„Transnationale Perspektiven auf Schule und Bildung“

Erziehungswissenschaftliche Tagung an der Europa-Universität Flensburg

Vom 9. bis zum 11. September haben sich 85 Erziehungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus Deutschland, Frankreich, Japan, Kanada, Norwegen, Schweden, der Schweiz und den USA über Bildungsprozesse in verschiedenen Ländern bei der Jahrestagung der Kommission Schulforschung und Didaktik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenshaft (DGfE) an der Europa-Universität Flensburg ausgetauscht.

"Das Thema ist nicht neu, erfährt aber zunehmend Aufmerksamkeit"

Chinesisch im Kindergarten, Englisch in der Grundschule, internationale Baccalaureate an deutschen Schulen – Bildungsprozesse in Deutschland sind längst transnational geprägt. Der Einfluss von Schulleitern auf das Handeln der Lehrkräfte im Unterricht, Gerechtigkeitsvorstellungen von Lehrkräften – welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten lassen sich im Vergleich bestimmter Länder finden?

"Das Thema ist nicht neu, eine international vergleichende bzw. transnationale Perspektiven erfährt allerdings gegenwärtig in der Schulpädagogik eine neue Aufmerksamkeit", weiß Kerstin Rabenstein, Vorsitzende der Kommission und Professorin am Arbeitsbereich Schulpädagogik/Empirische Unterrichtsforschung und Schulentwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen.

Transnationale Themen müssen national umgesetzt werden

"Es gibt inzwischen eine Anzahl von transnationalen Organisationen, die Bildungssysteme beeinflussen, wie etwa die Europäische Union, die beispielsweise Inklusion und Anti-Diskriminierung als wichtige Themen setzt, entsprechend derer die Mitgliedsländer ihre Bildungssysteme reformieren müssen", erläutert Merle Hummrich, Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Schule und Jugend an der Goethe-Universität Frankfurt und als Vorsitzende der Sektion Schulpädagogik der "Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften" ebenfalls eine der Veranstalterinnen. "Auch Themen wie Digitalisierung und Migration sind transnational von Bedeutung, müssen aber in den nationalen Bildungssystemen umgesetzt werden."

"Wir diskutieren hier darüber, in welchem Verhältnis nationalstaatliche und überstaatliche Regelungen mit dem Alltag in den Schulen stehen und welchen Einfluss sie auf Unterricht und Lehrerhandeln haben", sagt Kerstin Rabenstein.

Besseres Leben dank "geschulter Gesellschaft"

David Baker, einer der führenden Vertreter der vergleichenden und internationalen Bildungswissenschaft von der Pennsylvania State University, stellte in einem der Hauptvorträge die Frage "Hat Bildung die Welt positiv verändert?" und beantwortete sie mit: Ja. Die globale Bildungsrevolution habe die Welt in eine "geschulte Gesellschaft" verwandelt mit überwiegend positiven Effekten auf menschliches Leben.

Stereotype Medienberichterstattung über BIldungsreformen

Stereotype Medienberichterstattung über Bildungsreformen waren Thema bei Florian Waldow, Professor für Vergleichende und Internationale Erziehungswissenschaft an der Humboldt Universität Berlin. Weil es bei Bildung immer auch um die Vorstellung der Zukunft der nächsten Generation gehe, ist die Debatte mit vielen Projektionen angereichert.

Nächste Tagung: Digitaler Wandel im Unterricht

Die Jahrestagung dient dem Austausch über laufende und geplante Forschungsprojekte zu Schule, Bildung und Unterricht in transnationaler und/oder international vergleichender  Perspektive. Die Diskussionen der Tagung hätten gezeigt, dass es viel Verständigungsbedarf unter anderem über Methodenfragen, wie z.B. den Umgang mit Übersetzungen bei empirischen Untersuchungen, den Vergleichskriterien etc. gäbe, sagen die Veranstalterinnen. Die nächste Tagung der Kommission im September im kommenden Jahr an der Universität Göttingen wird sich mit dem digitalen Wandel von Unterricht befassen.

Merle Hummrich, Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Schule und Jugend an der Goethe-Universität Frankfurt und Vorsitzende der Sektion Schulpädagogik der „Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften“ und Kerstin Rabenstein, Vorsitzende der Kommission und Professorin am Arbeitsbereich Schulpädagogik/Empirische Unterrichtsforschung und Schulentwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen. (Kathrin Fischer)