Buchmessen als Räume kultureller und ökonomischer Verhandlung

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Kulturpolitische Strategien internationaler Buchmessen und ihrer Ehrengastländer

Das Forschungsprojekt untersucht Buchmessen als kulturpolitische, ästhetische und ökonomische Verhandlungsräume auf der Grundlage der gängigen Praxis der Messen, Länder, Regionen oder Städte als sog. Ehrengäste einzuladen. Um das Phänomen in vergleichender Perspektive erörtern zu können, wird der zunächst auf die Ehrengastländer Spanien, Mexiko und Deutschland beschränkte Projektfokus nunmehr auf Portugal und Frankreich bzw. die Frankophonie ausgeweitet. Anhand des institutionellen Schnittpunkts der wichtigsten internationalen Buchmessen in Spanien (Feria del Libro de Madrid und LIBER), Mexiko (FIL Guadalajara) und Deutschland (Frankfurter Buchmesse) – in der zweiten Projektphase zusätzlich in Argentinien (FIL Buenos Aires) sowie im anglophonen Raum (London Book Fair und LéaLA Los Angeles) – werden die Interferenzen der Buchmärkte und literarischen Felder der genannten Länder kartographiert und interpretiert. Auf der Grundlage von empirisch erhobenen Daten vergleicht das Projekt die multimedialen Selbstdarstellungen der jeweiligen Literaturen und Kulturen mit deren Wahrnehmung durch das lokale Publikum.

Das Projekt gliedert sich in vier verschiedene Teile, die sich an drei Forschungslinien orientieren. Diese betrachten das Phänomen internationaler Buchmessen als (A) soziopolitische, (B) ästhetische und (C) ökonomische Verhandlungsräume. Das erste Teilprojekt (Linie A) leistet eine sozialanthropologische Studie zu den Akteuren auf den spanischsprachigen Buchmärkten und untersucht deren institutionalisierte Austauschprozesse, Strategien zur Selbstdarstellung sowie Abhängigkeiten von der Politik im Kontext internationaler Buchmessen. Die zweite Projektlinie B betrachtet die ästhetische Dimension multimedialer Repräsentationen von Ehrengastländern (Pavillons, begleitende Ausstellungen und Retrospektiven, Theater und Musik, Imagefilme etc.). Das dritte Teilprojekt (Linie C) untersucht die verschiedenen Kulturförderungsinstrumente und Subventionsmaßnahmen (Übersetzungsförderungsprogramme, Übersetzerwerkstätten etc.) im internationalen Messe- und Gastlandkontext sowie die Strategien des Kultur- und Literaturmarketings durch offizielle Kulturinstitutionen und Verlage unter besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen solcher Programme auf die kulturelle Diversität (‚Bibliodiversität‘) in der Buchindustrie. Der letzte Projektteil verbindet die Erkenntnisse der drei Forschungslinien und reflektiert paradigmatisch die Gastauftritte Spaniens und seiner repräsentativsten Städte und Regionen auf internationalen Buchmessen zwischen 1991 und 2021. Es arbeitet good practices und erfolgreiche Strategien im Bereich des Kultur- und Literaturmarketings auf internationalen Buchmessen heraus, die auch jenseits des spanischen Beispiels Gültigkeit besitzen.