Sprachförderung und Kunstunterricht

Die Europa-Universität Flensburg im Zeichen der Lehrkräftefortbildung

Etwa 250 Lehrkräfte aus ganz Schleswig-Holstein haben heute (9.11.) die Europa-Universität Flensburg besucht. Die Lehrerinnen und Lehrer waren an die EUF gekommen, um sich über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in den Bereichen Sprachförderung und Kunst zu informieren. Unter dem Titel "Alles digital? Sprachförderung in inklusiven Kontexten" standen die Chancen und Hürden der digitalen Bildung für Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt. Der Landesfachtag "Material & Improvisation" beschäftigte sich dagegen mit zwei zentralen Kategorien des Kunstunterrichts.

Digitalisierung bietet Chancen zur Sprachförderung und Teilhabe

Die fortschreitende Digitalisierung in Schule und Unterricht biete, so Solveig Chilla, Professorin für Pädagogik bei Beeinträchtigungen von Sprache und Kommunikation, und Christian Filk, Professor für Medienpädagogik und interdisziplinäre Medienforschung, neue methodische und didaktische Möglichkeiten für einen sprachfördernden Unterricht und gleichzeitig Chancen zur Teilhabe an Schule und Gesellschaft. "Gehörlose können sich beispielsweise während des Unterrichts Fachinhalte mit Hilfe ihres Mobiltelefons in Gebärdensprache übersetzen lassen – das ging früher nicht", erklärte Solveig Chilla. "Damit verändern sich Kommunikationskulturen. Und was uns am meisten fehlt, ist tatsächlich die Bildung der Lehrkräfte für diese veränderten Kommunikationskulturen."

Es gehe daher darum, Lehrkräfte dazu zu befähigen, die Potenziale der digitalen Medien zur bestmöglichen Förderung der Schülerinnen und Schüler zu nutzen. Auf dem Landesfachtag standen entsprechend Überlegungen mediengestützter Förderung in inklusiven Kontexten im Fokus. Dass dieser Fachtag an der Europa-Universität Flensburg stattfand, sei kein Zufall, so Christian Filk: "An diesem Studienstandort bündeln sich zwei wichtige Kompetenzen im Land: Inklusive Sprachbildung und Medienbildung. So können wir gemeinsam darüber nachdenken, wie wir Sprachenbildung und Digitalisierung vereinen."

Analog trotz Digitalisierung

Vor dem Hintergrund der Digitalisierung rückte der Landesfachtag Kunst die Themen Material und Improvisation in den Vordergrund: "Wissen über Materialien und der Umgang mit Materialien sind die Basis des Kunstunterrichts. Hier kann das Digitale das Analoge nicht ersetzen", erläuterte Friederike Rückert, Professorin für Kunstpädagogik / Bildende Kunst an der EUF. "Ich muss die Eigenschaften von Materialien kennen, wenn ich sie gezielt und sinnvoll einsetzen möchte." Digitalisierung habe zu einer extremen Beschleunigung geführt, weshalb das zweite Thema, Improvisation, in diesem Zusammenhang häufiger gefragt sei. "Die Lehrkräfte müssen ständig improvisieren können", sagte sie, "sie müssen beispielsweise ad hoc Entscheidungen treffen, schnell reagieren oder Vorgaben umsetzen. Und daher möchten wir mit dem Fachtag Improvisation als zunehmend relevante Komponente künstlerischer Praxis in den Mittelpunkt rücken. Improvisationsfähigkeit bedeutet, in Resonanz mit anderen Lösungen finden zu können."


Landesfachtage sind zentrale landesweite Fortbildungsveranstaltungen in den Fächern (z.B. Mathematik, Deutsch, Kunst, …) und Fachrichtungen (z. B. "Geistige Entwicklung" in Sonderpädagogik), die jährlich oder alle zwei Jahre stattfinden. Sie bieten Lehrkräften die Möglichkeit, sich über den bundesweit aktuellen fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Erkenntnistand zu informieren und einzelne Aspekte in Workshops zu vertiefen.Sie werden vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) organisiert.

Hohe Bedeutung der Lehrkräftebildung an der EUF

"Ich freue mich sehr, dass an der EUF zunehmend Landesfachtage stattfinden", betonte Prof. Dr. Margot Brink, Vizepräsidentin für Studium und Lehre. "Sie unterstreichen die hohe Bedeutung, die die Lehrkräftebildung an der EUF hat, und geben uns die Chance, Theorie und Praxis im Austausch mit den Lehrerinnen und Lehrern besser aufeinander zu beziehen

Für eine bessere Verzahnung der einzelnen Ausbildungsphasen

Auch für die Direktorin des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein, Dr. Gesa Ramm, ist Verzahnung ein Thema. "Seit vielen Jahren wird eine bessere Verzahnung der einzelnen Ausbildungsphasen in der Lehrerbildung angestrebt. Ich freue mich daher sehr, dass wir mit der Europa-Universität-Flensburg hier auf einem guten Weg sind", sagte sie. "IQSH und Europa-Universität arbeiten in der Durchführung der Praxissemester für die Studierenden mit abgestimmten unterschiedlichen Aufgabenschwerpunkten zusammen. Zudem führen wir vermehrt Landesfachtage an der Universität durch, um wissenschaftliche Erkenntnisse in der Schule wirksam werden zu lassen und andererseits die Erfordernisse der Praxis an die Wissenschaft zurück zu spiegeln", so Ramm. Mit der EULE gebe es darüber hinaus an der EUF eine gemeinsame Einrichtung für Unterrichtsentwicklung, Lernkultur und Evaluation.

(Von links):Dr. Lea Schulz, Leitung digitale Medien und Inklusion am IQSH, Angela Holm, Landesfachberaterin Sprache am IQSH, Prof. Dr. Christian Filk, Professor für Medienpädagogik und interdisziplinäre Medienforschung an der EUF, Prof. Dr. Solveig Chilla, Professorin für Pädagogik bei Beeinträchtigung von Sprache und Kommunikation an der EUF, und Prof. Dr. Friederike Rückert, Professorin für Kunstpädagogik / Bildende Kunst an der EUF. (Kathrin Fischer)