Neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler im Fokus

Projekt an der Europa-Universität Flensburg untersucht Sprachförderung für schulische Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger

Zum 1. Februar 2015 startete an der Europa-Universität Flensburg (EUF) das Verbundprojekt "Formative Prozessevaluation in der Sekundarstufe. Seiteneinsteiger und Sprache im Fach" mit einer Laufzeit von knapp drei Jahren. Gemeinsam mit den Universitäten Bielefeld (Prof. Dr. Udo Ohm) und Jena (Prof. Dr. Bernt Ahrenholz) untersucht Julia Ricart Brede, Professorin für "Deutsch als Fremd- und Zweitsprache" an der EUF, welche Sprachfördermaßnahmen für sogenannte Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger an Schulen bis zur 10. Klasse angeboten werden. "Mit Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern sind Kinder und Jugendliche gemeint, die aufgrund von Flucht oder freiwilliger Migration häufig ohne Kenntnisse der deutschen Sprache im schulpflichtigen Alter nach Deutschland eingewandert sind", erklärt Julia Ricart Brede. "Diese Schülerinnen und Schüler sollen schnell ins deutsche Schulsystem integriert und hierfür möglichst optimal vorbereitet werden. Das ist allerdings keine leichte Aufgabe, denn die Gruppe der Neuzugewanderten ist sehr heterogen in Bezug auf ihre Lernerfahrungen, Herkunftssprachen, Sprachbiographien, sowie auf ihr Alter, ihren soziokulturellen Hintergrund etc.".

Bislang fehlt in Deutschland ein übergreifendes Konzept für die Sprachförderpraxis mit neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern. "Deshalb erheben wir in diesem Verbundprojekt in sechs verschiedenen Bundesländern und sieben sogenannten BISS-("Bildung durch Sprache und Schrift")-Verbünden zunächst, welche Sprachfördermaßnahmen bereits existieren und wie diese aussehen", erläutert Ricart Brede. "Dazu interviewen wir Schüler- und Lehrerschaft und beobachten mit verschiedenen Methoden den Unterricht". Das Flensburger Team (Julia Ricart Brede, Mira Rüter und Hannah Schrage) ist für Hamburg und Niedersachsen zuständig.

Die Auswertung der gewonnenen Daten soll in Form von Rückmeldewerkstätten in die einzelnen Verbünde zurückgetragen werden. Ziel des gesamten Projektes ist es, ein gleichermaßen wissenschaftlich fundiertes und praxistaugliches Konzept für die schulische Integration von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern an Schulen der Sekundarstufe I in Deutschland zu entwickeln. Das Projekt wird mit insgesamt 900 000 Euro gefördert, auf die Europa-Universität Flensburg entfallen davon 220 000 Euro.