Diskursraum „Professionalisierung angehender Lehrpersonen“

Als ZfL möchten wir die inneruniversitäre Diskussion über Fragen der Lehrerbildung befördern, indem wir Gelegenheit bieten, dass alle, die an der Europa-Universität Flensburg Lehrerbildung betreiben, über entsprechende Themen ins Gespräch kommen.

Dazu initiieren wir einen Diskursraum mit dem

Rahmenthema "Professionalisierung angehender Lehrpersonen".

Wir laden Sie ein, aus Ihrer Sicht interessante Personen vorzuschlagen,
die wir für einen Vortrag nach Flensburg bitten sollen!

Inhaltliche Erläuterung des Rahmenthemas

Die Frage, was eine Lehrerbildung leisten muss, erscheint keinesfalls unstrittig. Entsprechend umstritten ist, welchen Beitrag das Studium an der Universität dazu leisten soll. Vielfach wird die Aufgabe, vor der angehende, aber ggf. auch bereits im Beruf tätige Lehrpersonen stehen, mit dem Begriff der Professionalisierung gefasst (vgl. Combe/ Helsper 1996; Baumert/ Kunter 2006; Helsper 2007). Er hat sich in der Erziehungswissenschaft bzw. Schulpädagogik etabliert und wird zunehmend auch in den Fachdidaktiken genutzt. Als Kehrseite seiner Durchsetzung erscheint es dabei, dass mit ihm zuweilen lediglich ein Qualitätsanspruch reklamiert wird, welcher sich auf kein Modell des Zum-Lehrer-Werdens stützt.

Im Rahmen der Vortragsreihe möchten wir daher Gelegenheit bieten, die Substanz der Rede von der Professionalisierung zu prüfen.

Das Thema kann dazu auf verschiedene Weisen beleuchtet werden:

  • Denkbar sind eher theoretische Beiträge, die Bedingungen der Professionalisierung thematisieren. Hier könnten bspw. verschiedene kursierende Konzepte der Professionalisierung verglichen und diskutiert werden.
  • Auch erwünscht sind Berichte über Befunde empirischer Studien, mit welchen Prozesse der Professionalisierung von Lehrpersonen untersucht wurden. Dies kann sich auf Entwicklungen während des Studiums, des Referendariats, aber auch in der Praxis des Lehrberufs oder im Rahmen von Fort- und Weiterbildung beziehen.
  • Ebenso erscheint es produktiv, dass innovative Lehrkonzeptionen vorgestellt werden, die dem Anspruch der Professionalisierung in der universitären Lehre zu entsprechen versuchen. Ein Fokus könnte dabei sein, wie das anhängige Theorie-Praxis-Problem mit ihnen bearbeitet wird.

Zu all diesen – sowie zu weiteren denkbaren Aspekten – sind Beiträge aus fachdidaktischer Perspektive ebenso willkommen wie solche aus erziehungs- bzw. bildungswissenschaftlicher Perspektive.

Literatur:

Baumert, Jürgen/ Kunter, Mareike (2006): Stichwort: Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 9. Jg., Heft 4, S. 469-520.

Combe, Arno/ Helsper, Werner (1996): Pädagogische Professionalität. Untersuchungen zum Typus pädagogischen Handelns. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Helsper, Werner (2007): Eine Antwort auf Jürgen Baumerts und Mareike Kunters Kritik am strukturtheoretischen Professionsansatz. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 10. Jg., Heft 4, S. 567-579.

Geplant ist, dass die vorschlagende Person im Rahmen der Veranstaltung einführend erläutert, warum ihr die Position der eingeladenen Kollegin bzw. des eingeladenen Kollegen interessant erscheint.

Die Moderation der ca. zweistündigen Termine übernimmt das ZfL, welches ebenfalls anfallende Kosten für die Reise und Unterbringung der auswärtigen Vortragenden trägt.

Entsprechende Vorschläge – oder auch Nachfragen – richten Sie bitte an Marion Pollmanns (marion.pollmanns-TextEinschliesslichBindestricheBitteEntfernen-@uni-flensburg.de).

Aktuelle Veranstaltung

Prof. Dr. Martin Rothland (Siegen)

"Theorie und Praxis - Einheitsmythen im Lehrerbildungsdiskurs"

eingeladen durch Dr. Ina Biederbeck/Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung (ZFL)

Mittwoch, 05. Dezember 2018, 18:00 Uhr, Raum Hel 067

Abstract: Die traditionsreiche Rede vom Theorie-Praxis-Problem in der Lehrerbildung suggeriert, dass aufgrund einer zu beklagenden fehlenden Verbindung, eines Bruchs oder einer Kluft eine Vermittlung und Einheitsstiftung zwischen Wissenschaft bzw. hier dem wissenschaftlichen Studium in der ersten Phase der Lehrerbildung und der Berufspraxis der (angehenden) Lehrerinnen und Lehrer erforderlich sei. Die Steigerung der Praxisrelevanz und die Stärkung des Praxisbezugs als Normen der Lehrerbildung gelten im Lehrerbildungsdiskurs als Korrektive der verbreitet identifizierten negativen Konsequenzen einer vollzogenen Verwissenschaftlichung. 

In der ersten Phase der Lehrerbildung findet die Steigerung des Praxisbezugs ihre konkrete Umsetzung im Ausbau schulpraktischer Studienanteile, die aktuell in der verbreiteten Etablierung eines Praxissemesters ihren bisherigen Höhepunkt feiert. Von diesem wird nicht allein eine Verbesserung der Praxisnähe und -relevanz der akademischen Lehrerbildung erwartet, sondern nichts Geringeres als die nun endlich (besser) gelingende Integration von Theorie und Praxis, die Lösung des Theorie-Praxis-Problems.

Geht es darum, der Terminologie des Lehrerbildungsdiskurses folgend, Theorie und Praxis zu "vermitteln", so ist damit vor allem gemeint, das wissenschaftliches Wissen (Lehrerbildungswissen als "Ausbildungswissen") und berufspraktisches Wissen sowie Handeln verbunden werden sollen. Die Theorie-Praxis-Thematik erscheint so als Kombination der in der Wissensverwendungsforschung bearbeiteten Verwendungszusammenhänge von wissenschaftlichem Wissen einerseits und der in der Wissensforschung im Fokus stehenden Frage nach der Wissensbasis der Lehrkräfte für die Berufsausübung als professionell Handelnden andererseits. 

Im Vortrag wird (1.) die Programmatik zum Praxissemester zum Anlass genommen, nach (2.) einer Vorbemerkung zur Verwendung der Begriffe Theorie und Praxis, (3.) Vermittlungskonzepte von Wissenschaft, universitärem Studium und (vorzubereitender) Berufspraxis im aktuellen Lehrerbildungsdiskurs unter besonderer Berücksichtigung der Praxisphasen zu rekonstruieren. Die Vermittlungskonzepte werden dabei vor dem genannten zweifachen Hintergrund der Wissensverwendungsforschung und der Wissensforschung beleuchtet. Anschließend erfolgt (4.) die Ergänzung von Theorie-Praxis-Relationierungen jenseits des Lehrerbildungsdiskurses sowie der Verweis auf zentrale Differenzmerkmale von Wissenschaft und Berufspraxis. Bilanzierend werden (5.) zentrale Problemlagen des Lehrerbildungsdiskurses zur Diskussion gestellt, die unter dem Brennglas der Programmatik eines Praxissemesters (erneut) besonders hervortreten.

Zurückliegende Veranstaltungen

Prof. Dr. Martin Heinrich (Bielefeld):

"Zwischen den Systemen - inklusive Schulentwicklung und Lehrerprofessionalisierung"

eingeladen durch Prof. Dr. Jürgen Budde/ Abteilung Schulpädagogik

Dienstag, 27.03.2018, 14-16 Uhr, HEL 065

Prof. Dr. Uwe Hericks (Marburg):

"Entwicklungsaufgaben im Berufseinstieg von Lehrerinnen und Lehrern
– theoretische und empirische Perspektiven"

eingeladen durch Prof. Dr. Marion Pollmanns/ Abteilung Schulpädagogik

Donnerstag, 26.04.2018, 18-20 Uhr, HEL 065

Dass der Berufseinstieg eine anspruchsvolle und für die weitere professionelle Entwicklung von Lehrpersonen besonders wichtige Berufsphase darstellt, ist in der Professionsforschung weitgehend unbestritten. Der Berufseinstieg stellt Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer, die in ihrer Erlebnisqualität, Komplexität und Dynamik in der Ausbildung nicht vorweggenommen werden können. Sie müssen als Herausforderungen wahrgenommen und in beanspruchenden Prozessen bearbeitet werden, um sich als Lehrperson (weiter) zu professionalisieren. Im Vortrag werden berufsbiographische Theorieansätze zur Beschreibung der stattfindenden Prozesse sowie neue empirische Befunde aus einem jüngst abgeschlossenen DFG-Projekt zum Berufseinstieg vorgestellt.

Katrin Kleinschmidt (Köln):

"Professionelle Kompetenz von Lehrpersonen – ein Blick auf sprachliches Lehrerhandeln"

eingeladen durch Prof. Dr. Johanna Fay/ Seminar für Germanistik

Donnerstag, 29.06.2017, 18-20 Uhr, HEL 164

Im Vortrag wird das in der bisherigen deutschdidaktischen Lehrerforschung vernachlässigte Forschungsfeld des genuin sprachlichen Lehrerhandelns in den Blick genommen. Dabei soll es insbesondere um die Frage gehen, inwiefern die Sprache, die Lehrpersonen selbst an ihre Schüler/-innen richten, als förderlich für den Erwerb der im Unterricht geforderten Sprache angesehen werden kann. Solche potentiell spracherwerbsförderlichen Aspekte der Lehrer/-innensprache sollen als Bestandteil der "professionellen Handlungskompetenz" (Baumert/Kunter 2006) von Lehrpersonen interpretiert werden.

Prof. Dr. Jan Erhorn (Osnabrück):

"Fallarbeit in der Sportlehrkräftebildung. Herausforderungen – Potentiale – Forschungsperspektiven"

 eingeladen durch Prof. Dr. Jürgen Schwier/ Abteilung Sportwissenschaft

 Montag, 12.06.2017, 18-20 Uhr, HEL 063

Die Professionalisierung der Sportlehrkräftebildung stellt eine zentrale Herausforderung für die sportdidaktische Lehre und Forschung dar.
Ausgehend von der Annahme, dass professionelle Kompetenzen auf motivationalen Orientierungen und spezifischen Wissensbeständen basieren, die situationsadäquat in unterrichtliches Handeln überführt werden müssen, was die Fähigkeiten der Wahrnehmung und Interpretation der Situation und der Entscheidungsfindung mit einschließt (vgl. Blömeke, Gustafson und Shavelson 2015), wird in dem Vortrag den Fragen nachgegangen, wie solche professionellen Kompetenzen ermittelt und im Rahmen der ersten Phase der Sportlehrkräftebildung vermittelt werden können.