kostenstruktur bei den Stadtwerken Flensburg Zusammensetzung der Fernwärme-Kosten Potentiale zur Kostensenkung Entwicklung der Fernwärmenachfrage Sanierungszyklus Energetischer Gebäudestandard nach Baualtersklasse (BAK) Bevölkerungsentwicklung und spez. Wohnflächenbedarf pro Person Sanierungskosten (aus Sanierungs-Tool) 296 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Berechnung eines optimalen Sanierungsstandards nach BAK 9.11.4.2 Kostenstruktur bei den Stadtwerken Flensburg Die Kostenstruktur der Fernwärme bei den Stadtwerke Flensburg ist der Universität Flens- burg nicht bekannt und wird auf Grund der Sensibilität der Daten von den Stadtwerken Flensburg nicht herausgegeben. Für die nachfolgenden Berechnungen wurde die Kosten- struktur von der Universität Flensburg anhand eines Mehrfamilienhauses durchgerechnet und wie in folgender Tabelle dargestellt angesetzt. Nach Angaben der Stadtwerke Flens- burg beträgt das Verhältnis von Fixkosten zu variablen Kosten erzeugerseitig 70 zu 30. Mit Hilfe dieser Angabe wurden die spezifischen Fixkosten zu 42,19 € und die variablen Kosten zu 18,08 € (jeweils netto) ermittelt. Die Fixkosten teilen sich wiederum zu 45 % auf die Fixkos- ten des Heizkraftwerkes und zu 55 % auf die Kosten des Fernwärmenetzes auf. In den vari- ablen Kosten ist neben der Position „Sonstiges“ der Brennstoffpreis für die eingesetzte Koh- le frei Kraftwerk inkl. des CO2-Emissionszertifikatspreises zu 17,50 €/MWhth angesetzt. Anhand dieser Werte kann der künftige Fernwärmepreis beim Rückgang des Fernwärmebedarfs errechnet werden. KOSTENSTRUKTUR DER FERNWÄRME (NETTO) Mehrfamilienhaus Absolut Spezifisch [€/MWh] Jahresverbrauch Anschlussleistung Arbeitspreis (AP) brutto Steuern 19 % AP netto Leistungspreis brutto Leistungspreis netto 200.000 kWh 110 kW 10.574 € 1.688 € 8.886 € 3.771 € 3.169 € 52,87 8,44 44,43 18,85 15,84 Summe brutto Summe netto 14.345 12.054 71,72 60,27 Fixkosten 70 % Variable Kosten 30 % 8.428 3.616 42,19 18,08 9.11.4.3 Kostenentwicklung Prognosen für die künftige Entwicklung der Energiepreise weisen z. T. große Unterschiede auf, es ist jedoch aus den Betrachtungen klar, dass der Energiepreis in Zukunft nur eine Richtung kennt: er wird kontinuierlich steigen. In Abbildung 101 ist eine Vielfalt an Progno- sen beispielhaft für die künftige Ölpreisentwicklung dargestellt. Mit aufgenommen in die Betrachtung wurden die folgenden Studien: Annual Energy Outlook Report (2010) World Energy Technology Outlook (2006) World Energy Outlook (2009) International Energy Outlook (2010) Prognos: Energieperspektiven Schweiz (2007) Anhang A: Workshop Dokumentationen 297 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Prognos: Modell Deutschland – Klimaschutz bis 2050 (2007) BMU: Leitstudie (2008) Die Leitstudie (2008) deckt die mittlere Bandbreite der dargestellten möglichen Ölpreis- entwicklung ab. Innerhalb der Leitstudie wurden zwei Szenarien betrachtet. Das eine geht von einem mäßigen und das anderen von einem deutlichen Anstieg aus. Im Rahmen die- ser Studie wurde der konservative (mittlere Pfad möglicher Entwicklungen) Ansatz der Leit- studie (2008) für die weitergehenden Berechnungen verwendet. ABBILDUNG 101 - ÖLPREISENTWICKLUNG VON 1990 BIS 2050 NACH UNTERSCHIEDLICHEN QUELLEN (BASISJAHR 2005) Die Leitstudie prognostiziert keine Entwicklung der Preise für Biomasse und Biogas. Hierzu wurden im Rahmen des Tools separate Annahmen getroffen. Es wird davon ausgegan- gen, dass der Holzpreis sich mittel- bis langfristig parallel zum Kohle- plus CO2- Zertifikatepreise entwickeln wird. Für erste Berechnungen wurden seitens der Stadtwerke Flensburg Differenzkosten von 7 € pro MWh Fernwärme angesetzt. Aktuell unterliegt der Zertifikatspreis noch starken Schwankungen. Sollte sich über die Jahre ein anderer Holz- preis herauskristallisieren, so lässt sich dies im Tool sehr einfach zur neuen Berechnung des Fernwärmepreises einstellen. Die teilweise Umstellung der Stadtwerke Flensburg hin zu Erdgas wird seitens der Stadtwer- ke Flensburg im Vergleich zu Kohle als kostenneutral angenommen. Der höhere Erdgas- preis und damit resultierende höhere Fernwärmepreis wird durch den besseren elektri- schen Wirkungsgrad und der dadurch deutlich gesteigerten Stromabgabe ausgeglichen. In dem Tool wurde daher im Vergleich zu Kohle trotz Umstellung auf Erdgas von einer gleichbleibenden Kostenentwicklung bis zum Jahr 2050 ausgegangen. 298 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg Während des Workshops wurde zusätzlich die Entwicklung der Fixkosten besprochen. Das Fernwärmenetz der Stadtwerke Flensburg umfasst insgesamt 600 km Fernwärmeleitungen. Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von 60 Jahren wären zur Substanzerhaltung ca. 10 km pro Jahr zu sanieren. Aktuell erreichen die Stadtwerke Flensburg jedoch bis zu 6 km, so dass sich ein Sanierungsstau ergeben hat. Es wird davon ausgegangen, dass in dem Zeitraum von 2015 bis 2019 die Kosten für das Fernwärmenetz um ca. 5 % steigen und in den Jahren von 2020 bis 2029 um 10 %. In dem Jahr 2040 bis 2050 sollte sich der Sanie- rungsstau aufgelöst haben, wodurch die Fixkosten um ca. 5 % geringer ausfallen. 9.11.4.4 Entwicklung des Fernwärmebedarfs Für die Abbildung der künftigen Entwicklung des Fernwärmebedarfs im Haushaltssektor wurde ein Sanierungstool für den Flensburger Wohnungsbestand entwickelt. Über einen auf empirischen Daten basierenden Sanierungszyklus und die Festlegung von energeti- schen Gebäudestandards nach Baualtersklassen (BAK) werden die jährlichen Energiever- bräuche ermittelt. Einen weiteren Treiber für den absoluten Energieverbrauch stellen so- wohl die Bevölkerungsentwicklung als auch der sich verändernde spezifische Wohnflä- chenbedarf pro Person dar. Im Rahmen des Workshops wurde die Entwicklung des spezifischen Energieverbrauches bei der energetischen Gebäudesanierung und dem Neubau seitens der Wohnungswirt- schaft wie in folgender Tabelle gezeigt eingeschätzt. SPEZ. ENERGIEVERBRAUCH FÜR DIE ENERGETISCHE GEBÄUDESANIERUNG UND DEN NEUBAU Sanierungseffizienz BAK [kWh/m2] bis 2009 2009- 2014 2015- 2019 2020- 2029 2030- 2039 2040- 2050 Bis 1948 130 91 91 91 91 91 1949 - 1968 130 91 60 50 40 30 1969 - 1987 130 91 60 50 40 30 1988 - 2002 130 91 60 50 40 30 2003 - 2009 130 91 60 50 40 30 Neubau (2009 – 2050) 70 40 20 10 0 Es ist davon auszugehen, dass auf Grundlage künftiger EU-Vorgaben und den Plänen der Bundesregierung zur Senkung des Energieverbrauchs im Gebäudesektor der Energiestan- dard für Neubauten deutlich gesenkt werden wird. Bis zum Jahr 2050 wird der spezifische Energieverbrauch von Neubauten kontinuierlich zurückgehen und am Ende den Null- Energie-Haus Standard erreichen. Im Bereich der energetischen Gebäudesanierung wird sich der Anteil der Häuser in denen nachträglich eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung eingebaut wird stark erhöhen. In den Anhang A: Workshop Dokumentationen 299 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Baualtersklassen von 1948 bis 2009 wird bis zum Jahr 2020 ein prozentual großer Rückgang erwartet. Ab dem Jahr 2020 wird von einer jährlichen Senkung des spezifischen Energie- verbrauches von ca. 1 kWh/m2a ausgegangen. Bis zum Jahr 2050 sinkt dieser somit auf 30 kWh/am². Eine Ausnahme stellt der Altbau aus dem Zeitraum von 1900 bis 1948 dar. Aufgrund der besonderen Gebäudespezifika ist eine Senkung des Energieverbrauches unter einen Standard von 90 kWh/am² als technisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll anzunehmen. Durch den kontinuierlichen Anstieg des energetischen Standards wird eine Reduzierung des Fernwärmebedarfs bis zum Jahr 2050 von ca. 30 % erreicht werden. Als nächster Schritt ist die Anpassung der Sanierungsraten zu untersuchen. Es zeichnet sich ab, dass die Bundesregierung beabsichtigt, die Sanierungsraten durch die Förderung mit öffentlichen Mitteln steigern zu können. Als eine der ersten Maßnahmen schafft die Bun- desregierung einen Anreiz dadurch, dass Energieeinsparmaßnahmen über einen Zeitraum von 10 Jahren abgeschrieben werden können. Trotz der Förderung werden Sanierungsraten in einer Größenordnung von 3 % als nicht rea- listisch angesehen. 2 % wären als ein ambitioniertes Ziel über einen begrenzten Zeitraum aber möglich. Die Ergebnisse des Workshops bezüglich der Sanierungszyklen sind in fol- gender Tabelle dargestellt. VERÄNDERUNG DER SANIERUNGSRATEN BIS ZUM JAHR 2050 Historisch 2009- 2014 2015- 2019 2020- 2029 2030- 2039 2040- 2050 Sanierungsraten 1 2,3 2,1 1,3 1,15 1 Mittelwert über alle BAK 1,10 % 2,0 % 2,0 % 1,5 % 1,4 % 1,2 % Sanierungszyklus (Jahre) 91 50 49 68 71 82 Wie in Abbildung 102 (S. 300) gezeigt, wird sich der Fernwärmebedarf über die einzelnen Gebäudealtersklassen bis zum Jahr 2050 um ca. 40 % reduzieren. Eine teilweise Kompensa- tion durch eine forcierte Umstellung bei der Erzeugung von Warmwasser durch Fernwärme ist in diese Berechnungen noch nicht mit eingeflossen. Ab dem Jahr 2013/2014 muss der Warmwasserbedarf gesetzlich separat von der Fernwärme für Heizzwecke ausgewiesen werden. Sobald dies erfolgt ist, lassen sich die Potentiale einer Umstellung detailliert be- rechnen. 300 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 102 - ENTWICKLUNG DES HEIZWÄRMEBEDARFS IM HAUSHALTSSEKTOR AUFGETEILT AUF DIE EINZELNEN BAUALTERSKLASSEN 9.11.4.5 Entwicklung des Brennstoffeinsatzes und der CO2 -Emissionen Im Rahmen der Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes für Flensburg werden ins- gesamt 16 Workshops durchgeführt. Im zweiten Workshop zusammen mit den Stadtwerken Flensburg wurde ermittelt, wie die CO2-Emissionen der Fernwärme bis zum Jahr 2050 auf null gesenkt werden können. Die kesselspezifischen Ergebnisse sind in Abbildung 103 und Abbildung 104 dargestellt. Für den künftigen Kessel „12“ (heute Kessel 7 und 8) ist der Ein- satz gasförmiger Brennstoffe geplant. Für die Kessel 9-11 ist hingegen eine Befeuerung mit festen Brennstoffen vorgesehen. ABBILDUNG 103 - BRENNSTOFFMIX FÜR KESSEL 7 UND 8 (AB 2016 KESSEL „12“) 0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 300.000 350.000 400.000 450.000 500.000 550.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 [MWh/a] 2009-Jahr X 2003-2008 1988-2002 1969 bis 1987 1949 bis 1968 bis 1948 0% 20% 40% 60% 80% 100% 2014 2020 2024 2030 2040 2050 Brennstoffmix für "Kessel 7+8" Steinkohle EBS Holz Erdgas Biomethan Anhang A: Workshop Dokumentationen 301 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ABBILDUNG 104 - BRENNSTOFFMIX FÜR KESSEL 9-11 Auf Grund der verschiedenen Feuerungswärmeleistung der einzelnen Kessel und den jähr- lichen Volllaststunden wurden die Ergebnisse der kesselspezifischen Betrachtung zusam- mengefügt zur Berechnung des Brennstoffmixes insgesamt für das Kraftwerk. Das Ergebnis ist in Abbildung 105 dargestellt. ABBILDUNG 105 - BRENNSTOFFMIX BEI DEN STADTWERKEN FLENSBURG BIS ZUM JAHR 2050 Zusammen mit der Entwicklung des Fernwärmebedarfs im Haushaltssektor lässt sich sowohl die Nachfrage als auch die Angebotsseite darstellen. Es wird davon ausgegangen, dass sich der Rückgang des Fernwärmebedarfs gleichmäßig auf den Einsatz der verschiedenen Energieträger bei den Stadtwerken Flensburg auswirkt. Das Ergebnis für die Entwicklung des Energieverbrauches und der CO2-Emissionen für den Fernwärmebedarf im Haus- haltssektor aufgeteilt nach den verschiedenen Energieträgern ist in Abbildung 106 (S. 302) zu sehen. Es wird deutlich, dass der Fernwärmebedarf um ca. 40 % bis zum Jahr 2050 zurückgehen wird und durch die Umstellung bei den Stadtwerken Flensburg bis zum Jahr 2050 die CO2- Neutralität für den Anteil der direkten Emissionen erreicht wird (siehe orange Linie in Abbil- 0% 20% 40% 60% 80% 100% 2014 2020 2024 2030 2040 2050 Brennstoffmix für "Kessel 9 -11" Steinkohle EBS Holz Erdgas Biomethan 0% 20% 40% 60% 80% 100% 2014 2020 2024 2030 2040 2050 Biomethan Erdgas Feste Biomasse EBS Steinkohle 302 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg dung 106). Die indirekten CO2-Emissionen sind im späteren Verlauf der Konzepterstellung zu betrachten. ABBILDUNG 106 - ENTWICKLUNG DES ENERGIEVERBRAUCHES UND DER CO2-EMISSIONEN FÜR DIE FERNWÄRME IM HAUSHALTSSEKTOR 9.11.4.6 Entwicklung der Fernwärmekosten Für den Workshop wurde im Excel-Tool die Berechnung der Fernwärmekosten unter den gegebenen Bedingungen bis zum Jahr 2050 mit eingefügt. Die vorläufigen Rahmenbedin- gungen sahen dabei wie folgt aus: Warmwassererzeugung über Fernwärme wurde nicht berücksichtigt Betrachtet wurde nur die Fernwärmentwicklung im Haushaltssektor Variabler Kostenanteil bei den Stadtwerken Flensburg 30 %. Fixkostenanteil 70 %, der zu 45 % durch das Heizkraftwerk und zu 55 % durch das Fernwärmenetz verursacht wird. Berechnung in realen Werten von 2010, also ohne Inflation Bei den ermittelten Fernwärmekosten handelt es sich um eine erste vorläufige Berech- nung, welche die Größenordnung der künftigen Preise darstellt. Eine genaue Berechnung unter Berücksichtigung der Entwicklungen in den anderen Sektoren und dem Warmwas- serbedarf erfolgt sobald alle relevanten Daten vorliegen. 0 25.000 50.000 75.000 100.000 125.000 150.000 175.000 200.000 225.000 0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 300.000 350.000 400.000 450.000 500.000 550.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 tCO2/aMWh/a Biomethan Erdgas Biomasse EBS Kohle CO2-Emissionen Anhang A: Workshop Dokumentationen 303 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG In Abbildung 107 ist die Entwicklung der Fernwärmekosten gesamt, der Fixkosten und der variablen Kosten dargestellt. Der Fernwärmepreis für das Jahr 2010 wurde zu einem Wert von ca. 60 € die MWhth ermittelt. Aufgrund der Umstellung der Energieträger und des Rückgangs beim Fernwärmebedarf werden die spezifischen Fernwärmekosten bis zum Jahr 2050 auf ca. 130 € die MWhth steigen. Im Ergebnis heißt das, dass sich die absoluten Fernwärmekosten bei Gebäuden, in denen nicht in die energetische Sanierung investiert wird, mehr als verdoppeln. Wird hingegen von einer Senkung des Energieverbrauches von 40 % bis zum Jahr 2050 ausgegangen, so entspricht dies einer absoluten Steigerung der Fernwärmekosten um durchschnittlich ca. 30 %. Aus der Abbildung 107 ist weiterhin zu entnehmen, dass die Preissteigerung der Energie- träger und die Umstellung auf erneuerbare Brennstoffe die variablen Fernwärmekosten von 20 auf 60 € die MWhth anhebt. Die Preissteigerung der Energieträger macht dabei et- was mehr als die Hälfte aus. Der Rückgang der Fernwärme wird im gleichen Zeitraum zu einer spezifischen Kostensteigerung von 30 € pro MWhth führen. ABBILDUNG 107 - ENTWICKLUNG DER FERNWÄRMEKOSTEN 9.11.4.7 Kosten energetischer Gebäudesanierungen In dem ersten Workshop mit der Wohnungswirtschaft wurden die Kosten für die energeti- sche Gebäudesanierung in Flensburg ermittelt. Auf Grundlage dieser Daten wurden die Kosten der unterschiedlichen energetischen Sanierungen für die einzelnen Gebäudeal- tersklassen ermittelt und optimale Standards berechnet. Die kostenoptimalen Dämmstan- dards liegen bei ungefähr 180 mm für die oberste Geschossdecke und den Außenwän- 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 110 120 130 140 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 Euro/MWh Summe fixe und variable Kosten Fixkosten Variable Kosten 304 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg den. In den folgenden Tabellen sind die technischen Gebäudedaten und die bauteilspe- zifischen Kosten ausgewiesen. ANHABEN ZU ENERGETISCHEN KENNZAHLEN UND KOSTEN VERSCHIEDENER BAUTEILE Dämm- stärke [mm] WLG U-Wert [W/m2] Wärme- durch- gang [W/K] kWh/m2 NF Kosten je m2 Bauteil Investiti- onskosten Beispiel- gebäude Oberste Geschoßdecke 120 0,03 0,23 113 7 42 € 21.057 € Außenwand 120 0,035 0,24 299 18 99 € 121.635 € Fenster n.a. n.a. 1,3 281 17 350 € 75.600 € Lüftung mit WRG n.a. n.a. n.a. n.a. n.a. n.a. 39.000 € Kellerdecke 65 0,025 0,29 145 9 42 € 20.763 € LÜFTUNGSSYSTEM Luftwechselzahl [h-1] 0,6 Wirkungsgrad WRG 50 % Fermwärme-Arbeitspreis [€/MWh] 50 ANGABEN ZUM DECKEN-, WAND- UND BODENAUFBAU Deckenaufbau Λ [W/mK] Dicke [mm] R [m2K/W] U [W/m2K] Luftübergang Warseite 0,17 Holzbohlen (Nadelholz) 0,13 20 0,154 Luftschicht (ruhend) 0,025 0,000 Wärmedämmung WLG 035 0,03 120 4,000 0,25 Betondecke 2,3 180 0,078 Wärmeübergang Kaltseite 0,040 Wandaufbau Λ [W/mK] Dicke [mm] R [m2K/W] U [W/m2K) Luftübergang Warmseite 0,17 Gipsputz 0,55 15 0,027 Kalksandstein DIN 106 0,56 260 0,464 Wärmedämmung WLG 035 0,035 120 3,429 Kunstharzputz 0,7 3 0,004 Luftübergang Kaltseite 0 0,24 Anhang A: Workshop Dokumentationen 305 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Bodenaufbau Λ [W/mK] Dicke [mm] R [m2K/W] U [W/m2K) Luftübergang Warmseite 0,17 Holzbohlen (Nadelholz) 0,13 20 0,154 Luftschicht (ruhend) 0,025 10 0,400 Wärmedämmung WLG 035 0,025 65 2,600 0,38 Betondecke 2,3 180 0,078 Wärmeübergang Kaltseite 0,040 Aus diesen Daten wurden die Einsparkosten in €/MWh berechnet. Hierfür wurden ein Soll- zins von 5 %, eine Kreditlaufzeit von 20 Jahren und eine Nutzungsdauer von 35 Jahren an- gesetzt. Diese Werte wurden seitens der Wohnungswirtschaft bestätigt. Ziel dieser Untersuchung war es, zu ermitteln, ob steigende Fernwärmepreise dazu führen können, dass die energetische Gebäudesanierung in großem Umfang wirtschaftlich wer- den könnte. Dies würde einen Kreislauf in Gang setzen, in dem eine höhere Anzahl an Sa- nierungen den Fernwärmepreis erhöhen würde und diese wiederum weiteren Sanierun- gen wirtschaftlich machen. In Abbildung 108 (S. 306) ist die Situation für das Jahr 2050 dar- gestellt. Die rosa Linie stellt den Fernwärmearbeitspreis für den Endkunden dar. Es zeigt sich, dass im Jahr 2050 ein Großteil der Maßnahmen im Bereich der energetischen Sanie- rung wirtschaftlich werden. Dieses setzt jedoch nicht den befürchteten Kreislauf in Gang. Die gezeigten Potentiale beziehen sich auf einen energetischen Gebäudestandard von 38 kWh/m²a. Nach den Einschätzungen der Workshopteilnehmer wird dieser Wert für die energetischen Sanierungen schon fast ab dem Jahr 2030 erreicht und ab dem Jahr 2040 unterschritten werden. Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass ein steigender Fernwärme- preis die energetische Gebäudesanierung aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht zu- sätzlich beschleunigen wird. 306 Anhang A: Workshop Dokumentationen INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG Universität Flensburg ABBILDUNG 108 - VERGLEICH DER SANIERUNGSKOSTEN ZUM FERNWÄRMEPREIS 9.11.4.8 Kostenentwicklung von Konkurrenzssystemen Neben der langfristigen Senkung des Fernwärmebedarfs darf bei der Betrachtung der Zu- kunftsfähigkeit der Fernwärme auch die Untersuchung von Konkurrenzsystemen im Hei- zungsbereich nicht außen vor gelassen werden. Hierzu wurden Ölheizungen, Holzpellet- Heizungen, Wärmepumpen und Gasheizungen auf Basis von Biomethan für Ein- und Mehr- familienhäuser untersucht. Auf Grund der höheren Fixkosten und der Kostendegression größerer Anlagen lassen sich Heizungssysteme in Mehrfamilienhäusern kostengünstiger be- treiben als in Einfamilienhäusern. In Abbildung 109 (S. 307) sind die verschiedenen Heizungssysteme mit den Vollkosten im zeitlichen Verlauf gegenübergestellt. Es zeigt sich, dass bis zum Jahr 2030 die Fernwärme die kostengünstigste Versorgungsmöglichkeit darstellt. Erst danach werden Wärmepum- pen im Bereich der Mehrfamilienhäuser interessant und bleiben bis zum Jahr 2050 eine erstzunehmende Konkurrenz. Um die CO2-Neutralität zu gewährleisten, müssten die Wär- mepumpen mit Öko-Strom betrieben werden. Ab dem Jahr 2045 werden Wärmepumpen zudem auch für Einfamilienhausbesitzer interessant. In dem gleichen Zeitraum werden ebenfalls Gasheizungen mit Biomethan für Mehrfamilienhäuser im Vergleich zur Fernwär- me wirtschaftlich. 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 0 20 40 60 80 100 120 140 160 0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 E in s p a r- K o s te n [ € /M W h ] Anhang A: Workshop Dokumentationen 307 Universität Flensburg INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FLENSBURG ABBILDUNG 109 - VERGLEICH UNTERSCHIEDLICHER HEIZUNGSSYSTEME In welcher Größenordnung Wärmepumpen in einer Stadt wie Flensburg überhaupt instal- liert werden können, ist derzeit noch nicht geklärt. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass Wärmepumpen vor allem bei Neubauten interessant sind. Durch niedrige Heizwassertemperaturen (T
-
File type
- application/pdf
-
Referenced at
-