DAAD University Dialogue with the Islamic World - Business ethics with the example of a sustainable textile production in Jordan and Uzbekistan

Mitte März 2018. Wir machen uns auf zur nächsten Station: Jordanien

Usbekistan und Deutschland  liegen bereits hinter uns; einer gewachsenen Projektgruppe von ca. 24 Studierenden und 12 Dozierenden aus drei Ländern, interdisziplinär verbunden aus den Bereichen Ökonomie, Ästhetik und Textil sowie Inklusion und Sonderpädagogik. 

Das Projekt verortet sich im Programm ‚Hochschuldialog mit der islamischen Welt 2017‘ des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Es stellt zum einen die generelle interkulturelle Diskussion wie auch interkulturell ethisches Handeln in der Wirtschaft am Beispiel von Textilwerkstätten in Usbekistan, Jordanien und Deutschland in den Mittelpunkt. Das Projekt zielt darauf ab, die Studierenden aus den unterschiedlichen Bereichen zusammenzuführen und in den Dialog zu bringen. Kulturelle Unterschiede können so wahrgenommen, erkannt und im Kontext ökonomischer und textil-ästhetischer Studien diskutiert werden. Über wirtschaftsethische Aspekte werden die Integration ethischer Prinzipien wie Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit im wirtschaftlichen Handeln für die teilnehmenden Kulturen untersucht, hinterfragt und deren Möglichkeiten der Implementation diskutiert.

Teilnehmende Partner des auf drei Jahre angelegten Projektes sind 
die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden/Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, 
die Plekhanov University Taschkent (Usbekistan)/Wirtschaftsfakultät, 
die Namangan State University (Usbekistan)/ Fakultät für Applied and Visual Arts,
die German Jordanian University (Jordanien),
die Europa-Universität Flensburg/Institut für Ästhetisch-Kulturelle Bildung: Textil + Mode und
die Europa-Universität Flensburg/Institut für Sonderpädagogik: Inklusion und pädagogische Entwicklungsförderung.

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Die erste Projektstation im März 2017 Usbekistan thematisierte insbesondere die interkulturelle Praxis der textilen Oberflächengestaltung mit ihren ornamentalen und symbolischen Darstellungen am Beispiel der Suzani. Im Vordergrund standen Recherchen zu islamisch tradierten Symbolen und Textilien in der aktuellen textilen Praxis. Außerdem wurden in den handwerklichen und familiären wie auch in industriellen Betrieben Informationen zu ökonomischen Themen gesammelt. Die Studierenden der textilen Fächer erlernten in Workshops mit Handwerker_innen unterschiedliche Sticktechniken und erfuhren die Bedeutungszuschreibung von Mustern und Symbolen.

Die heterogenen Arbeitsgruppen setzten sich im weiteren Prozess zum einen mit ethischem Wirtschaften in unterschiedlichen kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Werkstatt- und Marktkontexten auseinander, zum anderen entwickelten sie Ideen für die Implementierung wirtschaftlicher Standards in den universitären Modulen. In Gesprächen mit Handwerker_innen und Arbeiter_innen vor Ort erfragten sie wirtschaftliche Grundsätze und diskutierten diese anhand ihrer eigenen Vorstellungen.

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Im Dezember 2017 traf sich die gesamte Projektgruppe in Dresden, um erste Zwischenergebnisse zu präsentieren, sich auszutauschen und weitere Vorgehensweisen zu besprechen. 

Der wirtschaftswissenschaftliche Teil der Gruppe befasste sich mit den facettenreichen Problemen und Chancen globalen Handelns und entwickelte Fragestellungen zu Fallstudien in den Bereichen Produktentwicklung, Arbeitsmotivation, Arbeitssicherheit und Abfallmanagement. 

Die Textilstudierenden präsentierten eigene Prototypen und Musterentwürfe, die vor dem Hintergrund der gelernten Techniken und Bedeutungen und wirtschaftsethischer Aspekte entwickelt wurden. 

Ein Beispiel der textilen Prototypen ist die Arbeit von Lisa Lützen (Bild). Ausgangspunkt ihrer Überlegungen war die ökologische Katastrophe des Aralsees, die auch mit ökonomischen Interessen begründet werden kann. Lisa entwarf ein Muster, dass das Wasservolumen des Aralsees in unterschiedlichen Zeitabschnitten abbildet. Das Mandala ähnliche Muster orientiert sich stark an den Zentralornamenten der Suzani und greift u. a. das typische Wellenmuster auf. Das Zentrum des Kreisornamentes bildet das heutige Wasservolumen des Sees, das zudem farblich unterstützt wird.


Andere Entwürfe von Flensburger Studentinnen basierten auf der Idee, die großflächigen Musterungen der Suzani auf verschiedenste Art und Weise ‚aufzubrechen‘, die Farbgebung drastisch zu reduzieren und die Technik des Stickens mit verschiedenen Drucktechniken zu verbinden. Als weiteres Verbindungselement zum traditionellen Handwerk, wurden die Schnitte für die verschiedenen Kleidungsstücke ausschließlich aus Rechtecken, der typischen Form der Suzani, entwickelt. 

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Im März 2018 folgte ein Besuch in Jordanien. Die vor Ort gewonnenen ökonomischen, wirtschaftsethischen und ästhetischen Erkenntnisse flossen in die bestehenden Arbeitsprozesse ein und wurden vor diesem Hintergrund in den Teams diskutiert. 

Die Textilgruppe erhielt durch Gespräche mit Weberinnen und Stickerinnen neue Eindrücke, verglich sie mit den bislang gesammelten Daten und diskutierte diese im Bezug auf die entstandenen Prototypen. 

In dieser Projektstation hat sich eine wertschätzende und kritische Diskussionskultur entwickelt, die unterschiedliche Perspektiven und Zielsetzungen auf das Projekt zulässt. Der interkulturelle Dialog wird dabei von Prof’in. Dr. Kirsten Diehl begleitet und evaluiert. Im bisherigen Projektverlauf standen der informelle Austausch, der an Projektthemen sowohl in kleineren Arbeitsgruppen wie auch in der Gesamtgruppe orientierte Dialog und das soziale Miteinander bei kulturbezogenen Ausflügen im Mittelpunkt des Begegnungsprozesses. Bislang ließen sich positive und intensiver werdende interkulturelle als auch interdisziplinäre Entwicklungsprozesse erkennen. Diese wurden ständig in Bezug auf unterschiedliche Themen austariert und diskutiert. Alle Beteiligten zeigten dabei großes Engagement. Der interkulturelle Dialog erfolgte in Arbeitsprozessen ausschließlich in englischer Sprache, z. T. auch mit Übersetzungsunterstützung. In informellen Gesprächen wurde gern auch in der jeweiligen Landessprache kommuniziert, hier lässt sich beobachten, dass die Teilnehmer_innen zunehmend Englisch sprechen.

Das im November 2018 stattfindende Präsentations-, Arbeits- und Planungstreffen in Dresden bereitet auf die nächsten eineinhalb Jahre vor. Arbeitsschwerpunkte sind Möglichkeiten der Vermarktung der Prototypen und deren Evaluation sowie die Erstellung eines Booklets, das die gewonnenen Ergebnisse des interkulturellen Dialoges um wirtschaftliches Handeln in der Textilproduktion dokumentiert.

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Sustainability in textile practice: Intercultural dialogue with traditional symbols in contemporary design

Tire, Türkei

Traditionelle und zeitgenössische Filzprodukte (2015/2016)

Dritte Station unseres vom DAAD geförderten Projektvorhabens ist die Region um Tire in der Westtürkei. Wolle und Seide gehören hier zu den bevorzugten textilen Rohstoffen, die im Handwerk weiter verarbeitet werden. Insbesondere gefilzte Teppiche, Sitzkissen und Fußmatten werden für den lokalen Markt hergestellt. In Kombination mit Seide entstehen Schals, Tuniken und Bekleidungsaccessoires für den touristischen Markt.

Unser Vorhaben zielt auf der einen Seite auf eine innovative und kreative Weiterentwicklung der textilen Handwerkstraditionen vor Ort. Wir erkunden die textilen Arbeitsweisen und das Angebot an handwerklichen Produkten der Region, um auf dieser Basis Produktinnovationen anzustreben. Auf der anderen Seite beobachten wir unsere interkulturell zusammengesetzten Projektteams in deren kooperativer Praxis. Wir erproben Bedingungskontexte, unter denen unterschiedliche Handlungsstrategien und Arbeitsroutinen im kreativen Zusammenwirken zu Innovationen in Richtung auf Produktentwicklung wie auf ökonomische Strategien führen können.

Marrakesch, Marokko

Berber Bags: Stickereien auf Leder (2013)

Marrakesch ist die zweite Station des DAAD geförderte Projektvorhaben "Sustainability in textile practice: Intercultural dialogue with traditional symbols in contemporary design".  Hier ist die Abury-Foundation tätig, die das traditionelle Handwerk des Stickens auf Leder in seiner ‚Regeneration‘ unterstützt. Historische Berber-Taschen, die in Sammlungen und im Antiquitätenhandel zu finden sind,  waren Ausgangspunkt für diese Stiftung, die Kenntnisse ihrer Fertigung neu zu ‚beleben‘. Alte und gebrauchte Taschen wurden restauriert, indem das Leder neu gefärbt, abgenutzte Stickereien erneuert oder Verschlüsse ersetzt wurden. Über die Restauration können die traditionellen textilen Fertigkeiten wieder geübt und im Fortgang auf Abänderungen der Taschen übertragen werden, bis auch Neuanfertigungen möglich werden.  

Studierende der Universitäten Flensburg und Istanbul recherchieren hierzu die traditionelle Ornamentik und vor Ort die Praxis der regionalen Lederverarbeitung und Oberflächengestaltung.  Auf dieser Basis werden traditionelle Lederprodukte nachgestaltet, zeitgenössische Produkte werden entworfen und neue Prototypen entwickelt. Neben den Feldstudien finden in Marrakesch die Objektpräsentationen statt.

Kastamonu, Türkei

Traditionelle Stickerei (2012)

Das vom DAAD geförderte Projektvorhaben "Sustainability in textile practice: Intercultural dialogue with traditional symbols in contemporary design"  finanziert aus Mitteln des Auswärtigen Amtes (AA) hat eine Laufzeit von drei Jahren. Eine erste Station mit Workshop und Feldstudien fand im Oktober 2012 in Kastamonu (türkische Schwarzmeer-Region) statt. Im Fokus steht der interkulturelle Dialog im Tandem.