Internationale Tagung Brandan in europäischer Perspektive / Brendan in European Perspective

Am 5. bis 6. September fand an der Europa-Universität Flensburg (EUF) die erste Tagung im deutschsprachigen Raum zu Brandan und der Brandan-Tradition statt.

Brandan: Ein zu Legende gewordener Heiliger

Im englischsprachigen Raum – vor allem in Irland – kennen ihn die meisten: jenen zur Legende gewordenen irischen Abt und Heiligen Brandan (engl. Brendan), der sich im fünften Jahrhundert mit einigen Gefährten auf die Suche nach der Insel der Seligen machte. Eine Gestalt, von der sogar vermutet wurde, er habe auf einer Atlantikfahrt lange vor Kolumbus die Neue Welt entdeckt. Überliefert sind zahlreiche lateinische Handschriften der Meerfahrt des Hl. Brandan, der Navigatio sancti Brendani, die später auch in die Volkssprachen übersetzt und in verschiedenen Versionen im gesamten westlichen Europa Verbreitung fand. Gelesen und gehört wurde die Meerfahrt des Hl. Brandan in Klöstern genauso wie an Fürstenhöfen, in Bürgerhäusern genauso wie im Kreis von Handwerkern und Seefahrern. Die Faszination der Erzählungen von Brandans abenteuerlicher Seereise hielt bis weit in die Frühe Neuzeit an und wirkt bis in die Gegenwart hinein.

Erste Tagung im deutschsprachigen Raum

Am vergangenen Donnerstag und Freitag gingen neun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus fünf Ländern (von Kanada über England, Italien und den Niederlanden bis Deutschland) dieser Faszination nach.

Unter inter- und transdisziplinärer Perspektive und aktuellen theoretischen Vorzeichen untersuchten die Forscherinnen und Forscher unter narratologischen, kommunikations- und medientheoretischen wie auch überlieferungs- und kulturgeschichtlichen Perspektiven ausgewählte Phänomene und Kontexte der gut neun Jahrhunderte lebendigen Brandan-Tradition. Dabei sind die Querverbindungen zu keltischen Erzählungen (Dorothy Bray, Gill-University Montreal) genauso zur Sprache gekommen wie die Verortung der sagenhaften Brandan-Inseln in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kartografie (Alessesandro Scafi, Warburg Institute London). Motivische, mediale und kommunikationsgeschichtliche Aspekte wie die Zaumdieb-Episode (Christoph Fasbender, Chemnitz), die Bildprogramme der Handschriften (Andreas Hammer, Köln) oder die Kommunikationsakte des Heiligen mit seinen Mönchen (Simone Loleit, Duisburg-Essen) fanden genauso Berücksichtigung wie die Grundlagen der Legende in der Handschriftenkultur des Mittelalters (Rossana Guglielmetti, Mailand) und den klösterlichen Lesepraktiken (Katja Weidner, Freiburg). Gelegentlich kamen die besonderen Verbindungen Brandans zum norddeutschen Raum zur Sprache, wenn zahlreiche Bildzeugnisse aus Westeuropa gemustert wurden (Clara Strijbosch, Utrecht) oder neben einer Lübecker Legendensammlung in niederdeutscher Sprache auch eine neu entdeckte Brandan-Messe vorgestellt wurde (Sebastian Holtzhauer, Osnabrück und Augsburg).

Prominent besetzt

Die Organisatoren (Jörn Bockmann, Flensburg und Sebastian Holtzhauer, Osnabrück) waren ebenso zufrieden wie die Teilnehmenden: "Unser Tagungskonzept, Brandan unter europäischer und interdisziplinärer Perspektive zu untersuchen, wurde sehr gut angenommen. Wir konnten fast alle, die in diesem Diskurs eine prominente Rolle spielen, nach Flensburg holen."

Informationen zur Tagung finden Sie hier.