Professionalisierung von Lehrkräften in inklusiven Unterrichtssettings (PROLINC)

Die Veränderungen hin zu einem inklusiven Schulsystem machen es erforderlich, dass Lehrkräfte auf ihren Einsatz in inklusiven Unterrichtssettings vorbereitet bzw. weitergebildet werden. In diesem Zusammenhang ist es nicht nur Fachwissen, welches Lehrkräfte benötigen, um in inklusiven Unter-richtssettings erfolgreich zu arbeiten. Mittlerweise ist ebenso bekannt, dass auch die psychologischen Variablen Einstellung und Belastungserleben von Lehrkräften dazu beitragen, dass Inklusion gelingt. Die individuellen Bewältigungsstile der Lehrkräfte in die Weiterbildung einzubeziehen, ist die logische Konsequenz daraus.

Was bedeutet PROLINC ?

PROLINC ist ein speziell für Lehrkräfte konzipiertes Weiterbildungsprogramm, welches deren Professionalisierung fördert und dabei besonders folgende Aspekte in den Mittelpunkt stellt:

  • Kommunikation
  • Konfliktbewältigung
  • Stressreduktion
  • Werteklärung

Das manualisierte Training und zwei Evaluationsstudien finden Sie unter folgenden Publikationen:

Pülschen, S. (2016). Akzeptanz und Commitment in der inklusiven Lehrerausbildung. Lehrerprofessionalisierung über Persönlichkeitsbildung. Wiesbaden: Springer VS.

Pülschen, S. & Pülschen, D. (2015). Preparation for teacher collaboration in inclusive classrooms – stress reduction for special education students via acceptance and commitment training: A controlled study. Journal of Molecular Psychiatry, 3 (8). DOI: 10.1186/s40303-015-0015-3

Aus wieviel Teilmodulen besteht PROLINC und was beeinhalten die Module ?

PROLINC besteht aus drei Teilmodulen und beinhaltet neben Psychoedukation auch Elemente aus dem Bereich der Verhaltenstherapie. Techniken, die im Rahmen des Kommunikations- und Konfliktlösetraining vermittelt werden, werden mit Hilfe von Videofeedback reflektiert. PROLINC zielt darauf ab, Lehrkräfte zu unterstützen, Probleme zu bewältigen und gleichzeitig das zu verfolgen, was ihnen in ihrem (Berufs-) Leben wirklich am Herzen liegt. Durch einen veränderten Umgang mit komplizierten Erlebnissen im Berufsalltag und den daraus resultierenden belastenden Gefühlen und Gedanken soll eine Neuorientierung und engagiertes Handeln gefördert werden. Darauf aufbauend arbeiten wir auf der Grundlage der modernen Verhaltenstherapie der "dritten Welle" an der Verbesserung von Kommunikation und Konfliktlösung, sodass die kooperative Kompetenz der Lehrkräfte gesteigert wird:

  • Modul 1: Veränderter Umgang mit belastenden Erlebnissen im Schulalltag auf der Grundlage von ACT (Akzeptanz- und Commitmenttraining)
  • Modul 2: Werteorientiertes engagiertes Handeln ebenfalls auf der Grundlage von ACT
  • Modul 3: Kommunikation und Konfliktmanagement mit kollegialem und videogestütztem Feedback.


Die Wirksamkeit von ACT-basierten Trainingsprogrammen zur Stressreduktion im Berufsalltag ist bereits empirisch belegt*. In den letzten Jahren wurde besonders im englischen Sprachraum mit pädagogischem Personal gearbeitet, die in sonderpädagogischen oder inklusiven Unterrichtssettings tätig sind. Dort hat sich sowohl die Akzeptanz als auch die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme bestätigt. Es hat sich gezeigt, dass sich das subjektive Belastungsempfinden der Teilnehmer deutlich reduziert hat und auch negative Gedankenmuster, die mit Burnout in Verbindung gebracht werden weniger häufig auftraten. Ebenfalls verbessert hat sich das psychische Wohlbefinden der Teilnehmer. Eine eigene Studie hat gezeigt, dass sich neben der Stressreduktion auch die kooperative Kompetenz angehender Sonderpädagogen gesteigert hat.

* Ein Überblick zu aktuellen Studien, die die Wirksamkeit von ACT im Rahmen von Stressreduktion an pädagogischen Arbeitsplätzen belegen:

Bethay, J. S., Wilson, K. G., Schnetzer, L. W., Nassar, S. L. & Bordieri, M. J. (2013). A Controlled Pilot Evaluation of Acceptance and Commitment Training for Intellectual Disability Staff. Mindfulness, 4 (2), 113–121.

Biglan, A., Layton, G. L., Jones, L. B., Hankins, M. & Rusby, J. C. (2012). The Value of Workshops on Psychological Flexibility for Early Childhood Special Education Staff. Topics in Early Childhood Special Education, 32 (4), 196–210.

Bond, Frank W.; Bunce, David (2003): The role of acceptance and job control in mental health, job satisfaction, and work perfomance. In: Journal of Applied Psychology (88), S. 1057–1067.

Noone, S. J.; Hastings, R. P. (2009): Building psychological resilience in support staff caring for people with intellectual disabilities: Pilot evaluation of an acceptance-based intervention. In: Journal of Intellectual Disabilities 13 (1), S. 43–53.

Kontaktaufnahme für interessierte Schulen

Schulen, die Interesse an einer Teilnahme haben, können Kontakt mit uns aufnehmen unter:

Europa-Universität Flensburg
Institut für Sonderpädagogik
Sonderpädagogische Psychologie
Frau Simone Pülschen (simone.puelschen@uni-flensburg.de), Tel.:+0049 461-805-2476