„Vielleicht ein bisschen strenger, ansonsten ganz normal“

Die sechste Schuladoption geht an der Hohlwegschule in Flensburg erfolgreich zu Ende

Eine Woche Schule ohne Lehrerinnen und Lehrer: In der Hohlweg Schule in Flensburg haben Lehramtsstudierende der Europa-Universität Flensburg (EUF) fünf Tage lang unterrichtet. Die 21 angehenden Lehrerinnen und Lehrer haben 205 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, in den Pausen beaufsichtigt, Gespräche mit deren Eltern geführt oder Vertretungspläne geschrieben. Sie wurden dabei von einem Projektteam der Universität begleitet. Für diese innovative Art der Lehrkräftebildung hatten sich die Studierenden im Rahmen ihres obligatorischen Praxissemesters freiwillig gemeldet. Das gesamte Lehrerkollegium absolvierte in dieser Zeit an der EUF mit Unterstützung des Instituts für Qualität an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) ein Fortbildungs- und Schulentwicklungsprogramm.

Ein offener Austausch stärkt meine Kompetenzen

Sara Mollenhauer im Unterricht (Kathrin Fischer)

Für Sarah Mollenhauer, die die Fächer evangelische Religion und Deutsch im Master Grundschullehramt studiert, war während der Woche vor allem die Erfahrung des Team Teaching entscheidend. "Ich konnte die großartige Erfahrung machen, dass ich in einem tollen Team aus Studierenden unterrichten dufte, wovon ich persönlich enorm profitieren konnte. Wir haben uns durch eine konstruktive Zusammenarbeit sehr gut unterstützen können. So habe ich für mein späteres Berufsleben gelernt, dass ein offener Austausch meine Kompetenzen nicht infrage stellt, sondern erweitert", fasste die 26-Jährige ihre Erfahrungen zusammen.

Ansonsten ganz normal

Jesper, Klassensprecher der 4a. (Kathrin Fischer)

Jesper, Klassensprecher der 4a, wurde von Sarah Mollenhauer und ihren Kommilitoninnen unter anderem in Fach Religion unterrichtet. Für ihn war der Wechsel der Lehrkräfte nicht sonderlich aufregend. "Ich fand eigentlich, dass die wie normale Lehrer waren, man hat gar nicht gemerkt, dass sie bis jetzt noch keine richtigen Lehrer sind. Sie waren vielleicht ein bisschen strenger, aber ansonsten ganz normal", sagte er.

Erstmals mit einer Austauschstudentin aus Illinois

Erstmals nahm an der Schuladoption eine Austauschstudierende aus den USA teil. Für Nicole D’Alterio vom Knox College, Illinois, war die Woche auch ein Einblick in deutsche Kultur: "Durch diese Woche habe ich die Unterschiede der Schulsysteme intensiv erleben können. In Deutschland haben die Kinder mehr Pausen während des Unterrichtstages und auch insgesamt mehr Freiheiten, in den USA sind dagegen die Lehrerinnen und Lehrer etwas freier in der Gestaltung des Unterrichts", sagte die 21-jährige, die in USA Grundschullehramt mit dem Fokus auf Englisch als Zweitsprache studiert.

Sorgfältige Vorbereitung

Auf die einwöchige Schuladoption werden die Studierenden von den Kooperationspartnerinnen und – Partnern aus der beteiligten Schule, der Europa-Universität Flensburg und des IQSH in einem halbjährigen Vorlauf sorgfältig vorbereitet und intensiv begleitet. Täglich findet Unterrichtsbesuche und eine Reflexionsrunde statt.

Diese Vorbereitung und Begleitung haben es für Schuldirektorin Silvia Schmidt leichter gemacht, die Hohlweg Schule eine Woche an die Studierenden zu übergeben. "Ich hatte Vertrauen, weil wir die Studierenden im Vorfeld schon so lange kannten und weil ich wusste, dass die Schülerinnen und Schüler bei Kirsten Grossmann und Johanna Gosch, die für die EUF das Projekt betreuen, in erfahrenen Händen sind."

Die Möglichkeit zu einer einwöchigen Fortbildung beschreibt die Direktorin als einmalige Chance. "Sonst haben wir ja nur die zwei Schulentwicklungstage im Jahr, hier konnten wir mehrere Tage an einem Stück Themen erarbeiten", unterstreicht sie. Das Kollegium hat sich eine Woche mit dem Thema Schulgesundheit auseinandergesetzt.

In 2020 erstmals zwei Schuladoptionen

In Skandinavien gibt es die Schuladoption seit 1999. Die EUF hat die Idee als Pionier nach Deutschland importiert und im Schuljahr 2014/2015 erstmals unter dem Titel "Schuladoption – Studierende machen Schule" durchgeführt. Das Interesse an dem erfolgreich etablierten Projekt ist mittlerweile auch außerhalb Schleswig-Holsteins groß, erklärt Johanna Gosch. "Mittlerweile führt auch die PH Weingarten eine Schuladoption durch, in Hamburg denkt man darüber nach. Im Februar wird die erste Schuladoption an der PH Steiermark/Graz stattfinden. Als ‚kritische Freunde‘ sind wir dazu eingeladen, sie mit unserem Wissen zu begleiten." Auch das Knox College in Illinois möchte nach den Erfahrungen von Nicole D’Alterio die Zusammenarbeit intensivieren und mehr Lehramtsstudierende nach Flensburg schicken.

2020 werden erstmals gleich zwei Schuladoption durchgeführt, eine Volladoption an der Grundschule Fleckeby und eine Teiladoption an der Gemeinschaftsschule Flensburg West.

V.l.: Johanna Gosch, Zentrum für Lehrerinnen - und Lehrerbildung an der EUF, Silvia Schmidt, Direktorin der Hohlweg Schule, Peter Sellmer, Leiter der Käthe-Lassen-Schule. (Kathrin Fischer)