Katastrophen, Berufsbildung und Biodiversität

Europa-Universität Flensburg vergibt Forschungspreise 2019

In diesem Jahr zeichnet die Europa-Universität Flensburg drei Forschungsarbeiten mit dem Forschungspreis aus. Die Preise gehen an Dr. Maike Böcker, das Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (biat) sowie Prof. Dr. Carsten Hobohm.

Für ihre Dissertation: Dr. Maike Böcker

Dr. Maike Böcker. (Privat)

Dr. Maike Böcker wird für ihre Dissertationsschrift "Aus Katastrophen lernen? Wahrnehmungen, Deutungen und Konsequenzen des Oderhochwassers von 1997" (München, 2018) ausgezeichnet. In ihrem Forschungsprojekt geht sie anhand von 40 Interviews den Fragen nach, wie Menschen verheerende Umweltkatastrophen erleben, welche Konsequenzen sie daraus für ihr weiteres Handeln ziehen und "wie sie die Spannung zwischen objektiven Handlungszwängen und subjektivem Handlungswiderstand bearbeiten", wie Laudatorin Andrea Kleeberg-Niepage, Professorin für Entwicklungspsychologie/Pädagogische Psychologie an der EUF es formuliert. "In Maike Böckers Arbeit zeigt sich die Stärke eines qualitativen Forschungsdesigns, das sich auf die konkrete Lebenswelt der Menschen und deren subjektive Deutungen einlässt in Kombination mit einer Forschungshaltung, die auf Verstehen und nicht auf Bewertungen setzt", lautet ihr Fazit.

Die Auszeichnung empfindet Dr. Maike Böcker, die an der EUF den Studiengang "Transformationsstudien" koordiniert und im Forschungsprojekt "Entwicklungschancen und -hemmnisse einer suffizienzorientierten Stadtentwicklung" arbeitet, als große Würdigung: "Der Gegenstand meiner Arbeit, die Auseinandersetzung mit Katastrophen und Lernprozessen, hat während des Auswahlverfahrens ungewollt Aktualität erfahren. Auch bezüglich COVID-19 gilt es, weiterhin den Konnex von sozial-ökologischen Krisen, Katastrophen und Lern- bzw. Transformationsprozessen zu beleuchten. Das Preisgeld von 3000 Euro werden wir am ‚Norbert Elias Center for Transformation Design & Research‘ für Teilnahmen an Tagungen und Konferenzen in den kommenden Monaten verwenden, auch um Ideen für zukünftige Forschungsprojekte weiter zu entwickeln."

Werden gemeinsam ausgezeichnet: Das biat und Prof. Dr. Carsten Hobohm

Das Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (biat) und Carsten Hobohm, Professor für Biologie und ihre Didaktik – Ökologie und Umweltbildung, werden gemeinsam ausgezeichnet. Sie teilen sich das Preisgeld von 3000 Euro.

Das biat: Für den Sammelband "Flensburger Perspektiven zur Lehre und Forschung für die Berufsbildung"

(von links) Prof. Dr. Reiner Schlausch, Professor für die Berufliche Fachrichtung Metalltechnik, Prof. Dr. Axel Grimm, Professor für die Beruflichen Fachrichtungen Elektro- und Informationstechnik, Prof. Dr. Volkmar Herkner, Professor für Berufspädagogik. (biat)

Das biat wird für seinen kooperativ erarbeiteten Sammelband "Flensburger Perspektiven zur Lehre und Forschung für die Berufsbildung – 20 Jahre biat" gewürdigt. Als Laudatorin gratuliert dem Institut die schleswig-holsteinische Staatssekretärin für Bildung, Dr. Dorit Stenke: "Das duale Ausbildungssystem in Deutschland wird weltweit kopiert. Das biat trägt mit seiner engen Verzahnung von Forschung und Lehre, Theorie und Praxis, mit seinen europäischen Forschungsprojekten etwa zur Industrie 4.0 und der Lehrer*innenbildung in stark benötigten Bereichen sowie der nun vorgelegten wissenschaftlichen Systematisierung des Standes der Berufsschulforschung maßgeblich zum Erhalt dieses hochgelobten Ausbildungssystems bei."

Die Professoren des biat, Axel Grimm, Volkmar Herkner und Reiner Schlausch, sehen den Preis als Auszeichnung für das gesamte Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (biat) mit all seinen aktiven und ehemaligen Mitarbeitenden und freuen sich über die dadurch ausgedrückte Wertschätzung ihrer Arbeit. "An dem Werk haben sich auch Autorinnen und Autoren aus anderen für uns relevanten Studiengängen der Europa-Universität Flensburg, aber auch von außerhalb unserer Universität beteiligt. Ihnen allen gilt unser Dank. Das Preisgeld wird für weitere Veröffentlichungen vorgesehen, die in einer neuen, von uns herausgegebenen Buchreihe erscheinen werden, die unter anderem die gerade fertiggewordenen Dissertationsschriften aufnehmen wird. Insofern fördern wir damit den wissenschaftlichen Nachwuchs", erklärt Institutssprecher Prof. Dr. Volkmar Herkner.

Prof. Dr. Carsten Hobohm: Für seine Mitarbeit an einem Beitrag für "Nature Communications"

Prof. Dr. Carsten Hobohm, Abteilung Ökologie und Umweltbildung der EUF (privat)

Prof. Dr. Carsten Hobohm erhält den Preis für seine Mitarbeit in dem internationalen Team-Beitrag "Identifying long-term stable refugia for relict plant species in East Asia", der in der renommierten wissenschaftlichen Open-Access- Fachzeitschrift "Nature Communications" erschienen ist. In dem Beitrag geht ein internationales Forscherteam der Frage nach, wie sich der Klimawandel auf die Biodiversität auswirkt. Konkret fragen die Forscherinnen und Forscher, aus welchem Grund in Südost-Asien so viele Relikt-Baumarten überdauern konnten, die andernorts längst ausgestorben sind. Laudator Dr. Simon Clausen, Akademischer Rat in der Abteilung Ökologie der EUF, urteilt: "Die Ergebnisse dieser Studie haben für die Erhaltung der Biodiversität eine große Bedeutung, denn viele der für Relikt-Baumarten charakteristischen Standorte (long Term stable Refugia) befinden sich in den Gebirgen Südwestchinas und Nordvietnams außerhalb von bereits etablierten Schutzgebieten. Die Relevanz dieser Publikation wird auch dadurch unterstrichen, dass sie von einem der führenden internationalen Journals zu den Themenbereichen Umwelt und Natur, Nature Communications, mit einem sehr hohen Zitationsindex (13) angenommen wurde."

Das Preisgeld von 1500 Euro wird zur Unterstützung der weiteren Forschung, von Promotionen und Publikationen verwendet werden.

Auszeichnung für herausragende, kreative und innovative wissenschaftliche Leistungen

Gemeinsam mit dem noch bis Ende Juni 2020 amtierenden Vizepräsidenten für Forschung, Prof. Dr. Jürgen Budde, gratulieren die Laudatorinnen und Laudatoren den Preisträgerinnen und Preisträgern. "An der EUF werden oft interdisziplinär zentrale Zukunftsfragen erforscht", erklärt Jürgen Budde. "Wir freuen uns, dass wir herausragende, kreative und innovative wissenschaftliche Leistungen mit diesem Preis auszeichnen und damit sichtbar machen können." Üblicherweise werden die Preise im März beim Jahresempfang der Universität verliehen. Der fiel in diesem Fall jedoch aufgrund der Covid-19 Pandemie aus.