Forschung

Die Forschung am Friesischen Seminar umfasst alle Themen der Frisistik, setzt aber gewisse Schwerpunkte auf sprachwissenschaftliche Themen. Alle WissenschaftlerInnen am Seminar sind Mitglieder des Flensburger Zentrums für kleine und regionale Sprachen (KURS); darüber hinaus bestehen enge Kontakte mit dem Nordfriisk Instituut in Bredstedt, der Friesischen Philologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, der Friese taal- en letterkunde an der Rijksuniversiteit Groningen, sowie dem Historical Sociolinguistics Network (HiSoN, Sitz derzeit in Salzburg, Brüssel und Flensburg).

Derzeit arbeiten wir an folgenden Projekten:

Effektivität von Sprachenpolitik

Von März 2018 bis September 2019 fördert das Smithsonian Center for Folklife and Cultural Heritage ein Forschungsprojekt (SMiLE) zur Effektivität nordfriesischer Sprachenpolitik. In diesem Projekt arbeiten die Flensburger WissenschaftlerInnen Femmy Admiraal, Temmo Bosse, Nils Langer und Lena Terhart mit den KollegInnen Antje Arfsten und Thomas Steensen vom Nordfriisk Instituut zusammen, um zu ermitteln, welche Rolle sprachpolitische Maßnahmen wie Schulunterricht auf den Gebrauch und die Wahrnehmung des Nordfriesischen gespielt hat. Das Smithsonian fördert in diesem Zusammenhang sechs weitere Projekte zu anderen europäischen Minderheitensprachen.

Minderheitensprachen und Identität in der Diaspora

Wie entwickelt sich eine Minderheitensprache in der Diaspora? Mit dieser Kernfrage beschäftigt sich Robert Kleih an der Europa-Universität in Flensburg. In seiner Dissertation untersucht er, wie sich die nordfriesische Sprache und Kultur in den USA bis heute bewahrt und entwickelt hat. Zwischen den 1840er Jahren und 1966 wanderten mehrere tausend Nordfriesen (allen voran Föhrer und Amrumer) nach Amerika aus und suchten ihr Glück in der Neuen Welt. Dabei waren die Zentren der Auswanderung Petaluma in Kalifornien, der Mittlere Westen und der Großraum New York und bis heute finden sich in diesen Gebieten eine Menge Amerikaner mit nordfriesischen Wurzeln und Verbindungen nach Nordfriesland. Dazu werden mittels eines Fragebogens und Interviews Daten erhoben, mit denen nordfriesische community in den USA beschrieben werden kann. Die Ergebnisse dieser beiden Datenerhebungen werden dann weiteren Fallstudien aus dem Bereich der Diaspora- und Migrationsforschung gegenübergestellt. So wird  einem interdisziplinären Ansatz Rechung getragen, theoretischen Überlegungen aus den Bereichen der Kultur-, Sozial- und Sprachwissenschaft kommen zum Tragen.
Hier geht’s zum Fragebogen

Historische Dialektologie und nordfriesische Daten

Friesischer Wenkerbogen aus Klanxbüll

Temmo Bosse untersucht im Rahmen seiner Dissertation, die an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel betreut wird, von welcher Qualität die Daten historischer Dialekterhebungen des Nordfriesischen sind. Konkret geht es dabei um die im Zuge von Georg Wenkers großangelegter Befragung für den Sprachatlas des Deutschen Reiches erhobenen Materialien in friesischer Sprache. Diese sogenannten friesischen Wenkermaterialien stellen zwar nur einen sehr geringen Anteil innerhalb der gesamten Spracherhebung im damaligen Deutschen Reich dar, in Nordfriesland hat es jedoch nie eine engmaschigere Untersuchung der Sprache gegeben. Die Materialien stammen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, aus dem späten 19. Jahrhundert. Sie sind seitdem in der frisistischen Forschung kaum berücksichtigt worden, da sie für eine lange Zeit nur schwer zugänglich waren und zudem im Ruf standen, unzuverlässig zu sein. Dabei handelt es sich um mehr als siebzig Formulare aus dreiundsechzig Ortspunkten in Nordfriesland (sowie sechs weiteren aus dem Saterland und von Wangerooge). Auf diesen Fragebögen wurden von den jeweiligen örtlichen Volksschullehrern die vierzig bekannten sogenannten Wenkersätze in der jeweiligen friesischen Dorfmundart niedergeschrieben. Auch heute bereits ausgestorbene Dialekte der nord- und ostfriesischen Sprache sind darunter vertreten. Im Zuge des Forschungsprojekts sollen diese historischen Dialektdaten zugänglich gemacht, exemplarisch untersucht und bewertet werden.

Soziale Medien und der Gebrauch des Nordfriesischen

Das Dissertationsprojekt von Hauke Heyen befasst sich mit nordfriesischer Sprache in digitaler Kommunikation in Diensten wie WhatsApp, Facebook und Twitter. Die allgegenwärtige Verfügbarkeit dieser Dienste erlaubt nicht nur eine Kommunikation mit Menschen direkt neben einem oder am anderen Ende der Welt, sondern liefert auch eine große Datenbasis der gegenwärtigen Alltagssprache. Ein Ziel dieses Projekts ist die Erstellung eines Korpus, mit dem die gegenwärtige nordfriesische Sprache abseits von lektorierten Texten untersucht werden kann. Zudem soll analysiert werden, wie die SprecherInnen mit Hindernissen in der digitalen Kommunikation umgehen, die oft vor allem kleine und regionale Sprachen betreffen (neben der offensichtlichen eingeschränkten Reichweite sind das oftmals eine fehlende oder eingeschränkte Schreibtradition und technische Hürden wie zum Beispiel eine "verschlimmbessernde" Autokorrektur).