Verantwortlich

Prof. Dr. Matthias Becker

Tel.:
+49 511 76217215
becker-TextEinschliesslichBindestricheBitteEntfernen-@ibm.uni-hannover.de
Institut für Berufswissenschaften der Metalltechnik

Laufzeit

01.12.2011 - 30.05.2012

Projektpartner*innen

  • Institut Technik und Bildung (ITB), Universität Bremen, Prof. Dr. Georg Spöttl

Institution der EUF

Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (biat)

Finanzierung

Bundesinstitut für Berufsbildung

Entwicklungsprojekt 3.2.303


Qualifizierungsinitiativen für die Elektromobilität im Kfz-Sektor

Quele

Zielgruppenbezogene Untersuchung des Qualifizierungsangebotes für die Elektromobilität im Kfz-Sektor

Stichworte

Elektromobilität, Qualifizierung, BIBB

Beschreibung

Zielsetzung des Projekts ist die systematische Analyse und Darstellung des aktuellen Stands der Qualifizierungsangebote für die Elektromobilität im Kfz-Sektor. 

Seit dem Jahr 2008 sind eine ganze Reihe von Projektinitiativen gestartet worden (vgl. Becker 2010, S. 163), die neben technologischen Entwicklungen vor allem auch Qualifizierungsinitiativen vorantreiben. Die starke Diversifizierung und Ausrichtungsvielfalt der Projekte, die sich (auch) mit Qualifizierungsfragen befassen, haben zur Folge, dass Qualifizierungsinitiativen und konkrete Qualifizierungsangebote entstehen, ohne dass Qualifikationsbedarfe systematisch ermittelt wurden. Qualifikationsbedarfe werden eher aus der Perspektive von Interessensvertretungen und der Technologieentwicklung heraus definiert. Qualifikationsangebote werden dadurch oft im Sinne von 1:1-Entitäten auf den Markt gebracht (vgl. Becker 2011). Die Arbeitsgruppe 6 der Nationalen Plattform Elektromobilität widmet sich den Fragen der akademischen und beruflichen Bildung in diesem Kontext und entwickelt Handlungsempfehlungen für die verschiedenen Akteure und Branchen. Ungeachtet dessen entwickeln diese Akteure und Branchen selbst Schulungsangebote, so dass ein Angebotsmarkt (anstatt ein Nachfragemarkt und ein strukturell durchdachtes Aus- und Weiterbildungssystem) entsteht, der durch verschiedene Maßnahmen Nachfrage erzeugt. Hierzu gehört unter anderem das Aufmerksam machen auf Arbeitssicherheitsaspekte. Hier entwickeln  insbesondere die Berufsgenossenschaften Vorschriften für das Arbeiten mit der Hochvolttechnik und verbinden diese mit Qualifizierungskonzepten, die von Herstellern, Zulieferern, Akademien, den technischen Überwachungsorganisationen, den Kammern und berufsbildenden Schulen aufgegriffen und in Schulungsangebote umgesetzt werden.

Diese Situation gibt Anlass, eine Untersuchung des entstehenden Qualifikationsangebotes im Sinne eines "Screenings" durchzuführen und eine Untersuchung des Qualifikationsbedarfes auf der Seite der Nachfrager vorzubereiten.

Zentrale Forschungsfragen

  • Welche Akteure bieten Qualifizierungsangebote für die Elektromobilität an?
  • Wie werden diese Angebote angenommen?
  • Welche Konzeptionen  und welche Inhalte dominieren bei den derzeitigen Angeboten?
  • Welche Rolle spielen die derzeitigen Arbeitsanforderungen im Kfz-Handwerk und in der Fahrzeugproduktion für die Konzeption von Qualifizierungsangeboten?
  • Für welche Zielgruppen werden Qualifizierungsangebote erarbeitet?
  • Welche Rolle spielen Arbeitsschutz und berufsgenossenschaftliche Vorschriften für die Konzeptionen von Qualifizierungsangeboten?
  • Welche Ausstattungs- und Medienkonzepte werden für Qualifizierungsmaßnahmen für die Elektromobilität eingesetzt?
  • Wie sind Ausbilder und Dozenten qualifiziert?
  • Welche Entwicklungen sind bei Qualifizierungsinitiativen erkennbar und welchen Einfluss haben die derzeitigen Entwicklungen auf Berufsstrukturen und das institutionalisierte Erstausbildungs- und Weiterbildungssystem?

Forschungsdesign

Die Untersuchung des Qualifikationsangebotes für die Elektromobilität wird in Form eines "Screenings" durchgeführt. Dieses Screening umfasst die zielgruppenbezogene Recherche nach und Abfrage von Qualifizierungsangeboten bei Bildungsanbietern, die im Bereich der Aus- und Weiterbildung tätig sind.

Die Angebote werden in einer Online-Umfrage und durch Web-Analysen recherchiert und anschließend mittels beschreibender Statistik sowie mit Hilfe von Dokumentenanalysen nach Merkmalen strukturiert, die eine Diskussion zur Strukturierung unter Berücksichtigung des Aus- und Weiterbildungssystems in der beruflichen Bildung erlaubt (Screening). Sie wird eingeschränkt auf Qualifizierungsinitiativen für den Kfz-Sektor, der hier als Sammelbegriff für die betroffenen fahrzeugtechnischen Berufe für die Produktion sowie für den Service im Handwerk einschließlich der dort im IHK-Bereich tätigen Betriebe definiert wird.

Methodisch wird die Untersuchung als desktop-study angelegt:

  1. Erhebung der derzeitigen Schulungen zugrunde liegenden Untersuchungen bzw. Qualifizierungsbedarfsanalysen und Vorschriften;
  2. Erhebung der Qualifizierungsinitiativen (Projekte);
  3. Erhebung der Schulungsangebote differenziert nach Anbietern und Zielgruppen;
  4. Inhaltsanalyse der Angebote (Dokumentenanalyse);
  5. Identifizierung von Merkmalen und Aufbereitung der Erkenntnisse.

Die Quellenanalysen werden durch Internetrecherchen, ein Angebotsscreening unter den potenziellen Anbietern (Fahrzeughersteller, Zulieferer, Kammern, Verbände, Akademien) und durch Expertengespräche umgesetzt. Ein Schwerpunkt bildet dabei eine Betrachtung der Tragfähigkeit der Angebote für das Kfz-Handwerk im Gesamtsystem der beruflichen Bildung.

Ergebnis

Zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass derzeit ein Angebotsmarkt entsteht, der den Kfz-Sektor mit Qualifizierungsangeboten versorgt, ohne dass zuvor Qualifikationsbedarfe systematisch ermittelt worden wären. Im Zentrum aller Konzepte steht die Sicherstellung der Arbeitssicherheit im Umgang mit der Hochvolttechnik auf der Grundlage der berufsgenossenschaftlichen Informationsschrift "Qualifizierung für Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen" (BGI/GUV-I 8686). Es wird eine präventive Qualifizierung mit Hilfe von (kostenpflichtigen) Schulungen und Kursen betrieben. Eine systematische und integrative Implementation in der Berufsausbildung ist nicht zu erkennen. Die im Jahr 2012 begonnene Neuordnung des Ausbildungsberufes Kfz-Mechatroniker/in sieht die Berücksichtigung der Elektromobilität in einem eigenen Schwerpunkt "Hochvolttechnik und vernetzte Fahrzeugsysteme" vor. Die Inhalte dieses Schwerpunktes sind allerdings typische Querschnittstechnologien, die für das gesamte Berufsbild relevant sind, wenn sich die Elektromobilität zu einem Massenmarkt entwickelt.

Der Abschlussbericht zur Untersuchung steht auf den Internetseiten des BIBB bereit.

Literatur:

Becker, M.; Spöttl, G. (2012): Qualifizierungsinitiativen für die Elektromobilität im Kfz-Sektor (QuEle). Bonn: BIBB.

Becker, M. (2011): Vom Kfz-Mechatroniker zum Elektrofahrzeug-Mechatroniker – Erste Erkenntnisse zum Qualifikationsbedarf aus Untersuchungen zur Facharbeit an elektrifizierten Fahrzeugen. In: Schwenger, U.; Howe, F.; Vollmer, Th.; Hartmann, M.; Reichwein, W. (Hrsg.): Fachtagung Elektrotechnik-Informatik und Metalltechnik. Online:, bwp@ Spezial 5 – Hochschultage Berufliche Bildung 2011, Fachtagung 8.

Becker, M. (2010): Elektromobilität und Beruf. In: lernen & lehren. Wolfenbüttel: Heckner, Heft 100, 25. Jg., S. 162–167.