DFG-Projekt zur Schulprogrammarbeit: Innere Schulreform durch Kriseninduktion?

Laufzeit: 01.01.2002 - 31.12.2003

Projektleitung: Prof. Dr. Marion Pollmanns

Inhalt: 

Die Analyse aktueller Entwicklungen der Schule fokussieren wir auf die Bemühungen zur inneren Schulreform. Bundesweit ist derzeit im öffentlichen Schulsystem die wohl größte Reforminitiative der letzten Jahrzehnte zu verzeichnen. Sie erfolgt weitgehend ohne eine empirisch angelegte Forschung. Die administrativ gewünschte und vielerorts sogar verordnete "Schulprogrammarbeit" ist ein Reforminstrument, das im ganzen Schulsystem Deutschlands Anwendung finden soll: Die Schulen sind dazu aufgefordert, ein Schulprogramm zu schreiben, und sollen dadurch in eine produktive "Krise" geraten, durch die sie sich in ihrer pädagogischen Arbeit neu bestimmen. Initiiert werden soll so eine Reform der sonst in Routinen festgefahrenen Einzelschulen.

In diesem Zusammenhang reagiert unser Projekt auf ein zentrales schultheoretisches Wissensdefizit: Über das Verhältnis von Intention und Wirkung einer solchen Reformstrategie existieren kaum empirische Untersuchungen. Das ist umso verwunderlicher, als mit vergleichbaren Instrumenten im In- und Ausland schon über viele Jahre Erfahrungen gemacht wurden. Strukturanalysen aus empirischen Beobachtungen von Schulen liegen bislang nicht vor.

Das von der DFG geförderte Forschungsprojekt zielt auf die Bestimmung von akteursabhängigen Bedingungen des Gelingens und Scheiterns des Reformimpulses "Schulprogrammarbeit". Es richtet seinen Blick daher nicht nur auf die Einzelschulen, sondern auf alle Beteiligten, angefangen bei den Initiatoren des Prozesses, den jeweiligen Kultusministerien. Beantwortet werden soll damit die schultheoretisch interessante Frage, welche Faktoren für die innere Reform von Einzelschulen wie für das öffentliche Schulsystem insgesamt ausschlaggebend sind.

Mittels des Reforminstrumentes der Schulprogrammarbeit soll in den Schulen ein neues Bewusstsein der Verantwortung für die pädagogische Arbeit gestiftet, das jeweilige pädagogische Profil geschärft, betriebswirtschaftliche Rationalisierung eingeführt und ein neues Verhältnis zwischen Schulverwaltung und Schule begründet werden.

Die Schulprogrammarbeit zielt damit unmittelbar kritisch auf die Routinen aller Akteure im Schulsystem, d.h. versucht diese durch eine "Krise" zur Reflexion und zur Veränderung ihrer Praxis zu bewegen. Schulen etwa könnten verwundert nachfragen: "Wieso sollen wir ein ‚Schulprogramm’ schreiben? Wir haben doch von Montag bis Freitag ein ‚Programm’!?" Eine solche Nachfrage wäre angesichts der institutionellen Verfasstheit von Schule nicht unvernünftig, nährt diese doch systematisch betrachtet Zweifel an den Erfolgsaussichten der "Kriseninduktion": Die Erwartungen an die Wandlungsfähigkeit letztlich weiterhin direktiv gesteuerter und zentral verwalteter Systeme sind theoretisch ungedeckt.

Um hier schultheoretische Aussagen treffen zu können, zeichnen wir den Prozess der Schulprogrammarbeit empirisch nach: von den Verlautbarungen des Kultusministeriums über die Umsetzungen der Schulbehörden zu den Reaktionen der Schulleitungen und Kollegien. Am Ende kommen wir zu einer Typologie, die beschreibt, welche Reformstrategien bei welchen Schulen Aussicht auf welchen Erfolg haben.

Die Analyse aktueller Entwicklungen der Schule fokussieren wir auf die Bemühungen zur inneren Schulreform. Bundesweit ist derzeit im öffentlichen Schulsystem die wohl größte Reforminitiative der letzten Jahrzehnte zu verzeichnen. Sie erfolgt weitgehend oh

Laufzeit: 01.01.1999 - 31.12.2004

Projektleitung: Prof. Dr. Marion Pollmanns

Inhalt: Didaktik ist in doppelter Hinsicht kritikwürdig: Sie scheitert praktisch, weil es mit ihr im Unterricht nur unzureichend gelingt, die Lern- und Bildungsprozesse der SchülerInnen zu befördern. Und als Theorie ist Didaktik kritikwürdig, weil sie sich der Notwendigkeit ihres praktischen Scheiterns nicht systematisch annimmt, sondern immer neue Methoden für das vermeintliche Gelingen bereitstellt. Angesichts dieses Scheiterns didaktischer Praxis und dessen ungenügender Reflexion lässt sich von Alexander Kluge lernen.

Denn seine Vermittlungspraxen als Filmemacher und Autor gelingen, weil ihre "Didaktik" die Unverfügbarkeit derjenigen wahrt, denen etwas vermittelt werden soll: Kluge unterlässt es, die Vermittlung gemäß einer notwendig bloß unterstellten Aneignungslogik zu didaktisieren und bewahrt so die Adressaten seiner Fernsehsendungen und Texte davor, "Schüler" werden zu müssen; zugleich bewahrt er sich davor, Aneignungsprozesse prognostizieren, planen und anleiten zu müssen, also den Zuschauenden bzw. Lesenden vermeintlich bei dem zu helfen, über das er als "Lehrer" gar nicht verfügt.

Entsprechend fordert Kluge in seiner Theorie der Vermittlung, der "Eigensinn" der Rezipienten, der die individuelle Lebendigkeit ihrer Aneignungsweisen ausmache, dürfe vom Filmemacher bzw. Autor nicht überformt werden. Indem Kluge jedoch eine Allianz mit dem Eigensinn anstrebt und zugleich eine Methode entwickelt, wie diese Allianz herzustellen sei, holt er die Unverfügbarkeit der Eigensinne didaktisch ein.

In meiner Rekonstruktion zeige ich, wie sich Kluges Theorie der Vermittlung im Widerspruch zwischen dem Didaktischen und dem Eigensinn verfängt und somit der scheiternden Positivität didaktischer Theorie nicht entkommt. Seiner Vermittlungspraxis jedoch sind Hinweise darauf zu entnehmen, wie es praktisch möglich ist, das Uneinholbare zu wahren: zu vermitteln, ohne zu lehren.