Zwischen Gewinnmaximierung und Gemeinwohl

Forschungsprojekt der Europa-Universität Flensburg präsentiert in Berlin Ergebnisse zu Möglichkeiten des nachhaltigen Wirtschaftens

Drei Jahre hat das Forschungsprojekt "Gemeinwohl-Ökonomie im Vergleich unternehmerischer Nachhaltigkeitsstrategien" (GIVUN) an der Europa-Universität Flensburg und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel untersucht, welche sozialen und ökologischen Effekte es mit sich bringt, wenn Wirtschaftsakteure ihr Handeln stärker am Gemeinwohl orientieren. Die grundlegende Frage des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts lautete: Welches Potenzial hat die zivilgesellschaftliche Bewegung der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) bzw. das gemeinwohlorientierte Wirtschaften für eine sozial-ökologische Transformation?

Elf sozial-ökologische Pionier-Unternehmen (wie die Bio-Bäckerei Märkisches Landbrot) wurden dafür in qualitativen Interviews zu ihren Gemeinwohl-Anstrengungen befragt. Gemeinsam mit vier Großunternehmen mit Sitz in Deutschland (wie der OTTO Group) untersuchte das Forschungsteam Spielräume einer verstärkten Gemeinwohlorientierung.

Auf der Abschlusstagung "Zwischen Gewinnmaximierung und Gemeinwohl: Unternehmen in der sozial-ökologischen Transformation" stellen die Projektpartner die Ergebnisse ihres Forschungsprojekts vor.

Gemeinwohlorientiertes Wirtschaften trifft systemtisch auf Hindernisse

Demnach trifft gemeinwohlorientiertes Wirtschaften unter den bestehenden Bedingungen systematisch auf Hindernisse. Diese entstehen etwa durch Markt- und Wettbewerbsmechanismen, durch fehlende Regulierung oder auch durch die Erwartungen der Kundinnen und Kunden. Erfolgreiche sozial-ökologische Pionier-Unternehmen konstruieren sich daher sozial-ökologische "Nischen. Durch ihre Orientierung in Richtung höherer sozialer und ökologischer Standards arbeiten sie allerdings aktiv daran, die praktischen und institutionellen Voraussetzungen gemeinwohlorientierten Wirtschaftens für sich und andere grundsätzlich herzustellen. Entsprechend wünschen sie sich eine gemeinwohlorientierte Veränderung der Rahmenbedingungen für alle Unternehmen. Auch aus Sicht von "konventionellen" Großunternehmen wäre eine solche Veränderung der politischen Rahmenbedingung zu begrüßen; anders als die Pionierunternehmen sehen sie Regulierung als notwendige Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaften an, um Wettbewerbsnachteile zu vermeiden. Die Gemeinwohl-Ökonomie wirkt so auf eine Änderung der regulatorischen Bedingungen für alle Unternehmen.

Die Ergebnisse bieten Anknüpfungspunkte für unternehmerisches und politisches Handeln in Richtung einer verstärkten Gemeinwohlorientierung.

Infos zur Abschlusstagung

"Zwischen Gewinnmaximierung und Gemeinwohl: Unternehmen in der sozial-ökologischen Transformation":  Abschlusstagung des Projekts "Gemeinwohl-Ökonomie im Vergleich unternehmerischer Nachhaltigkeitsstrategien" (GIVUN)"

Montag, 19. Februar, 12:00 -20:00 Uhr, Baumhaus und Artloft, Gerichtstraße 23, Berlin-Wedding

Weitere Informationen und Anmeldung: https://www.uni-flensburg.de/nec/forschung/givun/abschlusskonferenz/

Projektkoordination:

Europa-Universität Flensburg

Dr. Klara Stumpf (Leitung: Dr. Bernd Sommer/Prof. Dr. Harald Welzer)

Tel: 0461/805 2872

E-Mail: Klara.Stumpf-TextEinschliesslichBindestricheBitteEntfernen-@uni-Flensburg.de

Weitere Informationen: https://www.uni-flensburg.de/nec/forschung/givun/

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (v.l.n.r.): Klara Helene Stumpf, Bernd Sommer, Josefa Kny, Harald Welzer, Jasmin Wiefek in Kooperation mit Ludger Heidbrink, Ralf Köhne (Philosophisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)