Besondere Persönlichkeitsprofile Begabter in der Beratung

Ein zentrales Persönlichkeitsmerkmal kognitiv begabter Kinder und Jugendlicher liegt in ihrer weit überdurchschnittlich hohen Intelligenz. Entsprechend spielt in der schulischen Begabtenförderung die kognitive Förderung eine wichtige Rolle. Diese Förderung soll auch verhindern, dass aufgrund von Unterforderung Lern- und Leistungsschwierigkeiten auftreten.
Neben der hohen Intelligenz sind im Verlauf einer 100jährigen Forschungstradition weitere Persönlichkeitsmerkmale identifiziert worden, die für die Beschreibung der emotionalen Entwicklung begabter Personen besonders relevant sind, u.a. die besondere Intensität der Reizverarbeitung und eine hohe emotionale Sensibilität. Darüber hinaus wurde darauf hingewiesen, dass die soziale und emotionale Entwicklung nicht unbedingt ebenfalls überdurchschnittlich weit entwickelt sei. Diese Entwicklungsdiskrepanz wird als „asynchrone Entwicklung“ bezeichnet. Sie kann, ebenso wie eine hohe Sensibilität und Intensität, von Begabten als problematisch erlebt werden.
Der historischen Herleitung dieser Komponenten und der Handhabbarmachung für die Beratung von Eltern und Lehrkräften dient das damit umrissene Forschungsvorhaben.

Stichworte

Begabtenförderung, Beratung, sozio-emotionale Entwicklung, hohe Sensibilität, asynchrone Entwicklung,

Beschreibung

Während auf spezifische Lernbedürfnisse Begabter in der schulischen Begabtenförderung eingegangen wird, sind Kenntnisse über spezifische sozial-emotionale Bedürfnisse begabter Kinder und Jugendlicher weniger verbreitet. Die amerikanische Psychologin Linda Kreger Silverman hat auf der Grundlage klinischer Beobachtungen und empirischer Untersuchungen einen diagnostischen Eltern- und Lehrerfragebogen entwickelt, die "Characteristics of giftedness Scale (letzte überarbeitete Version von 1989) in dem neben kognitiven Fähigkeiten u.a. unterschiedliche Facetten von Intensität und Sensibilität erfasst werden.

Im Rahmen dieses Forschungsprojekts soll die Voraussetzung für eine wissenschaftlich belastbare und nachhaltige Verwendung einer deutschen Version des Fragebogens geschaffen werden. Ziel der Studie ist es, die in den "Scales" extrem knapp gefassten Merkmale für eine diagnostische Anwendbarkeit möglichst konkret zu fassen. Hierzu müssen sie jeweils auf ihre wissenschaftliche Grundlage zurückverfolgt werden. Deshalb soll mit philologisch-historischen Methoden freigelegt werden, welche Überlegungen zur Formulierung der Merkmale geführt haben. Im Folgeschritt geht es um eine Überprüfung, wie sich die Konzepte, die hinter den knapp formulierten "Merkmalen" der Listen stehen, in die aktuelle pädagogische Praxis einbauen lassen. Hierzu soll Eltern begabter Kinder (Mitgliedern der "Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind") und in der Begabtenförderung tätigen Lehrkräften eine deutsche Version des Fragebogens vorgelegt werden.

Die Studie bildet eine wesentliche Argumentationsbasis für den Bereich "Persönlichkeitsdiagnostik und Beratung von Lehrkräften und Eltern" innerhalb der geplanten Beratungsstelle, die gemeinsam mit Prof. Dr. Armin Castello und Dipl.-Psych. Torsten Joél aufgebaut wird (www.begabung-sh.de).