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SUMMARY:Call for Contributions: Klima gekippt?!
DESCRIPTION:Am 30. und 31.03.2026 wird die Frühjahrstagung der Sektion Um
 welt- und Nachhaltigkeitssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziol
 ogie (DGS) unter dem Titel „Klima gekippt?! Umkämpfte Transformation, G
 reenlash und (Post-)Apokalypse“ an der Goethe-Universität Frankfurt am 
 Main stattfinden.Organisiert wird die Tagung von Maria Backhouse (Universi
 tät Augsburg), Hauke Dannemann und Dennis Eversberg (Goethe-Universität 
 Frankfurt am Main), Matthias Schmelzer (Europa-Universität Flensburg) und
  Bernd Sommer (TU Dortmund).&nbsp;Der Call zur Tagung folgt unten. Deadlin
 e für Einreichungen ist der 15. Dezember 2025.Wir freuen uns auf spannend
 e Beitragsvorschläge!Zum Call Frühjahrtagung DGS-Sektion Umwelt- und Nac
 hhaltigkeitssoziologie.Bauernproteste, Rückabwicklung klima- und umweltpo
 litischer Weichenstellungen auf nationaler und EU-Ebene, überraschend sch
 nell sinkende Kennzahlen beim Umweltbewusstsein, stark nachlassende Zustim
 mung zu klimapolitischen Maßnahmen in der Bevölkerung und ein nicht nur 
 in den USA aggressiv betriebenes Revival fossiler Energien im Zeichen neue
 r geopolitischer Spannungen – angesichts der auf unterschiedlichen Ebene
 n eskalierenden Krisendynamik scheint das Klima nicht nur aus erdsystemwis
 senschaftlicher Perspektive, sondern auch sozial in mehrfacher Hinsichten 
 gekippt.&nbsp;Am deutlichsten zeigt sich dies, erstens, daran, dass das Th
 ema Klima von der politisch-öffentlichen Agenda&nbsp;verdrängt wird. Nic
 ht mehr nur randständige Akteure oder organisierte Interessengruppen, son
 dern der Mainstream von Politik und Öffentlichkeit verabschiedet sich akt
 uell von global vereinbarten Nachhaltigkeitszielen. Stattdessen tritt um s
 o entschiedener das Festhalten an der gegebenen Lebensweise in den Vorderg
 rund. Angesichts eskalierender wirtschaftlicher, sozialer und politischer 
 Krisen rückt die Sicherung von Wohlstand und „Stabilität“ und die Wi
 ederherstellung von Wachstumsdynamik ganz nach vorne auf der Prioritätenl
 iste von Politik, Wirtschaft und großen Teilen der Bevölkerung. Nicht me
 hr globale Koordination und Kooperation im Namen von Nachhaltigkeit und ö
 kologischer Transformation, sondern Alleingänge zur Wahrung von Eigeninte
 ressen im Namen von Souveränität, Sicherheit und Resilienz stehen zunehm
 end im Vordergrund.&nbsp;Infolgedessen kippt, zweitens, das politisch-gese
 llschaftliche Klima&nbsp;gegen jene Akteure und Agenden, die weiterhin fü
 r Nachhaltigkeit und Klimaschutz eintreten. Ein gesellschaftlicher Umbau i
 n Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz wird immer weniger als Zukunftsv
 ersprechen oder notwendige Antwort auf die Krise verstanden, sondern zuneh
 mend als Zumutung oder gar Bedrohung wahrgenommen. Es entsteht ein neuer V
 erteidigungskonsens gegen Nachhaltigkeitspolitik, der weit über das autor
 itäre Parteien- und Wähler:innenspektrum hinausreicht. Die Klimabewegung
 , proökologische politische Akteure und auch die Nachhaltigkeits- und Tra
 nsformationsforschung sehen sich vermehrt mit Anfeindungen konfrontiert –
  und dies nicht nur durch oppositionelle Strömungen, die die Legitimität
  einer Nachhaltigkeits- und Transformationsagenda aggressiv infrage stelle
 n, sondern vermehrt durch zentrale Akteure innerhalb demokratischer Instit
 utionen, die sich darin durch breite gesellschaftliche Rückendeckung legi
 timiert sehen. In den USA betreibt die Trump-Administration beispielsweise
  eine „Anti-Klimapolitik“ und bekämpft und sanktioniert entsprechende
  Maßnahmen aktiv.&nbsp;Dies ist umso erklärungsbedürftiger, da sich, dr
 ittens, Folgen planetarer Veränderungen wie der Klimawandel zusehends in 
 allen Weltregionen deutlich sichtbar und spürbar manifestieren. Die auch 
 für Klimaforscher:innen überraschend schnellen Veränderungen in den akt
 uellen Klimadaten machen deutlich: Das physische Kippen zentraler Paramete
 r des Erdsystems ist keine abstrakte Zukunftsgefahr mehr, sondern bereits 
 Gegenwart. Die kaum noch zu verhindernde, ja mit großer Wahrscheinlichkei
 t bereits eintretende Überschreitung planetarer Kipppunkte wirft die Scha
 tten eines umfassenden sozial-ökologischen Kontrollverlusts voraus. Promi
 nente Stimmen in der Soziologie sowie der Klimabewegung ziehen daraus den 
 Schluss, es sei vorbei mit sozial-ökologischen Transformationsvorhaben un
 d gehe jetzt im Sinne einer neuen Bescheidenheit (Adler) eher um Anpassung
  oder Resilienz (Beckert, Blühdorn) und Prepping (Müller).Die Frühjahrs
 tagung 2026 der DGS-Sektion Umwelt- und Nachhaltigkeitssoziologie widmet s
 ich den grundsätzlichen und dringlichen Fragen, die sich uns als Teildisz
 iplin angesichts dieser Dynamiken stellen. Wir laden herzlich zur Einreich
 ung von Beiträgen ein, die eine erste Standortbestimmung versuchen und di
 e sich dabei insbesondere an den folgenden Leitfragen orientieren können:
 Welche Formen nimmt das Kippen der Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit v
 on der politisch-öffentlichen Agenda in Deutschland und weltweit an&nbsp;
 und wie lässt sich dieses erklären? Welche kognitiven, affektiven und/od
 er praktischen Entproblematisierungs-, Verdrängungs- und Verblindungsstra
 tegien werden hierfür in Anschlag gebracht?Wie manifestieren sich Anfeind
 ungen&nbsp;gegenüber Nachhaltigkeits- und Transformationsagenden und -akt
 euren in Deutschland, der EU oder im globalen Vergleich? Wie gehen anti-ö
 kologische Impulse über bekannte Formen von Leugnung, Verzögerung, Verwä
 sserung und Vereinnahmung von Transformationsnotwendigkeiten und -forderun
 gen hinaus? Ist der beobachtbare anti-ökologische Groll Teil eines Syndro
 ms bzw. in welchem Verhältnis steht er zu misogynen bzw. antifeministisch
 en Ressentiments, Fremdenfeindlichkeit und Nativismus sowie Verschwörungs
 erzählungen und anderen wissenschaftsfeindlichen Gegen-Epistemologien? Wi
 e kann erklärt werden, warum diese Anfeindungen weltweit breitenwirksam w
 erden?Welche sozialen Konsequenzen zeitigt das Überschreiten von Kipppunk
 ten des Erdsystems? Werden Geoengineering, CCS, technokratische Anpassung 
 und Resilienz, Prepping und post-apokalyptische Mobilisierung nun zunehmen
 d zu den vorherrschenden Antworten, die gesellschaftlich noch als tragfäh
 ig gelten? Wie werden diese Ansätze in unterschiedlichen Gesellschaften u
 nd Gruppen diskutiert? Wie wirken sie sich auf die bestehenden globalen so
 zialen Ungleichheiten aus oder rekonfigurieren diese neu?Welche Wechselwir
 kungen ergeben sich zwischen den drei benannten Dimensionen&nbsp;eines kip
 penden Klimas, und wie lassen sich diese erklären? Welche neuen (anti-)ö
 kologischen Allianzen entstehen, in welche veränderten gesellschaftlichen
  Konfliktkonstellationen mündet das? Inwiefern werden durch diese Verschi
 ebungen etablierte Grundannahmen der Umwelt- und Nachhaltigkeitssoziologie
  grundsätzlich in Frage gestellt und müssen neu bestimmt oder überdacht
  werden?Welche Ansätze des Widerstands und welche Konturen neuartiger Geg
 enstrategien gegen solche Tendenzen lassen sich beobachten?&nbsp;Welche Ha
 ndlungsoptionen bieten sich für Betroffene in Partei- und Bewegungspoliti
 k, Verwaltung und Transformationsforschung, auf Anfeindungen und auf die v
 eränderte allgemeine Stimmungslage zu reagieren? Inwiefern entstehen neue
  sozial-ökologische Allianzen und emanzipatorische Widerständigkeiten vo
 n der lokalen bis zur globalen Ebene? Welche Rolle spielt die Umwelt- und 
 Nachhaltigkeitsforschung und wir selbst als Forscher:innen in und gegenüb
 er diesem Geschehen?&nbsp;Wie verstehen wir unsere wissenschaftliche Beoba
 chter.innenposition, und wie gehen wir mit unserer nolens volens involvier
 ten, als Partei in die Konfliktlage verstrickten Rolle um? Wie werden die 
 Konflikte um die Widersprüche der ökologischen Modernisierungsstrategien
  zwischen konträren Positionen zur sozial-ökologischen Transformation vo
 r dem Hintergrund des aktuellen ‚Greenlash‘ verhandelt? Und nicht zule
 tzt: Wie hat die Umwelt- und Nachhaltigkeitssoziologie, wie auch die Nachh
 altigkeitsforschung insgesamt, durch ihre eigenen Praktiken und (zu) lange
  unhinterfragten Selbstverständlichkeiten womöglich selbst zu den Prozes
 sen beigetragen, die zum jetzigen „Kippen“ geführt haben?&nbsp;Wir fr
 euen uns auf rege Beteiligung an der Tagung und auf die Zusendung sowohl t
 heoretisch-konzeptioneller als auch empirischer Beitragsvorschläge. Abstr
 acts mit max. 300 Wörtern Umfang bitte bis zum 15. Dezember 2025 an:umwel
 tsoziologie@uni-frankfurt.deVeranstalter*innen: Maria Backhouse (Universit
 ät Augsburg), Hauke Dannemann und Dennis Eversberg (Goethe-Universität F
 rankfurt am Main), Matthias Schmelzer (Europa-Universität Flensburg) und 
 Bernd Sommer (TU Dortmund)
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