Verantwortlich

Laufzeit

01.04.2018 - 31.03.2021

Projektmitarbeitende

Institutionen der EUF

Finanzierung

Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).


ViContact - Erstgespräche bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch – Professionalisierung von Lehramtsstudierenden durch Übung in virtuellen Szenen

Kinder und Jugendliche verbringen einen Großteil ihrer Zeit in der Schule, wo neben Bildungs- auch Erziehungsprozesse stattfinden und soziale Beziehungen sowohl zu Mitschülern als auch zum pädagogischen Personal geknüpft werden. Mit dem Entstehen von Vertrauensbeziehungen zu Lehrkräften stellen diese auch potentielle Ansprechpartner für Schülerinnen und Schüler dar, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Zudem können bei Lehrpersonen im Umgang mit ihren Schülern auch Verdachtsmomente auf sexuellen Missbrauch auftreten, die Anlass für Gespräche im pädagogischen Alltag sein können. Nicht nur auf Grund ihres Erziehungsauftrags und ihres pädagogischen Ethos, sondern auch auf Grund einer gesetzlichen Vorgabe zum Schutz des Kindeswohls (§4 KKG) sind Lehrkräfte verpflichtet, aktiv zu dessen Schutz beizutragen.

Stichworte

ViContact, sexuell, Missbrauch, virtuell

Beschreibung

Das Ziel des geplanten Forschungsvorhabens ist es, angehende Lehrkräfte in einem Training auf diesen Erstkontakt vorzubereiten, ihnen relevantes Wissen, vor allem aber Handlungsmöglichkeiten zu vermitteln, sodass sie nicht wegschauen, schweigen oder irreversible Schäden anrichten. Neben der Vermittlung von Wissensbeständen bspw. zu Risiko- und Schutzfaktoren oder zu rechtlichen Grundlagen (Psychoedukation) soll der Schwerpunkt des zu konzipierenden Trainings auf den Erstgesprächen mit potentiell von sexuellem Missbrauch Betroffenen liegen, indem neben handlungsrelevantem Wissen auch konkrete feedbackgestützte Übungsmöglichkeiten unter Einsatz von virtuellen Realitäten (VR) angeboten werden. Dabei geht es um das Aufgreifen von Gesprächsangeboten, um die angemessene Gesprächsführung, die korrekte anschließende Gesprächsdokumentation und um das Einleiten von konkreten Maßnahmen zum Schutz des Kindeswohls. Angehende Lehrkräfte können so erstmals handelnd in Situationen lernen, die im Schulalltag nicht häufig geübt werden können, aber zum Schutz des Kindeswohls im Ernstfall unaufgeregt und mit großer Handlungssicherheit gemeistert werden müssen.

Im Flensburger Teilvorhaben wird das zu konzipierende Trainingsprogramm in Zusammenarbeit mit den Verbundpartnern in Berlin und Göttingen unter Einbezug eines Fachbeirates erstellt und mit ca. 200 Lehramtsstudierenden durchgeführt und evaluiert werden. Die entwickelten und evaluierten Materialien werden für die Weiterentwicklung und die Nutzung durch Fachkräfte zur Verfügung gestellt. Das Projekt will damit einen Beitrag zur Professionalisierung von Lehrkräften für dieses Fachgebiet leisten.

Das Projekt ist Teil eines Verbundvorhabens mit Prof. Dr. Renate Volbert (Psychologische Hochschule Berlin) und Prof. Dr. Jürgen L. Müller (Georg August Universität Göttingen, Schwerpunktprofessur für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie), die Verbundleitung liegt bei Dr. Simone Pülschen.

Im Flensburger Teilprojekt besteht eine Kooperation mit dem Beratungszentrum des Studentenwerks Schleswig-Holstein und dem Fachbereich Polizei der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleitung Altenholz.