Schölers snackt Platt – dat Book för Plattdüütsch in de School

Das schleswig-holsteinische Wissenschaftsministerium und die Europa-Universität Flensburg fördern Niederdeutsch-Schulbuch für die Grundschule

Mit 40 000 Euro fördern das schleswig-holsteinische Wissenschaftsministerium und die Europa-Universität Flensburg gemeinsam die Erstellung eines neuen Niederdeutsch-Schulbuches für die Grundschule.

"Mit dem Buch schließen wir eine Lücke: Für die Klassenstufen drei und vier im Primar-Unterricht Niederdeutsch gab es bisher kein Material. Die Förderung für Buch und Audio-CD ist eine gute Investition in den Erhalt regionaler Kultur. Wir wollen das Niederdeutsche als Regionalsprache stärken", begründet Wissenschaftsministerin Kristin Alheit das Engagement des Ministeriums. Mit 30 000 Euro unterstützt das Ministerium  die Arbeitsgruppe, die das Schulbuch erarbeitet.

Prof. Dr. Werner Reinhart, Präsident der EUF, betont: "Die EUF befindet sich mitten in einer mehrsprachigen Region. Entsprechend bedeutsam ist für uns die Erforschung von Regional- und Minderheitensprachen – aber auch deren Vermittlung. Daher freuen wir uns über die Möglichkeit, die dringend benötigten Unterrichtsmaterialien für Niederdeutsch in der Grundschule zu erarbeiten".

Für die Klassen 1 und 2 konnte bereits 2015 das Schulbuch "Paul un Emma snackt plattdüütsch" vorgelegt werden. Es wurde von einer vorwiegend schleswig-holsteinischen Expertinnengruppe unter Beteiligung der EUF erstellt. Ihre acht Mitglieder arbeiten an verschiedenen Stellen für das Niederdeutsche und werdendas Schulbuch für die Klassen 3 und 4 gemeinsam an der EUF erarbeiten.

Seit 2014 wird an ausgewählten schleswig-holsteinischen Grundschulen (29 Modellschulen) niederdeutscher Sprachunterricht erteilt. Zielsetzung ist der aktive Spracherwerb und die eigenständige Kommunikation auf Niederdeutsch.

"Diese Kompetenz kann ohne zeitgemäßes Lehrmaterial nicht erreicht werden, da die Lehrausgangsbedingungen heterogen sind – manche Schüler sprechen bereits Niederdeutsch, für viele Schüler ist das Niederdeutsche eine Fremdsprache. Ein an fremdsprachdidaktischen Methoden orientiertes Schulbuch wird den institutionell gesteuerten Spracherwerb des Niederdeutschen für Lehrende und Lernende auf eine neue Grundlage stellen. Die Aufgabe des Buches ist die Vermittlung der gesprochenen Sprache Niederdeutsch für den norddeutschen Lebensalltag der Schülerinnen und Schüler, ihrer Familien und Freunde", erklärt Robert Langhanke, Projektleiter und Sprecher der Abteilung für Niederdeutsche Sprache und Literatur an der EUF

Das Schulbuch wird so konzipiert, dass es überregional einsetzbar sein wird. Lehrerinnen und Lehrer werden eine zuverlässige Grundlage für einen modernen und spracherwerbsorientierten Niederdeutschunterricht finden. Schülerinnen und Schüler haben einen verlässlichen Begleiter für den Weg in eine neue Sprachwelt. Voraussichtlich 2018 soll das Buch fertiggestellt sein. 

Die Erstellung des Schulbuches ist an der Europa-Universität Flensburg eingebunden in einen spezifischen Forschungszusammenhang, wie Robert Langhanke erläutert: "Das Niederdeutsche wird an der EUF auch unter didaktisch-methodischem Aspekt betrachtet. Das ist ein Spezifikum der Flensburger Arbeit zum Niederdeutschen: Sie begreift das Niederdeutsche als eine vermittelbare Sprache und stellt diesen Aspekt in den Mittelpunkt. Art und Weise der Vermittlung ist Gegenstand forschenden Fragens an der Abteilung für Niederdeutsche Sprache und Literatur der EUF".

Hintergrund Niederdeutsch

Niederdeutsch ist in Deutschland als Regionalsprache im Sinne der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen anerkannt.

Von den Minderheitensprachen unterscheidet es sich dadurch, dass die Platt Sprechenden keine nationale Minderheit bilden. Niederdeutsch wird in den Ländern Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie in den nördlichen Teilen von Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt gesprochen.

In der Zeit der Hanse, also etwa von 1230 bis 1600, entwickelte sich Niederdeutsch zur Verkehrssprache in Norddeutschland und an den Küsten der Ost- und Nordsee. Zwischen London, Bergen und Nowgorod verhandelten die Kaufleute mit ihren russischen und englischen Partnern auf Platt ­ es war das ‚Wirtschaftsenglisch‘ der frühen Neuzeit. Man sprach das Niederdeutsche nicht nur, man schrieb es auch: in der Justiz, der Verwaltung, der Wirtschaft. Mit dem Niedergang der Hanse zwischen 1500 und 1630 verdrängte das Hochdeutsche von Südosten nach Nordwesten vordringend das Niederdeutsche in der Schreibsprache. Platt beschränkte sich von da an lange Zeit auf den mündlichen Sprachgebrauch, bis im 19. Jahrhundert wieder eine neue Literaturtradition entstand.