Studierenden-Tagung zum Forschenden Lernen am 12.9.19

Aufbau:

  • Einführung in Forschendes Lernen an der Europa-Universität Flensburg
  • Vorstellung der Workshopangebote am Nachmittag
  • Beratung zu Fragestellungen im Kontext der Forschungsaufgabe zum Forschenden Lernen

Mittagspause (es wird ein kleiner Imbiss angeboten)

  • Workshops I (alle Angebote (bis auf Jäkel: Analysing Classroom Discourse) werden einmal wiederholt)
  • Workshops II

Termin

12.09.2019, 09.00-15.00 Uhr

Anmeldeschluss

01.09.2019

Maximale Teilnehmerzahl

80 (bei einer höheren Nachfrage: Warteliste)

Voraussetzungen

Studierende im dritten Mastersemester für das Lehramt an Grundschulen, Gemeinschaftsschulen und Sekundarschulen/Gymnasien.

Leitung

Dr. Jens Winkel

ReferentInnen

Prof. Dr. Volker Müller-Benedict (ZML), Prof. Dr. Marion Pollmanns /Rahel Hünig (Schulpädagogik), Dr. Dominique Rosenberg (Chemie), Dr. Nils Steffensen/Michael Christiansen/Isabell  Kasztelan (Geschichte), Prof. Dr. Olaf Jäkel (Englisch), Dr. Jens Winkel (ZfL).

Zur Einführung

Das Forschende Lernen wird in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung an der Europa-Universität Flensburg sowohl in Seminaren als auch in schulpraktischen Ausbildungskontexten realisiert. Innerhalb des Praxissemesters stellt das Forschende Lernen ein zentrales Konzept dar, auf dessen Basis Studierende Arbeiten anfertigen.

Im Rahmen des Workshops sollen Kenntnisse vertieft werden, um das Forschende Lernen planen, beurteilen und organisieren zu können. Es wird sich hierzu in der kleinen Tagung mit der Einbettung des Forschenden Lernens in das Praxissemester, mit der Entwicklung von Fragestellungen und mit der Auswahl von Forschungsmethoden beschäftigt. Weiter werden Forschungsmethoden vorgestellt, die für das Forschende Lernen generell und im fachbezogenen Kontext gut genutzt werden können. Neu ist in diesem Jahr das Angebot durch die KollegInnen aus der Fachdidaktik. Herzlichen Dank dafür!

Sie werden in Grundlagen für das Forschende Lernen in der EUF eingeführt, arbeiten in Kleingruppen an Ihren Fragestellungen und in den Workshops an (unter Anderem fachbezogenen) Methoden für das Forschendes Lernen im Praxissemester.

Workshops

(Beschreibungen von den beteiligten Kolleginnen und Kollegen)

Analysing Classroom Discourse: Forschungsaufgaben als Action Research durch Diskursanalyse selbsterhobenen Sprachmaterials (Olaf Jäkel)

Aus Sicht des Fachs Englisch soll hier eine Art prototypische Vorgehensweise vorgestellt werden, die durchaus Empfehlungscharakter hat: Vorgeschlagen wird eine studentische Action Research eines eigenen Unterrichtsversuchs, untersuchbar prinzipiell mit Methodenmix, aber schwerpunktmäßig durch gezielte Diskursanalyse von authentischem Classroom English, basierend auf Dokumentation und Transkription. Dies erlaubt eine Vielfalt individueller Themen und Fragestellungen, von Fehler- und Spracharbeit, über den zielgerichteten Einsatz von Songs, Stories oder Ritualen, bis hin zu Methoden wie TPR (Total Physical Response) oder dem Handpuppeneinsatz. Auch individuelle Unterrichtsversuche mit Bili/CLIL (Content and Language Integrated Learning) -Ansätzen oder spezielle Forschungsinteressen wie Binnendifferenzierung oder inklusives Unterrichten finden in diesem Rahmen ihren Platz.

Wenngleich die Unterrichtssprache im Fremdsprachenunterricht von ganz besonderer Bedeutung ist, da sie zugleich Medium und Lerninhalt des Unterrichts darstellt, ist das sprachbewusste Unterrichten in letzter Zeit auch in anderen Schulfächern ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Daher sind auch Studierende anderer Fächer gern zur Teilnahme eingeladen.

Die in diesem Workshop vorgestellten Hauptaspekte des Vorgehens lassen sich durch folgende fünf Fragen beleuchten: (1) Warum Classroom English? (2) Was bedeutet die Korpuserstellung? (3) Warum Diskursanalyse? (4) Was kann Methodenmix bedeuten? (5) Warum Action Research?

Quantitative Forschungsmethoden, Schwerpunkt Auswertung (Volker Müller-Benedict)

In diesem Workshop lernen Sie hauptsächlich, wie Sie mit als Zahlen erhobenen Daten , z.B. aus Fragebögen, weiter verfahren können, um damit zu Antworten auf Ihre Forschungsfragen zu kommen. Gearbeitet wird mit EXCEL und evtl. auch mit SPSS, das in allen EDV-Räumen der EUF verfügbar ist.

  • Am Anfang wird eine kleine Lerneinheit stehen, dort wird der Weg vom Finden einer Forschungsfrage zu den zu erhebenden Daten besprochen
  • Dann folgt die Prozedur der Dateneingabe und der Datenbearbeitung
  • Weiter geht es zur Standardauswertung: Häufigkeiten, Kennwerte
    Zuletzt ein bisschen Statistik, die z.B. benötigt wird, um mit den Daten Vergleiche, z.B. zwischen Mädchen und Jungen oder zwischen zwei Klassen, beurteilen zu können, oder Effektstärken, z.B. wie groß Lernunterschiede sind, berechnet werden können

Zur Motivation und möglichen Vorbereitung möchte ich auf mein "Manual für die Praxisforschung" verweisen, das vielfach z.B. auch in der EULE vorhanden ist.

Arbeit mit der Objektiven Hermeneutik: Rekonstruktionen schulischer Wirklichkeit anhand ihrer eigenen Dokumente (Marion Pollmanns/Rahel Hünig)

Die rekonstruktive Methode der Objektiven Hermeneutik eignet sich zur Analyse von Dokumenten, die in der schulischen Wirklichkeit vorfindlich sind. Eine Erhebung im engeren Sinne, d.h. das Anfertigen von Forschungsdaten, ist nicht unbedingt nötig, ja, gilt eher als Notlösung, wenn keine "natürlichen" Protokolle existieren, die sich zur Beantwortung einer bestimmten Forschungsfrage eignen würden.

Insofern will der Workshop den Blick auf das im Feld der Schule Vorfindliche lenken und aufzeigen, zu welchen erziehungswissenschaftlichen Fragen eine Analyse dieser Protokolle Aufschluss geben könnte. Gemeint sind z.B. Arbeitsblätter, Tafelanschriebe, Schülernotizen, Klassenregeln, jede Art von Aushang, Schulprogramm, Schulhomepage. Über diese bereits vorliegenden Dokumente schulischer Wirklichkeit hinaus, soll auch die Möglichkeit der Protokollierung schulischen Unterrichts über Audioaufzeichnungen für objektiv-hermeneutische Forschungsvorhaben vorgestellt werden.

Mit der Methode der OH geht es darum, latente Sinnstrukturen der "pädagogischen Logik" dieser Protokolle schulischer Wirklichkeit rekonstruktiv zu erschließen, weil diese nicht einfach offen zu Tage liegt und den Beteiligten auch nicht derart bewusst ist, dass sie diese ohne Weiteres benennen können. Ziel des Workshops ist es, die methodologischen Prämissen, entsprechende Dokumentationsmöglichkeiten bzw. Formen der Erhebung wie auch das Interpretationsverfahren der OH anhand konkreter Beispiele vorzustellen, um darauf aufbauend mit den Studierenden zu erarbeiten, ob und wie sie ihre Forschungsfrage(n) mit Blick auf welche konkreten Dokumente beziehen könnten, bzw. welche Dokumente sich zur Beantwortung welcher Fragen inwiefern eignen könnten.

Die Methode des Fragebogens – Einsatzmöglichkeiten und Beispiele aus den Naturwissenschaftsdidaktiken (Dominique Rosenberg)

Im Rahmen des Praxissemesters stehen Fragen zum Lernen von Schülerinnen und Schüler häufig im Mittelpunkt des Interesses. Dabei können sowohl kognitive Faktoren (z.B. das Vorwissen oder Schülervorstellungen) als auch affektive Faktoren (z.B. das Interesse der Schülerinnen und Schüler oder Selbstwirksamkeitserwartungen) Gegenstand der Untersuchung sein. Gerne finden Fragebögen im Rahmen solcher Forschungsaufgaben ihren Einsatz, gelten diese doch häufig als gut handhabbar sowie als schnell und leicht auszuwerten. Doch ist dieses so? In dem Workshop soll auf die Methodik des Fragebogens anhand von Beispielen aus den Naturwissenschaftsdidaktiken eingegangen werden. Dabei werden in diesem Kontext Fragen zu Einsatzmöglichkeiten, Erarbeitung und Auswertung von Fragebögen betrachtet und kritisch reflektiert.

Herangehensweisen an Forschendes Lernen aus der Perspektive von Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik (Nils Steffensen/Michael Christiansen)

Die Modellierung einer Forschungsfrage, deren Ziel der Gewinn von Professionswissen und die Fortentwicklung der Lehrfähigkeit ist, hängt von den individuellen Kenntnissen und (Praxis-)Erfahrungen in Zusammenhang mit fachdidaktischen Themenkomplexen sowie den Rahmenbedingungen des Praxissemesters ab. 

Vor diesem Hintergrund verfolgt der von der Fachdidaktik Geschichte konzipierte Workshop das Ziel, dieses Beziehungsgefüge zu analysieren, um den Studierenden ein Instrumentarium zu vermitteln, das ihnen ermöglicht, in Kenntnis der Gegebenheiten an ihrer Praktikumsschule zügig ihr persönliches Thema für die Forschungsfrage eigenständig zu konstruieren. Im Mittelpunkt stehen

  1. die Kategorien möglicher geschichtsdidaktischer Untersuchungsgegenstände,
  2. die daraus abzuleitenden Untersuchungsgegenstände selbst sowie deren Perspektivierung,
  3. die Bestimmung einer dem Thema, den eigenen Kompetenzen sowie der Geschichtswissenschaft/Geschichtsfachdidaktik adäquaten Methodik.

An konkreten Beispielen soll das Zusammenspiel dieser Aspekte illustriert und erarbeitet werden.

Die Studierenden können dabei auch konkrete Ideen für eine Forschungsaufgabe entwickeln oder bereits anvisierte Ansätze überprüfen und zur Diskussion stellen.

Der Workshop spricht primär die Studierenden der Geschichtswissenschaft an, steht aber auch Angehörigen anderer Disziplinen offen.

Das problemzentrierte Interview (Jens Winkel)

Das problemzentrierten Interview als offenes, halbstrukturiertes Verfahren ermöglicht es dem Interviewer, den Interviewten annähernd frei zu Wort kommen zu lassen. Allerdings sorgt der Interviewer dafür, das Thema oder die Problemstellung des Interviews im Blick zu behalten, in dem er immer wieder auf den Fokus des Interviews zurückkommt. Das Interview wird durch die Verwendung eines Leitfadens teilweise standardisiert, was die Vergleichbarkeit und Auswertung mehrerer Interviews sowie die Bearbeitung größerer Datenmengen erleichtert.

In dem Workshop soll die Erhebungsmethode des problemzentrierten Interviews vorgestellt werden. Der sinnvolle Einsatz der Erhebungsmethode im Kontext der Rahmenbedingungen des Praxissemesters wird anhand von Merkmalen des Problemzentrierten Interviews erläutert und Grenzen dieser Erhebungsmethode thematisiert.