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Laufzeit

11.09.2019 - laufend

Institution der EUF

Abteilung Psychologie

Tinder: Profiling the self

„Hot or not“
Forschungsprojekt zu Tinder-Bildern an der Europa-Universität Flensburg (EUF)

Flensburg, 13.9.2019. Was sagen die Profilbilder bei Tinder über die Nutzerinnen und Nutzer aus? „Wer auf der Dating-App Tinder ein Bild einstellt, platziert sich dort strategisch in einem konkurrenzorientierten und äußerst beschleunigten Medium. Er oder sie möchte unter diesen Bedingungen Menschen aus der näheren Umgebung auf sich aufmerksam machen, um sie kennenzulernen – auf der Suche nach u.a. Freundschaft, Austausch, Sex oder Beziehung...

Stichworte

Profilbilder, qualitative Bildanalyse, soziale Normen, Selbstdarstellung

Beschreibung

Die Möglichkeiten der Suche nach einem Lebens- oder Liebespartner haben sich in der letzten Dekade deutlich verändert und vervielfältigt. Insbesondere die Partnervermittlung wurde im Zuge der Digitalisierung revolutioniert: sie wird nicht nur über Algorithmen gesteuert, sondern kann über die Nutzung entsprechender Apps auf mobilen Endgeräten mittlerweile zu jeder Zeit und an jedem beliebigen Ort und vor allem auch "neben her" stattfinden.

Damit ist die individuelle Partnersuche stärker als zuvor in alle Bereiche der alltäglichen Lebenspraxis integriert, zugleich ist sie einer gewissen Beschleunigungslogik ausgesetzt. Im Gegensatz zu detaillierten Profilen, die Partnersuchende bei etablierten Datingwebseiten erstellen, müssen Nutzer/innen von Onlinedating Apps nur minimalste Anforderungen erfüllen, um ein Profil online stellen zu können. Vorschläge für potentielle Partner/innen werden auf der Basis einiger weniger Angaben zur eigenen und zur gewünschten Person (z.B. Alter oder Entfernung) oder lediglich eines Bildes durch Algorithmen unterbreitet. Nutzer/innen entscheiden nach einem kurzen Blick auf das Profilbild der vorgeschlagenen Personen oft innerhalb von Sekunden, ob sie ihnen gefallen ("like") oder nicht. Insbesondere dem ersten Profilbild kommt damit eine immense Bedeutung zu.

Quantitative Betrachtungen solcher Profilbilder (Zu-Zweit, 2017) zeigen typische Motive, die sich nach Alter und Geschlecht unterscheiden. Über die der jeweiligen Auswahl des Motivs zugrundliegenden Gründe kann auf dieser Basis allerdings nur spekuliert werden.

Daher stehen im Projekt Tinder: Profiling the self qualitative Analysen von Profilbildern und damit verbunden die Fragen im Mittelpunkt, wie sich Nutzer/innen mit ihren Bildern auf der Onlinedating App Tinder präsentieren, welches implizite Wissen hinsichtlich sozialer Normierungen von Selbstdarstellungen im Kontext der Partnersuche sich in diesen Bildern dokumentiert und durch welche sozialen und gesellschaftlichen Prozesse diese spezifische Handlungspraxis gekennzeichnet ist.

Arbeitsstand und geplante Schritte

Zunächst wurde ein 242 Profilbilder umfassendes Sample von Nutzer/innen zwischen 25 und 34 Jahren auf dessen Charakteristika hin untersucht. Dabei zeigte sich, dass sich trotz der potenziell unendlich vielfältigen Möglichkeiten der Selbstpräsentation viele Darstellungen ähneln und einer überschaubaren Anzahl von "Typen" zuordnen lassen. Gegenwärtig erfolgen die Feinanalysen ausgewählter Bilder, einerseits solcher, die das Sample repräsentieren (also häufig vorkommen) und anderseits jener, die selten und dadurch besonders sind.

Eine Vorstellung erster Ergebnisse erfolgte im August 2019 auf der Tagung der International Society for Theoretical Psychology in Kopenhagen: Johanna Degen & Andrea Kleeberg-Niepage. Profiling the self - Young adults’ self-presentations in online dating platforms.

Im September 2019 fand im Rahmen des Projektes ein bildanalytischer Workshop mit Prof. em Jo Reichertz vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen mit dem Titel Die Macht der Bilder an der Europa-Universität Flensburg statt. Pressemitteilung: Forschungsprojekt zu Tinder-Bildern an der Europa-Universität Flensburg (EUF)

Eine erste Publikation ist für Ende 2019 geplant.

Kontakt: Johanna Degen