Positives Image, zurückgehende Sprachpraxis

Projekt an der EUF untersucht Revitalisierungsbemühungen des Friesischen

Das Image des Friesischen ist in den letzten Jahrzehnten als Teil einer einzigartigen kulturellen Identität deutlich gestiegen. Dies hat jedoch nicht zu einer Zunahme der Anzahl der Sprecherinnen und Sprecher und auch nicht zu einer wachsenden Anzahl von Bereichen geführt, in denen die Sprache verwendet wird. So lässt sich das Ergebnis eines 18-monatigen Forschungsprojekts zusammenfassen, in dem Nils Langer, Professor für Minderheitenforschung, Minderheitenpädagogik und Nordfriesisch an der Europa-Universität Flensburg (EUF), Projektmitarbeiterin Lena Terhart (EUF) und Dr. Femmy Admiraal von der königlich-niederländischen Akademie der Wissenschaften in den Niederlanden (KNAW-DANS) die Situation des Friesischen erforscht haben.

Fokus auf der Wirksamkeit sprachpolitischer Maßnahmen

Dazu haben die Forscherinnen und Forscher in 79 qualitativ geführten Interviews 95 Menschen aus Nordfriesland befragt. "Unser Fokus lag dabei auf der Wirksamkeit von sprachpolitischen Maßnahmen, wie z.B. zweisprachige Ortsschilder oder Friesisch-Unterricht in der Schule, für den Sprachgebrauch und die Sichtbarkeit von Sprache ", erklärt Lena Terhart. "Wir haben dabei sehr bewusst keine Sprachaktivistinnen und –Aktivisten befragt, um zu sehen, wie solche Maßnahmen bei der Allgemeinbevölkerung ankommen."

"Insgesamt wurde aus den Interviews deutlich, dass sich das Bild der friesischen Sprache in den letzten etwa 50 Jahren deutlich verbessert hat. Die friesische Sprache und Kultur gelten als Bestandteil der eigenen Identität, und zweisprachig aufzuwachsen wird heute nicht mehr als Nachteil, sondern von vielen Interviewpartnern sogar als Vorteil für Kinder angesehen. Das ist sicherlich ein Effekt, der durch die sprachpolitischen Aktivitäten der nordfriesischen Institutionen und Vereine, aber auch durch die Landesregierung hervorgerufen wird. Gesehen werden muss dies auch im Lichte eines allgemeinen Trends zur Aufwertung des regionalen Kulturerbes, der seit den 1970er Jahren in ganz Europa beobachtet werden kann", erläutert Nils Langer einen Teil der Ergebnisse. "Andererseits beobachten wir aber weiterhin einen Rückgang der Anzahl der Muttersprachlerinnen und –Sprachler. Dieser Rückgang verlangsamt sich, findet jedoch weiterhin statt."

Positives Bild des Friesischen, aber keine neuen Sprecherinnen und Sprecher

"Viele der Interviewten bemerkten, dass der Umfang des Friesischunterrichts nicht ausreichend sei, um die Sprache mit aktiven Selbstvertrauen zu erlernen", erläutert Lena Terhart. Derzeit gibt es Friesischunterricht an 16 Schulen, überwiegend in den Klassen eins und zwei oder drei und vier. In der Sekundarstufe wird Friesisch regulär nur an drei Schulen (Föhr, Amrum, Risum-Lindholm) unterrichtet. Der Schulunterricht in seiner jetzigen Form, so das Ergebnis das Projekts, trägt dazu bei, ein positives Bild des Friesischen zu erzeugen, produziert jedoch ohne begleitende Aktivitäten keine neuen Sprecherinnen und Sprecher.

Teil des Projekts „SMILE – Sustaining Minoritized Languages in Europe“

Die Untersuchung des Friesischen war Teil des Projekts "SMILE – Sustaining Minoritized Languages in Europe" und wurde vom Smithsonian Center for Folklife and Cultural Heritage (Washington, DC) mit 120.000 Euro gefördert. Ziel war es, die Wirksamkeit vergangener und gegenwärtiger Revitalisierungsaktivitäten für Nordfriesland zu analysieren.

Haben den Frieischunterricht untersucht: Projektmitarbeiterin Lena Terhat (links) und Nils Langer, Professor für Minderheitenforschung, Minderheitenpädagogik und Nordfriesisch an der Europa-Universität Flensburg (EUF). (Kathrin Fischer)